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Veröffentlicht am 01.05.2026

Gleichzeitig faszinierend und erschütternd

Das Jahr der Schmetterlinge
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"Das Jahr der Schmetterlinge" ist ein Buch voller Wucht, aber mit leisen Tönen. Wir begleiten die Journalistin Lea Korsgaard bei der Entdeckung aller dänischen Schmetterlingsarten, mehr als 60 an der Zahl. ...

"Das Jahr der Schmetterlinge" ist ein Buch voller Wucht, aber mit leisen Tönen. Wir begleiten die Journalistin Lea Korsgaard bei der Entdeckung aller dänischen Schmetterlingsarten, mehr als 60 an der Zahl. Dieses mutige und fordernde Ziel führt sie und uns an stille Plätze inmitten pulsierender Natur und in Kontakt mit teils kuriosen Experten, die jedoch stets hilfsbereit und augenöffnend bei der Suche unterstützend.

Dieses Buch lässt sich nicht leicht in ein Genre einordnen. Es ist sowohl Natur-Sachbuch als auch philosophische Abhandlung, aber vor allem eine sehr persönliche Begegnung mit einer nach Erkenntnis strebenden Frau in der Mitte ihres Lebens.
Besonders beeindruckend fand ich die Auseinandersetzung der Autorin mit der Zerstörung der natürlichen Lebensräume der Schmetterlinge. Auf ihren Reisen macht sie die schockierende Entdeckung, dass in kürzester Zeit wundervolle Tagfalter-Arten aus Dänemark verschwunden sind. Der Grund: Sie finden nicht mehr die spezifischen Lebensräume und Partner-Pflanzen vor. Wir setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass menschengemachte Kulturgüter um jeden Preis erhalten werden. Korsgaard stellt in ihrem Buch immer wieder den Widerspruch zur Debatte und fordert ein "kollektives, intuitives Bewusstsein für das Ausmaß dieser Brutalität".

Die Beschreibung der Schmetterlinge selbst ist nicht besonders umfangreich. Hier hätte ich mir definitiv mehr Tiefe gewünscht. Die Illustrationen der Falter sind dabei besonders hilfreich, denn sie unterstützen das eigene Erkennen der Schmetterlings-Arten.
Dieses Buch ist ein Muss für alle Leserinnen, die sich in literarischen Werken auch mit wissenschaftlichen und philosophischen Fragestellungen konfrontieren wollen. Es ist wundervoll und aufrüttelnd zugleich.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Feuriges Pferdeabenteuer für entscheidungsfreudige junge Leser

Das Fundbüro der verlorenen Schätze - Flammensturm
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"Ich habe ja gar nicht alles gelesen!" war der Spruch, den ich nach der ersten Runde durch das Buch von meiner Tochter zu hören bekommen habe. Ja tatsächlich, hier ließt man nicht von vorn bis hinten alles ...

"Ich habe ja gar nicht alles gelesen!" war der Spruch, den ich nach der ersten Runde durch das Buch von meiner Tochter zu hören bekommen habe. Ja tatsächlich, hier ließt man nicht von vorn bis hinten alles brav durch, sondern darf lustig hin und her springen und der Geschichte seinen eigenen kleinen Schwung geben. Durch Entscheidungen für oder gegen einen Weg können die jungen Leser Lotta und Karlos durch den Freizeitpark begleiten und das Rätsel um das verlorene magische Hufeisen lösen.

Kurz nach Ankunft der beiden Kinder verhalten sich die Pferde im Freizeitpark merkwürdig. Sie tänzeln nervös herum, während sie ruhig eine Kutsche ziehen sollen oder spielen verrückt in der Pferdeshow und gefährden so die Mitarbeiter und Gäste. So kann es nicht weitergehen. Doch Karlos und Lotta sind mutig und bekommen von Herrn Nox aus dem Fundbüro Hinweise, den manch einer vielleicht schon aus dem parallel erschienen Band um Poseidons Dreizack kennengelernt hat.

