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Veröffentlicht am 29.05.2019

Verwirrspiel

Hinterhaus
2

Carolin ist „Die Stimme des Ostens“, Radiojournalistin in Berlin ohne besonderen Ehrgeiz. Ihr Freund, mit dem sie zusammenlebt, ist ein angesehener Arzt in der Charité. Von einem Tag auf den anderen ist ...

Carolin ist „Die Stimme des Ostens“, Radiojournalistin in Berlin ohne besonderen Ehrgeiz. Ihr Freund, mit dem sie zusammenlebt, ist ein angesehener Arzt in der Charité. Von einem Tag auf den anderen ist dieser Freund plötzlich weg und hinterlässt ihr nur sieben mit ihren Habseligkeiten gepackte Umzugskisten. Carolin steht vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens und hat Glück, dass die seltsame Hausbewohnerin Mandy sie zu sich ins Hinterhaus nimmt. Hier findet Carolin nun erstmal Obdach. Doch dieses Hinterhaus birgt Geheimnisse: Carolin findet in einem Kabuff die Leiche von Hans, Mandys Bruder, der seit zwanzig Jahren vermisst wurde. Nun überstürzen sich die Ereignisse, Carolin gerät in einen Strudel aus Lügen, Verbrechen und Betrug.
„Hinterhaus“ ist Lioba Werrelmanns erster Krimi, davor hat sie ein Sachbuch geschrieben. Der Autorin gelingt es sehr gut, den Leser durch einen flüssigen Schreibstil zu fesseln. Die relativ kurzen Kapitel tun ihr Übriges zum Spannungsaufbau, der sehr gut gelingt. Es gab nur wenige Stellen, die sich etwas zogen, nur dann, wenn es hin und wieder zu Wiederholungen kam. Die Protagonisten lassen sich nicht in Schubladen „sympathisch – nicht sympathisch“ einordnen, wie im richtigen Leben gibt es auch hier sehr viele Nuancen dazwischen. Carolin ist etwas naiv und weltfremd, was sie recht blauäugig in das Geschehen stolpern lässt. Auch ihr Kollege Adrian ist ein bisschen naiv, was das Private angeht, beruflich ist er ein knallharter Rechercheur. Die Geschichte ist stellenweise etwas unrealistisch, da hat sich die Autorin einige literarische Freiheiten genommen, was ja auch legitim ist. An manchen Stellen gibt es Ansätze von Situationskomik, das passte für mein Gefühl nicht so gut in diesen ansonsten eher düsteren Krimi.
Das Cover mit dem dunklen Hinterhof passt perfekt zum Buch, ebenso wie der kurze und knappe Titel. Beides fällt dem Krimileser auf.

Veröffentlicht am 01.01.2019

Tatort Münster

Kälter als die Angst
2

Carla Dellbrück, eine Opernsängerin, wird brutal ermordet aufgefunden. Der Mörder hat den Fundort der Leiche rituell hegerichtet, da versucht Peter Käfer, Ermittler der Münsteraner Kripo, anzusetzen. Als ...

Carla Dellbrück, eine Opernsängerin, wird brutal ermordet aufgefunden. Der Mörder hat den Fundort der Leiche rituell hegerichtet, da versucht Peter Käfer, Ermittler der Münsteraner Kripo, anzusetzen. Als Verdächtiger kommt natürlich erst einmal der Ehemann des Opfers in Frage. Doch war es wirklich eine Beziehungstat? Zeitgleich versucht Charlotte Schneidmann, Käfers Kollegin im derzeitigen Innendienst, aufzuklären, warum und von wem ihre Bekannte Katrin Ortrup Drohbriefe erhält. Scheinbar erhielten auch schon die anderen Bewohner des Mietshauses solche Angst machenden Briefe, die jedoch haben die Sache nicht ernst genommen. Katrin aber, sensibilisiert durch ein früheres Verbrechen an ihrer Familie, möchte, dass Charlotte der Sache auf den Grund geht. Nur zu gern tut Charlotte das, hat sie doch auf den verordneten Innendienst so gar keine Lust mehr…
Der fünfte Fall „Kälter als die Angst“ für das Ermittlerduo Käfer und Schneidmann war für mich das erste dieser Reihe von Christine Drews. Auch ohne Vorkenntnisse konnte ich diesen Krimi problemlos und, dem flüssigen Schreibstil geschuldet, zügig lesen. Die handelnden Personen werden sehr gut beschrieben, ich hatte immer genaue Bilder im Kopf. Die Ermittler sind mir sympathisch, sie wirken motiviert und empathisch. Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen recht gut bis zum spektakulären Schluss zu halten. Ja, das Ende ist das absolute Highlight dieses Buches: völlig unvorhersehbar überrascht es den Leser auf der ganzen Linie. Sehr gut gefallen mir auch die psychologischen Aspekte der Geschichte.
Das Cover mit einer düsteren Ansicht von Münster ist nicht besonders auffällig, passt aber gut zum Ort des Geschehens. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob mir das Buch auf Grund dieser Umschlaggestaltung im Buchladen aufgefallen wäre. Da gefällt mir der vielversprechende Titel „Kälter als die Angst“ schon besser.

