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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2019

Kampf gegen die emotionale Vergangenheit

Snow Angel
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Dieses Buch hatte ich einst geschenkt bekommen, selbst hätte ich es wohl eher nicht in die Hand genommen, denn es schien mir eine ziemlich vorhersehbare Jugend-Lovestory zu sein. Aber ich wollte in dieser ...

Dieses Buch hatte ich einst geschenkt bekommen, selbst hätte ich es wohl eher nicht in die Hand genommen, denn es schien mir eine ziemlich vorhersehbare Jugend-Lovestory zu sein. Aber ich wollte in dieser winterlichen Zeit doch noch einen Blick hinein werfen und der Geschichte eine Chance geben.

Gleich am Anfang beginnt die Geschichte voller Spannung und Dramatik, als Nina, die Hauptfigur beim Langlaufen im winterlichen Wald einen Abhang hinunter stürzt und das Bewusstsein verliert. Doch zum Glück wird sie von Simon und seinem drolligen Hund Ben gefunden und in deren Hütte aufgepäppelt.
Aus diesem zufälligen Zusammentreffen entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die beide für Schicksal halten. Doch sie bleibt nicht ohne Hindernisse. Dieser Part des Buches war an sich ziemlich vorhersehbar, doch trotzdem schön entspannt für die Zeit zwischen den Jahren. Allerdings habe ich ab und zu an der Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte gezweifelt, denn welcher gestandene Mann um die 30 hat ernsthaft Interesse an einer Beziehung zu einer Schülerin? Soll es geben, ist aber sicher nicht üblich.

Zum Glück bleibt es nicht nur bei der Lovestory. Die Spannung wird durch parallele Vorkommnisse begleitet und aufgewertet, die mit Simons Vergangenheit zu tun haben und damit auch Auswirkungen auf die Beziehung mit Nina haben. Aber hier will ich nicht zu viel verraten.
Weiter aufgepeppt wird die Story durch sympathische Figuren, wie den italienischen Wirt Giuseppe, der in seinem Restaurant allerlei Gerüchte hört und die richtigen Schlussfolgerungen zieht. Oder auch den väterlichen Freund Simons - Hubert - der diesen am Kragen packen kann und aus seiner Lethargie befreit.

Letztlich hat mich "Snowangel" nicht enttäuscht, aber auch nicht unbedingt begeistert. Es war ein ordentlicher Roman mit viel Liebe und erotischem Knistern, einer Prise Krimi und großer Tierfreundschaft.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Spannende Geschichte um Lyra und ihre Beschützer

His Dark Materials: Über den wilden Fluss
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Philip Pullman legt etwa 15 Jahre nach Abschluss seiner "Der Goldener Kompass/His Dark Materials"-Trilogie die Vorgeschichte zu Lyras Abenteuern vor, die nun als Hörbuch hervorragend durch Rufus Beck vertont ...

Philip Pullman legt etwa 15 Jahre nach Abschluss seiner "Der Goldener Kompass/His Dark Materials"-Trilogie die Vorgeschichte zu Lyras Abenteuern vor, die nun als Hörbuch hervorragend durch Rufus Beck vertont wurde.

