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Veröffentlicht am 12.04.2026

Tolle Bilder, kreative und humorvolle Interpretation von Hades + Persephone - zurecht mit Triggerwarnung!

Lore Olympus - Teil 1
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Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? ...

Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? Ehrlich, keine Ahnung. Das Buch lag jedenfalls schon weit mehr als ein Jahr bei mir, sogar auf dem Nachttisch, damit es bei der richtigen Laune direkt griffbereit ist, weil ich soo neugierig war. Aber die richtige Stimmung für diese Graphic Novel über Hades und Persephone kam erst diese Woche. Und dann hatte ich das Buch nach nicht einmal eineinhalb Stunden plötzlich inhaliert …

Zuerst fand ich die grafische Darstellung etwas merkwürdig: sehr viel Weißraum mit wenigen kleineren Panels und Zeichnungen, die doch irgendwie ganz anders waren als erwartet. Viel Stilisierung und stellenweise Details, die mich an Animes erinnert haben. Aber dann, ganz schleichend, ergaben der Stil und die Entscheidungen, die Rachel Smythe getroffen hat, einen Sinn. Dass Lore Olympus ursprünglich ein Webtoon war, hatte ich in der Zeit seit dem Kauf des Buches ganz vergessen. Dieser Aspekt erklärt aber den Aufbau einiger Buchseiten und den Anteil des Weiß- (oder Schwarz-) Raums im Hintergrund.

Ich behaupte von mir, dass ich ein bisschen Basiswissen über griechische Mythologie habe, weil ich mich als Teenager dafür interessiert habe – die Buchreihe Mythos Academy von Jennifer Estep habe ich geliebt -, aber Vieles ist wieder aus meinem Hirn verschwunden, sodass ich eigentlich fast blind in diese Geschichte eingestiegen bin.

Grob zusammengefasst weiß ich, dass die griechischen Götter die 2. Generation sind und vor ihnen die Titanen kamen, ich kenne einige der Namen und bei noch weniger kann ich mich noch erinnern, wofür sie stehen, Hermes zum Beispiel oder Athene. Ich weiß, dass Persephone die Tochter von Demeter ist und dass sie mit Hades in die Unterwelt geht. Warum sie das tut, wie das passiert und welchen Kontext diese Geschichte hat – das wusste ich mal, aber inzwischen habe ich diese Information nicht mehr präsent.

Deshalb konnte ich ohne ständige Vergleiche mit dem Original diese halbwegs modernisierte Neuerzählung wirklich genießen. Es gibt Smartphones, teure Anzüge und flauschige Wintermäntel, gleichzeitig aber auch anmutige Gewänder und Kopfschmuck, die an die klassischen Darstellungen vom Olymp erinnern. Wer sich von dieser Mischung nicht abschrecken lässt, der könnte wirklich Gefallen an Lore Olympus finden.

Aber apropos „abschrecken“. Dieses Buch hat nicht ohne Grund eine Triggerwarnung (ich zitiere sie am Ende der Rezension, sodass Spoiler vermieden werden können)! Besonders zum Ende hin gibt es einige wenige problematische Szenen, darunter eine Vergewaltigung (nicht durch den Love Interest!) und das Einsperren durch einen Elternteil „zum Schutz“.

Ich finde es trotz der Grausamkeit der erzählten Momente wichtig, dass diese Elemente nicht romantisiert, sondern als so schrecklich dargestellt werden wie sie nun einmal sind. Sie sind, soweit ich es aktuell abschätzen kann, entscheidende Momente für die Hauptfigur und begründen den Weg ihrer Entwicklung.

Ich kann aus oben genannten Gründen nicht beurteilen, ob es entsprechende Szenen im ursprünglichen Mythos um Persephone gibt und hoffe deshalb, dass die Künstlerin nicht im Stil von Game of Thrones grundlose Grausamkeit in ihre Geschichte eingebaut hat. Im Moment, nach dem Lesen von ausschließlich Band 1, habe ich den Eindruck, dass es einen höheren Zweck erfüllen wird. Bildlich sind diese Szenen, ich habe insbesondere drei davon im Kopf – eine recht weit am Anfang, zwei gegen Ende -, sehr beeindruckend umgesetzt.

