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Veröffentlicht am 26.07.2020

Interessanter Roman über eine eigenwillige Frau

Die Marschallin
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INHALT

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ...

INHALT

Die Slowenin Zora lernt ihren späteren Ehemann, den Radiologieprofessor Pietro Del Buono, am Ende des Ersten Weltkriegs kennen. Sie folgt ihm nach Bari in Süditalien, wo sie, beide überzeugte Kommunisten, ein großbürgerliches und doch politisch engagiertes Leben im Widerstand gegen den Faschismus Mussolinis führen. Zora ist herrisch, eindrucksvoll, temperamentvoll und begabt, eine Bewunderin Josip Broz Titos, dem sie Waffen zu liefern versucht und dem ihr Mann das Leben rettet. Sie will mehr sein, als sie kann, und drückt doch allen in ihrer Umgebung ihren Stempel auf. Ihr Leben und das Leben ihrer Familie, ihrer Kinder und Enkelkinder, vollziehen sich in einer Zeit der Kriege und der Gewalt, erbitterter territorialer und ideologischer Kämpfe, die unsere Welt bis heute prägen. In einem grandiosen Schlussmonolog erzählt die alte Zora Del Buono ihre Geschichte zu Ende, eine Geschichte der Liebe, der Kämpfe, des Hasses und des Verrats.

(Quelle: C.H. Beck)

MEINE MEINUNG

In ihrem fesselnden historischen Roman „Die Marschallin“ hat sich die Schweizer Autorin Zora del Buono der eigenen, äußerst ereignisreichen Familiengeschichte und dem bewegten Leben ihrer Großmutter väterlicherseits Zora del Buono angenommen, von der sie ihren Vornamen geerbt hat. In vielen aneinandergereihten Episoden, die oftmals durch größere Zeitsprünge unterbrochen sind, erzählt die Autorin von den Geschicken der Familie del Buono über drei Generationen hinweg. Eine Menge Personen lernen wir dabei kennen; das dem Roman vorangestellte Personenverzeichnis hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren.

Gekonnt führt uns die Autorin zu unterschiedlichsten Schauplätzen in Slowenien und dem übrigen Jugoslawien, Deutschland und vor allem Italien. Sie lässt uns eintauchen in die wechselvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und spannt in ihrer Familiensaga einen weiten Bogen durch die ereignisreichen Zeiten - beginnend im Jahre 1919 nach Ende des verheerenden Ersten Weltkriegs, über den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Jahr 1980, dem Todesjahr des großen „Marschalls“ Tito und zugleich dem der Protagonistin „Marschallin“ Zora del Buono, einer glühenden Tito-Verehrerin.

Die Autorin versteht es ein facettenreiches Panorama des bewegten und bewegenden 20. Jahrhunderts zu zeichnen und präsentiert uns einen äußerst faszinierenden zeitgeschichtlichen Hintergrund einer längst vergangenen Epoche.

So lässt uns sie an vielen historisch bedeutsamen Begebenheiten mit sehr aufschlussreichen weltpolitischen Einblicken teilhaben wie dem Aufstieg Mussolinis, den Folgen des Faschismus und dem erbitterten Kampf gegen die Faschisten, der Komintern sowie dem Lebensweg des einstigen Partisanengenerals und kommunistischen Staatschefs Tito, seinem umstrittenen Regime in dem faszinierenden Vielvölkerstaat Jugoslawien und seiner Beziehung zu Stalin.

Im Mittelpunkt ihres Romans steht jedoch «Die Marschallin» Zora del Buono, die Geschichte ihres Lebens und ihrer Familie, die eng mit den zeitgeschichtlichen Ereignissen verbunden und von diesen geprägt ist. Wir lernen eine faszinierende Frau mit einer eigenwilligen Persönlichkeit, bewundernswerter Stärke aber auch vielen Widersprüchlichkeiten kennen. Vom Aufstieg eines slowenischen Dorfkinds zur italienischen Arztgattin, der Geburt dreier Söhne begleiten wir sie und das Schicksal ihrer Familie und erleben sie an der Seite ihres Ehemanns als engagierte Kommunistin im Kampf gegen den Faschismus und inmitten eines kommunistischen großbürgerlichen Intellektuellenzirkels. Hierbei deckt die Autorin im Laufe der Geschichte schließlich auch ein dunkles und sehr verhängnisvolles Familiengeheimnis auf.

