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Veröffentlicht am 24.02.2021

Motivierender Ratgeber für ein aufgeräumtes Leben

Der Aufräum-Kompass
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„Deine Wohnung und dein Haushalt spiegeln deine Seele wider. Eine aufgeräumte Wohnung bedeutet meist auch eine aufgeräumte Seele.“
~Zitat: Jelena Weber~
(Quelle: ZS Verlag)


MEINE MEINUNG
Wer kennt das ...

„Deine Wohnung und dein Haushalt spiegeln deine Seele wider. Eine aufgeräumte Wohnung bedeutet meist auch eine aufgeräumte Seele.“
~Zitat: Jelena Weber~
(Quelle: ZS Verlag)


MEINE MEINUNG
Wer kennt das nicht? Der Alltag wird immer chaotischer, viel zu viel unnützer Kleinkram hat sich angesammelt, die Schränke quellen über mit Dingen, die man weder braucht noch mag. Da hilft nur noch rigoroses Ausmisten, Aufräumen und Sortieren – Themen, die sicher nicht beliebt sind und obere Priorität haben, die einem aber offenbar viel Zeit und Nerven sparen und darüber hinaus sogar ein Kompass für ein glückliches, entspanntes und aufgeräumtes Leben werden können.
Klingt toll, oder?
In ihrem kürzlich im ZS-Verlag erschienenen Ratgeber „Aufräum-Kompass - Sauber machen, Ordnung schaffen, Ordnung halten: Die besten Strategien für ein schönes Zuhause“ zeigt uns die erfolgreiche Bloggerin und Aufräum-Expertin Jelena Weber, wie man einen chaotischen Haushalt in den Griff bekommt und sich schließlich über ein aufgeräumtes Wohlfühlzuhause freuen kann.
Sehr unterhaltsam und anschaulich erzählt die sympathische Autorin in ihrem äußerst motivierenden Ratgeber beispielsweise über ihre sehr persönlichen Erfahrungen, erklärt uns, warum das Aufräumen auch sehr viel mit Selbstliebe zu tun hat und dass unsere Wohnung unsere Seele widerspiegelt.
In 7 verschiedenen Kapiteln will sie uns ihren Kompass für ein aufgeräumteres Leben vermitteln und hat viele hilfreiche Tipps und alltagstaugliche Tricks zum Aufräumen, Ordnen und Putzen zusammengestellt.
Sehr gut gefallen hat mir, dass die Autorin verschiedene Methoden zum Ausmisten und Ordnungshalten ausgetestet hat und uns diese Aufräum-Methoden im eigenen Praxistest sehr übersichtlich vorstellt. Die Autorin gibt uns immer wieder sehr ausführliche Einblicke in ihre eigenen Vorgehensweisen und Erkenntnisse und streicht heraus, was bei ihr gut funktioniert hat. Neben der berühmten KonMarie-Methode erfahren wir auch mehr über die Feng Shui-Methode und die Swedish Death Cleaning-Methode – so kann man selber auswählen, welche Methode einem am ehesten zusagt.
So erfahren wir auch wie man sich am besten aufraffen kann, bestimmte Routinen entwickelt und den eigenen Partner zu mitmachen bewegt. Zudem erhalten wir wertvolle Tipps, was man mit den aussortierten Sachen machen und anderen eine Freude bereiten kann. Ausgedehnt wird das umfangreiche „Entrümpelungs“-Programm schließlich auf das eigene Leben und so finden wir auch Tipps zum Umgang digitalem Müll, „Seelenballast“ und dem Thema Veränderung im Job.
Sehr ansprechend und inspirierend sind auch die nachhaltigen DIY- und Upcycling-Ideen für verschiedene Ordnungs- und Aufbewahrungssysteme, die dank der einfachen und schön bebilderten Anleitungen von Jelena Weber leicht und zudem günstig nachzumachen sind. Schließlich finden sich auch zum Thema Saubermachen und nachhaltiges Putzen interessante Anregungen und Vorschläge für selbstgemachte, umweltschonende Alternativen zu den gängigen Putzmitteln.
Gut gefallen hat mir auch die sehr ansprechende und übersichtliche Gestaltung des ganzen Buches. Besonders gelungen finde ich die sehr schöne, den Inhalt untermalende Bebilderung mit geschmackvollen und natürlichen Fotos von Richard Brzozowski sowie anschauliche Zeichnungen zur Auflockerung und ergänzende, farbige Info-Kästen zu einigen der Tipps. Abgerundet wird der Aufräum-Ratgeber mit einem umfangreichen alphabetischen Register, das einem das Auffinden verschiedener Themen und Stichwörter erleichtert.
Auch wenn einige Tipps sicher nicht so neu sind und gewisse Schilderung sich wiederholen, so kann doch jeder - egal ob Aufräummuffel oder Ordnungsfanatiker – zahlreiche nützliche Tipps, viel Inspiration und Motivation aus diesem Buch mitnehmen.

FAZIT
Insgesamt ist Jelena Weber ein hilfreicher, unterhaltsamer und angenehm zu lesender Ratgeber gelungen, der viele Anregungen zum Ausmisten liefert, verschiedene Aufräumstrategien vorstellt und einen auf jeden Fall dabei unterstützt, Ordnung in die eigenen vier Wände zu bringen.
So möchte man nach dem Lesen des Buchs am liebsten direkt anfangen mit einem neuen, aufgeräumten Leben!

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Veröffentlicht am 03.02.2021

Sehr fesselnder Krimi

Die Krieger
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INHALT

Das Jahr 1984 hat gerade begonnen, die Proteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen hören nicht auf, im Radio läuft Joy Division. Nick Marzek, 43, ist gebürtiger Berliner und seit kurzem ...

INHALT

Das Jahr 1984 hat gerade begonnen, die Proteste gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen hören nicht auf, im Radio läuft Joy Division. Nick Marzek, 43, ist gebürtiger Berliner und seit kurzem Kriminalkommissar bei der Münchner Polizei. Nach dem Tod seiner Frau versucht er sich im Reich von Franz Josef Strauß und dessen CSU ein neues Leben aufzubauen. Mit bescheidenem Erfolg. Geblieben sind ihm seine Arbeit und das Gefühl der Fremdheit. Da ereignet sich ein verheerender Brandanschlag auf die Diskothek Liverpool im Bahnhofsviertel. Es gibt zahlreiche Verletzte, und der Druck auf die ermittelnden Beamten ist groß. Alles deutet zunächst auf Revierkämpfe im Münchner Rotlichtmilieu hin. Doch dann nimmt der Fall eine unerwartete Wendung: Von der italienischen Polizei wird den Ermittlern ein Bekennerschreiben zugeschickt, und Nick bleibt nichts anderes übrig, als dem Hinweis nachzugehen – er muss nach Italien, um den Fall aufzuklären. Hilfe bekommt er dabei von Graziella Altieri, die bei der Mordkommission eigentlich als Reinigungskraft arbeitet, nun aber als Übersetzerin einspringen muss. Und plötzlich nimmt der Fall politische Dimensionen an, die auf beängstigende Weise aktuell sind.

(Quelle: DuMont)

MEINE MEINUNG

Mit „Die Krieger“ ist dem deutschen Drehbuchautoren und Schriftsteller Martin Maurer ein packender Kriminalroman gelungen, der vor einem realen zeitgeschichtlichen Hintergrund spielt und in dessen Mittelpunkt eine grauenvolle Mordserie steht, die auf das Konto der vor allem in Oberitalien agierenden, rechtsextremen Gruppe „Ludwig“ ging. Aufgrund der möglichen politischen Verwicklungen, die bis heute jedoch nicht aufgedeckt werden konnten, der Brutalität der Taten und des erschreckenden Fundamentalismus besitzt dieser Fall auch heute noch eine beängstigende Aktualität und stimmt sehr nachdenklich.

Der Roman ist zugleich Auftakt einer neuen Krimireihe, die in der Bayerischen Landeshauptstadt der 80ger Jahre angesiedelt ist und sich um den interessanten Hauptkommissar Nick Marzek dreht, der von seiner Heimatstadt Berlin erst seit kurzem bei der Münchner Kriminalpolizei im Einsatz ist.

Schon der beklemmende Einstieg mit den knappen, nur szenisch angerissenen und recht plastischen Schilderungen und den sehr verworrenen Geschehnissen hat mich auf Anhieb gefesselt. Gekonnt präsentiert uns Maurer ein düsteres, atmosphärisch dichtes und sehr realitätsnahes Setting jenseits von Münchens pittoreskem Postkartenidyll und lässt uns in ein trostloses Milieu der City mit vielen gescheiterten Existenzen und dubiosen Gestalten eintauchen.

Mit dem verheerenden Brandanschlag auf die Münchner „Sex“-Diskothek Liverpool Anfang des Jahres 1984, für den sich die ominöse Gruppe LUDWIG in einem Bekennerschreiben bekennt, erhält der neue Fall für den ermittelnden Kommissar Marzek eine völlig neue Dimension. Gemeinsam mit Graziella Altieri, die eigentlich als Putzfrau in der Mordkommission arbeitet und nun kurzerhand als Dolmetscherin fungieren soll, wird Nick nach Norditalien geschickt. Bei seinen abenteuerlichen Nachforschungen wird ihm jedoch schnell klar, dass der Brandanschlag in München nur Teil einer beispiellosen Mordserie ist, die immer größere Kreise zieht.

Gekonnt verwebt Martin Maurer die historisch verbürgten Fakten und realen Geschehnisse mit seinen fiktiven Charakteren zu einer sehr mitreißenden und äußerst wendungsreichen Krimihandlung. Äußerst fesselnd ist es, die sehr authentisch wirkenden Nachforschungen zu den verschiedenen Mordfällen, die der Gruppe Ludwig zugeschrieben werden konnten, mit den verwirrenden Details über die Opfer und Tathergang mit zu verfolgen, Zusammenhänge herzustellen und darüber hinaus Rückschlüsse auf die beklemmenden Hintergründe und möglichen Täterkreis zu ziehen. Der Autor bietet dem Leser einen sehr gut recherchierten und spannend aufbereiteten Überblick über die vielen zusammengetragenen Erkenntnisse und zugleich eine realitätsnahe Milieustudie der gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit.

Der Autor hat sich mit seinem Protagonisten Nick Marzek einen wirklich interessanten, tiefgründigen Charakter einfallen lassen, mit seinen vielen Ecken und Kanten und seiner abgeklärten Sichtweise aufs Leben wirkt er sehr lebensnah. Er ist nach einem schweren privaten Schicksalsschlag zwar immer noch angeschlagen und labil, doch ist er inzwischen auf einem guten Weg und verbeißt sich zunehmend in den komplexen Fall. Auch die vielschichte Charakterisierung von Gabriella, dem weiblichen Gegenpart zu Nick, ist äußerst gelungen. Mit ihrem typisch italienischen Wesen - temperamentvoll, gewitzt und hochkommunikativ – wird sie trotz einiger offensichtlicher Defizite schon bald für die schwierigen Ermittlungen aber schließlich auch für Nick persönlich absolut unentbehrlich. Ihre Lebendigkeit und Schlagfertigkeit bringen viel Schwung und Abwechslung in die Handlung und sorgen für einige amüsante Episoden. Das ungleiche und sehr eigenwillige Ermittlerduo dringt bei ihren hartnäckigen Nachforschungen immer tiefer in die verworrene Materie ein, folgt vielen Spuren und erkennt schließlich bedeutsame Zusammenhänge, die sie zu den potentiellen Tätern führen. Geschickt verdichtet der Autor die spannende Handlung immer mehr und lässt diese nach einigen überraschenden Wendungen in einem etwas überstürzten, aber packenden Finale gipfeln. Vieles bleibt am Ende des Romans ungeklärt – wie auch bei dem realen Kriminalfall um die Gruppe Ludwig, doch finde ich den offenen Ausklang der Geschichte gut gewählt, denn er lässt auf eine Fortsetzung mit Nick und Gabriella hoffen.

Der etwas eigenwillige, prägnante Erzählstil des Autors mit vielen kurzen, lebendigen und knackigen Dialogen passt sehr gut zur Geschichte und den jeweiligen Charakteren. Zudem versteht er es mit seinen atmosphärisch dichten Beschreibungen hervorragend, das Kopfkino anspringen zu lassen oder eine auch oft düstere, unheilvolle Stimmung einzufangen.

FAZIT
Ein ungewöhnlicher und sehr fesselnder Krimi, der sich mit den Taten einer rechtsextremen Terrorgruppe beschäftigt und auf wahren Begebenheiten beruht! Hervorragend recherchiert, spannend aufbereitet, mitreißend erzählt und mit einem faszinierenden zeitgeschichtlichen Flair – für mich ein sehr unterhaltsames Leseerlebnis!

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Faszinierende Familiengeschichte

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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INHALT
Berlin, 2017. Die 27-jährige Hannah Borowski bekommt einen Brief, der sie als mögliche Erbin eines verschollenen jüdischen Kunstvermögens ausweist. Warum weiß sie nichts von ihrer jüdischen Familie? ...

INHALT
Berlin, 2017. Die 27-jährige Hannah Borowski bekommt einen Brief, der sie als mögliche Erbin eines verschollenen jüdischen Kunstvermögens ausweist. Warum weiß sie nichts von ihrer jüdischen Familie? Warum will ihre Großmutter Evelyn — ihre einzige lebende Verwandte — nicht darüber sprechen?

Rostock, 1924. Senta Köhler, 18 Jahre alt, ist ungewollt schwanger. Der Vater des Kindes, ein hochdekorierter Fliegerheld aus dem Ersten Weltkrieg, verspricht, sie zu heiraten. Den Plan, mit ihrer besten Freundin Lotte nach Berlin zu gehen, muss sie begraben. Als die Ehe nach zwei Jahren zerbricht, stellt Sentas Mann sie vor eine Entscheidung: Er willigt nur in die Scheidung ein, wenn Evelyn, die gemeinsame Tochter, bei ihm bleibt. Senta geht ohne ihr Kind nach Berlin.
Berlin, 1927. Senta findet Arbeit beim Berliner Tageblatt und steigt von der Schreibkraft zur Journalistin auf. Sie heiratet einen jüdischen Kollegen, Julius Goldmann, dessen Vater Itzig ein angesehener Kunsthändler ist. Sie und ihr Mann werden Teil der Berliner Kunst- und Kulturszene. Schließlich fliehen beide vor den immer stärker werdenden Repressalien der Nationalsozialisten.
(Quelle: Ullstein)
MEINE MEINUNG
Mit ihrem bemerkenswerten Debüt „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ ist der deutschen Autorin Alena Schröder ein interessanter und bewegender historischer Roman gelungen. Hinter dem ungewöhnlich langen und etwas sperrig wirkenden Titel, dessen Bedeutung lange im Dunkeln bleibt und erst im Laufe der Handlung enthüllt wird, verbirgt sich eine spannende, großartig erzählte und nachdenklich stimmende Familiengeschichte, die sich über vier Generationen hinweg erstreckt und eine Zeitspanne von fast hundert Jahren umfasst.
Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die faszinierenden Frauen der Familie Senta, Evelyn, Silvia und Hannah mit ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen, ihren außergewöhnlichen Biografien, folgenschweren Entscheidungen und sorgsam gehüteten Geheimnissen, die bis in die Gegenwart nachwirken.
Besonders fasziniert hat mich der Hintergrund, dass der Roman von der außergewöhnlichen Lebensgeschichte von Schröders Urgroßmutter inspiriert wurde. Entgegen den damaligen Konventionen hatte diese –ähnlich wie die eigenwillige Romanfigur Senta- ihre 3jährige Tochter bei Verwandten zurückgelassen und war ins quirlige Berlin der 1920ger Jahre gezogen, um ihren Traum von einem selbstbestimmten und freien Leben zu realisieren. Sehr eingehend setzt sich die Autorin daher auch mit den Themen Selbstverwirklichung, Mutterschaft, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie dem Verhältnis zwischen Mutter und Tochter auseinander. Gekonnt zeigt sie in ihrer Geschichte auf, wie nachhaltig Lebensentscheidungen auch das Leben der nachfolgenden Generationen beeinflussen und emotional prägen können.
Die zwei sich abwechselnden, auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelten Erzählstränge haben mich bald in ihren Bann gezogen. In der fesselnden, in der Gegenwart angesiedelten Rahmenhandlung lernen wir die sympathische 27-jährige Studentin Hannah und ihre im Altersheim lebende Großmutter Evelyn kennen. Zufällig erfährt sie, dass ihre Evelyn Erbin eines während der Nazizeit verschollenen Kunstschatzes sein soll. Da die Großmutter sich aber über ihre Vergangenheit, die familiären Wurzeln und genaueren Hintergründe beharrlich schweigt, begibt sich Hannah auf eigene Faust auf eine ereignisreiche Spurensuche.
Einfühlsam und mit angenehmer Leichtigkeit zeichnet die Autorin in den Rückblicken bedeutsame Lebensstationen ihrer Figuren aus der Vergangenheit nach und nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise, die uns ausgehend von den bewegten 1920er Jahren, zu den düsteren, unheilvollen 30er Jahren und Zweiten Weltkrieg, über die schwierige Nachkriegszeit bis hinein in die Gegenwart führt. Atmosphärisch dicht und anschaulich sind nicht nur die unterschiedlichen Schauplätze oder spannende Einblicke in die Berliner Künstlerszene beschrieben, sondern auch die Zwänge der damaligen gesellschaftlichen Realität im Wandel der Zeiten sowie das zunehmend bedrohlichere Klima für die jüdische Bevölkerung werden sehr eindringlich vermittelt.
Alena Schröder hat mit ihrer bewegenden Familiengeschichte sehr beeindruckende, vielschichtige Frauen-Figuren geschaffen, die mit ihren Eigenheiten, Stärken und Verletzlichkeiten sehr lebensnah und lebendig wirken. Sie versteht es, uns im Laufe der Handlung ihr Innenleben, ihre schillernde Persönlichkeit und charakterliche Entwicklung sehr glaubhaft näherzubringen. Auch wenn man nicht immer ihre Beweggründe gutheißen und nachvollziehen kann, so kann man sich dennoch recht gut in sie hineinversetzen.
Sehr fesselnd und abwechslungsreich ist auch der Erzählstrang mit Hannah in der Gegenwart ausgearbeitet, der uns aufschlussreiche Einblicke in das Gefühlsleben der etwas orientierungs- und ziellosen jungen Frau gibt, die anfangs kaum einen Bezug zur Vergangenheit ihrer Familie und ihren Wurzeln hatte. Auf Hannahs Affaire und den etwas unglaubwürdigen Part des nerdig-nervigen Jörg hätte ich jedoch gerne verzichten können, während ich einige Episoden als etwas zu rasch abgehandelt empfand. Dennoch ist es sehr spannend, Hannah auf ihrer Spurensuche nach dem verschollenen Kunstvermögen zu begleiten und die Geheimnisse aus der Vergangenheit aufzudecken.
Geschickt verdichtet die Autorin ihre Geschichte nach einigen unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Enthüllungen immer weiter und lässt diese schließlich sehr stimmig ausklingen.

FAZIT
Ein fesselnder und abwechslungsreich erzählter Debütroman mit einer beeindruckenden und berührenden Familiengeschichte über vier Frauen-Generationen und einem folgenschweren Familiengeheimnis.

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Tief berührende Familiengeschichte

Vati
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INHALT
Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von ...

INHALT
Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von dem vielen Platz und der Bibliothek im Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen, von der Armut und den beengten Lebensverhältnissen. Von dem, was sie weiß über ihren Vater, was sie über ihn in Erfahrung bringen kann. Mit großer Wahrhaftigkeit entsteht ein Roman über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen, eine Suche nach der eigenen Herkunft. Ein Erinnerungsbuch, das sanft von Existenziellem berichtet und schmerzhaft im Erinnern bleibt. „Ja, alles ist gut geworden. Auf eine bösartige Weise ist alles gut geworden.“
(Quelle: Hanser)

MEINE MEINUNG
Nach dem vielgelobten Roman „Bagage", in dem die österreichische Autorin Monika Helfer die bewegende Familiengeschichte ihrer aus einem ärmlichen Vorarlberger Bergdorf stammenden Mutter und Großeltern zu Zeiten des 1. Weltkriegs erzählt, hat sie mit „Vati“ nun einen weiteren Erinnerungsroman geschrieben, der eine gelungene Fortführung von „Bagage“ darstellt, aber auch ohne Vorkenntnisse problemlos zu lesen ist.
In ihrer bemerkenswerten autofiktionalen Geschichte widmet sich Monika Helfer der Lebensgeschichte ihres Vaters Josef Helfer und den Erinnerungen an ihre eigenen Familiengeschichte.
In sehr einfühlsam und eindringlich erzählten Episoden fügt sie die unterschiedlichsten Erinnerungsfragmente zu einem berührenden Portrait ihres Vaters zusammen, das jedoch eine faszinierende und glaubwürde Annäherung an seine vielschichte Persönlichkeit mit vielen Unschärfen und Leerstellen bleibt. Allmählich lernen wir einen sehr eigenwilligen und doch faszinierenden Menschen kennen, voller Rätsel und Widersprüche, wortkarg und unnahbar. Als Kriegsversehrter ist er aus dem 2. Weltkrieg mit nur einem Bein zurückgekehrt, heiratet die ihn pflegende, resolute Krankenschwester Grete und statt seinen ehrgeizigen Traum von einem naturwissenschaftlichen Studium zu realisieren, lebt er mit seiner kleinen Familie in den Nachkriegsjahren als Verwalter eines Kriegsversehrtenerholungsheims in den Bergen. Ein idyllischer Zufluchtsort wird dies für die Familie und den Vater, der hier ungestört seiner großen Liebe für schöne Bücher nachgehen kann, und doch durch eine fatale Fehlentscheidung alles zerstört.
Gekonnt greift die Autorin in Rückblenden immer wieder in „Bagage“ erzählte Begebenheiten auf, lässt die vermeintlich unbeschwerte Nachkriegszeit lebendig werden und lässt zudem einige Anekdoten aus der jüngeren Vergangenheit mit einfließen.
Mit faszinierender Leichtigkeit und voller Herzenswärme trägt die Autorin die verschiedenen Facetten dieses Mannes zusammen, erzählt über seine Herkunft, Verletzlichkeiten, Passionen, kleinen Fluchten und Unzulänglichkeiten.
„Vati“ lässt er sich von seinen Kindern nennen, da es modern klinge und doch vermittelt uns die Autorin von ihm ein eher traditionelles Vaterbild, das doch recht typisch für jene Zeit ist – traumatisiert von Kriegserlebnissen, geprägt durch seiner Erziehung und Herkunft, gefangen in unüberwindbaren Umständen, die keine Träume zulassen, und hineingepresst in eine Rolle, aus der er sich bisweilen zu befreien versteht. Schonungslos und doch ohne jede Anklage schildert sie schließlich das schmerzvolle Abwenden des Vaters nach dem frühen Krebstod der geliebten Mutter, den unaufhaltsamen Verfall der Familie und konfrontiert uns mit seiner unverständlichen Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den Kindern.
FAZIT
Ein tief berührender, wundervoll warmherzig erzählter Erinnerungsroman, der tiefe Einblicke in Helfers persönliche Familiengeschichte gewährt. Ein feines, ganz besonderes Leseerlebnis!

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Enttäuschender historischer Roman

Das letzte Licht des Tages
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INHALT
Eine grausame Zeit, ein schrecklicher Fehler und die Hoffnung auf Vergebung:
Frankreich 1940: Als Inés herausfindet, dass ihr Ehemann auf dem Weingut der Familie Flüchtlinge und Waffen für die Résistance ...

INHALT
Eine grausame Zeit, ein schrecklicher Fehler und die Hoffnung auf Vergebung:
Frankreich 1940: Als Inés herausfindet, dass ihr Ehemann auf dem Weingut der Familie Flüchtlinge und Waffen für die Résistance versteckt, ist auch sie gezwungen, eine Seite zu wählen. Inés schließt sich dem Widerstand an – und begeht einen schrecklichen Fehler, der das Leben aller auf dem Weingut für immer verändert.
Jahrzehnte später begleitet die junge Amerikanerin Liv ihre exzentrische Großmutter auf eine Reise nach Frankreich. Vom Weingut Chauveau fühlt Liv sich wie magisch angezogen – auch, weil sie spürt, dass ihre Großmutter nicht zufällig hierher wollte. Mithilfe des sympathischen Anwalts Julien Cohn beginnt Liv, die Geschichte des Weinguts zu erforschen. Ihre Recherchen führen sie zurück in die dunkelste Zeit des 2. Weltkriegs, zu einer Geschichte von Liebe und Verrat – und der Hoffnung auf Vergebung.
(Quelle: Knaur)

MEINE MEINUNG
Der historische Roman »Das letzte Licht des Tages« von der amerikanischen Bestseller-Autorin Kristin Harmel erzählt eine dramatische Familien- und tragische Liebesgeschichte im von den Deutschen besetzten Frankreich zur Zeit des 2. Weltkriegs. Angepriesen wird das Buch als ein großer historischer Roman über das 20. Jahrhundert mit einer gefühlvollen, wendungsreichen und atmosphärisch dichten Geschichte, die in der traditionsreichen Champagne angesiedelt ist.
Herausgekommen ist dabei ein überdramatisierter Historienschmöker, der mich leider nicht erreichen und berühren konnte. Enttäuschender Weise dient der historische Hintergrund mit einigen eingestreuten zeitgeschichtlichen Details leider eher nur als eine recht schablonenhafte Kulisse mit den typischen stereotypen Versatzstücken zu rein dramaturgischen Zwecken und war für meinen Geschmack viel zu reißerisch aufgezogen. Hier hatte ich mir doch eher eine sorgsam recherchierte, subtil erzählte und stimmige Hintergrundgeschichte für den während des 2. Weltkriegs spielenden Handlungsstrang erhofft.
Der Roman wird aus zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt - zum einen aus der Gegenwart im Jahr 2019 und zum anderen in der Vergangenheit in den Jahren 1940 bis 1945. In einander abwechselnden Erzählsträngen erleben wir die Handlung aus den Perspektiven von Inès und Céline auf dem Weingut in der Champagne während des 2. Weltkriegs sowie aus Sicht der in New York lebenden, frisch geschiedenen Liv im Jahr 2019, die von ihrer hochbetagten Großmutter Edith in deren Heimat Frankreich geholt wird. In der in der Gegenwart angesiedelten Rahmenhandlung wird rasch klar, dass die Großmutter ihrer Enkelin Liv ein streng gehütetes Familiengeheimnis möchte und so tauchen wir gemeinsam mit der ahnungslosen Liv in Rückblenden allmählich in die verhängnisvollen Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieg auf dem Weingut in der Champagne ein. Ganz nebenbei lässt die Autorin in den Plot auch noch viele interessante Details zur Champagnerherstellung einfließen. Die Autorin hat in ihre teilweise recht melodramatische Geschichte voller Sehnsucht, Enttäuschungen, Missgunst, Schmerz, großer Liebe, Verrat und Verlust rund um ihre zahlreichen Charaktere eine Vielzahl von Verwicklungen und tragischen Wendungen eingebaut, immer wieder gewürzt mit einigen historischen Details zur mutigen Arbeit der Résistance gegen die brutalen deutschen Nazi-Schergen. Äußerst mitreißend und fesselnd ist dies alles auf beiden Zeitebenen geschildert, aber leider auch sehr überzogen und unglaubwürdig.
Die Figuren sind mit ihren Geheimnissen zwar vielversprechend angelegt, aber in ihrer Ausarbeitung nicht besonders gut gelungen. Sie wirken insgesamt sehr eindimensional und agieren im Laufe der Handlung leider sehr naiv, vorhersehbar und klischeehaft, so dass ich mit ihnen absolut nicht warmgeworden bin. Insbesondere das Verhalten von Inès in einer Schlüsselszene war für mich absolut nicht nachvollziehbar.
Routiniert lässt die Autorin ihre Geschichte nach einem letzten unerwarteten Twist schließlich mit einem obligatorischen Happy End und der Auflösung des noch fehlenden Teilchens des tragischen Familiengeheimnisses enden.
Schade, die Ausgangskonstellation für diesen Roman hatte eigentlich einiges an Potential gehabt, doch die Umsetzung konnte mich leider überhaupt nicht begeistern und lässt mich sehr enttäuscht zurück!
FAZIT
Ein überdramatisierter Historienschmöker vor historischem Hintergrund mit einer tragischen Liebesgeschichte und recht eindimensionaler Figurenzeichnung, der mich leider nicht berühren konnte.

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