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Veröffentlicht am 05.07.2021

Führst du ein gutes Leben?

Die Mitternachtsbibliothek
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Allgemeines:

Matt Haig ist vielen von euch vermutlich als Bestsellerautor ein Begriff. Im Februar 2021 ist in meinen Augen eines seiner bisher bemerkenswertesten Bücher bei Droemer Knaur erschienen: ...

Allgemeines:

Matt Haig ist vielen von euch vermutlich als Bestsellerautor ein Begriff. Im Februar 2021 ist in meinen Augen eines seiner bisher bemerkenswertesten Bücher bei Droemer Knaur erschienen: Die Mitternachtsbibliothek. Das gebundene Buch hat 320 Seiten und richtet sich an erwachsene Leserinnen. Im Laden ist es ein Hingucker, man möchte direkt wissen, was sich wohl hinter der spannenden Kombination aus Titel und Cover verbirgt.

Inhalt:

„Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.

Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?“ (Quelle: Droemer Knaur)



Meine Meinung:

Matt Haig ist ein Bestsellerautor mit einer großen Fanbase. Ich muss sagen, dass ich mich nicht zu ebendieser zähle. Ab und zu lese ich eines seiner Bücher, aber vielfach wurden sie mir durch riesige Werbekampagnen oder zu viel Medienpräsenz auf Instagram und anderen Portalen beinahe angepriesen, sodass meine Erwartungen an sie häufig zu hoch waren oder ich mich erschlagen fühlte. Mit Die Mitternachtsbibliothek ging es mir tatsächlich ganz anders. Sobald ich das Buch in der Vorschau entdeckt hatte, war mir klar, dass ich es gerne lesen wollte. Irgendwie strahlte es etwas Magisches, Besonderes, einen Zauber aus, über den ich mehr erfahren wollte.

Hätte ich mich dich für ein anderes Studium entscheiden sollen? Wäre ein Besuch bei XY heute nicht sinnvoller gewesen? Blau oder Grün? Die „Was wäre wenn-Frage“ begleitet uns täglich. Je nachdem, wie viel Raum wir ihr persönlich geben, hat sie größeren oder geringeren Einfluss auf unser Leben. So auch in Haigs Geschichte. Protagonistin Nora führt ein wenig erstrebenswertes Dasein. Sie ist der Meinung, dass sie zu viele falsche Entscheidungen getroffen hat, die sie schlussendlich an den Punkt unerträglicher Einsamkeit geführt haben. Durch eine selbst herbeigeführte Notsituation gelangt sie leider nicht ins erwünschte Jenseits, sondern (im Geiste) in die Mitternachtsbibliothek und steht nun wirklich vor der Wahl.. Unter Anleitung einer Bibliothekarin darf sie in mögliche Leben hineinschauen, Entscheidungen anders oder erneut treffen und erleben, welche Konsequenzen diese für sie hätten. Sobald sie jedoch in einem Leben unglücklich wäre, würde sie zurück in die Mitternachtsbibliothek gelangen. Klingt eigentlich wie eine Traumvorstellung, oder?

Nora probiert im Laufe der Handlung verschiedenste Szenarien aus, erkennt sich selbst kaum wieder und muss schnell einsehen, dass viele Entscheidungen sie unglücklich gemacht hätten. Stets fehlte ihr Etwas, war anders als vorgestellt oder erträumt. Auch ihr Umfeld und ihr Beruf unterscheiden sich immer. Sowohl ihre Beziehungen zu einem möglichen Partner als auch die zu ihrer Familie fallen davon abhängig, wie Nora in ihrem Leben entschieden hat, aus.

Persönlich wollte ich während des Lesens auf keinen Fall mit ihr tauschen. Sie lernt Facetten ihrer Selbst kennen, die für sie unvorstellbar waren. Natürlich sind das auf der einen Seite positive Eigenschaften, auf der anderen Seite aber auch negative, mit denen sie nicht leben möchte. Vielleicht stellt man sich vor, dass man einen kleinen Fehler beheben kann und das Leben ganz anders verlaufen wäre. Nora muss die Erfahrung machen, dass sie zwar ebendiesen Fehler beheben kann, gleich darauf aber wieder einen macht, der die gleiche Auswirkung auf ihr Leben hat. Ich glaube, dass es auch mit unseren persönlichen Entscheidungen so ist. Vielleicht mag man sich in einer Situation minimal anders entscheiden, der Ausgang ist trotzdem ähnlich oder führt zu ähnlichen Ergebnissen.

