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Veröffentlicht am 02.09.2025

Ehrlich

Botanik des Wahnsinns
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„Ich glaube an eine Bedeutung der Krankheit, an eine Symbolik. Manchmal sind Traurigkeit und Energielosigkeit die passende Art, um auf das Leben zu reagieren. Schließlich nutzte mein Vater, der schweigsame ...

„Ich glaube an eine Bedeutung der Krankheit, an eine Symbolik. Manchmal sind Traurigkeit und Energielosigkeit die passende Art, um auf das Leben zu reagieren. Schließlich nutzte mein Vater, der schweigsame Mann, seinen Körper, um zu sprechen. Er sagte: „Ich kann nicht mehr“. Wie viel Verdrängung, wie viel Verdrängtwerden kann ein Mensch aushalten?“

Aus Leons Familie war eigentlich jeder schon in der Psychiatrie. Suchtverhalten gab es immer schon, auch Depressionen und bipolare Störungen. Die Großmutter hat zahlreiche Suizidversuche hinter sich. Wie lebt Leon damit? Er hat Angst früher oder später auch dort zu landen. Das tut er auch, allerdings um dort zu arbeiten. Dort beginnt er sich nicht nur mit seinen Patienten auseinandersetzen, sondern auch mit seiner eigenen Familiengeschichte.

Ehrlich, klug und mit psychologischem Tiefgang wird hier erzählt. Schonungslos und verletzlich schreibt Leon Engler von seiner Familie, die nie so für ihn da sein konnte. Jeder war mit sich beschäftigt, kämpfte mit den eigenen Dämonen. Mal ist die Sprache ganz leicht, mal humorvoll. Das lässt das Thema auf jeden Fall besser aushalten als Leser. Interessant waren auch die Abschnitte zu den psychischen Erkrankungen und der Geschichte dazu. Da hatte der Roman schon fast Sachbuch-Charakter. Dann immer wieder seine persönliche, traurige Geschichte. Engler klagt nicht an, will verstehen, verarbeiten. Ich hoffe sehr es ist ihm gelungen. Mein Herz hat er auf jeden Fall mit diesem Buch.

Ein großartiges Buch darüber sich selbst zu finden, mit belastenden Wurzeln, die sich niemand aussuchen kann. Ja und was ist eigentlich noch normal und was schon nicht mehr? Eine ganz große Empfehlung ❤️.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Moskau

Moscow Mule
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Karina und Tonya leben in Moskau. Sie studieren Journalismus, haben wenig Geld und lieben Partys. Zusammen träumen sie von einem besseren Leben. Deutschland wäre toll. Sie halten zusammen, schlagen sich ...

Karina und Tonya leben in Moskau. Sie studieren Journalismus, haben wenig Geld und lieben Partys. Zusammen träumen sie von einem besseren Leben. Deutschland wäre toll. Sie halten zusammen, schlagen sich durch die Höhen und Tiefen ihrer Jugend in einem Land, das im Wandel ist. Auf der Suche nach Freiheit stolpern sie durchs Leben und müssen sich entscheiden, bleiben oder gehen.

Die Sprache in diesem Roman ist modern, unkonventionell und frech. Im Vordergrund stehen die zwei Frauen und ihr Leben, ihre Träume. Die politische Situation ist eher im Hintergrund, doch schwingt immer mit. Ist sie ja auch verantwortlich für einige Lebensumstände der Frauen.
Das Leben in Russland wird uns näher gebracht. Mal glamourös, mal düster und traurig. Das war für mich auch die absolute Stärke dieses Buches. Zu den Protagonistinnen konnte ich leider keinen richtigen Bezug finden. Freizügig, frech und unbedarft rennen sie durchs Leben. In ihren eigenen Betten schlafen sie eher selten, für kostenfreie Drinks tun sie so einiges. Das war für meinen persönlichen Geschmack etwas drüber.

Insgesamt ein Roman, der mit der Ambivalenz zwischen der politischen Lage im Land und dem persönlichen Freiheitsdrang und den Träumen der Frauen glänzt. Für meinen persönlichen Geschmack waren mir die Frauen zu anstrengend. Vielleicht soll aber gerade das am Ende auch so sein.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Zart

Neben Fremden
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Rosa lebt zurückgezogen. Von ihrem Sohn hat sie lange nichts gehört, ihre einzige Freundin ist eine ehemalige Kollegin und mit den Nachbarn hat sie auch nicht viel zu tun. Der Mann, den sie geliebt hat, ...

