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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Sehr emotional

In den Flügeln das Licht
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Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht ...

Kaveh wächst während der Zeit der Revolution im Iran auf. Sein Vater wird verhaftet und verschwindet im Gefängnis. Die Mutter versucht das Leben der Familie aufrecht zu erhalten, doch das ist nicht leicht als alleinlebende Frau im Iran. Sie ziehen zu den Großeltern. Da gibt es einen Garten für die Kinder und Kaveh ist oft in der Buchhandlung. Gemeinsam besuchen sie den Vater im Gefängnis, bis auch das irgendwann nicht mehr geht.

Ein eindringliches und poetisches Porträt einer Kindheit mitten im Iran, geprägt von politischen Umbrüchen. Die politische Geschichte wird ganz fein mit der persönlichen Geschichte der Familie verwoben. Kaveh hat Angst, ist unsicher. Die kindliche Sicht auf die Dinge war für mich sehr ergreifend. In manchen Dingen findet er Trost, hat wieder Hoffnung auf ein besseres Leben. Vor allem die Besuche im Gefängnis haben mich berührt. Der Vater erzählt den Kindern Geschichten, damit sie keine Angst haben müssen. Sprachlich überzeugt der Roman durch eine klare, poetische Erzählweise. Die schweren Themen wurden sehr zugänglich rübergebracht. Es ließ sich ganz wunderbar lesen. Auch die Charaktere wirkten auf mich nahbar und authentisch.

Gerade in dieser Zeit, ein so wichtiger Roman, der nachdenklich macht. Hier geht’s um ein Stück iranischer Geschichte, aber auch um Zugehörigkeit, Verlust und Familie. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Toll

Salto
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Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar ...

Marko möchte Medizin studieren, doch in Deutschland wird er an den Unis abgelehnt. Bleibt nur eins: ein Medizinstudium in Ungarn. Finanzieren soll das die Lebensversicherung der Mutter, die vor ein paar Jahren verstorben ist. Seitdem lebt er mit Papa alleine in einem tristen Wohnblock. Mit seiner Freundin Claire ist es gerade auch nicht so einfach. Also auf nach Budapest, mit im Gepäck sind die Angst vor der Zukunft und ordentlich Selbstzweifel.

Ein toller Coming-of-Age über die erste Liebe, große Erwartungen und ganz viel Zukunftsangst. Eindringlich, leicht und einfühlsam schreibt Prödel hier. Marko kommt in Budapest an aber so richtig ankommen kann er nicht. Er vermisst sein Zuhause, seinen Vater, seine Freundin. Alles fühlt sich einfach nur fremd an. Einzig sein Job macht ihm etwas Spaß. Das Geld reicht nicht, an der Uni läuft es auch nicht so wie geplant. Auf einmal hat er ganz viel Verantwortung. Auch Claire geht’s nicht gut. Sie entwickelt eine Psychose. Als auch der Körper von Marko rebelliert, geht er zum Arzt und alles wird anders. Wie kann er mit dieser Diagnose umgehen? Eine sanfte Melancholie schwingt bei dieser Geschichte immer mit. Traurig und nachdenklich stimmt mich dieses Buch. Da bin ich froh nicht mehr so viele Entscheidungen für mein Leben treffen zu müssen. Die Liebesgeschichte war für mich hier eher nebensächlich. Das war aber absolut in Ordnung. Begeistert hat mich hier vor allem der Schreibstil. Ein klein wenig mehr Tiefe hätte ich mir für die Story gewünscht.

Insgesamt ein richtig toller Coming-of-Age Roman, der mich durch den Schreibstil komplett abgeholt hat.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Atmosphärisch

Schattenmädchen
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Die Studentin Isabella verschwindet spurlos. Zuletzt wurde sie auf einer Party an der Universität Lund gesehen. Die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment stoßen schnell auf Ungereimtheiten und finden ...

Die Studentin Isabella verschwindet spurlos. Zuletzt wurde sie auf einer Party an der Universität Lund gesehen. Die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment stoßen schnell auf Ungereimtheiten und finden Parallelen zu einem alten Mordfall. Schnell wird klar, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Vermisstenfall handelt. Tiefe Verstrickungen bis hin zu einer Studentenverbindung, decken die Ermittler auf. Dazu kommen viele Lügen und Intrigen, die die Liste der Verdächtigen immer weiter wachsen läßt. Ganz nebenbei läuft das Privatleben der Ermittler auch etwas holprig. Eine anspruchsvolle Zeit für die beiden Ermittler.

Das ist der dritte Brand einer Reihe und Frida Skybäck überzeugt wieder durch atmosphärische Spannung und komplexe Figuren. Die Spannung wird ganz langsam aufgebaut. Es gibt keine actiongeladene Geschichte. Erzählt wird eher klar, flüssig und herrlich unaufgeregt. Die Kapitel sind kurz und durch ein paar Wendungen bleibt die Spannung konstant erhalten. Für erfahrende Krimileser sind die Wendungen wahrscheinlich nicht so überraschend aber für mich hat es so gepasst. Wie bei den beiden Vorgängern konnte mich hier die dichte Atmosphäre und die psychologische Tiefe wieder begeistern. Auch das Privatleben der Ermittler hatte seinen Platz in dem Buch. Das macht für mich die Figuren auch authentischer.

