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Veröffentlicht am 28.03.2020

Zurück zur Natur

Der Hain hinter dem Herrenhaus
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Konstantin Balthasar von Heerstein ist das schwarze Schaf der Familie. Als er von einem entfernten Verwandten sowohl das Herrenhaus als auch das Unternehmen erbt, muss er auf einmal Verwantwortung übernehmen ...

Konstantin Balthasar von Heerstein ist das schwarze Schaf der Familie. Als er von einem entfernten Verwandten sowohl das Herrenhaus als auch das Unternehmen erbt, muss er auf einmal Verwantwortung übernehmen – was dem Lebemann und Kunstliebhaber überhaupt nicht gefällt. Die Vorstandssitzungen langweilen ihn, die Geschäftsintrigen findet er abstoßend. Das Herrenhaus dagegen hat ein paar Geheimnisse, die das Erbe deutlicher spannender erscheinen lassen.

Jenny Wood lässt in ihrer Novelle zwei Welten aufeinanderprallen. Zum einen die wirtschaftlich geprägte Welt der Industriellen, in der Kalkül und Rationalität vorherrschen, zum anderen die phantastische Welt des Hains, die auf der Verbindung zur Natur gründet. Verbindungsglied beider Welten ist Konstantin von Heerstein, der damit nicht nur Protagonist, sondern auch Schlüsselfigur der Handlung. Wobei es eigentlich Dienstmädchen und Nebenfigur Sandrin ist, bei der die Fäden zusammenlaufen.

Ein wenig hat mich die Beschreibung des Herrenhauses an die Villa Hügel der Familie Krupp erinnert, die ebenfalls aus Essen stammen. Aber wie heißt es oft so schön: Ähnlichkeiten mit realen Gegebenheiten sind rein zufällig. Dass es um ein Familienunternehmen geht, passt ebenfalls in diesen Kontext. Die Umschreibung Gaslichtromantik trifft den Konflikt zwischen Industrie und Natur sehr gut. Genau wie in der Romantik stellt die Welt des Hains und damit die Natur einen Sehnsuchtsort dar, der für die Menschen aber nur teilweise erreichbar ist. Sowohl die Handlung selbst, als auch die darin enthaltende Symbolik machen die Geschichte spannend – nicht nur auf einer Ebene.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Das Feuer, das uns antreibt

Kingdoms of Smoke 2 – Dämonenzorn
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Dämonenrauch ist nicht nur eine Droge, sondern verleiht demjenigen, der ihn einatmet, Schnelligkeit und Kraft. Einen Umstand, den sich Catherines Vater, der König von Brigant zunutze machen will. Prinzessin ...

Dämonenrauch ist nicht nur eine Droge, sondern verleiht demjenigen, der ihn einatmet, Schnelligkeit und Kraft. Einen Umstand, den sich Catherines Vater, der König von Brigant zunutze machen will. Prinzessin Catherine gilt durch die Taten ihres Vaters nun als Verräterin und ist zusammen mit ihrem Leibgardisten Ambrose, den sie liebt und der sie liebt, auf der Flucht. Der ehemalige Dieb Edyon wird wegen eines Mordes gesucht, den er nicht begangen hat, Diener March ringt mit sich, ob er sein Geheimnis teilen soll und die Dämonenjägerin Tash muss einen persönlichen Verlust verarbeiten. Bei ihrer Flucht über das Nördliche Plateau gelangen die Fünf in einer Senke an den Eingang zur Dämonenwelt und machen eine ungeheuerliche Entdeckung.

Nachdem am Ende des letzten Bandes brigantische Soldaten eine pitorianische Stadt überfallen haben und es nicht zu der geplanten Hochzeit von Prinzessin Catherine und Prinz Tszayn kam, steht die Welt Kopf. „Kingdoms of Smoke – Dämonenzorn“ hält sich passend zur Situation in der Geschichte auch gar nicht lange mit Vorreden auf, sondern steigt direkt da ein, wo der Vorgängerband endete. Zwar wäre eine kurze Zusammenfassung zum Einstieg schön gewesen, da „Die Verschwörung von Brigant“ bereits im Herbst des letzten Jahres erschienen ist, allerdings ist der Einstieg in die Geschichte auch so problemlos wieder möglich. Sally Green setzt ihre Figuren so präsent in Szene, dass man nach ein paar Seiten wieder ganz in den Ereignissen um Prinzessin Catherine, Gardist Ambrose, Dämonenjägerin Tash sowie dem Diener March und dem ehemaligen Dieb Edyon versunken ist.

