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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2020

Mitreißend, authentisch und wahnsinnig spannend!

Schrei nach Rache
2

An verschiedenen deutschen Flughäfen kommt es innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Morden. Allen gemein ist ihre unglaubliche Brutalität, darüber hinaus kann das Team des LKA rund um die zuständige Ermittlerin ...

An verschiedenen deutschen Flughäfen kommt es innerhalb kürzester Zeit zu mehreren Morden. Allen gemein ist ihre unglaubliche Brutalität, darüber hinaus kann das Team des LKA rund um die zuständige Ermittlerin Nadine Adler keinerlei Verbindung oder Motiv feststellen. Um den Täter psychologisch besser einordnen zu können wendet sich das LKA an Falk Hagedorn, seines Zeichens ehemaliger Polizist und einer der besten Profiler des Landes. Eigentlich möchte der eigenbrötlerische Hagedorn nach vergangenen Vorfällen nichts mehr mit der Polizei zu tun haben, lässt sich aber doch überzeugen, eine Täteranalyse vorzunehmen. Doch dann ergibt sich mit einem neuen Mord auch eine neue Spur: Die an den Tatorten gefundenen Spuren lassen auf eine weibliche Täterin schließen! Und das genetische Material legt nahe, dass diese Frau Falk Hagedorn gut bekannt ist…

„Schrei nach Rache“ ist der zweite Band von Matthias Bürgels Thriller-Reihe rund um den knorrigen Profiler Falk Hagedorn, der sich aber problemlos ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen lässt. Sämtliche Hintergrundinformationen aus dem ersten Band werden kurz und prägnant dargestellt, so dass der Leser über alle notwendigen Informationen zum Verständnis der Geschehnisse verfügt. Bereits das Cover von „Schrei nach Rache" wirkt gruselig und spannend - wir befinden uns auf einer Gangway ins Flugzeug, welche aber eher wie ein Gang ins Ungewisse und Böse wirkt. Ein sehr interessantes Cover, das in Verbindung mit dem aufregenden Titel sofort neugierig macht.

Ebenfalls meine Neugier geweckt hat Matthias Bürgel als Autor selbst: Er ist seit dreißig Jahren als Polizist und inzwischen als leitender Kriminalhauptkommissar tätig. Authentischer kann ein Autor gar nicht sein! Als Leser spürt man in jeder Zeile, dass hier jemand vom Fach schreibt, die polizeiliche Ermittlungsarbeit ist durchdacht und voller Fachwissen. Meine hohen Erwartungen an diesen Aspekt wurden mehr als erfüllt! Klasse, dass jemand, der täglich so eine wichtige Arbeit zu unserem Schutz leistet, auch noch „nebenher“ Thriller schreibt und somit etwas Realitätssinn in die häufig (v.a. im TV) überzogen dargestellte Arbeitsweise der Polizei bringt. Meine absolute Hochachtung!

„Schrei nach Rache“ ist somit nicht nur ein sehr realitätsnahes, sondern zudem wahnsinnig spannendes Buch geworden: Von der ersten Zeile an ist man als Leser gefesselt und fiebert mit. Die eher kurz gehaltenen Kapitel erhöhen zusätzlich das Lesetempo und die Spannungskurve wächst ins Unermessliche. Insgesamt ist der Aufbau des Buches sehr durchdacht gewählt, auch wenn man als Leser zunächst etwas verwirrt sein mag, da es verschiedene Handlungsstränge umfasst, die erst spät zusammenlaufen. Der Anfang kommt sehr plötzlich, man ist mitten im Geschehen und kann zunächst nicht einordnen, wo man sich befindet – dieser Prolog wird erst sehr viel später in der Geschichte wieder aufgegriffen. Es folgt eine Nebenhandlung mit Banküberfall, welche ich lange Zeit nicht greifen konnte und die bei mir irgendwann sogar in Vergessenheit geraten ist. Meiner Meinung nach hätte es diese Nebenhandlung nicht unbedingt gebraucht, sie hat aber am Ende doch noch einmal für zusätzliche Aufregung gesorgt: Der Showdown war hochdramatisch und hat mein Herz zum Rasen gebracht. Zwar war mir relativ früh klar, wer der Täter sein muss, aber erst beim Epilog konnten dann endgültig alle Zusammenhänge herstellt werden. Der Abschluss der Geschichte als Ganzes war dementsprechend schlüssig, auch wenn das erhoffte Happy End ausblieb.

