Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2019

Ein aufschlussreiches Buch und eine Leseempfehlung!

Alles gut?!
0

Ich habe bereits einige Bücher zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimakrise, Globalisierung etc. gelesen. Die meisten Autoren haben hierbei einen missionarischen Eifer entwickelt und die Ratschläge sind häufig ...

Ich habe bereits einige Bücher zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimakrise, Globalisierung etc. gelesen. Die meisten Autoren haben hierbei einen missionarischen Eifer entwickelt und die Ratschläge sind häufig nicht leicht in den Alltag berufstätiger Frauen integrierbar. Dieses Buch ist anders!

Der junge österreichische Journalist Andreas Sator betrachtet die Dinge von beiden Seiten. Er hinterfragt neugierig das Wirken von Platzhirschen am Öko-Himmel wie „Fair Trade“. Sind die wirklich so fair zu ihren Vertragspartnern, wie sie uns vorgaukeln? Oder vielleicht doch nur ein „Öko-Schmäh“? Der Autor setzt sich sachlich kritisch mit dem Wirken von NGOs und Entwicklungshilfe auseinander. Er führt dazu pro und kontra an.

In acht Kapiteln beschäftigt er sich auch mit seinem eigenen Einkauf- und Konsumverhalten. Er nimmt es streng unter die Lupe. Nach jedem Kapitel folgt ein Resumée mit folgenden Fragen/Anmerkungen:

Was ich gelernt habe
Wie du dich informieren kannst
Was du machen kannst

Und alles ganz ohne den Lesern ein schlechtes Gewissen einimpfen zu wollen, wie das viele tun.

Die Überschriften zu den acht Kapiteln lauten übrigens:

Beim Einkaufen die Welt retten? Es ist kompliziert.
Ich habe eine Idee: Wie Österreich reich wurde.
Warum es immer noch extreme Armut gibt
Fast alles auf der Welt wird immer besser
Die Politik rette die Welt: Einige Vorschläge
So mache ich im Alltag einen Unterschied
Der Kampf gegen die Klimakrise ist zentral
Und jetzt? Was ich von diesem Buch mitnehme

Bei seinen Recherchen ist er immer wieder auf Widersprüche und Probleme gestoßen, die er auch beim Namen nennt. Dennoch klingt das Buch optimistisch und ermuntert die Menschen einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu tun. Der Schreibstil ist eingängig, macht nachdenklich ohne zu belehren. Das möchte ich wirklich nochmals anmerken. Hier gibt es keinen erhobenen Zeigefinger, der die wohlhabenden Menschen verteufelt, weil sie mehr Klamotten kaufen, als sie je brauchen. Ich für meinen Teil, überlege, ob ich wirklich das fünfte schwarze T-Shirt brauche. (wahrscheinlich reich sogar drei)

Sehr gut gefallen mit die Hinweise auf weiter führende Literatur, die im Anhang aufgelistet sind.

Fazit:

Ein aufschlussreiches Buch für alle jene, die sich fragen, ob sie als Einzelne etwas ändern können? Yes, you can! Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 19.10.2019

Eine sehr detailreiche Biografie Beethovens

Beethoven
0

Diese Biografie gibt uns einen detailreichen Blick auf das Leben Ludwig van Beethovens. Sie bereitet die Leser auf die Flut von Büchern, die zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 erscheinen werden.

Ludwig ...

Diese Biografie gibt uns einen detailreichen Blick auf das Leben Ludwig van Beethovens. Sie bereitet die Leser auf die Flut von Büchern, die zu Beethovens 250. Geburtstag 2020 erscheinen werden.

