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Veröffentlicht am 18.06.2025

Auf dunklen Wegen

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Hej!

Nach dem packenden Psychothriller "Die Influencerin" hat die österreichische Autorin Rebecca Russ ihren neuen Roman "Der Weg - Jeder Schritt könnte dein letzter sein" vorgelegt, der von den zwei ...

Hej!

Nach dem packenden Psychothriller "Die Influencerin" hat die österreichische Autorin Rebecca Russ ihren neuen Roman "Der Weg - Jeder Schritt könnte dein letzter sein" vorgelegt, der von den zwei Freundinnen Julia und Nicki erzählt, die auf eigene Faust eine Wanderung durch Schweden unternehmen.

Das in düsteren Farbtönen gehaltene Cover spielt mit der Vorstellungskraft der Betrachterinnen. Der ausgewiesene Weg verläuft im Zickzack. Man fühlt sich an einen Menschen erinnert, der sich mit letzter Kraft durch einen dunklen Wald schleppt, gezeichnet von den Strapazen, durstig, hungrig, erschöpft, kurz vor einem psychischen/physischen Zusammenbruch. Der sachliche Titel verzichtet auf die Zurschaustellung von Emotionen, im Gegensatz zum Untertitel, der das Blut in den Adern gefrieren lässt. Was wird auf der unkoventionellen Tour entlang des Kungsleden-Wanderwegs in Schweden geschehen?

Der Roman spielt in der Gegenwart, das Geschehen wird - auf mehreren zeitlichen Ebenen - in stetem Wechsel aus zwei verschiedenen Perspektiven geschildert. Erstens aus der Sicht von Julia, einer jungen Frau. Zweitens aus der Perspektive von Nicki, die persönliche Aufzeichnungen in einem Notizbuch hinterlassen hat, die in der äußeren Form an ein Tagebuch erinnern. Nicki und Julia sind zwei junge Frauen, die auf den ersten Blick kaum etwas gemeinsam haben. Julia verhält sich regelkonform, sie achtet auf angepasstes Verhalten in der Öffentlichkeit, während Nicki selbstbewusst und tough erscheint. Als Studierende haben sie sich eine Wohnung geteilt, später haben sie sich aus den Augen verloren. Nun wollen sie ihre lose Freundschaft mit einer ausgefallenen Junggesellinnen-Tour wiederbeleben. Warum?

Ehrlich gestanden, bin ich mit geringen Erwartungen an diese Lektüre gegangen. Der Plot schien mir aus vergleichbaren literarischen Werken allzu vertraut. Rebecca Russ hat mich eines Besseren belehrt. Nach den ersten Seiten hat ihr neues Buch mich völlig gefangen genommen und nicht mehr los gelassen bis zur letzten Seite. Tief beeindruckt haben mich die authentisch wirkenden, atmosphärisch dichten Schilderungen. Rebecca Russ beschreibt die ungezähmte Natur abseits der touristischen Pfade; man glaubt die dunklen Wälder mit eigenen Augen zu sehen, hört das leise Rauschen der Flüsse, erschrickt über wilde Tiere, wird durchnässt von heftigen Regenschauern, spürt eisige Kälte die Haut hinaufkriechen - und gerät nach und nach an seine physischen/psychischen Grenzen. Es geht ums nackte Überleben, um die Rückkehr in die Zivilisation.

Stilistisch gesehen, ist dieser verstörende Roman ein Erlebnis. Er ist meisterhaft konzipiert, die Spannung bleibt durch schockierende Wendungen auf einem konstant hohen Niveau. Rebecca Russ lockt ihre Leser
innen auf viele falsche Fährten. Spoilern möchte ich nicht, aber Julia ist eine nicht zuverlässige Erzählerin, man darf ihren dramatischen Schilderungen nicht in jedem Punkt trauen. Nach und nach werden schockierende Geheimnisse (und toxische Beziehungen) enthüllt, die fast die Haare zu Berge stehen lassen. Mich hat meine Lektüre restlos begeistert. Wer sich auf eine (lebens-)gefährliche Wanderung durch Schweden begeben möchte, sollte nicht allzu lange warten.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Norderney-Träume

Unsere Frühstückspension am Meer
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He!

