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Veröffentlicht am 27.05.2020

Spannender Reihenauftakt!

Endling (1), Die Suche beginnt
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Allgemeines:

Endling – Die Suche beginnt ist als Auftaktband einer mehrteilig angelegten Reihe im Februar 2020 bei dtv, in der Reihe Hanser, erschienen.

Das Hardcover hat 384 Seiten und wird vom Verlag ...

Allgemeines:

Endling – Die Suche beginnt ist als Auftaktband einer mehrteilig angelegten Reihe im Februar 2020 bei dtv, in der Reihe Hanser, erschienen.

Das Hardcover hat 384 Seiten und wird vom Verlag ab einem Lesealter von 11 Jahren empfohlen. Nach so kurzer Zeit ist das Buch bereits in der zweiten Auflage. Autorin Katherine Applegate lebt in San Francisco. Der zweite Teil der Reihe, Endling – Weggefährten und Freunde, erscheint am 24.07.2020 im selbigen Verlag.

Inhalt:

„Ein Dalkin, ein Wobbyk und ein Mädchen: Freunde und Gefährten

Byx ist die Jüngste im Dalkin-Rudel, und wie alle Dalkins besitzt sie eine besondere Gabe: Sie kann Lüge von Wahrheit unterscheiden. Doch in Nedarra werden die Dalkins gejagt. Den Menschen, die sich hier zur Herrschaft aufgeschwungen haben, sind die hundeähnlichen Wesen ein Dorn im Auge. Als Byx eines Tages von einem Streifzug zu ihrem Rudel zurückkehrt, geschieht das Furchtbare: Sie findet all ihre Lieben tot vor, ermordet von den Schergen des Machthabers Murdano. Ist sie nun ganz allein, die Letzte ihrer Art, der Endling? Oder gibt es doch noch, wie alte Mythen weissagen, andere Dalkins hoch im Norden des Landes? Byx macht sich auf die Suche. Es wird die unvergleichliche Reise durch ein Land voller Schönheit, aber auch Angst, wo Riesenkatzen leben, gewaltige Wasserwesen und Käfer, gigantische Vögel und Wobbyks. Und bald hat sie Gefährten an ihrer Seite. Freunde fürs Leben.“ (Quelle: dtv Verlag)

Meine Meinung:

Was wäre, wenn du, ein Kind bzw. eine Jugendliche, die letzte deiner Art wärst? Tatsächlich und unausweichlich? Der Endling, derjenige, der ertragen muss, dass niemand anders mehr übrig ist? Vermutlich können wir uns das als Angehörige einer so weit verbreiteten Spezies nicht vorstellen. Protagonistin Byx gehörte auch einmal zu einer Spezies, der Unzählige angehörten. Aber nun ergeht es ihr in diesem Reihenauftakt genau so, wie eben beschrieben. Das bedeutet, dass sie das letzte lebende Exemplar einer sprechenden und intelligenten Lebensform ist. Sie ist ein Dalkin – ein überaus sympathischer noch dazu. In Endling könnt ihr sie auf ihrer Suche nach Überlenden ihrer Spezies begleiten. Byx möchte sich einfach nicht damit abfinden, der Endling zu sein. Sie möchte den Gerüchten Glauben schenken, dass es irgendwo noch Dalkins gibt.

Zu Beginn der Handlung verliert Byx ihre Familie. Im Laufe der weiteren Handlung gewinnt sie jedoch auch eine weitere Familie dazu. Sie besteht aus denjenigen, auf die Byx während ihrer Abenteuer trifft. Eins verbindet sie alle: eine Freundschaft, die sie nach und nach zu einer Familie macht. Natürlich nicht aus allen Charakteren, die Byx auf ihrer Suche trifft. Auch in einem Kinder- und Jugendbuch kann nicht jeder ein Freund sein. Mit dieser Thematik geht die Autorin sehr differenziert um. Man kann mit fortschreitender Handlung beinahe miterleben, was es bedeutet, jemanden zu haben, der für einen da ist und an einen glaubt. Byx hat eine besondere Begabung, sie erkennt, wenn jemand lügt. Nichtsdestotrotz bedeutet diese Fähigkeit nicht, von Anfang an in Freund und Feind unterscheiden zu können. Mit dem Thema der Ehrlichkeit geht Applegate verantwortungsvoll um und zeigt verschiedene Facetten der Auslegung dieses Themas auf.

