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Veröffentlicht am 06.09.2023

Eine tolle Vermittlung des Gefühls, bei den Großeltern geborgen zu sein

Sylter Welle
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"Sylter Welle" von Max Richard Leßmann ist ein Buch, das mir eine warme Erinnerung an die Zeit bei meinen eigenen Großeltern beschert hat. Der Autor schafft es, das Gefühl des "Zu-Hause-Seins" bei den ...

"Sylter Welle" von Max Richard Leßmann ist ein Buch, das mir eine warme Erinnerung an die Zeit bei meinen eigenen Großeltern beschert hat. Der Autor schafft es, das Gefühl des "Zu-Hause-Seins" bei den Großeltern auf eine rührende Weise zu vermitteln, was definitiv lobenswert ist.

Der Schreibstil des Autors trägt wesentlich dazu bei, dass man sich beim Lesen des Romans tatsächlich so fühlt, als wäre man bei den Großeltern zu Hause. Die kleinen, liebevollen Details, wie die Abneigung des Protagonisten gegen Würstchen oder Omas merkwürdige Kartoffeln mit schwarzen Stellen sowie die ständig bereitstehenden Apfelringe, verleihen dem Roman eine authentische Note. Oma Lore und Opa Ludwig sind charakterlich so liebevoll beschrieben, dass man sich als Leser wirklich so fühlt, als wäre man zu Besuch bei seinen eigenen Großeltern.

Allerdings muss ich auch sagen, dass der Roman nicht besonders ereignisreich ist. Es ist schön, den Protagonisten auf seiner Reise mit den Großeltern zu begleiten und die alltäglichen Momente zu erleben, aber es passiert nicht besonders viel. In einigen Abschnitten plätschert die Handlung eher vor sich hin, ohne dass sich große Spannung aufbaut.

Dennoch hat "Sylter Welle" seinen eigenen Charme und einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden. Es ist ein Buch, das die Bedeutung von Familie und den Wert der gemeinsamen Zeit mit den Großeltern auf einfühlsame Weise vermittelt. Für alle, die sich nach einer nostalgischen und gemütlichen Lektüre sehnen, ist dieses Buch sicherlich eine gute Wahl. Ich vergebe vier Sterne für die warmen Erinnerungen, die es in mir geweckt hat.

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Ein toller neuer Reihenauftakt von Sarah Sprinz

Infinity Falling - Mess Me Up
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"Infinity Falling" von Sarah Sprinz verdient definitiv fünf Sterne! Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, vor allem aufgrund der tollen Charaktere.

Hayes, der männliche Protagonist, hat ...

"Infinity Falling" von Sarah Sprinz verdient definitiv fünf Sterne! Dieses Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, vor allem aufgrund der tollen Charaktere.

Hayes, der männliche Protagonist, hat mich von Anfang an beeindruckt. Die Tatsache, dass seine Essstörung in der Geschichte thematisiert wurde, war für mich ein besonderes Highlight. Essstörungen sind leider immer noch ein Tabuthema, besonders bei Männern, und es ist erfrischend zu sehen, wie mutig die Autorin dieses Thema angespricht. Hayes' Kampf gegen seine inneren Dämonen ist berührend und authentisch. Was ich an ihm jedoch am meisten mochte, ist seine Entschlossenheit, sich für Aven einzusetzen und sie vor jeglicher Gefahr zu schützen. Seine Fürsorge und Hingabe sind wirklich bewundernswert.

Aven, die weibliche Protagonistin, ist eine starke und faszinierende Figur. Ihre Ängste und Sorgen in Bezug auf ihre Stalkerin sind äußerst nachvollziehbar und machen sie zu einer sehr realen und greifbaren Charakter. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen, was die Geschichte noch packender machte.

Die Chemie zwischen Hayes und Aven ist außergewöhnlich, und ihre Liebesgeschichte hat mein Herz berührt. Die Autorin hat die Anziehung zwischen den beiden Charakteren auf eine Art und Weise beschrieben, die mich völlig in ihren Bann gezogen hat. Sarah Sprinz Schreibstil ist einfach toll!

