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aoibheann

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Ungewöhnlich, interessant, mit sehr speziellem Ton

Alma
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Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, ...

Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, für mich schon an der Grenze zum depressiven. Es hat mich oft heruntergezogen und ich hatte immer nach wenigen Seiten das Gefühl, als würde mir beim Lesen jegliche Freude ausgesaugt werden. Ich empfand es daher auch als unglaublich anstrengend wieder in die Handlung reinzukommen, wenn ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt hatte.
Die Geschichte baut sich sehr langsam auf. Da musste ich dann wirklich auch durchhalten, bis die interessanten Abschnitte kommen. Und die gibt es glücklicherweise in dem Buch auch. Immer dann, wenn ein Stückchen mehr über Almas Beziehung zu ihrem Vater oder zu Vili und ihren Berufen enthüllt wird, entstehen da ganz tolle, fast schon philosophische Momente. Die Schilderung von Almas Gefühlen während der Balkankriege, weil sie emotional zwischen allen Stühlen hängt - das waren wirklich großartige Momente. Die Zerrissenheit ihrer Heimatstadt spiegelt sich auch in Alma und den Gefühlen gegenüber ihrer Familie wider. Immer zwischen den Welten wandelnd, nie irgendwo wirklich fest verwurzelt, immer die Wahrheit für sich selbst suchend.
Grundsätzlich mag ich Geschichten, die sich gemächlich entwickeln. Hier war es mir dann aber doch zu langsam. Da hätte ich mir etwas mehr Tempo in der Erzählung gewünscht, es fühlte sich häufig für mich an, als würde die Handlung auf der Stelle treten.

Es ist ein durchaus interessantes Buch. Keines, das man mal eben so nebenbei liest. Auf das man sich einlassen muss und dessen doch sehr spezieller Ton einem liegen muss.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Traurig und berührend

Der letzte Sommer der Tauben
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Der 14 jährige Noah genoss bisher gemeinsam mit seiner Familie ein Leben voller Freiheiten. Bunte Kleider, freie Wahl von Hobbys und Berufen, die Selbstverständlichkeit einer freien Schulbildung, Cafés ...

Der 14 jährige Noah genoss bisher gemeinsam mit seiner Familie ein Leben voller Freiheiten. Bunte Kleider, freie Wahl von Hobbys und Berufen, die Selbstverständlichkeit einer freien Schulbildung, Cafés als Treffpunkte, Musik und Filme. Jetzt schwärzt Noah im Bekleidungsgeschäft seines Vaters auf den Verpackungen die abgedruckten Frauen. Nur die Augen dürfen sichtbar sichtbar sein. Nach der Ausrufung des Kalifats ist nicht mehr wie bisher, das Leben ist stark eingeschränkt.
Noahs einziger Lichtblick sind seine Tauben. Auf dem Dach seines Onkels züchtet er wunderschöne Tauben. Pflegt sie hingebungsvoll, beobachtet sie sehr genau und kennt jede ihrer einzelnen Eigenschaften. Und wenn Noahs Tauben aufsteigen, schickt er seine Träume und Wünsche mit ihnen in den Himmel.

In kleinen Episoden erzählt Abbas Khider seine Geschichte. Noahs Tauben sind dabei ein zentraler Punkt in der Erzählung. Noah kann über sie seine Gefühle ausdrücken, sie sind Symbol und Metapher zugleich.
Mich hat dieses kleine Buch sehr beeindruckt. Es ist ein leises Buch. Der Stil ist ruhig und aus der Sicht eines Kindes, das versucht die Welt und seine neuen Regeln zu begreifen. Unheimlich berührend und erschütternd, mit immer wieder aufblitzenden Prisen von Humor, das aber auch traurig zurücklässt.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Emotionales Coming of Age

Lola im Spiegel
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"Sie" ist erst 17 Jahre alt, fast 18 und lebt mit ihrer Mutter auf einem Schrottplatz in Brisbane. Sie sind auf der Flucht vor einer Tat, über die weder "sie" noch der Leser etwas weiß. Nur, dass sie begangen ...

"Sie" ist erst 17 Jahre alt, fast 18 und lebt mit ihrer Mutter auf einem Schrottplatz in Brisbane. Sie sind auf der Flucht vor einer Tat, über die weder "sie" noch der Leser etwas weiß. Nur, dass sie begangen wurde. Ein junges Mädchen, ohne Namen, ohne Vergangenheit und mit einer ungewissen Zukunft.

Ich fand des sehr interessant geschrieben. Jedes Kapitel wird von einer Zeichnung eingeleitet, die einen Bezug zum Inhalt des jeweiligen Kapitels hat. Zu jedem Bild gibt eines Erklärung, die an die Beschreibung eines Kunstwerkes in einer Ausstellung erinnert. Dieses Konzept zieht sich durch das gesamte Buch und taucht auch einige Male mitten in der Handlung auf. Das hat mich zuerst ein wenig irritiert, ergab aber später mehr Sinn. Unsere namenslose Protagonistin hat einen Lebenstraum - ein bedeutende Künstlerin zu werden. Und als solche stellt sie sich nicht nur vor, wie ihre Bilder und ihre Leben von Kuratoren erklärt werden, sie nimmt sich auch heraus, welche Teile davon wie erzählt werden sollen.

Sprachlich ist es nicht unbedingt rücksichtsvoll. Unverblümt, direkt und rau, manchmal auch etwas vulgär berichtet unsere Protagonistin über ihre Stationen auf der Flucht, die Beziehung zu ihrer Mutter und ihre Leben als Wohnungslose (der von ihr bevorzugte Begriff) auf einem Schrottplatz in Brisbane. Das klingt alles unheimlich traurig und deprimierend. Natürlich ist es das auch. Aber unter all den Tragödien des täglichen Lebens wachsen auch klitzekleine Pflänzchen von Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn untereinander. Es sind diese Ausschnitte aus der Community der Wohnungslosen, die auf den Erfahrungen Daltons als Journalist beruhen und der Handlung eine besondere, zuweilen auch schwarzhumorige Tiefe verleihen.

Auf ihrer Suche nach ihrer eigenen Identität begegnen wir Verlust, Angst und Verzweiflung. Aber auch Liebe, Güte, Zusammenhalt und Hoffnung. Es fiel mir nicht immer ganz leicht, der Handlung zu folgen bzw. bei der Stange zu bleiben. Die erste Hälfte des Buches fand ich sehr gelungen. Tolles Erzähltempo, gelungene Dialoge und eine dynamische Handlung. Ab der Hälfte wurde es dann für meinen Geschmack langatmiger. Hier hätten etwa einhundert Seiten weniger die Geschichte keinen Abbruch getan.
Das Ende hat mich dann aber doch wieder sehr mit dem Buch versöhnt. Ich hatte schon Angst, der Autor lässt uns letztlich mit der Identität unserer Protagonistin alleine. Aber so fies ist er dann doch nicht. Er verrät uns ihren Namen und ihre Herkunft. Und er lässt ihr Zugleich den Raum für eine eigene Zukunft. Geschickt gelöst und da können auch schon mal die Augen feucht werden.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Wunderbar erzählt

Halber Stein
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Ein wunderschönes Buch mit einem ganz tollen Stil. Ein wenig melancholisch und ein wenig wehmütig, ganz behutsam und filigran. Mit wenigen Worten erschafft Iris Wolff eine Stimmung, die auch auf mich beim ...

Ein wunderschönes Buch mit einem ganz tollen Stil. Ein wenig melancholisch und ein wenig wehmütig, ganz behutsam und filigran. Mit wenigen Worten erschafft Iris Wolff eine Stimmung, die auch auf mich beim Lesen übergriffen hat. Die Trauer ist fast greifbar, ebenso der Wunsch die Vergangenheit zu verstehen und die Geschichte der eigenen Familie. Ihre Sätze sind mit viel Wärme geschrieben und ich möchte sie als einfach nur schön bezeichnen. Ich könnte so viele Zitate dieser schönen Sätze anbringen - das würde aber einerseits den Rahmen sprengen und andererseits auch zu viel spoilern.

Iris Wolff erzählt aber auch viel Interessantes über Siebenbürgen und die Siebenbürgener Sachsen. Ein Landstrich und eine Kultur, über die ich beide relativ wenig weiß und daher alles Erzählte zu diesen Themen mit viel Interesse gelesen habe. Sie erzählt von der zweiten großen Auswanderungswelle der Siebenbürgener Sachsen um 1990 und welche Konflikte in den Familien damit einhergehen. Die, die gegangen sind, hadern mit dem neuen Leben in einem anderen Land und dem Spagat zwischen Vergessen der Vergangenheit und Blick nach vorne. Die, die geblieben sind, hadern mit dem Aussterben ihrer Kultur, ihrer Traditionen und ihrer Geschichte. Bei Sine wird dieser Spagat sehr gut sichtbar. Ihre Erinnerungen an ihre Kindheit bei Agneta kommen während ihres Besuches immer wieder hervor. Diese waren überlagert von den Ereignissen nach ihrer Auswanderung und den Jahren in Deutschland. Sie hat das Gefühl in Agnetas Haus angekommen zu sein, ein Gefühl von zu Hause und Heimat. Gleichzeitig fühlt sie sich auch fremd in dem Ort, dessen Sitten und Gebräuche sie nicht kennt und sich dadurch auch ein Stück weit ausgeschlossen fühlt.
Sie erkundet die Lebensgeschichte ihrer Großmutter, kommt dabei dem Ort, den Menschen, dem Landstrich und damit ihren Wurzeln auch wieder näher.

