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Veröffentlicht am 23.04.2018

Vielschichtiger, äußerst packender Pharmathriller

Riskante Manöver
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INHALT
Der in Berlin lebende PR-Agent Mats Holm ist ein hoch angesehener, sogenannter „Master of Desaster“, der mit seiner Partnerin Laura May immer dann angeheuert wird, wenn eine fatale Krise und einen ...

INHALT
Der in Berlin lebende PR-Agent Mats Holm ist ein hoch angesehener, sogenannter „Master of Desaster“, der mit seiner Partnerin Laura May immer dann angeheuert wird, wenn eine fatale Krise und einen Image-Schaden von den potentiellen Kunden abgewendet werden muss. In genau einem solchen Notfall wird Holms Krisen-PR-Agentur von dem Pharmaindustriegiganten Wenner Pharma zu Hilfe gerufen. Nach Einnahme ihres erst kürzlich eingeführten Medikaments sind mehrere Kinder lebensbedrohlich erkrankt, ein Mädchen verstirbt plötzlich im Krankenhaus und zu allem Überfluss kommen Gerüchte über unsaubere klinische Studien auf. Kein einfacher Auftrag für Holm, der für die Planung einer perfekten PR-Kampagne vor allem von den Konzernbossen die volle Wahrheit braucht. Nur darüber wollen sich die Auftraggeber natürlich lieber in Schweigen hüllen. Wird es Holm und seiner Partnerin May trotzdem gelingen, den Konzern vor einem Skandal und Mediendesaster größeren Ausmaßes zu bewahren?
MEINE MEINUNG
Mit „Riskante Manöver“ ist dem Autoren Birand Bingül ein vielschichtiger, äußerst packender Spannungsroman gelungen, den man schon bald nicht mehr aus der Hand legen kann.
Dies ist der erste Fall für den Berliner Public Relations-Agenten Mats Holm und seine Kollegin Laura May und wird hoffentlich auch nicht ihr letzter bleiben.
Bereits der Einstieg in diesen sehr nervenaufreibend gestalteten Fall, der in der oft angeprangerten Pharmabranche angesiedelt ist, wurde clever gewählt. Der Autor spielt hier gekonnt mit den schlimmsten Alpträumen von Eltern: ein krankes Kind fällt nach Medikamenteneinnahme in ein Koma, die Ärzte sind machtlos und kurze Zeit später ist das Kind verstorben. Natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien und ein klarer Fall für das Genie der Krisenmanagements PR Agent Mats Holm! Doch bei seinem neuem Auftrag wird schnell klar, dass die Konzernchefs nicht bereit sind, mit der vollen Wahrheit zu dem bei Kindern eingesetzten Schmerzmittel und seinen mutmaßlichen Nebenwirkungen rauszurücken, sondern lieber von sich ablenken wollen und eine Rufmordkampagne vermuten. Das plötzliche Verschwinden einer Mitarbeiterin gibt weitere Rätsel auf.
