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Veröffentlicht am 02.03.2019

Packender, temporeicher Schweden-Thriller

Der Patriot
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INHALT
Nach dem kaltblütigen Mord an einer jungen, liberalen Journalistin verbreitet sich großes Unbehagen in den schwedischen Nachrichtenredaktionen. Die Vertreter der sogenannten "Lügenpresse" sind längst ...

INHALT
Nach dem kaltblütigen Mord an einer jungen, liberalen Journalistin verbreitet sich großes Unbehagen in den schwedischen Nachrichtenredaktionen. Die Vertreter der sogenannten "Lügenpresse" sind längst massive Drohungen gewohnt, doch müssen sie tatsächlich um ihr Leben bangen, denn es bleibt nicht bei einem Opfer und populistische Meinungsmacher heizen die Stimmung noch an.
Nur die junge, ehrgeizige Nachrichtenredakteurin Madeleine Winther lässt dies alles recht kalt und völlig unerschrocken nutzt sie die Situation, um ihre Karriere weiter voranzutreiben.
Der skrupellose und zu allem entschlossene Serienkiller Carl Cederhielm scheint in Stockholm mit den Medien abrechnen zu wollen, die dem ungezügelten Flüchtlingszustrom in seine Heimat wohlwollend gegenüberstehen. Zusammen mit zwei gleichgesinnten Rechtsextremen verfolgt Carl Cederhielm seine perfide Mission und macht gnadenlos Jagd auf die Journalisten auf seiner Todesliste.
Doch dann taucht ein völlig unbeteiligter Akteur aus seinem chilenischen Exil auf - August Novak. Der junge schwedische Ex-Soldat und Bodyguard ist zum Äußersten entschlossen, kommt den schwedischen Terroristen in die Quere und wird zu einem äußerst gefährlichen Gegenspieler.

MEINE MEINUNG
Dem ehemaligen schwedischen Journalisten und jungen Debütautor Pascal Engman ist mit seinem Erstling „Der Patriot“ ein beeindruckender, äußerst rasanten Thriller gelungen, der mich mit seiner brandaktuellen, sehr glaubwürdig ausgearbeiteten Thematik von Beginn an fesseln konnte.
Der Autor hat sich für seinen Page Turner einen sehr packenden und erschreckend realistischen Plot ausgedacht, der uns in eine beklemmende und brutale Realität mitnimmt, die wir mittlerweile überall in Europa beobachten können. Anschaulich führt uns Engman beängstigende Einstellungen und Strömungen in unserer Gesellschaft vor Augen, die die Politik nur zu gerne verdrängen und nicht wahrhaben möchte.
In seinem Thriller greift er zahlreiche Schlagworte wie Flüchtlingsflut, Populismus, rechtsextremistischer Patriotismus, Terrorismus, Manipulation durch Fake-News und skrupelloser Waffenhandel auf, die tagtäglich durch die Medien geistern. Geschickt verdichtet er die unterschiedlichen Themenbereiche zu einer vielschichtigen, wirklich packenden Story, die mich in Atem hielt, und ich den Thriller schließlich nicht mehr aus der Hand legen konnte.
Der Autor versteht es hervorragend, temporeich und mitreißend zu schreiben, wobei man sich auch auf einige recht brutale und blutrünstige Szenen gefasst machen sollte. Der schockierende Prolog, der mit der Ermordung der Journalistin Hannah Löwenström endet, kurz gehaltene Kapitel mit Cliffhanger und rasche Perspektivwechsel sorgen schon von Beginn an für enorme Spannung. .
Die komplex angelegte Handlung mit verschiedenen parallel laufenden Erzählsträngen, unterschiedlichen Schauplätzen und etlichen Akteuren ist lange Zeit nicht vorhersehbar. Einige unerwartete Wendungen sorgen für einen nervenaufreibenden Lesespaß, lassen Raum zum Spekulieren und geben viele Rätsel auf. Erst beim äußerst fesselnden Showdown führt der Autor geschickt die verschiedenen, miteinander verwobenen Handlungsstränge zusammen und lässt die Wege der unterschiedlichen Charaktere schließlich sich für kurze Zeit kreuzen. Natürlich bedient sich der Autor bisweilen auch einiger, für dieses Genre recht typischer Klischees, und überstrapaziert Zufälle in seinem Plot für meinen Geschmack bisweilen etwas zu sehr, aber insgesamt mindert dies die Glaubwürdigkeit und Unterhaltungswert seiner Geschichte kaum.
Der Autor hat mit seinem Protagonisten und Gegenspielern faszinierende, recht vielschichtig angelegte und stimmige Charaktere geschaffen, deren Hintergrundgeschichten und Motivation man gut nachvollziehen konnte. Zudem gewährt der Autor uns einige sehr schockierende Einblicke in die Abgründe der menschlichen Psyche und zeichnet ein nachdenklich stimmendes, realitätsnahes Bild unserer Gesellschaft und Politik.