Obwohl man erahnen kann, wie dieses Buch ausgeht, ist man vom Ende der Geschichte nicht enttäuscht. Es passt zu der schlussendlich lebensbejahenden Stimmung, der Gedankenwelt, die Haig erschaffen hat. Vielleicht sollte der ein oder andere von uns mal ein bisschen darüber nachdenken, dass schon kleine Entscheidungen unser Lebensglück positiv beeinflussen und dass wir einen nicht zu unterschätzenden (positiven) Einfluss auf das Leben anderer haben, den wir manchmal nicht ansatzweise erahnen können oder wollen.

Fazit:

Ein Buch für Träumer
innen und Menschen, die gerne in Geschichten über das Leben versinken.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Märchenhafte Fantasy

Das Mädchen und der Winterkönig
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Allgemeines:

Das Mädchen und der Winterkönig ist als zweiter Teil einer Trilogie im November 2020 im Heyne Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 480 Seiten und ist dem ersten Band sehr ähnlich ...

Allgemeines:

Das Mädchen und der Winterkönig ist als zweiter Teil einer Trilogie im November 2020 im Heyne Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 480 Seiten und ist dem ersten Band sehr ähnlich gestaltet.

Wieder einmal wäre es sinnvoll gewesen, den Titel des Buches im Deutschen nicht zu verändern. Ich möchte nicht zu viel verraten, wenn man sich den originalen Titel (The girl in the tower) aber genau anschaut, weiß man ein Rätsel des Buches sehr viel schneller zu lösen…

Inhalt:

„Wasja hat es geschafft: Sie hat ihr Zuhause vor dem Untergang bewahrt, indem sie einen Pakt mit Väterchen Frost einging. Doch jeder Pakt hat seinen Preis, und nun muss Wasja bitter für die Hilfe des Winterdämons bezahlen. Als Hexe verschrien, wird sie aus dem Dorf gejagt und durchstreift fortan in Männerkleidung das riesige Zarenreich. Immer an ihrer Seite ist ihr geliebter Hengst Solowej, der schneller ist als der Wind. Als Wasja eines Tages eine berühmt-berüchtigte Räuberbande in die Flucht schlägt, ruft sie der Prinz an den Hof nach Moskau, wo sie als Held gefeiert wird. Schnell wird Wasja – dank der Ratschläge des Winterdämons – zur engsten Vertrauten des Prinzen. Doch niemand am Hof darf je erfahren, dass der tapfere Kämpfer aus dem klirrend kalten Norden eigentlich eine junge Frau ist …“ (Quelle: Bloggerportal)

Meine Meinung:

Dieses Buch ist wie ein Sog. Sobald man die erste Seite gelesen hat, befindet man sich in Rus, in einer Welt der klirrenden Kälte, der Magie und der Andersartigkeit. Als Leserin fühlt man sich sowohl zeitlich als auch räumlich in eine dem ehemaligen Zarenreich ähnliche Welt hineinkatapultiert. Der Zauber dieser Welt ist das, was die Lektüre zu einem Leseerlebnis macht. Man möchte mehr von dem Zauber, mehr von Wasja, mehr von Väterchen Frost inhalieren.

Ob Sommer oder gemütliche Wintertage, Katherine Arden kreiert eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Auch in diesem zweiten Band erschafft sie diesen besonderen Zauber, der ihrem Auftaktband von der ersten Seite an innewohnte.

