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Veröffentlicht am 15.01.2026

großartiges Worldbuilding mit starken weiblichen Charakteren

Der Neunte Regen – The Ninth Rain
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Der neunte Regen ist der Auftakt von Jen Williams’ The Winnowing Flame-Trilogie und für mich ein Fantasyroman, der trotz kleiner Einstiegshürden schnell einen enormen Sog entwickelt hat. Die Geschichte ...

Der neunte Regen ist der Auftakt von Jen Williams’ The Winnowing Flame-Trilogie und für mich ein Fantasyroman, der trotz kleiner Einstiegshürden schnell einen enormen Sog entwickelt hat. Die Geschichte spielt in einer sterbenden Welt, in der das einst mächtige Imperium Ebora seinem Untergang entgegengeht. Mit Vintage, einer exzentrischen Entdeckerin, dem eboranischen Außenseiter Tormalin und der geheimnisvollen Hexe Noon folgt man drei sehr unterschiedlichen Perspektiven, die sich nach und nach zu einer größeren, bedrohlichen Wahrheit verbinden. Sobald diese Handlungsstränge zusammenliefen, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Besonders überzeugt haben mich die Figuren, die sehr eigenständig und leicht ins Herz zu schließen sind. Vintage erinnerte mich an eine weibliche Version von Indiana Jones, wirkte dabei aber deutlich charmanter und frischer. Tormalins trockener Humor und seine fast schon obsessive Sorge um sein Äußeres waren ebenso unterhaltsam wie Noon, deren Perspektive sich als überraschend stark erwies. Gerade die weiblichen Charaktere sind hervorragend geschrieben und tragen viel Tiefe und Eigenständigkeit in die Geschichte.

Ein großer Reiz des Buches liegt für mich im Worldbuilding. Williams verbindet Fantasy mit ungewöhnlichen, teils sci-fiartigen und leicht lovecraftesken Elementen und erschafft eine Welt, die sich angenehm von klassischen mittelalterlichen Settings abhebt. Albtraumhafte Kreaturen, parasitäre Geister, lebende Kriegsbestien und riesige Fledermäuse als Reittiere zeugen von einer morbiden, sehr bildhaften Fantasie. Gleichzeitig war das Worldbuilding für mich nicht immer ganz leicht zu greifen: Viele Hintergründe werden eher angedeutet oder in Epigraphen erklärt, sodass ich trotz der Fülle an Ideen nicht immer ein klares Bild von allen Grundlagen dieser Welt hatte. Ich vermute aber stark, dass das in Band 2 deutlich mehr erklärt wird - eigentlich gar nicht so unüblich für das Genre.

Stilistisch liest sich das Buch sehr flüssig, mit einer guten Balance aus Action, Humor und Atmosphäre. Der Anfang ist vergleichsweise ruhig, doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, entfaltet sie eine enorme Sogwirkung. Das Ende ist wild, vielversprechend und macht große Lust auf die Fortsetzung.

Insgesamt ist Der Neunte Regen für mich ein sehr starker, wenn auch nicht ganz perfekter Auftakt mit originellen Ideen, faszinierender Welt und liebenswerten Figuren. Wer ungewöhnliche High Fantasy mag und bereit ist, sich auf ein eigenwilliges Setting einzulassen, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben.

Ganz großen Dank an den ronin-Hörverlag für ein Rezensionsexemplar des Hörbuchs! <3 #rettetdiefantasy

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2026

großartiges Worldbuilding mit starken weiblichen Charakteren

Der Neunte Regen – The Ninth Rain
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Der neunte Regen ist der Auftakt von Jen Williams’ The Winnowing Flame-Trilogie und für mich ein Fantasyroman, der trotz kleiner Einstiegshürden schnell einen enormen Sog entwickelt hat. Die Geschichte ...

