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Venatrix

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Veröffentlicht am 13.10.2018

Intrigen am Hof Kaiser Rudolf II.

Alchimie einer Mordnacht
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Prag im Winter 1599. Der junge Gelehrte Christian Stern trifft in der Goldenen Stadt ein. Sein Ziel ist es, an Kaiser Rudolfs Hof aufgenommen zu werden. Rudolf gilt als Freund der Wissenschaften und scheut ...

Prag im Winter 1599. Der junge Gelehrte Christian Stern trifft in der Goldenen Stadt ein. Sein Ziel ist es, an Kaiser Rudolfs Hof aufgenommen zu werden. Rudolf gilt als Freund der Wissenschaften und scheut auch nicht davor zurück möglichen Scharlatanen Audienzen zu gewähren.
Doch bevor es zur Begegnung mit Rudolf kommt, stolpert Stern gleich an seinem ersten Abend betrunken über die Leiche der Magdalena Kroll, Tochter des angesehenen Arztes. Zunächst selbst als Verdächtiger in das Gefängnis gesteckt, wird Christian Stern vom Kaiser persönlich mit der Mordermittlung beauftragt. Die gestaltet sich für Stern denkbar schwierig. Nicht nur, dass er ja fremd in der Stadt ist, macht man ihm seine Herkunft zum Vorwurf: Christian Stern ist der uneheliche Sohn des Erzbischofs von Regensburg.
Zu Beginn bemüht sich der junge Gelehrte Licht ins Dunkel zu bringen. Doch als der potentielle Täter, Magdalenas möglicher Liebhaber, tot aufgefunden wird, steht er ziemlich ratlos da.
Unversehens verstrickt sich Christian Stern in diversen Palastintrigen. Wer zieht hier die Fäden? Wird er die Morde aufklären können?

Meine Meinung:

Das Buch ist eher ein historischer Roman als ein Krimi. Ermittlungstechnische Ansätze kommen einfach zu kurz. Das stört mich allerdings gar nicht. Interessanter finde ich die Beschreibung von Kaiser Rudolf und seinem Spleen mit der „Wunderkammer“. Rudolf gilt ja als hochgebildet, ist aber dennoch nicht für das Regieren geschaffen. Lieber vergräbt er sich in die Wissenschaft, oder was man damals dafürhält. Die häufig wechselnden Launen, die Sprunghaftigkeit und die Menschenscheu deuten auf eine Geisteskrankheit hin.
Gut gefällt mir, dass mehrere neben dem Kaiser andere historische Persönlichkeiten ihren Auftritt haben. So darf Christian Stern mit Tycho Brahe und Johannes Kepler diskutieren. Er soll Edward Kelley, das Medium des Alchimisten John Dee aus dem Gefängnis in Most holen.
Gut gelungen finde ich die Beschreibung des Zwiespalts in dem die Gesellschaft am Beginn des 17. Jahrhunderts befunden hat. Herrschaft von Gottes Gnaden, Auseinandersetzung um die Religionen und Aberglaube quer durch alle Bevölkerungsschichten.

Die Vettern- und Günstlingswirtschaft wird ebenso thematisiert, wie die Zügellosigkeit der Mächtigen.
Wahrscheinlich nicht von allen Lesern gerne gesehen ist die antiquierte Sprache, die dem Original nachempfunden ist. Manchmal ist der ausschweifende, opulente Schreibstil ermüdend. Die Charaktere sind bis ins kleinste Detail beschrieben, was die eigene Fantasie ein wenig an die Kette legt. Gemeinsam mit Christian Stern können die Leser Prag durchstreifen. Die Beschreibung der Stadt mit ihren stinkenden Gassen ist sehr anschaulich und detailreich dargestellt. Allerdings wäre für mein Dafürhalten ein wenig Zurückhaltung besser gewesen.
Die Erzählperspektive aus der Sicht des alten Christian Stern, der sich an ein reiches Leben erinnert ist gut gelungen.

Fazit:

Das Buch zeichnet die komplexen Zustände an Rudolfs Kaiserhof in Prag sehr gut nach. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.10.2018

Fesselnder Auftakt einer Krimi-Reihe

Totenweg
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Totenweg/Romy Fölck/5 Sterne

Als Fridjof Paulsen von einem Unbekannten niedergeschlagen und schwer verletzt wird, kehrt seine Tochter Frida, eine angehende Kriminalbeamtin, nach Jahren der Abwesenheit ...

Totenweg/Romy Fölck/5 Sterne

Als Fridjof Paulsen von einem Unbekannten niedergeschlagen und schwer verletzt wird, kehrt seine Tochter Frida, eine angehende Kriminalbeamtin, nach Jahren der Abwesenheit wieder auf den elterlichen Apfelhof in den Elbmarschen zurück. Der Betrieb steht kurz vor der Pleite und Frida versucht Ordnung in das Chaos zu bringen. Während Paulsen um sein Leben kämpft, warten schon die Geier, um sich die besten Teile des Apfelhofs unter den Nagel zu reißen. Ist der Grundstückspekulant Schucht Drahtzieher des Überfalls?

Kriminalkommissar Bjarne Haverkorn ist mit den Ermittlungen zum Überfall auf Fridjof betraut. Ausgerechnet Haverkorn, jener Leiter der Mordkommission, der im Jahr 1998 den Mord an Fridas bester Freundin Marit Ott untersucht und nie aufgeklärt hat. Der ungelöste Fall hat Bjarne nie losgelassen und so lässt er bei den Ermittlungen um Fridjof Fragen nach der Vergangenheit einfließen. Haverkorn ist überzeugt, dass Frida, die damals die tote Marit gefunden hat, mehr weiß als sie damals zugegeben hat. Wird sie sich im Lichte der aktuellen Ereignisse ihm anvertrauen? Immerhin steht Frida auf der richtigen Seite des Gesetzes.

Nach und nach wird die dramatische Geschichte aufgelöst und die gut gehüteten Geheimnisse so mancher Familie aufgedeckt.

Meine Meinung:

Romy Fölck war für mich bislang eine unbekannte Krimi-Autorin gewesen. Diesen Krimi habe ich gerne gelesen. Er spiegelt ein düsteres Bild der Obstbauern in den Elbmarschen wieder. Gleichzeitig ist er ein dicht gewobenes Netz an Schuld und Rache, das erst nach und nach sichtbar wird.
Den Täter habe ich zwar recht bald im Visier gehabt, doch die Ermittlungen und ihre Sackgassen, sowie das Dilemma in dem sowohl Frida als auch Haverkorn stecken, ist hervorragend herausgearbeitet worden.

Der Schreibstil ist packend und ich habe mich sich in die Elbmarschen versetzt gefühlt. Die beiden Zeitebenen und Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben. Die Zweifel an seinen eigenen Fähigkeiten, lassen Bjarne Haverkorn authentisch wirken. Auch den unterbewussten Wunsch Fridas, das Verbrechen an Marit aufzuklären, obwohl sie zu wissen glaubt, wer Marits Mörder ist, kann ich gut nachvollziehen.

Fazit:
Ein fesselnder Krimi, der mich begeistert hat. Ich freue mich nun schon auf den Folgeband! („Bluthaus“) Romy Fölck ist für mich eine echt tolle Neuentdeckung!




Veröffentlicht am 12.10.2018

Macht Lust auf mehr

Deutsche Erfindungen
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Die Hamburger Journalistin Heike Haupt bringt dem interessierten Leser 34 Erfindungen, die in Deutschland gemacht wurden, näher. Der Bogen spannt sich vom, man höre und staune, Weihnachtsbaum über Buchdruck ...

Die Hamburger Journalistin Heike Haupt bringt dem interessierten Leser 34 Erfindungen, die in Deutschland gemacht wurden, näher. Der Bogen spannt sich vom, man höre und staune, Weihnachtsbaum über Buchdruck und Kaffeesatzlosen Kaffee zu Automobil und Abspielgeräten wie den MP3-Playern.

Natürlich sind nicht alle Erfindungen rein deutsch. Auch an anderen Orten der Welt gab und gibt es findige Köpfe, die sich denselben zerbrechen, um den Menschen das Leben zu erleichtern.
Ein bekanntes Beispiel sind die Jeans:
Die Erfindung der strapazierfähigen Hosen reklamieren die USA natürlich für sich, ist sie doch auf amerikanischen Boden passiert. Doch die Familie Strauss kam aus Deutschland, der Stoff eigentlich aus Frankreich.

Jede Geschichte ist illustriert. Der Schreibstil ist leicht zu lesen und führt so manchen Leser mit einem bisschen Augenzwinkern in die Vergangenheit. Gut finde ich, dass sie Quellen als Fußnote bei jeder Erfindung angegeben ist. So kann man gleich nachschlagen und weitere Informationen einholen.

Das Buch erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit.
Technikfreaks werden hier nicht auf ihre Rechnung kommen. Doch als Anreiz, über die Herkunft so mancher Selbstverständlichkeit, nachzudenken, eignet sich das Buch bestens. Auch Kinder lassen sich damit an Geschichte und Technik heranführen. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.10.2018

Wieder ein gelungener Krimi

Der Totenversteher
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In diesem nun dritten Krimi rund um Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen, der von allen nur Hasi genannt wird, scheint er anfänglich doch einmal auf die Butterseite des Lebens gefallen zu ...

