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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Revanche à la Provence
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Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. ...

Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. Alles Zutaten, die Lust machen, dieses Buch lesen zu wollen.

Zwar beginnt der 5. Fall für den Dorfgendarmen Pascal Chevrier, der eigentlich ein ruhiges Leben abseits von MOrd und Totschlag führen will, mit der Entführung des ghanaesischen Top-Models Jezebel im Rahmen des Pierre-Cardin-Festivals noch einigermaßen dramatisch, nur um dann in ein Geplänkel rund um stinkenden Fisch (Anleihe bei Asterix?), allerlei Dorfgeschwätz und zu Lokalgrößen, die alle ihre eigenen Suppen kochen, abzugleiten.

Erst gegen Ende nimmt die Handlung ein wenig Fahrt auf ...

Meine Meinung:

Ich finde es sehr schade, dass aus den eingangs erwähnten Zutaten wie Gier und Intrigen in der Modewelt, Ausverkauf von Grund und Boden an Spekulanten sowie der immense Verbrauch von Wasser für die Erzeugung von Kleidung, die kaum getragen wird, nicht mehr herausgekommen ist.

Nicht nur, dass es eine gefühlte kleine Ewigkeit dauert, bis der Dorfgendarm Pascal Chevrier mit den Ermittlungen beginnen kann, plätschern die auch nur so lauwarm dahin. Erst recht spät nehmen sie Fahrt auf.

Pascals Familienleben sowie die dörfliche Idylle des kleinen Ortes Lacoste, das seit einiger Zeit von Immobilienspekulanten heimgesucht wird, spielen eine große Rolle. Die Polizeiarbeit eher weniger, da sie zu allgemein und oberflächlich wirkt. Da können auch bekannte Namen wie Marquis de Sade oder Pierre Cardin (1922 - 2020) auch nicht viel helfen. Die Information, dass Cardin Uniformen für Polizei und Postbedienstete entworfen hat, ist einmal ganz witzig, wenn sie mehrmals wiederholt wird, langweilig. Da verstehe ich Pascal, wenn er die Augen verdreht. Nicht verstehen kann ich, dass er sich durch die Annahme von illegal, weil in der Schonzeit geschossenes Wild, korrumpieren lässt.

Die Charaktere wirken blass und manche Handlungen kann ich ihnen nicht abnehmen. Geärgert habe ich mich darüber, dass Pascal quasi zum Helden stilisiert wird, weil er einmal seine Enkelin wickelt. Bitte was ist das für ein Weltbild?

Nett finde ich, dass immer wieder die Bezeichnung Mannequin verwendet wird.

Obwohl ich häufig eine Reihe mit dem letzten Band derselben beginne, um anschließend dann doch beim ersten Band zu beginnen, werde ich diesmal darauf verzichten. Das Strickmuster, ehemaliger Elitepolizist/Kriminalist hat von der Großstadt Paris genug und zieht es vor als einfacher Dorfgendarm eine vermeintlich ruhige Kugel zu schieben (was selten gelingt), ist in mehreren anderen Serien besser gelungen.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich leider nicht gepackt, daher nur knappe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Konspirateure
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Wenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder ...

Wenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder vielleicht noch die Mitglieder der „Weißen Rose“ ein. Die vielen kleinen, couragierten zivilen Gruppen von Gegnern der Nazis sind zum großen Teil nur wenigen bekannt.

Dieses Buch widmet sich diesen konspirativen Gruppe, die lange Zeit unentdeckt geblieben sind. Eine davon ist das sogenannte Leuschner-Netz, das mit über mehrere tausend Mitglieder verfügt und weit verzweigt in Deutschland agieren kann, weil einige Mitglieder Handlungsreisende sind und recht lange mehr oder weniger unbehelligt reisen können. Heimlich wird auch Kontakt zum militärischen Widerstand aufgenommen.