Der Autorin ist zwar ein äußerst schillerndes Portrait dieser faszinierenden Frauenfigur gelungen. Wegen des recht distanzierten Schreibstils blieb die Protagonistin jedoch stets wenig greifbar für mich, so dass ich mich nicht gut in ihren Charakter hineinversetzen und ihre Figur mich leider im Laufe der Geschichte nicht wirklich berühren konnte.

Dennoch werden mir diese unvergessliche Romanheldin und ihr bewegendes Schicksal in Erinnerung bleiben.

FAZIT

Ein interessanter historischer Roman über die wechselvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts und eine bewegende Familiensaga mit einer faszinierenden, aber auch widersprüchlichen Protagonistin, die leider wenig greifbar für mich blieb!

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Veröffentlicht am 07.07.2020

Lesenswerter Near Future-Thriller

Paradise City
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INHALT
Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, die großen Pandemien überstanden, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ...

INHALT
Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, die großen Pandemien überstanden, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen. Regierungssitz ist Frankfurt, das mit dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einer einzigen Megacity verschmolzen ist. Dort, wo es eine Infrastruktur gibt, funktioniert sie einwandfrei. Nahezu das gesamte Leben wird von Algorithmen gesteuert. Allen geht es gut – solange sie keine Fragen stellen.
(Quelle: Suhrkamp)

MEINE MEINUNG
Mit ihrem Thriller „Paradise City“ ist der deutschen Autorin Zoë Beck ein fesselnder und nachdenklich stimmender Roman mit beklemmenden dystopischen Elementen gelungen, der mit seinem düsteren Szenario erstaunlich nah an der derzeitigen Realität ist und für besondere Brisanz sorgt.
Die Vielschichtigkeit und beunruhigende Aktualität ihrer faszinierenden Zukunftsvision sowie der sehr glaubwürdig ausgearbeitete Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft, in der Freiheit und Selbstbestimmung bedenkenlos umfassenden staatlichen Sicherheitskonzepten und einer strikten Gesundheitsüberwachung geopfert werden, konnten mich sehr überzeugen.
Angesiedelt ist Becks Utopie in einer nicht allzu fernen Zukunft nach dem Zusammenbruch der alten Zivilisation durch Klimawandel, Naturkatastrophen und Pandemien. Die ehemalige Hauptstadt Berlin fungiert nur noch als kulissenhafter Themenpark für historisch interessierte Touristen, während der eigentliche Regierungssitz sich nun in Frankfurt, der 10 Millionen-Megastadt im Rhein-Main-Ballungsraum, befindet. Geschickt lässt uns die Autorin schrittweise eintauchen in eine vermeintlich perfekte „Schöne neue Welt“, in der ein hochtechnisierter, gut organisierter Alltag den Menschen ein sicheres und angenehmes Leben in den gut erschlossenen Megacities beschert. Dank des anschaulichen Erzählstils und des Verzichts auf komplexe Fachbegriffe und technische Details fällt der Einstieg in die Geschichte nicht schwer.
Neben der Auseinandersetzung mit tiefgründigen Themen, die jeden von uns betreffen, erwartet den Leser eine raffiniert angelegte, vielschichtige Handlung mit spannenden Krimielementen. Sehr differenziert führt uns Beck die weitreichenden Folgen einer Machtkonzentration eines Systems vor Augen, das mittels Smart-Technologie Zugriff auf die Bevölkerung hat und einen Gesundheitsfanatismus betreibt, der auch vor fragwürdigen ethischen Fragestellungen nicht Halt macht. So beleuchtet sie dabei auch die Chancen und Risiken neuer Technologien und des medizinischen Fortschritts, die zunehmend die Wirtschaftlichkeit eines jeden Einzelnen für die Gesellschaft im Fokus haben.
Gekonnt gibt uns die Autorin Einblicke in die verstörende Normalität des alltäglichen Lebens einer zunehmend entmündigten Bevölkerung, die sich in einem totalitären System gut aufgehoben fühlt und kaum noch etwas hinterfragt. Bis auf wenige nicht-staatliche Nachrichtenportale gibt es nur noch die Staatsmedien, die lückenlose Überwachung des öffentlichen Raums gewährleistet die Sicherheit der Bevölkerung und via „Smartcase“ ist eine permanente Vernetzung garantiert, wodurch jedoch auch ein jeder für das System bis ins kleinste Detail transparent wird. Insbesondere die Gesundheit und Fitness der Bevölkerung wird über die speziell vom Gesundheitsministerium entwickelte Gesundheits-App „KOS“analysiert, überwacht und zentral gesteuert – ein überaus prestige- und gewinnträchtiges Projekt, das in weitere Länder verkauft werden soll. Eingebettet in dieses erschreckende Zukunftsszenario hat die Autorin einen fesselnden, vielschichtigen Plot entworfen, in dessen Mittelpunkt die junge Protagonistin und engagierte Journalistin Liina steht, die für die nichtstaatliche Nachrichtenagentur Gallus inkognito zu Enthüllungsstories über Korruption und Skandale recherchiert. Nach dem mysteriösen Unfall ihres Chefs Yassin und dem Mord an einer Journalistin wird Liina schon bald klar, dass die beiden mit ihren Recherchen auf etwas höchst Brisantes gestoßen sind, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen darf. Je weiter die komplexe Geschichte voran schreitet, desto mehr müssen wir erkennen, dass hier nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Nach sehr aufschlussreichen Einblicken in Liinas Vergangenheit und einigen sehr überraschenden Enthüllungen und Wendungen nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und gipfelt schließlich in einem äußerst fesselnden und sehr unerwarteten Finale.
Das sehr überschaubare Figurenensemble mit interessanten, starken Frauenfiguren ist glaubwürdig und vielseitig ausgearbeitet, wobei allerdings einige Charaktere etwas blass bleiben. Sehr vielschichtig ist die Hauptfigur Liina angelegt, die mit ihrer kühlen, distanzierten Art aber auch ihren Stärken und Schwächen sehr authentisch und glaubwürdig wirkt, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann.