In diesem nun dritten Krimi rund um Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen, der von allen nur Hasi genannt wird, scheint er anfänglich doch einmal auf die Butterseite des Lebens gefallen zu sein. Tante Pudel hat ihm Haus und Vermögen hinterlassen.
Doch bekanntlich kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt. Nur, dass der Störenfried nicht der Nachbar, sondern ein windiger Vermögensberater ist, der nicht nur Hasis sondern das Vermögen der halben Berliner High Society veruntreut hat. So ist Hasi so arm wie ehedem und muss sich noch mit einen niederträchtigen Galerie-Besitzer herumschlagen, der ihm die geerbten Gemälde für einen Pappenstiel abschwatzen will. Doch dann erhält er Hilfe von unerwarteter Seite und steht gleich einmal zwischen zwei Frauen. Und Tante Pudel gibt aus dem Jenseits gute Ratschläge, die Hasi leider nur ansatzweise versteht.
Als wäre das nicht schon genug für unseren narkoleptisch veranlagten Grafen, ist auch noch ein etwas planloser Auftragskiller hinter ihm her. Zwar ist Hasi nicht sein ursprüngliches Ziel, doch kreuzt er blöderweise mehrmals die Wege des etwas in die Jahre gekommenen Mörders. Der hinterlässt eine signifikante Spur des Todes, die letztlich KHK Torsten Nagel auf einen uralten Bekannten aufmerksam werden lässt.
Meine Meinung:
Wie es sich für ein Buch aus den Federn der beiden Autoren gehört, sind einige Marotten gehörig überzeichnet. Bei der Szene auf dem Kasernenhof, wo Hasi einen Schnellkursus für militärisches Auftreten erhalten sollte, habe ich Tränen gelacht. Auch Hasis grenzenlose Naivität gehört dazu. Immerhin scheint er mit Benny nun doch einen kleinen Anker in seinem Leben gefunden zu haben. Schauen wir einmal, was aus den beiden wird.
Wieder schwingen gesellschaftskritische Elemente mit. Es geht um betrügerische Investments, die Alt-68-er und/oder um die Mitglieder der Berliner Hausbesetzerszene.
Besonders Torsten denkt an seine Zukunft, als ihn seine eigene unrühmliche Vergangenheit unter anderem in Form von Conny, seiner neuen Staatsanwältin, einholt. Er reflektiert sein bisheriges Leben und ich bin schon auf seine weitere Entwicklung gespannt.
Wie immer ist der Schreibstil flüssig und ohne Schnörkel. Schwarzer Humor darf hier genauso wenig fehlen wie Hasis perfekte Manieren, wie sie nur in alten Adelshäusern anzutreffen sind.

Fazit:

Ich habe mich hier wieder bestens unterhalten und hoffe auf ein Wiederlesen. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.10.2018

Ein humvovolles Buch

Leber an Milz
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Das Autorinnen-Duo Andrea Freund und Lucia Schmidt gewähren uns eine gelungenen Einblick in ein Wunderwerk der Natur: unseren Körper.

Wenn es nun, im Laufe der Jahre, hier und da ein bisserl zwickt und ...

Das Autorinnen-Duo Andrea Freund und Lucia Schmidt gewähren uns eine gelungenen Einblick in ein Wunderwerk der Natur: unseren Körper.

Wenn es nun, im Laufe der Jahre, hier und da ein bisserl zwickt und zwackt, so kann sich der Körper häufig selbst helfen. Wir müssten „nur“ auf die Signale achten und diese ernster nehmen.

Die Autorinnen betrachten den Menschen von oben nach unten:

Ganz oben: Kopf – Hals
Mittendrin: Brustkorb – Rücken – Bauch – Becken
An den Ecken und Enden: Arme – Hände – Beine – Füße

In vielen humorvoll geschriebenen Kapiteln werden uns die Funktionsweise einzelner Körperteile bzw. Organe und ihr Zusammenspiel im Ganzen näher gebracht.

Ein Hoch auf die Kniescheibe! Wer jemals (so wie ich) Probleme mit ihr hatte, weiß wovon die Rede ist. Schönheitsoperationen an einem im Verborgenen liegenden funktionalen Körperteil? Um es mit Johann Nestroy zu sagen

„Da wird Ei’m halt angst und bang
I sag, d’ Welt steht auf kein Fall mehr lang …“
(Aus dem „Kometenlied“, Der böse Geist des Lumpazivagabundus)

Das Buch kommt im großen und Ganzen ohne medizinischem Kauderwelsch aus. Manche Begriffe werden erwähnt, aber gleich darauf erklärt. Überhaupt ist das ganze Buch für interessierte Laien geschrieben. Der Schreibstil ist locker leicht und flüssig.
Ein Kapitel beschäftigt sich mit Epigenetik und zum Schluss regt das Duo an, den Körper als „Partner“ zu sehen. Dafür werden „Partnerübungen“ angeboten, die wirklich leicht umsetzbar sind.

Noch ein Wort zu den Autorinnen:

Andrea Freund ist Journalistin, Yogalehrerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie sieht in Körper und Geist als Einheit. Der ganzheitliche Ansatz ist ihr sehr wichtig.

Dr. Lucia Schmidt ist Ärztin und arbeitet jedoch als Journalistin. So schreibt sie die „Leib & Seele-Seiten“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Für ihre gute, auch für Laien verständliche, Darstellung komplexer medizinischer Probleme hat sie mehrere Auszeichnungen erhalten.
Doch umso verwunderlicher ist es, dass Quellenangeben und ein Literaturverzeichnis fehlen. Ein Versehen? Vielleicht lässt sich das in einer zweiten Auflage korrigieren. Dafür muss ich leider einen Stern abziehen.