Toll umgesetzt ist auch die Farbgebung: jede Gottheit hat eine bestimmte Farbe zugeteilt bekommen, die immer dieselbe bleibt. So ist auch bei Panels mit weniger Details schnell erkennbar, wer dargestellt ist. Das ist eines der Dinge, die mich anfangs irgendwie gestört haben, weil es so ungewohnt für mich war. Gegen Ende war es aber total normal, dass Hera gelb und Athene lila sind. Dass Hades ein helles Blau bekommen hat erinnerte mich kurz an die Disney-Verfilmung von Herkules, aber ob das eine beabsichtigte Verbindung ist, weiß wohl nur die Autorin. 🤓

Fazit
Insgesamt ist Lore Olympus eine erfrischend neue Version der klassischen Geschichte um Hades und Persephone. Ich erkenne insbesondere im Jugendbuch und bei New Adult einen Trend, klassische Paare neu zu erzählen, und dabei waren Hades und Persephone ganz weit vorn mit dabei. Ob Lore Olympus dabei eine Rolle gespielt hat – immerhin war der Webtoon lange vor der Veröffentlichung und Übersetzung der Bücher online lesbar -, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann sich diese Graphic Novel wirklich sehen lassen, und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Sobald ich mir die Fortsetzung anschaffe, warte ich bestimmt nicht noch einmal fast ein ganzes Jahr, bevor ich sie lese!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Okay, aber leider für die falsche Altersgruppe vermarktet

Bonds and Curses- Flammengezeichnet
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Aufmerksam wurde ich auf Bonds and Curses durch das Cover, das wirklich toll gestaltet ist und die Magie, die das Buch verspricht, geradezu verströmt. Danach wurde ich sehr neugierig auf diese Geschichte, ...

Aufmerksam wurde ich auf Bonds and Curses durch das Cover, das wirklich toll gestaltet ist und die Magie, die das Buch verspricht, geradezu verströmt. Danach wurde ich sehr neugierig auf diese Geschichte, weil der Klappentext ein düsteres Abenteuer voller Gefahren in der Anderwelt der keltischen Mythologie verspricht. Ziemlich schnell wurde dann aber schon nach wenigen Kapiteln deutlich, dass ich den Punkt „Erin beginnt gerade ihr Studium“ etwas unterschätzt hatte:

Sie ist gerade erst fertig mit der Schule und damit eben noch nicht so richtig im Erwachsenenleben angekommen, obwohl sie schon während der Schulzeit gearbeitet hat und somit eigentlich einen guten Einblick hätte haben können. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt ist die eines Teenagers, nicht die einer jungen Erwachsenen. Das ist einer der beiden Gründe, weshalb ich lange Zeit mit Bonds and Curses nicht recht warm wurde.

Der andere Grund ist, dass die Handlung erst nicht in Gang kommen wollte und dann viel zu schnell vorpreschte. Es fühlte sich so an, als sei die große Mission, die nicht nur die Anderwelt sondern sogar die Menschenwelt vor dem drohenden Untergang retten sollte, innerhalb von zwei Tagen abgehakt und als seien die großen Hürden, an denen andere vor Erin und Connor tödlich gescheitert sind, eigentlich kein großes Problem, so einfach konnten die beiden die jeweiligen Lösungen finden.

Das, zusammen mit dem absolut gar nicht so düsteren Weltendesign, das mir nicht tief genug ging und etwas oberflächlich blieb, sorgte für mich für das Gefühl, ein Buch für Zehn- oder vielleicht Zwölfjährige zu lesen und nicht ein Buch für junge Erwachsene. Dazu später mehr.

Das blieb so, bis die unvermeidliche Liebesgeschichte beginnt und zwei Figuren plötzlich nicht mehr die Finger voneinander lassen können. Das fühlte sich genau deshalb so schräg und unpassend an, weil Erin vorher einfach keinerlei Interesse daran gezeigt hat. Von jetzt auf gleich wurde ein Schalter umgelegt, und auf einmal sind sie Seelenverwandte? Zugegeben, die Art und Weise wie die Seelenverbindung hier dargestellt wird, hat mir richtig gut gefallen!