Die Ereignisse knüpfen direkt an die des ersten Bandes an. Wasja wird als Hexe aus ihrem Dorf vertrieben und muss ihren Weg durch die verschneiten, eisigen russischen Wälder antreten. Im Unterschied zum ersten Band überschlagen sich die Ereignisse dabei beinahe. Wie viele starke Frauen ihrer Zeit wählt Wasja von nun an das Auftreten als Mann, um nicht länger in der Rolle, die einer Frau der damaligen Zeit zugeschrieben wurde, gefangen zu sein. Diese Rolle durchbricht sie an einigen Stellen, obwohl man sich da als Leser
in auch nicht so sicher sein kann…

Arden führt Wasja an verschiedene Handlungsorte und auch Väterchen Frost, dem Frostdämon Morosko, begegnen wir wieder. Seine Figur ist für mich von großer Faszination umgeben. Arden gelingt es, ihn unnahbar und als das, was er ist, darzustellen und gleichzeitig eine gewisse Identifikation mit ihm herzustellen. Er ist kein Love-Interest, den man ihn einem solchen Buch vielleicht erwarten würde. Diese Bezeichnung für ihn zu verwenden, wäre mehr als unpassend. Ardens Bücher sind der Fantasy für junge Leser deutlich entwachsen, sie stellen die Beziehung zwischen Wasja und Väterchen Frost sehr viel differenzierter und nicht klischeebeladen (Mädchen, böser Dämon, große Liebe) dar. Man könnte beinahe sagen, dass Wasja in ihrer abenteuerlichen, geistersehenden und ausbrechenden Rolle eine Art Symbiose mit Morosko eingeht, um in der Welt ewigen Winters zu überleben.

Wasja verweilt jedoch nicht, sie bricht auf, gelangt an den Moskauer Hof. Dort beginnen Ränkespiele und Heldentum Wasjas Zeit einzunehmen. Ihr Geheimnis könnte ihren Tod bedeuten, gleichzeitig ist sie das erste Mal frei. Frei zu leben, wie sie es sich vorstellt und frei, Dinge zu tun, die sie sich immer gewünscht hat. Das Böse ist nie weit entfernt und so wird auch Wasja vermutlich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Mehr möchte ich euch dazu aber nicht verraten.

Arden gelingt es vorzüglich, das Gefühl zu erwecken, dass ihre düstere und mystische Geschichte der Realität entspricht. Genau so habe ich mir den Hof des Zaren vorgestellt. Der Glaube an Geister und alte Sagen, die Mischung aus Fiktion und Realität … Die Autorin kombiniert diese beiden Elemente geschickt und lässt so einen zweiten Band mit einer märchenhaften Seele entstehen, der dem ersten in nichts nachsteht. Ich warte voller Vorfreude auf den dritten Band, der unter dem Titel Die Hexe und der Winterzauber, im November erscheinen wird.

Fazit:

Wer Märchen und russische Sagen mag, sollte diese Trilogie unbedingt lesen. Ich würde sie für junge, erwachsene Leser*innen empfehlen, die gerne märchenhafte Fantasy mit einem Hauch Düsternis und Kälte lesen.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Fortsetzung wird sehnsuchtsvoll herbeigesehnt

Das Vermächtnis der besonderen Kinder
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Allgemeines:

Als fünfter Band in einer sechsteilig angelegten Reihe ist Das Vermächtnis der besonderen Kinder im November 2020 in der Verlagsgruppe Droemer Knaur erschienen. Das Hardcover hat ...

Allgemeines:

Als fünfter Band in einer sechsteilig angelegten Reihe ist Das Vermächtnis der besonderen Kinder im November 2020 in der Verlagsgruppe Droemer Knaur erschienen. Das Hardcover hat 384 Seiten und ist optisch passend zu den bisher erschienenen Teilen der Reihe gestaltet.

Sollte ich eine Altersempfehlung für die Reihe um die besonderen Kinder aussprechen, würde ich die Bücher jungen Erwachsenen ab 16 Jahren und allen anderen Erwachsenen, die gerne einzigartige Fantasy lesen, empfehlen.

Der nächste Teil der Reihe wird voraussichtlich der abschließende Band sein. Vermutlich schreibe ich aus dem Grund, dass Leserinnen von Ransom Riggs das ursprünglich bereits nach drei Teilen der Reihe annahmen und zum Glück aufatmen und weiterlesen durften. Vielleicht passiert das ja noch einmal.