Der neunte Regen ist der Auftakt von Jen Williams’ The Winnowing Flame-Trilogie und für mich ein Fantasyroman, der trotz kleiner Einstiegshürden schnell einen enormen Sog entwickelt hat. Die Geschichte spielt in einer sterbenden Welt, in der das einst mächtige Imperium Ebora seinem Untergang entgegengeht. Mit Vintage, einer exzentrischen Entdeckerin, dem eboranischen Außenseiter Tormalin und der geheimnisvollen Hexe Noon folgt man drei sehr unterschiedlichen Perspektiven, die sich nach und nach zu einer größeren, bedrohlichen Wahrheit verbinden. Sobald diese Handlungsstränge zusammenliefen, konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Besonders überzeugt haben mich die Figuren, die sehr eigenständig und leicht ins Herz zu schließen sind. Vintage erinnerte mich an eine weibliche Version von Indiana Jones, wirkte dabei aber deutlich charmanter und frischer. Tormalins trockener Humor und seine fast schon obsessive Sorge um sein Äußeres waren ebenso unterhaltsam wie Noon, deren Perspektive sich als überraschend stark erwies. Gerade die weiblichen Charaktere sind hervorragend geschrieben und tragen viel Tiefe und Eigenständigkeit in die Geschichte.

Ein großer Reiz des Buches liegt für mich im Worldbuilding. Williams verbindet Fantasy mit ungewöhnlichen, teils sci-fiartigen und leicht lovecraftesken Elementen und erschafft eine Welt, die sich angenehm von klassischen mittelalterlichen Settings abhebt. Albtraumhafte Kreaturen, parasitäre Geister, lebende Kriegsbestien und riesige Fledermäuse als Reittiere zeugen von einer morbiden, sehr bildhaften Fantasie. Gleichzeitig war das Worldbuilding für mich nicht immer ganz leicht zu greifen: Viele Hintergründe werden eher angedeutet oder in Epigraphen erklärt, sodass ich trotz der Fülle an Ideen nicht immer ein klares Bild von allen Grundlagen dieser Welt hatte. Ich vermute aber stark, dass das in Band 2 deutlich mehr erklärt wird - eigentlich gar nicht so unüblich für das Genre.

Stilistisch liest sich das Buch sehr flüssig, mit einer guten Balance aus Action, Humor und Atmosphäre. Der Anfang ist vergleichsweise ruhig, doch sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, entfaltet sie eine enorme Sogwirkung. Das Ende ist wild, vielversprechend und macht große Lust auf die Fortsetzung.

Insgesamt ist Der Neunte Regen für mich ein sehr starker, wenn auch nicht ganz perfekter Auftakt mit originellen Ideen, faszinierender Welt und liebenswerten Figuren. Wer ungewöhnliche High Fantasy mag und bereit ist, sich auf ein eigenwilliges Setting einzulassen, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben.

Ganz großen Dank an den ronin-Hörverlag für ein Rezensionsexemplar des Hörbuchs! <3 #rettetdiefantasy

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Veröffentlicht am 15.01.2026

viel tell, wenig show :(

The Tainted Cup
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Disclaimer: Dieses Buch ist sehr beliebt bei sehr vielen Menschen, darum bitte meine Rezension mit einer Prise Zweifel nehmen.

Tainted Cup ist als Fantasy-Krimi angelegt, mit klaren Anleihen an klassische ...

Disclaimer: Dieses Buch ist sehr beliebt bei sehr vielen Menschen, darum bitte meine Rezension mit einer Prise Zweifel nehmen.

Tainted Cup ist als Fantasy-Krimi angelegt, mit klaren Anleihen an klassische Detektivgeschichten: Die exzentrische Ermittlerin Ana im Stil von Sherlock Holmes und ihr Assistent Din als eine Art Watson bewegen sich durch eine sekundäre Welt, die von Leviathanen, Seuchen, magischen Modifikationen und politischer Korruption geprägt ist. Ein Mord sieht zunächst wie ein Krankheitsfall aus, stellt sich aber dann als etwas ganz anderes, tieferes heraus. Die Ermittungen der beiden erschließt weit mehr Variablen und größere Probleme. Es geht um eine Mordaufklärung, aber auch um Macht, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Das Grundkonzept ist originell , ebenso die Atmosphäre und wenigen Beschreibungen der Welt. Ein Beispiel sind die gigantischen Leviathane oder der dichten Umgebungen, die besonders dann überzeugt, wenn Din allein unterwegs ist und seine Eindrücke schildert. Auch die ruhige, stellenweise elegante Prosa sowie ein zarter romantischer Nebenstran hat mir eigentlich ganz gut gefallen.