Es gibt wieder drei Rätsel zu lösen und allerlei Entscheidungswege für die jungen Leser. Mir gefällt gut, dass die Geschichte sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht, also trotz Pferde-Trope nicht kitschig, sondern abenteuerfroh ist und es sowohl eine weibliche und eine männliche Hauptfigur gibt. Beide sind mutig und engagiert. Einzige kleine Kritik ist die manchmal nicht ganz logische Entscheidungsfindung beziehungsweise die Entwicklung der Geschichte, aber das mag an der eher verkürzten Darstellung für Leseanfänger liegen. Außerdem hätten wir uns noch ein oder zwei mehr eigene Entscheidungspfade gewünscht, das waren uns zu wenige.

Trotzdem insgesamt ein empfehlenswertes Buch mit neuem Konzept, einem ausgewogenen Anteil von Text und schönen Illustrationen, für junge Leser zwischen 7 und 10.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Spannendes Lese-Konzept für junge Abenteurer

Das Fundbüro der verlorenen Schätze - Poseidons Dreizack
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"Ich habe ja gar nicht alles gelesen!" war der Spruch, den ich nach der ersten Runde durch das Buch von meiner Tochter zu hören bekommen habe. Ja tatsächlich, hier ließt man nicht von vorn bis hinten alles ...

"Ich habe ja gar nicht alles gelesen!" war der Spruch, den ich nach der ersten Runde durch das Buch von meiner Tochter zu hören bekommen habe. Ja tatsächlich, hier ließt man nicht von vorn bis hinten alles brav durch, sondern darf lustig hin und her springen und der Geschichte seinen eigenen kleinen Schwung geben. Durch Entscheidungen für oder gegen einen Weg können die jungen Leser Neo und Luna durch den Freizeitpark und Poseidons Reich begleiten.
Im Fundbüro für verlorene Schätze hortet Herr Nox allerlei wundersame Gegenstände, die im Freizeitpark verloren gegangen sind. Und manchmal bekommt er auch den Auftrag, gezielt nach solchen verlorenen Dingen zu suchen. Diesmal sucht der Gott des Meeres, der zufälligerweise unter der Wasser-Achterbahn lebt, seinen Dreizack. Neo und Luna werden von Herrn Nox nun damit beauftragt, in der Unterwasserwelt nach dem goldenen Stab zu suchen.
Meistens wird man automatisch durch die Geschichte geleitet, indem am Ende der Doppelseite auf den nächsten Abschnitt auf Seite xy verwiesen wird. Bei uns passte das gerade gut zum Zahlen-Üben. Insgesamt waren eine gute Hand voll Entscheidungen von Beginn bis zum Ende notwendig. Dazu kommen einige Rätsel, die für sehr junge Leseanfänger noch etwas schwierig sein dürften. Aber so bleibt noch etwas Spannung erhalten, wenn die Kinder das Buch mit mehr Leseerfahrung später vielleicht ohne geübten Vorlesenden in die Hand nehmen.
Trotz der Entscheidungsmöglichkeiten las sich die Geschichte flüssig. So richtig geheimnisvoll war sie zwar nicht, aber meiner Tochter hat sie gefallen. Die Hauptfiguren hätten gerne etwas mehr Charakter haben können, sie wirkten leider sehr austauschbar. Wir schauen trotzdem direkt in den parallel erschienen zweiten Fall des Fundbüros hinein - Flammensturm.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Modern gestalteter Gartenratgeber mit Fokus auf Gemüseanbau

Gemüsepower
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Lucia Schauerhammer, die einige bereits aus den sozialen Medien als Influencerin vom @dorfgarten_ kennen, hat hier in Kooperation mit dem Kosmos-Verlag ihr erstes Buch veröffentlicht. Es richtet sich vornehmlich ...

