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Yeirah

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2019

»Bücher berühren die Seele«

Das Glück hat viele Seiten
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In ihr Heimatdorf in der Eifel wollte Hannah auf keinen Fall zurückkehren! Dieses Leben hat sie vor langer Zeit hinter sich gelassen – bis ihr Tante Marlies ihren Buchladen vererbt. Mit dem Geschäftsmann ...

In ihr Heimatdorf in der Eifel wollte Hannah auf keinen Fall zurückkehren! Dieses Leben hat sie vor langer Zeit hinter sich gelassen – bis ihr Tante Marlies ihren Buchladen vererbt. Mit dem Geschäftsmann Ben findet sich zum Glück schnell ein Käufer und Hannah ist die Verantwortung los. Doch der regionale Buchclub, bestehend aus vier taffen, älteren Damen, ist entsetzt von dem bevorstehenden Verkauf.
Wird es Hannah gelingen, den Buchladen zurückzuerobern? Und welche Pläne hat der attraktive Ben mit dem Geschäft?

Mit einem wunderbar flüssigen Schreibstil lockt Ella Zeiss in die Gedankenwelt der Hautprotagonistin Hannah. Schnell findet sich der Leser in der chronologischen Handlung zurecht und fiebert den nächsten Ereignissen entgegen. Leider bewahrt sich die junge Frau ein naives Verhalten, welches ihre Versuche, den Buchladen zurückzugewinnen, leicht kindisch wirken lässt. Zwar sorgen in diesem Rahmen einige Szenen für Schmunzler, doch Hannah als Person sorgt mindestens genauso für ein Kopfschütteln. Innerhalb des Romans findet kein charakterliches Voranschreiten der Protagonistin statt, im Gegenteil; immer wieder begeht sie dieselben Fehler, ohne daraus zu lernen.

Zwischen Hannah und dem Geschäftsmann Ben sprühen nur allzu bald die Funken. Hin- und hergerissen zwischen der aufkeimenden Leidenschaft und Bens Zielen für den Buchladen, liefern sich beide kreative Machtkämpfe. Somit nimmt Ben den Part des Gegenspielers ein, der trotz seiner Pläne und seines Sturkopfes dennoch mehr Sympathien wecken kann als Hannah. Sein Verhalten wirkt authentischer als Hannahs, doch leider bleiben die Hintergründe beider Protagonisten recht vage.

Gut gelungen ist die Atmosphäre innerhalb des Dorfes: Voller Tatendrang halten die Bewohner zusammen und vermitteln ein Gemeinschaftsgefühl, das berührt. Auch die Damen des Buchclubs tragen, trotz fragwürdiger Verschwörungen, zu diesem Gefühl bei. Vor diesem Hintergrund versöhnt vor allem das Ende des Romans, das mit einer unerwarteten Überraschung aufwarten kann.

Ella Zeiss hat somit einen leichten, unterhaltsamen Roman für Bibliophile geschaffen. Eine kleine Hommage an die Magie der Bücher, die Menschen zusammenbringt. Dennoch schaffte es die Hauptprotagonistin nicht immer, mich zu überzeugen; ihre Magie blieb leider blass.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Das "Licht im Dunkeln" lässt auf sich warten...

Dunmor Castle - Das Licht im Dunkeln
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Eins hatte die junge Designerin Lexie Cavendish definitiv nicht erwartet, als sie im Auftrag ihres Chefs nach Irland reist. Die Umgebung kommt ihr seltsam vertraut vor, genauso wie das Anwesen Dunmor Castle, ...

Eins hatte die junge Designerin Lexie Cavendish definitiv nicht erwartet, als sie im Auftrag ihres Chefs nach Irland reist. Die Umgebung kommt ihr seltsam vertraut vor, genauso wie das Anwesen Dunmor Castle, das sie renovieren soll. Liegen hier Hinweise auf ihre Wurzeln vergraben? Als Vollwaise sucht die junge Frau schon lange nach ihrer eigenen Vergangenheit. Ausgerechnet in Cerigh überrennen sie die Erinnerungen und quälende Alpträume plagen Lexie. In dem kleinen Dörfchen scheint jeder etwas über sie zu wissen; nur nicht sie selbst.