FAZIT
Ein packender, temporeicher Schweden-Thriller mit einer brandaktuellen, sehr realistischen Thematik!
Ein lesenswertes Debüt, das sehr neugierig auf den bereits auf Schwedisch erschienenen 2. Band macht und sich mit dem internationalen Organhandel beschäftigt.

Veröffentlicht am 02.03.2019

Aufrüttelnde Dystopie

Die Mauer
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INHALT
Während in England der Brexit vorbereitet wird, legt Bestsellerautor John Lanchester seinen von der Gegenwart inspirierten neuen Roman vor: Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an, ...

INHALT
Während in England der Brexit vorbereitet wird, legt Bestsellerautor John Lanchester seinen von der Gegenwart inspirierten neuen Roman vor: Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an, die England seit dem großen Wandel umgibt. Er gehört nun zu jener Gruppe von jungen Menschen, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch. Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer - und somit dem sicheren Tod - übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie, und mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Und die sind gefährlich, weil sie für ein Leben hinter der Mauer alles aufs Spiel setzen.
(Quelle: Klett Cotta Verlag)

MEINE MEINUNG
In seinem neuen Roman „Die Mauer“ thematisiert der britischen Autor John Lanchester einige aktuelle und bedeutsame Herausforderungen unserer Zeit auf, wie die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme, wachsende politische Spannungen und der immer stärker zunehmende Fremdenhass in der Bevölkerung.
Wer aber meint, dass dieser Roman die aktuelle Brexit Debatte oder Trumps Mauerbaupläne an der mexikanischen Grenze thematisiert, wird das Buch sicherlich bald enttäuscht zu Seite legen.
Der Autor erzählt in seinem Roman vielmehr eine fesselnde Geschichte über Liebe, Vertrauen und Überlebenskampf in naher Zukunft und in einer dystopisch anmutenden Welt, die sich in vielfältiger Weise mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzen muss. Nach einer nicht näher benannten Klimakatastrophe, die von allen nur als „Wandel“ bezeichnet wird und einem drastischen Anstieg der Meeresspiegel, wappnet sich der Staat gegen die „Anderen“, Flüchtlingen aus dem Süden, die mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, den bestens bewachten Schutzwall zu überwinden und ins Land zu gelangen. Zum Erhalt seines „Status quo“ betreibt der Staat einen gigantischen Aufwand.
Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Ich-Erzähler und Protagonist Joseph Kavanagh, von seinen Kollegen kurz „Yeti“ genannt. Der junge englische Rekrut ist verpflichtet, auf der gigantischen, 10000 km langen und die Insel komplett umgebenden Mauer seinen Dienst als Verteidiger für zwei Jahre abzuleisten. Aus seiner lakonischen, sehr nüchtern gehaltenen Sichtweise schildert er seine Erlebnisse im Schichtdienst auf dem Wall und Trainingseinheiten. Sehr anschaulich und eindringlich führt uns der Autor seinen eintönigen, trostlosen Alltag vor Augen - ein strikt geregeltes, Leben, das von Einsamkeit, Disziplin und Gehorsam geprägt ist und aus endlosen Routinen besteht. “Es ist alles Betonwasserwindhimmel. Im Grunde ist immer alles gleich.” Letztlich ist es ein beklemmendes, perspektivloses Dahinvegetieren, das den Verteidigern aufgezwungen wird und das sie in widerspruchsloser Lethargie akzeptieren.
Auch wenn der Protagonist insgesamt wenig von seinen Gedanken und Emotionen preisgibt, kann man sich in seine Psyche und Beweggründe gut hineinversetzen und beginnt mit ihm mitzufühlen.
Als Leser gewinnt man allmählich immer tiefere Einblicke in die Lebensrealitäten dieses abgeschotteten Staats, der auf eine schockierende politische Gesinnung schließen lässt und hinter der ein straff organisiertes totalitäres System zu stecken scheint, das vor allem seine privilegierte Bevölkerung zu schützen versucht. Eine bizarre, kalte und abweisende Welt in Schwarz-Weiß mit Verteidigern, Fortpflanzlern, Dienstlingen, einer Bevölkerung, die mit Chips gekennzeichnet ist, unfähigen Babypolitikern auf der einen Seite und den Anderen als größtes Feindbild auf der anderen.
Über lange Zeit begleiten wir Yeti bei seinem Dienst auf der Mauer, bei dem er sich als einzigen Lichtblick in die junge Hifa verliebt, bis es schließlich zu einer sehr überraschenden Wendung kommt, die ich allerdings bereits vorausgeahnt hatte. Geschickt katapultiert der Autor seine Figuren ganz unvermittelt in ein völlig anderes Umfeld – auf die andere Seite, nämlich hilflos im Meer und Naturgewalten ausgesetzt. Bei ihren abenteuerlichen Erlebnissen werden sie nun an ihre körperlichen und ethischen Grenzen gebracht und müssen um ihr Leben kämpfen.
Sehr aufwühlend ist das offene Ende des Romans gestaltet, das mich sehr nachdenklich und mit vielen Fragen zurücklässt. Eine überaus erschreckende, beklemmende Parabel!

FAZIT
Eine bewegende, nachdenklich stimmende Dystopie zur Flüchtlingsproblematik - fesselnd geschrieben und erschreckend realitätsnah!

Veröffentlicht am 27.01.2019

Großartiger, bewegender Roman

Die Unsterblichen
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INHALT
New York 1969: Die Geschwister Simon, Klara, Daniel und Varya legen ihr Taschengeld zusammen und suchen eine Wahrsagerin auf. Die kann angeblich den Tag des Todes vorhersagen. Aufgebracht, ungläubig, ...

INHALT
New York 1969: Die Geschwister Simon, Klara, Daniel und Varya legen ihr Taschengeld zusammen und suchen eine Wahrsagerin auf. Die kann angeblich den Tag des Todes vorhersagen. Aufgebracht, ungläubig, schulterzuckend reagieren die Kinder auf die Prophezeiung – und doch wird das Wissen ihr Leben beeinflussen. Während Simon sein Glück im liberalen San Francisco der 80er Jahre findet und Klara sich ihrer Leidenschaft Magie verschreibt, suchen Daniel als Arzt und Varya als Wissenschaftlerin sicheren Boden. Und die Antwort auf die Frage, ob die Wahrsagerin recht behalten würde ...
(Quelle: DerHörverlag)
MEINE MEINUNG
Mit "Die Unsterblichen" ist der US-amerikanischen Autorin Chloe Benjamin ist eine großartige, sehr bewegende Familiengeschichte gelungen, die einen sehr berührt, nachdenklich stimmt und dazu anregt, über das eigene Leben und den Tod zu reflektieren. Geschickt thematisiert die Autorin in ihrem beeindruckenden Roman die Frage “Wenn du wüsstest, an welchem Tag du stirbst: Wie würdest du leben?” Gibt es tatsächlich Schicksal, Vorbestimmung oder selbsterfüllende Prophezeiungen, die unser Leben lenken?
Äußerst ergreifend und intensiv erzählt die Autorin ihre facettenreiche, recht mystisch angehauchte Geschichte über die vier Gold-Geschwister Simon, Klara, Daniel und Varya, die im Verlauf der schicksalhaften, chronologischen Geschehnisse immer mehr Eigendynamik und mitreißende Intensität entwickelt. Nach einer gemeinsamen Einführung in die Familie widmet die Autorin jedem ihrer vier Protagonisten nacheinander ein eigenen Abschnitt im Buch, in dem sie deren Lebensweg nach der unheilvollen Vohersagung schildert und zugleich die besonderen Eigenheiten der jeweiligen Charaktere beleuchtet. Fesselnd ist es mitzuerleben, wie unterschiedlich die Geschwister mit dem unheilvollen Wissen über ihren Todestag umgehen und wie dennoch ihr ganzes Leben bewusst oder unbewusst von ihren Entscheidungen geprägt wird
Mit ihrem faszinierend leichten und zugleich eindringlichem Schreibstil versteht Benjamin es hervorragend, den Leser von Beginn an zu fesseln und ihn emotional immer tiefer in die tragische Familiengeschichte hineinzuziehen, so dass ihn die ergreifenden Schicksale der Gold-Kinder einfach nicht mehr loslassen.
Zum Hörbuch:
Das auf 680 min gekürzte Hörbuch wird von dem versierten Sprecher Wolfram Koch gelesen, der die atmosphärisch dichte Geschichte mit einer angenehm ruhigen Stimme, der notwendigen Distanz zu den Figuren und in einem angemessenen Tempo gekonnt präsentiert. Mit geschickten Wechseln des Lesetempos, Verändern der Intonation und Lautstärke gestaltet der Sprecher die Handlung sehr abwechslungsreich und vermag seine Hörer mühelos ins Geschehen ziehen. Insgesamt eine rundum gelungene Lesung!
FAZIT
Eine äußerst gelungene, außergewöhnliche und sehr beeindruckende Familiengeschichte - warmherzig geschrieben, tiefgründig und sehr nachdenklich stimmend!
Sowohl der Roman als auch die gekürzte Hörbuchfassung sind absolut empfehlenswert. 

Veröffentlicht am 06.01.2019

Auf dem inspirierenden Weg zum eigenen Ich

Gehen. Weiter gehen
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MEINE MEINUNG
Der norwegische Bestseller-Autor, Jurist, Abenteurer und Philosoph Erling Kagge hat ein neues Buch mit dem Titel „Gehen. Weitergehen. – Anleitung“ vorgelegt, in dem er uns auf eine spannende, ...

MEINE MEINUNG
Der norwegische Bestseller-Autor, Jurist, Abenteurer und Philosoph Erling Kagge hat ein neues Buch mit dem Titel „Gehen. Weitergehen. – Anleitung“ vorgelegt, in dem er uns auf eine spannende, inspirierende Reise mitnimmt. Hierin beschäftigt er sich mit einer eigentlich alltäglichen Tätigkeit, die für viele Menschen heutzutage allerdings keineswegs mehr selbstverständlich ist – dem GEHEN. Aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet der Autor das Gehen und seine erstaunlichen Auswirkungen auf uns Menschen. Kagge ist ein äußerst aufschlussreicher, gut verständlicher Wegweiser für uns moderne Menschen gelungen, der an unterschiedlichen Beispielen verdeutlicht, wie wir auf genial einfache Weise zur inneren Ruhe, zu Zufriedenheit und Frieden kommen können. Denn die natürlichste Form sich in sein Innerstes zurückzuziehen und zu sich zu finden, ist tatsächlich einen Schritt vor den anderen zu setzen.
Anhand von interessanten Zitaten von bekannten Philosophen und Schriftstellern aber auch basierend auf eigenen Erlebnissen während seiner Expeditionen und Lebenserfahrungen verdeutlicht er sehr anschaulich seine Thesen und untermauert darüber hinaus diese auch mit wissenschaftlichen Experimenten und Erkenntnissen. So erläutert er beispielsweise, dass die Art des Gehens ein Spiegel der Psyche ist oder Gehen als Ursprung der Menschheit angesehen werden kann. Die zahlreichen Betrachtungsansätze zeigen uns Lesern sehr eindrucksvoll, wie bedeutsam Entschleunigung und Aufmerksamkeitsschulung für unser seelisches Gleichgewicht ist. Die Einheit von Körper, Geist und Umgebung während des Gehens führen zu einer Verschmelzung zu einer höheren Einheit, von der ein jeder außerordentlich profitieren kann.
Kagge versteht es, Stimmungen und Bilder einfühlsam und mit viel Feingespür zu beschreiben, uns nachdenklich zu stimmen und uns abzuholen auf eine spannende Entdeckungsreise zum eigenen Ich. Notwendig ist es lediglich den ersten Schritt zu tun …
FAZIT
Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken und Nachahmen anregt!

Veröffentlicht am 06.01.2019

Ein fesselndes, aufwühlendes Leseerlebnis

Die Plotter
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INHALT
Raeseng ist Killer von Beruf, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er ...