Aber dass aus einem gelegentlichen „oh, seine Augen sind eigentlich ganz hübsch“ und „du erinnerst mich an etwas Schreckliches aus meiner Vergangenheit, also blaffe ich dich an, sooft ich kann“ ohne richtigen Übergang ein „ich will nicht zurück in meine Welt gehen, weil ich dich verlassen müsste“ und „lass uns hinter einer Säule versteckt herummachen“ wird – das war mir einfach zu unrealistisch (und das will einiges heißen, in einem Fantasy-Roman). Gegen Ende gab es einige Szenen, in denen ich mich stark an Bella und Edward aus Twilight erinnert gefühlt habe – diese Ausweglosigkeit von obsessiver Liebe, das „mein Leben wird vorbei sein, wenn wir uns nicht mehr sehen können“.

Ich möchte nicht nur Schlechtes über Bonds and Curses schreiben, denn letztendlich hat mich dieses Buch doch auch unterhalten. Ich mag die Botschaften, die hier vermittelt und die Themen, die angesprochen werden sollen (auch, wenn es manchmal ziemlich on-the-nose war und man es subtiler hätte verpacken können): Klimaschutz, Politikversagen, Gruppenzwang, eigene Entscheidungen treffen, die auch mal gegen den Wunsch der Eltern gehen, Vergebung auch sich selbst gegenüber, der Mut, man selbst zu sein, Coming Out. Wie beispielsweise auch in Smaragour – Die Dracheninsel sind die einzelnen Bauteile von Bonds and Curses nicht grundsätzlich schlecht – aber das Ergebnis nach der Kombination dieser Bauteile funktioniert für mich einfach nicht.

Eine Ursache für meine beiden großen Probleme mit diesem Buch sehe ich darin, dass weder auf NetGalley, wo ich auf Bonds and Curses aufmerksam geworden bin, noch auf der Website der Autorin, wo ich vorab ein bisschen gestöbert habe, eine Altersempfehlung angegeben wurde. Nach dem Lesen, erst direkt vor dem Schreiben dieser Rezension, habe ich in einigen gängigen Onlineshops nachgesehen und musste feststellen, dass Bonds and Curses ab 14 Jahren empfohlen wird. Hätte ich diese Information vorab gehabt, wäre ich mit völlig anderen Erwartungen an Bonds and Curses herangegangen!

Dass es keine Altersempfehlung gibt (dort, wo ich naheliegenderweise zuerst nach Informationen gesucht habe), ist normalerweise ein Hinweis darauf, dass ein Buch an ein erwachsenes Publikum gerichtet ist. Auch Formulierungen wie „Frauenschwarm“ oder „mordlüsterne magische Wesen“ im Beschreibungstext deuten auf ein älteres Zielpublikum hin (bei einem vierzehnjährigen Zielpublikum und einer Hauptfigur, die gedanklich noch in der Schule ist, erwarte ich eher „Mädchenschwarm“). Sogar das Coverdesign kann sich in eine Reihe mit Fantasyromanen für Erwachsene oder zumindest für die Sparte New Adult stellen. Dagegen gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Bonds and Curses sich eben an Jugendliche richtet.

Nach dieser Erkenntnis ergibt es dann natürlich Sinn, dass die beschriebene Welt nicht zu komplex, die Geschehnisse nicht zu grauenhaft und die Gedanken und Gefühle der Hauptfiguren noch etwas kindlich erscheinen. (Es passt weiterhin nicht, dass Erin plötzlich ein regelrecht sexuelles Interesse ausdrückt, wo vorher ausschließlich und allerhöchstens vorsichtige Neugier war!) Trotzdem hatte ich eher das Gefühl, wie oben schon angedeutet, Abenteuer-Fantasy für Zwölfjährige zu lesen und nicht Romantasy, wie es von der Autorin beworben wird, für Vierzehnjährige.

Ich hatte öfter den kleinen Zeichentrick-Wikinger Wiki vor Augen, wie er sich an der Nase reibt und einen Gedankenblitz hat – genau so haben Erin und Conor die Rätsel gelöst, vor die sie gestellt wurden. Es gibt keine unlösbaren Aufgaben, keine wirklich tödlichen Feinde. Stattdessen sammeln sie Freunde und Verbündete auf allen Seiten und steuern geradewegs auf das Happy End zu.

Das letzte Drittel von Bonds and Curses hat mir besser gefallen als die vorherigen Abschnitte, weil die Hauptpersonen sich langsam in ihre Rollen eingefunden haben und die Handlung in einem ordentlichen Tempo voranging. Hier sind auch tatsächlich unvorhersehbare Wendungen vorgekommen, von denen einige wenige dann jedoch schon wieder zu abwegig für meinen Geschmack waren.

Ich finde es gut, wie Conors Geschichte ihr Ende findet und wie Erins Familienprobleme ausgehen. Fintan mochte ich von Anfang an und Cormack kam mir viel zu selten vor. Die Autorin weiß also durchaus, wie man gute Figuren schreibt, wenn es mir auch eher bei Nebencharakteren auffiel. Leider ließ, wie schon gesagt, das Wordbuilding etwas zu Wünschen übrig und das häufige „das hier ist die Moral von der Geschichte, ich sage es dir noch einmal, hast du es jetzt verstanden, lieber Leserin?“ war stellenweise wirklich so betont, dass es den Lesefluss gestört hat.

Fazit
Ich werde zukünftig genauer schauen und dabei Spoiler in Onlineshops in Kauf nehmen müssen, wenn ich Enttäuschungen wie diese vermeiden möchte. Bonds and Curses hätte mir wahrscheinlich viel besser gefallen, wenn ich vor dem Lesen die nötigen Informationen zur Altersempfehlung gehabt hätte und dadurch meine Erwartungen andere gewesen wären. Trotzdem war das Buch nicht furchtbar schlecht, sondern „nur“ mit einer sehr simplen Struktur, einer ziemlich oberflächlich beschriebenen Welt und einer nach nachvollziehbaren Romanze. Ich habe Bonds and Curses immer noch lieber gelesen als andere Bücher in diesem Jahr (zum Beispiel Die Prinzessinnen), aber dieses Buch wird mir wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben.

PS: Der Gedanke kam mir später, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, was „Flammengezeichnet“ im Titel zu bedeuten hat, worauf in der Geschichte das Bezug nimmt.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Extrem fesselnd und bedrückend - einer meiner seltenen Krimis!

Das Haus in dem Gudelia stirbt
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Es fällt mir schwer, Das Haus in dem Gudelia stirbt zu bewerten. Ich hatte absolut keinen Spaß beim Lesen, man sieht das Ende schon weit früher kommen, und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen ...

Es fällt mir schwer, Das Haus in dem Gudelia stirbt zu bewerten. Ich hatte absolut keinen Spaß beim Lesen, man sieht das Ende schon weit früher kommen, und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen – wie bei einem Autounfall, bei dem man kaum wegschauen kann. Auch der Schreibstil war nicht nach meinem Geschmack, die Sätze waren viel zu kurz, zu schlicht, zu trocken, zu emotionslos. Trotzdem wurden so viele Gefühle vermittelt, so viel Leid, Angst, Zorn, Resignation, Lebensmüdigkeit troff geradezu aus jeder Zeile. Nicht einmal die Charaktere fand ich irgendwie spannend. Und doch habe ich das Buch an einem Abend inhaliert.

Das Haus in dem Gudelia stirbt: Weil der Titel schon verrät, wohin die Reise führt, gab es keine wirklichen Überraschungen. Zwar wurde lange Zeit nicht explizit ausformuliert, was passiert ist und warum Gudelia ihr Haus nicht verlassen will, aber es ist schon nach wenigen Seiten nicht wirklich schwer zu erraten. Zwischendurch habe ich mich an die Serie Tatort erinnert gefühlt: Oft weiß man als Zuschauerin schon früh, wie der Fall ausgehen wird, aber das Wie ist das Ziel der Sendung – der Tat-Hergang, die Umstände, die Motivation der Täterinnen.

Die Erzählperspektive von Gudelia selbst macht Das Haus in dem Gudelia stirbt zu einem extrem bedrückenden Erlebnis, ich würde es schon fast als verstörend bezeichnen. Das Grausamste war für mich, dass so viele kleine Details genannt wurden, die die Geschichte so realistisch und möglich erscheinen lassen. Zum Beispiel wird Gudelia in keiner der drei erzählten Zeitabschnitte als eine vollwertige und für sich allein stehende Person betrachtet:

Erst sieht man sie als eine trauernde, nicht zurechnungsfähige Mutter, dann nur als die Frau von irgendjemandem und schließlich als eine verwirrte alte Frau, der man nicht glauben kann. Das ist nur ein kleiner Tropfen in Gudelias Fass, das irgendwann überläuft. Aber Details wie diese sorgen dafür, dass ich mir wirklich vorstellen kann, dass die erzählte Geschichte so oder so ähnlich irgendwo stattfinden könnte – und das macht es beängstigend.

Das Haus in dem Gudelia stirbt ist kein 08/15-Polizei-Ermittlungs-Roman, sondern ein slow burn Drama, bei dem man das schreckliche Ende schon lange kommen sieht, aber doch nicht verhindern kann.

PS: Ich habe mir zwischen Lesen und Schlafengehen unterhaltsame Musik angemacht, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Memo an mich: Keine Krimis/Thriller am Abend!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Ich mag den Love Interest nicht, aber der Rest ist echt super

School of Myth & Magic, Band 1 - Der Kuss der Nixe
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Nachdem mich zuletzt einige Jugendbücher ziemlich enttäuscht haben, war Der Kuss der Nixe geradezu ein erfrischendes Highlight!

Da ich bisher von Jennifer Alice Jager nur School of Myth & Magic. Der Kuss ...

Nachdem mich zuletzt einige Jugendbücher ziemlich enttäuscht haben, war Der Kuss der Nixe geradezu ein erfrischendes Highlight!

Da ich bisher von Jennifer Alice Jager nur School of Myth & Magic. Der Kuss der Nixe kenne, muss ich davon ausgehen, dass alle ihre Bücher in dieser Art geschrieben sind. Und das ist aus meiner Perspektive extrem positiv, denn ich bin nur so durch die Seiten geflogen! Awakening – Terra steht schon seit einiger Zeit ungelesen in meinem Regal, ist nach Der Kuss der Nixe aber ein gutes Stück auf meiner Leseliste nach oben gerückt.

Am Anfang war ich etwas skeptisch, ob ich mit Devin warm werden würde, als sie nach schönster „ich bin anders als die anderen Mädchen“-Manier über Make-Up schimpft, während sie sich in ihre extrem enge Hose zwängt. Doch schon nach wenigen Seiten nahm die Handlung so richtig an Fahrt auf und die Hauptfigur zeigte, was in ihr steckt. Was ich in so vielen anderen Büchern liebe, sind Figuren, die nicht auf den Mund gefallen sind und schlagfertig für sich einstehen, trotz aller (Selbst-) Zweifel und Ängste in einem meist feindlichen Umfeld.

Beispielsweise in Patricia Briggs Mercy-Thompson-Reihe oder, das habe ich erst kürzlich gelesen, in Annette Maries Drei Magier und eine Margarita lassen sich die jeweiligen Hauptfiguren nicht unterkriegen und haben wie Buffy immer einen flotten Spruch auf den Lippen. So auch Devin, die sich von jetzt auf gleich in einer völlig neuen, fremden Realität wiederfindet.