Veröffentlicht am 31.01.2019

Attentat

Wer ist Michael Swann?
1

Julia und Michael Swann sind ein glückliches Ehepaar. Mit ihren beiden Kindern leben sie in einer ruhigen Wohnsiedlung mit einigen Familien, deren Lebensumstände den ihren gleichen. Sie führen ein scheinbar ...

Julia und Michael Swann sind ein glückliches Ehepaar. Mit ihren beiden Kindern leben sie in einer ruhigen Wohnsiedlung mit einigen Familien, deren Lebensumstände den ihren gleichen. Sie führen ein scheinbar zufriedenes, unauffälliges Leben. Urplötzlich wird alles anders: Michael befindet sich in der New Yorker Penn-Station, als dort ein Anschlag verübt wird. Eine gewaltige Explosion fordert viele Opfer. Doch wo ist Michael? Julia macht sich auf eine verzweifelte Suche nach ihrem Mann. Doch dann ereilt sie eine furchtbare und schockierende Nachricht, die alles verändert, nicht ist mehr wie es war…
Der amerikanische Psychologe Bryan Reardon hat mit „Wer ist Michael Swann?“ einen fesselnden Thriller geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig und trägt so zu einer immerwährenden hintergründigen Spannung bei. Es gibt einige überraschende Wendungen in dieser Geschichte und ein spektakuläres Finale. Manche Ereignisse fand ich etwas verwirrend, nicht alles war für mich ganz logisch. Trotzdem hat der Autor es geschafft, dass ich mit der sympathischen Protagonistin Julia mitleiden musste. Sehr interessant finde ich auch, wie Bryan Reardon darauf eingeht, dass solch einschneidende Ereignisse die Beziehungen innerhalb eines Freundeskreises verändern können, denn auch diese werden auf eine harte Probe gestellt. Das Thema des Thrillers, den ich im Übrigen eher als spannendes Drama bezeichnen würde, ist mit diesem Attentat leider sehr aktuell und dieses Szenario erinnert an den Anschlag auf die Zwillingstürme. Zumindest hatte ich vergleichbare Bilder im Kopf.
Das Cover mit dem rennenden Mann im Bahnhof, in kalten düsteren Farben gehalten, gefällt mir recht gut. Ganz bestimmt würde ich dieses Buch auch in einer Buchhandlung zur Hand nehmen. Der etwas ungewöhnliche Titel erschließt sich dem Leser erst während der Lektüre dieses Thrillers.

Veröffentlicht am 28.11.2018

In Bedrängnis

Deine letzte Stunde
1

Die junge Vertretungslehrerin Raquel tritt eine neue Stelle an. Auf ihre Nachfragen erfährt sie, dass ihre Vorgängerin Viruca sich das Leben genommen hat. Zumindest deuten die Umstände ihres Todes darauf ...

Die junge Vertretungslehrerin Raquel tritt eine neue Stelle an. Auf ihre Nachfragen erfährt sie, dass ihre Vorgängerin Viruca sich das Leben genommen hat. Zumindest deuten die Umstände ihres Todes darauf hin und die örtliche Polizei sieht keinen Grund, daran zu zweifeln. Virucas Exmann beschuldigt deren Schüler, sie mit extremen Mobbing in den Tod getrieben zu haben. Auch Raquel bekommt schnell zu spüren, dass die Schüler ihr alles andere als wohlgesonnen sind. Doch was steckt hinter diesen Angriffen auf ihre Person und wer schreibt ihr Zettel mit bedrohlichem Inhalt wie „Und du, wann stirbst du wohl?“ Für Raquel beginnt eine schwere Zeit, die sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt.
Der spanische Autor Carlos Montero hat mit „Deine letzte Stunde“ einen Thriller geschrieben, der mit dem Premio Primavera 2016, dem spanischen Frühjahrspreis, ausgezeichnet wurde. Das Buch ist zweifellos spannend geschrieben, der Schreibstil ist flüssig und schnörkellos. Die Grundidee gefällt mir sehr gut, bei entsprechender Umsetzung hätte dies ein grandioser Thriller werden können. Doch dem steht dann doch Einiges im Wege: Raquel, die Hauptprotagonistin, handelt sehr unüberlegt und oft leider auch völlig unrealistisch. Das hat mich beim Lesen richtig geärgert! Ich möchte mich beim Lesen eines Buches zumindest ein Stück weit mit einer der handelnden Personen identifizieren können, das war bei diesem Thriller leider nicht gegeben. Und es gab es auch keine andere Person, die wirklich sympathisch war. Die für mich überraschende Auflösung dieser Geschichte hat mich etwas versöhnt, auch wenn nicht alles logisch aufgeklärt wurde.
Das dunkle Cover lässt den Thriller erahnen, der in Schreibschrift gestaltete Titel passt zum Hauptort des Geschehens – der Schule. „Deine letzte Stunde“ ist ein ausgesprochen passender Titel, der gefällt mir sehr gut.

Veröffentlicht am 11.07.2018

Wie das Töten begann...

Racheopfer
1

Jennifer Kellys Familie gehörte zu den ersten Opfern des Serienkillers Francis Ackerman jr. Jennifer überlebte als einzige das Blutbad, dem ihre Lieben zum Opfer fielen. Als Erwachsene trifft sie wieder ...

Jennifer Kellys Familie gehörte zu den ersten Opfern des Serienkillers Francis Ackerman jr. Jennifer überlebte als einzige das Blutbad, dem ihre Lieben zum Opfer fielen. Als Erwachsene trifft sie wieder auf ihren Peiniger, dieses Mal in einer psychiatrischen Klinik. Jennifer ist Psychiaterin und hat darauf hin gewirkt, dass Ackerman in ihre Klinik verlegt wird, zu Forschungszwecken, wie der Schritt begründet wurde. Doch Jennifer ist voller Hass auf den Mann, der ihr die Familie genommen hat, und hat eigene Pläne mit ihm. Ihr Feind jedoch ist ein äußerst cleverer und manipulativer Charakter, da muss jeglicher Racheplan bestens überlegt sein…
Der Thriller „Racheopfer“ vom amerikanischen Autor Ethan Cross ist die Vorgeschichte zum Band „Ich bin die Nacht“. Wer jetzt glaubt, man erfährt hier mehr über Ackermans traumatische Kindheit, der wird enttäuscht, dem ist leider nicht so. Trotzdem ist dieses 156 Seiten kurze Buch voller Spannung, geschrieben in einer flüssigen, schnell zu lesenden Sprache. Auch mit Grausamkeiten geizt der Autor nicht, Ackerman ist nun mal so, wie er ist – brutal, manipulativ und ohne Mitgefühl. Und er weiß, dass er so ist, denkt, das ist seine Bestimmung. Sein grauenvoller Vater hat da wohl ganze Arbeit geleistet, dort liegt das Böse begründet. Jennifer ist voller Zorn und Rachegedanken, aber gerade das lässt sie unvorsichtig werden – sie ist im Sinne des Wortes blind vor Hass. Von dieser Protagonistin hätte ich mir etwas mehr Cleverness gewünscht. Ethan Cross gelingt es, den Spannungsbogen hoch zu halten bis zum ganz speziellen Schluss.
Das düstere Cover mit den blutroten Buchstaben fällt einem Thrillerleser sofort ins Auge. Mir gefällt es sehr gut. Der Titel „Racheopfer“ ist ebenfalls gut gewählt, er passt zum Buch.