Den Plot des Buches empfinde ich als sehr interessant, was psychische Krankheiten und Ausnahmesituationen in Menschen auslösen können ist immer wieder faszinierend. Auch zwischenmenschliche Beziehungen und seelische Abgründe wurden stimmig und nachvollziehbar dargestellt. Insgesamt hat Matthias Bürgel sein Buch in einem sehr anschaulichen, temporeichen Schreibstil verfasst: Es gibt sowohl brutale Szenen, als auch emotionale und traurige Aspekte. Als Leser konnte man dem Geschehen gut folgen und hatte klare Bilder vor Augen. Dies liegt sicherlich auch an den detailreichen Beschreibungen, welche auf eine aufwendige Hintergrundrecherche schließen lassen. Ebenfalls genossen habe ich das auftretende Lokalkolorit, was aber sicherlich auch an meinem persönlichen Bezug zu sämtlichen erwähnten Orten liegen mag.

Falk Hagedorn ist ein sehr spezieller Protagonist, den man aber trotz seiner eher mürrischen Art schnell zu schätzen lernt. Dass unter der harten Schale doch ein weicher Kern verborgen ist blitzt immer mal wieder durch und macht ihn sehr sympathisch. Er lässt sich von seiner Behinderung nicht unterkriegen und geht trotzdem mit großer Tatkraft und Selbstbewusstsein durchs Leben. Auch ist er fachlich ein absoluter Ermittlungsprofi, wenn auch kein einfacher Kollege. Auch die Nebenfiguren wie Bannert, Adler, Nita und Karina sind facettenreich ausgearbeitet und werden dem Leser authentisch nahe gebracht.

Fazit:
„Schrei nach Rache“ ist ein absoluter Pageturner! Hochspannend, dramatisch und aufregend ab Seite eins. Der Background des Autors gibt dem Buch ein Maximum an Authentizität. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der actionreiche, komplexe und gut durchdachte Thriller mag.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 09.09.2020

Schnell abgehandelter Fall in ländlicher Idylle

Bunburry - Nur das Schaf war Zeuge
2

Im idyllischen Bunburry gibt es eine neue Attraktion: Der ortsansässige Neil Walker bietet ein Survival-Camp an, um insbesondere verwöhnten Städtern das Landleben nahe zu bringen. Doch einer seiner Teilnehmer ...

Im idyllischen Bunburry gibt es eine neue Attraktion: Der ortsansässige Neil Walker bietet ein Survival-Camp an, um insbesondere verwöhnten Städtern das Landleben nahe zu bringen. Doch einer seiner Teilnehmer stürzt nachts in einen Steinbruch und stirbt. Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus, doch die junge Polizistin Emma sowie das Bunburry-Trio rund um Alfie, Liz und Marge sind sich dessen nicht so sicher: Neil ist als sehr verantwortungsbewusst und vorsichtiger Lagerleiter bekannt und hätte seine Teilnehmer niemals in Gefahr gebracht. Um die Wahrheit herauszufinden nimmt Alfie selbst am Survival-Camp teil – und ist als unerfahrener Indoor-Fan absolut prädestiniert für Undercover-Ermittlungen inmitten von Schafen, Druiden und rauer englischer Natur.

Bei „Bunburry – nur das Schaf war Zeuge“ handelt es sich um die achte Folge der britischen Cosy-Crime-Serie rund um das Bunburry-Trio von Helena Marchmont. Auch ohne Kenntnis der Vorgängerbände war der Einstieg problemlos möglich. Viele Informationen, von denen nicht alle notwendig waren, wurden während der Geschichte kurz erwähnt, um Neueinsteiger wie mich abzuholen. Auch wurde ein neuer Handlungsstrang eröffnet, welcher in den Folgebänden sicherlich präsenter sein wird, da er hier nur eingeleitet, aber nicht mehr weiterverfolgt wurde.

Das Cover spiegelt dem Leser eine heile ländliche Idylle vor und beim humorvollen Titel musste ich Schmunzeln. Leider wurden bei beidem meine Erwartungen nicht erfüllt, da Schafe eigentlich nicht wirklich eine Rolle im Buch spielen. Cover und der Titel versprechen also mehr, als das Buch geben kann – schade!