FAZIT
Ein beeindruckender, fesselnder und nachdenklich stimmender Near Future-Thriller mit einem beklemmenden und erschreckend realitätsnahen Szenario! Lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Spannender Hallig-Krimi mit tollem Nordseeflair

Halligmord (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 1)
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INHALT
Ein mysteriöser Mord vor der idyllischen Nordseeküste und eine Hallig voller Geheimnisse - willkommen in der Welt von Ermittlerin Minke van Hoorn!

Ein herbstlicher Sturm an der friesischen Küste ...

INHALT
Ein mysteriöser Mord vor der idyllischen Nordseeküste und eine Hallig voller Geheimnisse - willkommen in der Welt von Ermittlerin Minke van Hoorn!

Ein herbstlicher Sturm an der friesischen Küste fördert ein düsteres Geheimnis zutage: Auf der kleinen Hallig Nekpen hat die See menschliche Knochen freigespült, die schon seit Jahrzehnten im friesischen Marschboden gelegen haben müssen. Wer war der Tote? Minke van Hoorn, ehemalige Meeresbiologin und erst seit kurzem als Kommissarin zurück in ihrer friesischen Heimat, hat bei ihrem ersten Fall eine harte Nuss zu knacken. Denn die beiden alteingesessenen Familien auf Nekpen wollen von dem Skelett unter der grünen Halligwiese nichts gewusst haben. Jeder kennt jeden, einige benehmen sich merkwürdig, friesisches Schweigen liegt über dem Fall. Dann verschwindet der Sohn des alten Deichgrafen, und längst vergangene Ereignisse scheinen plötzlich ihre Finger bis in die Gegenwart auszustrecken. Minke muss sich beeilen, denn der nächste Herbststurm kündigt sich an...
(Quelle: Ullstein)
MEINE MEINUNG
Mit dem Krimi „Halligmord“ hat Greta Henning, einer unter Pseudonym schreibenden deutschen Autorin, einen interessanten und fesselnden Auftakt zu ihrer neuen Krimi-Reihe vorgelegt, die an der idyllischen Nordseeküste im Küstenstädtchen Jüstering und auf den vorgelagerten, kleinen Halligen spielt. Im Mittelpunkt steht die junge, sympathische Ermittlerin Minke van Hoorn, die als frisch gebackene Kommissarin in ihre nordfriesische Heimat zurückkehrt und den Dienst am ehemaligen Arbeitsplatz ihres verstorbenen Vaters antritt.
Die kleinen Marschinseln inmitten der sturmumtosten Nordsee, ein beschauliches Küstenstädtchen und das faszinierende Wattenmeer stellen ein tolles, einzigartiges Setting für einen Krimi mit viel Lokalkolorit dar, das mich sofort angesprochen hat. Greta Henning schafft es mit Leichtigkeit die besondere Atmosphäre der fiktiven Schauplätze und die Eigenheiten der Einheimischen sehr lebendig und stimmungsvoll einzufangen. Durch sehr anschauliche Schilderungen der Schauplätze sowie die Erwähnung einiger typisch nordfriesischer Traditionen wie das Klootschießen oder Biikefeuer unterstreicht Greta Henning gekonnt das tolle Nordseeflair.