Malcolm ist ein intelligenter Junge, der meistens nach der Schule bei seinen Eltern im Gasthaus "Zur Forelle" aushilft oder auch bei den Nonnen im benachbarten Kloster. Dabei schnappt er das ein oder andere Geheimnis auf, wenn sich die Gäste unterhalten und unbeobachtet wähnen. Außerdem ist er gern mit seinem Kanu La Belle Sauvage auf der Themse unterwegs. Eines Tages beobachtet er ein Verbrechen, das den Lauf seines jungen Lebens erheblich verändern wird.
Zum Glück trifft er auf die freundliche Wissenschaftlerin Hannah, die ihn in die Geheimnisse einweiht, die gerade in England umgehen, und ihm auch die Welt der Bücher eröffnet. Leider verliert sich diese sympathische Figur in der zweiten Hälfte des Buches.
In dieser zweiten Hälfte zwingt eine große Flut Malcolm dazu, Lyra zu Hilfe zu eilen und sie auf eine große Tour im Kanu mitzunehmen. Dort warten so allerlei Gefahren auf die beiden. Allerdings kam es mir ab und zu dann so vor als würden sich die Vorkommnisse wiederholen. Es hätte also dort etwas kürzer gefasst werden können.
Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass Lyra und die Ereignisse aus der Kompass-Trilogie kaum in dieser Geschichte vorkommen, aber das war zum einen überhaupt nicht tragisch und letztlich begegnen einem im Laufe des Buches immer wieder Figuren, die einem schon gekannt sind. Somit wird dann auch die Brücke zur alten Story geschlagen.
Insgesamt hat mir die Geschichte und vor allem der Sprecher unglaublich gut gefallen, auch wenn ich mittlerweile schon etwas älter bin und nicht mehr unbedingt zur Zielgruppe gehöre. Kleinere Abstriche würde ich machen, da die spannenden Geheimnisse rund um Oakley Street am Ende keine Rolle mehr spielen, da hätte ich mir ein Wiederaufgreifen der Themen gewünscht. Trotzdem empfehle ich dieses Buch allen Freunden von Lyra und den putzigen Dämonen wärmstens weiter.

Veröffentlicht am 04.12.2018

Das falsche Spiel mit den Beweisen

Ich vernichte dich
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Melanie Barricks Leben war schon früh gekennzeichnet durch mangelnde Fürsorge, sowohl durch ihre Eltern als auch durch die staatliche Obhut. Und nun muss sie erneut durch die Mühlen des Sozialamts und ...

Melanie Barricks Leben war schon früh gekennzeichnet durch mangelnde Fürsorge, sowohl durch ihre Eltern als auch durch die staatliche Obhut. Und nun muss sie erneut durch die Mühlen des Sozialamts und der Justiz, doch diesmal auf der anderen Seite. Die Vorwürfe gegen sie sind erdrückend, doch allesamt nicht wahr, aber es scheint ihr keiner zu glauben.

Die Staatsanwältin Amy verfolgt außer diesem Fall noch einen anderen, bei dem ein Serienvergewaltiger durch das Augusta County zieht und unter anderen auch Melanie als Opfer auswählte. Könnten diese Fälle zusammenhängen?

Brad Parks schafft es eindrücklich, beide Fälle Stück für Stück zu entblättern, den Leser so ans Buch zu fesseln. Manchmal ist es sehr schwer, bei den Anschuldigungen an Melanie nicht wütend zu werden, die Verzweiflung, die Melanie spüren muss, lässt sich jedenfalls sehr gut nachvollziehen.

Erst ganz am Ende werden alle hintergründigen Handlungen aufgedeckt und so zu einem großen einheitlichen Bild verwoben, sodass zwischendurch genug Platz für wilde Spekulationen ist. Für mich waren die Personen und ihre Taten gut nachvollziehbar (bis auf ein zwei kleine Ausnahmen), sodass ich mit der Auflösung an sich zufrieden war. Einzig die mangelnde Objektivität der Beamten hat mich etwas verwundert. Zwar waren die Beweise gegen Melanie recht schwerwiegend, aber sie hätten doch auch in andere Richtungen ermitteln sollen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, wobei ich kleinere Abstriche mache bei der Ausarbeitung einiger Figuren. Außerdem ist die Handlung ein wenig trocken, fixiert sich sehr auf den Fall an sich. Also absolut nichts zum Wohlfühlen rundherum.

Veröffentlicht am 28.11.2018

Die Reise des Hundertjährigen geht weiter

Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten
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Allan Karlssons Reiselust hatte zwischenzeitlich ein wenig nachgelassen, nachdem er im ersten Teil auf Bali angekommen war, und sich zum Teil in Faulheit verwandelt. Doch Allan wäre nicht Allan, wenn ihn ...

Allan Karlssons Reiselust hatte zwischenzeitlich ein wenig nachgelassen, nachdem er im ersten Teil auf Bali angekommen war, und sich zum Teil in Faulheit verwandelt. Doch Allan wäre nicht Allan, wenn ihn dieses triste Leben auf Dauer zufrieden gestellt hätte. Außerdem ist er mittlerweile auch deutlich offener, was die aktuelle Politik und Geschehnisse in der Welt anbelangt, über die ihn sein neues "Tablett" nun täglich unterrichtet.

Mehr oder weniger freiwillig verlässt er dann gemeinsam mit seinem alten Freund Julius in einem Heißluftballon sein vorübergehendes Heim und landet - mitten im Ozean. Nun wäre ein normaler Mensch relativ schnell in Panik verfallen, ob der ausweglosen Situation. Doch auch hier beginnt einmal mehr das Glück im Unglück, welches Allan auf seinem weiteren Weg wieder treu begleiten wird.

Er schafft es wieder sich in die unmöglichsten Situationen zu begeben - und sich zu retten. So folgt er der Spur von mehreren Kilogramm angereicherten Urans nach Nordkorea. Nun ist dieser Staat nicht gerade ein Vorbild der Demokratie, was der Autor auch gekonnt und mehr oder weniger subtil immer wieder einfließen lässt, und es lauern an jeder Ecke Stolpersteine. Und diese zum Schreien komische Kritik an Nordkorea, aber auch anderen Staaten bzw. Staatsmännern und -frauen ist es, was mir an diesem Buch am besten gefallen hat. Die Beschreibungen sind sehr aktuell und werden einfach perfekt in die Handlung eingeflochten.

Dieter Hallervorden ist eine außerordentlich gelungene Besetzung als Sprecher und schafft es auch den verschiedenen Figuren die jeweils passende Stimmung und Betonung zu verleihen.

Leider lässt in meinen Augen die Handlung in der zweiten Hälfte ein wenig nach, weshalb dieser Band für mich nicht ganz an den ersten Band heran reicht. Nichts desto trotz kann ich es wärmstens Hörern empfehlen , die den ersten Band mochten oder auch Menschen, die sich gern humoristisch mit aktueller Politik beschäftigen.

Veröffentlicht am 22.11.2018

Wie viel Glück kann ein Mensch haben?

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
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So viel Gutes hatte ich schon von diesem Buch gehört und wollte mich nun doch einmal selbst von der humoristischen Qualität überzeugen. Oft ist mein persönlicher Humor nicht kompatibel mit dem allgemein ...

So viel Gutes hatte ich schon von diesem Buch gehört und wollte mich nun doch einmal selbst von der humoristischen Qualität überzeugen. Oft ist mein persönlicher Humor nicht kompatibel mit dem allgemein verbreiteten Lachlevel, doch vom Hundertjährigen wurde ich nicht enttäuscht.

Allan Karlsson wird 100. Doch das kümmert ihn wenig und er beschließt seine langweilige Altersheim-Residenz zu verlassen und noch einmal in die Welt hinaus zu ziehen. Dies erscheint einem nur allzu logisch, wenn man im Laufe des Buches von seiner äußerst bewegten Vergangenheit erfährt.

Der Hunderjährige begann in frühen Jahren schon auf eigenen Beinen zu stehen und mit gefährlichem Sprenggut zu hantieren. Als Autodidakt auf diesem und vielen weiteren Gebieten, brachte er es auch ohne Schulabschluss weit, und dann noch immer einen Schritt weiter. Auf diesem Lebensweg, auf dem er auch äußerst bedeutenden politischen Personen begegnete, und auch in der gegenwärtigen Periode seines Daseins schlittert er immer wieder von einem verhängnisvollen Ereignis ins nächste, ohne auch nur irgendwie zu Schaden zu kommen. Seine skurrilen Lösungswege sind es, die mich beim Hören dieses Hörbuch so köstlich lachen ließen. Und nebenbei lernt man auch noch ein wenig über die Geschichte.
Man darf hier nicht unbedingt realistische und glaubwürdige Situationen erwarten, da würde man wohl enttäuscht werden. Aber wenn man sich einlässt auf die rundum abwegigen Begebenheiten und dem sympathischen und chaotischen alten Herren folgt, wird man belohnt.

Zum Abschluss bleibt mir noch ein kurzes Wort über den Sprecher (Otto Sander) zu sagen, der mir leider in manchen Bereichen nicht so gut gefiel, da einige Worte zu undeutlich ausgesprochen wurden.