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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Dunkle Schatten der Vergangenheit
Wenige Tage bevor Patsy Logan, nach ihrer Auszeit wieder ihren Dienst bei der Kriminalpolizei in München antreten, erfährt sie, dass Fergal Massey, ein Freund ihres Vaters ...

Dunkle Schatten der Vergangenheit
Wenige Tage bevor Patsy Logan, nach ihrer Auszeit wieder ihren Dienst bei der Kriminalpolizei in München antreten, erfährt sie, dass Fergal Massey, ein Freund ihres Vaters Arthur und Pub-Besitzer in Bayerns Hauptstadt, während eines Besuchs in Dublin ermordet worden ist.


Warum hat Fergal bei seinem Tod ein Foto in seiner Brieftasche, das am St, Patrick‘s Day im Jahr 1989 aufgenommen worden ist und neben den drei Freunden Fergal, Mannix und ihrem Vater auch sie selbst zeigt? Ist das ein versteckter Hinweis auf den Täter?


Und wie kommt es, dass ausgerechnet Patsy Fergals Testamentvollstreckerin sein soll und damit auf die Liste der Verdächtigen wandert, und das gleich ganz weit oben? Und was hat es mit dem Sack Pillen auf sich, die man in seiner Münchener Wohnung gefunden hat?


Fragen über Fragen, auf die Patsy nur in Dublin Antworten finden wird. Gemeinsam mit DS Ben Ferguson geht Patsy abermals zahlreichen Spuren nach, die sie (und uns Leser) in die Vergangenheit Irlands und die Zeiten der IRA verschlägt. Kurz entschlossen reist sie zur Beerdigung nach Irland und muss sich einer schmerzhaften Wahrheit über Fergal, der ihr nach dem Selbstmord ihres Vaters ein väterlicher Freund gewesen ist, stellen. Recht schnell gerät sie in einen Strudel aus ungebrochener Loyalität, ungesühnten Verbrechen und persönlichen Abgründen, der sie, die seit langem Zweifel am Selbstmord ihres Vaters hat, abermals in ihren persönlichen Albtraum führt. Soll sie die schlafenden Hunde wecken?


Wird Patsy die Geheimnisse um das Triumvirat entschlüsseln können? Ist Mannix als dritter auch in Gefahr oder hat er etwas zu verbergen?


Meine Meinung:


Dieser 5. Krimi für die irisch-deutsche KHK Patrizia Logan enthüllt einige Geheimnisse, die vielleicht besser unentdeckt geblieben wären. Je tiefer sie in das Leben von Fergal Massey eindringt, desto mehr kommt ihr zu Bewusstsein, dass sie weder Fergal noch ihren Vater oder Mannix besonders gut gekannt hat.


Autorin Ellen Dunne macht es wieder ganz spannend. Während Patsy mühsam Ermittlungen anstellt, tauchen wir Leser in die Vergangenheit ein und sind ihr daher ein wenig voraus. Immer wieder pendeln wir zwischen den beiden Zeitebenen hin und her. Keine Angst, die Überschriften weisen immer darauf wo wir uns wann befinden. Ich hatte recht schnell eine Hypothese, warum Fergal sterben musste. Trotzdem hat mich dieser 5. Fall so fesseln können, dass ich den Krimi ohne nennenswerte Unterbrechung gelesen habe.


Sehr gut haben mir die Einblicke in den Nordirlandkonflikt und die Kämpfe der IRA gefallen. Der Schmuggel von Drogen und Waffen wird detailliert geschildert. Was antwortet Ben Ferguson auf Patsys Frage, ob er gewusst hätte welchen Berufen die Väter seiner Schulkollegen nachgegangen sind? „Sie waren entweder arbeitslos oder Terroristen.“ - wie sein eigener Vater.