Schon bald entwickelt sich der über 4 Tage angelegte Fall zu einem äußerst fesselnden Thriller, denn Mats und seine Kollegin Laura haben nicht nur an der PR-Front um Schadensminimierung zu kämpfen, sondern ermitteln auf eigene Faust zudem im Fall der spurlos verschwundenen Wenner-Mitarbeiterin. Kurze Kapitel, die nur mit einer Zeitangabe ähnlich einem News-Ticker überschrieben sind, häufige Perspektivwechsel und unvorhersehbare Wendung bringen ein hohes Tempo in die Geschichte und sorgen zugleich für ungeheure Spannung. Für zusätzlichen Thrill sorgen einige Passagen aus der Perspektive eines mysteriösen Widersachers innerhalb der Wenner-Belegschaft mit offensichtlichen Insiderkenntnissen. Der sehr dialogorientierte Schreibstil des Autors ist kurz, prägnant, packend und passt perfekt zur temporeichen Handlung.
Neben den gut recherchierten Hintergrundinformationen zu klinischen Studien, den internen Verflechtungen, Abhängigkeiten und komplexen Machtspielchen in den obersten Etagen der Pharmakonzerne erfährt der Leser auch sehr interessante Details zur PR-Arbeit und ihren Strategien. Sehr gelungen und durchaus glaubwürdig empfand ich die Schilderungen ihrer schwierigen Arbeit mit den Auftraggebern und den sensationshungrigen Medien. Eine Gratwanderung bei der viel Pragmatismus, ein Abwägen von moralisch-ethischen Entscheidungen, eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und das Schmieden von Allianzen das tägliche Geschäft bestimmen. Hier merkt man, dass der Autor, der als Journalist arbeitet, vom Fach ist und fundierte Einblicke hinter die Kulissen hat.
Sehr schön kann der Leser über die Hintergründe des Falls spekulieren und wird gekonnt auf falsche Fähren gelockt. Die mitreißende Handlung gipfelt schließlich in einer dramatisch inszenierten Auflösung des Falls, die in sich schlüssig und nachvollziehbar ist. Brillant ist jedoch eine im Ausklang präsentierte Enthüllung, die einem beinahe zu den Boden unter den Füßen wegzieht, da sie den Fall in einem anderen Licht erscheinen lässt und den Leser äußerst nachdenklich zurücklässt.
Bingül hat die meisten seiner Charaktere sehr lebendig und realitätsnah ausgearbeitet, so dass ihr Verhalten sehr nachvollziehbar und glaubwürdig erscheint. Vor allem die beiden sympathischen Protagonisten Mats Holm und seine clevere Partnerin Laura May haben mir mit all ihren Eigenheiten sehr gut gefallen. Es sind interessante, unkonventionelle Charaktere, deren persönliches Umfeld wir im Laufe der Handlung allmählich besser kennen lernen. Zudem werden einige spannende Aspekte aus ihrer dunklen Vergangenheit enthüllt. Ich bin schon sehr neugierig auf weitere Details aus ihrem Leben und ihre weitere Entwicklung in den nächsten Bänden.
FAZIT
“Riskante Manöver” ist ein vielschichtiger, äußerst packender Pharmathriller, der mich sehr überzeugt hat! Sehr lesenswert!

