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Veröffentlicht am 14.07.2019

Ein echter Ani

All die unbewohnten Zimmer
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Inhalt:
Eine Frau wird ermordet, ein Streifenpolizist erschlagen. In einem Netz von falschen Geständnissen und zwischen Zeugen, die nichts gesehen haben wollen, suchen »die Vier« nach der Wahrheit: Der ...

Inhalt:
Eine Frau wird ermordet, ein Streifenpolizist erschlagen. In einem Netz von falschen Geständnissen und zwischen Zeugen, die nichts gesehen haben wollen, suchen »die Vier« nach der Wahrheit: Der ehemalige Mönch Polonius Fischer, der pensionierte Kommissar Jakob Franck, Polizeibeamtin Fariza Nasri und Tabor Süden, der Experte für Vermisstenfälle, übernehmen die Fahndung. Trotz vereinter Kräfte stoßen sie an ihre Grenzen. Aber die Zeit drängt – es kommt zu Nachfolgeverbrechen, und die Todesfälle erregen große mediale Aufmerksamkeit. Sie entfachen hitzige Diskussionen über Ost- und Westdeutschland, Migrationspolitik und »das System« …
In seinem neuen Kriminalroman All die unbewohnten Zimmer seziert Friedrich Ani die gegenwärtigen politischen Verhältnisse und den Zustand unserer Gesellschaft – und führt seine Leserinnen und Leser dabei an den Rand des Abgrunds.
Vier einzigartige Ermittlungsmethoden und ein komplizierter Fall: Die Ermittelnden aus Friedrich Anis Bestsellern fahnden erstmals gemeinsam!

Meine Meinung:
Ani lässt diesmal gleich vier seiner Ermittler um den Fall des erschlagenen Streifenpolizisten Patrick Werneck agieren. Alte Bekannte und doch ist jeder ein Original mit Ecken und Kanten. Im ersten Teil startet die syrisch stämmige Kripobeamtin Fariza Nasri, im zweiten Teil mischt der pensionierte Kriminalkommissar Jakob Franck mit, im dritten Polonius Fischer, ein ehemaliger Mönch und jetziger Chef des K111, im vierten Teil treffen wir auf den inzwischen am Leben verzweifelten Tabor Süden. Im fünften und letzten Teil treffen alle aufeinander.

Der Schreibstil ist wie immer einfach nur schön, Ani findet Worte, Situationen zu beschreiben, die Gänsehaut verursachen. Manche Sätze hallen nach und wollen zu Ende gedacht werden. Friedrich Ani Stärke ist es, seinen Charakteren Tiefe zu geben, sie werden für den Leser lebendig. Der Wechsel zwischen den einzelnen Sichtweisen gibt diesem Roman noch einen besonderen Kick.

Auch in diesem Roman schneidet Ani gesellschaftskritische Themen an, da geht es um rechte Gruppierungen und Fremdenhass, Asylpolitik und Ossi-Wessi-Denke, unfähige Polizei und um Randfiguren unserer Gesellschaft.

Fazit: Ein echter Ani, was sonst.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Containern

Harz
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Inhalt:
Liv ist seit dem sechsten Lebensjahr tot, ertrunken in der Brandung. Das zumindest lässt ihr Vater Jens die Behörden glauben. Jens ist ein krankhafter Sammler, getrieben von der Angst, seine einzige ...

Inhalt:
Liv ist seit dem sechsten Lebensjahr tot, ertrunken in der Brandung. Das zumindest lässt ihr Vater Jens die Behörden glauben. Jens ist ein krankhafter Sammler, getrieben von der Angst, seine einzige Tochter zu verlieren. Und so lebt Liv in der Einsamkeit eines Containers hinter dem Hof, versteckt zwischen selbst gezimmerten Särgen und in Harz konservierten Tieren - ein sorgsam von der Außenwelt abgeschirmtes Leben, ein Leben in der Falle. Meisterhaft erzählt Ane Riel von einer scheinbar verkehrten Welt, in der aus Liebe Obsession wird und aus dem Wunsch nach Sicherheit tödliche Gefahr.

Meine Meinung:
Ein verstörendes Buch! Was für eine destruktive, gestörte Familie! Es fällt mir schwer, dieses Buch zu beschreiben. Es hat mich während des Lesens beschäftigt, aber dennoch ratlos zurückgelassen. Und möchte ich es noch einmal lesen? Definitiv, nein.

