Platzhalter für Profilbild

booklooker

Lesejury Star
offline

booklooker ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit booklooker über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2022

Geld oder Liebe?

Wer wird denn gleich an Liebe denken
0

Liebt ihr die Serie "Downtown Abbey" auf Netflix, die das bewegte Leben einer adligen Familien und ihres Personals am Anfang des 20. Jahrhunderts beleuchtet? Wer nicht nur auf den Bildschirm starren, sondern ...

Liebt ihr die Serie "Downtown Abbey" auf Netflix, die das bewegte Leben einer adligen Familien und ihres Personals am Anfang des 20. Jahrhunderts beleuchtet? Wer nicht nur auf den Bildschirm starren, sondern seine Nase in ein Buch stecken möchte, sollte zu dem schwungvollen Roman "Wer wird denn gleich an Liebe denken" von Nina May greifen, der in der aktuellen Gegenwart spielt:

Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, muss ein reicher Erbe her ...

Trix Barker, mäßig erfolgreiche Fotografin aus London, ist pleite und zunehmend verzweifelt. Für ihre beste Freundin steht fest: Trix braucht einen Mann, und zwar einen mit Geld. Am besten einen adligen Schlossherrn. Trix hält das zwar für eine Schnapsidee, aber eine andere Lösung fällt ihr auch nicht ein. Also heuert sie kurzerhand als Mädchen für alles auf einem Schloss in Kent an. Doch leider ist das Gemäuer ziemlich in die Jahre gekommen, der Garten völlig verwildert und der Hausherr wenig romantisch veranlagt. Ganz anders der Denkmalschützer Rob, der Trix' Herz schon bald gewaltig aus dem Takt bringt ...

Das in hellen Farben gehaltene Cover sorgt für gute Laune, in seiner Aufamchung erinnert es mich an einen Comic.

Für meine Begriffe kann es kaum ein romantischeres Setting geben als ein leicht heruntergekommenes Schloss in der traditionellen Grafschaft Kent an der südöstlichen Küste von England. Alle Schauplätze des (fiktiven) kleinen Ortes werden anschaulich beschrieben, dass man sich selbst vor Ort glaubt.

Das literarische Debüt von Nina May spielt in der Gegenwart; das Geschehen wird aus der Ich-Perspektive von Trix geschildert, einer sympathischen jungen Fotografin, die - anders als typische "Golddigger" - auf ihr Herz hört, statt auf die Geldbörse ihres Gegenübers zu starren, auch wenn sie materiell gesehen nicht auf Rosen gebettet ist. Als Allrounderin (Mädchen für alles) blickt sie hinter die Kulissen des verarmten Landadels, dem außer einem klangvollen Namen, historischen Erinnerungen und ausgedehnten Ländereien wenig geblieben ist. Auch die anderen Protagonisten sind liebenswert, allen voran Rob, ein reserviert wirkender Mann, der für den britischen National Trust arbeitet und sich der Aufgabe verschrieben hat, Gebäude oder Landschaften von historischem Interesse oder besonderer Schönheit für die Nachwelt zu erhalten.

Das literarische Debüt von Nina May hat mich überzeugt. Es ist ein charmantes, humorvolles Lesevergnügen vor einer malerischen Kulisse, das mit vielen witzigen Szenen und unerwarteten Wendungen punktet, perfekt zur Einstimmung auf eine Rundreise zu den schönsten Schlössern und Gartenanlagen Englands. See you!


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2022

Tief in den Wäldern

Tief in den Wäldern
0

"Tief in den Wäldern" ist meine erste literarische Begegnung mit der internationalen Bestseller-Autorin Chevy Stevens, deren neues Werk vom berühmt-berüchtigten "Highway der Tränen" inspiriert worden ist:

Seit ...

"Tief in den Wäldern" ist meine erste literarische Begegnung mit der internationalen Bestseller-Autorin Chevy Stevens, deren neues Werk vom berühmt-berüchtigten "Highway der Tränen" inspiriert worden ist:

Seit Jahren verschwinden junge Frauen vom einsamen Cold Creek Highway im Nordwesten von Kanada. Das letzte Opfer ist noch nicht lange tot, der Mörder wurde nie gefunden. Nun geraten zwei gegensätzliche Frauen in sein Visier: Die toughe Hailey kennt die Wälder um Cold Creek wie ihre Westentasche. Als sie ein dunkles Geheimnis entdeckt, trifft sie eine unheilvolle Entscheidung. Ein Jahr später kommt Beth, ein Großstadtkind, nach Cold Creek – auf einer persönlichen Suche, die immer gefährlicher wird.