Mit "Dunmor Castle – Das Licht im Dunkeln" hat Kathryn Taylor einen spannenden Roman geschaffen, der in einem zweiten Band fortgeführt wird. Von Beginn an deckt man gemeinsam mit Lexie Stücke ihrer Vergangenheit auf und versucht, einen Blick hinter die Masken der Dorfbewohner zu erhaschen. Immer wieder werden geheimnisvolle Anspielungen laut, doch ein eindeutiges Bild lässt sich nicht zusammensetzen. Wer sagt wirklich die Wahrheit? Und wer nutzt das Vertrauen der jungen Frau nur aus?
Auch Grayson Fitzgerald, Lexies beruflicher Gegenspieler, sorgt für jede Menge Rätsel. Dass zwischen den beiden die Funken sprühen, wird von Anfang an klar. Dennoch verhält sich der erfolgreiche Geschäftsmann sehr sprunghaft. Im einen Moment ist er die Freundlichkeit in Person und im anderen misstraut er Lexie zutiefst.

Dennoch schafft es Kathryn Taylor, diese vermeintlichen Widersprüche unter einen Hut zu bekommen. Der wundervoll flüssige Schreibstil sorgt für einen stetigen Lesefluss und lässt die Seiten nur so dahinfliegen. Sehr bildlich wird das Dorf Cerigh beschrieben, sodass man sich selbst schon fast in Irland wähnt.

Besonders erwähnenswert an "Das Licht im Dunkeln" ist die aufkommende Spannung. Gemeinsam mit Lexie versucht der Leser zu erkunden, wer nun vertrauenswürdig ist und wer nicht. Es wird mitgefiebert, mitgelitten und wer gerne Verschwörungstheorien entwickelt, ist hier genau an der richtigen Stelle. Geschickt werden immer wieder neue Informationen eingebaut, dem Geheimnis kommt man dennoch nicht näher. Das macht "Das Licht im Dunkeln" zu einem wunderbar spannenden Roman, der den Leser atemlos zurücklässt; verzweifelt auf die Fortsetzung wartend!

Doch genau dies kann auch als Manko an der Handlung gedeutet werden. Zwar bekommt der Leser immer wieder winzige Informationsbrocken und versucht, diese zu einem Bild zusammenzusetzen, doch das Bild ist schwer zu fassen. Was diesem Roman seine Spannung verleiht, kann genauso gut schnell frustrierend wirken: Immer wieder werden wichtige Gespräche auffällig unterbrochen, keiner wagt es, zu viel zu sagen… und -schwupps!- ist der Leser am Ende, ohne auch nur ein kleines Geheimnis gelüftet zu haben. Für mich persönlich sind das zu viele, unbeantwortete Fragen. Wenigstens einen kleinen Happen, ein kleines "Licht im Dunkeln", hätte ich mir gegen Ende gewünscht.

Nichts desto trotz ist "Dunmor Castle – Ein Licht im Dunkeln" ein besonderer, empfehlenswerter Roman. Die liebevollen Beschreibungen, wundervollen Spannungsmomente und das bunte Rätselraten macht diesen Roman zu einem absoluten Lesevergnügen. Band zwei erscheint voraussichtlich im August 2019.

Veröffentlicht am 03.04.2019

Finde Deinen glücklichen Weg

Wir zwei auf Wolke sieben
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Gerade noch war Lea mit ihrem Freund Sebastian in eine neue Wohnung gezogen, da macht er auf einmal per Brief mit ihr Schluss. Samt ihrer Ersparnisse ist ihr Fast-Verlobter geflohen – nur den roten Kater ...