Ludwig wird 1770 in Bonn geboren. Vater Johann erkennt bald das musikalische Talent seines Sohnes und ermöglicht ihm eine fundierte Ausbildung. Allerdings ist Johann van Beethoven ein schwerer Alkoholiker. Dass dies in einer Zeit von chronischem Alkoholabusus erwähnt wird, sagt eigentlich alles. Natürlich prägt diese Kindheit einen Menschen. Dazu kommt, dass Ludwig in einer höchst dramatischen Zeit lebt: 1789 Revolution in Frankreich, 1793 werden König Louis XVI. und Königin Marie Antoinette geköpft, bis 1815 überzieht Napoleon ganz Europa mit Kriegen.
Da ist es erstaunlich, dass überhaupt Platz für Kunst und Kultur sein kann.
Ludwig hat nie gelernt mit Geld umzugehen und damit ist er ebenfalls ein Kind seiner Zeit. Schulden machen ist en vogue - Was kostet die Welt? Morgen schon kann alles vorbei sein!

Auch das unstete Leben ist typisch für seinen bürgerlichen Stand und die Epoche. Als Künstler muss er dorthin reisen, wo seine Mäzene leben. Er wird von zahlreichen Adeligen finanziell unterstützt. Er lernt die Créme de la Créme des kulturellen Lebens kennen: Haydn, Albrechtsberger, Salieri, Goethe oder die Brentanos.

Meine Meinung:

Ich mag grundsätzlich Biografien, die viele geschichtliche Details enthalten, die aus Briefen zitieren. Doch das eine oder andere Mal war es mir fast zu viel. Da werden zusätzliche Anmerkungen, die reine Nebenfiguren betreffen, in Klammer oder zwischen Bindestriche gesetzt.

Die aufwändige Recherchen der Autoren und das daraus gewonnene Wissen erschlagen den Leser beinahe. Nicht alles, was der Schriftsteller weiß, muss so detailliert an den Mann (Frau) gebracht werden.
In insgesamt 27 Kapiteln zeichnet Kirsten Jüngling ein eher düsteres Bild des Komponisten.

Der erbitterte Rechtsstreit um die Vormundschaft über seinen Neffen Karl füllt viele Seiten. Hier wird jede Menge Schmutzwäsche gewaschen. Das Motiv, seinem Neffen eine adäquate Erziehung angedeihen zu lassen, erscheint mir hier ein wenig vorgeschoben bzw. dann in einem Justament-Standpunkt zu enden. Gut hat mir gefalllen, dass hier historische Details genannt werden, die sonst eher unbekannt wären: Zum Beispiel die unterschiedliche Gerichtsbarkeiten, die eine für die Adeligen, die andere (der Magistrat) für die Bürger.

Die zahlreichen echten oder angedichteten Liebschaften finden zwar Erwähnung, aber ganz erschließt sich mit Beethovens Verhältnis zu den Frauen nicht.

Einigen Lesern wird vielleicht unbekannt sein, dass es so etwas wie das Urheberrecht zu Beethovens Lebzeiten noch nicht gegeben hat. So konnte jeder – auch der Großmeister selbst – bei anderen Komponisten „abkupfern“. Musikverlage konnten die Notenblätter der Werke verkaufen, ohne dass der Schöpfer auch nur einen Cent an Tantiemen erhalten hätte – heute unvorstellbar.

Ähnlich wie das Buch von Eleonore Büning „Reden wir über Beethoven“, hat mir ein wenig die Leichtigkeit in dieser Biografie gefehlt.
Leider gibt es auch eine Reihe von Tippfehlern (z.B. „Geschäftsgebahren“ S.193), die mein Lesevergnügen ein wenig gestört haben.

Fazit:

Eine sehr detailreiche Biografie, der es ein wenig an Leichtigkeit fehlt. Dennoch gebe ich 4 Sterne, denn die viele Recherchearbeit sollen auch belohnt werden.

Veröffentlicht am 19.10.2019

HIer habe ich ein wenig mehr erwartet

Haben schon alle abgestimmt?
0

Als der ORF-Moderator Eugen Freund unfreiwillig in die Pension geschickt wird, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Er lässt sich als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Österreichs für die Europa-Wahl ...

Als der ORF-Moderator Eugen Freund unfreiwillig in die Pension geschickt wird, ist für ihn noch lange nicht Schluss. Er lässt sich als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten Österreichs für die Europa-Wahl 2014 aufstellen und erhält als einer von 18 Vertretern Österreichs einen Sitz im EU-Parlament.

