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Veröffentlicht am 29.12.2018

Bin ich gut genug? – Ja bin ich

BECOMING
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Ein Satz, den sich Michelle Obama damals noch Michelle Robinson oft gesagt hat, wenn sie aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts in der Schule nicht beachtet oder in eine bestimmte Schublade gesteckt ...

Ein Satz, den sich Michelle Obama damals noch Michelle Robinson oft gesagt hat, wenn sie aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts in der Schule nicht beachtet oder in eine bestimmte Schublade gesteckt wurde. Denn Selbstbewusstsein, so erklärt sie, muss manchmal von innen kommen, da man sich nicht immer darauf verlassen kann, genug davon aus seiner Umgebung ziehen zu können.

In der Euclid Road in der South Side von Chicago wächst in den 1960er und 1970er Jahren ein Mädchen auf, das einmal First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika werden soll. Michelle Obama. Bereits vor ihrer Zeit als First Lady hat sie sich für Menschen und Menschlichkeit engagiert. Vor allem diejenigen, denen ein Scheitern am ehesten zugetraut wird, liegen ihr am Herzen.

In ihrer Autobiografie „Becoming – Meine Geschichte“ erzählt sie von ihrer Familie, ihrer Kindheit, ihrer schulischen und beruflichen Laufbahn und natürlich auch von ihrer Zeit im Weißen Haus. Dabei beschäftigt sie sich auch mit der Frage, was es bedeutet schwarz zu sein. Scheitern ist dabei ein zentrales Thema in ihrer Erzählung. Denn Scheitern, so erläutert sie, ist ein Begriff, der unmittelbar mit dem Verlust von Hoffnung verbunden ist und ein Vorgang, der lange vor dem tatsächlichen Scheitern beginnt. Nachdenklich und mit deutlichen Worten legt sie ihren Standpunkt dar, wahrt dabei aber immer die Nähe zum Leser.

Natürlich ist ein Rückblick auch immer von Interpretationen geprägt. So werden manche Dinge im Nachhinein oft anders und mit Blick auf darauf folgende Ereignisse bewertet. Dennoch gelingt es Michelle Obama vor allem die Zeit im Weißen Haus sehr differenziert darzustellen und sich den einen oder anderen Fehler ebenfalls einzugestehen. Vor allem diejenigen, die nicht bereits in der Öffentlichkeit zerrissen wurden. Allerdings werden auch diese erwähnt, etwa wenn sie erzählt, sie habe der Queen im Gespräch die Hand auf den Arm gelegt, was laut Protokoll strengstens untersagt ist, in dem Moment aber eine rein menschliche Geste gewesen sei. Glamurös aber nicht unnahbar, deutlich, aber gleichzeitig warmherzig erzählt Michelle Obama aus ihrem Leben und begeistert damit auf vielen Ebenen.

Veröffentlicht am 12.02.2019

Die fünf Söhne der Penny Dunbar

Nichts weniger als ein Wunder
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Sie sind schon ein etwas merkwürdiger Haufen, die fünf Dunbar Brüder Matthew, Rory, Henry, Clayton und Thomas. Ohne ihre Eltern, dafür mit einigen ungewöhnlichen Haustieren, leben sie auf dem Hinterhof ...

Sie sind schon ein etwas merkwürdiger Haufen, die fünf Dunbar Brüder Matthew, Rory, Henry, Clayton und Thomas. Ohne ihre Eltern, dafür mit einigen ungewöhnlichen Haustieren, leben sie auf dem Hinterhof einer Pferderennbahn. Manche bezeichnen sie als Rabauken, was die Sache vielleicht am besten trifft. Dabei stecken hinter der rauen Schale vor allem fünf Jungen, die ihren Vater vermissen, der sie nach dem Tod der Mutter allein gelassen hat. Eines Tages wird es dem vierten Dunbar-Bruder Clay zu viel und er beginnt eine Brücke zu bauen. Physisch und metaphorisch.

Man könnte es sich leicht machen und „Nichts weniger als ein Wunder“ typisch Markus Zusak nennen. Das würde der Geschichte aber nicht gerecht. Schon allein deshalb nicht, weil Zusak selbst sagt mehr als acht Jahre an dem Werk gearbeitet zu haben. Die Erzählung ist geschickt konstruiert. In zehn Abschnitten mit verschiedenen Unterkapiteln setzt sich die Handlung aus verschiedenen Episoden zusammen. Die Erzählerstimme gehört dabei zum ältesten Bruder Matthew, der rückblickend zwei Vergangenheiten erzählt: Zum einen von der Zeit als Clay beschließt eine Brücke zu bauen, zum anderen aus dem Leben der Mutter, bevor sie geheiratet hat.