Neben dem Hauptstrang der Geschichte erfahren wir als Leser viele Details über die Welt Nedarra. Dort haben einst sechs große Arten (und viele andere, kleinere Arten) gelebt. Wie ihr richtig vermutet, ist das jetzt allerdings anders. Ich bin wirklich gespannt, wie die Geschichte um den großen Tyrannen weitergehen wird, von der man ab und zu lesen konnte.

Der Kinder- und Jugendroman thematisiert auf spannende und geschickte Art und Weise viele weitere Themen, die momentan von größter Relevanz sind. Das Artensterben spielt auf so vielen Ebenen eine Rolle. Viele Faktoren sind dafür verantwortlich, aber ein großer davon ist das Verhalten der anderen Arten, in unserem Fall das der Menschen. In der von Katherina Applegate geschaffenen Welt gibt es einige überlegene Arten, die die Fäden der Ereignisse in den Händen halten. Diese haben teilweise systematisch daran gearbeitet, andere Arten auszulöschen. Das entwickelte Szenario ist auch auf Themen wie Rassismus zu übertragen und liefert viele Anknüpfungspunkte für über das Buch hinausgehende Gespräche in diesen Themenfeldern.

Fazit:

Endling ist ein spannendes Abenteuer über die omnipräsente Thematik des Artensterbens . Zum Selbstlesen würde ich es ab ungefähr 11-12 Jahren empfehlen. Auch als Erwachsene konnte ich die Geschichte sehr genießen.

Veröffentlicht am 25.05.2020

Was ist die Wahrheit?

Vront
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Allgemeines:

Vront – Was ist die Wahrheit ist Mitte Februar 2020 als gebundenes Buch bei Mixtvision erschienen. Das Buch hat 500 Seiten und wird ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen.

Der Autor, ...

Allgemeines:

Vront – Was ist die Wahrheit ist Mitte Februar 2020 als gebundenes Buch bei Mixtvision erschienen. Das Buch hat 500 Seiten und wird ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen.

Der Autor, Yves Grevet, könnte dem ein oder anderen von euch bereits durch seinen Roman Méto, der unter anderem für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war, bekannt sein. Ich habe vorher noch nichts von Grevet gelesen, Vront ist mein „Erstling“ von ihm.

Obwohl mir die auf dem Cover gewählten Farben nicht unbedingt zusagen, finde ich es sehr stimmig gestaltet. Der Hintergrund erinnert an einen Datenchip, auf dem alle Verbindungen zusammenlaufen. Durch das gewählte grelle Orange werden die Blicke auf das in der Mitte abgebildete V gerichtet, das selbstverständlich für die Vront steht, die eine große Rolle im Buch spielt.

Inhalt:

„Sie kümmern sich um unsere Gesundheit. Sie sorgen für unsere Sicherheit. Aber der Preis dafür ist unsere Freiheit!

Scott ist dieser Preis zu hoch. Mit seinen Freunden hat er die Widerstandsgruppe VRONT gegründet. Sie wollen wieder frei sein. Sie wollen frei sein, sie wollen etwas riskieren, sie wollen LEBEN.
Und sie wollen allen zeigen: Es gibt nicht nur eine Wahrheit!“ (Quelle: Mixtvision Verlag)

Meine Meinung:

Stan lebt in einem nahezu perfekten System völliger Sicherheit. LongLife hat alles unter Kontrolle. Die Firma hat jedem Menschen einen Chip implantiert. Gefahren unterschiedlichster Art werden vom System erkannt, Hilfe in Form von Polizei oder LongLife-Mitarbeitern ist sofort zur Stelle. Kein Mensch kann über die Stränge schlagen, niemand wird gewalttätig und niemandem wird ein Leid angetan. Niemandem?

