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Veröffentlicht am 16.02.2025

Solider Ostsee-Krimi

Die Brandung – Leichenfischer
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“Die Brandung - Leichenfischer” von Karen Kliewe ist der zweite Teil der Reihe um das dänisch-deutsche Ermittlerduo Fria Svensson und Ohlsen Ohlsen in der Flensburger Grenzregion. Vielleicht liegt es daran, ...

“Die Brandung - Leichenfischer” von Karen Kliewe ist der zweite Teil der Reihe um das dänisch-deutsche Ermittlerduo Fria Svensson und Ohlsen Ohlsen in der Flensburger Grenzregion. Vielleicht liegt es daran, dass ich den ersten Teil noch nicht gelesen habe, aber ich verstehe nicht, wieso die Reihe “Die Brandung” heißt. Das klingt zwar gut und die Krimis spielen direkt an der Ostsee, aber ansonsten steht da nichts in Bezug zu einem aufgewühlten Meer. Der Klappentext lockt mit dem unvollendeten Satz, dass Kommissar Ohlsen einen “verhängnisvollen Fehler” begeht - was auch gut klingt, aber sich auch nicht wirklich im Buch wiederfinden lässt.

Das Äußere des Buches gefällt mir eigentlich sehr gut, abgesehen von den oben genannten Problemen. Nun zum Inhalt: Die Geschichte wird in mehreren parallelen Handlungssträngen erzählt, bei denen man nach und nach versteht, ob und wie sie zusammenhängen. Von den Hauptfiguren mag ich besonders Fria und ihre Familie, die scheinen ziemlich chaotisch, impulsiv und liebenswert zu sein. Die private Beziehung zwischen Fria und Ohlsson konnte ich nicht ganz einordnen, aber da fehlt mir wohl das erste Buch. Für das Verständnis des Falles braucht man das jedoch nicht.

Die Autorin schreibt lebendig und angenehm und wirft immer mal wieder lokale Eigenheiten ein (oder zumindest, was ich so aus der Ferne als lokale Eigenheiten bezeichnen würde), wie zum Beispiel Flensburger Bier oder Ohlsens handballverrückte Kollegen. Der ständige Wechsel zwischen den Erzählsträngen und Sichtweisen der erzählenden Figuren war für mich kein Problem und ließ sich flüssig lesen. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf und gipfelt in einem spannenden Ende. Nur die Auflösung kam mir etwas konstruiert vor, etwas zu bemüht, uns Leserinnen in die Irre zu führen. Und die eine oder andere Nebenhandlung hätte es für meinen Geschmack auch nicht gebraucht.

Fazit: Ich mag Ostsee-Krimis, und dieser hier reiht sich gut ein. Allerdings hat es mich nicht völlig vom Hocker gerissen.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Innen hui - Außen auch hui

Deep Fake
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Mein erster Eindruck: “Wow!” - Das Buch leuchtet richtig, wenn man es in der Hand hält. Die knallige rot-blau-lila Farbkombination des Covers und die tiefblauen Seitenränder sind wirklich ein Blickfang. ...

Mein erster Eindruck: “Wow!” - Das Buch leuchtet richtig, wenn man es in der Hand hält. Die knallige rot-blau-lila Farbkombination des Covers und die tiefblauen Seitenränder sind wirklich ein Blickfang. Und um es vorwegzunehmen: innen geht es genauso weiter.

Der Thriller “Deep Fake” von Cleo Konrad spielt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart wird die engagierte Lehrerin Mira de Luca kalt erwischt, als ein pornografisches Video von ihr im Netz auftaucht. Mira und ihr Mann sind sich sicher, dass es sich um ein Deep Fake handeln muss, die Öffentlichkeit und die Schulleitung sieht das natürlich erstmal anders; im Jahr 2003 zieht die 16-jährige Schülerin Katharina von Hohenberg, genannt Kat, mit ihrem Vater in das kleine Dorf Tannwinkel im Bayrischen Wald. Kat schreibt ein digitales Tagebuch, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten und erzählt uns die Geschehnisse im Sommer 2003 aus ihrer Sicht.
Die Autorin hebt die beiden Erzählungsstränge optisch voneinander ab, indem das Tagebuch grau hinterlegt ist und wie ein Computerausdruck wirkt. Zunächst laufen beide Stränge nebeneinander her und haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Das ändert sich natürlich und es wird immer klarer, dass alles irgendwie zusammenhängt, obwohl zwischen beiden Ebenen circa 20 Jahre und mindestens 800 Kilometer liegen (Mira wohnt in Berlin).

Ich fand das Buch am Anfang interessant und dann zunehmend spannender. Sobald klar war, dass alles irgendwie zusammenhängt, war ich damit beschäftigt zu rätseln, welche Personen und Motive ich identifizieren kann. Die Szenen sind klar und plastisch beschrieben und auch die Perspektive und Gedanken der jugendlichen Kat fand ich gelungen (zumindest soweit ich mich heute noch daran erinnern kann, wie man als Jugendliche so denkt). Das Thema Künstliche Intelligenz spielt logischerweise eine Rolle und ist, meiner Meinung nach, meistens gut umgesetzt. Damit meine ich, dass technische Aspekte teilweise recht genau beschrieben werden, das Thema dann aber wieder in den Hintergrund rückt und die persönlichen Schicksale nach vorne treten - vermutlich hilft dabei auch, dass 2003 noch nicht an KI zu denken war…
Es gibt zwar ein, zwei kleine Erklärungslücken und ab und an fand ich Szenen etwas weit hergeholt, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch - es ist ja immer noch ein fiktiver Roman.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Rundum gelungener Thriller

Allein gegen die Lüge
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"Allein gegen die Lüge" von Alex Finlay ist mir direkt durch das Cover ins Auge gestochen. Ich mag das kräftige Gelb, das so schön heraussticht und durfte feststellen, dass es in Echt noch besser aussieht.

Der ...

"Allein gegen die Lüge" von Alex Finlay ist mir direkt durch das Cover ins Auge gestochen. Ich mag das kräftige Gelb, das so schön heraussticht und durfte feststellen, dass es in Echt noch besser aussieht.

Der Inhalt hat mich zum Glück genauso wenig enttäuscht:
Matt Pine wird eines Tages von FBI Agentin Sarah Keller vor seinem Studentenwohnheim erwartet: seine Eltern und jüngeren Geschwister sind im Urlaub in Mexiko ums Leben gekommen. Das FBI ermittelt - angeblich, weil das ein normales Vorgehen ist, wenn amerikanische Staatsbürger im Ausland ums Leben kommen. Abgesehen davon sitzt Matts älterer Bruder Danny seit 7 Jahren in Haft, weil er seine damalige Freundin erschlagen haben soll. Der Prozess wurde unlängst in einer Netflix-Doku aufgearbeitet, die Matt und seine Familie zu mehr Bekanntheit brachte, als ihm lieb ist. Es steht der Verdacht im Raum, dass Danny unschuldig ist und Hinweise auf den tatsächlichen Täter nicht ernst genommen oder sogar verschleiert wurden. Bisher sind aber jegliche Versuche der Wiederaufnahme des Verfahrens gescheitert.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven in drei Zeitebenen erzählt. Matt und Sarah befinden sich im Heute, die Mitglieder von Matts Familie beschreiben die Ereignisse aus ihrer Sicht direkt vor dem Trip nach Mexiko und der Inhalt der Doku wird uns in Form des Drehbuchs näher gebracht. Der Teil mit dem Dokumentations-Skript hat mir besonders gut gefallen, da konnte ich mich direkt vor dem Fernseher sitzen sehen. Trotz der Komplexität konnte ich der Handlung gut folgen, allerdings habe ich mir zu Beginn zusätzlich noch ein paar Fakten zu Dannys Fall aufgeschrieben, um den Überblick zu behalten.
Das Buch ist flüssig geschrieben und sehr angenehm zu lesen. Es passiert viel und man springt in kurzen Kapiteln zwischen den einzelnen Perspektiven und Zeitebenen hin und her. Am Anfang war ich neugierig und fand es interessant und gegen Ende wurde es immer spannender.

Fazit: Ein rundum gelungener Thriller, der spannend ist, aber - zumindest mir - keine schlaflosen Nächte bereitet hat. Wer Thriller mag, die abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Brutal und spannend

Das zweite Kind
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Marco de Franchis Roman “Das zweite Kind” beginnt direkt mit einem Entführungsfall, um den sich Valentina Medici, Hauptkommissarin beim Zentralen Operationsdienst der Staatspolizei, kümmern soll. Fosco ...

Marco de Franchis Roman “Das zweite Kind” beginnt direkt mit einem Entführungsfall, um den sich Valentina Medici, Hauptkommissarin beim Zentralen Operationsdienst der Staatspolizei, kümmern soll. Fosco Agnelli, ein 12 jähriger Junge, wird nackt auf einer Straße aufgefunden und berichtet von einem grinsenden Mann mit langen, weißen Haaren, der ihn entführt und in einem Transporter festgehalten hat. Während die Ermittler noch nach Spuren suchen, wird in Volterra ein weiterer Junge entführt und sein Vater ermordet. Die Anzeichen eines Serientäters verdichten sich.

Das Buch hält was das Cover verspricht: es ist irgendwie schlicht und düster und passt zu der Szenerie, die ich mir bei der Beschreibung des ersten Auffindens von Fosco vorstelle. Außerdem wirken die Ränder leicht abgenutzt, so dass es sich um die alte Akte eines Cold Cases handeln könnte, von denen bei den Ermittlungen so einige zu Tage gefördert werden.