Die Nachricht, was mit ihrem Vater tatsächlich passiert ist, schlagt wie die sprichwörtliche Bombe ein und verheißt einen weiteren Fall für Patsy Logan. Hoffentlich müssen wir nicht allzu lange auch auf die Fortsetzung warten. Ich bin schon sehr neugierig, was aus Bens vagen Hinweis sich versetzen zu lassen wird. Wird er zu Europol gehen? Die hätten sicher auch einen Job für Patsy oder übernimmt sie doch die frei gewordene Leitung des K11 in München. Nun ja, wir werden sehen ....


Fazit:


Diesem Krimi, der mit zahlreichen Wendungen bis zur letzten Seite fesselt, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 08.03.2026

Nackte Tatsachen

Strandgut
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Schwer lastet sie sommerliche Hitze über Grayan an der Côte d'Argent am Atlantik. Die Bewohner von Euronat, dem größten FFK-Camp Europas freuen sich über ein textilfreies Leben, viele davon leben ganzjährig ...

Schwer lastet sie sommerliche Hitze über Grayan an der Côte d'Argent am Atlantik. Die Bewohner von Euronat, dem größten FFK-Camp Europas freuen sich über ein textilfreies Leben, viele davon leben ganzjährig hier. Noch, denn der Idylle droht große Gefahr. Denn der erzkonservativen Bürgermeisterin sind die vielen Nackten, die sich vor rund 50 Jahren in einem abgeschirmten Bereich niedergelassen haben, ein Dorn im Auge. Kurzerhand kündigt sie den Pachtvertrag unter fadenscheinigen Gründen.

„Wir haben es hier mit einer Sekte zu tun – einer Sekte, die für Nacktheit und Eskapismus steht. Das Gegenteil von Moral, die pure Sünde.“ (S. 55)

Doch damit nicht genug, die Eigentümer der Häuser sollen entschädigungslos enteignet werden und der Grund an eine finanzkräftige Investorengruppe, die Luxushotels errichten will, verhökert werden. Bei der Pressekonfernz erhält sie Unterstützung vom ehrgeizigen Staatssekretär Guy Martinez, der politisch hoch hinaus will. Am nächsten Morgen liegt Guy splitterfasernackt und tot am Strand.

Luc Verlain und sein Team, dem nun auch Rose Schillinger, die wir im letzten Band „Wolfstal“ kennengelernt haben, angehört, beginnen mit den Ermittlungen.

Hat einer der Campingplatzbewohner zur Selbsthilfe gegriffen? Ist der Politiker, der Staatssekretär im Verteidigungsministerium war, ein Zufallsopfer oder wurde der moralische Hardliner gezielt an den Strand gelockt? Und welche Rolle spielt das muslimische Brüderpaar, von dem einer Wasser predigt und selbst den sprichwörtlichen Wein trinkt?

Fragen über Fragen, die beantwortet werden müssen. Doch bevor es dazu kommt, ist schon der Inlandsgeheimdienst zur Stelle und versucht die Ermittlungen an sich zu reißen.

Meine Meinung:

Alexander Oetker hat mit diesem Krimi einen sehr komplexen und spannenden geschrieben, bei dem wenig so ist, wie es zunächst den Anschein hat. Fix ist, dass sich in Frankreich (rechts)konservative Politik breitmacht, die ihr eigene trübe Suppe kocht. Die moralinsaure Bürgermeisterin will die Camper vertreiben, koste es was es wolle. Dass letztendlich sie selbst auf der Strecke bleiben wird, hat sie nicht einkalkuliert. Wie das passieren wird, das ist paradoxerweise das Vermächtnis von Guy Martinez, der den Campern einen juristischen Tipp gegeben hat. Guy Martinez selbst ist eine ziemlich ambivalente Figur.

Während Luc Verlain sich unter den Nackten ziemlich unwohl fühlt, ist Rose Schillinger recht entspannt. Ihre elsässische Familie hat vor Jahren selbst hier Urlaub gemacht. Sie kennt daher den Hausbrauch und ihre Zweisprachigkeit hilft bei den Ermittlungen, ist doch die Mehrheit der Urlauber aus Deutschland. Die Deutschen sind im Angesicht, der von der deutschen Wehrmacht errichteten Bunker des AtIantikwalls, nicht immer gerne gesehen, verhelfen aber den französischen Geschäftsleuten zu hohen Einnahmen.