Ihr habt Recht, das klingt nach einer zu perfekten Vorstellung. In der Dystopie „Vront“ treffen wir mitnichten auf eine so heile Welt, wie ich sie eingangs beschrieben habe. Viel mehr lebt Protagonist Stan in einer in meinen Augen bedrohlich klingenden Welt. Wie kann man frei und ungezwungen leben, wenn der eigene Bewegungsradius von den Eltern eingeschränkt und bestimmt werden darf? Wie soll man Kind oder Jugendlicher sein, seine Interessen ausleben und auch mal eine Notlüge erfinden dürfen, wenn LongLife alles weiß? Schnell wird Sicherheit hier zur völligen Kontrolle und zur wirklichen Einschränkung der Grundrechte von Stan und den anderen Protagonisten des Buches. Das ist vielen der handelnden Personen nicht bewusst, da sie sich gerne auf die von LongLife vermittelte Sicherheit verlassen möchten.

Doch dann ist da die Vront. Eine Organisation von Jugendlichen, die im Untergrund agiert und gegen die totale Einschränkung der Rechte ist. Die Vront wirkt zunächst wie eine Organisation, die unterstützenswert ist. Aber auch die Vront handelt nicht immer so, wie man sich es vorstellen würde. Dazu möchte ich euch nicht zu viel verraten, lest selbst…

Die Grundstory von Vront hat mich mitgerissen und gefesselt. Datenüberwachung, Kontrolle von gesundheitlichen Veränderungen und die Gewissheit, dass der eigene Standort nie unbekannt ist – so etwas bereitet mit Sicherheit nicht nur mir Sorgen. Vor allem die Tatsache, dass viele Menschen so etwas befürworten und unterstützen, hat mich in Vront schockiert.

Womit ich weniger zurechtgekommen bin, ist der Schreibstil von Grevet. Ich kann nicht beurteilen, ob er immer so schreibt oder ob es nur in diesem Buch so ist. Die ganze Handlung, die Beziehung zwischen den Protagonisten, selbst zwischen den Brüdern, wirkt so voller Distanz, dass bei mir wenig Identifikation für die Geschehnisse entstanden ist. Grevet erzählt die Ereignisse aus jeglicher Perspektive mit einer solchen neutralen Nüchternheit, dass ich manchmal Schwierigkeiten hatte, weiterzulesen. Vielleicht gefällt ebendieser Schreibstil einem anderen Leser auch sehr gut. Meins war das aber nicht.

Grevet vollzieht einige Perspektivwechsel, die aber kaum auffallen. Zunächst berichtet Stan von den Ereignissen, dann (teilweise auch rückblickend auf die bereits geschehenen Ereignisse) sein Bruder Scott und anschließend verschiedene Mitglieder der Vront. Mir ist es nicht gelungen, völlig in einer dieser Perspektiven aufzugehen, vermutlich durch die bereits erwähnte Nüchternheit der jeweiligen Erzähler. Zudem sind die einzelnen Erzählstrange wenig individuell geprägt und wirken dadurch beinahe austauschbar.

Insgesamt regt die Geschichte zum Nachdenken an. Darüber, wie weit wir in unserer Technisierung und Digitalisierung bereits fortgeschritten sind und was das auch jetzt schon für die Sicherheit unserer persönlichen Daten bedeutet. Und darüber, dass man eine solche Zukunft wie Grevet sie entwirft auf keinen Fall will. Ich kann mir vorstellen, dass das Jugendbuch auch die eigentlich angesprochene Zielgruppe sehr gut erreichen kann und den ein oder anderen zum Umdenken bewegen wird. Zum Umdenken über den täglichen exzessiven Konsum und das Mitteilen persönlicher Daten über ein Medium, das schon lange nicht mehr so persönlich ist, wie wir denken.

Fazit:

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt. Über das eigene Selbst und den Umgang mit den Begriffen Freiheit, Gesundheit und Sicherheit.

Veröffentlicht am 25.05.2020

Die Akte Frost

The Frost Files - Letzte Hoffnung
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Allgemeines:

The Frost Files – Letzte Hoffnung ist am 01.04.2020 als Paperback bei Knaur Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 480 Seiten und bildet den Auftaktband einer Reihe. Autor Jackson Ford ist ...

