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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.11.2023

Abwechslungsreiche Alltagsgeschichten

Geschichten aus der Wundertüte
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In den 'Geschichten aus der Wundertüte' geht es um Alltagsgeschichten aus verschiedensten, auch ungewöhnlichen Perspektiven, nicht nur Menschen erzählen von Begebenheiten oder Sorgen, tauchen in die Vergangenheit, ...

In den 'Geschichten aus der Wundertüte' geht es um Alltagsgeschichten aus verschiedensten, auch ungewöhnlichen Perspektiven, nicht nur Menschen erzählen von Begebenheiten oder Sorgen, tauchen in die Vergangenheit, erinnern sich an 'früher'.
Die Geschichten sind unterschiedlich lang und die in der zweiten Hälfte haben mir am besten gefallen, in denen es um weibliche Selbstbestimmung geht oder um die Unberechenbarkeit des Lebens. Manche Erzählungen haben ein überraschendes Ende, andere ein offenes, so dass ich mir Gedanken über verschiedene Alternativen gemacht habe und die Geschichte in meinem Kopf noch nachhallte. Gelungen finde ich die gesellschaftskritischen Aspekte in einigen Geschichten, ob es um Hochhaussiedlungen am Stadtrand geht oder Pflegeheimkosten.
Auf jede Erzählung folgt ein thematische passendes Gedicht, das augenzwinkernd auf das Vorausgegangene Bezug nimmt oder eine neue Perspektive hinzufügt.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, in Teilen fand ich Einzelheiten zu sehr 'auserzählt', da wäre weniger vielleicht mehr gewesen. Alles in allem habe ich Christiane Ulmer-Leaheys neues Buch gern gelesen und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.11.2023

Hoffnung nach dem Klimakollaps

In einem Land nach unserer Zeit 1: Die Erwachte
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'In einem Land nach unserer Zeit' ist ein Spin-off von Anette Schaumlöffels SciFi-Romans 'Eine zweite Chance', der mir auch ausgesprochen gut gefallen hat.
Im vorliegenden ersten Band 'Die Erwachte' sind ...

'In einem Land nach unserer Zeit' ist ein Spin-off von Anette Schaumlöffels SciFi-Romans 'Eine zweite Chance', der mir auch ausgesprochen gut gefallen hat.
Im vorliegenden ersten Band 'Die Erwachte' sind 500 Jahre vergangen, seit die menschengemachte Eiszeit das Leben auf der Erde fast ausgelöscht hat. Eine Katze, die in eine verborgene Station gelangt ist, weckt eine Frau aus dem Kälteschlaf. Praktisch ohne Erinnerungen an ihr Leben oder den Grund, aus dem sie in der Station ist, hilft ihr die perfekte Technikausstattung genau so wie die kleine Katze, mit der Situation zurecht zu kommen.

Erzählt wird aus Reginas Perspektive, so bin ich ihren Gefühlen und Gedanken ganz nah, weiß aber auch nicht mehr, als sie selber herausfindet und allmählich erinnert. Dadurch fand ich die Geschichte sehr spannend. Anette Schaumlöffel gelingt es, Regina als Figur authentisch darzustellen, ihre anfängliche Verwirrung, das Staunen über den vorher nie gekannten lebendigen Wald, wie auch ihre Entwicklung im Lauf der Geschichte sind glaubwürdig. Auch andere Charaktere werden durch ihre Eigenarten lebendig, selbst wenn sie nur einen kurzen Auftritt haben.
Wie der Klimakollaps aussah, sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftlich, wird leicht verständlich dargestellt, alles basiert auf unserem heutigen Status quo und beschreibt eine mögliche Zukunft. Auch bei der technischen Ausstattung der Station beweist Anette Schaumlöffel ihren Einfallsreichtum und mit Katzen kennt sie sich ebenfalls aus, Alice und ihr Verhalten haben mir viel Spaß gemacht.
Anette Schaumlöffels Schreibstil ist klar, lebendig und humorvoll, ich lese ihre Hoffnung vermittelnden Geschichten immer mit Vergnügen und freue mich auf den zweiten Band 'Die Reisende', zu dem es am Ende des Buchs eine kurze Leseprobe gibt.

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Veröffentlicht am 21.11.2023

Wenn Verzweiflung zum Handeln zwingt

Stunde um Stunde
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Ein verzweifeltes Elternpaar, dessen 5jährige Tochter Tilly vor zwei Jahren spurlos verschwunden ist, dringt in ein forensisches Labor der Strafverfolgungsbehörden ein, nimmt Geiseln und droht mit der ...

Ein verzweifeltes Elternpaar, dessen 5jährige Tochter Tilly vor zwei Jahren spurlos verschwunden ist, dringt in ein forensisches Labor der Strafverfolgungsbehörden ein, nimmt Geiseln und droht mit der stündlichen Vernichtung von DNA-Beweismaterial, falls der Fall um ihre Tochter nicht wieder aufgenommen wird.

Das Buch beginnt 'vier Tage vorher', als der aufgeflogene Undercover-Ermittler Charlie Hoskins schwer verletzt aus dem Meer gezogen wird. 'Zwei Tage vorher' verliert die junge Lynette Lamb noch vor ihrem ersten Einsatz ihren Job bei der Polizei von Los Angeles.
Die beiden Ermittler tun sich zusammen, um herauszufinden, was mit Tilly passiert ist. Lamb will unbedingt Polizistin sein und Hoskins muss seine in den letzten fünf Jahren gesammelten Beweise vor der Vernichtung im Labor retten, wenn seine Arbeit nicht umsonst gewesen sein soll.

Der spannende Thriller hat drei Erzählperspektiven, die sich meist nach einem Cliffhanger abwechseln und sich perfekt ergänzen. Hoskins und Lamb ermitteln, wobei die junge Lynette ihr Talent im Laufe der Geschichte unter Beweis stellt, Chief Saskia Ferboden vom LAPD, die zwischen allen Stühlen sitzt, egal, welche Entscheidung sie für ihr Vorgehen gegenüber den Geiselnehmern trifft, und die Geisel Gary Bendigo, Leiter der Labore, der versucht, am Leben zu bleiben. Alle Charaktere überzeugen, sie sind glaubhaft und authentisch, auch der Zeitdruck und die bedrohliche Atmosphäre werden deutlich. Hierzu passt ebenfalls das düstere Cover mit der zerbrochenen Ampulle.

Candice Fox schreibt bildhaft und packend, es ist schwierig, eine Lesepause einzulegen. Die Dialoge zwischen Hoskins und Lamb sind teilweise humorvoll/ironisch und auch die telefonischen, lange vergeblichen Versuche, einander zu finden, die Hoskins und seine Lebensretterin unternehmen, empfand ich bei dem hohen Erzähltempo als willkommene Auflockerung.
Mich hat 'Stunde um Stunde' gut unterhalten und ich empfehle das Buch trotz einiger brutaler Szenen gern Lesern von Krimis und Thrillern weiter.

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Veröffentlicht am 19.11.2023

Durchgehend spannender Krimi um skrupellose Verbrechen in einer Hochhaussiedlung

Kant und das Leben nach dem Tod
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Der Fund von Leichenteilen führt Hauptkommissar Kant in die Hochhaussiedlung Hasenbergl am Rande Münchens. Das Alter des Toten, die Anonymität der Wohnsiedlung, fehlende soziale Kontakte des Opfers und ...

Der Fund von Leichenteilen führt Hauptkommissar Kant in die Hochhaussiedlung Hasenbergl am Rande Münchens. Das Alter des Toten, die Anonymität der Wohnsiedlung, fehlende soziale Kontakte des Opfers und die zu Tage tretende Gleichgültigkeit der Umgebung führen zu mühsamen Ermittlungen und vermitteln eine düstere, trostlose Stimmung, die auch Kant und seinem Team zu schaffen macht und die ebenfalls im passenden Cover Ausdruck findet.
Erzählt wird nicht nur aus den Perspektiven der Ermittler, sondern auch aus Antonias Sicht. Die junge Frau ist bei ihrem Großvater in der Hochhaussiedlung untergekommen, nachdem sie jahrelang in Portugal gelebt hat und nun in München einen Neuanfang wagen will.
Protagonisten wie auch Nebencharaktere sind glaubwürdig gezeichnet und treten authentisch auf. Wie im richtigen Leben gibt es merkwürdige Figuren, die nicht leicht einzuordnen sind, aber werden sie dadurch auch zu Verdächtigen? Als Leser kann ich mit rätseln und eigene Mutmaßungen anstellen, da ich durch Antonias Erzählstrang mehr weiß als die Ermittler.

Ich kenne die ersten beiden Bände um Kommissar Kant und freue mich, über Entwicklungen im Privatleben der Ermittler zu lesen, aber auch Neueinsteiger in die Serie werden keine Verständnisschwierigkeiten haben, da Wichtiges rückblickend kurz erwähnt wird.

Marcel Häußlers Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, er schreibt auf den Punkt, kein Wort ist da zu viel, feiner Humor und treffsichere Beobachtungen vermitteln Lokalkolorit und Stimmung und ziehen mich von der ersten Seite an in die Geschichte hinein, die in einem spannenden Showdown gipfelt.
Es macht einerseits Spaß, die realistisch beschriebene Ermittlungsarbeit zu verfolgen und es ist andererseits bedrückend festzustellen, wie leicht die Lebenssituation eines Opfers es Menschen mit genug krimineller Energie und Skrupellosigkeit macht, ihr Vorhaben umzusetzen.

'Kant und das Leben nach dem Tod' ist durchgehend spannend und hat mich sehr gut unterhalten. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 03.11.2023

Zu wenig Spannung, zu viele Themen

Glutspur
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Liv Jensen hat bei der Polizei in Jütland gekündigt und versucht in Kopenhagen als Privatdetektivin Fuß zu fassen. Sie hofft, bald eine Stelle bei der dortigen Polizei zu finden und übernimmt daher gern ...

Liv Jensen hat bei der Polizei in Jütland gekündigt und versucht in Kopenhagen als Privatdetektivin Fuß zu fassen. Sie hofft, bald eine Stelle bei der dortigen Polizei zu finden und übernimmt daher gern die Ermittlungen zu einem ungelösten, einige Jahre zurückliegenden Mordfall, um die ein befreundeter Kommissar sie inoffiziell bittet.
Livs neue Nachbarn in Kopenhagen sind Hannah Leon, eine Krisenpsychologin, und Nima Ansari, der als Kind aus dem Iran flüchtete und eine Autowerkstatt betreibt.
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive dieser drei Protagonisten, jeder von ihnen durch ein nicht verarbeitetes Trauma belastet. Bei Liv und Nima gibt es in diesem Auftaktband hierzu nur Andeutungen. Rückblenden zu einer jüdischen dänischen Familie im Jahr 1943 und enigmatische Verse, die jeden Tag der sich über fast zwei Wochen erstreckenden Ermittlungen Livs einleiten, lassen mich über die Zusammenhänge der drei Todesfälle rätseln, um die es in dem Krimi geht. Die Konzentration liegt auf Livs Ermittlungen, die in alle möglichen Richtungen gehen und dadurch langatmig geschildert erscheinen, die Handlung verläuft eher ruhig.
Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Protagonisten erscheinen jeder für sich authentisch und interessant, was ich auch wichtig finde, da die Erzählstränge zunächst getrennt voneinander sind. Ich habe es bedauert, dass die Protagonisten auch im weiteren Verlauf nur wenig miteinander zu tun haben, aber das kann sich ja im nächsten Band ändern, denn laut Klappentext wird es wieder um das Protagonisten-Trio gehen. Das Lokalkolorit Kopenhagens und Nordjütlands bringt Katrine Engberg atmosphärisch ein, ihr Schreibstil ist bildhaft, teilweise poetisch und angenehm zu lesen. Gestört hat mich die gelegentlich etwas holprige Übersetzung, die anscheinend dänische Ausdrücke wörtlich statt sinngemäß wiedergibt.
Die Covergestaltung finde ich farblich und von der Haptik her gelungen, auch der deutsche Titel passt gut.
Wegen fehlender Spannung, einer Überfrachtung mit Themen, ausschweifender Erzählweise und zahlreicher irrelevanter Einzelheiten vergebe ich 3 von 5 Sternen.

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