Wie gut Luc mit seinem Team umgeht, zeigt sich, als Yacine einen folgenschweren Fehler begeht, der ihn vermutlich seine Karriere bei der Polizei kosten könnte. Ich denke, das wird im nächsten Band Thema sein.

Wie immer hat Autor Alexander Oetker politische und gesellschaftliche Themen, den Konflikt zwischen den verschiedenen Diensten Frankreichs sowie Lokalkolorit und einer Portion Humor zu einen fesselnden Krimi verquickt.

Fazit:

Auch der 10. Fall für Luc Verlain überzeugt, weshalb er von mir mit 5 Sternen bewertet wird.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Patriot
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Diese Autobiografie, die Alexej Nawalny (1976-2024) ab 2020 bis zu seinem Tod verfasst hat, ist kein leichter Lesestoff, aber es lohnt, sich darauf einzulassen.

Nawalny erzählt seine Geschichte in vier ...

Diese Autobiografie, die Alexej Nawalny (1976-2024) ab 2020 bis zu seinem Tod verfasst hat, ist kein leichter Lesestoff, aber es lohnt, sich darauf einzulassen.

Nawalny erzählt seine Geschichte in vier großen Abschnitten, von denen die ersten drei noch in zahlreich Kapitel unterteilt sind. Im vierten Abschnitt, der die Jahre 2021 bis zu seinem Tod im Jahr 2024 enthält, ändert er seine Aufzeichnungen in eine Art Tagebuch.

Teil I - Dem Tod nahe
Teil II - Heranwachsen
Teil III - Die Arbeit
Teil IV - Gefängnis

Nawalny beschreibt seine politische Arbeit ohne sich selbst zu beweihräuchern, prangert die Korruption in Russland an und ist sich nicht zu schade zuzugeben, dass er sich in Boris Jelzin und auch Wladimir Putin getäuscht hat. Seine Kindheit und Jugend sind vom Reaktorunfall in Tschernobyl sowie von Michael Gorbatschows Glasnost geprägt. Anders als wir im Westen, empfindet Nawalny Gorbatschow als Zauderer. Er beschreibt ihn allerdings als unbestechlich und als einen der wenigen, der sich nicht bereichert hat.

Es ist sehr interessant zu lesen, wie sehr Putin einen einzelnen Mann fürchten muss, wenn er alles daran setzt, ihn zunächst durch zahlreiche Prozesse, mit fadenscheinigen Anklagen, nur mundtot machen will und als Nawalny nicht aufgibt, ihn schließlich töten lässt. Ganz ist Putins Plan nicht aufgegangen, denn für viele ist Alexej Nawalny eine Art Märtyrer, der bewundert wird. Die Opposition hingegen ist leider ohne ihre Galionsfigur zerstritten, obwohl seine Frau Yulija Nawalnaja ihren Kampf gegen Putin fortsetzt.

Der Schreibstil ist klar und zugänglich, ohne unnötig kompliziert zu sein. An manchen Stellen verliert sich Nawalny ein wenig in kleine Detail, was vielleicht nicht jede Leserin, jeden Leser spannend findet.

Beeindruckend zu lesen ist, dass Nawalny weiß, dass er diesen Kampf David gegen Goliath nicht gewinnen kann, und trotzdem weitermacht. Als Patriot im wahrsten Sinne des Wortes zahlt er den höchsten Preis und kämpft bis zum unausweichlichen Ende.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser beeindruckenden Autobiografie 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Hat mich gut unterhalten

Giovanni, du stinkst!
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Dieser Krimi spielt an einem künstlichen See im Burgenland. Der See ist gilt jenen Menschen, die in den 1970er-Jahren mit ihrer eigenen Hände Arbeit kleine Häuser auf dem Pachtgrund errichtet haben, als ...