Für meinen persönlichen Geschmack ist das Cover gelungen; man blickt direkt auf eine rauhe, wilde Landschaft, mit undurchdringbaren Wäldern und schroffen Felsmassiven, kaum erschlossen durch einen einzigen Highway. Wenn man so will, gibt der Titel die Marschrichtung vor. Das Buch führt tief in die Wälder, die ein finsteres Geheimnis hüten.

Nach einem schockierenden Prolog, erzählt aus der Sicht eines namenlosen Opfers des Highway-Killers, das im Epilog ein zweites Mal zu Wort kommen wird, führt Chevy Stevens uns nach Cold Creek, eine unbedeutende Kleinstadt, beherrscht von der harten Hand eines lokalen Polizeichefs, der für Zucht und Ordnung sorgt und auf "seine" Leute stets ein Auge hat. Cold Creek wird von einer Serie von Morden an (indigenen) Mädchen und Frauen erschüttert, begangen von einem oder mehreren Tätern, die als "Highway-Killer" berühmt-berüchtigt sind. Hier begegnen wir zwei starken Protagonistinnen, Hayley und Beth, deren Lebenswege sich in diesem Thriller auf eine dramatische Weise kreuzen. Hayley ist eine 17-jährige Vollwaise, die nach dem Tod ihrer Eltern im Hause von Verwandten lebt und gegen den autoritären Erziehungsstil ihres Onkels, welcher die Stellung des lokalen Polizeichefs bekleidet, rebelliert; sie fühlt sich von ihm gegängelt, bespitzelt und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Schliche, was sie zur Flucht aus ihrem neuen Zuhause in die dunklen Wälder zwingt. Beth hingegen ist eine 21jährige Jura-Studentin, die nach dem brutalen Mord an ihrer kleinen Schwester Amber aus der Bahn geworfen wird, ihr Studium abbricht und in die Kleinstadt zieht, um Antworten auf die Fragen zu suchen, die ihr auf der Seele brennen.

Chevy Stevens ist ein fesselnder Thriller gelungen, der tief in die Wälder führt, auf falsche Fährten lockt und mit einem actionlastigen, packenden Show-Down punktet. Bei der Lektüre ist mir eine Gänsehaut den Rücken hinuntergelaufen; dennoch mochte ich diesen Pageturner nicht mehr aus meinen Händen legen. Dieses Buch ist ein Must-Read für alle Leser, die True Crime lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2022

Fischbrötchen und Schokoküsse

Fischbrötchen und Schokoküsse
0

Moin!

Mit ihrem neuen Buch "Fischbrötchen und Schokoküsse" präsentiert die erfolgreiche Selfpublisherin Jane Hell bereits den vierten Band aus ihrer "Förderliebe"-Reihe, die rund um Eckernförde, eine ...

Moin!

Mit ihrem neuen Buch "Fischbrötchen und Schokoküsse" präsentiert die erfolgreiche Selfpublisherin Jane Hell bereits den vierten Band aus ihrer "Förderliebe"-Reihe, die rund um Eckernförde, eine kleine Hafenstadt an der Ostsee, angesiedelt sind:



»Er fährt wie der letzte Henker und schimpft die ganze Zeit nur, weil er sich gestern für mich eine Hose anziehen musste.«

Marina lebt mit Mitte zwanzig behütet bei ihren Eltern in München.
Als die sie bitten, endlich auszuziehen, und sie unerwartet ihren Job verliert, gerät ihr geregeltes Leben aus den Fugen. Um irgendein Einkommen zu haben, muss sie ein Stellenangebot auf einem Gutshof an der Ostsee annehmen, obwohl sie normalerweise strikt allen lebensverändernden Entscheidungen aus dem Weg geht. Marinas neuer Arbeitsplatz, der malerische Hof von Frau Larssen, liegt weit abseits direkt am Strand der Eckernförder Bucht. Ein traumhafter Ort, wäre die Verwaltungsarbeit nicht so ein Chaos. Zusätzlich ist Marina ohne Führerschein auf Tim-Ove angewiesen, den Großneffen ihrer neuen Chefin. Und der verhält sich Marina gegenüber unerklärlich sprunghaft. Zu gern würde sie wissen, was dahintersteckt. Erzählt er ihr immer die ganze Wahrheit über das Anwesen? Und was bedeutet dieses Flattern in Marinas Bauch, wenn er ihr mal wieder auf den Geist geht?