Den Schreibstil Helena Marchmonts fand ich hingegen sehr unterhaltsam, da das Buch flüssig und humorvoll geschrieben ist. Insbesondere der britische Humor Oscar de Linnets war einfach nur köstlich! Ebenfalls wurde die entschleunigte, ländliche Atmosphäre Bunburrys gut dargestellt. Das Bunburry-Trio mag sehr sympathisch und vertraut miteinander sein, allerdings gab es doch sehr viele Protagonisten für wenige Buchseiten, so dass ich zwar nicht durcheinandergekommen bin, aber auch nicht das Gefühl hatte, irgendeinen Person wirklich kennengelernt zu haben. Auch hat das berühmte Bunburry-Trio sehr wenig zur Aufklärung des Falles beigetragen.

Des Weiteren empfand ich das Buch mit nur 116 Tolino-Seiten als extrem kurz. Dementsprechend schnell war der eigentliche Fall dann auch abgehandelt, gerade zum Ende hin musste noch viel Story auf wenigen Seiten untergebracht werden – sehr zum Leidwesen des Inhalts. Die Aufklärung des Falles war zwar im Ganzen schlüssig, aber für meinen Geschmack etwas zu einfach und unspektakulär. Ich war enttäuscht vom eigentlichen Inhalt.

Insgesamt war „Bunburry – nur das Schaf war Zeuge“ eine nette, kurzweilige Geschichte, die mich aber keinesfalls vom Hocker gerissen hat.

  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 04.05.2020

Lovestory ohne wirkliches „Rockstar-Feeling“

Rock'n'Love
2

Lily Tennison hat es nicht leicht im Leben: Als einzige Tochter eines reichen texanischen Unternehmers hat sie mit der Familie gebrochen, um sich ihren Traum vom Kunststudium zu verwirklichen, welchen ...

Lily Tennison hat es nicht leicht im Leben: Als einzige Tochter eines reichen texanischen Unternehmers hat sie mit der Familie gebrochen, um sich ihren Traum vom Kunststudium zu verwirklichen, welchen ihre Eltern nicht unterstützen. Dieses Studium kann sie nur finanzieren, indem sie sowohl kellnert, als auch als Eventmanagerin in einem Luxusressort arbeitet. Eines Tages flieht die berühmte Rockband Caged genau dorthin vor den Schattenseiten des Ruhms. Die vier Jungs mischen sehr schnell das Ressort auf, schließlich gehören sie zu den begehrtesten Junggesellen Texas. Lily möchte sich diesem Hype verweigern, kann aber auch die Anziehungskraft zu Cameron Knight, dem sexy Gitarristen der Band, nicht abstreiten. Dieser setzt alles daran, Lily zu verführen, so wie er es regelmäßig mit seinen Groupies tut – wird sich Lily auf den attraktiven Rocker einlassen?

„Rock´n´Love“ ist ein relativ kurzes Buch, das sich aufgrund des flüssigen Schreibstils auch sehr schnell durchlesen lässt. Ein wenig den Lesefluss gestört hat lediglich Lilys Stottern, auch wenn dieses zur Person gehört und man relativ schnell lernt, darüber hinweg zu lesen. Das Buch ist in „Ich“-Perspektive verfasst und wechselt zwischen den beiden Protagonisten hin und her, was dem Leser einen guten Einblick in die jeweilige Gefühls- und Gedankenwelt ermöglicht.

Das Cover ist sehr klischeehaft gestaltet und spricht mich trotz der rosa Schrift, die im Kontrast zum abgebildeten Rocker steht, leider gar nicht an. Durch das Model wird der eigenen Fantasie wenig Spielraum geboten, noch dazu widerspricht der abgebildete Mann der Beschreibung des Protagonisten Cameron sehr stark – schade, Inhalt und Cover sind somit sehr widersprüchlich.