Meine Rezension zum vorhergehenden Band findet ihr hier: https://zeilenliebe.com/2019/05/01/der-atlas-der-besonderen-kinder/ . Alle anderen Rezensionen könnt ihr über die Suche nach den entsprechenden Titeln ebenfalls auf meinem Blog entdecken.

Inhalt:

„Auf dem Totenbett beauftragt der geheimnisvolle H – Jacobs letzte Verbindung zu seinem geliebten Großvater Abe – Jacob mit einer unmöglichen Mission: Er soll die Besondere Noor Pradesh zu einer geheimnisvollen Verbündeten namens V bringen, von der Jacob nur den Namen kennt. Noor steht im Mittelpunkt einer uralten Prophezeiung, die den Untergang aller Besonderen vorhersagt. Sie wird von mächtigen Gegnern gejagt und die wenigen Hinweise, die Jacob zu V führen sollen, sind mehr als verwirrend. Gefangen zwischen alten Feinden und einer neuen Bedrohung, wird die Zeit knapp für Jacob und seine Freunde …“ (Quelle: Verlagsseite Droemer Knaur)

Meine Meinung:

Nach wie vor lässt Riggs immer wieder alte Fotografien den Fließtext unterbrechen. Viele von ihnen haben seit Beginn der Reihe etwas Unheimliches, andere hingegen sind einfach faszinierend. Immer haben sie einen Bezug zu gerade oder kurz darauf Gelesenem und stets einen historischen Hintergrund. Es handelt sich nicht um Fotomontagen oder nachträglich bearbeitete Bilder, sondern um Bilder, deren Hintergrund manchmal unerklärlich, rätselhaft oder tragikomisch erscheint.

Jacob Porter ist inzwischen ein junger Mann, den alle Leser
innen in ihr Herz geschlossen haben. So entwickelte er sich von dem anfangs so unsicheren Jüngelchen im Laufe der Reihe zu einem starken Charakter, zu dem seine Freunde aufblicken können. Nach und nach entstand dabei ein eigener Wille, den der gute Herr Porter in diesem Band außergewöhnlich häufig durchsetzt. Seine Versuche sind zwar nicht immer von Erfolg gekrönt, dennoch bemerken wir als Leserinnen, dass er immer mehr zu einem Anführer der besonderen Kinder wird. Er übernimmt Verantwortung, ist dabei nach wie vor waghalsig und gerät gewissermaßen in ein Gefühlschaos, welches Ransom Riggs sehr gekonnt auflöst. Mitnichten entsteht hier eine Liebesgeschichte, die ein Dreieck bildet oder deren Ausgang man bereits mit den ersten Seiten erahnen kann. Riggs knüpft an zarte Gefühle an, die sich im Laufe der Geschichte verändern und die zu etwas werden, was wir nicht geahnt haben.

Auch in diesem Teil der Reihe, der nahtlos an die Erlebnisse des vorherigen anknüpft, erleben die besonderen Kinder gemeinsame Abenteuer. Dabei werden sie immer eigenständiger und lassen sich nichts sagen. An manchen Stellen scheint es, als ob das ein großer Fehler ist. Letzten Endes lernen die Kinder durch ihre Abenteuer jedoch, was es bedeutet, füreinander einzustehen, eine Familie zu sein und auch Verluste hinzunehmen. Ich schreibe von Kindern.. Leser
innen der Reihe ist natürlich klar, dass die Protagonisten zwar wie Kinder aussehen, aber außer Jacob und Noon alle wesentlich älter sind. Dieses Alter zu bemerken, würde ich mir an einigen Stellen intensiver wünschen. In diesem Buch geht Riggs zwar etwas stärker darauf ein, behält dabei den Fokus jedoch auf einer bestimmten Protagonistin. Vielleicht sieht Riggs aber auch eher von einer Thematisierung des Alters ab, um die Authentizität der Beziehungen der einzelnen Charaktere nicht zu stören.