Allgemeines:

The Frost Files – Letzte Hoffnung ist am 01.04.2020 als Paperback bei Knaur Taschenbuch erschienen. Das Buch hat 480 Seiten und bildet den Auftaktband einer Reihe. Autor Jackson Ford ist für mich vor der Lektüre ein unbeschriebenes Blatt gewesen.

Auffällig ist bei diesem Buch die Gestaltung des Covers. Wenn ich ehrlich sein soll, wäre ich an diesem Buch vorbeigegangen, da es auf mich reißerisch und trivial wirkt. Ganz anders sieht hier das Original aus. Auch der Titel The Girl who could move sh*t with her mind mutet anders an als die deutsche „Übersetzung“.

Inhalt:

„Teagan Frost ist wirklich nicht leichtsinnig: Wenn man über psychokinetische Fähigkeiten verfügt, ist es schließlich keine große Sache, ungesichert von einem Hochhaus zu springen.
Ihre psychokinetischen Fähigkeiten machen Teagan Frost zum wertvollsten Mitglied einer geheimen Einsatztruppe der US-Regierung. Zusammen mit Hackerin Reggie, Organisations-Genie Paul, der bestens vernetzten Annie und Carlos, der alles fahren kann, was Räder hat, kommt sie immer dann zum Einsatz, wenn FBI und NSA nicht mehr weiter wissen.

Doch als nach einem ihrer Einsätze in Los Angeles der Chef einer global agierenden Textilfirma ermordet aufgefunden wird – erdrosselt mit einer Stahlstange als wäre es nur ein dünner Draht –, wird Teagan Frost über Nacht zur gesuchten Mörderin. Selbst ihr eigenes Team zweifelt an Teagans Unschuld, obwohl ihre Kräfte für eine solche Tat nicht annähernd ausreichen. Nur wer verfügt dann über derart starke paranormale Fähigkeiten? Als ein weiteres Mordopfer auftaucht, beginnt für Teagan Frost und ihr Team eine halsbrecherische Jagd quer durch Los Angeles.

Jackson Fords actionreicher Urban-Fantasy-Roman punktet mit hohem Tempo, überraschenden Wendungen und einer Mischung aus politischen Verwicklungen und persönlicher Rache-Story.“ (Quelle: Knaur Verlag)

Meine Meinung:

Als waschechter X-Men-Fan war ich sofort Feuer und Flamme als ich The Frost Files in der Vorschau des Knaur Verlags entdeckt habe. Es stach aus den anderen Neuerscheinungen hervor. Es handelt sich um ein nicht klassischerweise dem Fantasygenre zuzuordnenden Buch. Das wird sowohl optisch als auch inhaltlich schnell deutlich.

Stark inspiriert von den X-Men hat die draufgängerische Protagonistin Teagan Frost besondere Fähigkeiten. À la Jean Grey ist sie in der Lage dazu, Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen. Der Einfachheit halber benennen wir ihre Fähigkeit im Folgenden als Psychokinese. Ich liebe X-Men wirklich, glaubt mir. Ein Kritikpunkt meinerseits ist dennoch an dieser Stelle, dass die Parallelen zu X-Men nicht aufhören und ich mir an einigen Stellen (mehr) Innovation erhofft hätte. Vermutlich liegt diese Inspiration (und eben nicht Innovation) des Autors in der Natur der Sache: Auch die meisten Fantasyautoren erschaffen das Genre nicht neu oder orientieren sich an bereits Dagewesenem. Es gibt aber immer einen Unterschied zwischen dem Orientieren und dem Kopieren.

Die actionreiche Geschichte rund um die psychokinetischen Fähigkeiten von Teagan entwickelt sich rasant, obwohl wir Charakteren begegnen, die zu Beginn der Geschichte unterschiedlicher nicht sein könnten. Dem Autoren gelingt es, ihre Entwicklung miteinander und als Einzelpersonen authentisch, aber an vielen Stellen leider auch vorhersehbar darzustellen. Nach und nach agieren die Mitarbeiter der geheimen Einsatztruppe als das Team, das sie von Anfang an sein sollten. Wachsen zusammen, enttäuschen sich und finden wieder zueinander. Als Leser wissen wir nie mehr als Teagan selbst und lernen mit ihr zusammen. Und das ist gar nicht so leicht. Wir hetzen nämlich von einer Actionszene zur nächsten. Beinahe wie in einem richtigen Actionfilm – in Buchform manchmal etwas befremdlich und zu schnell gedacht.

