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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2024

Hat mich leider nicht überzuegt

Tod unter der Steinernen Brücke
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Dieser Krimi beginnt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Während die amerikanischen Truppen Stadt für Stadt, Dorf für Dorf übernehmen, werden von einigen NS-Bonzen nach wie vor Durchhalteparolen ...

Dieser Krimi beginnt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges. Während die amerikanischen Truppen Stadt für Stadt, Dorf für Dorf übernehmen, werden von einigen NS-Bonzen nach wie vor Durchhalteparolen gepredigt. Wer, wie der Domprediger von Regensburg Dr. Johann Maier, dagegen spricht, wird wegen Wehrkraftzersetzung und Hochverrat hingerichtet. Dennoch gelingt es, Regensburg als offene Stadt den Amerikanern zu übergeben.

Die US-Army macht Jagd auf NS-Verbrecher unter anderem auch auf Ludwig Ruckdeschel. Doch der ehemalige Gauleiter ist untergetaucht. Um seinen aktuellen Aufenthaltsort herauszufinden, wird Polizeikommissär Leo Klemm unter falschem Namen in das Militärgefängnis eingeschleust. Doch seine Mithäftlinge schweigen eisern. Als dann das Gerücht auftaucht, unter dem Gefängnis befänden sich Tausende Ampullen Giftgas, ist guter Rat teuer. Soll Klemm bleiben oder fliehen?

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Bücher (Sachbücher, hist. Roman und Krimis) zu diesem Thema gelesen und war daher auf diesen Krimi gespannt. Das Setting verspricht eine spannende Lektüre, doch leider ist die Umsetzung nicht so toll gelungen.

Der Spannungsbogen wirkt eher flach, obwohl die Story brisant ist. Einige der Charaktere sind recht gut gezeichnet, andere weniger. Die Befehlshaber der amerikanischen Truppenteile wirken überfordert.

Fazit:

Hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.01.2024

Stellenweise skurril

Ostfriesenhass
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Womit haben sich AKK und ihr Team nicht schon herumschlagen müssen! Diesmal, im 18. Fall, ist es eine Gruppe, die glaubt, Aliens wären gelandet, um die Menschheit zu retten. Gleichzeitig treibt ein Serienmörder, ...

Womit haben sich AKK und ihr Team nicht schon herumschlagen müssen! Diesmal, im 18. Fall, ist es eine Gruppe, die glaubt, Aliens wären gelandet, um die Menschheit zu retten. Gleichzeitig treibt ein Serienmörder, der in seinen Opfern Außerirdische zu erkennen glaubt und diese tötet, um die Menschen vor einer solchen Invasion zu retten. Klingt ziemlich verworren und abstrus!

„Denn für die einen waren UFOs Heilsbringer, die die Menschen retten wollten, für die anderen eine aggressive Besatzungsmacht.“ (S. 270)

Und dann gibt es noch einen ungustiösen Perversling, der gebrauchte Unterwäsche inklusiver benützter Slipeinlagen sammelt und Frauen mit Dickpics belästigt.

Meine Meinung:

Nach längerer Abstinenz von Ann Kathrin Klaasen (AKK) und ihrem Team habe ich wieder Lust bekommen, nach Ostfriesland zu reisen und AKK beim Ermitteln zuzusehen. Ich muss feststellen, dass die Truppe einen regelrechten verschleiß an Chefinnen und Chefs hat. Nun ja, mit der geradlinigen Ann Kathrin Klaasen als wichtigste Ermittlerin ist nicht leicht auszukommen, wie auch die aktuelle Polizeidirektorin Elisabeth Schwarz leidvoll erkennen muss. Sie scheint eine Bürokratin zu sein, was naturgemäß bei der eigenwilligen Ermittlertruppe nicht gut ankommt. Was bei einer Dienstbesprechung so richtig aufploppt (S. 341/342):