Das junge Alter der Charaktere ist nicht nur ausschlaggebend für die Zielgruppe der Leser, sondern wirkt sich vor allem auf die Handlung der Geschichte aus. So denkt beispielsweise Prinzessin Catherine einerseits sehr rational und ist sehr berechnend in dem, was sie tut, andererseits lässt sie sich auf den Dämonenrauch ein und benutzt ihn als eine Art Droge, was nicht zu ihrem sonstigen überlegten Verhalten passt. Ebenso Ambrose, der genau weiß, dass Catherine ihn liebt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit jedoch daran zweifelt. Spannenderweise ist es Tash, die jüngste der fünf Protagonisten, die am nachvollziehbarsten und beständigsten agiert. Die Schwächen der Charaktere werden jedoch durch die Handlung selbst und Sally Greens Erzählstil wieder ein wenig ausgeglichen. Fesselnd wird in wechselnder Perspektive vom Kampf zwischen den Königreichen Brigant und Pitoria erzählt und die Leser tauchen tiefer in die Geheimnisse hinter dem Dämonenrauch ein.

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2020

Der Bär, der keiner ist

Wie man einen Bären kocht
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In Kengis in Nordschweden geht es 1852 auf Bärenjagd. Die reißende Bestie, so glaubt man, habe eine junge Frau angegriffen und getötet. Kurz darauf wird eine weitere junge Frau angegriffen und weist die ...

In Kengis in Nordschweden geht es 1852 auf Bärenjagd. Die reißende Bestie, so glaubt man, habe eine junge Frau angegriffen und getötet. Kurz darauf wird eine weitere junge Frau angegriffen und weist die gleichen Verletzungen auf. Unter anderem Würgemale am Hals. Noch bevor sie bestätigen kann, dass dies kein Bär, sondern ein Mann getan hat, sind der vielseitig gebildete protestantische Geistliche Laestadius und sein samischer Ziehsohn Jussi auf der richtigen Spur und haben sogar bereits einen Verdacht. Laestadius wird im Dorf jedoch kritisch, mitunter auch misstrauisch, beäugt und hat es alles andere als einfach, seinen Verdacht zu Gehör zu bringen.

Mit „Wie man einen Bären kocht“ hat Mikael Niemi einen unglaublich vielschichtigen Roman geschrieben, der die damalige Zeit in vielen verschiedenen Nuancen abbildet. Sowohl die Konflikte zwischen den Schweden, den Finnen und den Samen werden deutlich, als auch die Skepsis gegenüber dem Protestantismus. Hinzu kommt die Autoritätsgläubigkeit der einfachen Landbevölkerung gegenüber dem Landjäger Brahe, die aus Unsicherheit und auch aus Unwissen heraus entsteht. Während Brahe allerdings nur sieht, was er sehen will und es sich damit einfach macht, geht Laestadius deutlich offener an seine Ermittlungen.

Die Geschichte bewegt sich zwischen Erzählung, historischem Roman und Krimi und wird aus der Sicht des samischen jungen Manns Jussi erzählt. Jussi ist als Kind aus einem Elternhaus geflohen, in dem Alkohol, Vernachlässigung und Gewalt an der Tagesordnung waren. Da seine Herkunft für die Dorfbewohner unklar ist und er zudem den Samen angehört, ist er innerhalb der Dorfgemeinschaft eher ein Außenseiter. Für die Geschichte selbst, ist dies jedoch von Vorteil, da er außer zu Laestadius zu niemandem gehört. Das Auftreten der beiden erinnert an einen Kommissar und seinen Assistenten, obwohl beide keine Polizisten sind. Dennoch bemühen sie sich um Aufklärung, des Falls und geistige. Zusammen mit den Konflikten innerhalb des Dorfes spinnt Mikael Niemi so eine Geschichte, die auch über die Haupthandlung hinaus einiges zu bieten hat.

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  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2020

Red – the blood of angry women

Periode ist politisch
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Sie betrifft ungefähr 50 Prozent der Weltbevölkerung, ist unvermeidbar und die Wirtschaft nutzt sie gnadenlos aus: Die Menstruation. Auch gerne als die Tage, Erdbeerwoche oder Besuch von Tante Rosa bezeichnet, ...

Sie betrifft ungefähr 50 Prozent der Weltbevölkerung, ist unvermeidbar und die Wirtschaft nutzt sie gnadenlos aus: Die Menstruation. Auch gerne als die Tage, Erdbeerwoche oder Besuch von Tante Rosa bezeichnet, denn über die Periode spricht man nicht. Zumindest, wenn es nach den anderen 50 Prozent der Weltbevölkerung geht. Und damit ist man auch schon beim Menstruationstabu, dass uns glauben macht, Binden würden vor allem blaue Flüssigkeit aus dem Reagenzglas sicher und vor allem diskret aufsaugen. Nur komisch, dass es in der Bepanthen-Werbung durchaus blutige Knie geben darf.