Veröffentlicht am 20.04.2018

Ein außergewöhnlicher historischer Roman

Die letzte Reise der Meerjungfrau
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INHALT
England, 1785: Das bescheidene Leben des verwitweten Kaufmanns Jonah Hancock ändert sich schlagartig, als sein Kapitän aus Übersee als einziger Handelsware mit einer Meerjungfrau heimkommt. Ganz ...

INHALT
England, 1785: Das bescheidene Leben des verwitweten Kaufmanns Jonah Hancock ändert sich schlagartig, als sein Kapitän aus Übersee als einziger Handelsware mit einer Meerjungfrau heimkommt. Ganz London ist in Aufruhr - in den Kaffeehäusern, den Salons und Bordellen der Stadt sprechen die einen von einem Wunder, die anderen vermuten einen Betrug. Von allen wegen seines sensationellen Ausstellungsstücks hofiert, steigt Jonah Hancock bald in die obersten Gesellschaftskreise auf und wird durch ihren Verkauf zu einem äußerst reichen Mann. Um die Gunst der schönen Edelkurtisane Angelica Neal zu gewinnen, geht er auf die Forderung ein, ihre eine eigene Meerjungfrau als Liebesbeweis zu besorgen. Doch er ahnt nicht, welche verhängnisvollen Folgen dies nach sich ziehen wird…
MEINE MEINUNG
Mit ihrem herausragenden Romandebüt „Die letzte Reise der Meerjungfrau“ ist der talentierten britischen Autorin Imogen Hermes Gowar ein äußerst faszinierender historischer Roman gelungen. In ihrer großartigen Geschichte erzählt sie über menschliche Schicksale, über das ewige Streben nach Macht und Reichtum, über Begierden und Leidenschaften, Wunschträume und ernüchternde Wirklichkeit.
Gekonnt lässt uns Gowar ins quirlige London des 18. Jahrhunderts eintauchen, in dem sie uns mitnimmt in die geschäftigen Kaffeehäuser der Metropole, zu den wimmelnden Docks an der Themse und in die berühmtesten und dekadentesten Nobel-Bordelle der Stadt. Vor dem Hintergrund hervorragend recherchierter, historischer Details lässt sie die schillernde und sehr faszinierende Welt zur Georgeanischen Ära lebendig werden – einer Welt, die fast ausschließlich von Männern kontrolliert und dominiert wird und in der Frauen nur sehr begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Das von ihr entworfene, facettenreiche Portrait zeigt eine dekadente, vornehme Gesellschaft mit ihrer Doppelmoral, voller Standesdünkel, Rassismus und strikter Sittsamkeit, aber auch den verruchten Teil des Molochs, den einige der vornehmen Herren nur allzu gut kennen. Hier lernen wir eine Gesellschaft kennen, die sich an immer neuen, monströsen Kuriositäten in Ausstellungen ergötzt, während sich erschreckende menschliche Schicksale in den Gossen der Stadt ereignen, wo Menschen in Armut und Elend vegetieren müssen.
Getragen wird diese grandiose Geschichte vom besonderen, atmosphärisch dichten Flair und dem Facettenreichtum seiner Figuren vor dem hervorragend beleuchteten historischen Hintergrund jener Zeit, weniger von einer spannungsgeladenen Handlung. Daher lässt sich dieser Roman auch nicht einfach so „herunterlesen“, sondern erfordert anfangs einiges an Konzentration und Geduld, um sich in die sich gemächlich entwickelnde Handlung hineinzufinden. Nach und nach ist man dann aber als Leser völlig gefangen von der abwechslungsreichen und ergreifenden Geschichte, die mit einigen sehr unerwarteten Wendungen zunehmend mehr Dynamik gewinnt und äußerst stimmig endet.
Gowar verwendet einen wundervoll lebendigen, humorvollen und recht anspruchsvollen Erzählstil gewürzt mit vielen detailreichen Beschreibungen und äußerst witzigen Formulierungen. Sehr geschickt ist von der Autorin auch das Motiv der Meerjungfrau gewählt, die zugleich für die vielen Frauengestalten steht, die damals in ihren Rollen gefangen waren und kaum ausbrechen konnten.
Brillant gezeichnet sind die beiden faszinierenden Hauptfiguren des Romans, die im Laufe der Geschichte zunehmend an Tiefe und Charisma gewinnen und mir immer mehr ans Herz gewachsen sind. So lernen wir zum einen den Kaufmann Jonah Hancock aus Deptford als männlichen Charakter kennen und zum anderen die berühmte Kurtisane Angelica Neal. Der grundsolide, etwas wunderliche Mr. Hancock ist eher charakterschwach, zögerlich und kann sich kaum gegen seine eigene Schwester wehren – alles in allem ein einfach liebenswerter Charakter. Angelica hingegen ist eine etwas naive, aber ziemlich berechnende junge Frau, die in ihrem kurzen Leben schon einiges durchgemacht hat und auf der Suche nach einem neuen reichen Gönner ist.
Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind sehr plastisch ausgearbeitet und agieren für den Leser jederzeit schlüssig und nachvollziehbar.
Wie nun dieses so unterschiedliche Paar zusammenkommen wird und was dies alles mit der letzten Reise der wundersamen Meerjungfrau zu tun hat, erfährt man in der sehr kunstvoll gewobenen Geschichte.
FAZIT
Ein wundervoll berührender historischer Roman, der ein sehr anschauliches, vielschichtiges und faszinierendes Sittengemälde jener Zeit zeichnet! Mich hat der Roman bestens unterhalten, auch wenn ich anfangs mit den Charakteren und dem gemächlichen Erzähltempo Probleme hatte.
Ein unterhaltsames Lesevergnügen!