„Die Kaufleute nutzten ihren Bewegungsspielraum für enge Kontakte. Dabei kam der dringende gesellschaftliche Bedarf an Lebensmitteln und dazugehöriger Technik den Untergrundaktivitäten entgegen. Auch wenn die Nationalsozialisten den Händler auf Grund ihrer politischen Vorgeschichte misstrauten - ihre Betriebe waren zu wichtig für die Kriegswirtschaft, als dass man auf ihre Dienste verzichten konnte. Es galt, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sicherzustellen. Zu letzteren gehörten auch Reinigungsgeräte, die ein weiterer Widerständler Ernst Volkmann, erfolgreich von Bochum aus vertrieb. Der Dortmunder Mitverschwörer Müller handelte mit Unterrichtsmaterial für Schulen und später mit Särgen.“ (S.23)


Das Autoren-Duo Ludger Fittkau & Marie-Christine Werner geht der Frage nach, wer diese Menschen gewesen und fördert Erstaunliches zu Tage. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, darunter Gläubige Christen, Gewerkschafter, Polizisten sowie Sozialisten und haben dementsprechend große politische Differenzen. Es eint sie der Gedanke, die Terrorherrschaft zu beenden, das gemeinsame Ziel vor das Trennende der Weltanschauungen zu stellen.

Die Autoren gedenken auch der zahlreichen Frauen, die ihren Anteil am Widerstand haben, der aber meistens abschätzig bemessen und klein geredet wird. Dass die Nazis selbst den Frauen kein politisches Denken zugestehen, hilft hier bei den Widerstandsgruppen. Man transportiert notwendige Ausrüstung und Flugblätter im Kinderwagen unter dem Kind verborgen, versteckt Juden und andere Widerständler.

Wäre das Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gelungen, wäre vermutlich genügend Personal zur Verfügung gestanden, eine neue Verwaltung ohne die NS-Amtsinhaber aufzubauen.

Einige dieser zivilen Widerständler werden wie Wilhelm Leuschner im Umfeld des 20. Juli 1944 denunziert, enttarnt, verhaftet und hingerichtet. Andere wie Gustav Kettel, der als Kurier Nachrichten überbringt und seine eigene Widerstandsgruppe in das Leuschner-Netz integriert.

Dieses Buch setzt allen jenen ein Denkmal, die in größeren oder kleinen Gruppen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. Das bislang unbedankt und unter Einsatz des eigenen Lebens. Oft genug haben sie dafür den höchsten Preis, nämlich mit ihrem Leben bezahlt.

Fazit:

Gerne gebe dieser Hommage an die Frauen und Männer des zivilen Widerstandes gegen die NS-Diktatur 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Protokolls eines Aufsehen erregenden Prozesses von 1822

Eine Biedermeierelegie
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Hinter diesem, als Hardcover mit opulentem Blumencover gebundenen, Schwergewicht mit 1.064 Seiten, entführt uns Autor und Verleger in eine Zeit, die man gemeinhin als Biedermeier bezeichnet. Es sind die ...

Hinter diesem, als Hardcover mit opulentem Blumencover gebundenen, Schwergewicht mit 1.064 Seiten, entführt uns Autor und Verleger in eine Zeit, die man gemeinhin als Biedermeier bezeichnet. Es sind die Jahre ab dem Wiener Kongress von 1814/15 bis hin zu den Revolutionen von 1848/49. Im Kaisertum Österreich regiert bis 1835 Kaiser Franz II./I.(1726-1835). Also offiziell, hinter dem Kaiser zieht ein ganz anderer die Fäden: Staatskanzler Fürst Clemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859). Und Metternich wird auch in diesem Buch, das einen einzigartigen Prozess zum Thema hat, eine Rolle spielen.

Noch ein paar Worte zur Zeitgeschichte: Eine dünne Schichte von Adeligen und eine langsam sich bildende Bürgerschicht stehen den Massen an kleinen Handwerkern, Dienstboten beiderlei Geschlechts und Tagelöhnern gegenüber. Diese Mehrheit der Bewohner Wiens, fristet ihr Leben in Schmutz und Elend. Das macht sie zum Spielball der Launen und Verbrechen, die von Adeligen verübt, aber nur äußerst selten geahndet werden. Je näher man dem Kaiserhof steht, desto geringer die Strafverfolgung. Deshalb ist dieses Buch, dem ein wahrer (im doppelten Sinne) Aufsehen erregender Kriminalfall zu Grunde liegt so interessant.

Ernst Hausner hat hier die wortgetreue Wiedergabe der Anzeigen und Prozessakten veröffentlicht. Wem wird nun 1822 der Prozess gemacht und warum?

Angeklagt ist niemand geringerer als Aloys Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg (1774-1848), Wirklicher Geheimer Rat und Kämmerer, hochdekorierter Diplomat, Besitzer mehrerer Herrschaften. Und zwar, der „Schändung, Nothzucht und Kuppeley in vielen Fällen“. Allein in Wien umfasste die Untersuchung rund 200 Vorgänge mit unmündigen Mädchen, viele davon aus dem damals berühmten Wiener Kinderballett. Man muss eine deutlich höhere Dunkelziffer annehmen, denn nicht alle Mädchen bzw. deren Eltern haben Anzeige erstattet. Zudem lebte Kaunitz auch einige Zeit in Madrid und Rom, von wo er jeweils abberufen worden ist.

Das Kinderballett zieht vor allem adelige Männer an, weil hier die Kinder nur leicht bekleidet tanzen. Nach den Vorstellungen werden sie gerne in die Wohnungen eingeladen und missbraucht. Dafür erhalten Eltern, Kuppler oder auch die Ballettmeister ein Entgelt. Diese Kinderballette werden im Anschluss an den Prozess verboten.

Aus den Akten, die Ernst Hausner in diversen Archiven aufgestöbert hat, ist ersichtlich, dass die Mädchen oft erst zehn oder zwölf Jahre alt waren, manchmal auch noch jünger, als sie von Kupplerinnen oder auch den eigenen Eltern dem Fürsten mit Absicht zugeführt worden sind, um prostituiert zu werden. Oft haben diese Kinder damit ihre gesamte Familie ernährt.

In insgesamt 21 Kapiteln beleuchtet Autor Ernst Hausner den Prozess, der einzigartig in der damaligen Geschichte ist:

Aus der Wiener Lebenswelt
Zeitgenössisches über das Kinderballett
Kinder auf dem Theater
Die Strafgerichtsbarkeit
Die Untersuchung gegen den Fürsten Kaunitz
Das Verhörprotokoll des Fürsten Kaunitz
Untersuchung Eva und Rosina Ricki, Melwinger, Spiwak und Lenhart
usw.

Der Prozess endet mit einem Landesverweis und dem „Schuldenausgleichs-Verfahren“ bei dem so gut wie alle Liegenschaften und Fahrnisse des Fürsten unter den Hammer kommen. Eine Gefängnisstrafe hat Fürst Metternich, denn er ist in erster Ehe mit eine Cousine von Aloys‘ verheiratet war, gerade noch verhindern können.

Bezeichnend ist, dass Kaunitz seine hohe Stellung stets hervor streicht und die Aussagen der geschändeten Mädchen als nicht glaubwürdig diffamiert. Sie seien ja „niederer Herkunft“. Kaunitz wird 1823 auf sein Schloss Austerlitz in Mähren verbannt. Doch auch von dort langen bei der Polizei-Hofstelle Berichte über ähnliche Verbrechen ein. Es gab Stimmen unter seinen Bekannten, die seinen pädophilen Zwang als Krankheit angesehen haben.

Meine Meinung:

Die Idee, diese Prozessakten, die mehr als hundert Jahre gesperrt waren, nun der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, finde ich sehr gut. Allerdings ist das Buch ziemlich mühsam zu lesen. Das liegt zum einem an der Schriftgröße und den seltenen Absätzen (da wäre das Buch noch umfangreicher geworden), und zum anderen daran, dass nur wenige verbindende Zeilen in moderner Sprache Platz gefunden haben, sondern fast ausschließlich die Sprache der damaligen Zeit zu lesen sind. Da hätte ein wohlmeinendes Lektorat unterstützen können. So liest man sich durch Hunderte Seiten von Protokollen, die akribisch die Aussagen der Befragten und Zeugen wiedergeben, Rechtschreib-, Grammatik-und Hörfehler inklusive. Manchen Namen begegnet der aufmerksame Leser in unterschiedlichen Schreibweisen, so dass hier ganz sorgfältig und genau gelesen werden muss. Jede Silbe, die bei den Befragungen, gesprochen worden ist, ist dokumentiert, auch wenn es sich um mehrfach gestellte Fragen handelt. Da hätte doch ein wenig gekürzt werden sollen. Gegen Ende des Buches häufen sich dann Tipp-Fehler im Text, die wohl einem übermüdeten Korrektorat geschuldet sind.

Die Rechtfertigungen des Fürsten Kaunitz ähneln jenen aktueller Angeklagten, die ebenso „Niemanden gekannt und keine Erinnerung haben (wollen)“. Zudem hätten sich die Fräuleins ihm an den Hals geworfen, weil sie Geschenke erwarteten.

