Wie die Geier
Der lange Schatten
Der Dumont Verlag hat das Buch von Celia Fremlin ‚Der lange Schatten‘ neu veröffentlich. Die Erstveröffentlichung war bereits im Jahre 1975. Die Autorin ist 2009 verstorben und war bekannt für ihre psychologischen ...
Der Dumont Verlag hat das Buch von Celia Fremlin ‚Der lange Schatten‘ neu veröffentlich. Die Erstveröffentlichung war bereits im Jahre 1975. Die Autorin ist 2009 verstorben und war bekannt für ihre psychologischen Romane.
Doch worum geht es in diesem Buch:
Imogen hat ihren Mann kürzlich bei einem Autounfall verloren. Nun will sich jeder um die trauernde Witwe kümmern. Doch Imogen will eigentlich nur ihre Ruhe. Ihr Mann Ivor war nicht der, für den ihn alle hielten, er hatte auch dunkle Seiten. Eines nachts klingelt das Telefon. Der Anrufer behauptet Imogen hätte ihren Mann umgebracht.
Vor Weihnachten wird sie entgegen ihrem Willen zur Zimmerwirtin, als ihre Stiefkinder mit Familienanhang und Sack und Pack anrücken, angeblich, um ihr die Einsamkeit zu nehmen. Und sogar Ivors zweite geschiedene Ehefrau quartiert sich bei ihr ein. Bald geschehen Dinge, die eigentlich unerklärlich sind.
Mir tat Imogen leid. Wer will schon in der Weihnachtszeit von einer Meute gutmeinender Verwandter heimgesucht werden, deren einziger wahrer Beweggrund das nicht unerheblich Erbe Ivors war. Man wollte vom großen Kuchen was bekommen. Ganz klar. Wie die Geier belauerten sie nicht nur Imogen, sondern sich auch gegenseitig. Ich empfand besonders ihre Stieftochter Dot als sehr übergriffig. Aber auch der Stiefsohn Robin, er bezeichnet sich selbst als Psychopathen, denkt nur an seinen eigenen Vorteil.
Erst hatte ich ja tatsächlich geglaubt an den Vorwürfen des Anrufers könnte was dran sein. Aber der Gedanken zerschlug sich sehr bald. Die mysteriösen Ereignisse in ihrem Haus geben Rätsel auf, die erst zum Ende des Buches eine Auflösung finden. ‚Der lange Schatten‘ ist ein spannender Roman, der durch seine dichte Atmosphäre und die feine psychologische Zeichnung der Charaktere besticht.
Celia Fremlin schafft es mit alltäglichen Vorfällen Gänsehaut zu erzeugen. Viele Situationen empfand ich als skurril, aber das Lachen blieb mir dennoch im Halse stecken. Ich hätte die ganze Bande aus dem Haus geworfen. Plötzlich war Imogen in ihrem Haus nur noch geduldet.
Fazit: Die Geschichte könnte heute noch genauso spielen. Ein Buch das zum Nachdenken anregt.