Gerade noch war Lea mit ihrem Freund Sebastian in eine neue Wohnung gezogen, da macht er auf einmal per Brief mit ihr Schluss. Samt ihrer Ersparnisse ist ihr Fast-Verlobter geflohen – nur den roten Kater hat er dagelassen. Lea findet sich mit den Trümmern ihrer unperfekten Beziehung konfrontiert und beschließt, ihrem Ex hinterher zu reisen. Nach London, Paris und Wien führt die Reise, bis Lea sich endlich fragt, ob Sebastian ihre Liebe überhaupt verdient hat…

Mit "Wir zwei auf Wolke sieben" hat Anja Rauter einen humorvollen Unterhaltungsroman geschaffen, der dem Ende einer Beziehung neue Hoffnungsschimmer entgegenstellt. Zu anfangs ist Lea eine wenig selbstbewusste Protagonistin, die sich in der Mündigkeit einer Beziehung verloren hat und nun total auf sich alleingestellt ist. Sie bekommt einen Job in der Beautybranche, der ihr so gar nicht zusagt und testet in dessen Auftrag alle möglichen Beauty-Make-Over rund um die Welt.
Der genannte Ex-Freund Sebastian bekommt im Roman nur wenig Raum, doch seine geschilderten Handlungen reichen, um eine unsympathische Wirkung zu erzeugen. An mancher Stelle hätte ich mir hier fast mehr Sebastian gewünscht, damit der Leser besser nachvollziehen kann, warum er wirklich so gehandelt hat; purer Egoismus ist für mich keine zufriedenstellende Erklärung.
Als Lea vor den Trümmern ihrer Beziehung steht, halten ihre zwei besten Freunde Su und Armin natürlich fest zu ihr. Beide Charaktere machen einen liebenswürdigen Eindruck, haben allerdings die Angewohnheit, Lea zu bevormunden. Mit ihren chaotischen Aktionen versuchen sie Lea zu helfen und treiben sie manchmal zur Weißglut, bis sie endlich ein Machtwort spricht und somit ihren selbstbestimmten Weg ein Stück weitergeht. Leider bleiben die beiden auch ein wenig blass und vermitteln den Eindruck von Stereotypen: Die schöne sportliche Frau, die sehr auf ihre Linie achtet und der schwule beste Freund, dessen Beziehung von Eskapaden geprägt ist. Auch die anderen im Buch auftretenden Charaktere orientieren sich an den typischen Klischees und sollen den humorvollen Ton unterstützen, doch ihre Art ist überzeichnet.
Letztendlich wäre da noch Mattheo, ein Freund von Su, der an Charme kaum zu überbieten ist. Er wird für Lea zu einer verlässlichen Stütze und zeigt ihr, dass sie auch ohne ein Lebenszeichen von Sebastian auskommt.

Der Handlung des Romans ist einfach zu folgen, hat er doch eine "vorbestimmte" Reiseroute: Erst London, dann die Stadt der Liebe und anschließend Wien. Zufälligerweise führen Leas Jobs sie genau in die Städte, in denen ihr Ex Sebastian seine Fotoausstellung präsentiert. Natürlich versucht sie immer wieder, ihn mit seiner Flucht zu konfrontieren, scheitert jedoch aus verschiedenen Gründen.
Dank des flüssigen Schreibstils kann man dem Geschehen gut folgen und muss doch an mancher Stelle schmunzeln. Dennoch hätte ich mir tiefere Charaktere und weniger Klischees gewünscht – sie hätten nicht unbedingt sein müssen!

Alles in allem ist "Wir zwei auf Wolke sieben" ein solider Unterhaltungsroman, der mit ausgebauten Charakteren und weniger Klischees zu einem sehr guten, humorvollen Roman hätte werden können. Eine Leseempfehlung spreche ich an jene Leser aus, die eine leichte Lektüre für Zwischendurch benötigen. Daher 3/5 Sternen.

Veröffentlicht am 25.02.2019

Wenn das Leben aus dem Takt gerät

Taktgefühle
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Ursprünglich wollte Elke nur kurz in ihr Heimatdorf zurückkehren, um das Haus ihrer Eltern zu verkaufen. Doch spätestens als sie auf Walter, ihre Jugendliebe trifft, wird aus dem kurzen Aufenthalt ein ...

