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Veröffentlicht am 04.09.2020

Superheld mit Gedächtnisverlust

Wie man 13 wird und zum Superhelden mutiert
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"Wenn du das hier liest, bin ich bereits weg. Du siehst vielleicht meinen Körper herumgehen und denkst womöglich, das wäre ich, aber das werde nicht ich sein. Das Ich, das diese Worte an dich schreibt, ...

"Wenn du das hier liest, bin ich bereits weg. Du siehst vielleicht meinen Körper herumgehen und denkst womöglich, das wäre ich, aber das werde nicht ich sein. Das Ich, das diese Worte an dich schreibt, wird nach dem heutigen Abend schlichtweg nicht mehr existieren. Ich stehe unter einem langsam wirkenden, aber tödlichen Zauber. Ich sitze absolut in der Falle."
- Es könnte keinen spannenderen Einstieg in die Geschichte geben, als diesen. "Wie man 13 wird und zum Superhelden mutiert" ist bereits der vierte Band dieser Reihe, mit dem Pete Johnson das Lesepuplikum von 10-13 Jahren begeistert. Trotz der drei Bände zuvor, kommt man super schnell in die Geschichte, es fehlt einem zu keiner Zeit an Vorwissen und auch mit den Charakteren wird man bereits nach den ersten Seiten super warm. Ganz normale Teenager-Probleme gespaart mit den fantastischen Abenteuern dreier Freunde, die mehr oder weniger magische Fähigkeiten besitzen, die es ihnen ermöglichen, hin und wieder die Welt zu retten. Das Buch versprüht Witz und Spannung gleichermaßen und fesselt sogar Lesemuffel. Erzählt wird in vier Teilen, abwechselnd und jeweils aus der sich Sicht eines der beiden super sympathischen Protagonisten, die den Leser direkt ansprechen und so mit ihn ihren Bann ziehen. Die Geschichte bleibt bis zum Ende spannend und erfährt mehrere kleine Höhepunkte, die einen das Buch nicht aus der Hand legen lassen. Das Ende kommt hingegen etwas aprupt und unspektakulär daher, was bei mir ein wenig für Ernüchterung gesorgt hat. Dennoch ist es ein Leseabenteuer allemal wert.

Tallulah, aus deren Sicht der erste Teil erzählt wird, ist eigentlich eher Einzelgänger, etwas sonderbar auf ihre Weise und das schwarze Schaf der Familie. Sie sagt selbst: "Wer will den schon normal und gewöhnlich sein? Ich jedenfalls nicht!" Als sie selbst aus einem Sanatorium zurückkehrt, leidet ihr bester (und einiger) Freund Markus plötzlich an einem hartnäckigen Gedächtnisverlust, der ihn sechs Monate zurück wirft. Markus, der selbst seine Freundin nicht mehr erkennt und der vor sechs Monaten, genau zu seinem 13. Geburtstag erfahren hat, dass er ein Halbvampir ist, ist außer seinen flotten und oft unkonventionellen Sprüchen, nichts geblieben. Doch Tallulah braucht dringend seine Hilfe. In der Stadt hat ein mysteriöses Geschäft namens 'Mad About Monster' eröffnet, in der Nacht schleichen dunkle Gestalten durch die Straßen und ein Schrei geht durch die Dunkelheit, der nur von tödlichen Vampiren stammen kann. Als dann auch noch Markus und Tallulahs Erzfeindin zurückkehrt, von der sie angenommen haben, sie beim letzten Mal bereits vollends gedemütigt und vernichtet zu haben, weiß Tallulah, dass etwas großes im Gange ist. Ihr bleibt nur eins, Markus zu helfen, so schnell wie möglich sein Gedächtnis zurück zu gewinnen oder es auf eigene Faust mit dem tödlichsten aller Vampire auf sich zu nehmen. Ob sie sich da mal nicht in größte Gefahr manövriert?!