Mit Noor tritt eine neue Protagonistin in die einnehmende Geschichte ein, deren Fähigkeiten wahrhaftig besonders sind. Anfangs zögerlich, aber dann intensiver wird sie von den besonderen Kindern in die Gruppe aufgenommen und lernt, was es bedeutet, ein besonderes Kind zu sein. Die Geschichte rund um Noor bildet einen neuen Handlungsstrang in der Besonderenwelt. Die Suche nach V, die Clans und die Suche nach Frieden für alle Besonderen dominieren in diesem Buch. Was es ganz genau mit der Prophezeiung auf sich hat, wissen wir auch nach der Lektüre nicht. Zu hoffen ist, dass es Riggs gelingt, seine neuen Handlungsstränge und die andere Richtung, die die Reihe mittlerweile einschlägt, im finalen Band zu einem würdigen Abschluss zu führen. Es sei denn… er möchte vielleicht doch noch weiterschreiben.. Da hätte ich natürlich nichts dagegen.

Fazit:

Aufschlagen, lesen, träumen, erleben, zuklappen, nachdenken, die Fortsetzung herbeisehnen.

Veröffentlicht am 03.07.2021

Eine spannende neue Perspektive

Eve of Man (2)
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Allgemeines:

Eve of man – Die Rebellin ist im November 2020 als zweiter Band einer Trilogie bei dtv in der Reihe Hanser erschienen.

Das gebundene Buch hat 336 Seiten und eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. ...

Allgemeines:

Eve of man – Die Rebellin ist im November 2020 als zweiter Band einer Trilogie bei dtv in der Reihe Hanser erschienen.

Das gebundene Buch hat 336 Seiten und eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. In meiner Rezension werdet ihr lesen können, warum ich diese Altersempfehlung gerne nach oben korrigieren würde.

Hier findet ihr meine Rezension zum ersten Band: https://zeilenliebe.com/2019/08/25/eve-of-man-die-letzte-frau/

Inhalt:

Eve, die letzte Frau der Menschheit, konnte mithilfe von Bram aus dem Turm, in dem sie seit ihrer Geburt gefangen war, fliehen. Und damit hat sie das System, das sie manipuliert, unterdrückt und instrumentalisiert hat, verlassen. ‒ Aber auch die Mütter, die sie 16 Jahre geliebt und versorgt haben.
Für einen kurzen Moment ist die Freiheit greifbar. Doch die Welt, die Eve nicht kennt, ist ein gefährlicher Ort. Als sich das Netz der Verfolger immer enger um sie zuzieht, muss sich Eve fragen, ob sie nicht ein Gefängnis gegen ein anderes getauscht hat. Wieder will man sie für eigene Zwecke einspannen. Eve und Bram müssen sehr genau schauen, wem sie vertrauen. Und auf Eve lastet darüber hinaus die Verantwortung, die sie als letzte Frau für die Menschheit hat. (Quelle: dtv Verlag)

Meine Meinung:

Die Handlung des zweiten Bandes schließt nahtlos an die des ersten an. Wir begleiten Eve und Bram lückenlos auf der Flucht aus dem Turm – in die vermeintliche Freiheit – und erhalten zusätzlich einen Rückblick, der einen inhaltlichen Einstieg in die Geschichte gewährleistet.

Kennt ihr dieses Gefühl, die Protagonisten eines Buches einmal kräftig schütteln zu wollen, weil ihr ihre Handlungen nicht versteht? Weil sie naiv und wenig nachvollziehbar handeln?

Warum es mir mit dem zweiten Band von Eve of man so ging, möchte ich euch in der folgenden Rezension genauer erklären.

Protagonistin Eve ist isoliert aufgewachsen, hatte wenig bis keine Vorbilder in ihrem Alter und weiß grundsätzlich nicht aus eigenen Erfahrungen, wie das männliche Geschlecht sich verhält. Aus dieser Sozialisation schließe ich als Leserin, dass es ihr schwerer als anderen Menschen fällt, Handlungen und Reaktionen (vor allem von Männern) einzuschätzen. Eve selbst schließt das jedoch mitnichten aus ihrer Lebenserfahrung. Auch das kann so gewollt sein, ein 16-jähriges Mädchen ist nicht perfekt. Ihre Gedanken waren an vielen Stellen aber einfach unlogisch und nervig. Ihre Handlungen wirken dadurch mitunter seltsam und das schlägt sich auch in der Entwicklung der Geschichte nieder.