Wenn es um moderne Selbstfindungs-Romane geht, ist Christin-Marie Below meine erste Wahl. Ausgehend von Kassel, schlägt sie einen weiten Bogen bis nach Emden, um ihre Leser*innen von der größten Stadt ...

He!

Wenn es um moderne Selbstfindungs-Romane geht, ist Christin-Marie Below meine erste Wahl. Ausgehend von Kassel, schlägt sie einen weiten Bogen bis nach Emden, um ihre Leser*innen von der größten Stadt Ostfriesland aus mit der Fähre auf die ostfriesische Insel Norderney zu entführen. Im Fokus steht Katharina, eine aufstrebende junge Schriftstellerin, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Nach der Trennung von ihrem Freund steckt sie mitten in einer Schreibblockade, als sie von ihrer nach einem Sturz im Krankenhaus liegenden Oma gebeten wird, die Führung der kleinen Frühstückspension auf Norderney zu übernehmen.

Das in warmen Tönen gehaltene Cover ist ansprechend gestaltet worden. Wenn man es betrachtet, fällt der Blick sofort auf eine zentral platzierte Gitarre, im Hintergrund sind die Schemenn eines verliebten Paares zu erkennen. Der schlichte Titel enthält alle wesentlichen Informationen.

Der Roman spielt in der aktuellen Gegenwart, das Geschehen wird aus der Sicht von Katharina vermittelt, die als eine hilfsbereite, liebenswerte Frau von 31 Jahren, die sich tatkräftig für ihre kranke Großmutter einsetzt und kreative Ideen entwickelt, um die rote Zahlen schreibende verstaubte Frühstückspension vor dem Aus zu retten, eine positive Identifikationsfigur bildet die man gleich ins Herz schließt. Katharina wirkt authentisch, ihre inneren Konflikte sind glaubhaft dargestellt. Durchbrochen sind ihre Reflexionen von privaten Aufzeichnungen einer längst verstorbenen Verwandten, die in ihrer äußeren Form an ein Tagebuch erinnern. Eingerahmt werden sie von emotional berührenden Song-Texten, vorgetragen von dem (nebenberuflich kreativ tätigen) Koch und Musiker Phil, den Katharina auf der Ferieninsel kennen- und lieben lernt.

Was für eine schöne literarische Auszeit am Meer! Christin-Marie Below schreibt in einem verhaltenen Stil, ihr neues Buch lässt sich leicht lesen. Beeindruckt hat mich ihre Fähigkeit, die malerische Schönheit der ostfriesischen Insel in Worte zu fassen; alle Schauplätze sind sehr anschaulich wieder gegeben worden. Wer eine (etwas vorhersehbare) romantische Urlaubsroman mit Nordsee-Flair und köstlichen Rezepten aus Omas Küche sucht, sollte sich diese Lektüre nicht entgehen lassen. Sie eignet sich perfekt zur Einstimmung auf den kommenden Urlaub auf Norderney.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Mutter und Kinder

Die Toten auf Föhr
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Mit ihrem Regio-Krimi "Die Toten auf Föhr" präsentiert Anna Johnannsen bereits den 12. Fall für die Insel-Kommissarin Lena Lorenzen, die mit ihrem Team in einem brisanten Fall auf der nordfriesischen Insel ...

Mit ihrem Regio-Krimi "Die Toten auf Föhr" präsentiert Anna Johnannsen bereits den 12. Fall für die Insel-Kommissarin Lena Lorenzen, die mit ihrem Team in einem brisanten Fall auf der nordfriesischen Insel ermittelt. Im Fokus stehtn die Wiederaufnahme der Ermittlungen in einem tödlichen Familiendrama, der als Erweiterter Suizid längst zu den Akten gelegt worden ist, auch wenn es sich durchaus um einen brutalen Mord an einer Mutter und ihren zwei Kindernhandeln könnte.

Das Cover ist in düsteren Farbtönen gehalten und stimmt auf das bedrückende Geschehen ein. Ermittlungen im Rahmen des Todes von kleinen Kindern sind emotional belasten für alle Beteiligtend. Der Titel ist sachlich, ohne jegliche Emotionen.