Tod und Verlust sind (wieder einmal) die zentralen Themen in Markus Zusaks Roman. Demgegenüber stehen Themen wie Familie, Zuhause und Geborgenheit. Der Autor macht deutlich, wie eng die Dunbar-Brüder aufgrund ihrer Erlebnisse miteinander verbunden sind, auch wenn ihr Umgang miteinander oft rau ist. Die Geschichte ist dabei auch stilistisch etwas anspruchsvoller, die Wechsel zwischen den Ereignissen um Clay und der Vorgeschichte der Mutter sind fließend. Die Satzkonstruktionen sorgen vor allem zu Beginn der Erzählung dafür, dass man ein wenig genauer hinschauen muss. Wer sich darauf allerdings einlässt, der wird mit einer einfühlsamen Geschichte belohnt, bei der das eine oder andere auch mal zwischen den Zeilen steht.

Veröffentlicht am 08.02.2019

Eine Woche Geisterspuk

Mika und der Wächter des Lichts
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Mika stinkt es gewaltig. Das liegt aber nicht an seiner nervigen kleinen Schwester, sondern an einem tatsächlich übelriechendem Schatten, der im Haus seiner Eltern auftaucht. Eigentlich ist Mika mit zehn ...

Mika stinkt es gewaltig. Das liegt aber nicht an seiner nervigen kleinen Schwester, sondern an einem tatsächlich übelriechendem Schatten, der im Haus seiner Eltern auftaucht. Eigentlich ist Mika mit zehn Jahren schon zu alt, um an Geister zu glauben. Allerdings riecht der nächtliche Eindringling so unangenehm, dass er, gemeinsam mit seinem Freund Tom, dann doch beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei müssen die beiden Jungen feststellen, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint.

„Mika und der Wächter des Lichts“ von Lucy Haien beginnt mit einem klassischen Kinderthema: der Angst im Dunkeln. Sobald das Licht aus ist, sitzen unter dem Bett und im Schrank Monster. In Mikas Fall ist da allerdings tatsächlich jemand und dieser Jemand verströmt nicht gerade einen angenehmen Geruch. Nachdem Mika und sein Freund Tom ihre Furcht vor dem Unbekannten besiegt haben, werden die Ereignisse aufregender, als sie es sich hätten denken können. Lucy Haien erzählt ihre Geschichte spannend, aber nicht gruselig und lädt mit ihrem lockeren und flüssigen Schreibstil zum Weiterlesen ein.

Lucy Haien spinnt in ihrer Geschichte das weiter, was passieren könnte, wenn die Monster unter dem Bett real wären. Dabei findet sie eine Lösung, die spannend und trotzdem humorvoll ist und in der Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt wichtig sind. Dabei ist sie moralisch ohne den Zeigefinger zu erheben und nimmt die Furcht vor der Dunkelheit, indem sie ihre Charaktere Abenteuer mit den Geistern der Nacht erleben lässt. Für die erwachsenen Vorleser findet sich die eine oder andere Anspielung, die mit Sicherheit beim Vorlesen für ein kurzes Schmunzeln sorgt. Die Geschichte eignet sich aber ebenso gut zum Selberlesen und richtet sich an Kinder ab etwa acht Jahren.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Es ist etwas faul in Derkholm

Fauler Zauber
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Mr Chesney nervt. Und zwar so richtig. Der Fantasyreisenunternehmer inszeniert seit Jahren Pilgerfahrten für Touristen aus einer benachbarten Welt ohne Magie. Für die Dauer der Reise muss dann jeder Magier ...

Mr Chesney nervt. Und zwar so richtig. Der Fantasyreisenunternehmer inszeniert seit Jahren Pilgerfahrten für Touristen aus einer benachbarten Welt ohne Magie. Für die Dauer der Reise muss dann jeder Magier der Fantasywelt eine Aufgabe übernehmen. Von der guten Fee bis zum bösen Zauberer ist dabei so ziemlich jede Rolle vertreten. Die Fantasyreise mit zu inszenieren ist nun eine Sache, dass die Touristen die Fantasywelt aber immer in einem katastrophalen Zustand hinterlassen eine andere. Als Zauberer Derk erfährt, dass er diesmal den Bösewicht mimen soll, reicht es ihm. Obwohl er und seine Familie gezwungenermaßen mitmachen müssen, versuchen sie doch insgeheim die Pilgerfahrt aufzuhalten.