Ane Riel beschreibt in ihrem Thriller „Harz“ sehr detailgetreu Situationen und Geschehnisse, die mir den Atem stocken ließen. Ihre Sprache ist schnörkellos und klar. Da gibt es keine Beschönigungen. Abgründe tun sich auf. Ein Vater der nicht loslassen kann, der alles gebrauchen kann, der in Dingen, die andere wegwerfen, den Wert erkennt. Der sich und sein Umfeld zumüllt, der, um seine Familie zu schützen, die eigene Mutter an Weihnachten umbringt. Oh nein, wie krank ist das denn? Dennoch hat mich die Geschichte, so schräg sie ist, gefesselt bis zum Schluss.

Das Buch hat mir nicht gefallen und dennoch erhält es von mir die höchste Punktzahl. Warum? Es hat mich gedanklich mehr beschäftigt als sonst ein Buch in letzter Zeit.

Veröffentlicht am 01.06.2019

Selbstvertrauen lässt uns wachsen

Sich selbst vertrauen
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Inhalt:
Charles Pépin zeigt in seinem Nr.-1-Bestseller wie wir jenseits der klassischen Ratgeberliteratur Zuversicht und Selbstvertrauen finden können.
Im Meinungsgewitter auf die eigene Stimme hören. ...

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Inhalt:
Charles Pépin zeigt in seinem Nr.-1-Bestseller wie wir jenseits der klassischen Ratgeberliteratur Zuversicht und Selbstvertrauen finden können.
Im Meinungsgewitter auf die eigene Stimme hören. Eine klare Richtung einschlagen, wenn sich grenzenlose Möglichkeiten auftun. Entscheidungen treffen trotz Zweifeln. All das erfordert eine wesentliche Fähigkeit: sich selbst vertrauen zu können. Doch was bedeutet es, sich selbst zu vertrauen? Warum fällt es manchen Menschen leichter als anderen? Worin liegt der Unterschied zwischen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit? Charles Pépin findet die Antworten auf diese Fragen in Philosophie, Literatur und Kunst, Psychologie und Pädagogik. Leicht und lebendig zeigt er, wie jeder von uns dem Ungewissen mit mehr Zuversicht entgegentreten kann. Ein stärkendes Buch für unsichere Zeiten.

Meine Meinung:
Charles Pépin ermunter dem Leser mit seinem Büchlein „Sich selbst Vertrauen – Kleine Philosophie der Zuversicht“ Vertrauen in uns und andere Menschen und in das Leben zu haben. Das Werk liegt in einem handlichen Format vor. Als Ratgeber würde ich es allerdings nicht unbedingt sehen, vielmehr ist es für meinen Geschmack eine philosophische Betrachtung zum Thema Selbstvertrauen.

Mit Beispielen berühmter Persönlichkeiten verdeutlicht uns der Autor, wie wichtig es ist, Kindern bereits in den ersten Lebensjahren Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. So erhielt Madonna den entscheidenden Impuls zum über sich hinauswachsen von einem Lehrer, der in ihr schon damals Großes sah.

Doch was ist Selbstvertrauen? Charles Pépin beschreibt es so „Selbstvertrauen ist vertrauen in das Leben, loslegen mit der Unbeschwertheit eines Kindes und vertrauen, auch ohne genau zu wissen, in wen oder was.“

Das Buch liest sich leicht und flüssig, es gibt Denkanstöße und Impulse, die durchaus praxistauglich sind. Aber es gibt keine vorgefertigten Tipps und Anleitungen.

Fazit: Sich selbst zu vertrauen, bedeutet, dass man als Mensch wachsen kann.

Veröffentlicht am 09.05.2019

Zwei Frauen

Alte Sorten
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Inhalt:
Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, ...