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.04.2018

Toller Jugendroman mit einer außergewöhnlichen Hauptfigur

DUMPLIN'
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Mit ihrem Jugendroman “Dumplin’: Go big or go home” ist der amerikanischen Autorin Julie Murphy einen richtiger Überraschungserfolg gelungen, der sogar verfilmt wird. In dem sehr unterhaltsamen Roman ...

Mit ihrem Jugendroman “Dumplin’: Go big or go home” ist der amerikanischen Autorin Julie Murphy einen richtiger Überraschungserfolg gelungen, der sogar verfilmt wird. In dem sehr unterhaltsamen Roman geht es um die 16jährige, übergewichtige Will, die zum einen ihre erste Liebe erlebt und zum anderen lernen muss, trotz aller Widrigkeiten zu sich selbst zu stehen und sich im eigenen Körper wohl zu fühlen. Sehr einfühlsam beleuchtet die Autorin für Teenager wichtige Themen wie Schönheitsideale, innere Werte, Selbstbewusstsein, Selbstzweifel und Selbstvertrauen aber auch Mobbing, Vorurteile und den Umgang mit dem Tod.
Die Geschichte ist aus Sicht der überaus sympathischen Hauptfigur Will in der Ich-Perspektive erzählt, die einen hervorragenden Einblick in ihre Gefühle, Gedanken aber auch ihre für Teenager typischen Stimmungsschwankungen gibt. Die Autorin hat mit der übergewichtigen Will eine interessante, vielschichtige Hauptfigur geschaffen, die mich mit ihrer Einstellung zu ihrer Figur und ihrem Selbstbewusstsein beeindruckt hat und die ich wegen ihrer unkomplizierten, selbstironischen und offenen Art schnell in mein Herz geschlossen habe. Sehr einfühlsam und nachvollziehbar beschreibt die Autorin, wie sich Wills Selbstsicherheit durch ihre heimliche Beziehung zum attraktiven Bo in große Unsicherheit und Selbstzweifel wandeln. Sehr anschaulich und gefühlfüll ist auch herausgearbeitet, wie sehr Will unter dem schmerzlichen Verlust ihrer kürzlich verstorbenen Tante Lucy leidet, die mit erst 36 extrem übergewichtig an einem Herzinfarkt verstarb. Zu ihr hatte sie eine ganz besonders innige Beziehung und mit ihr teilte sie auch die große Leidenschaft zur Musik von Dolly Parton. Das Verhältnis zu ihrer schlanken, extrem körperbewussten Mutter hingegen ist von starken Spannungen geprägt, versucht sie doch immer wieder Will zum abnehmen zu bewegen. Im Laufe der Handlung fällt Will allerdings einige Entscheidungen, die ich wenig nachvollziehen konnte und mich charakterlich etwas enttäuschten. Letztlich sind aber auch Wills Schwächen allzu menschlich und für ihr Alter durchaus glaubwürdig und authentisch.
Sehr schön ausgearbeitet sind auch viele Nebenfiguren wie Mitch, ihre Freundin Ellen und die drei anderen Mädels, die zwar nicht unbedingt klassische Schönheitsidealen verkörper, aber als Outsider sehr faszinierende, liebenswerte Charaktere darstellen. Etwas enttäuschend ist in meinen Augen die sehr interessante männliche Hauptfigur Bo ausgefallen, der mir einfach zu blass geraten ist, und über dessen Sichtweise ich gerne mehr erfahren hätte.
Sehr ansprechend ist der recht einfache, einfühlsame und oft sehr humorvolle Schreibstil der Autorin, der mich immer wieder mit wunderschönen Formulierungen und poetischen Vergleichen begeistern konnte.
Auch wenn ich mir einige Stellen weniger ausführlich und mit etwas anderen Schwerpunkten gewünscht hätte, ist der Roman insgesamt gelungen konzipiert und gipfelt in einem wunderschönen, berührenden und sehr stimmigen Finale.
FAZIT
Ein unterhaltsamer Jugendroman mit einer liebenswerten Hauptfigur und wichtigen Botschaften zu Freundschaft, Schönheitsidealen, Selbstbewusstsein und inneren Werten - eine lesenswerte Wohlfühlgeschichte, die Mut macht zu sich selbst zu stehen und zum Nachdenken anregt!

Veröffentlicht am 14.04.2018

Packende Fortsetzung der großartigen Scythe-Trilogie

Scythe – Der Zorn der Gerechten
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INHALT
Citra hat es geschafft.
Sie wurde auserwählt und als Scythe entscheidet sie jetzt, wer leben darf und wer sterben muss.
Doch als wenn das nicht schon schwer genug wäre, übernehmen skrupellose Scythe ...

INHALT
Citra hat es geschafft.
Sie wurde auserwählt und als Scythe entscheidet sie jetzt, wer leben darf und wer sterben muss.
Doch als wenn das nicht schon schwer genug wäre, übernehmen skrupellose Scythe die Macht und stellen neue Regeln auf. Die wichtigste Regel lautet, dass es ab jetzt keine Regeln mehr gibt.
So beginnt Citras Kampf für Gerechtigkeit.
Ein Kampf, den sie nur gemeinsam gewinnen kann mit ihrer großen Liebe Rowan.
(Quelle: Klappentext – FISCHER Sauerländer-Verlag)

MEINE MEINUNG
„Der Zorn der Gerechten“ ist der zweite Band der genialen 'Scythe'-Trilogie des amerikanischen Bestseller-Autors Neal Shusterman und stellt eine äußerst packende Fortsetzung des ersten Teils dar. Die Handlung knüpft mit einem kleinen Zeitsprung von zehn Monaten an die Ereignisse des Vorgängerbands an. Durch den absolut mitreißenden, lebendigen Schreibstil Shustermans dauert es nicht lange, bis man wieder vollkommen in die atemberaubende, atmosphärisch dichte Geschichte abtauchen kann.
Die anschauliche, sehr differenzierte Figurenzeichnung der verschiedenen Charaktere, insbesondere von den beiden äußerst sympathischen Protagonisten Citra und Rowan ist sehr gelungen. Auch wenn sie in diesem Band nicht mehr im Mittelpunkt der Handlung stehen, spielen sie dennoch eine wichtige Rolle in der Geschichte. Sie haben sich charakterlich deutlich weiterentwickelt und gehen auf ihre ganz eigene Weise mit den Geschehnissen um. Zudem werden noch einige neue, interessante Figuren eingeführt, deren Rolle sich erst allmählich offenbart. Die vielschichtige, lebendige Ausarbeitung der vielen Nebenfiguren, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Bei einigen von ihnen müssen wir uns auf so manche Überraschung gefasst machen.
Ein besonders fesselndes Leseerlebnis sind die zwischen die Kapitel eingeschobenen Einblicke in die Gedankenwelt des Thunderheads, die äußerst aufschlussreich im Hinblick auf seine Rolle als höchste Instanz und Intentionen sind. Einige der ethischen Hintergründe stimmen teilweise sehr nachdenklich, andere hinterließen aber einen unguten Beigeschmack bei mir.
Glaubwürdig und stimmig sind auch die zusätzlichen Informationen und vielschichtigen Aspekte dieser vermeintlich perfekten Welt ausgearbeitet. Es zeigt uns ein insgesamt recht düsteres Bild von einem dystopischen System und seinem vorherrschenden Machtgefüge, das jede Menge Korruption, grausame Machtspielchen und im Verborgenen laufende Intrigen für uns bereithält. So kann man sich sehr gut in die Lebenssituation der einzelnen Figuren hineinversetzen und deren Handlungsweisen und Wunsch nach Veränderungen nachvollziehen.
Shusterman ist es hervorragend gelungen, uns immer wieder mit unvorhersehbaren, sogar schockierenden Wendungen in Atem zu halten. Insgesamt ist die mitreißende, temporeiche Handlung in diesem Band erneut sehr komplex und abwechslungsreich aufgebaut.
Zum finalen Showdown sind die Spannung und Dramatik kaum noch zu überbieten. Sehr aufwühlend ist auch das offene Ende des Buchs gestaltet, bei dem der Autor uns mit einer überraschenden Wendung regelrecht in der Luft hängen und uns voller Ungeduld auf den abschließenden Band der genialen Trilogie warten lässt.
FAZIT
Mit einem mitreißenden Erzählstil, unerwarteten Wendungen und überzeugenden Protagonisten ein sehr gelungener, zweiter Band der großartigen Scythe-Trilogie! Ein Muss für alle Dystopie-Fans!