In „Periode ist politisch – Ein Manifest gegen das Menstruationstabu“ zeigt Franka Frei, was das Menstruationstabu weltweit anrichtet und beschäftigt sich mit den Folgen für die Umwelt, Wirtschaft und Geschlechtergleichstellung. Angefangen hat alles mit einem Facebookpost 2018, auf den sie sowohl positive Resonanz als auch Hasskommentare bekommen hat. Tabubrechen ist eben alles andere als einfach. Damals hatte die Menstrationsaktivistin gerade ihre Bachelorarbeit zum Thema „Menstruation und Tabu“ verteidigt. Ein Jahr später war sie als Folge des Posts in Südostasien unterwegs, um andere junge Frauen zu treffen, die sich ebenfalls für die Abschaffung eines Menstruationstabus engagieren. Diese Begegnungen sind für Franka Frei immer wieder Ausgangspunkt, um auf bestimmte Missstände hinzuweisen und deutlich zu machen, was für weitreichende Folgen das Menstruationstabu weltweit hat.

Der Begriff „Manifest“ im Untertitel gibt den Ton vor und wird dabei der Definition einer öffentlichen Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur mehr als gerecht. Allerdings ist das Manifest mehr als das. Erlebnisse fließen ebenso in den Text ein wie die Richtigstellung von Menstruationsmythen. Unterfüttert werden die Ausführungen immer wieder von wissenschaftlichen Belegen und Zahlen bzw. Ergebnissen aus Studien. Wer jetzt trockene Kost erwartet, wird allerdings enttäuscht. Franka Frei ist nicht selten beißend ironisch und verteilt fleißig „Goldene Erdbeeren“ an alle, die von der Periode keine Ahnung haben und meinen, dieses Nichtwissen dennoch teilen zu müssen. Dabei ist sie ehrlich und kritisch ohne ungerecht zu sein. Nebenbei kann man einiges über die Menstruation lernen und in Anbetracht der Tatsache, dass selbst digitale Datensammler wie Facebook die Periode für sich instrumentalisieren, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn auch Männer das „Manifest gegen das Menstruationstabu“ lesen würden.

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Die Zukunft in den Sternen

Zweite Heimat – Die Reise der Celeste
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Es gibt keinen Planeten B. Was aber wäre, wenn wir den Mars besiedeln könnten? Die „Celeste“ ist genau auf dem Weg dorthin, um dort eine Kolonie zu gründen. Als sich die Crew im Landeanflug auf den roten ...

Es gibt keinen Planeten B. Was aber wäre, wenn wir den Mars besiedeln könnten? Die „Celeste“ ist genau auf dem Weg dorthin, um dort eine Kolonie zu gründen. Als sich die Crew im Landeanflug auf den roten Planeten befindet, müssen sie allerdings feststellen, dass sie dort nicht die Ersten und im Universum nicht alleine sind. Die E’Kturi, aus einer fernen Galaxie sind ihnen zuvorgekommen und wollen ihnen die Besiedelung des Mars nur erlauben, wenn die Menschen in ihren Augen eine positive Beurteilung erlangen können. Alvar Lajunen, Kommandant der Mission setzt alles daran, diese positive Beurteilung zu erlangen, damit die Reise zum Mars nicht umsonst war. Sich gegenüber den E’Kturi positiv zu präsentieren, sorgt allerdings für Unmut und Spannungen in den eigenen Reihen.

„Zweite Heimat“ ist nicht nur eine Science-Fiction Geschichte, sondern auch ein sehr politisches Buch. Was für Spannung sorgt, nicht nur unter den Siedlern. Während Kommandant und Kapitän Alvar Lajunen diplomatisch vorzugehen versucht, ist sein Stellvertreter Michael Harris Ex-Soldat und eher geneigt Aktionen und Waffen sprechen zu lassen. Die politischen Verwicklungen geben der Geschichte Dynamik, ebenso wie die Beziehungen der Charaktere untereinander. Hinzu kommen die Positionen der Menschen und der E’Kturi, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dass die Handlung auf dem Mars spielt, der nach dem griechischen Kriegsgott benannt ist, fügt der Geschichte eine weitere Ebene hinzu.

Neben den politischen Verwicklungen lässt Madeleine Puljic ihren Charakteren Raum sich zu entwickeln und den Perspektivfiguren die Gelegenheiten, zu erkennen, dass es keinen Königsweg gibt. Erzählt wird die Geschichte wechselweise aus der Sicht von Alvar Lajunen, Michael Harris und Alvars Frau Hana, was den Lesern die Gelegenheit gibt, die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilen zu können. Dabei wird vor allem deutlich, was für ein schweres Geschäft politische Beziehungen und Außenpolitik sind und dass sich die beiden Parteien unterschiedlicher Kulturen manchmal auch selber im Weg stehen.

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