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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2019

Mobbing aus dem Ruder

R.I.P.
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R.I.P. von Yrsa Sigurdardottir

Die Opfer flehen um Verzeihung, aber sie ahnen bereits wofür sie zur Rechenschaft gezogen werden sollen.
Es gibt dennoch kein Entrinnen, sie werden sterben, grausam. Der ...

R.I.P. von Yrsa Sigurdardottir

Die Opfer flehen um Verzeihung, aber sie ahnen bereits wofür sie zur Rechenschaft gezogen werden sollen.
Es gibt dennoch kein Entrinnen, sie werden sterben, grausam. Der Rächer hat seine Opfer im Visier und wird bis zum Schluss nach seinem Gewissen handeln.

Die Autorin, ein anerkannter Name, hat meine Erwartungen über diesen Thriller leider nicht ganz erfüllt.
Die Umsetzung der Dramatik und die Ausschöpfung über ein zeitgemäßes und hochgefährliches Thema hat mich nicht voll und ganz überzeugt. Die Täter und Opfer waren irgendwie leblos, ich hatte erwartet viel mehr Gefühl und deren Gedanken zu erfahren.
Zudem haben die Querelen der Ermittler ziemlich viel Raum in diesem Thriller eingenommen und mich oft beim Lesen genervt. Die Spannung, die anfangs vorhanden war, ging dadurch vollkommen verloren. Lange seitenweise Dialoge, die nichts mit Aufklärung zu tun haben sind keine Seltenheit.
Ich war mehrmals versucht abzubrechen, dachte jedoch immer es müsste ja mal weitergehen mit der Aufklärung. Die Auflösung letztendlich war mir nicht logisch bzw. schlüssig genug und alles in allem wieder zu viel und zu schnell am Ende.
Dieses so hochaktuelle Thema liefert so viel Potenzial für einen spannungsgeladenen Thriller und wurde zu meinem Bedauern nicht wirklich umgesetzt bzw. ausgeschöpft.

Veröffentlicht am 15.04.2019

Wenig Psychothriller

Tote Asche
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Tote Asche von Patricia Walter

Ein Drama in Kiras Kindheit und für sie ein ewiger Alptraum. Als ihr Vater sie aus dem durchbrochenen Eis befreit und er selbst es nicht mehr ...

Tote Asche von Patricia Walter

Ein Drama in Kiras Kindheit und für sie ein ewiger Alptraum. Als ihr Vater sie aus dem durchbrochenen Eis befreit und er selbst es nicht mehr schafft, wird sie von seinen Rufen immer wieder heimgesucht. Sind es wieder nur Halluzination als plötzlich die Urne ihrer Mutter in Kiras Wohnung auftaucht, daneben ein Zettel mit ihrem Todesdatum. Immer mehr häufen sich merkwürdige und gefährliche Vorfälle in ihrer Nähe. Und das Todesdatum rückt näher und näher. Alle Menschen in ihrer Nähe verhalten sich verdächtig. Wem kann sie noch wirklich vertrauen?

Ich war neugierig, nachdem ich von der Autorin Patricia Walter bereits „Kalte Erinnerung“ gelesen habe.
Von „Tote Asche“ bin ich jetzt doch etwas enttäuscht. Die erwartete Spannung bleibt beim Lesen aus. Die Geschichte wirkt etwas zusammengestückelt, von allem ein bisschen. Langatmige Erklärungen unterbrechen immer wieder die langsam aufkommende Spannung. Die Personen sind etwas kraftlos und unverständlich in ihren Handlungen, auch Kira. Der Täter ist recht bald auszumachen. Seine Gründe sind mir nicht nachvollziehbar noch seine merkwürdigen Taten. „Tote Asche“ ist ein unterhaltsamer Roman mit kriminellem Hintergrund.
Ich vermisse etwas wohliges Schauern beim Lesen, Knistern zwischen den Zeilen, was ich bei einem Thriller voraussetze, wenigstens zeitweise. Psychothriller sind Gänsehaut und Beklemmung, wenn ich mir die nächsten Szenen gar nicht vorstellen möchte. Zeitweise fühle ich mich hier eher in einem guten Jugendroman.
Lesenswert ist „Tote Asche“, er ist kurzweilig jedoch für mich keine reine Leseempfehlung für „Psychothriller-Fans“.