Der Prozess um Kaunitz ist so unappetitlich wie spektakulär. Der genaue Wortlaut, den der Autor akribisch aus den Prozessakten übernommen hat, gibt einen Einblick in die Arbeit der Polizei und des Gerichts. Die transkribierten Akten stellen die damals übliche Vorgangsweise authentisch dar und sind daher ein Dokument jener Zeit. Man muss sich also von der als lieblich-geblümt dargestellten Zeit des Biedermeiers, in der Hauskonzerte und literarische Salons gepflegt worden sind, verabschieden. Für der größten Teil der Bevölkerung waren diese Jahrzehnte ein Leben im Elend.

Fazit:

Dieses Buch mit seinen 1.064 eng bedruckten Seiten ist wohl nur etwas für Spezialisten. Daran können die zur Auflockerung abgebildeten zahlreichen Faksimiles der Protokolle, des Schriftverkehrs sowie einige Porträts wenig ändern. Sich dieses Themas anzunehmen, die Akten zu sichten und zu transkribieren kann ich mit vier Sternen bewerten, muss aber einen Stern wegen der oben genannten Unzulänglichkeiten wieder abziehen, bleiben 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Höllische Küste
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In ihrem neunten Fall wird Kommissarin Liv Lammers, obwohl sie im Urlaub auf Sylt ist, zu einem tödlichen Tandemsprung gerufen. Der Tandemmaster hat schwer verletzt überlebt, seine Kundin, die bekannte ...

In ihrem neunten Fall wird Kommissarin Liv Lammers, obwohl sie im Urlaub auf Sylt ist, zu einem tödlichen Tandemsprung gerufen. Der Tandemmaster hat schwer verletzt überlebt, seine Kundin, die bekannte Hochzeitsplanerin Jaline nicht. Recht schnell ist klar, dass die Leinen des Fallschirms durchgeschnitten worden sind. Nur von wem?

Nahezu gleichzeitig ereignen sich mysteriöse Anschläge auf der Insel. So werden Packungen eines Biomehls mit Glassplittern versetzt und Blumenbeete mit Unkrautvernichtungsmittel besprüht. Soll damit dem überbordenden Tourismus geschadet werden? Schluss mit lustig ist, als die Bremsschläuche von eBikes angeschnitten werden, eine Ärztin mehrere Tag tot in ihrem Appartement liegt und der rappende Hauskeeper-Boy ein für ihn bereit gestelltes, aber vergiftetes Törtchen gerade noch überlebt.

Daher muss Liv, deren Tochter Sanna auf dem Sprung nach Japan ist, ihren Urlaub abbrechen und in die komplexen Ermittlungen einsteigen. Es gibt zahlreiche Verdächtige, wie den eifersüchtigen Ex-Freund von Jaline, der jeden ihrer Schritte überwacht hat? Oder ein Konkurrent der Fallschirmspringer? Oder doch der kauzige Naturschützer?

Viele Spuren werden gelegt, einige versanden sprichwörtlich. Jedenfalls haben Liv Lammers und ihre Kollegen mehr als genug zu tun. Daneben gibt es noch Missstimmung an der Dienststelle, weil sich sowohl Momke als auch Rabia um die freie Stelle der Dienststellenleitung beworben haben und das Thema Hochzeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Krimi.

Meine Meinung:

Auch der neunte Fall beschert uns Lesern eine komplexe Handlung, die zum Miträtseln anregt. Wie wir es von Sabine Weiß gewöhnt sind, darf auch das Privatleben der Ermittler nicht fehlen. Dabei steht natürlich jenes von Liv Lammers im Fokus. So fokussiert und straight sie in ihrem Beruf ist, so zaghaft und unsicher ist sie in ihrem Privatleben. Das ist auf Grund der Ereignisse in der Vergangenheit keine Überraschung. Nun hat sie mit Sebastian einen passenden Partner gefunden, der auch von Tochter Sanna akzeptiert wird. Doch das Brimborium um eine Hochzeit scheint ihr unangemessen. Sie lässt sich überreden, während einer Zeugenbefragung Brautkleider probieren, was ist nicht gar so gut finde. Gut gefällt mir das Happy End für ihre Großmutter. Dass ausgerechnet bei dieser Hochzeitsfeier ihre Schwester Annika und Neffe Jan unheilvoll hereinplatzen, ist eine Garantie, dass das letzte Wort im Privatkrieg der Schwestern, den der verstorbene Vater angezettelt hat, seine Fortsetzung findet.

