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Veröffentlicht am 23.04.2026

tolle Ansätze

Zwei in einem Bild
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„Zwei in einem Bild“ ist eine originelle Idee mit viel Fantasie – konnte mich insgesamt aber leider nicht ganz überzeugen. Deshalb vergebe ich solide 3 Sterne.

Die Geschichte dreht sich um Jean, der gewissermaßen ...

„Zwei in einem Bild“ ist eine originelle Idee mit viel Fantasie – konnte mich insgesamt aber leider nicht ganz überzeugen. Deshalb vergebe ich solide 3 Sterne.

Die Geschichte dreht sich um Jean, der gewissermaßen in einem Gemälde seines berühmten Vaters Henri Matisse lebt und von dort aus das Geschehen im Museum beobachtet. Eines Tages wird er auf Claire aufmerksam, eine neue Mitarbeiterin, die sich ihrerseits zunehmend beobachtet fühlt. Als sie schließlich einen Weg findet, selbst Teil des Bildes zu werden, beginnt für beide eine außergewöhnliche Reise durch verschiedene Kunstwerke – voller Farben, Fantasie und fast grenzenloser Möglichkeiten.

Die Grundidee fand ich wirklich spannend: diese Verbindung von Kunst und Realität, das „Eintauchen“ in Gemälde und die Vorstellung, sich frei zwischen ihnen bewegen zu können, hat viel Potenzial. Auch die bildhafte Sprache und die kreativen Schauplätze – von rauschenden Festen bis hin zu wilden Landschaften – sind stellenweise sehr gelungen.

Allerdings hat mich die Geschichte emotional nicht so richtig gepackt. Trotz der schönen Einfälle blieb die Handlung für mich oft etwas distanziert, und die Figuren wirkten nicht immer greifbar genug, um wirklich mit ihnen mitzufiebern. Gerade die Beziehung zwischen Jean und Claire hätte für meinen Geschmack noch mehr Tiefe vertragen können.

Auch das Tempo war stellenweise etwas ungleichmäßig: Manche Passagen ziehen sich, während andere Ideen nur kurz angerissen werden, obwohl sie eigentlich sehr spannend sind.

Insgesamt ist „Zwei in einem Bild“ ein kreativer, märchenhafter Roman mit tollen Ansätzen und einer besonderen Atmosphäre – aber leider fehlte mir die emotionale Bindung, um wirklich komplett darin aufzugehen.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

spannend

Liars all around me
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„Liars all around me“ ist ein absolut packender Thriller, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Für mich ganz klar: 5 Sterne!

Im Mittelpunkt steht ...

„Liars all around me“ ist ein absolut packender Thriller, der mich von der ersten Seite an gefesselt hat – ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Für mich ganz klar: 5 Sterne!

Im Mittelpunkt steht Ryle, der an seiner Schule keinen besonders guten Ruf genießt und genau deshalb überrascht ist, als ausgerechnet die scheinbar perfekte Musterschülerin Avery ihn bittet, ihr eine Waffe zu besorgen. Er lehnt ab – doch kurz darauf wird eine Mitschülerin erschossen aufgefunden. Für Ryle scheint die Sache eindeutig, doch Avery beteuert ihre Unschuld und zieht ihn immer tiefer in die Ereignisse hinein. Widerwillig beginnt er, ihr zu helfen, und gemeinsam geraten sie in ein immer dichter werdendes Netz aus Geheimnissen, Lügen und versteckten Motiven.

Was das Buch für mich so besonders macht, ist die unglaubliche Spannung. Die Geschichte entwickelt sich ständig weiter, neue Wendungen werfen alles wieder über den Haufen, und man beginnt als Leser selbst, an jeder Figur zu zweifeln. Genau dieses Gefühl – niemandem wirklich trauen zu können – zieht sich durch den gesamten Roman und macht ihn so fesselnd.

Auch die Dynamik zwischen Ryle und Avery ist richtig gut gelungen. Zwischen Misstrauen, unterschwelliger Anziehung und gegenseitigen Verdächtigungen entsteht eine intensive Beziehung, die die Handlung zusätzlich antreibt. Beide Figuren sind vielschichtig und entwickeln sich im Laufe der Geschichte spürbar weiter.

Besonders gefallen hat mir außerdem die Atmosphäre: Diese scheinbar normale Kleinstadt, in der es unter der Oberfläche brodelt, trägt enorm zur Spannung bei. Man merkt schnell, dass hier jeder etwas zu verbergen hat.

Ein rasanter, düsterer und absolut mitreißender Roman voller überraschender Twists und starker Charaktere. Ich habe jede Seite geliebt und würde das Buch jederzeit weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

ADHS

Ich erzähle von meinen Beinen
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„Ich erzähle von meinen Beinen“ ist ein kluger, ungewöhnlicher und stellenweise sehr unterhaltsamer Roman, der mich vor allem wegen seines Themas sofort gepackt hat. ADHS aus der Perspektive einer erwachsenen ...

„Ich erzähle von meinen Beinen“ ist ein kluger, ungewöhnlicher und stellenweise sehr unterhaltsamer Roman, der mich vor allem wegen seines Themas sofort gepackt hat. ADHS aus der Perspektive einer erwachsenen Frau zu erleben, fand ich unglaublich spannend – und genau das setzt Cornelia Travnicek auf eine sehr eigene, literarisch überzeugende Weise um. Für mich sind das starke 4 Sterne.

Im Zentrum steht Wally, die nach außen hin ein funktionierendes Leben führt: Familie, Haus, Alltag – alles scheint geregelt. Doch innerlich sieht es ganz anders aus. Während ihre Tochter bereits eine ADHS-Diagnose hat, beginnt Wally, ihr eigenes Verhalten zunehmend zu hinterfragen: die ständige Unruhe, das Chaos im Kopf, das Gefühl, nie wirklich alles im Griff zu haben. Gleichzeitig gerät ihr Leben immer mehr aus dem Gleichgewicht – nicht zuletzt durch ihre fragwürdige Entscheidung, die Medikamente ihrer Tochter selbst zu nehmen.

Besonders gelungen finde ich, wie der Roman dieses innere Durcheinander einfängt. Man spürt beim Lesen förmlich, wie überfordernd sich der Alltag für Wally anfühlt – dieses Jonglieren zwischen Verpflichtungen, Gedanken, Ängsten und körperlichen Empfindungen. Gleichzeitig hat das Buch immer wieder sehr humorvolle Momente, die das Ganze auflockern, ohne das Thema ins Lächerliche zu ziehen.

Das Thema ADHS wird hier nicht trocken erklärt, sondern erfahrbar gemacht – inklusive der Grauzonen zwischen „funktionieren“ und „überfordert sein“. Gerade dieser Fokus auf Mental Load, gesellschaftliche Erwartungen und Neurodivergenz im Alltag von Frauen hat mir besonders gut gefallen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Erzählweise stellenweise etwas sprunghaft und chaotisch wirkt. Das passt zwar zum Inhalt, hat mich aber gelegentlich ein wenig aus dem Lesefluss gebracht.

Insgesamt ist es aber ein eindrucksvoller, oft witziger und gleichzeitig nachdenklich stimmender Roman über Kontrolle, Überforderung und die Frage, wie wir mit uns selbst umgehen. Ein Buch, das im Kopf bleibt.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

humorvoll

Die Reise ans Ende der Geschichte
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„Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson ist ein absoluter Lesegenuss – ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite köstlich amüsiert! Für mich ganz klar: 5 Sterne.

Der Roman entführt ...

„Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson ist ein absoluter Lesegenuss – ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite köstlich amüsiert! Für mich ganz klar: 5 Sterne.

Der Roman entführt in die frühen 90er Jahre, eine Zeit voller Aufbruchsstimmung, in der plötzlich alles möglich scheint. Im Zentrum stehen mehrere herrlich schräge Figuren: ein ehemaliger Doppelagent, der in Kasachstan noch einmal den großen Coup landen will, ein gefeierter junger Dichter, der sich nach Abenteuer sehnt, und eine Italienischlehrerin, die versucht, das drohende Chaos irgendwie einzudämmen. Ihre Wege kreuzen sich auf ebenso überraschende wie turbulente Weise.

Besonders Jakob Dreiser, der als aufstrebender Dichter durch Europa tingelt und plötzlich in ein aberwitziges Spionageabenteuer hineingezogen wird, hat es mir angetan. Gleichzeitig ist da Dieter Germeshausen, der vom Kalten Krieg übriggebliebene Geheimdienstmann, der verzweifelt versucht, sein Leben neu zu ordnen – und dabei von einem Schlamassel ins nächste gerät. Diese Kombination aus großen Plänen, persönlichem Scheitern und tragikomischen Verwicklungen ist einfach großartig umgesetzt.

Was den Roman für mich so besonders macht, sind die Charaktere: Sie sind skurril, liebenswert, voller Widersprüche – und einfach unglaublich unterhaltsam. Man fiebert mit ihnen mit, lacht über ihre absurden Situationen und erkennt gleichzeitig immer wieder etwas sehr Menschliches in ihrem Handeln.

Magnusson schafft es außerdem, den historischen Umbruch dieser Zeit einzufangen, ohne schwer oder belehrend zu wirken. Stattdessen wird daraus eine lebendige, witzige und zugleich kluge Geschichte über Sehnsüchte, Illusionen und die Frage, was Freiheit eigentlich bedeutet – vor allem dann, wenn plötzlich alles offensteht.

Ein wunderbar humorvoller, kluger und rasanter Roman mit großartigen Figuren und vielen herrlich absurden Momenten. Ich habe jede Seite genossen!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

tolles Setting

Alma
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„Alma“ von Federica Manzon ist ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Roman, den ich insgesamt sehr gerne gelesen habe. Besonders begeistert hat mich das Setting in Triest – diese Stadt zwischen Ost ...

„Alma“ von Federica Manzon ist ein eindrucksvoller, atmosphärisch dichter Roman, den ich insgesamt sehr gerne gelesen habe. Besonders begeistert hat mich das Setting in Triest – diese Stadt zwischen Ost und West wird so lebendig und vielschichtig beschrieben, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst durch die Straßen zu gehen, in den alten Kaffeehäusern zu sitzen und die Geschichte in der Luft zu spüren.

Im Mittelpunkt steht Alma, die nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimat zurückkehrt. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Vergangenheit, sondern auch auf Vili, ihre Jugendliebe, der eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem väterlichen Erbe spielt. Während sie sich durch Erinnerungen an ihre Kindheit, an ihre Familie und an die rätselhafte Figur ihres Vaters bewegt, stellen sich immer drängendere Fragen nach ihrer eigenen Herkunft, nach Liebe und danach, wer sie eigentlich ist. Gleichzeitig liegt über allem der Schatten der politischen Spannungen jenseits der Grenze, die einst auch ihre Beziehung zu Vili geprägt haben.

Was mir besonders gefallen hat, ist die dichte, fast melancholische Stimmung und die Art, wie persönliche Geschichte und große historische Zusammenhänge miteinander verwoben werden. Die Figuren wirken vielschichtig und glaubwürdig, und Triest wird fast selbst zu einer Hauptfigur.

Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die Erzählstruktur: Stellenweise springt die Geschichte etwas, sowohl zeitlich als auch in den Perspektiven, was mich gelegentlich verwirrt hat. Man muss beim Lesen aufmerksam bleiben, um den Faden nicht zu verlieren.

Trotzdem überwiegt für mich klar der positive Eindruck. „Alma“ ist ein poetischer, kluger Roman über Erinnerung, Identität und die Spuren, die Orte und Menschen in uns hinterlassen – mit einem ganz besonderen Schauplatz, der lange nachwirkt. 4 von 5 Sternen.

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