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aoibheann

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2026

Mochte ich nicht

39 Grad Mord
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Ich bin richtig von enttäuscht von dem Buch. Ich habe mir einen leichten, unterhaltsamen und vielleicht ein bisschen humorvollen Krimi mit südländischem Urlaubsflair erwartet.
Das dabei der Plot nicht ...

Ich bin richtig von enttäuscht von dem Buch. Ich habe mir einen leichten, unterhaltsamen und vielleicht ein bisschen humorvollen Krimi mit südländischem Urlaubsflair erwartet.
Das dabei der Plot nicht super ausgefeilt ist, finde ich dabei noch nicht einmal besonders schlimm. Wenn das Drumherum stimmig ist, kann man da für mich vieles wettmachen.
Aber hier wirkt alles wie eine Aneinanderreihung von Klischees. Unfähige sizilianische Polizei, Macho-Gehabe, die Mafia, eine - natürlich - lesbische Krimi-Autorin, die viel lieber wichtige feministische Themen schreiben würde und stattdessen in einen Mord stolpert und diesen löst. Alles zusammen wirkt ziemlich undurchdacht, als würde man eine Liste an Punkten abhaken, die unbedingt untergebracht werden müssten. Noch dazu ist Hauptfigur Hannah für mich fürchterlich unsympathisch. Sie ist so selbstgerecht und beratungsresistent, dass schon alleine das reichen würde, das Buch abzubrechen. Sie nörgelt, motzt und meckert ständig. Und das auf eine sehr ätzende Art, an der ich nichts charmantes oder selbstironisches finden kann. Sie badet im Selbstmitleid und neidet anderen Menschen ihr Leben. Als Krone dazu säuft, pardon ich muss es so sagen, sie die ganze Zeit und begründet dies vor sich selbst mit fadenscheinigen Gründen. Das liest sich alle so nervig, warum legt man seine Romanfigur so derart negativ an?
Vom Lokalkolorit bleibt außer Sonne, Mafia und diverse Cocktails leider nicht viel übrig. Kein Buch, dass ich einem Krimi-Fan oder als Sommerlektüre empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Magischer Anfang, dem dann leider die Puste ausgeht

Zwei in einem Bild
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Das Buch fing für mich sehr vielversprechend an. Der Stil ist leicht und schön erzählt, die Szenen bildlich gut vorstellbar. Wie Claire mit ihrem Wagen in die Galerie kommt, ihre Aufregung und Begeisterung ...

Das Buch fing für mich sehr vielversprechend an. Der Stil ist leicht und schön erzählt, die Szenen bildlich gut vorstellbar. Wie Claire mit ihrem Wagen in die Galerie kommt, ihre Aufregung und Begeisterung für die Kunst, der Kontrast zu ihrem Leben außerhalb ihrer Arbeit. Dazu fühlt sich die Erzählstimme an, wie jemand der einem die Geschichte mit einer angenehmen Stimme aus dem Off erzählt. Die Grundidee gefällt mir sehr gut. Einfach in ein Gemälde schlüpfen zu können und sich auf diese Weise die Geschichte des Bildes genauer anzusehen. Ich wäre sofort dabei. Die zwischen den Bildern wandernden Figuren haben mich ein wenig an die sich bewegenden Bilder aus Harry Potter erinnert, die Szenerie ein wenig an „Nachts im Museum“. Das fand ich sehr nett geschrieben und auch den Kontrast dazu, dass die Figuren teilweise seit einhundert Jahren in ihrem Bild „leben“ und in ihrer Zeit eingefroren sind, wie trist dieses Leben sein kann.
Leider kommt das Buch für mich über den Punkt der netten Erzählung aber nicht hinaus. Die Geschichte wirkt auf mich nicht bis zu Ende gedacht. Es gibt im Prinzip zwei Erzählstränge. Einmal die Geschichte um Claire und Jean im Museum, einmal um Claire in ihrem Leben außerhalb des Museums. Beide bleiben aber immer oberflächlich und wirken irgendwie unfertig.
Jean z.B ist halt einfach da. Ins Bild gemalt und harrt dort nun seit etlichen Jahren aus. Über sein Leben außerhalb des Bildes wird nur spärlich erzählt. Mir fehlt hier z.B der Punkt, ab wann eine Person in einem Bild lebendig wird. Nach seinem Tod? Oder lebt die gemalte Person dann ein Parallelleben? Das mag kleinlich sein, aber bei so einer Geschichte machen grade solche Details für mein Empfinden viel aus.
Claires Leben außerhalb des Museums ist wirklich ein starker Kontrast und hat insgesamt viel Potential. Aber auch hier wird es nicht tiefer. Es herrscht eine Pandemie, Claire ist eine junge, aktuell arbeitslose Mutter, die sich dank der Unterstützung ihrer Großmutter durchs Leben schlägt und sich jetzt plötzlich mit dem Vater ihrer Tochter konfrontiert sieht. Sie malen, sie liegt auf dem Sofa, der Kindsvater taucht auf und – so kann man spekulieren – taucht auch wieder ab. Da kam so wenig bei mir an, das fand ich wirklich schade.
Das es kein wirkliches Happy End gibt, ist natürlich von Beginn an klar. Aber das wie fand ich dann doch ein wenig sehr fade. Ja, es war ein kleiner Twist, den ich aber ehrlicherweise ziemlich unglaubwürdig fand. Vorbei die Leichtigkeit vom Anfang und die Magie, die dort durchaus herrschte. Es passt für mich nicht so recht zu den anderen beiden Erzählsträngen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Witzige und romantische Zeitreise

