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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2023

Mäßig spannender, trotzdem unterhaltsamer Auftakt einer neuen Krimireihe

Verschwiegen
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Im ersten Band der „Mörderisches Island“-Reihe um die Polizistin Elma kehrt diese nach einem traumatischen Beziehungsende in ihren Geburtsort Akranes zurück. Nachdem sie sich in ihrer neuen Dienststelle ...

Im ersten Band der „Mörderisches Island“-Reihe um die Polizistin Elma kehrt diese nach einem traumatischen Beziehungsende in ihren Geburtsort Akranes zurück. Nachdem sie sich in ihrer neuen Dienststelle langsam eingewöhnt hat, wird in der beschaulichen Kleinstadt die Leiche einer unbekannten Toten aufgefunden, die offensichtlich ermordet wurde.

Die Autorin lässt den vielen verschiedenen Charakteren sehr viel Raum, sich zu entwickeln. Auch die Handlung wird eher langsam vorangetrieben. Besonders zu Beginn wird nicht immer deutlich, ob die beschriebenen Szenen für den weiteren Verlauf relevant sind. Trotzdem lässt sich der Schreibstil sehr angenehm lesen, wenn man sich auf das langsame Tempo und die Vielzahl an isländischen Namen einlassen mag. Von den Namen einmal abgesehen, hätte der Roman aber auch irgendwo am Meer spielen können, allzu viel Island-Atmosphäre wird nicht verbreitet.
Zeitlich spielt die Handlung auf zwei Ebenen, wobei eine lediglich kurze, aber sehr gelungene Einschübe in der Vergangenheit darstellt. Gerade diese machen den besonderen Reiz des Romans aus. Deutlich früher als die ermittelnden PolizistInnen erahnt man Zusammenhänge, wird aber auch auf falsche Fährten geführt. Gelegentlich gibt es hier ein Zuviel des Guten. Die Auflösung ist leider nicht mehr so überraschend und gibt nicht auf alle Fragen Antworten, weder für die handelnden Personen noch für die Lesenden. Vermutlich klärt die Autorin im Folgeband das eine oder andere Rätsel, aber der Fall selbst scheint abgeschlossen.

Trotz einiger Kritikpunkte ist der Krimi durchaus zu empfehlen. Wer sich auf die isländischen Namen und einen gemächlichen Spannungsaufbau einlassen mag, kommt hier sicher auf seine Kosten. Für mich ist die Fortsetzung kein Muss, aber ausschließen werde ich es auch nicht.

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Veröffentlicht am 13.02.2023

Reizvoller Blick hinter bürgerliche Fassaden

Happy New Year – Zwei Familien, ein Albtraum
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In der Schulzeit waren Nina und Lollo engste Freundinnen. Inzwischen haben sie fast erwachsene Töchter und verbringen mit ihren Familien nur noch bestimmte Feiertage miteinander. Als Lollos Tochter Jennifer ...

In der Schulzeit waren Nina und Lollo engste Freundinnen. Inzwischen haben sie fast erwachsene Töchter und verbringen mit ihren Familien nur noch bestimmte Feiertage miteinander. Als Lollos Tochter Jennifer nach der Silvesternacht spurlos verschwunden ist, stürzen beide Familien in eine tiefe Krise.

Malin Stehn beschreibt sehr ausführlich, welche Gefühle dieses Ereignis bei den einzelnen Personen auslöst. Abwechselnd schildern vor allem Nina, Lollo und Ninas Ehemann Fredrik das Geschehen aus ihrem Blickwinkel. Dabei entsteht wie bei einem Puzzle langsam ein vollständiges Bild, auch wenn einige Teile dann wieder korrigiert werden müssen. Die Charaktere sind durch dieses Stilmittel sehr detailliert beschrieben und auch glaubwürdig entwickelt. Echte Sympathieträger gibt es aber nicht.

Der Roman ist unterhaltsam und angenehm zu lesen, stellenweise aber etwas zu langatmig. Für einen Thriller feht es ein wenig an Spannung, trotzdem hat die Erzählweise einen besonderen Reiz.

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Veröffentlicht am 10.05.2022

Umstrittener Titel für einen Roman mit Tiefgang

Mongo
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Katja ist ungeplant schwanger und verzweifelt. Nicht, weil sie keine Kinder will, sondern weil sie fürchtet, ihr Kind könnte ebenso wie ihr Bruder Markus das Down-Syndrom haben. Harry ist von der Reaktion ...

Katja ist ungeplant schwanger und verzweifelt. Nicht, weil sie keine Kinder will, sondern weil sie fürchtet, ihr Kind könnte ebenso wie ihr Bruder Markus das Down-Syndrom haben. Harry ist von der Reaktion seiner Freundin überfordert und sucht für sich einen sehr rationalen Weg, mit der Situation umzugehen. Er beginnt, eine Art Pro und Contra – Liste zu erstellen, in der er seine persönlichen Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen Revue passieren lässt.

In der Kindheit des Autors gab es wenige Kontakte zu Menschen mit Behinderung, und wenn war das eigene Verhalten gedankenlos oder sogar brutal. Erst durch Katjas Bruder ändert sich das. Unsicher, liebevoll und manchmal auch einfach zu naiv geht Harald Darer mit seinem Schwager um.
Katjas Verhältnis zu ihrem Bruder hingegen ist ambivalent. Einerseits liebt sie ihn und will ihn schützen, andererseits hat Markus Behinderung Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben gehabt, die sie so nicht wollte. Ihre Eltern haben ihr dabei nicht wirklich zur Seite gestanden und viel zu wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse des "gesunden" Kindes genommen.

Mich hat sehr beeindruckt, wie der Autor die Unsicherheit beschreibt, die die werdenden Eltern angesichts des eigentlich erfreulichen Ereignisses empfinden. Dazu gehören die recht drastischen Erfahrungen mit Ärzten, die pränatale Diagnostik ohne Empathie betreiben.

Der Sprachstil ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig und ich hatte auch Verständnisschwierigkeiten bei einigen österreichischen Begriffen. Trotzdem habe ich diesen Roman gerne gelesen und fand die Mischung aus ernster Thematik mit viel Humor und Situationskomik gelungen. Der Autor lässt keinen Zweifel daran, dass Menschen mit Trisomie 21 das gleiche Recht auf ein glückliches und möglichst selbstbestimmtes Leben haben wie alle anderen auch. Und das das Zusammenleben vielleicht nicht immer einfach ist, aber trotzdem bereichernd sein kann.

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Veröffentlicht am 25.04.2022

Beeindruckende und teilweise bedrückende Schilderung einer Nachkriegskindheit

Die Molche
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Die Familie des elfjährigen Max ist nach dem zweiten Weltkrieg in einem bayerischen Dorf untergekommen. Der Vater lebt in der Woche in Berlin, ist nur am Wochenende da und auch dann nicht wirklich anwesend. ...

Die Familie des elfjährigen Max ist nach dem zweiten Weltkrieg in einem bayerischen Dorf untergekommen. Der Vater lebt in der Woche in Berlin, ist nur am Wochenende da und auch dann nicht wirklich anwesend. Die Mutter ist zwar zugewandt, hat aber mit vier Kindern und dem Haushalt genug zu tun. Auch die meisten anderen Erwachsenen im Dorf sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Deshalb nehmen sie nicht wahr, dass eine Gruppe von Jungen die Außenseiter terrorisiert. Als Max' jüngerer Bruder bei einem dieser Übergriffe getötet wird, trauen sich die anderen Kinder nicht einzugreifen. Und die Erwachsenen wollen an einen tragischen Unfall glauben und ignorieren die sichtbaren Zeichen. Als Max schließlich doch Freunde findet und die anderen Kinder sich auch nicht mehr unterdrücken lassen wollen, beschließen sie sich gegen ihre Peiniger zu wehren.


Der Roman wird aus dem Blickwinkel des Elfjährigen erzählt. Er beschreibt die Ängste und Unsicherheiten des Jungen, der zunächst allein mit seinen Schuldgefühlen zurechtkommen muss. Zunächst ohne Freunde retten ihn seine Streifzüge durch die Natur, die er immer weiter ausdehnt. Insbesondere die Titelgebenden Molche haben es ihm angetan. In der Natur findet Max die Ruhe und Sicherheit, die er in seinem Leben sonst nicht findet. Die Welt der Erwachsenen ist ihm unverständlich, er findet insbesondere bei seinem Vater auch kein Gehör für seine Fragen.

Als Max endlich Freunde findet, sind darunter auch ein paar Mädchen. Sie faszinieren ihn, verunsichern ihn aber auch. Erste sexuelle Kontakte verstören ihn mehr, als das er sie genießen kann.


Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich in diesem Roman angekommen bin. Der Beginn ist drastisch und verstörend, gerade weil er aus der Sicht eines Kindes beschrieben wird. Nach diesem furiosen Auftakt fehlte mir das Tempo. Die ohne Frage sehr gelungenen Landschafts- und Naturbeschreibungen sind grundsätzlich nicht so mein Fall, deshalb hat es auch da gedauert, bis ich sie gebührend gewürdigt habe. Außerdem hat es mich beeindruckt, dass ich tatsächlich ein Gefühl für die damalige Zeit und den Ort der Handlung bekommen habe. Wie in einem Film hatte ich Bilder der Personen, ihrer Reaktionen und der gesamten Umgebung im Kopf. Lediglich Max habe ich mir zwischendurch aufgrund seiner Sprache deutlich älter vorgestellt.


Die Molche haben mich erst nach einer Weile wirklich gefesselt, aber dann habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Liebhaber:innen von Naturbeschreibungen können mit diesem lesenswerten Roman sicher noch deutlich mehr anfangen.

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Veröffentlicht am 28.03.2022

Unterhaltsam und gut geschrieben, allerdings auch zu vorhersehbar

DIE LÜGEN
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Lizzie ist Epileptikerin und ihr bisheriges Leben ist durch ihre Krankheit bestimmt worden. Tragischer Höhepunkt war der Unfalltod ihrer Freundin Alice, als die damals 13-jährigen Mädchen gemeinsam unterwegs ...

Lizzie ist Epileptikerin und ihr bisheriges Leben ist durch ihre Krankheit bestimmt worden. Tragischer Höhepunkt war der Unfalltod ihrer Freundin Alice, als die damals 13-jährigen Mädchen gemeinsam unterwegs waren und Lizzie einen Anfall hatte. Das genaue Geschehen konnte nie aufgeklärt werden, weil Lizzie sich nur bruchstückhaft erinnern konnte. Mitschülerinnen und Alice' ältere Schwester Catherine haben ihr deshalb das Leben zur Hölle gemacht.

Inzwischen ist Lizzie Mitte Zwanzig, plant endlich zu studieren und zieht mit ihrem Verlobten Ross in sein neues Haus in London. Zur Einweihungsfeier kommt das gesamte Kollegium des Arztes. Völlig unvorbereitet steht Lizzie nach vielen Jahren Catherine gegenüber, die inzwischen als Krankenschwester arbeitet. Nach dem ersten großen Schock fast Lizzie Vertrauen zu Catherine und zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft...


„Die Lügen“ ist mein erstes Buch der Autorin, deren Roman „Das Gerücht“ mir wiederholt empfohlen wurde. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Tatsächlich ist mein Fazit zweigeteilt. Der Schreibstil lässt sich wirklich sehr gut lesen, man fliegt nur so über die Seiten. Das liegt sicher auch daran, dass es relativ wenige Charaktere gibt und die dann auch nicht sehr komplex sind. Leider liegt darin auch eine Schwäche des Buches. Die Charakterzeichnungen sind fast schon plakativ, ohne dass es wirkliche Sympathieträger:innen gibt. Selbst Lizzie mit ihrer Naivität, die ein eher anachronistisches Frauenbild verkörpert, konnte bei mir nicht wirklich punkten.

Der Spannungsaufbau war leider auch nicht so überzeugend, ab einem recht frühen Zeitpunkt war zumindest ein Teil der Auflösung deutlich vorhersehbar. Das Ende wirkte dann fast ein bisschen zu gedrängt, als müsste die Autorin zum Abschluss kommen.


Eine Leseempfehlung würde ich deshalb nicht geben, aber für zwischendurch ist dieser Roman aufgrund des Schreibstils durchaus geeignet.

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