„Man kann diesen Laden hier überhaupt nicht richtig führen.“
„Führen vielleicht nicht, aber mit einer guten Idee überzeugen kann man hier immer. Haben Sie eine?“
„Diese Spitze geht ja wohl gegen mich.“
„Nein, das gilt für jeden von uns.“

Der Schlagabtausch zwischen Ann Kathrin Klaasen und Elisabeth Schwarz endet mit Ann Kathrins ehrlichen Worten:

„Warum, Frau Klaasen sitzen eigentlich nicht Sie auf meinem Stuhl? Warum haben Sie diesen Posten nicht?“
„Weil ich frei von Zwängen arbeiten möchte. Weil ich mich um diesen ganzen Verwaltungsapparat nicht kümmern will. Weil ich lieber nah an den Menschen, nah am Fall bin. Ich beneide Sie nicht, Frau Schwarz.“

Über das Wiedersehen mit Ann, ihrem Mann Frank Weller und Kollege Rupert habe ich mich sehr gefreut. Es gibt, mit Jessi Jaminski ein neues Gesicht, das ähnlich wie ihr Vorbild AKK Leidenschaft für Ermittlungsarbeit, Instinkt und Logik mitbringt. Eine vielversprechende Kollegin.

Der Handlungsstrang um Sabrina Weller und die UFO-Forscher ist mir persönlich ein wenig zu breit getreten. Ja, ich gestehe, ich habe in meiner Jugend auch Erich von Däniken sowie zahlreiche Bücher über UFO-Sichtungen bzw. Landungen aus den USA und der damaligen UdSSR gelesen.

Klaus-Peter Wolf hat seinen neuen Ostfriesenkrimi packend und mit viel Humor inszeniert und Rupert läuft mit seinen Sprüchen wieder zur Hochform auf. Bin schon gespannt, wie lange Elisabeth Schwarz als Polizeidirektorin in Aurich bleibt.

Einzig mit dem Titel bin ich nicht ganz zufrieden, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit:

Ein ziemlich schräger 18. Fall, der zeigt, wie leicht Menschen manipulierbar sind. Dafür gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 22.01.2024

ein gelungener hist. Roman

Bronze und Stahl
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Über das kleinasiatische Volk der Hethiter, die sich selbst Hatti nannten, ist nicht allzu viel bekannt. Sie werden in der Bibel an wenigen Stellen genannt und sind während der Regierungszeit von Ramses ...

Über das kleinasiatische Volk der Hethiter, die sich selbst Hatti nannten, ist nicht allzu viel bekannt. Sie werden in der Bibel an wenigen Stellen genannt und sind während der Regierungszeit von Ramses II. (1303-1213 vor Christus) ernst zunehmende Feinde Ägyptens. Das kriegerische Volk hat Kenntnis von modernen Waffen. Und genau um die Erzeugung dieser modernen Waffen geht es hier in diesem historischen Roman.

Seit dem Fall von Troja ist die Familie der Geschwister Paiawon und Iyalanda versklavt. Der Vater der beiden ist Schmied und daher für den Fürsten nützlich. Auch Paiawon ist bei seinem Vater in die Lehre gegangen und hofft, in der Schmied bleiben zu dürfen.

„...Die Bronze ruhte blasenfrei in der Vertiefung im Stein und erhärtete stabil, ohne porös zu werden, wie es bei einem reinen Kupferguss geschah...“

Sein mit viel Fachkenntnis geschmiedetes Bronzeschwert findet keine Gnade vor den Augen des Fürsten, da er statt eines Bronzeschwertes lieber eines aus Stahl hätte. Als er sich noch an Iyalanda vergreift, eskaliert die Situation. Der Vater wird hingerichtet und die Geschwister sehen, getrennt voneinander, einem ungewissen Schicksal entgegen.

Meine Meinung:

Ein Volk, über das wenige historische belegte Fakten existieren, eignet sich hervorragend für einen spannenden historischen Roman. Zwar ist die Schlacht von Kadesch 1275 v. Chr. In den ägyptischen Chroniken ausführlich beschrieben, aber ob die wirklich objektiv sind?