Insgesamt ein atmosphärisch dichter Krimi, der durch seine Charaktere und weniger durch eine actiongeladene Story punktet. Empfehle ich euch gern weiter.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Emotional

Zugvögel wie wir
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Evas Ehe ist gescheitert, zu ihrer Tochter hat sie kaum noch Kontakt, aus ihrem Traum Musikerin zu sein wurde auch nichts. Sie fühlt sich einsam und weiß nicht so richtig wohin mit sich. Bei einem Kurzbesuch ...

Evas Ehe ist gescheitert, zu ihrer Tochter hat sie kaum noch Kontakt, aus ihrem Traum Musikerin zu sein wurde auch nichts. Sie fühlt sich einsam und weiß nicht so richtig wohin mit sich. Bei einem Kurzbesuch bei ihrer Freundin Luise trifft sie eine spontane Entscheidung. Sie wird den Kranichen auf den Weg nach Frankreich mit dem Fahrrad folgen. Auf ihrer Reise trifft sie interessante Menschen und muss auch viel Zeit mit sich allein verbringen. Sie erlebt Einsamkeit, die Sehnsucht nach ihrer Tochter quält sie. Kann sie sich selbst aushalten? Und wie will sie zukünftig leben?

Ein ruhiger, einfühlsamer Roman über das Leben. Sich leicht fühlen, entspannt, das wollen ja die meisten Menschen. Doch wem gelingt das schon richtig gut? Viel zu viele Sorgen und Probleme kreisen in unseren Köpfen. Unausgesprochene Erwartungen, hohe Ansprüche. Das macht es nicht leichter. Das Leben hat Spuren hinterlassen. Unsere Protagonistin entscheidet spontan aus dem Bauch raus. Möchte eigentlich nur den Kranichen folgen. Doch was sie erlebt, ist so viel mehr als das. Sie muss sich mit sich auseinandersetzen, sich hinterfragen. Durch Vertrauen ins Leben und viel Mut lernt sie ganz langsam und fast nebenbei einfach zu sein, die Wunder des Lebens zuzulassen. Der Schreibstil ist ganz leicht und flüssig, manchmal fast poetisch. Es liest sich richtig gut. Atmosphärisch schwanken wir hier zwischen tollen Naturbeschreibungen, Aufbruchstimmung aber auch Angst vor dem was kommt. Auch die Story hat mir richtig gut gefallen. Ob es jetzt realistisch ist, mit dem Fahrrad ungeübt so eine weite Strecke zu fahren, darüber lässt sich sicher streiten. Aber warum eigentlich nicht? Das Leben schreibt ja bekanntlich die schönsten Geschichten.

Ein Roman, der Mut macht, wenn manchmal alles aussichtslos erscheint. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Tolle Atmosphäre

Palastplatte
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Die zwölfjährige Henri lebt mit ihrer Familie in einer Plattenbausiedlung. Ihre beste Freundin Mo ist fast immer bei ihr. Sie verbringen ihre Zeit zusammen in der Bücherei, im Schwimmbad und auf dem Dach ...

Die zwölfjährige Henri lebt mit ihrer Familie in einer Plattenbausiedlung. Ihre beste Freundin Mo ist fast immer bei ihr. Sie verbringen ihre Zeit zusammen in der Bücherei, im Schwimmbad und auf dem Dach des Hochhauses. Irgendwann ist es für Henri nicht nur Freundschaft. Sie verliebt sich in Mo und ihr Gefühlsleben wird jetzt so richtig chaotisch. Noch dazu wird ihr Vater immer wunderlicher. Er war doch immer der ruhende Pol der Familie, entspannt und witzig. Jetzt zieht er sich immer mehr zurück, hat Stimmungsschwankungen und Henri weiß nicht was mit ihm los ist. Um ihre Gefühle zu verarbeiten, beginnt sie Geschichten zu schreiben. Dort kann sie ihre Ängste verarbeiten und ihre Hoffnung zum Ausdruck bringen.

Dieser Roman katapultiert uns direkt ins Leben von Henri. Sie lebt in einer Hochhaussiedlung und lebt ein recht typisches Teenagerleben. Als es ihrem Vater schlechter geht, ändert sich einiges. Früher hat er zu Depeche Mode in der Küche getanzt, jetzt zieht er sich immer mehr zurück. Ihre Freundin Mo ist ihr fester Halt. Die beiden sind unzertrennlich. Langsam entwickelt sich zwischen ihnen ihre erste große Liebe. Das ist einfach ganz wunderbar und feinfühlig eingefangen. Die Ängste, Sorgen, so viele neue Gefühle, die Henri hier kennenlernt. Erzählt wird ganz ruhig, wir bekommen ganz tiefe Einblicke in die Gefühlswelt von Henri. Auch die Atmosphäre ist ganz wunderbar. Freibadpommes, Sonnencreme und Bücher für Erwachsene. Ich hab es so gefühlt und lag im Kopf daneben. Der Roman hört da aber noch nicht auf, es gibt einen Zeitsprung und wir erfahren wie es Henri später geht, was aus der Familie geworden ist und was aus Henri und Mo geworden ist.

Coming-of-Age vom Feinsten und dazu durch, die Krankheit des Vaters, auch ernste Themen. Hat mir richtig gut gefallen. Empfehle ich euch deshalb gern weiter.

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