Dieser Krimi spielt an einem künstlichen See im Burgenland. Der See ist gilt jenen Menschen, die in den 1970er-Jahren mit ihrer eigenen Hände Arbeit kleine Häuser auf dem Pachtgrund errichtet haben, als Paradies. Doch nun ist das Paradies aus mehreren Gründen in Gefahr. Erstens hebt der Grundeigentümer zum wiederholten Male den Pachtzins an, zweitens gibt es unter den Paradiesvögeln, wie die Einheimischen die Siedlungsbewohner nennen, die eine oder andere Liaison dangereux, also ein Gspusi und drittens liegt Herbert Wolk tot am Strand.

Für die Gründe eins und zwei ist Abteilungsinspektor Giovanni Sinovats nicht zuständig, für den toten Wolk schon. Auf Grund der sommerlichen Hitze wirkt alles ein wenig retardiert, ausgenommen Traudl Sinovats, die mit ihrem Italien-Fimmel sowohl ihrem Sohn als auch ihrer Umgebung schwer auf die Nerven geht. Doch aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, ist auch keine Option. Also beißt er die Zähne zusammen und lässt sich, von ihren Worten „Giovanni, du stinkst. Geh duschen“ mehrmals täglich ins Badezimmer scheuchen.

Wenig später muss Sinovats abermals zum See ausrücken, weil man dort ein Brodeln im See und Gasgeruch wahrgenommen hat. Die Feuerwehr, Rettung und das Bundesheer mit einer Kompanie von der ABC-Abwehr-Truppe sind schon vor Ort.

Das Gerücht, auf ein Erdgasvorkommen gestoßen zu sein, ruft nicht nur einen Mitarbeiter der Landesregierung auf den Plan sondern auch den Eigentümer des Sees sowie dir Pächter der Seegrundstücke...

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist das neueste Buch des österreichischen Autors Christian Klinger, der sowohl für seine Krimis rund um den Privatdetektiv Marco Martin als auf für seine historischen Triest-Krimis rund um Ispettore Gaetano Lamprecht bekannt ist.

Gleich vorweg, in diesem Krimi werden Insider in dem einen oder anderen Charakter reale Personen erkennen. Daher finden vielleicht nicht-österreichische bzw. nicht-burgenländische Leserinnen und Leser nicht ganz so interessant, spielen doch Landespolitik und herrschaftliche Attitüden eine große Rolle.

Jedenfalls, zeigt Autor Christian Klinger seine Protagonisten nicht immer von ihrer besten Seite. Da dürfen sich schon mal lang gehegte Rachegefühle ihren Weg bahnen. Dass davor auch der Abteilungsinspektor nicht gefeit ist, gibt dem Ganzen ein ziemlich humorvolle, wenn auch tragische Note, denn letzten Endes gehört auch Giovanni Sinovats nicht mehr zu den Guten.

Der Autor lässt seine Leserinnen und Leser hinter die Kulissen eines vermeintlichen Paradieses blicken, in dem sich Ehepaare auseinandergelebt haben, sich langweilen und der eine oder andere wenig Sinn im Leben findet.

Der Schreibstil ist fein, immer wieder mit Hinweisen auf burgenländische Eigenheiten gespickt. Es herrscht keine Hochspannung, sondern ein besonderes Flair, auf das man sich einlassen muss.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich gut unterhalten 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.03.2026

Ein neuer Blick auf Herbert von Karajan

Genie und Gewissen
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Michael Wolffsohn, Historiker und Nachfahre von aus NS-Deutschland geflüchtete Juden, begibt sich mit diesem Buch auf ein gefährliches Terrain. Denn er stellt die allgemeine Frage, ob Künstler und Künstlerinnen, ...