Wer einen spannenden Krimi mit Nordsee-Feeling sucht, sollte die Romane von Anna Johannsen beachten. Wie immer erzählt sie eine in sich abgeschlossene Geschichte, die man ohne jegliche Vorkenntnisse lesen kann. Allerdings ist eine Lektüre der erschienenen Bücher in der vorgegebenen Reihenfolge sinnvoll, wenn man die charakterliche Entwicklungen der handelnden Personen nachvollziehen will.

In meiner Bewertung fühle ich mich etwas hin- und hergerissen. Einerseits habe ich die leicht lesbare Lektüre als realitätsnah und logisch nachvollziehbar erlebt. Der Fall war sehr interessant und vielschichtig angelegt, die Schilderung von privaten Problemen der Ermittelnden ist geschickt in die laufende Handlung integriert worden. Andererseits sind für mich einige Fragen (z. B. die Klärung des Vorwurfs der häuslichen Gewalt, Untersuchung der Einflussnahme auf die Ermittlungen) offen geblieben, was mich persönlich etwas gestört hat. Alles in allem handelt es sich um gute Unterhaltung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Sylt-Träume...

Frühlingsgefühle im kleinen Bonbonladen am Meer
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Moin!

Mit ihren gefühlsbetonten Sylt-Romanen hat Julia Rogasch sich längst in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben. Als klassische Romane für die wärmere Jahreszeit dürfen die Wohlfühl-Romane um das ...

Moin!

Mit ihren gefühlsbetonten Sylt-Romanen hat Julia Rogasch sich längst in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben. Als klassische Romane für die wärmere Jahreszeit dürfen die Wohlfühl-Romane um das kleine Zuckerhüs gelten, ein alteingesessener Bonbonladen mitten in Keitum, einem idyllischen Kapitänsdorf mit romantischen Reetdachhäusern, verwinkelten Gassen und friesischer Kultur Nach dem erfolgreichen Auftakt mit dem ersten Band "Herzklopfen im kleinen Bonbonladen am Meer" schenkt Julia Rogasch uns ein Wiedersehen mit den lieb gewonnenen Protagonistinnen in ihrem zweiten Band "Frühlingsgefühle im kleinen Bonbonladen am Meer", der von den aufwendigen Vorbereitungen für eine (doppelte) Traumhochzeit erzählt. Auch wenn man diese in sich abgeschlossene Geschichte völlig unabhängig von dem Vorgänger lesen kann, möchte ich allen Leser*innen ans Herz legen, sie in der "richtigen" Reihenfolge hintereinander zu lesen. Es ist so schön, die (berufliche und private) Entwicklung der handelnden Charaktere zu verfolgen, die sehr liebevoll und sorgfältig ausgearbeitet worden sind.

Das Cover ist sehr schön ausgestaltet worden. Es zeigt ein altehrwürdiges Reetdach-Häuschen an einem sonnigen Tag, umrahmt von einem traumhaften Garten voller Hortensien. Der Titel ist sehr gefühlsbetont und weckt eine gewisse Erwartungshaltung.

Wie bereits erwähnt, spielt dieser Wohlfühl-Roman auf Sylt. Das Geschehen ist in der aktuellen Gegenwart veranktert und wird im steten Wechsel aus der Sicht von Insa und Marla vermittelt, zwei unzertrennlichen Freundinnen, die sich auf der Trauminsel Sylt kennen- und schätzen gelernt haben. Marla ist eine realistisch denkende und handelnde Frau, die sich auf die Leitung des kleinen Bonbonladens konzentriert. Dahingegen ist Insa, die sich auf die Betreuung von (mehr oder weniger exklusiven) Ferienimmobilien fokussiert hat, spirituell veranlagt und etwas esoterisch angehaucht. Trotz dieser charakterlichen Gegensätze verstehen sie sich ausgezeichnet, was auch für Per und Thore, die jeweiligen Männer an ihrer Seite gilt.

Alle Bücher von Julia Rogasch atmen ein besonderes Nordsee-Flair, das sich kaum in Worte fassen lässt. Mit ihrem emotional berührenden, warmherzigen literarischen Stil schenkt sie allen Lesenden eine lebendige, reizende, romantische Lektüre, sorgt für große und kleine Glücks- und Herzens-Momente, trotz der (dramaturgisch notwendigen) Irrungen und Wirrungen in der Liebe, die für zusätzliche Spannung sorgen. Perfekt für alle Sylt-Fans, die sich eine kleine Auszeit für die Seele gönnen und an die malerischen Schauplätze der Handlung träumen möchten.Ich habe diesen Feel-Good-Roman sehr genossen und möchte mich ausdrücklich für dieses wunderschöne Lese-Vergnügen bedanken!.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Die Liebes-Masche...

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
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Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Frauen sind wichtige Themen im öffentlichen Diskurs. Ein bekanntes Phänomen ist die sog. "Loverboy-Methode", dargestellt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ...

Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Frauen sind wichtige Themen im öffentlichen Diskurs. Ein bekanntes Phänomen ist die sog. "Loverboy-Methode", dargestellt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im TATORT "Loverboy" (2013) und im Film "Ich gehöre ihm" (2017). In ihrem neuen Roman "Loverboy - Niemand liebt dich so wie ich" schildert Antonia C. Wesseling, wie die junge unsichere Studentin Vivian von einem attraktiven Mann gezielt manipuliert, von ihren Freund*innen isoliert und von sich abhängig gemacht wird, um sie im Laufe des Geschehens zum Zwecke der finanziellen Ausbeutung in die Prostitution und Drogenabhängigkeit zu zwingen.

Das Cover spiegelt die düstere Grundstimmung des Romans, verstärkt durch den perfekt abgestimmten farbigen Buchschnitt. Der Titel rekurriert auf das Phänomen, der Untertitel wirkt wie eine latente Drohung.

Hinsichtlich des Settings hat Antonia C. Wesseling sich für die pulsierende Metropole Berlin entschieden. Ihr Roman spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, in stetem Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit. Das Geschehen wird aus der Sicht von drei Personen (Lola, Vivian, Elias) dargestellt, die entsprechenden Text-Abschnitte sind durch ein Rauten-Symbol (#) gekennzeichnet. Sie sind komplexe Charaktere, die sich nicht als positive besetzte Identifikationsfiguren eignen. Aufgrund von traumatischen Erfahrungen in ihrem Elternhaus ist Vivian eine instabile Frau, die ihr Kunst-Studium schleifen lässt und sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, eine leichte Beute für einen erfahrenen Loverboy. Auch Lola ist keine starke Persönlichkeit, sie hat ihr Psychologie-Studium aufgrund der Demenz-Erkrankung ihrer Mutter (und eines traumatischen Erlebnisses auf einer Party) unterbrochen, was sie ihrem sozialen Umfeld gegenüber verheimlicht. Elias hat eine kriminelle Karriere hinter sich, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sucht er seinen Platz in der Gesellschaft - und seine Halb-Schwester Vivian. Allzu oft handeln Elias und Lola aus dem Bauch heraus, sie setzen auf volles Risiko und geraten in haarsträubende, mitunter lebensgefährliche Situationen. Auf ihrer verzweifelten Spurensuche kommen sie sich näher, die Darstellung der (von echten Gefühlen geprägten) spontanen Romance steht in einem krassen Kontrast zur gefakten Beziehung von Vivian.

Meiner persönlichen Ansicht nach ist Antonia C. Wesseling ein spannender, verstörender Roman mit vielen (schockierenden) Wendungen gelungen. Literarisch gesehen, handelt es sich um "harte Kost", insoweit ist die Trigger-Warnung für sensible Menschen aufgrund der expliziten Darstellung von physischer, psychischer und sexueller Gewalt und die Verwendung einer rohen, ungeschliffenen Sprache angemessen. Die komplexe fiktive Geschichte von Vivian wirkt sehr glaubhaft und löst Betroffenheit aus. Sie sensibilisiert junge Lesende (aber auch ihre Eltern!) für das weit verbreitete Phänomen, indem sie auf die perfide Masche und charakteristische Merkmale von Loverboys aufmerksam macht. Insoweit kann man sie durchaus als "Pflichtlektüre" in unserer heutigen Welt ansehen.

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