Die Autorin hat einen sehr eingängigen und anschaulichen Schreibstil, so dass die Leser rasch mitten hinein in die Handlung gezogen werden. Noch bevor Minke ihren ersten Arbeitstag in der neuen Polizeiwache antreten kann, wird sie sie direkt zu ihrem ersten Fall gerufen. Ein vom Sturm freigespültes Skelett auf der Hallig Nekpen gibt Rätsel auf, zumal bald feststeht, dass es sich hierbei nicht um einen alten Wikinger handelt, sondern um einen vor Jahrzehnten bei einem tragischen Unfall verschollenen Halligbewohner. Tatkräftig stürzt sich Minke in die Ermittlungen zu diesem kniffligen Cold Case, befragt die alteingesessenen Familien auf Nekpen und beginnt immer tiefer in deren Vergangenheit zu graben.
Mit einem häufigen Wechsel der sehr kurz gehaltenen Erzählstränge gelingt es der Autorin, rasch Tempo und Spannung in die Handlung zu bringen. In Einschüben erhalten wir zudem aufschlussreiche Rückblicke auf vergangene Ereignisse aus den unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten und interessante Einblicke in jenen schicksalsträchtigen Abend auf Nekpen. Aber nicht nur die geschickt platzierten Szenenwechsel und die Verwendung von Cliffhanger bringen Bewegung in das Geschehen, sondern auch die eingestreuten Passagen mit den Schilderungen des verschwundenen Sohns des Deichgrafen Jasper sowie Einblicken in die Gedankenwelt des anonym bleibenden Täters heizen die Spannung zusätzlich an. Durch geschickt gelegte falsche Fährten und so manche unerwartete Wendung ist der Krimi ideal zum Mitermitteln. Auch wenn es Minke nicht leicht hat, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen, lässt sie sich nicht abschrecken und bohrt hartnäckig weiter. So merkt sie schon bald, dass fast ein jeder ihr nicht die Wahrheit erzählt und versucht, ein dunkles Geheimnis zu verbergen. Zudem ist Minke bei ihren schwierigen Ermittlungen fast völlig auf sich allein gestellt, denn ihr phlegmatischer Assistent Klaus sieht seiner Pensionierung in wenigen Tagen entgegen und ist vorrangig damit beschäftig, seine Abschiedsparty in der Dienststelle zu organisieren – was natürlich für eine äußerst unterhaltsame Episoden sorgt.
Ihre verschiedenen Charaktere hat die Autorin vielschichtig und lebensnah angelegt. Auch ihre Handlungsweisen sind gut nachzuvollziehen. Die Nebenfiguren sind durchweg gut gelungen und werden abhängig von ihrer Rolle glaubhaft und interessant ausgearbeitet. Das Privatleben der sympathischen Hauptfigur Minke und einigen Details zu ihrer Vergangenheit werden nur kurz angerissen, sind interessant und runden ihre Charakterzeichnung insgesamt ab.
Mit dem aufkommenden Sturm verdichtet sich die eher ruhige Geschichte zum Ende hin immer mehr und gipfelt schließlich in einem stürmischen Finale. Die erschreckende Auflösung von Minkes erstem Fall und die Aufklärung der Geschehnisse in Vergangenheit und Gegenwart sind insgesamt in sich schlüssig und glaubhaft.
Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Band und einen neuen Kriminalfall für die sympathische Ermittlerin, denn die neue Besetzung von Klaus Assistentenstelle ist sehr vielversprechend und lässt auf eine unterhaltsame Zusammenarbeit hoffen.
FAZIT
Insgesamt ein spannender, eher ruhiger aber sehr unterhaltsamer Krimi-Auftakt - mit einem mysteriösen Cold Case, viel Lokalkolorit und tollem Nordsee-Flair. Ein toller Regionalkrimi!

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Ein berührender Roman

Ich bleibe hier
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INHALT
Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse ...

INHALT
Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.
(Quelle: Diogenes)

MEINE MEINUNG
In seinem neuen Roman „Ich bleibe hier“ greift der italienische Autor Marco Balzano ein dunkles Kapitel aus der bewegten Vergangenheit Südtirols auf und widmet sich der berührenden Geschichte des kleinen Südtiroler Bergbauerndorfs Graun und seinem traurigen Schicksal im Wandel der Zeiten und als Spielball der politischen Interessen.
Balzano erzählt zugleich aber auch eine berührende Geschichte über Heimatverbundenheit, Entwurzelung, Verlusten, Leid, Widerstand und Tapferkeit.
Angesiedelt ist die vielschichtige Handlung im Vinschgau zwischen den 1930er bis in die frühen 1950er Jahre. Rückblickend berichtet die Ich-Erzählerin und Protagonistin Trina über ihr ereignisreiches Leben, erzählt von ihren geplatzten Zukunftsträumen, ihrem nur kurzen Familienglück und durchleidet erneut viele für sie sehr schmerzliche Erlebnisse. Im nüchternen, sehr emotionsarmen Stil einer Chronistin hat Trina ihre Familiengeschichte für ihre verschwundene Tochter zu Papier gebracht und lässt uns an dem kargen, entbehrungsreichen Leben im deutschsprachigen Vinschgau jener Zeit teilhaben. Schon bald hat mich die außerordentlich dichte und bedrückende Atmosphäre von Trinas Erinnerungen gefangen genommen und gefesselt. Oftmals schwingt beim Lesen der sachlichen Schilderungen ihrer bedrückenden Lebensgeschichte die Frage mit, wie viel Desillusionierung, Unglück und Leid ein Mensch in seinem Leben überhaupt ertragen kann und was ihn weiterleben lässt. Mit Trina hat der Autor eine überaus tiefgründige, sehr authentische Figur geschaffen, die mich sehr beeindruckt hat. Ausführlich protokolliert sie aber auch viele dramatische Ereignisse im Verlauf der bewegten Zeiten, die die Geschicke des Dorfs bedroht und das Leben seiner Bewohner sehr einschneidend bestimmt haben.
Gekonnt greift Balzano in seinem Roman eine wenig bekannte Seite in der jüngeren Geschichte Südtirols auf, das mit dem italienischen Faschismus und dem nahtlos nachfolgenden Nationalsozialismus gleich von zwei totalitären Diktaturen heimgesucht wurde. Zudem schwebte immer wieder das Damoklesschwert eines unheilvollen Staudammprojekts über der Zukunft des Tales und drohte ihre Heimat zu vernichten. Gekonnt lässt Balzano die sorgsam recherchierten historischen Abläufe in die persönliche Geschichte von Trinas Familie einfließen.
Äußerst bewegend ist es daher aus Trinas Sicht mitzuerleben, wie eine radikale Italienisierung unter Mussolini und die forcierte Siedlungspolitik die einheimische Bevölkerung unter Druck setzte und in verfeindete Lager gespaltete. Das Verbot der deutschen Amtssprache wurde von den Faschisten gezielt als perfides Mittel der Unterdrückung eingesetzt. Verschärft wurde ihre Lage noch durch ein zwischen Mussolini und Hitler geschlossenes Abkommen zur Umsiedlung der Südtiroler, wodurch sie sich für die deutsche Staatbürgerschaft und Auswanderung ins Deutsche Reich entscheiden mussten oder beim Bleiben in ihrer Heimat mit der italienischen Staatsbürgerschaft auch ihre Kultur und Sprache aufzugeben hatten. Auch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bringt für die Familie von Trina und Erich weitere Herausforderungen und folgenschwere Entscheidungen mit sich. Als nach Kriegsende schließlich das Staudammprojekt trotz massiver Proteste rücksichtslos realisiert wird, wird die Heimat vieler alteingesessener Familien dem sinnlosen Fortschritt geopfert und ein Stück Kulturlandschaft unwiederbringlich zerstört.
Als ein Meister der leisen Töne versteht es Marco Balzano hervorragend, die Emotionen und Gedankenwelt seiner Hauptfiguren einzufangen und die erlebte Tragödie aus Perspektive der Einheimischen glaubhaft darzustellen. Ihre schmerzlichen Wunden und ihr bewegendes Schicksal, das man stellvertretend für das reale Leid der Menschen in jener Zeit miterlebt, entfalten eine außerordentliche Kraft aus sich heraus und stimmen sehr nachdenklich.
Die Geschichte Grauns und das vielfältige Schicksal der Einheimischen gehen unter die Haut und werden mich die Touristenattraktion mit dem pittoresken Kirchturm im Reschen-See zukünftig mit beklommenen Gefühlen betrachten lassen. In den Anmerkungen des Autors geht Balzano ausführlich auf seine Beweggründe diesen Roman zu schreiben ein und erläutert zudem seine vielfältigen Recherchen zu den Hintergründen und Anspielungen auf einige historische Persönlichkeiten. Zur besseren Einordnung und Orientierung findet sich auf den Vorsatzblätter zudem einen hübsch illustrierte Landkartenausschnitt, der man die Lage des Vinschgauer Gebiets und die wichtigsten Orte entnehmen kann.

FAZIT
Eine berührende, großartig erzählte Geschichte über das Schicksal des kleinen Südtiroler Bergbauerndorfs Graun, die die Erinnerung an ein unrühmliches Kapitel in der jüngeren Geschichte Italiens wach halten möchte!

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Sehr inspirierendes Motivationstagebuch

Weil jeder Tag besonders ist
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MEINE MEINUNG
„Das Glück liegt in uns. Das ist die gute Nachricht“
(Quelle: Gräfe & Unzer Verlag)

„Weil jeder Tag besonders ist“ so lautet der Titel des im GU Verlag erschienenen Motivations-Tagebuchs ...

MEINE MEINUNG
„Das Glück liegt in uns. Das ist die gute Nachricht“
(Quelle: Gräfe & Unzer Verlag)

„Weil jeder Tag besonders ist“ so lautet der Titel des im GU Verlag erschienenen Motivations-Tagebuchs von Biyon Kattilathu, das uns über 6 Monate hinweg Tag für Tag begleiten und helfen möchte, unser Leben verändern. Ein wirklich hochgegriffenes Ziel – und so bin ich sehr gespannt, was MEIN TAGEBUCH mir so alles zu bieten hat, auf der viel versprechenden Reise zu mir selbst und meinem Glück. Dr. Biyon Kattilathu, Kind indischer Einwanderer aus dem Ruhrgebiet, Diplom-Wirtschaftsingenieur und promovierter Motivationspsychologe, hat sich als Motivations-Coach, Social-Media-Star und Spiegel-Bestseller-Autor inzwischen eine große Fangemeinde aufgebaut. Mit seinem inspirierenden Solo-Bühnen-Programm „Weil jeder Tag besonders ist“ ist der sympathische Entertainer 2020 zudem im deutschsprachigen Raum auf Tour. In der ausführlichen und ansprechend gestalteten Einleitung erläutert Kattilathu zunächst seine Motivation für dieses Tagebuch, was uns erwarten wird und wie man am besten damit arbeitet. Sein lockerer, eingängiger Schreibstil ist sehr verständlich und unterhaltsam gehalten und verbreitet von Beginn an gute Laune. Seine optimistische Sichtweise auf die Welt und seine positive Energie sind einfach ansteckend und sehr motivierend. Neben anschaulichen Beispielen, lehrreichen Geschichten und kleinen Illustrationen finden sich auch Seiten mit hübsch gestalteten Sinnsprüchen zur Auflockerung oder kleinen Mandalas zum Ausmalen. Die eher schlichte, aber hochwertige Aufmachung des handlichen Tagebuchs, das zudem mit einem hilfreichen Lesebändchen ausgestattet ist, ist sehr ansprechend und macht Lust darauf, es jeden Tag zur Hand zu nehmen, aufzuschlagen und damit zu arbeiten. Nach dem Einleitungsteil kommen wir nun also zum eigentlichen Tagebuch, in dem wir etappenweise daran arbeiten werden, entscheidungsfreudiger, mutiger und dankbarer zu werden und ein Umfeld zu schaffen, um uns auf unsere Träume zu konzentrieren, alles Negative loszulassen und uns selbst mehr zu lieben. Das interessante Konzept von Biyon Kattilathu ist eigentlich sehr einfach und sicherlich nichts bahnbrechend Neues, ist aber durch den vergleichsweise geringen Zeitaufwand auch im stressigen Alltag leicht umsetzbar und scheint bei etwas Selbstdisziplin und konsequenter Nutzung durchaus erfolgversprechend. Es lohnt sich also beim Tagebuch-Schreiben am Ball zu bleiben … Über 6 Monate hinweg beschäftigt man sich mit sechs unterschiedlichen Themenfeldern, die unser aller Glück maßgeblich bestimmen. So ist jeder Monat einem wichtigen Lebensthema wie beispielsweise Dankbarkeit, Mut oder Selbstliebe gewidmet. Jeder Tag besitzt eine eigene Seite im Tagebuch, auf der man morgens und abends inspirierende Fragen kurz und spontan beantworten soll und für die man wirklich nicht mehr als jeweils zwei Minuten benötigt. Zur Einstimmung auf den Tag überlegt man sich am Morgen, was den Tag besonders machen würde, beantwortet eine kurze Frage mit Bezug auf das jeweilige Monatsthema und formuliert schließlich noch einen motivierenden Satz als Credo für den Tag. Anschließend findet sich ein Zitat oder ein Sinnspruch, der zum Nachdenken anregt und mit dem man sich über den Tag hinweg beschäftigen soll. Zum Ausklang des Tages folgen am Abend zwei Fragen, um den Tag zu reflektieren und abschließend, überlegt man sich noch 3 Dinge, die den Tag so richtig schön gemacht haben und die dabei helfen, jedem Tag neue positive Seiten abzugewinnen. Schade nur, dass einige Fragen über die ganze Zeit stets gleich bleiben und nicht variiert werden. Hier hätte ich mich über etwas mehr Abwechslung beim Tagesablauf gefreut! Von Montag bis Freitag werden die „magischen Fragen“ bearbeitet, Samstags gibt es immer eine kleine, inspirierende „Glücks“-Geschichte zu lesen, während am Sonntag eine kreative Aufgabe zu lösen ist und eine spannende Challenge für die kommende Woche auf uns wartet. Als besonderes Highlight gibt es jede Woche ein neues Video von Biyon persönlich, das mit der GU Mind & Soul PLUS App abgerufen kann und in dem wir aus erster Hand erfahren, wie wir die neuen, heilsamen Routinen anwenden können. Zur Abrundung richtet Biyon Kattilathu am Ende des Tagebuchs noch einige inspirierende Schlussworte an uns, fasst die während unserer Reise zu uns selbst gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen zusammen und gibt uns abschließend noch einige Worte mit auf unseren weiteren Weg.

FAZIT
Ein toll aufgemachtes Motivations-Tagebuch mit einem einfachen, aber inspirierenden Konzept, das dabei hilft, sich besser kennen zu lernen, negative Gedanken und Gewohnheiten hinter sich zu lassen, an sich zu glauben und so Tag für Tag etwas glücklicher zu werden. Ein gelungener und sehr motivierender Einstieg auf dem Weg zum persönlichen Glück!

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