INHALT
Raeseng ist Killer von Beruf, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er zur Killer-Elite Koreas. Denn Old Raccoon ist ein Plotter. Als Kopf der Organisation »Library of Dogs« hat er seit Jahrzehnten alle politisch gewollten Exekutionen in Korea geplant. Doch als die Macht der Diktatur schwindet, gerät auch der Einfluss der Plotter ins Wanken – und eine neue Generation beginnt, ihr eigenes tödliches Netzwerk aufzuziehen. Als Raeseng vom Plan der Plotter bei der Ausführung eines Auftrags abweicht, geraten die Dinge außer Kontrolle – und Raeseng rückt selbst an die erste Stelle der Todesliste …
(Quelle: Klappentext Europa Verlag)
MEINE MEINUNG
Mit seinem neuesten Roman „Die Plotter“ hat der südkoreanische Bestseller-Autor Un-Su Kim einen außergewöhnlichen, aber äußerst fesselnden Thriller verfasst. Schon der etwas seltsame Titel zusammen mit dem provokanten „blutigen“ Cover macht neugierig auf die Thriller-Handlung, die bisweilen tatsächlich recht blutrünstig wird. Ein action- und temporeicher Thriller ist dieser als „Krimi noir“ beworbene Roman zwar nicht, aber durch die beklemmenden Einblicke in das Leben des Protagonisten und Profi-Killers Raeseng und die zunehmend komplexer werdende Handlung dennoch ein fesselndes und aufwühlendes Leseerlebnis.
Der Autor hat für seinen einfühlsam geschriebenen Thriller voll bitterbösem Humor eine sehr packende Story mit einem einzigartigen Setting entworfen, die uns Leser in eine völlig unbekannte, befremdliche Welt entführt – den Seouler „Fleischmarkt“. Gekonnt führt uns der Autor ein skrupelloses, brutales und hochkomplexes Netzwerk von Unterwelt-Kriminellen vor Augen, deren alltägliches Geschäft der Tod bzw. Auftragsmord darstellt und bei denen auf sehr bizarre Weise die „stille Kunst des Tötens“ als besonderes Handwerk zelebriert wird.
Der Autor hat mit seinem Protagonisten Raeseng einen interessanten, authentisch wirkenden Charakter geschaffen und eine vielschichtige Figur, die sehr ambivalente Gefühle weckt. Eine überaus große Faszination geht von dem eigentlich durch und durch verachtenswerten Protagonisten und seinen sehr tiefsinnigen Innenansichten aus, die tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lassen. Sehr fesselnd ist es, den emotionslosen Profikiller immer besser kennen zu lernen, an seiner Lebensphilosophie teilzuhaben und ihn schließlich zunehmend sympathisch zu finden. Neben seiner dunklen Seite ist er ein einfühlsamer, belesener und hochintelligenter Mann, der als Findelkind zu seinem Ziehvater kam und in seine Rolle als skrupellosen Killer zwangsläufig hineingewachsen ist. Eingebunden in dieses brutale Milieu, hinterfragt er seinen Job als Killer und seine abgebrühte, hocheffiziente Arbeit nicht.
Mit seiner packenden Geschichte entlarvt Un-Su Kim ein schockierendes, gut florierendes und seit Jahrzehnten bis ins Kleinste durchorganisierte System, das durch einen Wandel der politischen Verhältnisse mächtig ins Wanken gerät. Ein undurchsichtiger, gnadenloser Machtkampf zwischen einer neuen nachrückenden Killer-Generation und Raesengs Ziehvater „Old Racoon“ entbrennt und seine unbestrittene Vormachtstellung als führender Kopf der Organisation und genialem Strippenzieher im Hintergrund wird ihm plötzlich streitig gemacht. Auch Reasengs Leben gerät aus den Fugen und ein langsames Umdenken setzt bei ihm ein, als er sich unversehens auf einer Todesliste der Organisation wiederfindet. Packend wird erzählt wie die Killer nun gegen Ihresgleichen vorgehen, niemand weiß, wer der nächste auf der Todesliste ist und wer im Hintergrund als Drahtzieher agiert. Der Autor versteht es hervorragend, uns mit seinem spannenden, hochkomplexen Katz- und Maus-Spiel und einigen unerwarteten Wendungen zu unterhalten.
Der sehr prägnante, abwechslungsreiche und anschauliche Schreibstil des Autors liest sich sehr angenehm, sodass man das Buch bald nicht mehr aus der Hand legen mag. Auch die eingestreuten philosophischen Betrachtungen und aufschlussreichen Einblicken in die koreanische Mentalität und gesellschaftlichen Missständen haben mich sehr fasziniert. Als Kontrast hierzu geizt er aber auch nicht mit recht brutalen, schonungslos beschriebenen Szenen.
FAZIT
Ein faszinierender Thriller aus Südkorea mit beklemmenden Einblicken in die bizarre Welt eines Profi-Killers und einem komplexen Katz- und Mausspiel.