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind seit 25 Jahren verheiratet. Die Kinder sind zwar schon so gut wie erwachsen, die Sorgen um sie aber noch immer präsent. Das Liebesleben ist eher durchwachsen, der Rasen muss dringend ...

Adam und Jules sind seit 25 Jahren verheiratet. Die Kinder sind zwar schon so gut wie erwachsen, die Sorgen um sie aber noch immer präsent. Das Liebesleben ist eher durchwachsen, der Rasen muss dringend gemäht werden, der Dachboden entrümpelt und der Schuppen aufgeräumt werden. Die Küche könnte einen neuen Anstrich vertragen, die ungewaschene Wäsche stapelt sich und überhaupt herrscht eigentlich Dauerchaos im Hause Hole. Der Alltag beherrscht das (Ehe)Leben von Jules und Adam. Und dann taucht auch Adams bester Jugendfreund auf, der augenscheinlich alles hat, was man sich nur wünschen kann (inklusive jeder Menge Geld) und führt den beiden vor Augen, wie ihr Leben auch hätte aussehen können.
Nach einem Streit mit einigen unschönen Vorwürfen macht Adam im Schuppen eine Entdeckung. Dank aufgenommener CDs und Kassetten (die Älteren unter uns erinnern sich) verwandelt sich ein altes Radio in eine Zeitmaschine. Jetzt können beide bedeutsame Momente ihrer gemeinsamen Vergangenheit noch einmal erleben.

Mir hat die Geschichte unheimlich gut gefallen. Es ist eine leichte und heitere Geschichte, mit einem Kern, über den man trotzdem ganz prima ins philosophieren kommen kann. Denn Hand aufs Herz - wer von uns würde nicht in Versuchung kommen, ein paar Änderungen vornehmen zu wollen? Keine großen, nur so ein paar klitzekleine? Aber wo ist die Grenze zwischen klitzeklein und riesengroß und ein ganzes Leben verändernd? Bei Jules und Adam werden aus den klitzekleinen "Optimierungen" immer größere Veränderungen, bis alles kurz davor ist völlig aus dem Ruder zu laufen.

Trotz allem verliert das Autorenduo dabei aber seine Figuren nicht aus dem Blick. Man merkt, wie sehr sich Adam und Jules nach all den Jahren noch immer zugetan sind und ihre Gefühle unter dem Alltagstrott begraben liegen. Dabei wird so einiges auch mit einer guten Portion Realismus erzählt. Ein bisschen Klischee darf auch nicht fehlen, aber es passt gut in die Handlung und stört nicht.
Die Rückblenden auf das gemeinsame Leben sind toll erzählt und schildern schöne Momente. Der erste Kuss, der Heiratsantrag, die Schmetterlinge der ersten Liebe. Aber nicht nur das, auch die weniger schönen Seiten kommen noch einmal ans Licht. Jules Überforderung mit zwei Kleinkindern oder das Gefühl in einer nie enden wollenden Tretmühle zu stecken. Gerade diese Mischung hat die Handlung abwechslungsreich und die Figuren nicht so eindimensional gemacht.
Dazu ist die Geschichte gespickt mit Anspielungen zu Musik, Filmen und Spielen der 1980er und 1990er. Eine unheimlich charmante Mischung, die Spaß macht und zusammen mit der Musik entwickelt man auch ein Gefühl für die jeweilige Szene. Die dazugehörige Playliste macht auch noch richtig Spaß zu hören - egal ob man in der Küche grade das Abendessen vorbereitet oder sich im Auto bei offenem Seitenfenster seiner privaten Zweitkarriere als Gesangsstar hingibt.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Ungewöhnlich, interessant, mit sehr speziellem Ton

Alma
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Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, ...