Nun aber zu meinen Problemen mit der Geschichte. Für mich haben weder die Figuren noch die Handlung emotional Input gehabt. Die Charaktere blieben flach, schwer greifbar und teilweise irritierend. Es fiel mir schwer, eine echte Bindung zu Din oder Ana aufzubauen oder mich für ihr Schicksal zu interessieren. Ana ist oft ziemlich drüber, und Din ist zwar potenziell interessant, vor allem am Anfang, hätte aber in meinen Augen noch so viel mehr sein können. Für einen Mordfall fehlte es mir zudem an Spannung – statt Neugier oder Nervenkitzel stellte sich eher Ungeduld ein.

Mein größter Kritikpunkt ist der, dass das Buch ein perfektes Beispiel für für den Hinweis „show, not tell“ ist. Anstatt die Welt, die Figuren und ihre Konflikte durch Handlung, Dialoge und erlebte Szenen erfahrbar zu machen, erklärt der Text vieles direkt. Motive, Zusammenhänge und Bedeutungen werden benannt, statt sie entstehen zu lassen. Dadurch bleibt vieles oberflächlich; man bekommt ständig gesagt, wie etwas ist oder warum es wichtig sein soll, fühlt es aber nicht. Ich mag das "show" in Büchern sehr gerne und brauche es mehr oder minder, um mir meine Bilder vorzustellen oder auch um die Atmosphäre wahrzunehmen. Das hat mich hier leider sehr enttäuscht.

Gleiches erfuhr ich leider auch beim Wordbuilding: Die Welt ist zwar sehr kreativ und groß, aber durch die unzureichenden Erklärungen wirkte es trotzdem leer und teilweise mit logischen Lücken, die ich in meinem Kopf nicht füllen konnte.

Die Schreibweise und der Flow hat mir hingegen ganz gut gefallen, die Kritik von oben mal ausgeklammert. Ja, es wird viel geflucht, aber das fand ich in keinster Weise komisch oder störend.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass das Buch zwar großes Potential und spannende Ideen hat, aber für mich persönlich einfach nicht in der Richtigen Umsetzung. Das Buch ist für Lesende, die noch wenig Erfahrung im Fantasy-Bereich haben, gerne miträtseln und ungewöhnliche Settings mögen. Wenn du unsicher bist, probiere es auf jeden Fall aus. Band zwei gibt es auch schon bald!

Ganz großes Dankeschön an den Adrian-Verlag für das Rezi-Exemplar <3

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Veröffentlicht am 13.11.2025

guter historischer Schauerroman mit queerer Liebe

Wer die Toten stört
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A. Rae Dunlaps Debüt "Wer die Toten stört" verbindet packende Fiktion mit bemerkenswerter historischer Präzision. Der Roman spielt im Edinburgh des Jahres 1828 - einer Hochphase medizinischer Entdeckungen, ...

A. Rae Dunlaps Debüt "Wer die Toten stört" verbindet packende Fiktion mit bemerkenswerter historischer Präzision. Der Roman spielt im Edinburgh des Jahres 1828 - einer Hochphase medizinischer Entdeckungen, in der Fortschritt und Ethik in ständiger Spannung standen.

James Willoughby, Sohn einer englischen Gutsfamilie, verlässt Oxford, um in Schottland Chirurgie zu studieren. Doch wer echte Erfahrung am menschlichen Körper sammeln will, muss sich abseits der offiziellen Universitäten bewegen - in die privaten Anatomieschulen der Surgeon’s Square, wo Wissen oft mit moralischen Grenzüberschreitungen erkauft wird. Dort begegnet James dem charismatischen Aneurin (Nye) MacKinnon, einem Assistenten, dessen Verbindung zur illegalen Leichenbeschaffung ihn in die Schattenwelt der sogenannten Auferstehungsmännern führt.

Dunlap zeichnet diese Zeit mit eindrucksvoller historischer Genauigkeit. Die medizinischen Praktiken, gesellschaftlichen Hierarchien und wachsenden Spannungen rund um die berüchtigten Burke-und-Hare-Morde (die gab es wirklich!) sind sorgfältig recherchiert und werden detailreich, aber zugänglich vermittelt. Besonders gelungen ist die Art, wie der Roman die Faszination und moralische Ambivalenz des frühen 19. Jahrhunderts spürbar macht: eine Ära, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft und Verbrechen oft verschwammen.

Trotz seines düsteren Rahmens ist "Wer die Toten stört" zugleich eine feinfühlige Liebesgeschichte. Die Beziehung zwischen James und Nye entfaltet sich behutsam und glaubwürdig, ohne den historischen Kontext zu verfälschen. Die Autorin vermeidet moderne Projektionen, zeigt aber, dass Zuneigung auch in einer feindlichen Zeit bestehen kann.