Eine Superheldengeschichte wäre nichts ohne einen Antagonisten, der es in sich hat. Und auf genau den trifft das Team unserer Geschichte. Zunächst erscheinen die Verwicklungen beider Parteien vielversprechend. Nach und nach begann mich der Antagonist aber zu nerven. Er ist unglaublich brutal und wenig reflektiert. Als Leser fiebert man auf die Begegnungen von Teagan und ihm hin und bekommt dann leider etwas serviert, was die Erwartungen nicht erfüllt. Da hätte Ford detaillierter vorgehen können und müssen.

Fazit:

The Frost Files – Letzte Hoffnung ist ein Reihenauftakt, der mich bisher nicht von sich überzeugen konnte. Ich bin gespannt, wie die Geschichte im zweiten Teil der Reihe weitergehen wird, und ob es dem Autor gelingen wird, das volle Potential der Geschichte auszuschöpfen. Potential ist nämlich durchaus vorhanden!

Veröffentlicht am 09.05.2020

You are (not) safe here

You are (not) safe here
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Allgemeines:

You are (not) safe here ist Ende Januar 2020 bei dtv junior erschienen. Das Taschenbuch hat 400 Seiten und wird vom Verlag ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen. Diese Leseempfehlung ...

Allgemeines:

You are (not) safe here ist Ende Januar 2020 bei dtv junior erschienen. Das Taschenbuch hat 400 Seiten und wird vom Verlag ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen. Diese Leseempfehlung möchte ich gerne nach oben korrigieren. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch frühestens ab einem Lesealter von 16 Jahren gelesen werden. Es triggert Themen, auf die vor allem Jugendliche sehr sensibel reagieren könnten. Jugendliche verfügen nicht im gleichen Ausmaß wie Erwachsene über Coping-Strategien. Bitte überlegt euch also vor der Lektüre, ob ihr das Buch lesen und mit dem Inhalt umgehen könnt.

Auf dem Cover sind schwarze Federn abgebildet, die in der Geschichte in anderer Form eine große Rolle spielen werden. Besonders hervorzuheben ist der Titel, in dem das „not“ durchgestrichen ist. Er ist so treffend, besser geht es nicht.

Inhalt:

„Tausende Krähen belagern die Kleinstadt Auburn, Pennsylvania, und es werden immer mehr. Alle Einwohner empfinden dies als Bedrohung – alle außer der 17-jährigen Leighton und ihren beiden jüngeren Schwestern. Denn die größte Gefahr lebt in ihrem Zuhause: ihr Vater, der immer wieder gewalttätig wird – und ihre Mutter, die schweigt und ihn nicht verlässt. Und die Nachbarn, die konsequent wegschauen. Leighton würde nichts lieber tun, als der Stadt den Rücken zu kehren, aber sie kann und will ihre Schwestern nicht zurücklassen. Denn eins ist klar: Irgendwann wird die Situation eskalieren…“ (Quelle: dtv Verlag)

Meine Meinung:

Was wäre, wenn der Ort, der für dich der Inbegriff von Sicherheit bedeuten sollte, genau das Gegenteil darstellt? Was wäre, wenn du dir niemals sicher sein kannst… wenn Sicherheit ein Wort wäre, das für dich nicht gilt? Wenn du immer auf deine kleinen Schwestern aufpassen müsstest, die die meisten Nächte ohnehin voller Angst bei dir verbringen? Wenn du trotzdem liebst, obwohl deine Liebe auf grausame Art erwidert wird? Wenn du dir nicht sicher sein kannst, was passieren wird, und wie das Haus und deine Familie danach aussehen werden? Das Haus, das irgendwie ein Eigenleben führt und alle Dinge repariert, die zu Bruch gehen. Aber dein Gefühl, deine Angst kann es nicht reparieren. Das kann niemand. Oder was meint ihr?