Rosa lebt zurückgezogen. Von ihrem Sohn hat sie lange nichts gehört, ihre einzige Freundin ist eine ehemalige Kollegin und mit den Nachbarn hat sie auch nicht viel zu tun. Der Mann, den sie geliebt hat, ist vor kurzem verstorben aber auch das war nicht so einfach. Was ihr bleibt ist ein vererbter Campingbus und eine Mutter, die mit Vorwürfen ihr gegenüber recht großzügig ist.

Erzählt wird uns hier ganz nüchtern und unaufgeregt. Es passiert nicht viel aber unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Rosa ist an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Wie es weitergeht weiß sie noch nicht. Sie sehnt sich nach Nähe und Zugehörigkeit. Das wird uns ganz wunderbar und zart näher gebracht. Die großen Themen hier sind Trauer, Generationenkonflikte und Einsamkeit. Ganz alltägliche Dinge, doch das so schön erzählt. Rosa reflektiert, klagt an. Mit ihren Eltern hadert sie gewaltig, die Mutter schon immer sehr anstrengend gewesen, der Vater hatte außer Affären nicht viel dagegenzusetzen.

Ein Roman der leisen Zwischentöne, emphatisch und poetisch. Empfehle ich euch sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Cozy Krimi

Fischland-Verschwörung
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Kassandra und Paul ermitteln wieder auf der schönen Halbinsel Fischland-Darß. Dieses Mal geht es um Soraya. Sie ist Keramikkünstlerin und steht vermutlich im Mittelpunkt eines Diamantenschmuggels. Paul ...

Kassandra und Paul ermitteln wieder auf der schönen Halbinsel Fischland-Darß. Dieses Mal geht es um Soraya. Sie ist Keramikkünstlerin und steht vermutlich im Mittelpunkt eines Diamantenschmuggels. Paul und Kassandra beginnen zu ermitteln und auf einmal verschwindet Soraya.

Das Setting auf der wunderschönen Halbinsel ist einfach nur traumhaft schön. Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Die Story ist auch okay. Es gibt keine dramatischen Szenen, es geht insgesamt eher ruhig voran. Die Protagonisten Kassandra und Paul sind greifbar und sympathisch. Die Sprache ist lebendig und unaufgeregt.
Die Beschreibung der Landschaft ist wunderbar bildhaft.

Für alle Leser, die Cozy-Krimis und die Ostsee lieben, eine Empfehlung. Passt ganz wunderbar zum nächsten Ostsee-Urlaub.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Wunderbar

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Yeonhwas wächst bei ihrer Großmutter auf. Als diese verstirbt, erbt sie ihre Konditorei Hwawoldang, in der koreanisches Gebäck hergestellt und verkauft wird. Zwei Bedingungen gibt es. Geöffnet wird nur ...

Yeonhwas wächst bei ihrer Großmutter auf. Als diese verstirbt, erbt sie ihre Konditorei Hwawoldang, in der koreanisches Gebäck hergestellt und verkauft wird. Zwei Bedingungen gibt es. Geöffnet wird nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht und sie muss die Konditorei mindestens vier Wochen lang weiterführen. Bald schon merkt Yeonhwas, dass ihre Kunden eher ungewöhnlich sind. Meist sind es Verstorbene, die Botschaften an die Hinterbliebenen senden wollen. Mit Hilfe einer schwarzen Katze und dem köstlichen, koreanischen Gebäck stellt sich Yeonhwas dieser Aufgabe und bringt so ganz viel Wärme und Zauber in ihr Leben.

Dieses Buch hat mich so überrascht. Zart, einfühlsam und poetisch werden uns die Geschichten der Verstorbenen erzählt. Sie haben alle noch Botschaften für lieb gewordene Menschen. Konnten sich nicht verabschieden, konnten sich nicht so mitteilen, wie sie es eigentlich wollten. Es geht um Abschied, Trauer, Loslassen und den inneren Frieden. Magisch, fast märchenhaft wirkte dieses Buch auf mich. So wärmend wie eine Tasse Tee an einem kalten Herbsttag. So herzerwährmend wie eine Umarmung eines lieben Menschen. So melancholisch wie ein verregneter Sommertag.

Ein leiser, eindringlicher Roman voller Wärme. Sehnsucht und Tiefe, der tröstet, nachdenklich macht und dabei einfach so voller Wärme und Liebe ist. Lest unbedingt dieses Buch!!!

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