Sie lässt sich zum Beispiel gar nicht erst auf das Mobbing der It-Clique an der neuen Schule ein, sondern ihr erster Gedanke in der Situation ist „wie unsicher muss das Mädchen sein, um so auf jemanden loszugehen, den sie das erste Mal sieht?“. Devin schreckt auch nicht davor zurück, bei ungewollten Annäherungsversuchen Nein zu sagen, anstatt sich in die Enge treiben zu lassen. Dazu später mehr.

Die Gestaltung der magischen Zwischenwelt und ihrer Bewohner*innen hat mir richtig gut gefallen. An einigen Stellen hatte ich regelrecht Bilder vor Augen, was viele Bücher, die ich in den letzten Wochen gelesen habe, nicht geschafft haben. Noch ein Beweis für den tollen Schreibstil der Autorin!

Auch die Handlung war irgendwie besonders: Eigentlich ist es ja nichts neues, dass in einem abgelegenen Internat junge Menschen etwas über ihre besonderen Fähigkeiten lernen. Harry Potter, die Engelsnacht-Reihe von Lauren Kate, Vampire Academy, um nur ein paar zu nennen. Was School of Myth & Magic. Der Kuss der Nixe für mich besonders macht, ist, neben Devins Charakter das Zusammenspiel der verschiedenen Wesen und wie selbstverständlich alles erscheint. Es hat mich nicht überrascht, dass ein Waldwesen in der Mittagspause eine Bohnenranke wachsen lässt, dass die soziale Struktur unter Nixen wie bei Fischen als Schwarm funktioniert oder dass ein alter Drache im höchsten Turm zu finden ist.

Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass die Autorin richtig viel Vorarbeit in Der Kuss der Nixe gesteckt hat, um alle Details zu erwischen, die diese Geschichte irgendwie logisch und realistisch machen.

Einen extrem dicken Pluspunkt bekommt Der Kuss der Nixe von mir in diesem Zusammenhang dafür, dass auf die verschiedenen Sprachen der Jugendlichen eingegangen wird – schließlich kommen sie aus aller Welt in dieser Schule zusammen. An einer Stelle bekommt Devin die Erklärung, dass unter dem Schutzschild der Schule ein Zauber dafür sorgt, dass sich alle gut verständigen können, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen.

Damit wäre ich ja schon zufrieden gewesen – aber als eine Gruppe dann mal den Schutzschild und damit die Reichweite des Zaubers verlässt, sprechen sie tatsächlich unterschiedliche Sprachen, die Devin nicht ohne einen speziellen Trank verstehen kann. Das wird nicht nur ausgedrückt durch „meine Freunde reden komisch“, sondern die Sätze stehen tatsächlich in Französisch, Gälisch und Finnisch im Buch. Sie werden nicht übersetzt (aber wenn mein Google-Übersetzer recht hat, passen sie hervorragend in die Szene). Das ist eine Detailverliebtheit, die nicht nötig gewesen wäre, aber die für mich ein Buch auf eine ganz neue Ebene hebt.

Und dann gibt es die Momente, in denen ich schmunzeln musste. Zum Beispiel als ein Drache das erste Mal seine Drachenform zeigt, die ihm dann aber peinlich ist. Oder als ein Incubus auf seine ganz eigene Art seine Handlungen erklärt. Als Devin das erste Mal in ihrer Nixenform erkennt, wozu sie fähig ist und dabei pure kindliche Begeisterung ausstrahlt.

Eine Stelle habe ich mir nur deshalb markiert, weil aus ihr deutlich wurde, dass Der Kuss der Nixe wirklich von einer Frau geschrieben sein musste: nachdem jemand ihre Hose zu- (und nicht auf-) geknöpft hatte, steckte er die Hände in die Hosentaschen, um das Innenfutter zu richten. Wieder ein kleines Detail, das man hätte weglassen können, das für mich aber wieder einen riesigen Unterschied in der entsprechenden Szene ausmacht!

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die Person, die sich als Love Interest hervortut. Ich glaube, ich wäre besser mit dem Altersunterschied von 8 Jahren zu einem anderen potenziellen Partner (und dem Problem, dass eine der beteiligten Personen noch 17 Jahre alt, also minderjährig ist) zurechtgekommen, als mit den wiederholten körperlichen Kontaktversuchen des Typen, den sich Devin bis zum Ende dieses ersten Bandes aussucht.

