Gelehrte Höflichkeit und messerscharfer Verstand
Die Rätsel meines GroßvatersMasateru Konishis zweiter Band ist ein hervorragender Roman, der den Leser tief in die japanische Kultur eintauchen lässt. Auch wenn der Einstieg aufgrund der fremdartigen Namen und kulturellen Gepflogenheiten ...
Masateru Konishis zweiter Band ist ein hervorragender Roman, der den Leser tief in die japanische Kultur eintauchen lässt. Auch wenn der Einstieg aufgrund der fremdartigen Namen und kulturellen Gepflogenheiten etwas holprig und gewöhnungsbedürftig sein mag, lohnt es sich, dranzubleiben.
Im Mittelpunkt steht die junge Lehrerin Kaede, die nicht nur von einem persönlichen Trauma begleitet wird, sondern auch in ihren Liebesgefühlen noch unsicher ist. Die Seele des Buches ist jedoch die Beziehung zu ihrem außergewöhnlich intelligenten Großvater. Trotz seiner fortschreitenden Demenz verbindet die beiden die Leidenschaft für Kriminalliteratur. Das gemeinsame Rätseln über Bücher wird zur therapeutischen Brücke: Hier ist die Krankheit des alten Mannes weniger spürbar, und seine geistige Brillanz blitzt immer wieder auf.
Konishi zeichnet ein feinfühliges Bild der japanischen Gesellschaft, in der Gemeinschaftssinn und tiefe Höflichkeit fest verwurzelt sind. Die Geschichte ist leise und nachdenklich erzählt, entwickelt aber gerade durch diese Ruhe eine emotionale Tiefe, die lange nachhallt.
Obwohl manche Rätsellösungen etwas vorhersehbar wirken, überzeugt das Buch durch seinen angenehmen Schreibstil und die charmante Erzählweise. Ein besonderes Highlight ist zudem die optische Gestaltung mit dem wunderschönen Farbschnitt, der den Roman auch im Regal zu einem Hingucker macht.
Fazit: Ein warmherziger, „leiser“ Krimi mit viel Herz und Verstand. Ideal für Leser, die kluge Rätsel und berührende Familiengeschichten vor exotischer Kulisse lieben. 4 von 5 Sternen