Der Fokus wird bei „Rock´n´Love“ sehr stark auf das Liebespaar gelegt, welche als Antagonisten stehen: Da ist auf der einen Seite der supertaffe Rockstar Cameron, strotzend vor Selbstbewusstsein und Testosteron. Auf der anderen Seite steht die süße, bodenständige und leicht schüchterne Künstlerin Lily. Leider hat diese eigentlich deutliche Zeichnung der Figuren aber keine Konsistenz, was mich irritiert und gestört hat. So wird der eigentliche Schürzenjäger Cameron plötzlich der treusorgendste Boyfriend schlechthin, ohne dass für den Leser nachvollziehbar wird, warum jetzt ausgerechnet Lily seine Traumfrau ist, für die er sein Leben ändert. Das „Spezielle“ und „Besondere“ an ihr wird nicht deutlich, so dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, etwas Wichtiges „überlesen“ zu haben. Und auch die zurückhaltende Lily ändert ganz plötzlich ihre Persönlichkeit und benimmt sich wie ein Groupie, indem sie sehr schnell und unüberlegt mit Cameron ins Bett steigt. Dieser unauthentische Umschwung vom anständigen Mädchen zum Vamp ging mir zu schnell und hat nicht in mein Bild von ihr gepasst. Leider kam auch kein Knistern zwischen den beiden bei mir an, ich hätte mir insgesamt mehr Emotion gewünscht.

Bei „Rock´n´Love“ hat mir der Einstieg sehr gut gefallen, man war schnell mitten im Geschehen um die Band. Leider gab es danach kaum mehr Einblick in die Musik, die Konzerten und das Bandleben, ich hätte mir gewünscht, etwas mehr „Rockstar-Feeling“ mitzuerleben. Sobald Lily auf der Bildfläche erscheint wird der Fokus ausschließlich auf den Handlungsstrang um sie und Cameron ausgerichtet. Außerdem musste ich zu Beginn etwas mit den Augen rollen, da irgendwie alle plötzlich gleichzeitig auf Lily zu stehen scheinen… Auch die erste erotische Szene zwischen den beiden kam sehr schnell, mir haben auch hier die Gefühle und deshalb auch etwas Glaubwürdigkeit gefehlt. Kurz kam gegen Ende noch etwas Spannung beim Drama um Lilys manipulative Mutter auf, aber auch diese Nebengeschichte ist schnell abgehandelt und war vorhersehbar. Das Ende war dann komplett „over the top“, einen derart schnulzigen und überzogenen Schluss hätte es nicht gebraucht.

Fazit:
Insgesamt war es ein Buch, das sich angenehm, schnell und flüssig lesen ließ. Bei einer sexy Rockstar-Geschichte weiß man als Leser ja auch eigentlich worauf man sich einlässt, ein bisschen mehr Inhalt und Emotion sowie weniger Vorhersehbarkeit hätte ich mir dann aber doch gewünscht.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 30.04.2020

Vom Suchen und Finden des eigenen Platzes im Leben

Denn das Leben ist eine Reise
2

Aimée Thalers Kindheit war alles andere als einfach: Ihre Mutter Marilou hielt es an keinem Ort wirklich lange aus, die beiden lebten im Wohnwagen an verschiedensten Plätzen und zogen immer weiter, wenn ...

Aimée Thalers Kindheit war alles andere als einfach: Ihre Mutter Marilou hielt es an keinem Ort wirklich lange aus, die beiden lebten im Wohnwagen an verschiedensten Plätzen und zogen immer weiter, wenn ihnen der Sinn danach stand. So außergewöhnlich und lustig das für die kleine Aimée war, umso schwieriger wurde es im Laufe der Zeit. Marilou musste sesshaft werden und gestaltete dies auf ihre eigene Art und Weise – indem sie sich einer Kommune anschloss, Trödel verkaufte und alkoholabhängig wurde. Glücklicherweise hatte Aimée Daniel, den Sohn aus dem Nachbarwagen, auf den sie sich immer verlassen konnte. Mit 18 schenkten ihr die Kommunenmitglieder einen alten VW Bulli, in dem sie fortan alleine wohnen konnte. Eines Tages besucht Per den Trödelverkauf und es war um Aimée geschehen – er konnte ihr alles bieten, was sie sich immer wünschte: Sicherheit und ein Zuhause. Hals über Kopf verlässt sie die Kommune, heiratet Per und bekommt einen Sohn mit ihm, Len. Doch auch hier wird sie nicht glücklich… Einige Jahre später eskaliert die Situation mit Per so sehr, dass sich Aimée Len schnappt und gemeinsam mit ihm wieder mit dem alten Bulli auf Reisen geht – auf eine Reise in die Vergangenheit, in der sie wieder Daniel und Marilou begegnet und mit dem Leben konfrontiert wird, dem sie eigentlich entfliehen wollte…

