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Veröffentlicht am 16.02.2026

Szenen einer Ehe

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Da ich mich in derselben Situation wie die Autorin befinde, auch mein Mann ist kürzlich erst verstorben, war ich sehr gespannt auf den Lebensrückblick von Christien Brinkgreve.

Doch ich erkenne keine ...

Da ich mich in derselben Situation wie die Autorin befinde, auch mein Mann ist kürzlich erst verstorben, war ich sehr gespannt auf den Lebensrückblick von Christien Brinkgreve.

Doch ich erkenne keine Gemeinsamkeiten. Ich spüre in ihren Zeilen nur wenig Schmerz und auch Liebe und Wärme, sowie große Gefühle kommen in ihren Rückschauen zu kurz. Okay, Christien Brinkgreves Ehe war so. Das Einzige was sie bei der Beerdigung über ihren Mann hätte sagen können: Du hast es uns wirklich nicht leicht gemacht aber wir haben dich trotzdem geliebt.

Christin Brinkgreve versucht nach dem Tod innere und äußere Ordnung in ihr Leben zu bringen. Im Haus haben sich mit den Jahren Unmengen an unnötigen Dingen angesammelt, dadurch ist es zu einem Ort geworden, an dem man sich nicht mehr gerne aufhält. Das Auf- und Ausräumen ist nun ihre erste große Aufgabe.

Gleichzeitig blickt sie zurück auf ihr Leben, ihre Ehe, ihre Rolle in der Familie und in der Welt. Was bleibt von den gemeinsamen Jahrzehnten? Wer war sie in der Beziehung, wer ist sie ohne sie? Und wie kann es sein, dass sie sich als selbstbestimmte Frau zwischen Liebe und fremden Erwartungen verloren hat? Und da frage ich mich wirklich, wie kann das einer so klugen und eigenständigen Frau passieren. Warum trennt man sich nicht, wenn einem die Ehe nicht guttut, wenn man die Lieblosigkeit des Mannes zu spüren bekommt. Es mag ja Frauen geben, die alles erdulden, die abhängig von ihren Männern sind, aber eine emeritierte Soziologie-Professorin?

Leider konnte ich mich mit der Autorin überhaupt nicht identifizieren. „Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“ war für mich eher eine Enttäuschung. Vielleicht bin ich auch mit falschen Erwartungen an diese Lektüre herangegangen.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Klangfarben

Die Enthusiasten
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Markus Orths Roman „Die Enthusiasten“ ist eine Hommage auf das Lesen, die Phantasie und den Irrsinn des Lebens. Ein Lesespaß für sprachverliebte Leser.

„Schreiben heißt: Etwas, das nicht geschehen ist, ...

Markus Orths Roman „Die Enthusiasten“ ist eine Hommage auf das Lesen, die Phantasie und den Irrsinn des Lebens. Ein Lesespaß für sprachverliebte Leser.

„Schreiben heißt: Etwas, das nicht geschehen ist, so zu erzählen, dass der Leser glaubt, es sei geschehen.“

Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine lesebegeisterte Familie. Die Eltern und die drei Kinder saugen Geschichten nur so ein. Ihr Zuhause ist mit Büchern vollgestopft. Da gibt es kein freies Plätzchen, in dem man nicht doch noch ein oder zwei Bücher unterbringen könnte. Sogar unter der Zimmerdecke schweben Bücher in einer Art Krähennest. Dann verschwindet die Mutter ganz plötzlich. Sie war das Herz der Familie.

Einer ihrer Söhne, Vince, entdeckt auf einer Bahnfahrt von Hamburg nach Freiburg ein im Sitz absichtlich zurückgelassenes Buch. Der Autor ist Laurence Sterne. Er lebte im 18. Jahrhundert und ist Verfasser des merkwürdigen Romans „Leben und Ansichten von Tristram Shandy“. Dieser Roman wird für Vince von nun an zu seiner Obsession und bestimmt sein weiteres Leben.

Mich hat das Buch restlos begeistert. Ich habe es eingeatmet. Markus Orth malt mit Worten, er zieht einem in die Geschichte, dreht die Sprache auf links. Wie sein Protagonist und dessen verehrter Laurence Stern, spielt auch er mit Sprache, verliert sich in Abschweifungen, ist ein Meister des Wortjonglierens. Er ist sprachverliebt, ein Klangfarbensucher.

