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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein rundum gelungener Wissenschaftsthriller

Animal
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Ein Tierrechtsanwalt hat im Namen einer Edelsau einen großen Agrarkonzern auf Freilassung des Tieres verklagt. Der junge Anwalt Ben Lorenz wird von seinem Chef bei einer bekannten Hamburger Kanzlei mit ...

Ein Tierrechtsanwalt hat im Namen einer Edelsau einen großen Agrarkonzern auf Freilassung des Tieres verklagt. Der junge Anwalt Ben Lorenz wird von seinem Chef bei einer bekannten Hamburger Kanzlei mit dem Mandat betraut. Diesen Fall kann man nicht verlieren, denn Tiere sind in Deutschland nicht rechtsfähig.

Zur Klägerseite gehört auch Enna, eine Tierrechtsaktivistin. Erzählt wird kapitelweise aus verschiedenen Perspektiven, meistens aus Bens oder Ennas Sicht. Nicht nur die Protagonisten sind gut ausgearbeitet und komplex, auch andere Charaktere und deren Hintergrund machen mich neugierig. Die Kapitel enden oft mit kleinen Cliffhangern, so dass es schwierig ist, eine Lesepause einzulegen. Von Beginn an geraten Ben und Enna in gefährliche Situationen, beide werden bedroht, es geht um viel Geld.

Tibor Rode schreibt bildhaft und lebendig, auch humorvoll, vermittelt Hamburger Lokalkolorit und kann wissenschaftliche Hintergründe gut verständlich erklären. Besonders fesselnd dargestellt ist die Entschlüsselung tierischer Sprache durch KI, wie sie lernt, Tierlaute zu decodieren, zu interpretieren und in menschliche Sprache zu übersetzen. Der Autor beleuchtet die bevorstehenden Möglichkeiten von vielen Seiten, es werden neue gesetzliche Rahmenbedingungen notwendig werden und vielschichtige ethische Fragen werden diskutiert werden müssen. Auch die Kehrseite der Medaille lässt der Autor nicht außer acht: eine mögliche Kommunikation mit Tieren könnte auch zu deren Nachteil eingesetzt werden.

Ben muss sich mit den Bedingungen in der Schweinehaltung und dem Stand der Tierrechte in anderen Ländern auseinandersetzen und auch mit dem Begriff der 'ökologischen Person', den das LG Erfurt erst im letzten Jahr auf Basis der EU-Grundrechtecharta in einem Prozess aufgebracht hat. Ben lernt dazu und entwickelt sich.
Die Fakten, die Rode in die Handlung einbettet, finde ich genau so faszinierend wie die Möglichkeiten, die die Forschung in Aussicht stellt. Ein aufschlussreiches Nachwort rundet den spannenden Thriller ab und hat mich weitere Recherchen zum Thema anstellen lassen.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Vlats Geschichte geht spannend weiter

Seelenschwur
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Der zweite Band ist auch ohne Kenntnis des ersten Buchs gut verständlich, er beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse, die den Läufer Vlat seine Vertraute Hanna finden ließen und stellt die ...

Der zweite Band ist auch ohne Kenntnis des ersten Buchs gut verständlich, er beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse, die den Läufer Vlat seine Vertraute Hanna finden ließen und stellt die anderen Seelen vor, die Vlat in sich beherbergt, bis er ihre offenen Wünsche erfüllt hat. Besonders Franka, ehemalige Soldatin, Polizistin und Security-Fachfrau ist mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten eine Bereicherung für Vlat.
Er macht sich wegen des Rodin Museums auf den Weg nach Paris, wo er sich in den Katakomben am wohlsten fühlt, und dann geht es zu einer Eifeler Kunstgießerei, wo wir die aufwändige Herstellung einer Bronzestatue durch Jean miterleben.

Durch den Verrat von Lus, Hannas Freundin, wird Vlat im Auftrag eines Pharmaunternehmens gejagt und auch gefunden, man will Experimente an ihm vornehmen und ihn erforschen. Durch häufige Perspektiv- und Ortswechsel gewinnt die Geschichte an Tempo und Vlats faszinierende Eigenschaften werden nun, den ersten Band 'Das Erwachen' ergänzend, auf wissenschaftlicher Ebene beleuchtet.

Andrea Revers schreibt klar, lebendig und packend, auch mit feinem Humor, sie schafft interessante Charaktere, die zur Komplexität der Geschichte beitragen, wiederholt lässt mich Vlats Sicht auf die Menschen innehalten und über unser Verständnis der Welt und unsere Konventionen nachdenken. Die Bedrohung für Vlat wird immer größer und die Frage, ob Hanna es schaffen wird, ihn rechtzeitig aus der Forschungseinrichtung zu befreien, sorgt für Spannung bis zum Schluss.