„Denn das Leben ist eine Reise“ befasst sich intensiv mit familiären Konstellationen: Aimée hat ein sehr schwieriges, gestörtes Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter; in der Vergangenheit ist Schreckliches geschehen, dass sie ihr nicht verzeihen kann. All das möchte sie bei ihrem eigenen Kind besser machen und ist Len eine großartige Mutter. Sie selbst als Protagonistin wurde mir sehr sympathisch, auch wenn ihr ihre impulsive Reaktion, einfach mit Len auf und davon zu verschwinden, nicht wirklich nachvollziehen konnte und dies auf mich etwas überstürzt wirke. Len ist ein ganz fantastischer, sensibler Junge, den man sofort ins Herz schließt und beschützen möchte. Die Mutter-Sohn-Beziehung wird als absolut liebevoll beschrieben, die enge Verbindung und die gegenseitigen Gefühle werden spürbar und haben mich emotional berührt. Schade fand ich nur, dass sich Aimée am Ende dann doch nicht als so selbständig und emanzipiert herausgestellt hat, wie es zuvor den Anschein erweckt hat – das hätte besser zu der Protagonistin gepasst, die sich im Laufe der Geschichte entwickelte.

Insgesamt herrscht in dem Buch eine eher melancholische Stimmung. Mir wurde lange nicht klar, was Aimées Ziel ist und worauf die Geschichte eigentlich hinaus will. Zu Beginn wurden viele Passagen aus Aimées Leben beschrieben und es ging eher gemächlich voran. Im letzten Drittel überschlagen sich dann die Ereignisse, eine dramatische lebensverändernde Situation jagt die nächste und gipfelt in einem Happy End, das einfach zu harmonisch ist, um wahr zu sein. Die plötzliche heile Welt kam noch dazu viel zu schnell und allumfassend, um noch realistisch zu sein. Leider wirkte das Buch auch in anderen Punkten konstruiert und war deshalb leider wenig glaubwürdig. Besonders gestört hat mich, das viele Szenen absolut vorhersehbar waren und mich nicht mehr überraschen konnten.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat ist der Schreibstil der Autorin. Hanna Miller gelingt es ganz fabelhaft, auf subtile und anschauliche Art und Weise Atmosphären und Bilder zu erschaffen und gefühlvoll Einblicke in die Beziehungsgeflechte der Personen untereinander zu geben. Dieser schöne Umgang mit Worten, welche liebevoll und bewusst gewählt wirken, geben dem Buch trotz melancholischer Stimmung eine gewisse Leichtigkeit beim Lesen. Deutlich wird das zu Beginn eines jeden Kapitels, die mit kurzen Gedanken oder Erinnerungen aus Aimées Kindheit eingeleitet werden. Die Aneinanderreihung der Kapitel folgt keiner festen Chronologie, teilweise finden größere Zeitsprünge statt, an die man sich erst etwas gewöhnen musste. Ich persönlich fand es aber toll, dass man als Leser jedes Mal mitdenken und "raten" konnte, in welcher von Aimeés Lebensphasen man sich im jeweiligen Kapitel befindet. Insbesondere an diesen Rückblenden in Aimées Kindheit, die von einem locker-fröhlichem Leben unterwegs und einem liebevollen und unkonventionelle Mutter-Tochter-Verhältnis erzählen, erkennt man, dass Aimée permanent auf der Suche nach dem Platz ist, an den sie gehört. Sie versucht der eigenen Vergangenheit zu entfliehen um dann zu merken, dass ohne Vergangenheit keine Zukunft möglich ist und sich die Herkunft nicht verleugnen lässt – und diese auch nicht gezwungenermaßen schlecht sein muss.

Fazit:

„Denn das Leben ist eine Reise“ beschreibt gefühlvoll die Suche einer Frau nach einem Zuhause, um endlich irgendwo anzukommen, wo sie als der Mensch akzeptiert wird, der sie ist. Das Buch widmet sich dabei insbesondere dem nicht immer leichten Thema der familiären Beziehungen. Trotz der spürbaren Melancholie ist es sehr angenehm zu lesen, durch die bildhaften Worte der Autorin wird der Leser regelrecht durch die Seiten getragen. Auch wenn mir das Buch in vielen Stellen zu vorhersehbar war habe ich es gerne gelesen und kann es weiterempfehlen.