Sehr einprägsam die Erklärung der Mutter, zu Hemingways Metapher: ‚Neun Zehntel des Eisbergs stecken unter Wasser. Nur ein Zehntel steckt den Kopf an die Luft.‘ Hemingway meint: Neun Zehntel des Textes sollten unsichtbar bleiben. Und nur ein Zehntel sichtbar für die Lesenden. Und warum? Um den Lesern Luft und Freiheit zu lassen. Das nennt sich Leerstellen. Ohne Leerstellen gibt es keinen Raum für den Leser, selber etwas zu entdecken und zu fühlen.‘

Keine Frage, in dieser Geschichte wimmelt es von Enthusiasten. Und natürlich zählte auch ich als Leser dazu.

Fazit: Sicherlich kein Roman für jedermann. Aber für Wortbegeisterte Leser ein GENUSS.



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Veröffentlicht am 04.02.2026

Verstörende Freundschaft

Spielverderberin
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Marie Menke legt mit ihrem Debüt "Spielverderberin" einen eindringlichen Roman über die Dynamik zwischen Freundschaft, Abhängigkeit und Selbstfindung vor.

Spielverderberin erzählt von drei Freundinnen, ...



Marie Menke legt mit ihrem Debüt "Spielverderberin" einen eindringlichen Roman über die Dynamik zwischen Freundschaft, Abhängigkeit und Selbstfindung vor.

Spielverderberin erzählt von drei Freundinnen, die sich nach ihrer Schulzeit aus den Augen verloren haben, jedoch nach Jahren wieder treffen um ihre Freundschaft aufleben zu lassen, doch die Vorkommnisse in der Vergangenheit lassen eine wirkliche Nähe nicht mehr zu.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Sophie erzählt, die in der Rückschau auf ihre Jugend blickt. Sophie und Lotte kennen sich seit Kindertagen, sie stammen aus derselben Bauerschaft im Süthland. Erst in der Oberstufe kommt Romy, das Mädchen aus der Stadt dazu. Dadurch wird Sophia in die Beobachterrolle gedrängt. Denn Lotte und Romy sind nun unzertrennlich. Sophia ist ebenfalls von Romy fasziniert und wäre auch gerne ihr befreundet. Sie fühlt sich ausgeschlossen. Drei sind einer zu viel.

Die Autorin Marie Menke schreibt in einer sehr schönen klaren schnörkellosen Sprache. Die Story ist atmosphärisch dicht, mit Zwischentönen, die in Andeutungen auf die Geschehnisse in der Vergangenheit hindeuten. Dadurch fiel es mir schwer zu den Protagonistinnen eine echte Verbindung aufzunehmen. Ich fragte mich, fast bis zum Schluss, was ist mit denen eigentlich los. Freundschaft geht für mich anders. Ich empfand es als seltsam, wie Sophia hinter Romy her schnüffelte, jeden ihrer Schritte auf Instagram verfolgte. Das hatte für mich schon krankhafte Züge. Mir persönlich war gerade Romy, in ihrer Unzuverlässigkeit am unsympathischsten.

Sophias Minderwertigkeitsgefühle als Landmädel gegenüber Stadtmenschen konnte ich nachvollziehen. In meiner Jugend dachte ich ähnlich.

Insgesamt ein eher bedrückender Roman.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

What is love?

Gibt's das auch mit Liebe?
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„Gibt’s das auch mit Liebe?“ ist ein typischer Ellen-Berg-Roman. Humorvoll, leichtfüßig, und unterhaltsam.

Laura ist frisch geschieden und befindet sich in einem mentalen Tief. Ihre Ehe war rückblickend ...



„Gibt’s das auch mit Liebe?“ ist ein typischer Ellen-Berg-Roman. Humorvoll, leichtfüßig, und unterhaltsam.

Laura ist frisch geschieden und befindet sich in einem mentalen Tief. Ihre Ehe war rückblickend ein einziger Fake. Als Influencerin hatte sie ihre angebliche Bilderbuchehe mit einem gutaussehenden Fitnesstrainer lückenlos und voll geschönt auf Instagram gepostet. Jetzt ist sie dabei sich von 1000 Bildern zu verabschieden.

