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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Ein besonderer Familienroman

Real Americans
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Zunächst begleiten wir Lily im New York der späten 90er, später ihren Sohn Nick auf der Suche nach seiner Herkunft und schließlich führt uns der Roman noch weiter zurück in die Vergangenheit der Familie. ...

Zunächst begleiten wir Lily im New York der späten 90er, später ihren Sohn Nick auf der Suche nach seiner Herkunft und schließlich führt uns der Roman noch weiter zurück in die Vergangenheit der Familie. Drei Perspektiven, drei Zeiten, die eng miteinander verwoben sind.
Ich bin sehr gut in die Geschichte hineingekommen. Der Schreibstil ist eher ruhig, mit einer sehr angenehme Erzählstimme, bei der man durch die Seiten fliegt. Trotzdem blieb mir Lily im ersten Abschnitt emotional etwas fremd. Es war, als würde ich sie beobachten, aber nicht ganz an sie herankommen. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die jeweils eine andere Figur in den Mittelpunkt stellen. Zum jeweiligen Inhalt möchte ich bewusst nicht mehr sagen, um nicht zu spoilern. Denn gerade die Verbindungen zwischen den einzelnen Abschnitten entfalten ihre Wirkung erst beim Lesen selbst. Am meisten berührt hat mich tatsächlich der dritte Teil. Hier war für mich plötzlich mehr emotionale Tiefe spürbar und ich habe wirklich mitgefiebert.
Die Themen sind groß: Identität, Migration, Familie, soziale Unterschiede, Wissenschaft und Genforschung. Die Idee hinter dem Roman finde ich unglaublich spannend. Gleichzeitig hatte ich stellenweise das Gefühl, dass vieles angerissen wird, aber nicht immer ganz in die Tiefe geht. Die große Auflösung, der eine emotionale „Knall“, blieb für mich am Ende etwas aus. Ich weiß nicht, was genau ich aus diesem Buch mitnehme. Und vielleicht ist genau das der Punkt: diese Geschichte regt zum Nachdenken, zum Hinterfragen, zum Reflektieren an.
Ich kann absolut verstehen, warum dieser Roman so viele begeistert. Auch wenn er mich nicht komplett umgehauen hat, habe ich ihn sehr gern gelesen.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Drei sind eine zu viel

Spielverderberin
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Sophie und Lotte waren fast über die gesamte Schulzeit eng miteinander befreundet. Sie leben auf dem Land und lieben das Dorfleben. Dann taucht Romy auf, ihre Familie stammt aus München, sie ist ganz anders ...

Sophie und Lotte waren fast über die gesamte Schulzeit eng miteinander befreundet. Sie leben auf dem Land und lieben das Dorfleben. Dann taucht Romy auf, ihre Familie stammt aus München, sie ist ganz anders als die beiden und drängt sich in diese Freundschaft.

Die Geschichte beginnt beim Wiedersehen der drei nach längerer Funkstille und springt immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Erzählt wird aus Sophies Perspektive. Ihre Unsicherheit und innere Zerrissenheit sind spürbar.

Ich fand die Erzählweise grundsätzlich authentisch, auch wenn sie mir das Lesen nicht immer leicht gemacht hat. Gerade zu Beginn neuer Kapitel war für mich nicht immer sofort klar, in welcher Zeit und in welchem Umfeld wir uns gerade befinden. Gleichzeitig passt diese fragmentarische Struktur gut zur Geschichte, denn vieles bleibt unausgesprochen, angedeutet oder bewusst offen. Selbstzweifel, Schuld, Eifersucht, Zugehörigkeit und das ständige Vergleichen mit anderen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman und trotzdem ist es kein typischer Coming-of-Age Roman, finde ich.

Besonders Sophie wirkt auf mich als Figur sehr unsicher. Sie orientiert sich stark an anderen und scheint ihren eigenen Weg noch nicht gefunden zu haben. Das ist einerseits glaubwürdig erzählt, hat andererseits aber auch dazu geführt, dass ich emotional eher auf Distanz geblieben bin. Das trifft auch auf die anderen Figuren zu.

Der Roman lebt von Stimmungen, Erinnerungen und zwischenmenschlichen Dynamiken. Das langsame Enthüllen eines dunklen Ereignisses aus der Vergangenheit sorgt für Spannung, auch wenn der große Knall am Ende für mich eher verhalten ausgefallen ist. Insgesamt ist dieses Debüt eine ruhige, psychologisch angelegte Geschichte über Freundschaft und ihre Schattenseiten, das bewusst keine einfachen Antworten liefert.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Loki - King of Morally Grey

Loki − Her Twisted Heart
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Oh mein Gott. Wortwörtlich. Dieses Buch ist für mich ein absolutes Must-Read für alle Loki-Fans. Ich hatte hohe Erwartungen und war gleichzeitig ein bisschen skeptisch, doch Franka Neubauer hat hier ein ...