Ihr werdet das Buch von der ersten bis zur letzten Seite lieben und nicht mehr aus das Hand legen wollen! Mit schrägen Charakteren, einer fetten Prise Humor, einem irrekomischen Abenteuer und ordentlich Spannung, hält Pete Johnsons Geschichte absolut was sie verspricht!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2020

Roman einer Familie

Was uns verbindet
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Was, wenn dir das Schlimmste zustoßen würde? Wenn du das Wichtigste in deinem Leben unwiederbringlich verlieren würdest? Wie weiter leben, wenn der Schmerz und die Schuldgefühle dich immer wieder einholen. ...

Was, wenn dir das Schlimmste zustoßen würde? Wenn du das Wichtigste in deinem Leben unwiederbringlich verlieren würdest? Wie weiter leben, wenn der Schmerz und die Schuldgefühle dich immer wieder einholen. "Was uns verbindet" erzählt die bewegende Geschichte einer Familie, die unerwartet und durch den wohl unerträglichsten Schicksalsschlag grundlegend geprägt und gebrochen wird, bis sie schließlich als Konstrukt "Familie" auseinanderbricht.

Shilpi Somaya Gowda lässt die Geschichte aus der Perspektive der vier Protagonisten erzählen. Auch Prem, der verstorbene Sohn, nimmt in einigen Kapiteln Stellung und berichtet aus seiner Sicht aus dem Jenseits. Gowda hat den Selbstfindungs- und Trauerprozess der einzelnen Familienmitglieder, über sieben prägende Jahre hinweg, auf überaus wertneutrale und zugleich psychologische Weise beschreiben. Jeder Mensch hat seine Art zu trauern, zu verstehen und zu verarbeiten.
Jedes Mitglied der Familie begibt sich auf seinen eigenen Weg, jeder auf seine Art mit dem Verlust (weiter) zu leben, zu funktionieren! "Vielleicht bewegen sich alle auf ihren eigenen parallelen Wegen der Trauer und würden sich auf der anderen Seite treffen, wohlbehalten oder sogar stärker."

DAVOR: Die scheinbar perfekte Kleinfamilie. Keith, erfolgreich im Investmentbanking, den Weg die Karriereleiter hoch. Jaya, weltgewandte Diplomatentochter und berufstätige Mutter der Kinder Karina (13) und Prem (8). Wie jeden Tag nach der Schule sind die Kinder bis zum Dienstschluss der Mutter für zwei Stunden allein Zuhause. Eine Zeit, die beide sehr genießen, sowohl zusammen, als auch ganz allein für sich. Bis zu jenem Tag, an dem es ganz still wird im Hause, bis nur noch Karinas Schreie zu hören sind, die lediglich von den Sirenen übertönt werden. Prem, der mit seiner Schwester im heimischen Pool hatte schwimmen gehen wollen, wurde von Karina, die sich zuvor in ihr Zimmer zurück gezogen hatte, um mit ihrer besten Freundin zu telefonieren, leblos aus dem Wasser gezogen. Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos. Das Lachen und die Liebe sind mit Prems Tod aus dem Haus der Olanders verschwunden und die Familie beginnt, an dem schmerzlichen Verlust zu zerbrechen. Bis sie sich nach sieben Jahren, aufgrund eines erneuten Vorfalls wiederzufinden scheinen. "Jetzt lernen sie zu dritt, als neu gebildete Einheit, wie sie sich um ein fehlendes Element herum formieren können, ohne sich [erneut] daran zu verlieren."

