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Veröffentlicht am 06.06.2023

Vielversprechende Idee mit etwas wackeliger Umsetzung

Stars in our Hands
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Worum geht’s?
Obwohl Farah alles dafür gibt, ihrem Traumjob als Regisseurin näher zu kommen, ist der Einstieg in die Filmwelt alles andere als leicht für sie. Als sie dann auch noch aufgrund eines Missverständnisses ...

Worum geht’s?
Obwohl Farah alles dafür gibt, ihrem Traumjob als Regisseurin näher zu kommen, ist der Einstieg in die Filmwelt alles andere als leicht für sie. Als sie dann auch noch aufgrund eines Missverständnisses ihren Job in einem Coffeeshop verliert, liegen die Nerven bei ihr blank. Das überraschende Angebot, als Assistentin bei der Produktion „Starlight“ mitzuwirken, nimmt sie daher mit Handkuss an – und findet sich schon bald in der verschneiten Landschaft Alaskas wieder, wo ihr nicht nur vor Kälte die Knie weich werden.


Meine Meinung
Ich bin definitiv ein großer Fan von winterlichen Settings, denn romantische Stimmung kann natürlich besonders gut vor einem warmen Kaminfeuer aufkommen. Neben dem Setting mochte ich an diesem Buch auch den Schreibstil und die immer wieder eingeschobenen Tagebucheinträge von Paxtons Stalkerin, da man so beim Lesen hin und wieder an die nicht ganz so rosarote Rahmenhandlung erinnert wurde.

Womit ich mich dann aber leider ein wenig schwer getan habe, war so ziemlich der gesamte Rest der Geschichte. Insbesondere in Hinblick auf die Figuren hat es mir etwas schwer im Magen gelegen, dass alle weiblichen Figuren mit Ausnahme von Protagonistin Farah und ihrer immer mal wieder erwähnten Cousine recht klischeehaft und unsympathisch dargestellt wurden. Als Erklärung dafür wird dann irgendwann zumindest bei einer Figur Neid und ein relativ geringes Selbstwertgefühl angeführt, für mich hinterlässt es aber nichtsdestotrotz einen ziemlich bitteren Nachgeschmack, wenn weibliche Charaktere insgesamt schlecht gemacht werden, um die Protagonistin in ein besseres Licht zu rücken.

Auch mit Protagonist Paxton konnte ich persönlich nicht so wahnsinnig viel anfangen, da ich bei ihm häufiger mal das Gefühl hatte, dass seine Charakterisierung nicht ganz stringent aufgebaut war. Im Laufe der Geschichte mochte ich ihn in Kombination mit Farah zwar durchaus gerne, überwältigt hat er mich dabei aber eher nicht.

In Hinblick auf den Spannungsbogen wäre meiner Meinung nach noch Luft nach oben gewesen, denn insbesondere zum Ende des Buches hin gab es dann doch etwas zu viele Zufälle, um der Geschichte insgesamt den Anschein einer soliden Konstruktion zu geben. Über Figuren, die man überraschenderweise ein zweites Mal trifft kann ich ja noch hinweg blicken, aber in Kombination mit der Tatsache, dass ein eigentlich ziemlich streng geschützter Schauspieler von einer durch eine Hauruckaktion angestellten Assistentin bewacht werden soll, war dann doch ein wenig zu viel des Guten für mich.


Fazit
Auch wenn ich das Setting in Alaska und am Filmset wirklich gerne mochte, hat mir der Rest der Umsetzung etwas zu viel auf Zufällen und für meinen Geschmack zu wenig ausgearbeiteten Figuren basiert, um mich so wirklich von Hocker zu reißen.

Von mir gibt es dafür knappe drei Bücherstapel.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2023

Wichtige Thematik mit sympathischer Umsetzung

Alles, was du von mir weißt (Alles-Trilogie, Band 2)
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Worum geht’s?
Eigentlich läuft es für Polly gerade richtig gut. Direkt im ersten Semester hat sie es geschafft, einen Job bei einer renommierten Kanzlei an Land zu ziehen und ihr Jurastudium so mit den ...

Worum geht’s?
Eigentlich läuft es für Polly gerade richtig gut. Direkt im ersten Semester hat sie es geschafft, einen Job bei einer renommierten Kanzlei an Land zu ziehen und ihr Jurastudium so mit den besten Voraussetzungen zu beginnen, wären da nicht die ständigen Kommentare ihrer Kollegen, die immer stärker an ihren Nerven zu nagen beginnen. Wenn Polly aber eines noch mehr hasst als ständig auf ihre Figur reduziert zu werden, dann ist es Aufgeben. Da hilft es aber leider auch nicht, dass sie und ihr Mitbewohner sich immer näher kommen – denn auch das stärkste Nervenkostüm bekommt irgendwann Risse, die nicht so leicht zu reparieren sind.