Veröffentlicht am 07.04.2018

Ein rundum gelungener, historischer Roman

Die Nachtigall
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INHALT
Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem ...

INHALT
Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?
Zwei Schwestern: Die eine kämpft für die Freiheit, die andere für die Liebe.
(Quelle: Klappentext - Aufbau Taschenbuch Verlag)
MEINE MEINUNG
Mit ihrem historischen Roman „Die Nachtigall“ hat Kristin Hannah einen großartigen, äußerst berührenden Unterhaltungsroman geschrieben, den man inzwischen zu Recht einen Weltbestseller nennen kann. Das fesselnd und sehr eindrücklich erzählte Schicksal von zwei Schwestern in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs ist ein bewegender Roman, der mich unglaublich rasch in seinen Bann gezogen hat. Die Haupthandlung ist aus Perspektive der zwei jungen, französischen Schwestern Vivianne und Isabelle geschrieben. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter sind die beiden in recht kaputten Verhältnissen ohne ein richtiges Zuhause aufgewachsen, denn der im 1. Weltkrieg traumatisierte Vater ist mit seiner Rolle völlig überfordert. Die zwei Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein - Vianne sucht Zuflucht in ihrer Familie mit ihrer großen Liebe Antoine und ihrer kleinen Tochter, während die jüngere Isabelle rebelliert und von etlichen Schulen verwiesen wird. Durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges und die Besetzung Frankreichs durch die Deutschen 1939 ändert sich das bisherige Leben der beiden ungleichen Schwestern schlagartig und es wird für sie zunehmend schwieriger, den Alltag zu meistern.
Die Autorin hat ihre vielschichtig angelegten Hauptfiguren sehr plastisch und einfühlsam vor dem historischen Hintergrund charakterisiert, stellvertretend für die vielen Frauenschicksale jener Zeit. Zudem wird sehr glaubwürdig vermittelt, wie jede schließlich über sich hinauswächst und auf ihre Art und Weise ihren Weg durch die schwierige Zeit unter der Nazidiktatur geht.
Die Autorin versteht es, ihre Geschichte mitreißend, atmosphärisch dicht und sehr anschaulich zu schildern und ihre Leser trotz der schwierigen Thematik zu unterhalten. Hierbei ist es ihr hervorragend gelungen, den Lesern aufzuzeigen, dass es trotz aller Ängste, unvorstellbarer Greuel und Unmenschlichkeit durch die Nazis immer auch Hoffnung auf das Gute im Menschen gab. Sehr eindrücklich sieht man, wie sehr der Krieg Menschen verändern, aber auch wie viel Mut, Kraft und Stärke jeder einzelne mobilisieren kann. So fragt man sich bei vielen aufrüttelnden Episoden, wie man sich wohl in einer vergleichbaren Situation verhalten hätte.
Zudem ist es der Autorin außergewöhnlich gut gelungen, viele der recherchierten historischen Details in ihre fiktive Geschichte einzuarbeiten und dem Leser ein anschauliches, facettenreiches und sehr authentisches Bild vom Alltag in jener schwierigen Zeit im besetzten Frankreich zu vermitteln.
FAZIT
Ein rundum gelungener, historischer Roman – bewegend, lehrreich und zudem unterhaltsam geschrieben!
Ein echtes Lese-Highlight und eine klare Leseempfehlung!