Die Charaktere sind gut herausgearbeitet. Natürlich gibt es viel „Personal“, das in einem Personenverzeichnis angeführt ist. Auch Kartenausschnitte sowie ein Ortsverzeichnis ergänzen diesen gelungenen Roman.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der uns in die Zeit von Ramses II. entführt, 4 Sterne

Veröffentlicht am 21.01.2024

Gipfelsieg am Ortler

Das Flüstern im Eis
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Just als Commissario Grauner seinen Vorgesetzten über seinen Pensionsantrag informieren will, wird er zu einem Toten in einer Sporthalle gerufen, in dessen Brust eine Mistgabel steckt.

Gleichzeitig findet ...

Just als Commissario Grauner seinen Vorgesetzten über seinen Pensionsantrag informieren will, wird er zu einem Toten in einer Sporthalle gerufen, in dessen Brust eine Mistgabel steckt.

Gleichzeitig findet in Sulden am Fuße des Ortlers ein Bewerb im Eisklettern statt, bei dem die weltbesten Eiskletterinnen, eine Südtirolerin und eine Iranerin, sich messen. Der Gipfelsieg geht an die Iranerin, die beim Abstieg plötzlich verschwindet. Bei der Suchaktion entdeckt man ihren Eispickel am Rande einer Gletscherspalte. Ist sie dort hineingestürzt? Dafür findet man eine iranische Begleitperson, tot im Hotel.

Grauner, Saltapepe und Tappeiner müssen sich in die unwirtliche, aber faszinierende Welt der Bergsteiger begeben. Besonders der Neapolitaner und Meeresmensch Claudio Saltapepe erlebt hier einen wahren Höhenrausch.

Meine Meinung:

Diesen 9. Fall für das Ermittler-Trio habe ich sehr gerne gelesen. Ich habe ja nach dem 8. Fall befürchtet, dass Commissario Grauner seinen Beruf an den Nagel hängen wird. Doch er hat weder mit diesem fesselnden Fall noch mit den Vorstellungen seines Chefs gerechnet. So wird es wahrscheinlich (hoffentlich) noch einen 10. Fall geben.

Auch wenn sich bald die Hinweise verdichten, was hinter dem sportlichen Event steckt, ist die Auflösung rundum fesselnd und stimmig. Wir Leser dürfen am Seil mit Saltapepe und den Bergführern gehen und erleben die gefährliche Suche nach der vermissten Bergsteigerin auf dem Ortler, des höchsten Berg Südtirols, hautnah mit.

Die Charaktere dürfen sich weiterentwickeln und so kann der Neapolitaner Saltapepe, der die Enge der Südtiroler Täler und die hohen Berge so gar nicht leiden konnte, eine neue Heimat finden. Spannend finde ich, dass der immer gesetzestreue Grauner nun dieselben ein wenig zu beugen versucht.

Jedenfalls freue ich mich auf die angekündigte neue Krimi-Reihe von Lenz Koppelstätter rund um die Journalistin Gianna Pitti.

Fazit:

Gerne gebe ich Commissario Grauners 9. Fall 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.01.2024

Fesselnder hist. Roman

Die rote Mütze
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Autor Daniel de Roulet hat von seinem Vater einen goldgerahmten Stich geerbt. Das Bild zeigt Jacques-André Lullin de Châteauvieux (1728-1816). De Roulet recherchiert das Leben seines Vorfahrens und fördert ...

Autor Daniel de Roulet hat von seinem Vater einen goldgerahmten Stich geerbt. Das Bild zeigt Jacques-André Lullin de Châteauvieux (1728-1816). De Roulet recherchiert das Leben seines Vorfahrens und fördert eine ziemlich unrühmliche Lebensgeschichte zutage.

Es stellt sich heraus, dass er Inhaber eines Söldnerregiments unter Ludwig XVI. war. Als die Söldner 1790 wegen des ausstehenden Soldes meutern, lässt er den Aufstand blutig niederschlagen und die Rädelsführer in ein Straflager nach Brest verfrachten.