Ursprünglich wollte Elke nur kurz in ihr Heimatdorf zurückkehren, um das Haus ihrer Eltern zu verkaufen. Doch spätestens als sie auf Walter, ihre Jugendliebe trifft, wird aus dem kurzen Aufenthalt ein längerer. Ihr Wiedersehen ist von Zurückhaltung geprägt, steht doch so viel Ungesagtes zwischen ihnen, was auch Elkes plötzliches Verschwinden mit 18 Jahren betrifft. Trotz ihrer gemischten Gefühle beschließt Elke, vorerst zu bleiben. Sei es, weil sie Walters Musikschülern helfen will, sich auf einen Contest vorzubereiten. Oder um die Vergangenheit aufzuarbeiten und alte Schuldgefühle abzutragen? Mit ihrem plötzlichen Auftauchen setzt Elke unwissend eine Kettenreaktion in Gang. Denn nicht nur die Gegenwart hält Herausforderungen bereit – auch die Vergangenheit wartet darauf, geklärt zu werden…

Der nachfolgende Roman von Anke Schläger kann mit derselben Sympathie und Nahbarkeit aufwarten wie ihr Vorgänger "Festtagsgäste". Eine Frau, die aus Angst vor Verletzungen lieber vor schwierigen Situationen flieht, als sich ihnen zu stellen, kehrt in ihr Heimatdorf zurück. Nach ihrer Flucht vor einigen Jahren trifft sie auf alte Bekannte, die ihr Leben ohne Elke weitergelebt haben. Sie wird damit konfrontiert, was ihre plötzliche Flucht mit den Menschen angerichtet hat, die ihr doch so sehr ans Herz gewachsen waren; und wie Freundschaft doch nach Jahrzehnten wieder aufblühen kann.
Rund um die musikalische und sehr sympathische Hauptprotagonistin finden sich nicht nur bekannte Gesichter aus dem Debütroman "Festtagsgäste". Es kommen auch neue Gesichter zu Wort, die so hautnah aus ihrem Leben erzählen, dass man die Beweggründe sehr gut nachvollziehen kann. Die menschlichen Schwächen sind es, welche die Charaktere in "Taktgefühle" so plastisch wirken lassen.
Hinzu kommt eine angenehme Handlung rund um Elkes Vergangenheitsbewältigung und den anstehenden Musik-Contest im Dorf. "Taktgefühle" zeigt nicht nur, wie es ist, mit schwierigen Erinnerungen umzugehen und sich Menschen nach Jahren wieder zu öffnen. Er zeigt ebenfalls, wie es ist, als junger Mensch mit Druck umzugehen und wie schön es ist, eine Person zu haben, die einen unterstützt.
Sehr schön fand ich, dass sich die anfängliche Zurückhaltung der Figuren in neue, zarte Freundschaftsbande gewandelt hat. Das Dorf hält im Notfall zusammen, auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die in die eigene Tasche wirtschaften.
Die Handlung ist in sich schlüssig und wird von den starken Charakteren getragen, wobei manche Szenen noch etwas ausführlicher sein könnten. Durch den schönen, flüssigen Schreibstil kann der Leser sich gut in die Geschichte einfinden und fühlt die Emotionen der Figuren sehr gut mit.

Mir hat das Wiedersehen und neue Kennenlernen der Figuren in "Taktgefühle" sehr gefallen. Ein eindrücklicher Roman, der nicht nur für Musikfans zu empfehlen ist, sondern für all jene Leser, die ein zarte Erzählung rund um Neuanfänge und das Abschließen der Vergangenheit mögen. Abschließend lässt sich sagen: Eine Geschichte, wie sie das Leben selbst schreiben könnte – über Freundschaft, Vergebung und die Tücken der Liebe.

Veröffentlicht am 03.02.2019

Viele Geheimnisse wiegen schwer...

Das kleine Theater am Meer
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Mit 33 Jahren wagt Faye einen Sprung ins kalte Wasser: Nach der Trennung ihres Freundes und dem Abschluss ihres Studiums nimmt sie kurzerhand das Angebot ihrer Schulfreundin Charlotte an, ein paar Tage ...