Der Stil ist reich und bildhaft, manchmal bewusst altmodisch, was dem Zeitkolorit zugutekommt, aber gelegentlich etwas schwerfällig wirkt. Die Handlung folgt eher den Schritten einer klassischen Bildungsreise als einem Kriminalplot, was es hier und da etwas zäh macht. Das Pacing ist auch mein einziger Kritikpunkt. Hier und da zieht sich die Geschichte wirklich, was mich frustriert hat. Ich habe die Geschichte und die Charactere geliebt, aber trotzdem ab und an gestruggled, weiter zu lesen. Am Ende passiert dann der eigentliche Plot ganz schnell.
Trotz dieses doch großen Nachteils war das Buch wunderbar und ich bin froh, es gelesen zu haben.

Insgesamt:
"Wer die Toten stört" ist ein atmosphärisch dichtes, historisch fundiertes Debüt, das die dunkle Faszination der frühen Medizin mit Themen wie Moral, Klasse und Identität verbindet. Wer geschichtliche Authentizität, medizinische Genauigkeit und gothische Stimmung schätzt, wird in diesem Roman reich belohnt.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Märchen Reetelling - aber ganz anders

Dornenhecke
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Was wie eine klassische Sleeping Beauty-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als tiefgründiges, charmantes und leicht düsteres Märchen mit ganz eigener Magie.

Im Mittelpunkt steht nicht die schlafende ...

Was wie eine klassische Sleeping Beauty-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als tiefgründiges, charmantes und leicht düsteres Märchen mit ganz eigener Magie.

Im Mittelpunkt steht nicht die schlafende Prinzessin, sondern Krötling - eine Figur, die mir sofort ans Herz gewachsen ist. Sie wurde als Baby von Feen entführt und liebevoll in der Welt derer aufgezogen. Als Erwachsene soll sie in die Menschenwelt zurückkehren, um einem Neugeborenen einen Segen zu geben. Doch etwas geht schief, und aus dem Segen wird eine Art Fluch. Seitdem wacht sie, verborgen hinter einer riesigen Dornenhecke, über den Turm, in dem die Prinzessin schläft - aus gutem Grund, wie sich herausstellt.

Jahrhunderte später taucht ein Ritter auf, der dem alten Märchen auf den Grund gehen will. Aber dieser Ritter ist (zum Glück!) nicht der übliche strahlende Held, der eine schöne Jungfrau retten will. Er ist neugierig, sensibel und bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Zwischen ihm und Krötling entsteht eine zarte, nachdenkliche Dynamik, die mich sehr berührt hat.

Ich mochte besonders, wie Kingfisher klassische Märchenelemente übernimmt, um sie dann behutsam zu dekonstruieren. Der "Fluch" ist kein böser Zauber, sondern ein Akt des Schutzes. Die "Prinzessin" ist nicht die Unschuldige, die es zu retten gilt. Und Krötling ist vielleicht die rührendste, ungewöhnlichste "Fee", die mir je begegnet ist - schüchtern, unbeholfen, voller Schuld und doch so liebevoll und mutig.

Die Geschichte ist ruhig erzählt, manchmal fast zu ruhig. Es hätte der Novelle gutgetan, an manchen Stellen etwas mehr Raum zur Entfaltung zu bekommen. Einige Themen, wie das Changeling-Motiv oder die Hintergrundgeschichte der Prinzessin, hätten für mich gern noch tiefer erforscht werden dürfen. Trotzdem war ich durchgehend interessiert und wollte weiterlesen.

Was Thornhedge für mich so besonders macht, ist die Mischung aus Wärme, Fantasie und einer leisen, melancholischen Tiefe. Die Autorin zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Geschichten im Laufe der Zeit romantisiert und verfälscht werden - und welche Wahrheiten darunter begraben liegen. Es ist eine liebevolle, gleichzeitig kritische Auseinandersetzung mit dem Held*innenmythos und der Idee, dass Schönheit und Rettung immer zusammengehören müssen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und war am Ende fast ein bisschen traurig, dass es schon vorbei war.

Thornhedge ist eine wunderbare kleine Geschichte für alle, die Märchen lieben, aber auch bereit sind, sie mit anderen Augen zu sehen.

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