Dieses Buch beschreibt seinen Werdegang zum Politiker und welche Herausforderungen die neue Position nach sich gezogen hat.

Eugen Freund erzählt über seine Erfahrungen manchmal mit Augenzwinkern, manchmal blitzt ein wenig der Frust zwischen den Zeilen durch. Die Bilanz scheint ein wenig durchwachsen zu sein. Auf der einen Seite die unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten unter einen Hut zu bringen und andererseits das Interesse der Menschen in den Heimatländern an der Arbeit der EU-Parlamentarier zu wecken. Als Bewährungsprobe sieht der Autor das Jahr 2015 und seine Flüchtlingssituation, die die Grenzen der europäischen Solidarität deutlich aufgezeigt hat.

Dass es zwischen den Abgeordneten mehr Solidarität als zwischen den Ländern gibt, zeigt die nette Geschichte, wie Freund als Babysitter einspringt, als die Kindesmutter einen Vortrag hält (S.140/141). Wer hätte das gedacht?
Das eine oder andere Schmankerl aus dem Inneren des EU-Parlaments findet sich auch in diesem Buch. Einige Kapitel sind mit einer knappen Seite (Papst-Besuch S. 60) recht kurz, in anderen werden einzelne Reden wortwörtlich abgedruckt.

Fazit:

Ein kurzer Rückblick auf eine Abgeordneten-Periode im EU-Parlament von dem ich mir etwas mehr erwartet habe. Daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Mörderisches KLassentreffen

Hüttenkatz
0

Eigentlich kann Steinböck diesem Klassentreffen nicht wirklich etwas abgewinnen. Nach 30 Jahren ein Wiedersehen und noch dazu auf einem Berg, der ihm die Aussicht auf den Gardasee versperrt? Nun gut, er ...

Eigentlich kann Steinböck diesem Klassentreffen nicht wirklich etwas abgewinnen. Nach 30 Jahren ein Wiedersehen und noch dazu auf einem Berg, der ihm die Aussicht auf den Gardasee versperrt? Nun gut, er fährt doch, Frau Merkel heimlich im Gepäck.

Die Teilnehmer sind ziemlich überrascht, dass Elias, der seit 30 Jahren als tot gilt, als Initiator des Klassentreffens persönlich auftritt. Man hat sich einige zu erzählen. Die Wiedersehensfreude währt nicht lange, denn am nächsten Morgen sind Elias und Florian tot. Ermordet in der Sauna. Steinböck und Frau Merkel müssen anfangs ganz ohne das bewährte Team von Emil Mayer jr. und Ilona auskommen, weil ein Unwetter zu einem Stromausfall führt und die Berghütte von der Umwelt abgeschlossen ist.

Zum Glück funktioniert die Materialseilbahn wieder und die Vorhut erscheint in Form von Emil Mayer jr. samt Rollstuhl und dem Kollegen von der Spusi.

Warum wurden Elias und Florian ermordet? Wer ist das eigentliche Opfer, wer der Kollateralschaden? Noch bevor es eine entscheidende Spur gibt, stirbt der nächste Teilnehmer. Ist Steinböck auch in Gefahr?

Meine Meinung:

Autor Kaspar Panizza ist wieder ein kolossaler Regional-Krimi gelungen! Diesmal gibt es noch jemanden, der die Katze sprechen hört, ihre Statements aber nicht wirklich einordnen kann.

Der Krimi besticht durch viele falsche Fährten, Sackgassen und überraschende Wendungen, so dass der Leser ziemlich an der Nase herumgeführt wird. Die Auflösung ist dennoch schlüssig. Obwohl das Setting, einsame Berghütte ohne Verbindung zur Außenwelt und einige Tote schon mehrfach beschrieben worden ist, findet sich die eine oder andere neue Facette.
Wie heißt es doch so nett bei Wilhelm Busch? „Dieses war der erste Streich und der zweite folgt sogleich.“ Hier müsste es wohl heißen: „Dieses ist die erste und zweite Leich‘ und die dritte folgt sogleich!“ .