You are (not) safe here ist ein Buch, das mich gefesselt und fasziniert hat. Gleichzeitig war ich abgestoßen. Abgestoßen von den unglaublichen Abgründen der Menschlichkeit. Vermutlich kann man sich nur schwer in häusliche Gewalt oder überhaupt in das Thema Gewalt gegen Mitmenschen hineinversetzen, wenn man diese nicht selbst erlebt hat. Der Autorin gelingt es jedoch, eine so überzeugende Atmosphäre zu kreieren, dass man als Leser zumindest das Gefühl hat, sich in eine solche Situation hineinversetzen zu können. Das bringt ambivalente Gefühle mit sich. Zum einen möchte man sich nicht auf so etwas einlassen. Zum anderen möchte man mit Fortschreiten der Handlung unbedingt, dass die Geschichte für Protagonistin Leighton gut ausgeht.

Leighton kümmert sich nicht nur um sich selbst, sondern auch um ihre Mutter und ihre kleineren Schwestern. Sie versucht, den Anschein von Normalität aufrecht zu erhalten und ihre häuslichen Umstände zu verbergen. In Auburn weiß jeder, was die anderen verbergen. Aber es wird toleriert, akzeptiert und jeder kümmert sich mehr oder weniger um sich selbst. Trotzdem ist Leighton in der Schule nicht isoliert oder gar eine Einzelgängerin. Hier verbirgt sich eine Gefahr. Wenn es einem Kind oder einem Jugendlichen zu gut gelingt, die Wahrheit zu verbergen, sieht niemand genauer hin. Obwohl nicht nur der Täter in diesem Moment eine Schuld trägt, sondern auch das Umfeld. Das hat eine sehr sensibilisierende Wirkung. Wir sollten alle noch viel häufiger genauer hinsehen.

McCauley gelingt es, eine beinahe erschreckende und gleichzeitig so spannende Stimmung zu erzeugen. Diese wird durch die mystischen, nahezu aus einem Horrorfilm stammenden Elemente ergänzt. Krähen suchen die Kleinstadt Auburn heim. Wer den Film „Die Vögel“ kennt, weiß, dass Krähen für eine beängstigende Stimmung sorgen können. Es werden immer mehr. Je größer die Probleme in der Stadt werden, desto mehr Vögel lassen sich in der Kleinstadt nieder. Zu einer der Krähen entwickelt die Protagonistin zusammen mit ihren Schwestern eine besondere Beziehung. Die Krähen wirken durch ebendiese Entwicklung nicht länger nur bedrohlich, sondern beinahe fürsorglich. In jedem Fall aber intelligenter als erwartet. Auch das Haus, das immer wieder auseinanderbricht und Risse hat, ist eines der Elemente, die nicht erklärbar sind. Sie stehen sinnbildlich für die Ereignisse der Geschichte.

Fazit:

Ein wichtiges, zugleich erschreckendes und faszinierendes Buch über das Thema der häuslichen Gewalt.

Veröffentlicht am 06.05.2020

Wunsch nach Fortsetzung

Die Geisterkönigin
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Allgemeines:

Die Geisterkönigin ist als dritter Teil der Königinnen von Renthia-Reihe im November 2019 bei Penhaligon erschienen. Das Paperback hat 640 Seiten. Cover und Innenleben sind passend zu den ...

Allgemeines:

Die Geisterkönigin ist als dritter Teil der Königinnen von Renthia-Reihe im November 2019 bei Penhaligon erschienen. Das Paperback hat 640 Seiten. Cover und Innenleben sind passend zu den bisherigen Teilen der Reihe gestaltet. Wer sich in Renthia auskennt, weiß, worauf das Titelbild anspielen soll.

Es handelt sich um den abschließenden Band der Trilogie. Ende April ist bereits der erste Teil einer neuen Reihe von Sarah Beth Durst erschienen: Feuer & Gold. Lasst euch da nicht vom Cover täuschen – Ich glaube, es verbirgt sich eine großartige Geschichte dahinter.

Inhalt:

„Drei Königinnen, zwei Reiche, ein Krieg – das packende Finale der mehrfach ausgezeichneten Trilogie.

Königin Daleina und Königin Naelin herrschen gemeinsam über Aratay und beschützen ihre Untertanen vor den Elementargeistern. Da werden Naelins Kinder von fremden Geistern entführt. Für sie ist klar, dass die Herrscherin des Nachbarreichs Semo dahinter steckt. Außer sich vor Zorn und bereit, das ganze Land zu zerreißen, folgt Naelin ihren Kindern. Doch in der Hauptstadt von Semo stellt ihr die feindliche Königin ihre Bedingungen: Wenn Königin Naelin ihre Kinder lebend wiedersehen will, muss sie abdanken – und ihr Volk im Stich lassen.“

Meine Meinung:

Ich habe die Reihe um die Königinnen von Renthia verschlungen. Und trotzdem muss ich euch sagen, dass der abschließende Band mich nicht so überzeugen konnte wie die Vorgänger. Es ist schwer zu fassen, woran das liegt, und gleichzeitig herauszustellen, warum die Seiten trotzdem wie im Flug gelesen waren. Ich werde es in meiner Rezension so gut wie möglich versuchen.

Ich hatte beim Lesen das Gefühl, eine langsam dahinplätschernde Handlung zu verfolgen. Das lag nicht am Schreibstil der Autorin, der wie gewohnt flüssig und angenehm zu lesen war. Nein, es lag daran, dass nichts passiert ist. Es wirkte beinahe so, als wenn die Autorin eine Seitenvorgabe erhalten hätte, oder möglichst viel Platz füllen musste. Plötzlich geschah dann alles auf einmal, die Ereignisse überschlugen sich und dann war es auch schon vorbei. Durst ist es nicht gelungen, langsam Spannung aufzubauen. Sie hat sie sozusagen vergeudet. Nach dem Cliffhanger des zweiten Bandes war sie zumindest bei mir vor dem Lesen noch da. Vermutlich hat das meine Leseerwartung hochgehalten und vielleicht geht jemand anders mit niedrigeren Erwartungen an die Lektüre. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch motiviert gelesen, da Durst bei mir mit den ersten beiden Teilen der Reihe eine Grundspannung auf die weiteren Ereignisse erzeugt hat.

Naelin ist eine Protagonistin, die mir stets sympathisch war. Ohne euch etwas zu verraten, kann ich euch erzählen, dass dieser Eindruck von ihr sich verändert hat. Sie reagiert auf einige Ereignisse der Handlung extrem. So extrem, dass sie bedauerlicherweise nicht mehr glaubwürdig wirkt. Überspitzt und wenig authentisch. Auch der langersehnte Konflikt mit Merecot ist der Autorin anders gelungen als erwartet. Dennoch gibt es auch positive Elemente. Mir fiel es nach dem abschließenden Band leichter, Merecot und ihr Handeln zu verstehen. Durst ist es gelungen, dass ich mich besser mit ihrer Antiheldin identifizieren kann. Arin wird ebenfalls zu einer spannenden Protagonistin. Aber auch hier hätte Durst mehr entwickeln können.

Nachdem ich das Buch beendet hatte, blieb ein komisches Gefühl zurück. Sollte das alles sein? Das ist doch gar nicht möglich. Aber doch, Durst beantwortet nicht die langersehnten Mysterien. Sie klärt nicht auf und lässt ihre Leser mit einem ähnlichen Wissen wie vorher zurück. Dennoch gefiel mir das Ende. Ich konnte lediglich nicht glauben, dass es nach diesem Ende nicht weitergehen soll. Vielleicht ist eine Fortsetzung der Reihe ja doch in irgendeiner Form geplant. Wenn dem so wäre, dann hätte Durst ein Ende gewählt, das nicht passender sein könnte.

Fazit:

Ich wünsche mir eine Fortsetzung, um weniger enttäuscht von diesem abschließenden Band zu sein. Dennoch ist die Königinnen von Renthia-Reihe eine Reihe, die ich gerne gelesen habe.