Allerdings gab es einen Aspekt der Geschichte, den ich weniger mochte, nämlich die langjährige Misskommunikation zwischen Aven und Hayes, die dazu führt, dass sie sich jahrelang nicht gesehen haben, obwohl sie füreinander bestimmt waren. Dieser Teil der Handlung war zwar notwendig, um Spannung aufzubauen, aber ich hätte mir gewünscht, dass die beiden Charaktere früher zueinander gefunden hätten. Die Misskommunikation zieht sich aber leider durch ihre Beziehung und macht ihnen andauernd das Leben schwer.

Trotzdem überwiegen die positiven Aspekte dieses Buches bei weitem. "Infinity Falling" von Sarah Sprinz ist eine mitreißende Liebesgeschichte, die wichtige Themen anspricht und dabei beeindruckende Charaktere präsentiert. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der nach einer emotionalen und spannenden Lektüre sucht.

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Der Titel ist leider Programm

Zeiten der Langeweile
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Leider hat "Zeiten der Langeweile" mich auch über die meiste Zeit hin eher gelangweilt als mir neue Erkenntnisse zu liefern. Dabei hätte man aus dem Thema deutlich mehr machen können. Social Detoxing ist ...

Leider hat "Zeiten der Langeweile" mich auch über die meiste Zeit hin eher gelangweilt als mir neue Erkenntnisse zu liefern. Dabei hätte man aus dem Thema deutlich mehr machen können. Social Detoxing ist sicherlich etwas, worüber wir alle einmal nachgedacht haben. Welchen Einfluss haben soziale Medien und das Internet generell auf uns? Was passiert, wenn wir es weglassen?

Jennifer Becker entwickelt eine Protagonistin, die vehement versucht, sich aus dem Internet zu "löschen" und jegliche Spur, die sie oder andere einmal über sie dort hinterlassen haben, zu vernichten. Anfangs kann man sich noch ansatzweise mit ihr identifizieren, aber im Laufe des Romans wird es immer schlimmer und man fragt sich langsam, ob sie zur Querdenkerin mutiert. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie viel autobiographische Elemente Mila in sich trägt.

Mila als Protagonistin fand ich irgendwann einfach nur noch unerträglich und einen Mehrwert haben ihre Ansichten mir auch nicht erbracht. Irgendwann lebt sie einfach nur noch fernab jeglicher Realität und ist lieber arbeitslos, als sich der Gefahr des Internets auszusetzen. Sie entwickelt sich auch überhaupt nicht. Ich habe trotzdem wacker bis zum Ende des Romans durchgehalten, was ich mir im Nachhinein besser gespart hätte. Denn auch das Ende liefert keine Erkenntnisse.

Ich hatte auf eine literarische Perle gehofft und habe leider im wahrsten Sinne nur "Zeiten der Langeweile" bekommen. Schade!

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Veröffentlicht am 26.08.2023

eine unsympathische Protagonistin

Die Einladung
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Von bobbember
"Die Einladung" von Emma Cline ist ein Roman, der zweifellos eine interessante soziale Kluft zwischen Arm und Reich beleuchtet. Leider hat dieser Ansatz nicht ausgereicht, um meine Unzufriedenheit ...

Von bobbember
"Die Einladung" von Emma Cline ist ein Roman, der zweifellos eine interessante soziale Kluft zwischen Arm und Reich beleuchtet. Leider hat dieser Ansatz nicht ausgereicht, um meine Unzufriedenheit mit der Protagonistin und der Geschichte insgesamt zu überwinden. Mit nur drei Sternen bewerte ich dieses Buch, da es einige wichtige Aspekte gibt, die mir nicht zusagten.

Die Hauptfigur des Romans war für mich äußerst schwer zu mögen. Ihr Verhalten, sich ständig durchzuschnorren und auf Kosten anderer zu leben, war frustrierend und wenig sympathisch. Es fiel mir schwer, mich mit einer Protagonistin zu identifizieren, die so wenig moralische Verantwortung zeigt und sich scheinbar keinerlei Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns macht. Dieser Aspekt der Geschichte trug erheblich dazu bei, dass meine Leseerfahrung getrübt wurde.