Gut gelungen sind wieder die sozialkritischen Aspekte, die hier angebracht sind.

Die Charaktere sind wieder ausgesprochen gut gelungen. Köstlich auch die Szenen mit der Modenschau! Steinböck in Tracht und Frau Merkel, die als „Drogenspürkatze“ eingeführt, einige Personen hektisch am Smartphone herumwischen lässt.

Fazit:

Wieder ein fesselnder Krimi, der mit seinen eigenwilligen Protagonisten punktet. Ich freu‘ mich schon auf Fall 5. Vorab natürlich wieder 5 Sterne für Frau Merkel & Co.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Eintauchen in das Berlin und Weimar von 1918/19

Amalientöchter
0

Mit diesem historischen Roman hat Autorin Joan Weng wieder ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch verfasst.

Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1918 und der Große Krieg (wie der Erste ...

Mit diesem historischen Roman hat Autorin Joan Weng wieder ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch verfasst.

Worum geht’s?

Wir schreiben das Jahr 1918 und der Große Krieg (wie der Erste Weltkrieg damals genannt wurde) ist endlich vorbei. Klara eine Tochter aus gutem Hause in Weimar will der Enge der Heimatstadt entfliehen. Sie hat das Schicksal ihrer Freundinnen vor Augen: Die eine ist Kurz nach der Hochzeit zur Kriegswitwe geworden, die andere hat nur ihre Hochzeit im Kopf. Klara weiß, dass es noch ein wenig mehr geben muss.
Ihr Verlobter Fritz ist Armeearzt und nach wie vor in den diversen Lazaretten im Einsatz. Also packt Klara kurzer Hand, trotz aller Bedenken von Fritz und ihrer Mutter, ihren Koffer. In Berlin angekommen, trifft sie zuerst auf Kiki, eine lebenslustige Frau und Freundin von Fritz, dann auf Martha, eine Zeitungsherausgeberin. Für deren Magazin, das sich ausschließlich an Frauen richtet, schreibt sie Artikel und Fortsetzungsgeschichten.
Doch das Leben in Berlin besteht nicht nur aus Festen, Liebe und Swing. Es die Zeit ist kurz vor der Gründung der „Weimarer Republik“, deren Zeugen Klara (und die Leser) werden. Es ist die Zeit in der Konservative gegen Sozialisten und Kommunisten mit Waffengewalt vorgehen. Es ist Revolution in Berlin - und Klara und Fritz sind mitten drin.


Meine Meinung:

Ich bin, wie immer bei Joan Wengs Bücher, ganz tief in die Zeit „hinein gekippt“. Die Autorin erzählt historische Details so fesselnd, dass man gar nicht merkt, Geschichtsunterricht zu bekommen. Das mag ich an Joan Wneg besonders, dass sie Fakten und Fiktion so gekonnt vermengt. Die Aufbruchsstimmung in Deutschland, der Mut der streitbaren Frauen, die es satt haben, der Armut nicht entrinnen zu können. Besonders beeindruckend ist jener Abschnitt in „Kiki Klassens Reisetagebuch“, in dem es um ungewollte Schwangerschaften geht.

Mit gefällt die Entwicklung, die Klara durchgemacht hat. Sie war zwar schon immer ein wenig eine (geheime) Revoluzzerin, aber sie reift durch die verschiedenen Schicksalsschläge. Seien es ihre eigenen oder die der anderen Frauen. So ist auch die Trennung von Klaras großer Liebe Fritz zu erklären. Er muss tun, was ihm sein ärztliches Gewissen rät, nachdem hier in Berlin Freunde auf einander geschossen haben - er will nach Afrika auswandern. Klara sieht ihre Bestimmung im Artikel für die Zeitung schreiben.

Die bildhafte Beschreibung von Berlin und Weimar haben mich an unseren Sommerurlaub erinnert, in dem wir in beiden Städten auf den Spuren der Weimarer Republik (und natürlich Goethes und Schillers) gewandelt sind.

Fazit:

Ein toller historischer Roman, der uns in die Zeit von 1918/19 eintauchen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.