Veröffentlicht am 05.02.2019

Stimmen aus dem Jenseits

Deine letzte Lüge
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Stimmen aus dem Jenseits

Deine letzte Lüge von Clare Mackintosh

Die Autorin führt uns an die Kreidefelsen, eine steile Felsküste von Südengland.
Innerhalb eines Jahres sollen ...

Stimmen aus dem Jenseits

Deine letzte Lüge von Clare Mackintosh

Die Autorin führt uns an die Kreidefelsen, eine steile Felsküste von Südengland.
Innerhalb eines Jahres sollen sich zuerst Annas Vater - gemäß einer Augenzeugin -, dann ihre Mutter von den Klippen ins Meer gestürzt haben. In all ihrer jetzigen Trauer bekommt Anna ihre Tochter Ella von ihrem Lebensgefährten, der ihr anfangs in dieser schweren Zeit als Psychotherapeut zur Seite stand. Genau am Jahrestag des Todes ihrer Mutter erhält Anna eine Botschaft die ihr Misstrauen und die Zweifel am Selbstmord ihrer Mutter wieder erheblich bestärkt. Sie schaltet Murray Mackenzie ein, der als Rentner seine Dienste weiterhin für die Polizeiarbeit zur Verfügung stellt, Gerade solche Fälle, die noch keine konkreten Spuren oder Beweise aufweisen, spornen ihn an und er sucht die Verbindungen. Weitere ungereimte Vorfälle lassen Anna an ihrem Verstand zweifeln. Als dann urplötzlich die Totgeglaubte aus dem Jenseits auf ihrer Türschwelle steht bekommt die Vergangenheit und die Wahrheit eine ganz andere Wendung.

„Deine letzte Lüge“ nimmt nur langsam Fahrt auf und die Spannung lässt auf sich warten. Die geheimnisvollen Gedankengänge aus dem Jenseits führen auf abwegige Gedanken und oft in die Irre. Aussagen und Andeutungen führen bewusst auf falsche Fährten, sodass die Handlung oft nicht rund erscheint. Am Ende bleiben Fragen unbeantwortet. Die Mitwirkenden wirken auf mich blass und etwas oberflächlich, einzig Murray hat meine Sympathie und mein Mitgefühl geweckt, hat er doch als Ehemann ein schweren Los zu tragen.
Verwerflich ist es, gerade als Eltern, mit den Gefühlen und der Trauer Hinterbliebener zu spielen und deren Schmerz in Kauf zu nehmen nur des eigenen Vorteils willen. Und dann noch die Unverfrorenheit zu besitzen wieder aufzutauchen.
Nach Aussage des Titelblattes hatte ich mich auf einen Psychothriller eingestellt. Für meinen Geschmack ist „Deine letzte Lüge“ dafür weder spannend genug, geknistert hat es wenig, das gewisse Gänsehautfeeling fehlte, aber für ein gutes Familiendrama gebe ich eine gute Leseempfehlung ab, da es mich doch unterhalten hat.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Grenzenlose Gier

Das Eis
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Das Eis von Laline Paull


Wegen der schmelzenden Gletscher werden immer seltener Eisbären in der Arktis gesichtet. Und immer mehr wird die neue „Wasserstraße“ Anlass zu politischen Auseinandersetzungen. ...

Das Eis von Laline Paull


Wegen der schmelzenden Gletscher werden immer seltener Eisbären in der Arktis gesichtet. Und immer mehr wird die neue „Wasserstraße“ Anlass zu politischen Auseinandersetzungen.
Beim Ausspähen nach Eisbären in der Arktis kommt die „Vanir“ den Gletschern gefährlich nahe und die Passagiere erleben unmittelbar das Kalben eines solchen. Doch gleichzeitig gibt das Eis auch ein schauriges Geheimnis preis, die Leiche des vor 3 Jahren spurlos verschwundenen Naturaktivisten und Naturschützers Tom. Nur sein bester Freund kehrte von der damals statt gefundenen Expedition lebend zurück und er hat seitdem massive Albträume. Jedoch hindert ihn das daran weiterhin lukrative Geschäfte mit skrupellosen Ausbeutern und windigen Politikern zu betreiben.