  • Cover
  • Geschichte
  • Gefühl
  • Erzähstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 15.04.2020

Seichter Krimi mit schönem Barcelona-Urlaubsflair

Mord in Barcelona
2

Comissari Jaume Soler aus Barcelona steht vor einem neuen, rätselhaften Fall: Auf dem Friedhof Montjuic wird in einem Grab die Leiche einer deutschen Touristin gefunden. Auf den ersten Blick sieht es wie ...

Comissari Jaume Soler aus Barcelona steht vor einem neuen, rätselhaften Fall: Auf dem Friedhof Montjuic wird in einem Grab die Leiche einer deutschen Touristin gefunden. Auf den ersten Blick sieht es wie ein Raubmord aus, da das Handy und die teure Profi-Kamera des Opfers spurlos verschwunden sind. Doch was hat die Tote nachts auf dem Friedhof zu suchen gehabt? Comissari Soler und sein Team kommen nicht wirklich mit den Ermittlungen voran und so beschließt seine vorlaute Schwester Montse angetrieben von Ignacia, der resoluten Mutter der beiden, selbst nachzuforschen und Jaume auf eigene Faust zu „unterstützen“ – nicht ahnend, dass sie sich damit in große Gefahr begibt.

„Mord in Barcelona“ ist ein Cosy Crime, der eher schlicht gehalten ist. Die Ermittlungsarbeit geht nur langsam voran, alles plätschert gemächlich vor sich hin, zum Teil zieht sich die Handlung etwas. Gerade zu Beginn wird sehr viel Zeit mit der detaillierten Beschreibung der Personen, Umstände und Örtlichkeiten verbracht. Zum Ende hin kommt es zu wenigen Spannungsmomenten, aber auch dort fehlt das wirkliche Überraschungsmoment, die Auflösung scheint konstruiert und nicht sehr einfallsreich. Ich hätte mir auch eine etwas verstricktere, überraschendere Auflösung gewünscht. Die gesamte Handlung empfand ich als eher schlicht gestrickt und teilweise wirr zusammengefügt.

Des Weiteren war mir keine der Figuren wirklich sympathisch. Comissari Jaume Soler bleibt als Protagonist blass, er wirkt träge, schwerfällig und wenig überzeugend. Das Verhalten von Ignacia und Montse ist kaum tolerierbar, sie hintergehen ihren Bruder/ Sohn aus Gründen, die sich dem Leser bis zum Ende hin nicht erschließen. Familiärer Zusammenhalt geht anders. Auch die Nebenfiguren können nicht wirklich überzeugen und bleiben farblos.

Der Aufbau und Ablauf ist durch recht kurze Kapitel mit Datums- und Uhrzeitangaben gut nachvollziehbar, auch wird durch das Nennen der jeweiligen Namen deutlich, aus wessen Sicht das folgende Kapitel dargestellt wird. Dieser Perspektivenwechsel lässt den Leser die Personen besser kennen lernen und deren Handlungen verstehen. Allerdings ist dem ausschweifend beschreibenden Erzählstil eher müßig zu folgen, Nebensächlichkeiten wird viel Raum durch detaillierteste Beschreibungen eingeräumt.

Was mir hingegen gut gefällt ist das Lokalkolorit: Barcelona wird sehr deutlich und ausführlich in all seinen Facetten dargestellt, ich habe mich wie auf einem Spaziergang durch diese wunderschöne Stadt gefühlt. Absolut passend dazu ist das Cover, welches ein absolutes Urlaubs-Feeling vermittelt und Lust auf einen Besuch an der spanischen Küste macht.

Fazit:
Alles in allem ein eher schwacher Krimi mit blassen Figuren, der teilweise auch als Reiseführer hätte fungieren können. Aufgrund der anschaulichen Beschreibungen Barcelonas, seiner Bewohner und der kulinarischen Besonderheiten gibt es einen Extra-Punkt für das Lokalkolorit, das Buch an sich konnte mich aber leider nicht wirklich überzeugen.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzähltstil
  • Figuren