Ich habe mich ziemlich schwer getan mit dem Buch. Der Aufbau der Geschichte ist durch durchdacht und der Stil ist auch ansprechend. Aber der Tonfall der Handlung ist unglaublich traurig und melancholisch, für mich schon an der Grenze zum depressiven. Es hat mich oft heruntergezogen und ich hatte immer nach wenigen Seiten das Gefühl, als würde mir beim Lesen jegliche Freude ausgesaugt werden. Ich empfand es daher auch als unglaublich anstrengend wieder in die Handlung reinzukommen, wenn ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt hatte.
Die Geschichte baut sich sehr langsam auf. Da musste ich dann wirklich auch durchhalten, bis die interessanten Abschnitte kommen. Und die gibt es glücklicherweise in dem Buch auch. Immer dann, wenn ein Stückchen mehr über Almas Beziehung zu ihrem Vater oder zu Vili und ihren Berufen enthüllt wird, entstehen da ganz tolle, fast schon philosophische Momente. Die Schilderung von Almas Gefühlen während der Balkankriege, weil sie emotional zwischen allen Stühlen hängt - das waren wirklich großartige Momente. Die Zerrissenheit ihrer Heimatstadt spiegelt sich auch in Alma und den Gefühlen gegenüber ihrer Familie wider. Immer zwischen den Welten wandelnd, nie irgendwo wirklich fest verwurzelt, immer die Wahrheit für sich selbst suchend.
Grundsätzlich mag ich Geschichten, die sich gemächlich entwickeln. Hier war es mir dann aber doch zu langsam. Da hätte ich mir etwas mehr Tempo in der Erzählung gewünscht, es fühlte sich häufig für mich an, als würde die Handlung auf der Stelle treten.

Es ist ein durchaus interessantes Buch. Keines, das man mal eben so nebenbei liest. Auf das man sich einlassen muss und dessen doch sehr spezieller Ton einem liegen muss.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Traurig und berührend

Der letzte Sommer der Tauben
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Der 14 jährige Noah genoss bisher gemeinsam mit seiner Familie ein Leben voller Freiheiten. Bunte Kleider, freie Wahl von Hobbys und Berufen, die Selbstverständlichkeit einer freien Schulbildung, Cafés ...

Der 14 jährige Noah genoss bisher gemeinsam mit seiner Familie ein Leben voller Freiheiten. Bunte Kleider, freie Wahl von Hobbys und Berufen, die Selbstverständlichkeit einer freien Schulbildung, Cafés als Treffpunkte, Musik und Filme. Jetzt schwärzt Noah im Bekleidungsgeschäft seines Vaters auf den Verpackungen die abgedruckten Frauen. Nur die Augen dürfen sichtbar sichtbar sein. Nach der Ausrufung des Kalifats ist nicht mehr wie bisher, das Leben ist stark eingeschränkt.
Noahs einziger Lichtblick sind seine Tauben. Auf dem Dach seines Onkels züchtet er wunderschöne Tauben. Pflegt sie hingebungsvoll, beobachtet sie sehr genau und kennt jede ihrer einzelnen Eigenschaften. Und wenn Noahs Tauben aufsteigen, schickt er seine Träume und Wünsche mit ihnen in den Himmel.

In kleinen Episoden erzählt Abbas Khider seine Geschichte. Noahs Tauben sind dabei ein zentraler Punkt in der Erzählung. Noah kann über sie seine Gefühle ausdrücken, sie sind Symbol und Metapher zugleich.
Mich hat dieses kleine Buch sehr beeindruckt. Es ist ein leises Buch. Der Stil ist ruhig und aus der Sicht eines Kindes, das versucht die Welt und seine neuen Regeln zu begreifen. Unheimlich berührend und erschütternd, mit immer wieder aufblitzenden Prisen von Humor, das aber auch traurig zurücklässt.

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