Mit hat die Geschichte unheimlich gut gefallen. Es ist ein leises, eher gemächliches Buch. Keine Hektik, keine Aufregung, aber doch mit sehr viel emotionaler Tiefe. Eine Geschichte, die man nicht schnell runterlesen sollte, sondern mit Zeit und Muße genießen sollte. Über Herkunft, Identität und Zukunft. Gefühlvoll und interessant erzählt.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Nicht komplett überzeugend

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Es scheint offenbar im Trend zu liegen, eine gut erzählte Geschichte aus allen möglichen Perspektiven zu ergänzen. Und ich merke nach diesem Buch, dass ich kein Fan davon werde.
Hannah Borowski kennt man ...

Es scheint offenbar im Trend zu liegen, eine gut erzählte Geschichte aus allen möglichen Perspektiven zu ergänzen. Und ich merke nach diesem Buch, dass ich kein Fan davon werde.
Hannah Borowski kennt man als Leser schon aus Schröders Buch "Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid". Jetzt meldet sich überraschend Hannahs Vaters Martin bei ihr. Dieser war all die Jahre abwesend in ihrem Leben. Verständlicherweise ist Hannah skeptisch gegenüber dieser Kontaktaufnahme und dem Eingliederungsversuch in Martins Familie.
Parallel dazu wird die Geschichte von Marlen erzählt. Diese entkommt als junges Mädchen dem Demminer Massenselbstmord und findet im Haus von Wilma Engels eine neue Familie. Wilma ist Künstlerin, ihr Mann Jon Engels ein bekannter Maler in Güstrow, von dem es nach dem 2. Weltkrieg zunächst keine Information über seinen Verbleibt gibt. Zusammen mit Jons altem Kindermädchen Burgel meistern die drei Frauen nicht nur die Nachkriegsjahre, sondern richten sich in der aufstrebenden DDR ein Leben ein. Doch mit den Jahren wird das von Wilma auferlegte Leben für Marlen zu einengend, sie möchte ein eigenständigeres und selbstbestimmteres Leben führen. Aus Pflichtgefühl stellt sie aber ihre Wünsche und Sehnsüchte hinten an.

Die Geschichte hat den für Alena Schröder typischen, schönen Stil. Sehr klar erzählt, ohne überlangen Sätze, gefühlvoll erzählt. Die Gefühle ihrer Figuren beschreibt sie sehr nachvollziehbar, die positiven wie die negativen.
Ich finde den historischen Part gelungener als den Gegenwartspart. Die Handlung dort ist in sich stimmiger, der Bezug zum Titel toll beschrieben.
Die Gegenwart bleibt da für mich leider deutlich zurück. Da ist mir die Handlung zu dünn. Wo auch immer die Idee herkam, jetzt auch noch dem bisher anonymen Vater eine Geschichte zu widmen - in dieser Form wäre es aus meiner Sicht nicht notwendig gewesen. Zumal diese "neue" Familie nur so vor Klischees strotzt. Der erfolgreiche Martin mit der absoluten Vorzeigefamilie. Schon bei den ersten Sätzen der Familienbeschreibung musste ich mit den Augen rollen. Auch Hannahs WG-Mitbewohner Justus ist ein wandelndes Berlin Kreuzberg Klischee. Er sollte vermutlich als witziger Gegenpart konstruiert sein, bei mir kam der Humor leider nicht an, obwohl her absichtlich überzogen dargestellt wird.
Die Berührungspunkte dieser beiden Handlungsstränge sind leider oblatendünn. An der Stelle war ich wirklich überrascht, denn ich konnte mir bis zum Schluss nicht recht vorstellen, wie beide miteinander zusammenhängen sollen. Die Auflösung bezieht sich dann wieder auf den Titel (den ich im Übrigen unheimlich schön finde!), hat mich aber auch etwas enttäuscht zurückgelassen.

Gelungen finde ich dagegen die Darstellung der recht orientierungslosen Hannah, die gar nicht so richtig weiß, was sie jetzt glauben, denken oder fühlen soll. Die mit der ganzen Situation überfordert ist. Die erst über Umwege zu einer persönlichen Erkenntnis, mit der sie eine für sich finale Entscheidung trifft, findet. Man wünscht ihr automatisch ganz viel inneren Frieden.

Man muss die anderen Bücher nicht gelesen haben, die Geschichte funktioniert grundsätzlich auch alleine. Was aus meiner Sicht auch eine Stärke der Autorin ist. Das Buch lässt sich angenehm lesen. Aber ich wünsche mir von der Autorin so langsam eine ganz neue Geschichte, die nichts mit den Borowskis und ihrer Familiengeschichte zu tun hat. Denn die ist aus meiner Sicht jetzt endgültig auserzählt.

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