Meine Meinung
Bodyshaming ist definitiv ein wichtiges Thema, in Hinblick auf die Umsetzung war ich mir vor dem Lesen dieses Buches allerdings nicht so ganz sicher, wie viel Leichtigkeit in so eine Geschichte eigentlich überhaupt einfließen kann.

Was mir an diesem Buch daher wirklich gut gefallen hat, war die Charakterisierung der beiden Protagonisten und der trotz vieler eher belastenden Szenen immer noch recht leichte Erzählstil. Den Schreibstil an sich fand ich sehr angenehm zu lesen, lediglich ein paar weniger Anglizismen hätten in den Dialogen ruhig vorkommen können, denn ganz authentisch fand ich manche Gespräche dann doch irgendwie nicht.

An Polly und Jonas mochte ich wirklich gerne, dass Stärke und Sympathie sich bei beiden nicht gegenseitig ausgeschlossen haben. Ich habe zwar bei beiden Figuren einen Augenblick gebraucht, um mich so richtig mit ihnen anzufreunden, sympathisch angelegt sind aber alle beide auf jeden Fall. In Hinblick auf die Beziehung der beiden hätte ich mir allerdings ein wenig klarere Kommunikation gewünscht, da die Entwicklungen insbesondere im Mittelteil der Geschichte für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu sehr stagniert haben und daher kein vollkommen begeisterndes Bild für mich abgegeben haben.


Fazit
Polly und Jonas sind definitiv ein sympathisch geschriebenes Duo mit jeder Menge wichtigen Botschaften, die ich in diesem Buch sehr gerne begleitet habe. Die kleineren Kritikpunkte haben das Gesamtbild für mich definitiv nicht zu negativ beeinflusst, weshalb ich jetzt natürlich auch auf die Geschichte der dritten im Bunde schon sehr gespannt bin.

Von mir gibt es dafür vier Bücherstapel.

  • Einzelne Kategorien
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2023

Ungewöhnliches Konzept

3000 Yen fürs Glück
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Meine Meinung
„Ein Familienroman über die Kunst des Sparens“ trifft die Beschreibung dieses Buches in meinen Augen ziemlich genau, denn anders kann ich die Konzeption der Geschichte eigentlich nicht fassen. ...

Meine Meinung
„Ein Familienroman über die Kunst des Sparens“ trifft die Beschreibung dieses Buches in meinen Augen ziemlich genau, denn anders kann ich die Konzeption der Geschichte eigentlich nicht fassen. Als ich den Klappentext gelesen habe, konnte ich mir daher noch gar nicht so richtig vorstellen, was ich überhaupt von diesem Buch erwarten sollte. Wirklich überzeugen konnte mich die Umsetzung dann zwar nicht, dafür kann ich sie aber immerhin als interessantes Leseerlebnis für mich verbuchen.

Ganz allgemein gehalten fand ich den Schreibstil an sich ganz nett zu lesen, denn die Übersetzung hat es in meinen Augen geschafft, den „typisch japanischen“ Ton zu transportieren und ein für mein Bücherregal eher ungewöhnliches Setting zu erschaffen.

Die Kapiteleinteilung stellt dabei immer eine andere der Protagonistinnen in den Vordergrund, wobei ich persönlich beim Lesen nicht das Gefühl hatte, dass man die Figuren wirklich hätte kennenlernen können. Für meinen Geschmack waren sowohl die Charakterisierungen, als auch die Familiengeschichte an sich etwas zu oberflächlich erzählt, um wirklich von Tiefgang oder Mehrdimensionalität sprechen zu können.

Auch die Kombination der Geschichte mit einem Finanzratgeber fand ich im Grunde zwar interessant, in der Umsetzung dann aber nicht so ganz gelungen. Meiner Meinung nach lag das vor allem daran, dass die einzelnen Ratschläge durchaus spezifisch japanisch und daher zwar prinzipiell richtungsweisend, nicht aber direkt auf die Lebensrealität europäischer bzw. nicht japanischer Leser anwendbar waren. Interessant zu lesen fand ich die Mischung trotzdem, auch wenn das Buch für mich leider definitiv kein Highlight war.


Fazit
Auch wenn ich die Umsetzung für sehr speziell und definitiv auf einen speziellen Kulturkreis gemünzt halte, fand ich die Idee eines Genremixes in dieser Form sehr spannend. Begeistert hat mich das Buch zwar nicht, eine interessantes Erlebnis war es aber durchaus.

Dafür gibt es solide drei Bücherstapel von mir.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2023

Spannend bis zum Schluss

Wahnspiel
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Worum geht’s?
Als ein verurteilter Sexualstraftäter vorzeitig aus der Haft entlassen wird, ist die Empörung in Heidelberg groß. Über Nacht schließt sich ein wütender Mob im Internet zusammen, dessen Drohungen ...