Der Einstieg in die Geschichte ist sehr fesselnd. Der vermeintliche Höhepunkt, mit dem Tod des jüngsten Kindes, kam unerwartet schnell und wurde, für mein Empfinden und für ein solch schweres Thema, nicht emotional genug aufgegriffen. Die Geschichte zog sich dann lange Zeit hin und erfuhr ebenso lange keinen erneuten Spannungsbogen. Viele Rückblenden von DAVOR, aus dem Leben vor dem schrecklichen Unfall, dienen sicher der Charakterisierung der Protagonisten, doch leider wurden sie mir nicht zu Vertrauen und blieben fremd und unnahbar. Auch Bezüge zum 11. September, finde ich persönlich unpassend. Die Geschichte nahm eine Wendung, die mir persönlich ein wenig zu sehr in Richtung "Sekte" geht, weshalb ich mich über einige Kapitel echt zwingen musste. Das Ende brachte dann wieder neue Spannung mit sich und mir und den Protagonisten den erwünschten Frieden. Der Schreibstil von Gowda ist überaus einladend und bis auf ein paar sich wiederholende Sätze und Inhalte, sehr angenehm zu lesen. Wer in einer persönlichen Krise steckt und auf literarische Weise verstehen möchte, dass viele Wege ans Ziel führen (können), ist mit diesem Roman gut beraten. Auch für Jungendliche ist er passend. Mir fehlt die magische Anziehung, das Buch und seinen Inhalt schnellstmöglich verschlingen und nicht mehr aus der Hand legen zu wollen zeitweise leider.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.08.2020

Sommerromanze auf schwedisch

Nur noch ein bisschen Glück
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"Nur noch ein bisschen Glück" ist DER perfekte Sommerroman, für schwül- warme Abende auf der Terrasse, bei einem Gläschen Wein und mit viel Zeit zum Wegräumen.
Ein Roman muss fesseln, mitreißen und Lust ...

"Nur noch ein bisschen Glück" ist DER perfekte Sommerroman, für schwül- warme Abende auf der Terrasse, bei einem Gläschen Wein und mit viel Zeit zum Wegräumen.
Ein Roman muss fesseln, mitreißen und Lust auf mehr machen. Die schwedische Liebesromanautorin, Simona Ahrnstedt, schafft es den Leser leicht und beschwingt in die traumhaft schöne Landschaft und dem einfachen Leben auf dem Land zu entführen. Ihr Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen. Der Roman umfasst alle spannenden Themen des alltäglichen Lebens. Starke Protagonisten auf ihrem Weg zu sich selbst, packende Einzelschicksale, wahre Liebe, bedingungslose Freundschaft, Eifersucht und Drama bis zum Höhepunkt, heißer Sex und scharfer Sexismus aber vor allem, das zu erwartende Happy End.
Es ist die typische 'Rosamunde Pilcher'- Romantik, die einem von Beginn an wissen lässt, wie die Geschichte ausgehen wird und hält dennoch so viele unerwartete und spannende Wendungen bereit, dass es nicht einen Moment langweilig zu werden scheint und man den Roman am liebsten im ganzen Stück verschlingen möchte. Nicht allein wegen der vielen sinnlichen Sexszenen, die einem selbst das Blut in den Adern brodeln lassen. Auf dem Höhepunkt der Geschichte wütet der Orkan ein wenig zu dramatisch über der kleinen Idylle Laholms, was die Gegebenheiten ein wenig überzogen darstellt, aber ausgenommen dieser einen Sequenz, ist die Geschichte zweier Liebenden und deren beider Selbstfindung, zu jederzeit genau das, war viele von uns selbst in ähnlicher Form schon erlebt haben oder vielleicht sogar gerade mitten drin stecken.
Ich bin so dankbar, dieses Buch lesen und rezensieren zu dürfen!
In einem Zitat lässt sich das Werk von Simona Ahrnstedt am treffendsten mit den Worten von John Lennon beschreiben: "Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen."