Der Fall ist von vorneherein schon undurchsichtig und wird mit der Zeit immer verworrener. Zunächst folgt man als Leser dem Fortschritt der Ermittlungen ausschließlich aus Sicht der Ermittler und ist somit auch nicht schlauer als diese. Später wechselt der Autor immer mal wieder kurz die Perspektive, bleibt aber im Großen und Ganzen beim ursprünglichen Ansatz.

De Franchi legt großen Wert auf die Beschreibung der Polizeiarbeit und die Zusammensetzung der Ermittlungsteams. Die Atmosphäre unter den Kollegen ist sachlich und respektvoll, was ich sehr angenehm finde. Sie arbeiten konstruktiv zusammen und halten sich nicht mit gegenseitigen Vorwürfen auf. Die Figuren sind durchweg interessant, wie zum Beispiel der Datenanalyst Loris Manna, der seine Kollegen mit seiner Detailverliebtheit immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringt, aber ebenso regelmässig entscheidende Hinweise zur Aufklärung des Falles ausgräbt. Im Laufe des Buches wird die Atmosphäre immer verbissener und persönliche Belange treten mehr in den Vordergrund.

Ich habe die 700 Seiten des Buches mit wachsender Geschwindigkeit durchgelesen. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm und die kurzen Kapitel machen es einem leicht, den Überblick zu behalten. Gegen Ende wird es ziemlich brutal, allerdings kam mir diese Brutalität so überzogen vor, dass mir das Ganze gar nicht so nah ging. Allerdings “musste” ich gegen Ende auch wirklich sehr schnell lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Harter Tobak

In Zeiten des Todes
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In Zeiten des Todes von Luca d'Andrea basiert auf einem wahren Verbrechen, das sich in den 90ern in und um Bozen ereignete. Die Erzählung und die Personen sind fiktiv, allerdings konnte ich bei der Lektüre ...

In Zeiten des Todes von Luca d'Andrea basiert auf einem wahren Verbrechen, das sich in den 90ern in und um Bozen ereignete. Die Erzählung und die Personen sind fiktiv, allerdings konnte ich bei der Lektüre des zugehörigen Wikipedia-Artikels durchaus Parallelen feststellen.
Der junge Commissario Luther Krupp soll 1992 den Mord an einer jungen, drogenabhängigen Prostituierten aufklären, die man mit mehreren Messerstichen im Körper aufgefunden hatte. Obwohl er von allen Seiten dazu gedrängt wird solch eine Lappalie wie eine weitere tote Prostituierte schnell zu den Akten zu legen, verbeißt sich Krupp geradezu in sein Gefühl, dass es sich bei diesem Mord nicht um Alltägliches handelt. Gemeinsam mit Sovrintendente Arianna Lici stürzt er sich in die Ermittlungen.
Krupp kämpft nicht nur gegen das Verbrechen, sondern auch gegen eingefahrene Strukturen und Verhaltensmuster in der Bozener Polizei, wo hier und da ein Auge zugedrückt wird und Willkür zur Tagesordnung gehört.
Gleichzeitig stolpert der junge Journalist Alex Milla als Fotograf über diesen Mord und soll nun auch der Sache auf den Grund gehen.

Der Mord und insbesondere die Drogenproblematik in Bozen werden ziemlich drastisch beschrieben. Alles wirkt düster und dreckig und auch die Zustände auf dem Polizeirevier bieten da keine Ausnahme. Das Buch lebt von der Härte des Falls und der Schicksale der Menschen - für meinen Geschmack war das eine Spur zu viel. Ich habe mich beim Lesen wiederholt gefragt, ob das wirklich so sein muss und musste mich etwas durchquälen.
Die Handlung erstreckt sich über mehrere Jahre (das Buch ist auch ein ganz schöner Wälzer) und es passiert nicht nur ein Mord in dieser ganzen Zeit, aber dennoch kommt keine richtige Spannung auf. Man schaut den Menschen auf allen möglichen Ebenen beim Scheitern zu, auch wenn es hier und da Lichtblicke gibt, die die Handlung vorantreiben.
Was ich ziemlich cool fand, und auch noch nie so gelesen hatte, war die Zusammenfassung einzelner Monate oder Jahre im Schnelldurchlauf. Danach wird man wieder mitten ins Geschehen geworfen und muss zusehen wie Commissario Krupp wie ein Besessener nach der Wahrheit (oder irgendeinem Schuldigen?) sucht. Die Art wie diese Szenen teilweise geschrieben sind, passt sich dieser Besessenheit an: zum Beispiel werden Gedanken oder Aussagen mehrfach wiederholt. Das passt zwar zum Stil des Romans, macht das Lesen aber noch etwas unangenehmer.

Fazit: wer harte Kriminalfälle und schonungslose Realität abkann und keine wirklich positiven Figuren braucht, für den ist das vermutlich genau das richtige Buch. Ich fand es letztendlich durchaus interessant, aber es war mir die meiste Zeit zu viel des Guten.

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