Wer nicht über das bunte Cover und den witzigen Titel grinsen muss, sollte zum Lachen in den Keller gehen. Jane Hell setzt ihre locker-leicht geschriebene "Förde-Liebe"-Reihe mit einem neuen abgeschlossenen Ostsee-Roman fort, der um Mut, Liebe und das Leben am Meer kreist.

Das Geschehen wird aus der Ich-Perspektive von Marina, genannt: Mari, vermittelt, einer 25jährigen Immobilienkauffrau, die nach einer beruflichen Bruchlandung das kuschelige heimische Nest in München verlässt und einen Job auf einem mitten im Nirgendwo gelegenen herabgewirtschafteten Gutshof an der Ostsee annimmt.

Auch wenn mir die (vorhersehbare) humorvolle Liebesgeschichte gefallen hat, muss ich einige Punkte bemängeln, die mir die Lektüre etwas verleidet haben. Für mein Empfinden eignet sich die etwas chaotische, tollpatschige und überängstliche Protagonistin nicht als Identifikationsfigur; es ist mir sehr schwergefallen, mit ihr warm zu werden. Sie wirkt wie ein überbehütetes Kind, das an Mamas Rockzipfel hängt und vor seinem eigenen Schatten Angst hat, nicht wie eine erwachsene Frau, die einen Studienabschluss (B. A.) und praktische Berufserfahrungen vorweisen kann. Der erzwungene Ortswechsel tut ihr gut, aber an der Ostsee gerät sie laufend in haarsträubende Situationen; die Situationskomik wirkt manchmal etwas überstrapaziert. Auch mit ihrem "Love-Interest" Tim-Ove, dem gutaussehenden Großneffen der alten Gutsherrin, der sich als Entwickler von Apps durchs Leben schlägt und (Spoiler) aus edlen Motiven das Vermögen seiner Großtante verzockt, hatte ich meine Schwierigkeiten, sein großkotziges Auftreten und die markigen Sprüche, die seine tiefen, wahren Gefühle für Mari verschleiern sollte, gingen mir auf die Nerven. Schade!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2022

Famiglia

Immer Ärger mit den Bambini
0

Liebt ihr mitreißende Bücher mit Herz und Humor, die in Italien spielen? Dann solltet ihr euch den neuen Roman "Immer Ärger mit den Bambini" von Tessa Hennig nicht entgehen lassen:

"Ich habe gar keinen ...

Liebt ihr mitreißende Bücher mit Herz und Humor, die in Italien spielen? Dann solltet ihr euch den neuen Roman "Immer Ärger mit den Bambini" von Tessa Hennig nicht entgehen lassen:

"Ich habe gar keinen Enkel ..."

Ehe kaputt, Weinhandlung pleite. Alles, was Sandra vom großen Glück geblieben ist, sind Likes auf Instagram. »Gejammert wird trotzdem nicht«, findet ihre rüstige Mutter Heike. Guter Wein muss her. Also auf nach Apulien! Doch die Reise der beiden wird schon am Gotthard-Tunnel jäh unterbrochen: Auf einer Raststätte gabeln sie den fünfzehnjährigen Federico auf. Er ist aus dem Heim abgehauen und will zu seinem Großvater Alessio nach Brindisi. Den kennt er allerdings nur vom Foto, weshalb Alessio wenig erfreut ist, als Sandra und Heike den Jungen bei ihm abladen wollen. Ein Bambino hat ihm gerade noch gefehlt! Der mürrische Alte lebt einsam auf einem Weinberg und behauptet, er habe gar keinen Enkel.  Es braucht Heikes ganzen Einfallsreichtum und Federicos jugendlichen Charme, um Alessios, aber auch Sandras Glück ein wenig nachzuhelfen…

Das witzige Cover zaubert gleich ein Lächeln ins Gesicht, genauso wie dieser locker-leicht geschriebene Roman, der von einem emotional aufwühlenden, turbulenten Abenteuer in Apulien erzählt.

Alle Romane von Tessa Hennig kreisen um starke Protagonistinnen, die das 50. Lebensjahr längst hinter sich gelassen haben. Hier ist es Heike, eine patente verwitwete Frau, die einen (schlecht laufenden) Kiosk in ihrer Heimat führt und sich mit ihrer einzigen Tochter zu einer spontanen Reisen nach Apulien aufmacht. Mit ihren lebensbejahenden, optimistischen Einstellung ist sie mir gleich ans Herz gewachsen, sie kümmert sich liebevoll (wie eine echte Oma) um den kleinen Ausreißer Federico, der sich auf die Suche nach seinem unbekannten Großvater gemacht hat, während ihre einzige Tochter Sandra ihrer gescheiterten Beziehung und der verlorenen Weinhandlung nachtrauert und mit ihren eigenen (finanziellen) Problemen beschäftigt ist. Auch Federico ist zum Klauen, ein hilfsbereiter, künstlerisch begabter Junge, der sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt und seine neuen Weggefährten tatkräftig unterstützt.

Der neue Roman von Tessa Hennig spielt in Apulien, und Tessa Hennig hat die Schönheit dieser süditalienischen Region perfekt eingefangen. Dank ihrer anschaulichen Beschreibungen hat man alle Schauplätze deutlich vor Augen; man könnte fast glauben, selbst vor Ort zu sein. Das italienische Lebensgefühl spiegelt sich in ihrem unterhaltsamen Roman wieder; besonders gut gefallen hat mir die Schilderung eines traditionellen Festes, wo der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft beschworen wird.

"Immer Ärger mit den Bambini" ist eine berührende, mitreißende Familiengeschichte, die mir viele schöne Lesestunden geschenkt hat. Für mich ist dieses Buch von Tessa Hennig ein klares (Lese-) Highlight, perfekt zur Einstimmung auf den nächsten Urlaub in Italien.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2022

An der Leine

Des Pudels Kern
0

Nach dem erfolgreichen Start einer unterhaltsamen Reihe um die tierliebe, resolute Hobby-Detektivin Rosa Fink legt Manuela Sanne den dritten Band "Des Pudels Kern" vor, der streng gehütete Geheimnisse ...

Nach dem erfolgreichen Start einer unterhaltsamen Reihe um die tierliebe, resolute Hobby-Detektivin Rosa Fink legt Manuela Sanne den dritten Band "Des Pudels Kern" vor, der streng gehütete Geheimnisse in dem kleinen Ferienort an der Nordseeküste aufdeckt:


»›Ich möchte mir süße Goldies ansehen? Hast du eine Überraschung für mich geplant, Schatz?‹, stellte Sebi sich ahnungslos, aber das Zucken um seine Mundwinkel verriet ihn.«

Warum ist Hundefigaro Ricci Rossi unauffindbar? Rosa, neuerdings stolze Mitbesitzerin der Pension Zum Jadebusen, vermutet Schlimmes: Sie hat genau gesehen, wie erst Pudel Fiete und dann Riccis Eltern von zwei Mafiosi bedroht wurden. Sogar Rosas Mann Sebi ist alarmiert und stellt Nachforschungen an, obwohl er vor der Neueröffnung der Pension genug andere Probleme hat. Doch die Ehefrau des Verschwundenen gibt sich unbesorgt. Schon bald wird klar, dass jeder in der Familie Rossi Geheimnisse hütet – und ein besonders pikantes könnte Ricci zum Verhängnis werden.

Das süße Cover lässt die Herzen aller Hunde-Fans höher schlagen. Denn es zeigt ein niedliches Hündchen, das durchaus als "Doodle" durchgehen könnte und gerade im Begriff ist, seine Hundehütte unweit des weitläufigen Sandstrandes zu verlassen.

Manuela Sanne schenkt uns ein Wiedersehen mit dem (im zweiten Anlauf) frisch verheirateten Paar Sebi und Rosa Fink, die sich eine neue gemeinsame Existenz in Dangast aufbauen wollen. Ihre gemütliche Pension steht sozusagen in den Startlöchern; trotz des aufwendigen Umbaus bleibt den sympathischen Protagonisten genügend Zeit, ihre zwei kleinen Katzenkinder zu verwöhnen, ihre guten Beziehungen zu den neuen Nachbarn zu pflegen - und einem streng gehüteten (Familien)-Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Eine gewichtige Rolle in diesem Buch spielen sogenannte "Doodles", den aktuellen Zeitgeist verkörpernde Designer-Hunde (Hybridhunde), die aus einer gezielten Kreuzung von Pudel und anderen Rassen entstehen. Dennoch sind es zwischenmenschliche Probleme und gewisse Vorlieben, die Rosa und Sebi im Laufe der haarsträubenden Ermittlungen in Atem halten. Manuela Sanne erzählt mit einem Augenzwinkern; man darf sich auf eine lockere, unterhaltsame Lektüre freuen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere