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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Wenn Arroganz auf echte Gefühle trifft

Whitestone Hospital - Colliding Hearts
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Als großer Fan der Reihe habe ich dem Finale entgegengefiebert. Ava Reed schafft es auch hier, die typische Whitestone-Atmosphäre einzufangen, doch für mich gab es bei der Umsetzung der Charaktere ein ...

Als großer Fan der Reihe habe ich dem Finale entgegengefiebert. Ava Reed schafft es auch hier, die typische Whitestone-Atmosphäre einzufangen, doch für mich gab es bei der Umsetzung der Charaktere ein paar Defizite.

Es ist ein schöner Abschluss der Reihe. Es fühlt sich gut an, noch einmal in die Flure des Krankenhauses zurückzukehren und die liebgewonnenen Charaktere aus den vorherigen Bänden wiederzusehen. Der emotionale Schreibstil von Ava Reed sorgt wie gewohnt für Gänsehautmomente.

Ians Geschichte: Obwohl Ian einer der spannendsten Charaktere der Reihe ist, kam mir seine persönliche Geschichte in diesem Band leider etwas zu kurz. Vieles wurde eher nebenbei behandelt, was schade ist, da sein sarkastisches und arrogantes Wesen so viel Potenzial für eine tiefere Analyse geboten hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass sein Weg und seine Beweggründe mehr Raum einnehmen, anstatt nur die Rahmenhandlung zu begleiten.

Jess als Künstlerin bringt eine tolle Energie in die Geschichte. Die Chemie zwischen ihr und Ian ist spürbar, und die „Grumpy x Sunshine“-Dynamik funktioniert gut, auch wenn das Gleichgewicht der Charaktertiefe für mich persönlich etwas zu sehr zu Gunsten von Jess gekippt ist.

Die medizinischen Notfälle und der Klinikalltag bilden wieder den gewohnt authentischen Rahmen und geben der Liebesgeschichte die nötige Ernsthaftigkeit.

„Colliding Hearts“ ist ein würdiger und emotionaler Abschied vom Whitestone Hospital. Auch wenn Ians Geschichte für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich blieb, ist es ein Muss für alle, die die Reihe bis hierhin begleitet haben. Ein schönes Buch über das Heilen – sowohl von Patienten als auch von Herzen.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein Krimi mit (zu) langem Anlauf

Tief im Schatten
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Viveca Sten beweist auch im zweiten Band ihrer neuen Reihe, dass sie die Atmosphäre der schwedischen Bergwelt meisterhaft einfangen kann.

Das eiskalte Åre ist der perfekte Schauplatz. Die Kälte ist fast ...

Viveca Sten beweist auch im zweiten Band ihrer neuen Reihe, dass sie die Atmosphäre der schwedischen Bergwelt meisterhaft einfangen kann.

Das eiskalte Åre ist der perfekte Schauplatz. Die Kälte ist fast körperlich spürbar und verstärkt das Gefühl der Bedrohung. Wer skandinavische Krimis wegen ihres Settings liebt, kommt hier voll auf seine Kosten.

Dieser Band ist deutlich düsterer als der Auftakt. Das Thema religiöser Fanatismus und die psychologischen Abhängigkeiten innerhalb einer geschlossenen Gemeinschaft sind beklemmend, aber sehr spannend aufgearbeitet. Es gibt dem Krimi eine Tiefe, die über eine reine Mördersuche hinausgeht.

Es ist schön zu sehen, wie Hanna und Daniel als Team zusammenwachsen. Beide haben ihr Päckchen zu tragen – Daniel mit dem Stress als frischgebackener Vater und Hanna mit ihrer beruflichen Unsicherheit. Diese privaten Einblicke machen die Protagonisten sehr menschlich und greifbar.

Die Geschichte wird in mehreren Erzählsträngen aufgebaut, die am Ende geschickt zusammenlaufen. Das Pacing ist typisch skandinavisch: eher ruhig startend, aber mit einem stetig steigenden Sog. Ich muss ehrlich sagen: Der Einstieg war für mich etwas zu langsam. Über weite Strecken plätscherte die Handlung vor sich hin, und das dringende Bedürfnis, die Nacht durchzulesen, wollte sich einfach nicht einstellen.

Dennoch ein guter zweiter Band! Viveca Sten verwebt aktuelle gesellschaftliche Themen mit klassischer Ermittlungsarbeit vor einer grandiosen Kulisse.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Abenteuer mit Lerneffekt

Carli und Klecks gehen auf den Spielplatz
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Lisa Hänsch schafft es auch in diesem Band, eine sehr lebensnahe Situation einzufangen, die wohl jeder vom Spielplatzbesuch kennt.

Wer ein klassisches „Benenne die Spielgeräte“-Buch erwartet, wird überrascht ...

Lisa Hänsch schafft es auch in diesem Band, eine sehr lebensnahe Situation einzufangen, die wohl jeder vom Spielplatzbesuch kennt.

Wer ein klassisches „Benenne die Spielgeräte“-Buch erwartet, wird überrascht sein. Der Fokus liegt ganz klar auf der sozialen Interaktion – konkret auf dem wilden Spiel an der Rutsche. Das bietet eine tolle Grundlage, um mit Kindern über Rücksichtnahme und Regeln beim Spielen zu sprechen. Das Buch fördert das Wiedererkennen von Abläufen und Regeln (z. B. Abwechseln oder vorsichtig sein). Es vermittelt Sicherheit und macht Lust darauf, sofort selbst die Schuhe anzuziehen und rauszugehen.

Die Zeichnungen sind wieder gewohnt lebendig und modern. Ein großer Pluspunkt ist auch hier die bewusste Textreduktion. Das animiert herrlich dazu, die vielen Details im Hintergrund gemeinsam mit dem Kind zu entdecken und ins Gespräch zu kommen. Man schaut nicht nur zu, man erlebt den Ausflug gemeinsam.

Informationslücke für Eltern: Ähnlich wie bei der Armprothese im Back-Buch gibt es auch hier Details, die im Buch nicht direkt erklärt werden. Dass die Nachbarin Inga eine Art „Ersatzoma“ ist, erfährt man erst durch Recherche auf der Verlagsseite. Für uns Eltern wäre es wünschenswert, wenn solche Hintergrundinfos (genau wie die Einordnung der Inklusionsthematik) direkt im Buch kurz angerissen würden, um Fragen der Kinder leichter beantworten zu können.

Ein inhaltlich starkes Buch, das wichtige Themen wie Rücksichtnahme anspricht, ohne belehrend zu wirken. Die tollen Illustrationen machen es zu einem echten Hingucker, auch wenn man als Elternteil manchmal selbst erst recherchieren muss, wer da eigentlich gerade mit auf den Spielplatz geht.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Backspaß für alle!

Carli und Klecks backen einen Kuchen
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Das Buch aus dem Beltz & Gelberg Verlag überzeugt durch eine moderne Herangehensweise an den Kinderalltag.

Ein schönes Detail ist, dass die Figur Carli genderneutral gestaltet ist. Es wird nicht explizit ...

Das Buch aus dem Beltz & Gelberg Verlag überzeugt durch eine moderne Herangehensweise an den Kinderalltag.

Ein schönes Detail ist, dass die Figur Carli genderneutral gestaltet ist. Es wird nicht explizit definiert, ob Carli ein Junge oder ein Mädchen ist, was viel Raum für Identifikation lässt – Carli ist einfach ein Kind, das Spaß am Backen hat.

Das Buch integriert ganz selbstverständlich Inklusion: Ein Bruder trägt eine Armprothese. Ich finde es großartig, dass solche Themen in Kinderbüchern stattfinden. Für die Zielgruppe ab 2 Jahren ist die Darstellung jedoch eine kleine Herausforderung. Als Erwachsener fehlte mir hier ein wenig Hintergrundwissen oder eine kurze Einordnung, um dem Kind zu erklären, warum der Bruder auf manchen Bildern „keine Hand“ hat. Hier ist man als Vorleser gefordert, das Thema sensibel zu begleiten, auch wenn man sich selbst vielleicht erst einmal kurz einlesen muss.

Lisa Hänsch nutzt ihren lebendigen Stil, um viele Details im Hintergrund zu verstecken. Der bewusste Verzicht auf viel Text ist hier eine echte Stärke: Er animiert dazu, die Bilder genau zu betrachten und gemeinsam mit dem Kind in den Dialog zu gehen. Man entdeckt ständig Neues und kann die Geschichte bei jedem Lesen individuell erweitern.

Fazit: Ein optisch sehr schönes und inhaltlich modernes Buch. Es fordert Eltern und Kinder gleichermaßen heraus, über den Tellerrand (und die Rührschüssel) hinauszublicken. Trotz der kleinen Erklärungsnot bei der Prothese ein absolut empfehlenswertes Werk für alle, die Wert auf Vielfalt legen.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Mut, Brötchen und eine Tröte

Carli und Klecks gehen auf den Markt
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Heute ist Markttag! Carli und die neugierige Katze Klecks tauchen ein in das bunte Treiben zwischen Obstständen und Blumenverkäufern. Doch ein Marktbesuch ist für ein kleines Kind auch eine Herausforderung: ...

Heute ist Markttag! Carli und die neugierige Katze Klecks tauchen ein in das bunte Treiben zwischen Obstständen und Blumenverkäufern. Doch ein Marktbesuch ist für ein kleines Kind auch eine Herausforderung: Man muss sich trauen, selbst etwas zu bestellen, und darf im Gewusel den Anschluss nicht verlieren. Ein Buch über das Großwerden und kleine Heldenmomente.

Mein absolutes Highlight ist, dass Carli ganz allein die Brötchen kaufen darf. Das ist eine wunderbare Botschaft: „Ich traue dir das zu!“ Für kleine Zuhörer ist das enorm motivierend und animiert sie dazu, im eigenen Alltag auch mal mutig zu sein und sich etwas zuzutrauen.

Eine Schlüsselstelle des Buches ist der Moment, in dem Carli seine Schwester im Marktwimmel kurz aus den Augen verliert. Statt in Panik auszubrechen, bleibt Carli (relativ) ruhig und überlegt sich eine Lösung. Dass seine Tröte zuerst nicht funktioniert und er trotzdem einen kühlen Kopf bewahrt, ist eine tolle Lektion in Sachen Resilienz. Es zeigt Kindern: Wenn etwas nicht klappt, gibt es vielleicht einen anderen Weg.

Wie gewohnt bestechen die Zeichnungen durch Lebendigkeit und viele Details im Hintergrund. Die bewusste Textreduktion ist auch hier wieder ein Volltreffer – sie lässt genug Raum, um mit dem Kind darüber zu sprechen, wie man sich fühlt, wenn man jemanden verliert oder wenn man zum ersten Mal ganz allein etwas einkauft.

Fazit: „Carli und Klecks gehen auf den Markt“ ist weit mehr als ein Buch über Lebensmittel. Es ist ein Buch über Selbstvertrauen und lösungsorientiertes Handeln auf Augenhöhe des Kindes. Ein starker Band der Reihe, der Mut macht!

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