Die Idee zu diesem Buch ist ausgefallen und der Klappentext hat mich sogleich für dieses Buch begeistert. Das Thema ist gut recherchiert und umgesetzt, für mich ist die Handlung total überzeugend.
Von der ersten Zeile an bin ich überrascht, wie plastisch mir die ganze Gegend vor Augen steht. Die riesigen eisigen Gletscher, die immer höher aufragenden glitzernden Steilhänge, die Stille und Weite der Arktis. Ich habe mich schon lange nicht von einem Thema so angesprochen gefühlt, es beschreibt ein vielschichtiges Drama, das direkt vor unseren Augen geschieht und uns eigentlich alle angeht. Laline Paull hat einen ansprechenden und präzisen Schreibstil, von Anfang an Neugier weckend, die Problematik spannend bis zum Ende gehalten. „Das Eis“ist für mich auch ein besonderer Krimi, er vermittelt gleichzeitig ein aktuelles Umweltproblem und zeigt gnadenlos beispiellose Machtgier und Korruption der Staaten und Großkonzerne auf. Das Buch gibt großen Anlass zum Nachdenken über unser weiteres Verhalten unserer Umwelt gegenüber.

Veröffentlicht am 01.04.2018

Lautlose Schreie

Knochenschrei: Thriller
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Knochenschrei von Catherine Shepherd

Catherine Shepherd bringt uns die Handlung ihres 8. Zons-Thriller auf zwei Zeitzonen nahe.

Zons im Jahre 1497:
Unerwartet verschwindet eines Nachts die blutjunge ...

Knochenschrei von Catherine Shepherd

Catherine Shepherd bringt uns die Handlung ihres 8. Zons-Thriller auf zwei Zeitzonen nahe.

Zons im Jahre 1497:
Unerwartet verschwindet eines Nachts die blutjunge Novizin Brunhilde hinter den Tiefen Mauern des Franziskanerklosters. Bastian, der zuerst vermutet dass sie heimlich davongelaufen wäre, wird eines besseren belehrt, als er plötzlich noch auf die Leiche einer anderen Nonne stößt. Die jungen Novizinnen des Klosters berichten flüsternd und voller Furcht von einem Teufel, der sie Nachts aufsucht und berührt. Und sie sollen nicht die Letzten sein.
Denn ohne Gnade lässt der Täter seine Opfer ausweglos in ihrer Dunkelheit zurück, für sie gibt es keine Rettung.

Zons in der Gegenwart:
Hinter der Kellermauer eines alten Gebäudes wird durch Zufall das uralte Skelett einer Nonne und ihres ungeborenen Kindes entdeckt. Und nach einer intensiven Untersuchung am Fundort wird eine weitere Leiche
entdeckt, lebendig eingemauert. Für Kommissar Oliver Bergmann beginnt ein Kampf auf Leben und Tod, denn der Täter hinterlässt eine makabre zukunftsweisende Botschaft versteckt im Unterleib des Opfers. Was dann in einer Baugrube ans Licht kommt ist unglaublich.


Knochenschrei“ ist mein erster Band aus der der 8-teiligen Reihe der spannenden Zons-Thriller von Catherine Shepherd, und durch die Aufteilung auf zwei unterschiedliche Zeitzonen hat er einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt. Eindrucksvoll, glaubhaft und gruselig sind die Erzählungen aus der Vergangenheit. Ich habe mich sehr schnell in die Handlung eingelesen und war bestens unterhalten.
Die Charaktere und Gedanken der Akteure werden dem Leser glaubhaft und nachvollziehbar vermittelt.
Hartnäckig und unbeirrt treiben Bastian und Oliver die Ermittlungen bis zum Erfolg voran. Das Martyrium der Opfer und die Erkenntnis ihrer Ausweglosigkeit ist spürbar und greift meine Nervenzellen an.
Von Anfang an wird die Spannung in beiden Epochen bis zum Finale gut strukturiert aufgebaut und fesselt durch einen fließenden Schreibstil. Tatsächlich bis um Ende lässt uns die Autorin rätseln und im Dunkeln über die Täter und deren Motive.
„Knochenschrei“ ist kein blutrünstiger Thriller, schockiert jedoch durch seine Thematik und gekonnte Vermischung mit historischen Einflüssen.
Im Nachwort erklärt Catherine Shepherd die historischen Einflüsse und Wissenswertes für die Handlung und bindet auch Hildegard von Bingen mit ein.

„Knochenschrei“ ist ein lesenswerter Thriller und in sich ein runder und abgeschlossener Band.