Inhalt:
Sally und Liss: zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sally, kurz vor dem Abitur, will einfach in Ruhe gelassen werden. Sie hasst so ziemlich alles: Angebote, Vorschriften, Regeln, Erwachsene. Fragen hasst sie am meisten, vor allem die nach ihrem Aussehen.
Liss ist eine starke, verschlossene Frau, die die Arbeiten, die auf ihrem Hof anfallen, problemlos zu meistern scheint. Schon beim ersten Gespräch der beiden stellt Sally fest, dass Liss anders ist als andere Erwachsene. Kein heimliches Mustern, kein voreiliges Urteilen, keine misstrauischen Fragen. Liss bietet ihr an, bei ihr auf dem Hof zu übernachten. Aus einer Nacht werden Wochen. Für Sally ist die ältere Frau ein Rätsel. Was ist das für Eine, die nie über sich spricht, die das Haus, in dem die frühere An-wesenheit anderer noch deutlich zu spüren ist, allein bewohnt? Während sie gemeinsam Bäume auszeichnen, Kartoffeln ernten und Liss die alten Birnensorten in ihrem Obstgarten beschreibt, deren Geschmack Sally so liebt, kommen sich die beiden Frauen näher. Und erfahren nach und nach von den Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden.
Meine Meinung:
Ich habe das Buch auf meinem Kurzurlaub gelesen und es hat mir von der Stimmung her sehr gefallen. Der Schreibstil ist anspruchsvoll und sehr intensiv. Der Autor vermittelt ein lebensnahes Bild von den Vorkommnissen auf dem Hof und den Charakteren der beiden Frauen. Liss und Sally sind beide Außenseiterinnen und sich im Grunde sehr ähnlich. Ich fand es schön, wie sich beide ohne große Worte verstehen und näherkommen. Es sind verletzte Frauen. Liss hat sich mit ihrer nach außen hin schroffer Art, einen Schutzschild zugelegt, sie lässt Niemanden an sich ran. Und auch Sally hat bereits in ihrem jungen Leben gelernt, den Menschen zu misstrauen.

Mich hat das Buch sehr berührt. Es ist eine Geschichte die ohne große Action daherkommt, ist leise und nachwirkend. Der Autor malt wunderschöne Bilder und lässt Stimmungen entstehen, die fühlbar sind. Ich hatte an vielen Stellen direkt Gänsehaut.

Veröffentlicht am 09.05.2019

Suche nach den Wurzeln

Das wilde Leben der Cheri Matzner
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Inhalt:
Der Radiologe Solomon Matzner und seine italienische Frau freuen sich auf ihr Kind. Da erleidet Cici eine Fehlgeburt, die sie so verstört zurücklässt, dass Sol sich nicht anders zu helfen weiß, ...

Inhalt:
Der Radiologe Solomon Matzner und seine italienische Frau freuen sich auf ihr Kind. Da erleidet Cici eine Fehlgeburt, die sie so verstört zurücklässt, dass Sol sich nicht anders zu helfen weiß, als hinter ihrem Rücken schnellstens ein Ersatzkind zu adoptieren: Cheri. Ein rebellisches Mädchen, das auch später als Frau nicht ansatzweise dazu bereit ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Ein Buch über die Familie, an der man sich die Zähne ausbeißt und ohne die man trotzdem nicht sein kann.

Meine Meinung:
Cheri Matzner, die Protagonistin lernen wir erst im zweiten Teil des Buches kennen. Da steht sie kurz vor ihrem 40. Geburtstag, ist Professorin für Religionswissenschaften, mit einer speziellen Vorliebe zu den Keilschriften. Nebenbei versucht sie schwanger zu werden. Doch die Ehe mit einem älteren Mann hat sich Tod gelaufen. Sie leidet unter seiner Ignoranz. Auch beruflich versucht man Cheri auszubooten, hinzu kommt der politische Konflikt im Irak, der ihre Pläne in Gefahr bringt. Dann erkrankt ihr Ehemann Michael schwer.

In Rückblicken erfährt der Leser aus ihrer Jugend, in der sie ihr Studium hingeschmissen hat und beim NYPD als Polizistin Arbeit fand. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war immer eng, während sich die Beziehung zu ihrem Vater eher schwierig gestaltete.

Das Cover fand ich eher unpassend. Denn Cheri ist bestimmt kein leichtlebiges Geschöpf wie die Dame, die ein bisschen an Audrey Hepburn und ‚Frühstück bei Tiffany‘ erinnert, dem Leser zu vermitteln versucht. Cheri Matzners Leben verfügt über Höhen und Tiefen. Sie ist ein Leben lang auf der Suche nach ihren Wurzeln. Stellenweise empfand ich den Roman sogar als etwas düster und mir tat die Protagonistin richtig leid.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr intensiv und wirklich schön. Auch wenn das Buch nicht so humorvoll ist, wie ich ursprünglich erwartet hatte, hat es mich doch sehr berührt. Von mir deshalb klare Leseempfehlung.