Der Autor hat die Namen und Schicksale von insgesamt 41 Meuterern des Regiments Châteauvieux ausfindig gemacht und webt aus den Geschichten von sieben geschickt seinen historischen Roman.

Samuel Bouchaye
Josephe Boucher
Gédéon Viviand
Pierre Monnoye
Jacques Grosjean
François Besançon
François Harpin

Im Fokus dieser Geschichte steht der junge Samuel Bouchaye, ein Tischler aus Genf, der bereits als Kind mit den revolutionären Gedanken einer Helvetischen Republik in Kontakt gekommen ist und deswegen mit seinem Vater Genf verlassen muss.

„In Genf ist die Revolution gescheitert, aber bald wird ganz Europa unserem Beispiel folgen.“ sagt Samuels Vater Antoine Bouchaye in prophetischer Weitsicht. (eBook S. 12)

Samuel Bouchaye und seine Kameraden können dem Massaker an den Schweizern am 14. Juli 1789 gerade noch entkommen. Als sie 1790 wegen des ausstehenden Soldes meutern, greifen die Vorgesetzten hart durch. Einige Dutzend der Meuterer werden hingerichtet, für andere wie Samuel heißt das Urteil dreißig Jahre ab auf die Galeere nach Brest. Um sie von jenen zu unterscheiden, die eine lebenslängliche Strafe verbüßen, erhalten Samuel und seine Kameraden rote Mützen.

Im März 1792 werden sie wegen ihrer roten Mützen zu ungewollten Helden der Revolution, deren Symbol die phrygische Mütze ist und fahren, diesmal ohne Ketten, im Triumphzug nach Paris.

Meine Meinung:

Da ich von Autor Daniel de Roulet vor einiger Zeit den historischen Roman „Zehn unbekümmerte Anarchistinnen“ gelesen habe, der mich beeindruckt hat, war ich auf diesen hier sehr neugierig. Ich bin nicht enttäuscht worden.

Diese fesselnde Geschichte zeigt, dass die Revolution nicht ausschließlich mit jener in Paris begonnen hat, sondern dass es zuvor bereits Bestrebungen gegeben hat, sich der reichen Patrizier zu entledigen. Genf ist dabei die Hochburg, die die aufklärerischen Schriften eines Jean-Jacques Rousseaus von Freiheit und Gleichheit ernst nimmt. Über die Schweiz und ihren Weg in die heutige Form, weiß man im Allgemeinen viel zu wenig. Dieser historische Roman lüftet einen kleinen Zipfel der verdeckten Geschichte.

Dem Roman gehen, wie Daniel de Roulet im Nachwort schreibt, umfangreiche Recherchen in verschiedensten Orten und Archiven voran. Im Bagno von Brest entdeckt er die Namen der Verurteilten und setzt sieben von ihnen stellvertretend für die 41 Männer sowie André Soret, der übrigens der Letzte gewesen ist, der mittels der barbarischen Strafe des Räderns hingerichtet worden ist, ein literarisches Denkmal.

«Aus diesen Namen habe ich Figuren gemacht. Die Mächtigen erdrücken einen mit ihrem Erfolg. Ihren Sklaven, den weniger vom Glück Begünstigten, erteilt nur die Literatur das Wort.»

Und sein Vorfahr Jacques-André Lullin de Châteauvieux (1728-1816)? Wie man aus den Lebensdaten ersieht, hat er nicht nur das große Köpferollen überlebt, weil er den seinen rechtzeitig eingezogen hat, sondern hat sich Napoleon angedient, wird von ihm ausgezeichnet, nur um sich, just als der 1814 in die Verbannung nach Elba geschickt worden ist, um seine letzte Auszeichnung, das „Großkreuz des Militärverdienstordens“, von Ludwig XVIII. ratifizieren zu lassen.

Ein Opportunist, wie er im Buche steht.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser bislang wenig bekannten Facette der Geschichte der Revolution(en) 5 Sterne.