Bram begleitet Eve nach wie vor. Seine Perspektive wird nach und nach ein wenig schwammig und unterscheidet sich nicht besonders von Eves Erlebnissen. Nach wie vor nimmt er die Position des Love Interests ein, soll aber vermutlich in den Hintergrund treten, um Eve stärker wirken zu lassen. Da es in diesem Band eine weitere Erzählperspektive gibt, muss dieser Raum gegeben werden. Ich hätte mir trotzdem einen etwas stärkeren Bram gewünscht, der zu sich steht. Vielleicht hätten längere Kapitel den einzelnen Protagonisten zu mehr Tiefe verhelfen können.

Michael bringt eine neue Perspektive in die Handlung der Geschichte. Er ist Finalgardist bzw. einer derjenigen, die sich vormals um Eve gekümmert haben. Da dieses Kümmern an eine totalitäre Überwachung erinnerte, erschien mir das Einführen dieser Perspektive sehr spannend. Als Leserin kann man so auch die Geschehnisse im Turm verfolgen und nach und nach erkennen, dass das Regime bröckelt. Seine Perspektive gibt auch einen guten Einblick in die komplexen Gedanken der beiden Autoren, die Eves Welt erschaffen haben. Durch ihn nimmt die Handlung an Fahrt auf und das Spannungslevel wird hochgehalten. Er gibt dem zweiten Band das, was sonst gefehlt hätte. Seine Perspektive macht zwar einen erwartbaren Haltungswechsel durch, weist gleichzeitig aber viele unvorhersehbare Elemente auf.

Einen kleinen Wunsch hätte ich an dieser Stelle: Bitte die Altersempfehlung für die Reihe rund um Eve hochsetzen (momentan bei 14 Jahren) oder eine Triggerwarnung einbauen. Gewalt und Folter spielen im zweiten Band eine Rolle, nicht alle jungen Leser
innen können und wollen damit umgehen. Selbst mir hat die ein oder andere Szene eine Gänsehaut verpasst, da sie Abgründe und Schrecken eröffnet hat, mit denen man sich nicht tagtäglich auseinandersetzt.

Insgesamt bildet dieses Buch einen soliden Mitteilteil. Hoffentlich überraschen uns die Autoren im Folgeband wieder so wie im Reihenauftakt. Die Erwartungen sind nach einem starken ersten Band nach wie vor hoch und ich wünsche mir, dass die Fletchers diesen gerecht werden.

Fazit:

Ein durchaus faszinierender Zwischenband, dessen Entwicklungen zum Ende hin Lust und Neugier auf den dritten Band wecken.

Veröffentlicht am 03.07.2021

Ich vermisse die Magie

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street
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Allgemeines:

Der achte Band der Serie um den Londoner Bobby Peter Grant ist im Oktober 2020 bei dtv erschienen. Das Taschenbuch hat 432 Seiten.

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street hat erstmalig ein ...

Allgemeines:

Der achte Band der Serie um den Londoner Bobby Peter Grant ist im Oktober 2020 bei dtv erschienen. Das Taschenbuch hat 432 Seiten.

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street hat erstmalig ein anderes Format als die vorhergehenden Bücher der Reihe. Zum Glück stehen meine Bücher nach Farben sortiert im Regal. Den Unmut vieler Fans kann ich dennoch nachvollziehen. Vielleicht überdenkt der Verlag diese Umstrukturierung ja noch einmal und verändert dabei auch den angestiegenen Preis.

