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Veröffentlicht am 27.12.2023

Fakten und Anliegen überzeugen mehr als die fiktionale Umsetzung

White Zero
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Das Cover passt zum Buch und macht neugierig, die Eiswüste vor dem Brandenburger Tor macht auch haptisch Eindruck.
Mitteleuropa leidet seit einem halben Jahr unter extremen Minusgraden, Infrastruktur ...

Das Cover passt zum Buch und macht neugierig, die Eiswüste vor dem Brandenburger Tor macht auch haptisch Eindruck.
Mitteleuropa leidet seit einem halben Jahr unter extremen Minusgraden, Infrastruktur und Versorgung sind nicht mehr gewährleistet und die Ursache der katastrophalen 'Eiszeit' ist ungeklärt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und der herrschende Mangel an praktisch allem wird gut beschrieben. Immer wieder werden skurrile Meldungen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und auch Klatsch und Tratsch eingeschoben, die teilweise schon karikieren.

Neben dem Erzählstrang um die Geophysikerin Jana Hollmer gibt es Alltagsszenen anderer Charaktere, die sehr ausschweifend erzählt werden und so die Geschichte in die Länge ziehen, bevor ein Zusammenhang erkennbar wird. Die Figurenzeichnung ist meist klischeehaft, schwarz-weiß gehalten, und trotz detaillierter Beschreibung konnte ich keine Nähe zu den Protagonisten aufbauen, es fehlten mir die Emotionen.

Thilo Falk vermittelt viele interessante Fakten rund ums Klima, liefert jedoch eine sehr unrealistische Ursache für die mitteleuropäische Eiszeit. Auch, dass Jana Hollmer praktisch als Einzelkämpferin dargestellt wird und die Lösung wie im Actionthriller erfolgt, finde ich wenig glaubwürdig.

Im Nachwort erinnert der Autor daran, dass unser Handeln immer Auswirkungen auf die Umwelt haben kann und er legt den Fokus auf Superreiche, die sich alles erlauben können, und auf die Ausbeutung von Menschen in technologisch weniger hoch entwickelten Ländern. Bis auf die oben erwähnten Mängel in der Figurenzeichnung wird dies im Buch anschaulich dargestellt und entspricht auch den Tatsachen, aber die Einbindung der fiktionalen Handlung hat mich nicht überzeugt, von meinen Erwartungen an einen Thriller mal ganz abgesehen.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2023

Kompakte und fundierte Informationen über heutige Drogen

Die Wahrheit über unsere Drogen
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Schon das bunte Cover und der unverblümte Titel machen neugierig auf das Buch. Mir hat es gut gefallen, es ist informativ und ausreichend ausführlich, um Laien grundlegendes Wissen und ebenso erstaunliche ...

Schon das bunte Cover und der unverblümte Titel machen neugierig auf das Buch. Mir hat es gut gefallen, es ist informativ und ausreichend ausführlich, um Laien grundlegendes Wissen und ebenso erstaunliche Details über die 16 heute angesagten Drogen zu vermitteln. Besonders interessiert war ich an unseren alltäglichen Drogen Kaffee und Zucker, die ich schließlich täglich konsumiere, und an den Schlaf- und Schmerzmitteln.

Der Aufbau vom geschichtlichen Hintergrund der Drogen mit ihrer Entdeckung/Entwicklung, über die gewünschte bzw. tatsächliche Wirkweise bis zu den Begleiterscheinungen/Auswirkungen ist durchdacht und gelungen. Wobei die erstrebte positive Wirkung genau so erwähnt wird wie die Risiken und die Entwicklung einer möglichen physischen und/oder psychischen Abhängigkeit.
Chemische Einzelheiten werden so knapp wie möglich, aber detailliert wie nötig geschildert. #DerApotheker informiert über den Hintergrund der Droge und ihre pharmakologische Wirkung im Körper, Dr. Carsten Schleh steuert die toxikologischen Aspekte und interessante Fallbeispiele aus Fachpublikationen bei. Beide Autoren haben bereits erfolgreiche Bücher geschrieben, und mit 'Die Wahrheit über unsere Drogen' ihr erstes gemeinsames Buch vorgelegt.

Durch eine nicht wirklich nötige Rahmenhandlung wird jedoch der Leser direkt angesprochen, was mir gefallen hat. Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger haben die Autoren meiner Meinung nach gut umgesetzt.
Sehr gut und ausführlich ist auch das Quellenverzeichnis am Ende des Buchs, während die Gliederung des Textes optimaler hätte gestaltet werden können mit Hervorhebungen, Zusammenfassungen oder Grafiken.
Ich habe einiges Neues und Wissenswertes aus dem Buch mitgenommen und ich kann es jedem Leser empfehlen, der sich kompakt und fundiert über unsere heutigen Drogen informieren will.

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Veröffentlicht am 10.12.2023

Überzeugender vierter Band um den Donnerstagsmordclub

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Obwohl sie sich ein Jahr ohne Morde zu Weihnachten gewünscht hatten, müssen die vier Freunde aus der Seniorenresidenz Coopers Chase erneut ermitteln und wieder wird es sehr persönlich für den Donnerstagsmordclub, ...

Obwohl sie sich ein Jahr ohne Morde zu Weihnachten gewünscht hatten, müssen die vier Freunde aus der Seniorenresidenz Coopers Chase erneut ermitteln und wieder wird es sehr persönlich für den Donnerstagsmordclub, denn das Mordopfer war ein alter Freund von Stephen, Elizabeths Ehemann.
Gewohnt mutig, einfallsreich und ohne Berührungsängste gehen Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim den komplexen Fall um eine verschwundene Heroinlieferung und mit vielen Verdächtigen an, wieder unterstützt von Donna, Chris und Bogdan, die inzwischen auch zu guten Freunden geworden sind und einfach dazu gehören.