In der Fantasyparodie „Fauler Zauber“ von Diana Wynne Jones wird nicht nur mit Mr Chesneys Pilgerfahrten abgerechnet, sondern auch mit gängigen Fantasyklischees. Es braucht nicht viel Fantasie um Mr Chesney als Autor von Fantasyromanen zu deuten, der seinen Figuren nach Belieben bestimmte Rollen zuordnet. Nur dass sich diese Figuren dem Willen des Erzählers nicht mehr beugen wollen. Darüber hinaus greift die Autorin verschiedene Klischees der Fantasyliteratur und der Ordnung fantastischer Welten auf und macht dadurch, dass sie diese als Rollen auf die Spitze treibt, deutlich, welcher, eigentlich vorhersehbaren, Ordnung fantastische Welten oft folgen.

Im englischen Original ist „Fauler Zauber“ bereits 1998 erschienen, ein Jahr nach „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Ob Diana Wynne Jones, die bereits vorher zahlreiche Fantasygeschichten verfasst hatte, sich auch ein bisschen selbst entlarven wollte, ist allerdings nicht überliefert. Letztendlich ist ihre Fantasyparodie nicht nur spannend und humorvoll erzählt, sondern entlarvt auch, wie einfach die Konzepte für fantastische Welten oft sind. Auch, wenn man sich als bei näherer Beschäftigung mit der Erzählung ein bisschen ertappt fühlt, weil man auf immer ähnliche Konzepte in unterschiedlicher Ausführung immer aufs Neue reinfällt, hat die Geschichte an keiner Stelle einen belehrenden Ton oder erweckt einen schadenfrohen Eindruck. Ganz im Gegenteil: Die Geschichte selbst funktioniert nach dem vorgeführten Bauplan. Das sorgt für gute Unterhaltung, bei der nicht nur Fantasyfans an der einen oder anderen Stelle nicht anders können, als zu lachen.

Veröffentlicht am 22.01.2019

Eine neue Zeit für Drachen

Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia. Band 1: Eragon
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Ein Jahr ist seit Eragons Aufbruch aus Alagaësia vergangen. Mittlerweile hat er einen geeigneten Ort gefunden, an dem die Seelensteine der Drachen und die Dracheneier sicher verwahrt werden können. Und ...

Ein Jahr ist seit Eragons Aufbruch aus Alagaësia vergangen. Mittlerweile hat er einen geeigneten Ort gefunden, an dem die Seelensteine der Drachen und die Dracheneier sicher verwahrt werden können. Und vielleicht wird er irgendwann dort auch neue Drachenreiter ausbilden können. So gut die Zukunftsaussichten auch sein mögen, hat er allerdings auch einige gegenwärtige Probleme zu bewältigen. Der Umgang mit den Elfen und Zwergen gestaltet sich nach wie vor alles andere als einfach. Aber auch für die Hexe Angela, das verfluchte Mädchen Elva und Eragons Halbbruder Murtagh, für die es nach dem Zerfall des Imperiums ebenfalls weitergegangen ist.

„Die Gabel, die Hexe und der Wurm“ erzählt drei neue Geschichten aus Alagaësia. Die drei Geschichten lassen sich dabei im Zusammenhang lesen, stehen aber genau so gut für sich allein. Jede legt einen anderen Fokus. So erfährt man in „Der Wurm“ eine Geschichte von den Urgals, die sehr viel über das Volk verrät und einige Ereignisse aus den Eragonbänden in ein neues Licht rückt. Auch wenn seit „Das Erbe der Macht“ über sieben Jahre vergangen sind, findet man doch problemlos wieder in die von Christopher Paolini erschaffene Welt. Das liegt zum einen an den bekannten Figuren, zum anderen aber auch an der Erzählweise des Autors. Paolini versteht es, den Leser genau da abzuholen, wo er am Ende des letzten Bandes Alagaësia verlassen hat.

Genau das ist für alle Eragon-Kenner toll, sorgt allerdings dafür, dass „Die Gabel, die Hexe und der Wurm“ kein Buch für den Einstieg in Eragons Welt ist. Dafür wird in den Kurzgeschichten zu viel vorausgesetzt und zu wenig erläutert. Für diejenigen, die seit dem Ende von Band 4 wieder gerne nach Alagaësia zurückkehren möchten, bieten die Kurzgeschichten ein Wiedersehen mit alten Figuren und sorgen für Bekanntschaften mit neuen Charakteren. Dazu kommt Christopher Paolinis leichte und einnehmende Art zu erzählen, die dafür gesorgt hat, dass ich das Buch an einem Stück gelesen habe.