Inhalt:

Peter Grant, unser Londoner Lieblings-Bobby und Zauberlehrling, steht vor völlig neuen privaten Herausforderungen. Welche ihn zu gleichen Teilen mit Panik und Begeisterung erfüllen. Beruflich bekommt er es mit der Serious Cybernetics Corporation zu tun, dem neuesten Projekt des Internet-Genies Terrence Skinner. Und prompt holt die Magie ihn wieder ein. Denn in den Tiefen der SCC ist ein Geheimnis verborgen, eine geheime magische Technologie, die zurückreicht bis weit ins 19. Jahrhundert, das Zeitalter von Ada Lovelace und Charles Babbage. Und die brandgefährlich ist für die Welt. (Quelle: dtv Verlag)

Meine Meinung:

Ob ich mich gefreut haben, so schnell wieder in die Welt von Ben Aaronovitch eintauchen zu dürfen? Und wie!!!

Die Bücher um den bekannten Bobby Peter Grant sind zu einem regelmäßigen Bestandteil meines Leserhythmus geworden. Seit vielen Jahren begleitet mich die Reihe und ich lese immer wieder gerne von den magischen Fällen des Follys. Auch die persönliche Geschichte von Peter entwickelt sich stetig weiter.

In dem nunmehr achten Band der Reihe, Ein weißer Schwan in Tabernacle Street, findet sich natürlich wieder jede Menge abstruser Scheiß (Zitat, sorry). Dieses Mal geht Peter in einen magischen Undercovereinsatz. Damit hat er bisher so gar keine Erfahrungen gemacht. Dadurch entstehen durchaus sehr witzige und häufig auch ungewollt komische Situationen. Aber auch in diese neue Rolle findet Peter sich ein. Wie immer eigentlich. Perfekte Grundvoraussetzungen für eine magische Sause, oder?

Anders als sonst gibt es innerhalb der Handlung eine sehr große technische Komponente. Für Aaronovitch untypisch geht der Roman dadurch eher in Richtung Scifi, da eine künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt. Das empfand ich zwar als abwechslungsreich, für das nächste Mal wünsche ich mir aber wieder einen Fall, der in eine andere, magischere Richtung geht. Oder… vielleicht wünsche ich mir auch etwas ganz anderes. Manchmal würde ich gerne davon lesen, wie sich Peters Leben weiterentwickelt, wie er zur Ruhe kommt und mehr Einblicke in sein persönliches Erleben innerhalb seiner Familie haben. Zum Beispiel bieten die Flüsse von London immer noch so viel unerzähltes Potential. Ich meine.. Peter ist mit einem Flussgeist zusammen und bekommt nun auch Kinder, die eventuell die ein oder andere magische Komponente aufweisen dürften. Da schlummert doch mit Sicherheit automatisch die ein oder andere unerzählte Geschichte.

An manchen Tagen passiert es durchaus auch, dass ich darüber nachdenke, ob Aaronovitch ewig so weiter machen sollte. Dass er es kann, zeigt ein erneuter Vertrag über vier weitere Peter Grant Romane, von denen der vorliegende bereits einer ist. Die Leute lesen gerne vom Londoner Bobby und sie wollen immer mehr. Tatsächlich fragte ich persönlich mich während der Lektüre dieses Bandes erstmalig, ob ich die Reihe weiterlesen möchte. Mir fehlte etwas. Obwohl der Schreibstil Aaronovitchs wie gewohnt lässig, witzig und spannend zugleich ist. Ich vermute, dass dieses Etwas in der magischen Welt begründet liegt. Mir wäre durchaus ein Band allein über die magische Welt und ganz ohne Kriminalfall recht. Oder was meint ihr?

Irgendwann hat eine Reihe vielleicht aber auch einen Teils ihres Zaubers verloren oder der Autor muss etwas wagen, einen ganz anderen nächsten Band schreiben. Ich bin gespannt, wie andere Leser*innen das sehen und vor allem, wie Aaronovitch sich entschieden hat. In jedem Fall bildet auch der vorliegende Band einen lesenswerten Teil der Reihe. Bei mir ist lediglich eine gewisse Reihenmüdigkeit aufgetreten und vielleicht habe ich auch vergebens nach einem weißen Schwan gesucht. Wer weiß?

Fazit:

Alles in allem hatte ich schöne, lustige und spannende Lesestunden, die in einem der Folgebände durchaus an magischen Inhalten übertroffen werden könnten.

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