Erzählt wird aus zahlreichen Perspektiven und Richard Osman gibt seinen Figuren Tiefe, sie sind nahbar. Menschliches Miteinander und Beziehungen zueinander spielen in diesem Band eine große Rolle und der Autor schreibt über Demenz, Loslassen, Liebe, Einsamkeit und Trauer sehr einfühlsam und tiefgründig und hat mich durchaus berührt.
Das Buch bietet natürlich auch wieder viel Situationskomik, skurrile Dialoge mit Wortwitz, trockenen Humor und britischen Charme (Kompliment an die hervorragende Übersetzerin Sabine Roth) und ich habe mich besonders darüber amüsiert, wie sehr Joyce von Elizabeth gelernt hat, sie wächst fast über sich hinaus und unterhält auch diesmal wieder mit ihren köstlichen Tagebucheinträgen.

Ich empfehle Neueinsteigern in die Serie unbedingt, auch den ersten Band zu lesen, da der Autor leider darauf verzichtet, noch einmal auf die Hintergründe der Protagonisten einzugehen. Mit dem Wissen aus dem ersten 'Donnerstagsmordclub' macht das Buch meiner Meinung nach noch mehr Spaß. Das Cover passt zu den Vorgängerbänden und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Mir hat der vierte Band um den Donnerstagsmordclub sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern nicht nur Lesern von Cosy Crime.

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Veröffentlicht am 26.11.2023

Spannender beklemmender Thriller um manipulierte Erinnerungen

Ausgelöscht
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In Wien und in Berlin tauchen nach drei Wochen zwei Frauen wieder auf, die selbst der Meinung sind, nur zwei Tage verschwunden gewesen zu sein. Beide haben die gleichen Erinnerungen und Erinnerungslücken ...

In Wien und in Berlin tauchen nach drei Wochen zwei Frauen wieder auf, die selbst der Meinung sind, nur zwei Tage verschwunden gewesen zu sein. Beide haben die gleichen Erinnerungen und Erinnerungslücken an die Entführungen. Die Psychologin und Erinnerungsforscherin Lea Goldberg arbeitet mit den Ermittlern an der Aufklärung der Fälle.

Es gibt zwei Handlungsstränge in der rätselhaften Geschichte, die sich abwechseln. Lea Goldberg erzählt in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive, so dass ich ihren Gedanken und Gefühlen sehr nah komme. Sie hat vor einem Jahr selbst ein Trauma erlitten, so dass sie nicht nur die professionelle Therapeuten-, sondern auch die Patientensicht aus eigenem Erleben kennt. Die zweite Handlung spielt 'damals', hier wird von einem personalen Erzähler das problematische Leben einer namenlosen Frau geschildert.
Leas ist eine sympathische Protagonistin, deren Erlebnisse mich berührt haben, während mir die beklemmende Entwicklung der namenlosen Frau 'damals' im Mittelteil des Buchs fast zu viel war, zu detailliert erzählt und zu viel Raum einnehmend.

Theresa Prammers Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen, sie hat mich auf falsche Fährten gelockt und mein Miträtseln führte lange in Sackgassen. Ihre Figuren sind interessante Charaktere, die Sympathie oder Antipathie wecken, die Protagonistin Lea besitzt Tiefe, handelt jedoch nicht immer glaubwürdig. Die wissenschaftliche Basis des Thrillers, nämlich manipulierte Erinnerungen, ist ein faszinierendes Thema, das die Autorin einfallsreich und spannend bis zum großen Showdown umgesetzt hat.

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Veröffentlicht am 25.11.2023

Abwechslungsreiche Alltagsgeschichten

Geschichten aus der Wundertüte
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In den 'Geschichten aus der Wundertüte' geht es um Alltagsgeschichten aus verschiedensten, auch ungewöhnlichen Perspektiven, nicht nur Menschen erzählen von Begebenheiten oder Sorgen, tauchen in die Vergangenheit, ...

In den 'Geschichten aus der Wundertüte' geht es um Alltagsgeschichten aus verschiedensten, auch ungewöhnlichen Perspektiven, nicht nur Menschen erzählen von Begebenheiten oder Sorgen, tauchen in die Vergangenheit, erinnern sich an 'früher'.
Die Geschichten sind unterschiedlich lang und die in der zweiten Hälfte haben mir am besten gefallen, in denen es um weibliche Selbstbestimmung geht oder um die Unberechenbarkeit des Lebens. Manche Erzählungen haben ein überraschendes Ende, andere ein offenes, so dass ich mir Gedanken über verschiedene Alternativen gemacht habe und die Geschichte in meinem Kopf noch nachhallte. Gelungen finde ich die gesellschaftskritischen Aspekte in einigen Geschichten, ob es um Hochhaussiedlungen am Stadtrand geht oder Pflegeheimkosten.
Auf jede Erzählung folgt ein thematische passendes Gedicht, das augenzwinkernd auf das Vorausgegangene Bezug nimmt oder eine neue Perspektive hinzufügt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, in Teilen fand ich Einzelheiten zu sehr 'auserzählt', da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Alles in allem habe ich Christiane Ulmer-Leaheys neues Buch gern gelesen und vergebe 4 von 5 Sternen.