Beruflich ist Laura Redakteurin bei einer Frauenzeitschrift. Und auch da läuft es im Moment nicht rund. Ihr Chef möchte ausgerechnet von Laura eine Serie über die romantische Liebe. Er setzt sie gewissermaßen unter Druck. Sie soll eine Auszeit auf dem Biohof ihrer Schwester Vivi nehmen.

Die Autorin schreibt sehr humorvoll, teils sogar mit Sätzen, die nachdenklich stimmen. Das gefällt mir sehr gut. Also nicht nur unterhaltsam, sondern auch mit leichtem Tiefgang. Aber an keiner Stelle langweilig. Ellen Bergs Stärke sind definitiv ihre humorvollen Dialoge. Ich musste oft herzhaft lachen. Die Charaktere sind authentisch gezeichnet. In der WG geht es mitunter turbulent zu, aber es ist ein Zuhause. Das Verhältnis zwischen den Schwestern ist nicht gerade eitel Sonnenschein. Da ist einiges im Argen und zu klären. Der angeblich ‚böse‘ Nachbar Finn kommt für mich sympathisch rüber.

Tja, was macht eine gute Beziehung aus? Gefühle allein reichen jedenfalls nicht. Man muss daran arbeiten.

Einen Satz habe ich mir notiert: Es geht nicht darum, bequem zu leben, es geht nicht darum, alles zu haben. Die Dinge bekommen erst eine Bedeutung, wenn wir ihnen eine geben.
Gefällt mir.

Und noch ein Satz an dem ich hängen geblieben bin: Wenn du dein Leben wirklich zum Positiven verändern willst, sei stärker als deine stärkste Ausrede.

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman für entspannende Stunden.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Dämonen

Waldmann
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„Waldmann – Flucht in den Tod“ ist der Start einer neuen Krimireihe von Thomas Ziebula. Ich habe schon mehrere Bücher von Thomas Ziebula gelesen und jedes überrascht immer wieder aufs Neue.

Im Zentrum ...



„Waldmann – Flucht in den Tod“ ist der Start einer neuen Krimireihe von Thomas Ziebula. Ich habe schon mehrere Bücher von Thomas Ziebula gelesen und jedes überrascht immer wieder aufs Neue.

Im Zentrum steht Kommissar Johannes Waldmann, der nach einer nicht ganz freiwilligen Auszeit in den Dienst zurückkehrt. Seit dem Verlust seiner Frau im Jahre 2016 in Lagos, kämpft Hannes Waldmann gegen seine Dämonen. Jetzt bekommt er es auch gleich mit einem Mord an einem prominenten Lokalpolitiker und dem Verschwinden einer jungen Ukrainerin zu tun.

Waldmann taucht ein in ein Milieu von Menschenhandel, Missbrauch und Zwangsprostitution. Junge Ukrainerinnen verschwinden, die nigerianische Mafia Black Axe mit ihrem weitverzweigten Netzwerk hat hier ihre schmutzigen Hände im Spiel. Die Spuren führen sogar ins benachbarte Ausland. Auch die Journalistin Pia Luninger ist an dem Fall dran. Und wer ist die mysteriöse Suse?

Ziebula schreibt wie immer atmosphärisch dicht und temporeich, mit überraschenden Wendungen. Ich habe mit klopfenden Herzen gelesen. Mitunter ist sein Schreibstil sogar poetisch, was mir gefällt. Waldmann erlebt immer wieder Flashbacks, so heißt es z.B.: Er stürzte plötzlich auf der Zeitleiste seines Lebens sieben Jahre rückwärts. Mir gefällt auch sein Therapeut, der ehemalige Jesuitenpater. Pater Franz gibt ihm ein Mantra aus der Bibel: Und ob ich schon wanderte im tiefen Tale. So fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir und tröstest mich. Er rät Waldmann, lege alles in einen Tresor: Bilder, Worte, Wut.

Das Schicksal der Frauen hat mich tief berührt. Unvorstellbar wie grausam Menschen sein können, wie man Frauen behandelt, die lediglich ein Stück Ware, mit der sich Kohle machen lässt, für diese Unmenschen sind. Ziebula greift hier ein brisantes Thema auf, das leider aktuell ist. Er hat für seinen Krimi sehr viel und gute Recherchearbeit geleistet.

Fazit: Ein absolut spannender Krimi mit Realitätsbezug, intelligent umgesetzt. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall für Waldmann.

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