Er hört zwar immer auf, wenn sie Nein sagt, aber startet dann doch einen neuen Versuch mit „vertrau mir“, während ihr innerer Monolog neben Versuchung vor allem berechtigte Angst ausdrückt. Er ist auch etwas übergriffig in seinen Versuchen, sie zu beschützen, obwohl sie mehrfach sowohl mit Worten als auch mit Taten klarstellt, dass sie auch recht gut auf sich selbst aufpassen kann. Sogar einen dritten Kerl, der gegen Ende als Bösewicht dargestellt wird (ich hoffe und vermute, dass sich das in der Fortsetzung ein bisschen ändert), habe ich zwischenzeitlich als potenziellen (und deutlich besseren) Partner gesehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Situation entwickelt. Ich hoffe, dass es nicht bei dem jetzigen Partner bleibt.

Genauso gespannt bin ich auf die weitere Entwicklung der mystischen und magischen Elemente von Der Kuss der Nixe. Tore, die nicht nur Abkürzungen in verschiedene Bereiche unserer Welt ermöglichen, sondern auch ganz fremde Welten eröffnen; Dämonen, die von Menschen Besitz ergreifen können; Wächter, die gegen verschiedenste magische Wesen kämpfen müssen; die Andeutung von übergeordneten, politischen Strukturen, die an der Schule einige umkrempeln könnten – es gibt viele Ansätze, diese Geschichte weiterzuerzählen.

Ich freue mich sehr darauf, in der Fortsetzung zu erfahren, wie es weitergeht und welche Rolle Devin in all dem spielen wird. Der Kuss der Nixe ist definitiv eines der besseren Jugendbücher, die ich in 2024 gelesen habe!

Veröffentlicht am 12.04.2026

TRIGGERWARNUNG. Wichtige, ernste Themen aus der Perspektive eines Mittäters

Death. Life. Repeat.
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Uff. Death. Life. Repeat. ist ein Buch, das erst einmal verdaut werden muss. Eine Triggerwarnung zu den Themen verbale und körperliche Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen, Vergewaltigung und toxische Männlichkeit ...

Uff. Death. Life. Repeat. ist ein Buch, das erst einmal verdaut werden muss. Eine Triggerwarnung zu den Themen verbale und körperliche Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen, Vergewaltigung und toxische Männlichkeit ist angebracht. Auch exzessiver Alkohol- und Drogenkonsum auf Partys kommen im Buch vor, darüber hinaus gewaltvolle Tode unterschiedlicher Art.

Es gibt vieles, was Death. Life. Repeat. von den Büchern unterscheidet, die ich normalerweise lese.
Als erstes fällt mir das Lesemotiv ein: ich lese im Normalfall zur Entspannung, zum Abschalten vom Alltag. Death. Life. Repeat. lässt das nicht zu.
Dann ist da die Erzählform, im Präsens aus der Ich-Perspektive eines Mitschuldigen. Alles Erzählte geschieht genau jetzt, während ich es lese. Im Gegensatz zur Vergangenheitsform, in der die meisten Bücher geschrieben sind, die ich sonst lese, wirkt dadurch alles sehr unmittelbar, distanzlos. Bedrückend.
Und schließlich enthält Death. Life. Repeat. abgesehen von der Zeitschleife keine Fantasy-Elemente, sondern nichts als die schonungslose Realität.

Die ersten paar Kapitel erinnerten mich an Bücher, die ich während meiner Schulzeit lesen musste (die Betonung liegt auf „musste“): trocken, gelangweilt, abgestumpft, stellenweise abstoßende „Jugendsprache“. Deshalb vergingen auch einige Wochen, bevor ich mich zum Weiterlesen aufraffen konnte. Und obwohl dieses Gefühl von Schullektüre, von einem Jugendbuch, das dringend eine Botschaft vermitteln will, bis zum Ende nicht verflog, gefiel es mir zum Ende hin etwas besser. Nachdem ich verstanden hatte, wie diese Geschichte aufgebaut ist, wie sie funktionieren soll.