Obwohl der Roman die soziale Ungleichheit zwischen Arm und Reich thematisiert, schafft er es nicht, die Armen auf eine Weise darzustellen, die Mitgefühl oder Verständnis weckt. Stattdessen wird der Fokus darauf gelegt, wie die Protagonistin von ihrer Umgebung profitiert und sich auf Kosten anderer bereichert. Dies trägt dazu bei, die Kluft zwischen den sozialen Schichten zu verdeutlichen, hinterlässt jedoch einen bitteren Nachgeschmack.

Ein weiterer Punkt, der meine Bewertung beeinflusst hat, ist das offene Ende des Romans. Persönlich mag ich es, wenn Geschichten einen gewissen Abschluss haben und offene Fragen beantwortet werden. Leider blieb "Die Einladung" in dieser Hinsicht unbefriedigend, da wichtige Handlungsstränge und Charakterentwicklungen nicht zu einem zufriedenstellenden Abschluss geführt wurden.

Insgesamt ist "Die Einladung" ein Buch, das wichtige soziale Themen anspricht, jedoch durch die unangenehme Protagonistin, die negative Darstellung der Armen und das enttäuschende offene Ende beeinträchtigt wird. Die soziale Botschaft des Romans wird durch diese Aspekte abgeschwächt, und die Leser könnten Schwierigkeiten haben, sich mit der Geschichte zu verbinden und sie wirklich zu genießen.

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Veröffentlicht am 26.08.2023

Hinter der Hecke steckt eine Menge Metaphorik, aber wenig Handlung

Hinter der Hecke die Welt
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"Hinter der Hecke die Welt" von Gianna Molinari ist zweifellos ein Buch, das mit seinen Ambitionen und Ideen heraussticht. Doch schon auf den ersten Seiten stolpert man über den Schreibstil, der zwischen ...

"Hinter der Hecke die Welt" von Gianna Molinari ist zweifellos ein Buch, das mit seinen Ambitionen und Ideen heraussticht. Doch schon auf den ersten Seiten stolpert man über den Schreibstil, der zwischen irritierender Abstraktion und stellenweise langatmiger Langeweile schwankt.

Trotz dieser Unannehmlichkeiten muss man jedoch zugestehen, dass der Schreibstil eine gewisse Poesie in sich birgt. Die Beschreibungen der Natur, der Umwelt und der allgemeinen Stimmung sind mitunter sehr bildhaft und verleihen dem Buch eine atmosphärische Tiefe. Es ist, als ob der Leser durch einen verschleierten Schleier blickt und nur Bruchstücke der Realität erkennt – eine interessante, wenn auch manchmal frustrierende Erfahrung.

Die Thematik des Klimawandels, die im Roman behandelt wird, ist zweifellos von großer Bedeutung. Leider ist die Umsetzung dieser Thematik recht merkwürdig. Die beiden Handlungsstränge, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, wirken wie unverbundene Fragmente. Auf der einen Seite haben wir ein Forschungsschiff, das sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane befasst, während auf der anderen Seite ein mysteriöses Dorf mit einer Hecke existiert, in dem immer mehr verschwindet. Die Protagonistin Dora, die sich auf dem Schiff befindet und eigentlich aus dem Dorf stammt, ist die Verbindung zwischen diesen beiden Welten, doch als Leser fällt es schwer, eine wirkliche Verbindung zu den Charakteren herzustellen.

Der Roman ist reich an metaphorischen Elementen, die Raum für vielfältige Interpretationen lassen. Das kann einerseits faszinierend sein, da man als Leser dazu angeregt wird, tiefer über die Geschichte nachzudenken. Andererseits kann es auch frustrierend sein, wenn man sich nach konkreten Antworten sehnt, die der Roman nicht immer liefert.

Insgesamt ist "Hinter der Hecke die Welt" ein Buch mit einer interessanten, aber eigenwilligen Herangehensweise. Der irritierende Schreibstil, die fragmentarische Handlung und die schwer fassbaren Charaktere machen es zu einer anspruchsvollen Lektüre. Wer bereit ist, sich auf die poetische Seite des Romans einzulassen und mit den vielschichtigen Metaphern zu jonglieren, mag in diesem Buch eine besondere Tiefe entdecken. "Hinter der Hecke die Welt" ist sicher kein Roman, den man zur Unterhaltung liest, sondern man sollte sich genügend Zeit dafür nehmen.

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