Mit 33 Jahren wagt Faye einen Sprung ins kalte Wasser: Nach der Trennung ihres Freundes und dem Abschluss ihres Studiums nimmt sie kurzerhand das Angebot ihrer Schulfreundin Charlotte an, ein paar Tage auf Sardinien zu verbringen. Doch was wie ein Urlaub beginnt, entwickelt sich bald zu einem Job, der sich in Fayes Herz schleicht. Sie soll das Theater der kleinen Stadt Deriu renovieren, nicht wissend, dass die Bewohner davon alles andere als begeistert sind. Denn jeder von ihnen scheint ein Geheimnis zu haben, das er um jeden Preis bewahren will…

"Das kleine Theater am Meer" erweckt zuerst den Eindruck einer leichten Sommerlektüre. Doch wer denkt, dass sich dieser Roman in die Kategorie "Liebesroman" einordnen lässt, liegt weit daneben! Abwechselnd aus den Sichten von Faye und ihren Eltern erzählt, begleitet man die Protagonisten entweder in das sonnige Sardinien oder das windige West Dorset. Wer anfangs noch lieber bei Faye in Sardinien geblieben wäre, fängt bald an, der Nebenhandlung entgegenzufiebern.

Auf Sardinien wird Faye als Innenarchitektin damit beauftragt, ein altes Theater zu restaurieren. Dort trifft sie nicht nur auf den launischen Besitzer Alessandro und dessen zurückhaltende Schwester Marisa, sondern auch auf den ehemaligen Schauspieler Pasquale, der schrullige Angewohnheiten zu pflegen scheint. Wenig verwunderlich trifft Faye auf Probleme, was sowohl die Renovierung als auch Alessandro anbelangt.
Der eigentlich interessantere Handlungsstrang findet allerdings in West Dorset statt. Sehr überraschend erfährt Faye, dass ihre Eltern beschlossen haben, sich nach Jahrzehnten der Ehe zu trennen. In wechselnden Kapiteln erfährt der Leser, wie es zum Auseinanderleben von Ade und Molly kam. Missverständnisse, Geheimnisse und auch eine gesunde Portion Egoismus haben dazu beigetragen, dass beide entschlossen sind, von nun an getrennte Wege zu gehen. Für mich einmal ein erfrischend neuer Ansatz, denn viele Romane bieten lediglich eine Perspektive: Das Kennenlernen und anschließende Zusammenkommen eines Paares; nicht jedoch, wie es ist, Jahrzehnte zusammen zu verbringen, nur um irgendwann festzustellen, dass man vom Partner ein ganz falsches Bild hat.

Somit ist die Gesamthandlung glaubwürdig, auch wenn sich einige Verhaltensweisen der Charaktere hinterfragen lassen. Diese werden zwar in einem recht übereilten Schluss aufgeklärt und wirken im Kontext auch logisch, doch zufrieden ist der Leser damit trotzdem nicht. Hatte man zuvor einen recht ausführlichen und etwas langsameren Mittelteil, so wird im Schluss alles rasant aufgelöst. Ein Ereignis folgt auf das andere, alte Geheimnisse kommen verstaubt ans Tageslicht und dann ist die letzte Seite auch schon gelesen.
Auch der angehauchte Theaterumbau hätte meiner Meinung nach mehr Ausführlichkeit verdient, denn was eigentlich als Haupthandlung wahrgenommen wird, läuft mehr oder weniger still im Hintergrund ab.

Allerdings werden die Schwachstellen der Handlung von einem leichten und sehr bildlichen Schreibstil abgeschwächt. Die wunderschönen, landschaftlichen Beschreibungen der Autorin lassen ein südländisches Flair vor dem inneren Auge entstehen und nebenbei lernt man auch noch jede Menge über sardische Gerichte. Durchaus angemessen für eine schöne Sommerlektüre, die nicht in dieses Raster passen mag.

"Das kleine Theater am Meer" mag keine typische, seichte Sommerlektüre sein, doch mit ganz neuen Handlungsperspektiven und zauberhaften Beschreibungen entführt sie dennoch in das malerische Deriu. Rätselhafte Charaktere tragen dabei schwer an ihren Geheimnissen und lüften diese in einem abrupten Ende, das etwas mehr Ausführlichkeit vertragen hätte. Für Leser, die auf der Suche nach guter Unterhaltung sind, ein solider Roman mit gut ausgearbeiteten Charakteren, die (beinahe) zu schnell ans Herz wachsen.