Durch die vielschichtig angelegten Charakter ist dieser Krimi niemals langatmig. Die eigenartigen Zwischenfälle sowie die tote Fallschirmspringerin halten Momke, Rabia und Liv ordentlich auf Trab. Das Match um den vakanten Chefsessel löst die Autorin nach dem Motto „wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“. Auch da sind Konflikte vorgezeichnet.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, in dem Autorin Sabine Weiß alle Register zieht, 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 28.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Mündung
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Nach einem Prolog, der neugierig macht, schwenken wir unsere Aufmerksamkeit auf Lena Funke, die auf einer kleinen unbewohnten Insel mit einer Vogelbeobachtungsstation eine Auszeit nimmt. Funke ist Kriminalkommissarin ...

Nach einem Prolog, der neugierig macht, schwenken wir unsere Aufmerksamkeit auf Lena Funke, die auf einer kleinen unbewohnten Insel mit einer Vogelbeobachtungsstation eine Auszeit nimmt. Funke ist Kriminalkommissarin und muss den Tod ihrer Schwester Jette, die einem Serienmörder, den man Gezeitenmörder nennt, zum Opfer gefallen ist, verarbeiten. Als nach einer stürmischen Nacht die Leiche eines brutal ermordeten Mannes angespült wird, ist sich Lena sicher, dass es sich hier um den Gezeitenmörder handelt. In der Jackentasche des Toten findet sie Schmuckstücke der ermordeten Frauen. Sie bricht ihre Auszeit ab und stürzt sich in die Arbeit.

Soweit so gut - ein üblicher Kriminalroman, oder?

Nun beginnt ein Thriller, bei dem weder Lena Funke noch der Leser weiß, wem er trauen kann. In der Dienststelle muss sie entdecken, dass es die Leiche, der sie die Schmuckstücke abgenommen haben will, gar nicht existiert. Sie selbst gerät unter Verdacht und es scheint, als hätte sich die ganze Welt gegen Lena und ihre Bemühungen Licht ins Dunkel der Verbrechen zu bringen, verschworen. Sie fühlt sich verfolgt und entwickelt eine Paranoia, die es ihr kaum möglich macht, auch sich selbst und ihrem Gedächtnis zu trauen. Zudem hat Lena kognitive Aussetzer, die sie in die forensische Psychiatrie bringen. Die behandelnde Ärztin dort scheint ebenfalls Teil eines möglichen Komplotts zu sein und wirkt sehr eigenartig. In zahlreichen Sitzungen hebt sich für wenige Momente der Schleier des traumatisierten Geistes, als sich Lena bewusst wird, für mehrere Wochen in der Gewalt des Gezeitenmörders gewesen zu sein.

Wird es Lena Funke gelingen, die Verbrechen aufzuklären?

Meine Meinung:

Dieser Thriller fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Autor Tim Pieper verwendet dafür extra kurze Kapitel, die gemeinsam mit dem hohen Erzähltempo uns kaum Zeit lassen, Atem zu holen.

Wir Leser werden mit zahlreichen unerwarteten Wendungen konfrontiert und Tim Pieper macht es uns nicht leicht, die Ereignisse einzuordnen. Dazu kommt eine Reihe von undurchsichtigen Figuren, wie der Vater von Lena und Jette, dem ich am liebsten den Hals umgedreht hätte. Jette ist nämlich ein hochbegabtes Kind mit Symptomen von Autismus, das der Familie so ziemlich alles abverlangt, weshalb man die ältere Schwester Lena, links liegen lässt und kaum beachtet. Zudem macht der Vater Lena für Jettes Verschwinden verantwortlich. Ein echtes Herzerl also. Auch die Kollegen bei der Polizei sowie ihr Vorgesetzter Bruns agieren stellenweise sehr eigenartig.

Eine höchst dubiose Figur ist die Ärztin, bei der man sich fragen muss, hat sie eine Approbation oder ist sie ein Mitglied eines Geheimdienstes. Ich hatte sofort Oberst Rosa Klebb aus dem James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“ vor Augen.

Tim Pieper legt zahlreiche Spuren, die immer wieder in Sackgassen enden, bis der Thriller in einem fulminanten Showdown endet, den man so nicht erwartet hätte. Außer, man kennt den Autor aus früheren Büchern, dann kann man ahnen, was sich hinter der Geschichte möglicherweise verbirgt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Thriller 5 Sterne und eine Leseempfehlung.