Die Botschaft ist klar und deutlich: Übergriffe, Missbrauch und – im Klartext – Vergewaltigungen sind Realität. Darüber zu schweigen löscht diese Wahrheit nicht aus. Und neben den Tätern müssen nicht die Mädchen und Frauen, die meist als Betroffene oder Opfer dastehen, zur Verantwortung gezogen werden, sondern die Jungs und Männer, die die Anzeichen übersehen (wollen) oder gar in vollem Bewusstsein wegschauen.

Obwohl es auch für die Hauptfigur James Spencer mehr als eine Frau braucht, um ihn mit der Nase auf den Kern des Problems zu stoßen, erkennt er am Ende seine eigene Schuld und die Konsequenzen seiner Taten – und die Konsequenzen, die aus seinem Nichtstun entstanden. Der mühsame Weg zu dieser Erkenntnis, der von der Autorin in Form einer Zeitschleife und der ständigen Wiederholung eines einzelnen Tages dargestellt wird, ist auch für mich als Leserin mühsam und anstrengend gewesen.

An einigen Stellen wollte ich Spencer am Nacken festhalten und seinen Kopf in die richtige Richtung drehen, in anderen Momenten dachte ich, jetzt muss der Junge es doch verstanden haben! Aber nein, die gesellschaftliche Sozialisierung, also die Macht der Gewohnheit, war stärker. So frustrierend das als Leseerlebnis auch war – in der Realität sieht es eben genau so aus: Es sind immer die anderen. Nie kann Mann sich vorstellen, dass die eigenen Freunde etwas so Schreckliches tun würden. Und schon gar nicht würde man selbst irgendwelche Grenzen überschreiten. Sie wollten das doch. Hey, lach doch mal!

Es war stellenweise schwer, einfach weiterzulesen. Ich verstehe, was die Autorin mit ihren Dialogen, Chatverläufen und Gedanken von Spencer erreichen will, und meiner Meinung nach hat sie das zumindest bei mir auch geschafft. Genau das ist aber auch der Grund, weshalb ich keinen Spaß beim Lesen hatte und mich durchgehend richtig schlecht gefühlt habe.
Ich glaube, wenn jemand beim Lesen von Death. Life. Repeat. auch nur einen Funken Freude empfindet, ist das ein deutliches Signal, den eigenen moralischen Kompass unter die Lupe zu nehmen.

Technisch gut gemacht fand ich die Zeitschleifen. Sie repräsentieren für mich das ständige Überdenken, ob eine einzelne andere Entscheidung irgendetwas an dem schlimmen Ausgang eines Abends geändert hätte. Was wäre gewesen, wenn? Hier wird dieses Gedankenkarussell nun zur Abwechslung einmal nicht dem Opfer eines Übergriffs, sondern einem Mitschuldigen bzw. Mitläufer des Schuldigen in den Kopf gesetzt.

Dass es Bücher wie Death. Life. Repeat. schwer haben, das richtige Publikum zu erreichen und die erhoffte Botschaft erfolgreich zu vermitteln, dafür bin ich selbst mit meinem ersten Instinkt aus „Oh, das liest sich wie eine Schullektüre – davon brauche ich erst einmal eine Pause!“ das beste Beispiel. Und das, obwohl meine letzte Schullektüre schon fast 10 Jahre her ist. Ich denke dabei auch an Bücher wie Wie du mich siehst von Tahereh Mafi, das ich lange nach meiner Schulzeit gelesen habe und noch immer so wichtig finde.
Deshalb hoffe ich, dass einige Jungen und junge Männer Death. Life. Repeat. lesen und verstehen – und dabei ihr eigenes Umfeld und ihre eigene Verantwortung überdenken.

Noch einmal: es machte mir keine Freude, Death. Life. Repeat. zu lesen, deshalb sieht meine Rezension entsprechend aus. Aber das Buch ist handwerklich gut gemacht und es vermittelt erfolgreich eine wichtige Botschaft. Hut ab.