Worum geht’s?
Als ein verurteilter Sexualstraftäter vorzeitig aus der Haft entlassen wird, ist die Empörung in Heidelberg groß. Über Nacht schließt sich ein wütender Mob im Internet zusammen, dessen Drohungen sogar die Polizei auf den Plan ruft. Als dann aber plötzlich die abgetrennte Hand des Täters auftaucht, nimmt der eigentlich harmlos erscheinende Fall eine überraschende Wendung an – und zwingt die Ermittler zu völlig neuen Denkansätzen.


Meine Meinung
Ein Debütwerk eines Autors ist in gewisser Weise auch immer wie eine Wundertüte. Das kann mitunter auch mal schiefgehen, selbst wenn es „nur“ um einen Genrewechsel geht, weshalb ich besonders froh darüber bin, dass das bei diesem Buch nicht der Fall war.

Was mir überraschend gut gefallen hat, war tatsächlich das frühe Ansetzen der Handlung. Eigentlich hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass die Ermittlungen im ausschlaggebenden Verbrechen nicht bloß zusammengefasst werden, für den weiteren Verlauf des Spannungsbogens fand ich diesen Ansatz aber absolut gelungen.

Da man als Leser so mehr oder weniger genau Bescheid weiß, fand ich es besonders spannend, wie realistisch die dann folgenden Ermittlungen beschrieben wurden. So viel Teamarbeit habe ich in Krimis bisher nur ganz selten erlebt, weshalb mich die Abwechslung unglaublich gefreut hat. Obwohl der Fokus der Geschichte auf Protagonist Alex liegt, hatte ich weder bei ihm, noch bei den übrigen Figuren das Gefühl, einen wirklichen Einblick in ihre Persönlichkeit zu bekommen. Alex lernt man zwar ein wenig besser kennen, beim Lesen kam mir seine Zusammenarbeit mit Sofija Marković allerdings nicht wie die eines klassischen Ermittlerduos vor, was der Klappentext in meinen Augen ein wenig anders angedeutet hat.

Sehr interessant fand ich auch die Mischung aus Krimi und okkulten Praktiken, die diesem Buch definitiv eine sehr besondere Note gegeben hat. Die dadurch entstandenen ungewöhnlichen Ermittlungsansätze haben mich manchmal ein wenig schmunzeln lassen, was diese Geschichte auf jeden Fall zu einem absolut ungewöhnlichen Krimi für mich gemacht hat.


Fazit
Bei diesem Buch gibt es sicherlich immer wieder Stellen, an denen man beim Lesen kurz durchatmen muss, denn die Thematik ist wirklich nicht ganz ohne. Die Sogwirkung des Spannungsbogens macht die Geschichte aber gleichzeitig zu einem interessant und zügig lesbarem Erlebnis, das mich definitiv auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

Von mir gibt es dafür alle fünf Bücherstapel.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Warum Langeweile nicht langweilig ist

Langeweile ist politisch. Was ein verkanntes Gefühl über unsere Gesellschaft verrät
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Meine Meinung
Dass Langeweile ein soziologisch, gesellschaftlich und politisch relevantes Thema ist, war mir vor dem Lesen dieses Buches tatsächlich gar nicht so sehr bewusst. Im Nachhinein bin ich aber ...

Meine Meinung
Dass Langeweile ein soziologisch, gesellschaftlich und politisch relevantes Thema ist, war mir vor dem Lesen dieses Buches tatsächlich gar nicht so sehr bewusst. Im Nachhinein bin ich aber wirklich froh darüber, auf dieses Buch gestoßen zu sein, denn einige neue und vor allem interessante Denkanstöße konnte ich aus der Lektüre definitiv mitnehmen.

Was mir direkt zu Anfang sehr positiv aufgefallen ist, waren der sehr angenehm zu lesende Schreibstil und die Argumentationsstruktur. Insbesondere bei Sachbüchern fällt mir immer wieder auf, dass Argumentationsstränge und thematische Ausführungen nicht immer besonders griffig erklärt werden, weshalb ich hier sehr positiv überrascht war. Das Buch liest sich wirklich flott und gut verständlich, regt dabei zum Nachdenken an und rückt gesellschaftlich relevante Themen und Verknüpfungen in den Vordergrund, was die Lektüre auch für Soziologie-Laien angenehm und aufschlussreich gestaltet.


Fazit
Langeweile als Forschungsgegenstand ist definitiv nicht langweilig, was nicht nur die These dieses Buches ist, sondern sich beim Lesen auch bestätigen lässt. Die Argumente sind dabei anschaulich erklärt, logisch aufgebaut und gut nachvollziehbar, was das Lesen insbesondere für ein Sachbuch sehr angenehm gestaltet hat.

Dafür gibt es alle fünf Bücherstapel von mir.