Oh mein Gott. Wortwörtlich. Dieses Buch ist für mich ein absolutes Must-Read für alle Loki-Fans. Ich hatte hohe Erwartungen und war gleichzeitig ein bisschen skeptisch, doch Franka Neubauer hat hier ein echtes Highlight abgeliefert.
Harlow hasst die Götter, und das aus gutem Grund. Als ihr Dorf angegriffen wird und ihre beste Freundin dringend ein Heilmittel benötigt, bleibt ihr nur ein verzweifelter Ausweg: ein Pakt mit Loki, dem Gott der List und Lügen. Es folgt eine gefährliche Mission, ein Fluch, der Abstand unmöglich macht, und ein Zusammenspiel aus Hass, Misstrauen, Anziehung und unausgesprochenen Gefühlen, das mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen hat. Harlow ist eine starke, mutige Protagonistin und für Loki eine absolut würdige Partnerin. Sie kann sich gegen ihn behaupten, ihm Paroli bieten und verfällt doch seinem unvergleichlichen Charme. Und Loki? Morally grey: charmant, listig, gefährlich und doch mit einem Gewissen, das ihm selbst im Weg steht. Seine inneren Konflikte zwischen eigenen Plänen und echten Gefühlen für Harlow, vor allem seine Gedankenwelt, waren für mich eines der Highlights. Die Wortgefechte zwischen den beiden sind großartig. Die Anziehung baut sich langsam, glaubwürdig und intensiv auf. Über weite Strecken, vor allem bei den Kapiteln aus Lokis POV (von denen es gerne noch mehr hätte geben dürfen), habe ich das Hörbuch gehört. Loki wird von Peter Lontzek gesprochen, der deutschen Synchronstimme von Tom Hiddleston. Ich muss nicht erwähnen, dass ich mein Pokerface dabei absolut nicht halten konnte, oder? Ganz große Empfehlung fürs Hörbuch.
Das Ende wartet selbstverständlich mit einem richtig fiesen Cliffhanger, aber auch mit offenen Fragen, die viel Potential für das weitere Geschehen bieten. Ich brauche Band zwei. Sofort.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

The Vampire Diaries meets Gladiator

We Who Will Die
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Arvelle lebt mit ihren beiden jüngeren Brüdern im gefährlichen Dorn-Distrikt. Als einer ihrer Brüder schwer erkrankt, lässt sie sich auf einen magischen Schuldschwur ein: Sie soll den Imperator töten, ...

Arvelle lebt mit ihren beiden jüngeren Brüdern im gefährlichen Dorn-Distrikt. Als einer ihrer Brüder schwer erkrankt, lässt sie sich auf einen magischen Schuldschwur ein: Sie soll den Imperator töten, einen uralten Vampir. Um überhaupt in seine Nähe zu kommen, muss Arvelle zunächst die Auslese überstehen, einen brutalen Wettkampf in der Arena. Während des Trainings gerät sie immer tiefer in eine Verschwörung und zwischen zwei Vampire, zu denen sie sich jeweils auf ihre eigene Weise hingezogen fühlt.
Arvelle ist eine kämpferische und loyale Protagonistin. Sie würde alles für ihre Brüder tun und ich mochte sie von Beginn an. Die beiden männlichen Vampire bleiben dagegen, wie zu erwarten, eher verschlossen und mysteriös. Auch die Arena- und Trainingsszenen haben mir gut gefallen, wenn man das bei der Brutalität überhaupt so sagen kann. Sie zeigen sehr deutlich, wie gnadenlos diese Welt ist.
Die Geschichte ist High Fantasy mit Romantasy-Elementen, wobei ich ehrlich gesagt mit deutlich mehr Spice gerechnet hatte. Außerdem hatte ich relativ schnell das Gefühl, in einem "The Vampire Diaries" meets "Gladiator"-Setting gelandet zu sein. Es wirkt ein wenig so, als würde die Autorin zu viele (magische) Elemente miteinander kombinieren. Gerade was die Dynamik zwischen Arvelle und den beiden genannten Vampiren betrifft, war daher manches recht vorhersehbar und einige Wendungen haben mich nicht wirklich überrascht. Auf den letzten Seiten passiert sehr viel und das macht irgendwie schon neugierig auf den zweiten Band.
Unterm Strich wurde ich gut unterhalten, denn der Schreibstil ist sehr mitreißend, auch wenn meine Erwartungen vielleicht etwas zu hoch waren. 

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Eine stille Geschichte über Briefe und das Leben

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Hyoyeong hat ihr Studium abgebrochen und plötzlich fühlt sich ihr Leben ungewohnt ungewiss an. Als Aushilfe im Letter Shop beginnt sie, zwischen Briefpapier, handgeschriebenen Worten und den Geschichten ...

Hyoyeong hat ihr Studium abgebrochen und plötzlich fühlt sich ihr Leben ungewohnt ungewiss an. Als Aushilfe im Letter Shop beginnt sie, zwischen Briefpapier, handgeschriebenen Worten und den Geschichten anderer Menschen langsam wieder Halt zu finden.
Für südkoreanische Literatur empfand ich diesen Roman als überraschend modern, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau her. Er liest sich wie ein klassischer Belletristikroman und war für mich dadurch sehr zugänglich. Besonders hilfreich fand ich die Übersicht der Figuren zu Beginn, inklusive der Hinweise zur Aussprache der Namen.
Im Mittelpunkt stehen der Letter Shop und die Geschichten seiner Besucherinnen und Besucher. Es sind viele kleine Schicksale, Hoffnungen, Verluste und Sehnsüchte, die über den Penpal Service, eine Art anonyme Brieffreundschaft, offenbart werden. Manche dieser Geschichten haben mich wirklich sehr berührt. Gut möglich, dass ich aktuell besonders empfänglich für emotionale Geschichten bin, aber diese waren für mich das Herzstück des Romans. Natürlich geht es um die Liebe zum geschriebenen Wort. Um Briefe, um das Schreiben an sich und darum, dass man manche Dinge auf Papier besser ausdrücken kann als im Gespräch. Wann schreibt man heute noch einen richtigen Brief? Bei mir sind es höchstens Postkarten. Dieses Buch erinnert daran, wie kraftvoll Worte sein können, wenn man ihnen Raum gibt.
Dass der Letter-Shop ein reales Vorbild hat, rückt die Geschichten und die geschriebenen Briefe noch einmal in ein ganz besonderes Licht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die asiatische Literatur und ruhige, entschleunigende Geschichten mögen.

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