Stella ist eine Großstadtpflanze durch und durch. Top gestylt, auf edlen High Heels, umringt von teurem Parfüm, gehüllt in Seide und Gucci. Ein Modepüppchen aus der Großstadt, mit dem Ziel selbst Designerin zu werden. Als sie ihren langjährigen Partner beim Fremdgehen erwischt, verliert sie auf einen Schlag Liebe, Job und Heim. Was bleibt, sind ein paar Habseligkeiten, ihre beste Freundin Maud und das Grundstück ihrer verstorben Großeltern irgendwo im nirgendwo Laholms. Eine Provinz im südlichen Schweden und ein Ort des einfachen Lebens und der Entbehrungen.
Obwohl Stella eine selbstbewusste, kesse und rassige junge Frau ist, die immer für sich selbst kämpft und eintritt und die von sich selbst behauptet, genau zu wissen was sie vom Leben erwartet und wo es für sie hinführen soll, nämlich an die renommierteste Designschule New Yorks, ist dies der Beginn einer unerwarteten Selbstfindung.
Stella möchte nur eins, so schnell wie möglich verkaufen und dann so weit es geht weg von allem, um fernab ein neues Leben in New York zu beginnen. Doch sie hat die Rechnung ohne ihren heißen und warmherzigen Nachbarn Thor gemacht. Vom ersten Augenblick an scheint es zwischen den beiden zu knistern und Stella lernt zum ersten Mal in ihrem Leben, was es heißt, begehrt und bewundert, umsorgt und gebraucht zu werden. Dabei trifft sie nicht nur auf Freundlichkeit und Wohlwollen und bekommt mehr als nur einmal ausdrücklich aufgezeigt, dass sie hier nicht hingehörte. Nicht zu Thor, nicht aufs Land, nicht in dieses Leben. Den Umständen geschuldet, dass ihre Kate, die sie liebevoll Bruchbude tauft, sich nicht so schnell und hochpreisig verkaufen lässt, wie zuvor gedacht, ist Stella gezwungen sich an das Leben auf dem Land anzupassen. Sie sucht sich einen Job in einer Boutique, tauscht ihre High Heels gehen Gummistiefel und hängt ihre künstlichen Fingernägel und das Glätteisen für immer an den Nagel. Auf ihrem Weg ans Ziel muss sie sich mit störrischen Teenagern, schowinistisch und bedrohlichen Großgrundbesitzern und einem Mangel an Ortskenntnissen, herumschlagen. Doch eine starke Frau wie Stella schafft alle ihr in den Weg gelegte Steine beiseite und trifft trotz aufkochener Romanze und schließlich zum ersten Mal grundehrlicher Liebe die Entscheidung, an ihrem Plan die New Yorker Modewelt zu revolutionieren, fest und verlässt Thor, den Sonnenblumenhof und das Gefühl von Heimat und Geborgenheit, trotz seiner Liebesbekundungen und Bitten zu bleiben. Nicht noch einmal würde sie ihren Traum für einen Mann aufgeben. Nicht noch einmal andere vor ihre eigenen Bedürfnisse stellen. Wer einmal in der Großstadt gelebt und deren Vorzüge gekostet hat, der wird auf dem Land, mit seinen Einbußen und brutalen Wintern nicht glücklich! So hörte sie es ständig, bis es ihr in Mark und Knochen übergegangen war. So ließ die alles zurück und führte das Leben in New York, das sie sich immer gewünscht und für welches sie so hart gearbeitet hatte.
Auf dem Höhepunkt all ihrer Träume und ihres Erfolges macht Stella jedoch die eine Erkenntnis, mit der sie nicht gerechnet hat oder hat sie sie lediglich verdrängt und bereits vor Monaten gewonnen. Erfolg ist nicht alles und Zuhause ist kein Ort- Zuhause ist, wo das Herz schlägt. Sie beginnt die Großstadt plötzlich mit andern Augen zu sehen. Laut, dreckig, überfüllt und verschwenderisch, nicht so wie das Leben auf dem Land. Nach einem kurzen Austausch mit ihrer besten Freundin Maud, trifft sie die Entscheidung ihres Lebens. Sie bricht alle Zelte ab und folgt allein ihrem Herzen. Stella hatte geschafft, was sie sich selbst beweisen wollte und fühlt sich dabei zum ersten Mal angekommen und als Gewinnerin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere