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Veröffentlicht am 12.04.2026

Schwieriger Anfang, dann spannende Fantasy

Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
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Nach einem minimal zähen Einstieg war Das Mädchen, das in den Wellen verschwand eine wirklich schöne Geschichte, die ich an einem Wochenende verschlungen habe.

Ganz ähnlich wie bei A Magic Steeped in ...

Nach einem minimal zähen Einstieg war Das Mädchen, das in den Wellen verschwand eine wirklich schöne Geschichte, die ich an einem Wochenende verschlungen habe.

Ganz ähnlich wie bei A Magic Steeped in Poison, was ich nur wenige Wochen vorher gelesen habe, brauchte ich eine kurze Weile, mich in der Welt von Das Mädchen, das in den Wellen verschwand zurechtzufinden. Das Buch ist inspiriert von koreanischen Legenden und Mythen, sodass mir als Europäerin Einiges etwas fremd vorkam. Es dauerte aber nicht lange, bis ich die Struktur aus Gottheiten und dem (Aber-) Glauben der Menschen und vor allem die Zeremonie um die Braut des Meeresgottes verstehen konnte.

Den Originaltitel The Girl Who Fell Beneath the Sea finde ich etwas passender als die deutsche Übersetzung mit Das Mädchen, das in den Wellen verschwand, denn die Protagonistin Mina verschwindet nicht einfach in den Wellen, sondern fällt quasi durch das Meer hindurch in das Reich des schlafenden Meeresgottes, wo Fische am Himmel schwimmen und der Fluss der Toten über die Ufer schwillt, weil im Reich der Menschen zu viel Krieg und Unwetter herrschen.

Die Personen, denen Mina dort begegnet, sind alle irgendwie mit ihr und ihrem Lebensweg verwoben. Die einen, weil sie Teil ihrer Vergangenheit waren, die anderen, weil sie fest zu ihrer Zukunft gehören. Das Rote Band des Schicksals, das in vielen asiatischen Ländern in Legenden und Glaubenssystemen vorkommt und Seelenverwandte aneinander bindet, spielt auch in dieser Geschichte eine wichtige Rolle und stellt eine Verbindung zwischen Mina und dem Meeresgott selbst her. Die Frage, ob sie deshalb wirklich seine wahre Braut ist und einen Fluch von ihm nehmen kann – und ob diese Verbindung wirklich etwas mit Liebe zu tun hat – begleitet schon sehr früh in der Geschichte alle Entwicklungen der Handlung.

Ich mochte besonders, wie subtil die Figuren in Das Mädchen, das in den Wellen verschwand Zuneigung zueinander entwickeln. Die Liebe kommt nicht wie ein Hammerschlag, plötzlich und unerwartet wie von einer höheren Macht bestimmt, und auch Freundschaften entstehen nur langsam über die Zeit, die Mina in der Unterwasserwelt verbringt.

Mir gefällt auch, welchen Stellenwert Frauen und Kinder in der Mythologie, die hier dargestellt wird, einnehmen. Dass eine Gottheit, die für diese allzu oft diskriminierten Gruppen zuständig ist, automatisch einen höheren Rang einnimmt und mehr Macht hat als andere, weil sie von so vielen Menschen angebetet und geliebt wird. Das ist ein relativ kleines (aber nicht unbedeutendes) Detail im Verhältnis zum Rest des Abenteuers, aber eine Botschaft, die ich sehr gern vermittelt sehe.

Insgesamt hat mich Das Mädchen, das in den Wellen verschwand nicht komplett vom Hocker gehauen und es wurde auch das Rad nicht neu erfunden. Trotzdem ist es eine wirklich schöne Geschichte mit mehreren willkommen

Veröffentlicht am 12.04.2026

Eine neue Lieblingsreihe!

Drei Magier und eine Margarita
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Drei Magier und eine Margarita war schon ein paar Monate unangetastet bei mir, bevor ich jetzt endlich in der richtigen Stimmung für dieses Buch war, und es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Dabei ...

Drei Magier und eine Margarita war schon ein paar Monate unangetastet bei mir, bevor ich jetzt endlich in der richtigen Stimmung für dieses Buch war, und es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Dabei weiß ich rückblickend gar nicht, was mich vom Lesen abgehalten hat!

Der knappe Klappentext, der mich damals sofort davon überzeugt hat, dass ich das Buch unbedingt lesen musste, trifft ziemlich genau ins Schwarze: Tori ist nicht auf den Mund gefallen und als sie sich – mal wieder – als Kellnerin nicht alles grundlos gefallen lässt, muss sie einen neuen Job suchen. Im Pub „Crow and Hammer“ ist ihre toughe Art aber genau das, was gesucht wird, und plötzlich steht sie mitten in einer Truppe aus Abenteurern, die ihr Verständnis von der Welt auf den Kopf stellen.

Dabei schafft die Autorin Annette Marie das, was ich bei so vielen anderen Autor*innen vermisse: sie verbindet ihren einfachen Schreibstil, der sich deshalb ganz locker lesen lässt, mit großartigem Humor und Sarkasmus. Das ist genau die Kombination, die ich an Patricia Briggs und ihrer Mercy-Thompson-Reihe so schätze, und die auch in den Dialogen in Helen Harpers Magic Sparks angedeutet wird: schlagfertige Charaktere, die sich nicht unterkriegen lassen und immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben.

Insbesondere Frauenfiguren, die, ja, schöne Männer durchaus zu schätzen wissen, aber ihnen auch Kontra geben, wenn diese gewisse Grenzen überschreiten. So muss sich Tori schon während ihrer Probeschicht als Barkeeperin im neuen Pub gegen verschiedene Anmachen, aber auch gegen Beleidigungen und Respektlosigkeit von Männern und auch von Frauen behaupten, was sie unter anderem durch das Verweigern von Bestellungen, eine ins Gesicht geschüttete Margarita und eine Lektion im Bitte- und Danke-Sagen erreicht.

In der ihr fremden, neuen Welt voller Magie und Mystik steht Tori als einfacher Mensch erst einmal schwach und angreifbar da. Ein brüderliches Trio attraktiver Männer – die drei Magier, die im Titel genannt werden -, das einerseits dazu verdonnert wird, auf sie aufzupassen, es andererseits aber auch sehr genießt, in die Beschützer- (und Angeber-) Rolle zu schlüpfen, sorgt jedoch schnell dafür, dass sie nahezu unantastbar wird. Die Betonung liegt auf „nahezu“ … Als es dann kommt, wie es kommen muss, und Tori mit einem ihrer Aufpasser in einen Hinterhalt gerät, stellt sich heraus, dass sie nicht nur mit Worten zuschlagen kann, sondern auch sonst recht gut zu gebrauchen ist.

Dieser spielerische verbale Schlagabtausch, die gut verständliche Urban-Fantasy-Welt, die liebevoll gestalteten Charaktere – das alles, verpackt in diesen besonderen humorvollen Erzählstil, den ich so liebe, hat mir beim Lesen von Drei Magier und eine Margarita richtig Spaß gemacht. Eine kurze Recherche zeigt: Im englischen Original gibt es aktuell 8 Bände (und ein Spin-Off?), der letzte ist 2020 erschienen. Möglicherweise ist die Reihe also abgeschlossen. Auf Deutsch sind inzwischen 4 Bände erschienen und ich bin sehr neugierig, wie die Geschichte weiter geht.

Einen einzigen, klitzekleinen Minuspunkt habe ich für Drei Magier und eine Margarita: viele Gildenmitglieder, die eher Figuren am Rande sind und manchmal nicht einmal einen Namen erhalten, werden mehrfach anhand einzelner Merkmale beschrieben, die sich dann bei jedem Auftauchen in der Story wiederholen. Eine ältere Frau mit Strickmütze und türkisfarbenem Brillengestell zum Beispiel kam so oft vor – gib der armen Frau doch einfach einen Namen! Dann bräuchte ich nicht immer wieder diese längere Beschreibung, die schon allein durch die häufige Wiederholung etwas störend wirkt.

Zugutehalten muss ich der Autorin, dass sie mich auf die falsche Fährte gelockt hat, was Toris Love Interest betrifft. Rückblickend hatte ich am Anfang den richtigen Riecher, aber dann gab es ein paar Momente, in denen ich eine andere Person in die engere Wahl gezogen habe und für mich klar war, wohin die Reise gehen würde, nur damit es schließlich doch jemand anderes wird. Ich persönlich hätte eine andere Entscheidung getroffen, aber diese Andeutungen, ohne, dass etwas explizites passiert wäre, hat mich sehr an K-Dramen und das sogenannte „second lead syndrome“ erinnert. Das ist nur ein weiteres Detail, das mir gefällt.

Apropos „explizit“: Im krassen Gegensatz zu so vielen anderen aktuellen Fantasy-Romanen für Erwachsene kommt Drei Magier und eine Margarita komplett ohne Sexszenen aus. Es gibt eine Kussszene und ein paar Momente der unausgesprochenen Bewunderung und leichter Schwärmerei, aber weil so viel passiert und die Charaktere einfach mit anderen Dingen beschäftigt sind, ist dies keine in Fantasy verpackte Erotik.

Mir fällt erst jetzt beim Schreiben dieser Rezension so richtig auf, dass ich diesen Aspekt schon fast für selbstverständlich halte bei Fantasyromanen, die sich an Erwachsene richten, und dass ich es beim Lesen gar nicht bemerkt habe, dass das hier nicht der Fall war. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ich wirklich in der Geschichte steckte und keine Gelegenheit hatte, meine Gedanken in andere Richtungen schweifen zu lassen!

Ich gehe davon aus, dass es in den Folgebänden gelegentlich einige Szenen geben wird, in denen Romantik, Sex und alles, was damit zu tun hat, expliziter beschrieben wird, dass dabei Einvernehmlichkeit aber einen hohen Stellenwert hat. So war es auch bei der oben erwähnten Mercy-Thompson-Reihe von Patricia Biggs, die ich so liebe, und der dieses Buch in der Ästhetik, der Stimmung und dem Schreibstil so ähnelt. Dass in diesem ersten Teil aber darauf verzichtet wurde und uns Lesenden stattdessen die Welt beschrieben und die Charaktere vorgestellt wurden, das rechne ich der Autorin hoch an.

Etwas schade finde ich – aber das hat mit Drei Magier und eine Margarita an sich nichts zu tun – , dass die Cover der deutschen Übersetzungen alle sehr ähnlich sind, es unterscheidet sich nur der Titel und kleine Details, die aber nicht sofort erkennbar sind. Dadurch sind sie auf den ersten Blick nicht voneinander zu unterscheiden. Eine andere Farbe pro Band bei gleichbleibendem Design hätte ich beispielsweise besser gefunden.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Tolle Bilder, kreative und humorvolle Interpretation von Hades + Persephone - zurecht mit Triggerwarnung!

Lore Olympus - Teil 1
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Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? ...

Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich das erste Mal auf Lore Olympus aufmerksam wurde. Als das Buch auf Deutsch übersetzt wurde? Oder sind mir schon vorher Ausschnitte aus dem Webtoon online begegnet? Ehrlich, keine Ahnung. Das Buch lag jedenfalls schon weit mehr als ein Jahr bei mir, sogar auf dem Nachttisch, damit es bei der richtigen Laune direkt griffbereit ist, weil ich soo neugierig war. Aber die richtige Stimmung für diese Graphic Novel über Hades und Persephone kam erst diese Woche. Und dann hatte ich das Buch nach nicht einmal eineinhalb Stunden plötzlich inhaliert …

Zuerst fand ich die grafische Darstellung etwas merkwürdig: sehr viel Weißraum mit wenigen kleineren Panels und Zeichnungen, die doch irgendwie ganz anders waren als erwartet. Viel Stilisierung und stellenweise Details, die mich an Animes erinnert haben. Aber dann, ganz schleichend, ergaben der Stil und die Entscheidungen, die Rachel Smythe getroffen hat, einen Sinn. Dass Lore Olympus ursprünglich ein Webtoon war, hatte ich in der Zeit seit dem Kauf des Buches ganz vergessen. Dieser Aspekt erklärt aber den Aufbau einiger Buchseiten und den Anteil des Weiß- (oder Schwarz-) Raums im Hintergrund.

Ich behaupte von mir, dass ich ein bisschen Basiswissen über griechische Mythologie habe, weil ich mich als Teenager dafür interessiert habe – die Buchreihe Mythos Academy von Jennifer Estep habe ich geliebt -, aber Vieles ist wieder aus meinem Hirn verschwunden, sodass ich eigentlich fast blind in diese Geschichte eingestiegen bin.

Grob zusammengefasst weiß ich, dass die griechischen Götter die 2. Generation sind und vor ihnen die Titanen kamen, ich kenne einige der Namen und bei noch weniger kann ich mich noch erinnern, wofür sie stehen, Hermes zum Beispiel oder Athene. Ich weiß, dass Persephone die Tochter von Demeter ist und dass sie mit Hades in die Unterwelt geht. Warum sie das tut, wie das passiert und welchen Kontext diese Geschichte hat – das wusste ich mal, aber inzwischen habe ich diese Information nicht mehr präsent.

Deshalb konnte ich ohne ständige Vergleiche mit dem Original diese halbwegs modernisierte Neuerzählung wirklich genießen. Es gibt Smartphones, teure Anzüge und flauschige Wintermäntel, gleichzeitig aber auch anmutige Gewänder und Kopfschmuck, die an die klassischen Darstellungen vom Olymp erinnern. Wer sich von dieser Mischung nicht abschrecken lässt, der könnte wirklich Gefallen an Lore Olympus finden.

Aber apropos „abschrecken“. Dieses Buch hat nicht ohne Grund eine Triggerwarnung (ich zitiere sie am Ende der Rezension, sodass Spoiler vermieden werden können)! Besonders zum Ende hin gibt es einige wenige problematische Szenen, darunter eine Vergewaltigung (nicht durch den Love Interest!) und das Einsperren durch einen Elternteil „zum Schutz“.

Ich finde es trotz der Grausamkeit der erzählten Momente wichtig, dass diese Elemente nicht romantisiert, sondern als so schrecklich dargestellt werden wie sie nun einmal sind. Sie sind, soweit ich es aktuell abschätzen kann, entscheidende Momente für die Hauptfigur und begründen den Weg ihrer Entwicklung.

Ich kann aus oben genannten Gründen nicht beurteilen, ob es entsprechende Szenen im ursprünglichen Mythos um Persephone gibt und hoffe deshalb, dass die Künstlerin nicht im Stil von Game of Thrones grundlose Grausamkeit in ihre Geschichte eingebaut hat. Im Moment, nach dem Lesen von ausschließlich Band 1, habe ich den Eindruck, dass es einen höheren Zweck erfüllen wird. Bildlich sind diese Szenen, ich habe insbesondere drei davon im Kopf – eine recht weit am Anfang, zwei gegen Ende -, sehr beeindruckend umgesetzt.

Toll umgesetzt ist auch die Farbgebung: jede Gottheit hat eine bestimmte Farbe zugeteilt bekommen, die immer dieselbe bleibt. So ist auch bei Panels mit weniger Details schnell erkennbar, wer dargestellt ist. Das ist eines der Dinge, die mich anfangs irgendwie gestört haben, weil es so ungewohnt für mich war. Gegen Ende war es aber total normal, dass Hera gelb und Athene lila sind. Dass Hades ein helles Blau bekommen hat erinnerte mich kurz an die Disney-Verfilmung von Herkules, aber ob das eine beabsichtigte Verbindung ist, weiß wohl nur die Autorin. 🤓

Fazit
Insgesamt ist Lore Olympus eine erfrischend neue Version der klassischen Geschichte um Hades und Persephone. Ich erkenne insbesondere im Jugendbuch und bei New Adult einen Trend, klassische Paare neu zu erzählen, und dabei waren Hades und Persephone ganz weit vorn mit dabei. Ob Lore Olympus dabei eine Rolle gespielt hat – immerhin war der Webtoon lange vor der Veröffentlichung und Übersetzung der Bücher online lesbar -, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann sich diese Graphic Novel wirklich sehen lassen, und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Sobald ich mir die Fortsetzung anschaffe, warte ich bestimmt nicht noch einmal fast ein ganzes Jahr, bevor ich sie lese!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Okay, aber leider für die falsche Altersgruppe vermarktet

Bonds and Curses- Flammengezeichnet
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Aufmerksam wurde ich auf Bonds and Curses durch das Cover, das wirklich toll gestaltet ist und die Magie, die das Buch verspricht, geradezu verströmt. Danach wurde ich sehr neugierig auf diese Geschichte, ...

Aufmerksam wurde ich auf Bonds and Curses durch das Cover, das wirklich toll gestaltet ist und die Magie, die das Buch verspricht, geradezu verströmt. Danach wurde ich sehr neugierig auf diese Geschichte, weil der Klappentext ein düsteres Abenteuer voller Gefahren in der Anderwelt der keltischen Mythologie verspricht. Ziemlich schnell wurde dann aber schon nach wenigen Kapiteln deutlich, dass ich den Punkt „Erin beginnt gerade ihr Studium“ etwas unterschätzt hatte:

Sie ist gerade erst fertig mit der Schule und damit eben noch nicht so richtig im Erwachsenenleben angekommen, obwohl sie schon während der Schulzeit gearbeitet hat und somit eigentlich einen guten Einblick hätte haben können. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt ist die eines Teenagers, nicht die einer jungen Erwachsenen. Das ist einer der beiden Gründe, weshalb ich lange Zeit mit Bonds and Curses nicht recht warm wurde.

Der andere Grund ist, dass die Handlung erst nicht in Gang kommen wollte und dann viel zu schnell vorpreschte. Es fühlte sich so an, als sei die große Mission, die nicht nur die Anderwelt sondern sogar die Menschenwelt vor dem drohenden Untergang retten sollte, innerhalb von zwei Tagen abgehakt und als seien die großen Hürden, an denen andere vor Erin und Connor tödlich gescheitert sind, eigentlich kein großes Problem, so einfach konnten die beiden die jeweiligen Lösungen finden.

Das, zusammen mit dem absolut gar nicht so düsteren Weltendesign, das mir nicht tief genug ging und etwas oberflächlich blieb, sorgte für mich für das Gefühl, ein Buch für Zehn- oder vielleicht Zwölfjährige zu lesen und nicht ein Buch für junge Erwachsene. Dazu später mehr.

Das blieb so, bis die unvermeidliche Liebesgeschichte beginnt und zwei Figuren plötzlich nicht mehr die Finger voneinander lassen können. Das fühlte sich genau deshalb so schräg und unpassend an, weil Erin vorher einfach keinerlei Interesse daran gezeigt hat. Von jetzt auf gleich wurde ein Schalter umgelegt, und auf einmal sind sie Seelenverwandte? Zugegeben, die Art und Weise wie die Seelenverbindung hier dargestellt wird, hat mir richtig gut gefallen!

Aber dass aus einem gelegentlichen „oh, seine Augen sind eigentlich ganz hübsch“ und „du erinnerst mich an etwas Schreckliches aus meiner Vergangenheit, also blaffe ich dich an, sooft ich kann“ ohne richtigen Übergang ein „ich will nicht zurück in meine Welt gehen, weil ich dich verlassen müsste“ und „lass uns hinter einer Säule versteckt herummachen“ wird – das war mir einfach zu unrealistisch (und das will einiges heißen, in einem Fantasy-Roman). Gegen Ende gab es einige Szenen, in denen ich mich stark an Bella und Edward aus Twilight erinnert gefühlt habe – diese Ausweglosigkeit von obsessiver Liebe, das „mein Leben wird vorbei sein, wenn wir uns nicht mehr sehen können“.

Ich möchte nicht nur Schlechtes über Bonds and Curses schreiben, denn letztendlich hat mich dieses Buch doch auch unterhalten. Ich mag die Botschaften, die hier vermittelt und die Themen, die angesprochen werden sollen (auch, wenn es manchmal ziemlich on-the-nose war und man es subtiler hätte verpacken können): Klimaschutz, Politikversagen, Gruppenzwang, eigene Entscheidungen treffen, die auch mal gegen den Wunsch der Eltern gehen, Vergebung auch sich selbst gegenüber, der Mut, man selbst zu sein, Coming Out. Wie beispielsweise auch in Smaragour – Die Dracheninsel sind die einzelnen Bauteile von Bonds and Curses nicht grundsätzlich schlecht – aber das Ergebnis nach der Kombination dieser Bauteile funktioniert für mich einfach nicht.

Eine Ursache für meine beiden großen Probleme mit diesem Buch sehe ich darin, dass weder auf NetGalley, wo ich auf Bonds and Curses aufmerksam geworden bin, noch auf der Website der Autorin, wo ich vorab ein bisschen gestöbert habe, eine Altersempfehlung angegeben wurde. Nach dem Lesen, erst direkt vor dem Schreiben dieser Rezension, habe ich in einigen gängigen Onlineshops nachgesehen und musste feststellen, dass Bonds and Curses ab 14 Jahren empfohlen wird. Hätte ich diese Information vorab gehabt, wäre ich mit völlig anderen Erwartungen an Bonds and Curses herangegangen!

Dass es keine Altersempfehlung gibt (dort, wo ich naheliegenderweise zuerst nach Informationen gesucht habe), ist normalerweise ein Hinweis darauf, dass ein Buch an ein erwachsenes Publikum gerichtet ist. Auch Formulierungen wie „Frauenschwarm“ oder „mordlüsterne magische Wesen“ im Beschreibungstext deuten auf ein älteres Zielpublikum hin (bei einem vierzehnjährigen Zielpublikum und einer Hauptfigur, die gedanklich noch in der Schule ist, erwarte ich eher „Mädchenschwarm“). Sogar das Coverdesign kann sich in eine Reihe mit Fantasyromanen für Erwachsene oder zumindest für die Sparte New Adult stellen. Dagegen gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Bonds and Curses sich eben an Jugendliche richtet.

Nach dieser Erkenntnis ergibt es dann natürlich Sinn, dass die beschriebene Welt nicht zu komplex, die Geschehnisse nicht zu grauenhaft und die Gedanken und Gefühle der Hauptfiguren noch etwas kindlich erscheinen. (Es passt weiterhin nicht, dass Erin plötzlich ein regelrecht sexuelles Interesse ausdrückt, wo vorher ausschließlich und allerhöchstens vorsichtige Neugier war!) Trotzdem hatte ich eher das Gefühl, wie oben schon angedeutet, Abenteuer-Fantasy für Zwölfjährige zu lesen und nicht Romantasy, wie es von der Autorin beworben wird, für Vierzehnjährige.

Ich hatte öfter den kleinen Zeichentrick-Wikinger Wiki vor Augen, wie er sich an der Nase reibt und einen Gedankenblitz hat – genau so haben Erin und Conor die Rätsel gelöst, vor die sie gestellt wurden. Es gibt keine unlösbaren Aufgaben, keine wirklich tödlichen Feinde. Stattdessen sammeln sie Freunde und Verbündete auf allen Seiten und steuern geradewegs auf das Happy End zu.

Das letzte Drittel von Bonds and Curses hat mir besser gefallen als die vorherigen Abschnitte, weil die Hauptpersonen sich langsam in ihre Rollen eingefunden haben und die Handlung in einem ordentlichen Tempo voranging. Hier sind auch tatsächlich unvorhersehbare Wendungen vorgekommen, von denen einige wenige dann jedoch schon wieder zu abwegig für meinen Geschmack waren.

Ich finde es gut, wie Conors Geschichte ihr Ende findet und wie Erins Familienprobleme ausgehen. Fintan mochte ich von Anfang an und Cormack kam mir viel zu selten vor. Die Autorin weiß also durchaus, wie man gute Figuren schreibt, wenn es mir auch eher bei Nebencharakteren auffiel. Leider ließ, wie schon gesagt, das Wordbuilding etwas zu Wünschen übrig und das häufige „das hier ist die Moral von der Geschichte, ich sage es dir noch einmal, hast du es jetzt verstanden, lieber Leserin?“ war stellenweise wirklich so betont, dass es den Lesefluss gestört hat.

