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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2026

Eine stille Geschichte über Briefe und das Leben

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Hyoyeong hat ihr Studium abgebrochen und plötzlich fühlt sich ihr Leben ungewohnt ungewiss an. Als Aushilfe im Letter Shop beginnt sie, zwischen Briefpapier, handgeschriebenen Worten und den Geschichten ...

Hyoyeong hat ihr Studium abgebrochen und plötzlich fühlt sich ihr Leben ungewohnt ungewiss an. Als Aushilfe im Letter Shop beginnt sie, zwischen Briefpapier, handgeschriebenen Worten und den Geschichten anderer Menschen langsam wieder Halt zu finden.
Für südkoreanische Literatur empfand ich diesen Roman als überraschend modern, sowohl vom Stil als auch vom Aufbau her. Er liest sich wie ein klassischer Belletristikroman und war für mich dadurch sehr zugänglich. Besonders hilfreich fand ich die Übersicht der Figuren zu Beginn, inklusive der Hinweise zur Aussprache der Namen.
Im Mittelpunkt stehen der Letter Shop und die Geschichten seiner Besucherinnen und Besucher. Es sind viele kleine Schicksale, Hoffnungen, Verluste und Sehnsüchte, die über den Penpal Service, eine Art anonyme Brieffreundschaft, offenbart werden. Manche dieser Geschichten haben mich wirklich sehr berührt. Gut möglich, dass ich aktuell besonders empfänglich für emotionale Geschichten bin, aber diese waren für mich das Herzstück des Romans. Natürlich geht es um die Liebe zum geschriebenen Wort. Um Briefe, um das Schreiben an sich und darum, dass man manche Dinge auf Papier besser ausdrücken kann als im Gespräch. Wann schreibt man heute noch einen richtigen Brief? Bei mir sind es höchstens Postkarten. Dieses Buch erinnert daran, wie kraftvoll Worte sein können, wenn man ihnen Raum gibt.
Dass der Letter-Shop ein reales Vorbild hat, rückt die Geschichten und die geschriebenen Briefe noch einmal in ein ganz besonderes Licht. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die asiatische Literatur und ruhige, entschleunigende Geschichten mögen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Die Stimme einer Königin

Kleopatra
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Als junge Frau besteigt Kleopatra den Thron, wird Pharaonin und muss ihr Reich nicht nur gegen äußere Bedrohungen verteidigen, sondern vor allem gegen Intrigen aus den eigenen Reihen. Sie wird hier nicht ...

Als junge Frau besteigt Kleopatra den Thron, wird Pharaonin und muss ihr Reich nicht nur gegen äußere Bedrohungen verteidigen, sondern vor allem gegen Intrigen aus den eigenen Reihen. Sie wird hier nicht zur Legende stilisiert, sondern als denkende, fühlende, zweifelnde und zugleich unglaublich entschlossene Frau gezeigt.

Obwohl ich mich sehr für antike Geschichte interessiere, habe ich mich zuvor nie intensiv mit Kleopatra beschäftigt. Die Quellenlage ist bekanntlich dünn und genau das greift die Autorin auf. Sie gibt Kleopatra eine eigene Stimme und lässt bewusst offen, was historisch belegt und was literarische Fiktion ist. Viele Elemente sind klar als Fiktion erkennbar und manches fühlte sich für mich nicht ganz stimmig an. Und doch habe ich mich dabei ertappt, warum ich das überhaupt infrage stelle. Denn hier erzählt Kleopatra selbst ihre Geschichte und darin liegt für mich die große Stärke und Faszination dieses Romans.

Der Schreibstil ist detailreich, atmosphärisch und durchgehend fesselnd. Genial fand ich die Darstellung der Beziehung zu Caesar. Diese Geschichte glaubt man zu kennen, doch hier wird sie neu und differenziert erzählt, vor allem durch die eindrucksvolle Darstellung Caesars, bei der sein berühmtes Charisma besonders überzeugend zur Geltung kommt. Die spätere Beziehung zu Antonius war mir hingegen etwas zu romance lastig. Zusätzlich zieht sich eine mythologische Ebene durch die Handlung, die klar dem Bereich der Fiktion zuzuordnen ist, der Geschichte aber Tiefe verleiht und hilft, Kleopatras Denken und Handeln besser zu begreifen. Dadurch hebt sich der Roman deutlich von klassischen historischen Erzählungen ab. Ich möchte ihn auch gar nicht mit anderen mythologischen Neuerzählungen vergleichen, denn Kleopatra steht hier ganz für sich.

Der feministische Blick auf diese Figur ist längst überfällig. Kleopatra wird nicht auf die Rolle der Verführerin reduziert. Sie ist Pharaonin, Herrscherin, Mutter, Ehefrau, Geliebte, Heilerin, politische Strategin und spirituell Suchende zugleich. Immer wieder wendet sie sich direkt an die Leser:innen, stellt Dinge klar, fordert zum Hinterfragen auf und erinnert daran, dass Geschichte von Männern geschrieben wurde und Frauen darin oft verzerrt dargestellt oder als Feindbild betrachtet werden.

Dieses Buch ist weder klassischer historischer Roman noch Sachbuch, sondern eine intensive Auseinandersetzung mit Macht, Identität und Selbstbestimmung. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und einer der bekanntesten Frauen der Geschichte neue Facetten verleiht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich auf etwas Besonderes einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 04.01.2026

Winter, Stille, Achtsamkeit

Drei Tage im Schnee
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Hannah steckt fest in einem Leben, das vollgepackt ist mit Arbeit, Terminen und dem ständigen Checken von E-Mails. Um einmal wirklich durchzuatmen, zieht sie sich für ein paar Tage in ein kleines Haus ...

Hannah steckt fest in einem Leben, das vollgepackt ist mit Arbeit, Terminen und dem ständigen Checken von E-Mails. Um einmal wirklich durchzuatmen, zieht sie sich für ein paar Tage in ein kleines Haus in winterlicher Abgeschiedenheit an einem See zurück. Dort begegnet sie dem Mädchen Sophie und diese Begegnung verändert mehr, als Hannah zunächst wahrhaben möchte.
Diese Geschichte ist leise. Ruhig. Nachdenklich. Es passiert nicht viel im klassischen Sinne, aber innerlich dafür umso mehr. Hannahs Gedanken, ihre Zweifel und diese innere Stimme, die wir wohl alle kennen, fühlten sich für mich sehr nahbar an. Beim Lesen habe ich mich mehrfach ertappt gefühlt, sei es beim Thema Arbeit, bei dem Gefühl, nie ganz mit sich selbst zufrieden zu sein, oder bei dem Versuch, es allen recht machen zu wollen.
Die winterliche Atmosphäre hat mir besonders gut gefallen, zumal es bei uns gerade geschneit hat. Das Timing für dieses Buch war also perfekt. Schnee, Kälte und Stille ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und schaffen eine ganz eigene, fast entschleunigende Stimmung. Sophie eröffnet Hannah einen anderen Blick auf die Welt, kindlich, ja, aber auch schonungslos ehrlich.
An manchen Stellen wird es ein wenig kalenderspruchartig, womit ich mich eher schwer tue. Dennoch denke ich, dass mich gut auf die Atmosphäre und vor allem auf die Botschaft der Geschichte einlassen konnte. Ich hoffe, dass mich viele dieser positiven Gedanken noch ins neue Jahr begleiten und ich achtsamer mit mir selbst umgehen werde.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Fake-Dating bei Olympia

One Date to Gold
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Snowboarderin Amie steht kurz davor, sich ihren größten Traum zu erfüllen: ein Start bei den Olympischen Winterspielen. Doch plötzlich steht sie im Rampenlicht und die mediale Aufmerksamkeit wird ihr zu ...

Snowboarderin Amie steht kurz davor, sich ihren größten Traum zu erfüllen: ein Start bei den Olympischen Winterspielen. Doch plötzlich steht sie im Rampenlicht und die mediale Aufmerksamkeit wird ihr zu viel. Ein Fake-Dating-Deal mit dem selbstverliebten Eishockeykapitän Hunter soll helfen, die Presse auf Abstand zu halten: ohne Gefühle, versteht sich.
Sports Romance lese ich inzwischen richtig gern und dann auch noch mit dem Setting Olympische Winterspiele. Ich liebe Wintersport, freue mich schon sehr auf Olympia und war deshalb sofort neugierig. Amie mochte ich von Anfang an. Ihr Traum ist greifbar nah und gleichzeitig schleppt sie mental einiges mit sich herum. Themen wie Leistungsdruck und Selbstzweifel werden sensibel aufgegriffen. Hunter ist dagegen… ja… fast ein Klischee. Für die Medien ist er "The Hawk", der Badboy schlechthin, und unter der harten Schale steckt natürlich ein marshmallowweicher Kern inklusive Trauma. Das fand ich ehrlich gesagt etwas platt. Zum Glück funktioniert die Dynamik zwischen den beiden trotzdem richtig gut. Die Wortgefechte sind unterhaltsam und das Fake-Dating-Trope ist gelungen umgesetzt. Neben der Romance konnten mich vor allem die Themen Selbstfindung, der Glaube an sich selbst, Familie und Feminismus überzeugen. Das winterliche Setting und die Olympia-Atmosphäre mochte ich insgesamt sehr, auch wenn ich als Sportbegeisterte an manchen Stellen etwas streng sein muss. Einige Abläufe wirkten unrealistisch oder wurden schlicht nicht korrekt dargestellt.
Trotzdem hatte ich richtig schöne Lesestunden, wurde gut unterhalten und habe das bekommen, was ich mir von einer Winter Sports-Romance erhofft habe. Wer Fake-Dating liebt, Winter-Vibes sucht, es spicy mag und mit einer Portion Kitsch leben kann, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 29.12.2025

Starkes Fantasy-Debüt

Heir of Illusion
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Ivy verfügt über die Gabe der Illusion, doch ein verfluchter Halsring bindet sie an König Baylor. Als Phantom und unfreiwillige Assassinin sorgt sie dafür, dass seine Macht unangefochten bleibt – ob sie ...

Ivy verfügt über die Gabe der Illusion, doch ein verfluchter Halsring bindet sie an König Baylor. Als Phantom und unfreiwillige Assassinin sorgt sie dafür, dass seine Macht unangefochten bleibt – ob sie will oder nicht. Als der geheimnisvolle Seelenfänger Thorne auftaucht und ausgerechnet die Waffe sucht, die Ivy für ihre eigene Freiheit braucht, eröffnet sich ihr zum ersten Mal ein Ausweg. Doch ein Bündnis mit ihm ist gefährlicher, als sie ahnt.

Ich mochte Ivy als Protagonistin unglaublich gerne. Sie ist verletzlich, wütend, klug und durch und durch kämpferisch. Eine Figur, deren innere Stärke man einfach spürt. Der mysteriöse Thorne bringt von Anfang an Spannung in die Geschichte, und die Dynamik zwischen den beiden ist für mich eines der Highlights dieses Buches. Die Dialoge sind einfach auf den Punkt. Das Worldbuilding und das Magiesystem hätten für meinen Geschmack an einzelnen Stellen etwas ausführlicher sein dürfen, trotzdem hat mich die Atmosphäre komplett überzeugt. Insgesamt erinnert der Vibe stark an Carissa Broadbent: düster, brutal und emotional. Dass Baylor Ivy als sein "Häschen" bezeichnet, naja.. lassen wir mal so stehen. Ich war mir lange Zeit absolut sicher, den Plot durchschaut zu haben, aber wurde am Ende eines besseren belehrt. Vor allem im letzten Drittel gibt es viele Wendungen die dafür sorgen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Für mich ein starkes und fesselndes Fantasy-Debüt, das Lust auf den zweiten Band macht. Leseempfehlung für alle Fantasy- und Romantasy-Fans!

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