Michael Wolffsohn, Historiker und Nachfahre von aus NS-Deutschland geflüchtete Juden, begibt sich mit diesem Buch auf ein gefährliches Terrain. Denn er stellt die allgemeine Frage, ob Künstler und Künstlerinnen, die in der NS-Zeit Erfolge hatten, unbelastet sein können? Im konkreten Fall, geht es um Herbert von Karajan (1908-1989), den man viel Jahre hoch leben lässt, um ihn wenig später fast fallen zu lassen und ihn der Nähe zur NSDAP zeiht. Muss Person und Werk getrennt betrachtet werden? Geht das überhaupt? Was tun mit historischen Fehleinschätzungen?

Bei seinen Recherchen hat Wolffsohn bislang unbekannte (oder vielleicht nur übersehene) Fakten ausgegraben. Zudem hat er entdeckt, dass zahlreiche Journalisten, Autoren und auch Historiker die eine oder andere Information ohne weitere Nachfrage übernommen haben.

Das Ergebnis seiner Recherche und der Neubewertung Karajans liegt nun mit diesem Buch vor. Wolffsohn weiß, dass er sich damit nicht nur Freunde macht, wenn er der verbreiteten Annahme, Karajan sei durch seine Nähe zum Regime, ein Nutznießer desselben gewesen, widerspricht.

In drei großen Abschnitten erklärt er, wie er sich der Person Karajan und dem Künstler Karajan genähert hat. Er eröffnet der interessierten Leserschaft ein Bild des Künstlers, das ihn als politisch eher desinteressierten Menschen bezeichnet, der im Elfenbeinturm mit und für seine Musik lebt, und sich neben der Partitur sich für Engagements in berühmten Konzertsälen und Opernhäuser interessiert, aber die Ereignisse rundherum völlig ignoriert. Details der Politik? Interessieren Karajan nicht. Anders als so manch anderen Dirigenten ist es ihm auch völlig egal, ob die Musiker im Orchester Juden oder eben nicht Juden sind. Die Qualität der Musiker des Spiels ist für ihn entscheidend.

Die Aufgabe, die sich Michael Wolffsohn gestellt hat, nämlich ein differenziertes Bild von Herbert von Karajan zu zeichnen, halte ich für durchaus gelungen, wenn es auch immer Menschen geben wird, die von ihrer Meinung nicht abrücken werden.

Der Schreibstil ist trotz der vielen Zahlen, Daten und Fakten niemals trocken. Im Gegenteil an zahlreichen Stellen flicht der Autor ironische Bemerkungen ein, die sogar als solche gekennzeichnet sind. Manche Aussagen oder Bemerkungen werden wiederholt. Es scheint Wolffsohn sichtlich wichtig, diesem Input ordentlich Gehör zu schenken. Gleichzeitig mokiert er sich darüber, dass durch die oftmaligen Wiederholungen von Un- oder Halbwahrheiten durch Journalisten und Autoren diese nicht richtiger werden.

Zahlreiche Briefe und/oder Interviews mit Zeitgenossen und Karajans Töchtern ergänzen diese Biografie, die im Verlag Herder erschienen ist.

Letzten Ende ist es schwierig als jemand, der die Zeit des NS-Unrechtsregime nicht miterlebt hat, sich ein Urteil anzumaßen. Wie hätten Vertreter meiner Generation in dieser Situation gehandelt?

Spontan fällt mir die Schlussszene in István Szabós Film „Mephisto“ ein, in der der fiktive Schauspieler Henrik Höfgen (der aber eine reale Entsprechung hat) mitten im Berliner Olympiastadion von Scheinwerfer verfolgt wird und ausruft: „Was wollen die von mir? Ich bin doch nur ein Schauspieler.“ Ähnliches kann ich mir von Karajan auch vorstellen. „Ich bin ja nur ein Dirigent.“ Wahrscheinlich mit dem Zusatz „aber der Beste“, denn wenn sich Karajan auch unpolitisch verstanden hat, bescheiden, war er nie.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser differenzierte Biografie, die zahlreiche zentrale Irrtümer richtigstellt und einen neuen Blick auf Maestro Herbert von Karajan ermöglicht, 5 Sterne.