Fazit
Ich werde zukünftig genauer schauen und dabei Spoiler in Onlineshops in Kauf nehmen müssen, wenn ich Enttäuschungen wie diese vermeiden möchte. Bonds and Curses hätte mir wahrscheinlich viel besser gefallen, wenn ich vor dem Lesen die nötigen Informationen zur Altersempfehlung gehabt hätte und dadurch meine Erwartungen andere gewesen wären. Trotzdem war das Buch nicht furchtbar schlecht, sondern „nur“ mit einer sehr simplen Struktur, einer ziemlich oberflächlich beschriebenen Welt und einer nach nachvollziehbaren Romanze. Ich habe Bonds and Curses immer noch lieber gelesen als andere Bücher in diesem Jahr (zum Beispiel Die Prinzessinnen), aber dieses Buch wird mir wohl nicht lange im Gedächtnis bleiben.

PS: Der Gedanke kam mir später, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe, was „Flammengezeichnet“ im Titel zu bedeuten hat, worauf in der Geschichte das Bezug nimmt.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Extrem fesselnd und bedrückend - einer meiner seltenen Krimis!

Das Haus in dem Gudelia stirbt
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Es fällt mir schwer, Das Haus in dem Gudelia stirbt zu bewerten. Ich hatte absolut keinen Spaß beim Lesen, man sieht das Ende schon weit früher kommen, und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen ...

Es fällt mir schwer, Das Haus in dem Gudelia stirbt zu bewerten. Ich hatte absolut keinen Spaß beim Lesen, man sieht das Ende schon weit früher kommen, und doch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen – wie bei einem Autounfall, bei dem man kaum wegschauen kann. Auch der Schreibstil war nicht nach meinem Geschmack, die Sätze waren viel zu kurz, zu schlicht, zu trocken, zu emotionslos. Trotzdem wurden so viele Gefühle vermittelt, so viel Leid, Angst, Zorn, Resignation, Lebensmüdigkeit troff geradezu aus jeder Zeile. Nicht einmal die Charaktere fand ich irgendwie spannend. Und doch habe ich das Buch an einem Abend inhaliert.

Das Haus in dem Gudelia stirbt: Weil der Titel schon verrät, wohin die Reise führt, gab es keine wirklichen Überraschungen. Zwar wurde lange Zeit nicht explizit ausformuliert, was passiert ist und warum Gudelia ihr Haus nicht verlassen will, aber es ist schon nach wenigen Seiten nicht wirklich schwer zu erraten. Zwischendurch habe ich mich an die Serie Tatort erinnert gefühlt: Oft weiß man als Zuschauerin schon früh, wie der Fall ausgehen wird, aber das Wie ist das Ziel der Sendung – der Tat-Hergang, die Umstände, die Motivation der Täterinnen.

Die Erzählperspektive von Gudelia selbst macht Das Haus in dem Gudelia stirbt zu einem extrem bedrückenden Erlebnis, ich würde es schon fast als verstörend bezeichnen. Das Grausamste war für mich, dass so viele kleine Details genannt wurden, die die Geschichte so realistisch und möglich erscheinen lassen. Zum Beispiel wird Gudelia in keiner der drei erzählten Zeitabschnitte als eine vollwertige und für sich allein stehende Person betrachtet:

Erst sieht man sie als eine trauernde, nicht zurechnungsfähige Mutter, dann nur als die Frau von irgendjemandem und schließlich als eine verwirrte alte Frau, der man nicht glauben kann. Das ist nur ein kleiner Tropfen in Gudelias Fass, das irgendwann überläuft. Aber Details wie diese sorgen dafür, dass ich mir wirklich vorstellen kann, dass die erzählte Geschichte so oder so ähnlich irgendwo stattfinden könnte – und das macht es beängstigend.

Das Haus in dem Gudelia stirbt ist kein 08/15-Polizei-Ermittlungs-Roman, sondern ein slow burn Drama, bei dem man das schreckliche Ende schon lange kommen sieht, aber doch nicht verhindern kann.

PS: Ich habe mir zwischen Lesen und Schlafengehen unterhaltsame Musik angemacht, um mich auf andere Gedanken zu bringen. Memo an mich: Keine Krimis/Thriller am Abend!