Lucia Schauerhammer, die einige bereits aus den sozialen Medien als Influencerin vom @dorfgarten_ kennen, hat hier in Kooperation mit dem Kosmos-Verlag ihr erstes Buch veröffentlicht. Es richtet sich vornehmlich an Hobbygärtner:innen, die den Gemüseanbau gerade für sich entdecken.
Wie in vielen ähnlichen Ratgebern wird hier entlang der Veränderungen während des Jahres die entsprechenden Aufgaben erläutert.
Beginnend im Frühjahr mit Anzucht, Aussaat und einigen Basics zum Thema Bodenpflege kann man leicht nachvollziehen worauf es ankommt. Leider geht das Buch hier dann nicht näher auf die Details ein und oft bleibt man, zumindest als total Anfänger beziehungsweise ohne weitere Literatur, mit Fragen zurück. Es wird, bis auf wenige Ausnahmen, kein Gemüse näher beleuchtet, was deren Anbaufläche, Bedürfnisse oder Besonderheiten anbelangt. Praktischerweise gibt es wenigstens im Umschlag zwei Übersichten zu Mischkulturen und Erntezeitpunkten und auch im inneren Tabellen zum Aussaatzeitpunkt.
Wenn man den Text aufmerksam liest, kommen hier und da sehr hilfreiche Tipps zum Vorschein, die Lucia in ihrem Market Garden gesammelt hat. Zum Beispiel, dass das Wässern von Salat lästige Insekten und Schnecken vertreibt, bevor der Salatkopf ausgeliefert wird. Das ist sicher auch ein guter Hinweis für den Privatgarten. Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, dass ein Ratgeber, der konkret auf das Konzept des Market Gardens ausgerichtet ist, authentischer geraten wäre und eine Nische bedienen würde, die bisher weniger beleuchtet ist. So erscheint das hier vorliegende Gemüse-Power-Buch doch etwas austauschbar. Es gibt bereits einige solcher Werke, die allesamt Ähnliches berichten und sich lediglich in der Gestaltung oder der Wahl der Protagonisten unterscheiden, um verschiedene Kundengruppen anzusprechen.
Positiv bereichert wird der Praxisteil durch Anekdoten vom Hof der sympathischen Gärtnerin und bunten Rezepten. Ich würde mir als nächstes ein fundiertes Wissenspaket mit detaillierteren Plänen, Anleitungen und umfangreichen Pflanzenporträts von Lucia wünschen denn damit hat sie viel Erfahrung und Leidenschaft.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Ein Buch das aufrüttelt und fundierte Argumente liefert

Funkenschwestern
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Selten habe ich ein Sachbuch so zügig und interessiert gelesen, wie Funkenschwestern. Das Cover hatte mich zuerst nicht so richtig abgeholt, es wirkt etwas zu sachlich nüchtern. Barbara Blaha kannte ich ...

Selten habe ich ein Sachbuch so zügig und interessiert gelesen, wie Funkenschwestern. Das Cover hatte mich zuerst nicht so richtig abgeholt, es wirkt etwas zu sachlich nüchtern. Barbara Blaha kannte ich vor der Lektüre (leider) auch noch nicht. Von daher bin ich ganz unvoreingenommen ans Lesen gegangen.

Und ich muss sagen, es hat mich umgehauen. Barbara Blaha fügt so eloquent und fesselnd Studienfakten zusammen, dass sie aufrüttelt und mich wahrlich in den Bann gezogen hat. Mir war bis hierhin nicht bewusst, wie viel Ungleichheit in der Gesellschaft noch immer existiert. Für mich gab es so viele Aha-Momente und Anstöße zur Diskussion mit Familie und Freunden, wie es lange kein Buch mehr geschafft hat. Jede und jedeR sollte dieses Buch lesen, damit sich etwas verändert. Ungleichheiten in der Bezahlung, in der Verteilung der Care-Arbeit und einfach auch in der Wahrnehmung des Werts eines jeden Individuums werden hier aufgezeigt.
Auch wirklich harte Themen, wie sexualisierte Gewalt werden angesprochen. Immer mit Fakten und ohne Plattitüden. Am Ende hätte ich mir noch ein wenig mehr Input gewünscht mit Hinweisen, wie wir alle, jede und jeder Einzelne, an der Veränderung arbeiten können. Nicht nur, um uns selbst zu helfen, sondern auch anderen Frauen. Denn darauf kommt es an. Aber vielleicht ist hier Luft für einen zweiten Band.

Diese tiefgründige Aufarbeitung überzeugt und ist gleichzeitig wirklich gut lesbar. Kauft, verschenkt und lest dieses Buch!

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