Immer wieder spielt die Handlung in der Eifel, wo die Autorin lebt. Mit ihrer spannenden geologischen Geschichte und der schönen, abwechslungsreichen Landschaft mit all dem Wald ist die Eifel wie geschaffen für uralte geheimnisvolle Wesen wie Vlat. Die Seelenschwur-Dilogie ist gelungene Urban Fantasy mit ungewöhnlichem Thema und Setting und ich würde mich über mehr Bände um den Läufer freuen.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Originell, spannend und überzeugend

Seelenschwur
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Wie ein Vampir ernährt sich Vlat, der letzte Läufer, von Blut, und im ersten Weltkrieg, als es keine Tiere mehr im Eifeler Hürtgenwald gibt, trinkt er das Blut der sterbender Soldaten Josef, Waldi und ...

Wie ein Vampir ernährt sich Vlat, der letzte Läufer, von Blut, und im ersten Weltkrieg, als es keine Tiere mehr im Eifeler Hürtgenwald gibt, trinkt er das Blut der sterbender Soldaten Josef, Waldi und Schang. Doch anders als ein Vampir muss ein Läufer die übernommene Seelenschuld seiner Opfer irgendwann tilgen. Bis dahin bleiben die Seelen Teil von ihm, erst wenn die Schuld beglichen ist, sind sie frei.
Zwischen Läufer und einigen wenigen Menschen ist mentale Kommunikation möglich, Josef ist einer dieser 'Vertrauten', die ihre Besonderheit vererbt bekommen. Etwa 80 Jahre später erkennt Josef in Hanna die nächste 'Vertraute' seiner Familie, sie soll Vlat helfen, sich in der heutigen, ihm fremden Welt zurecht zu finden.

Wie Hanna bin ich fasziniert von Vlats Fähigkeiten, die im Laufe der Geschichte zu Tage treten. Und auch von der Belastung, die es für den Läufer bedeutet, mit den Gedanken, Erinnerungen und dem Wissen seiner Opfer konfrontiert zu werden, wird glaubwürdig erzählt.
Die drei Soldaten werden in eigenen Kapiteln vorgestellt, in denen auch ihre noch offenen Wünsche und Hoffnungen beschrieben werden, die Vlat zu erfüllen hat. Der psychisch labile Schang könnte Vlat gefährlich werden. Seine Sehnsucht gilt einer verloren gegangenen Frauen-Skulptur. Vlat, Hanna und deren Freundin Lus machen sich auf die spannende Suche nach dieser offensichtlich von Rodin geschaffenen Figur.

Die Autorin hat auch die bis heute rätselhaften Funde von Herxheim sehr gelungen und einleuchtend in eigenen Kapiteln in die Geschichte um die Läufer eingeflochten. Andrea Revers schreibt lebendig, klar und packend, die menschlichen Charaktere sind glaubwürdig und authentisch und vor allem Vlats Andersartigkeit ist einfallsreich und überzeugend beschrieben, er ist ein faszinierender, außergewöhnlicher und komplex ausgearbeiteter Protagonist, der uns mit seiner Sicht auf die Menschen durchaus den Spiegel vorhält. Mir hat diese Urban Fantasy Geschichte sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Spannender Thriller mit origineller Idee und filmreif geschrieben

Sein Wille geschehe
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Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin wird ein 20 Jahre alter Cold Case gelöst. Der junge Ben Danvers und sein Zwillingsbruder wurden damals entführt und Ben ...

Fünf Tage vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten und seiner Vizepräsidentin wird ein 20 Jahre alter Cold Case gelöst. Der junge Ben Danvers und sein Zwillingsbruder wurden damals entführt und Ben jetzt durch einen Zufalls-DNA-Abgleich gefunden. Er ist der leibliche Sohn der zukünftigen Vizepräsidentin. Sein ganzes Leben gerät aus den Fugen und er setzt sich ab und versucht, Hinweise zu finden in dem Haus, in dem er aufgewachsen ist.

Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven Bens, des Special Agent Briar Metcalf, der den Entführungsfall damals nicht lösen konnte, und seiner neuen Partnerin Special Agent Emma Noble. Die Kapitel enden oft mit Cliffhangern, so dass es schwierig ist, eine Lesepause einzulegen.

Andrew Bridgemans Schreibstil ist fesselnd, bildhaft und ironisch, kann aber auch nüchtern und distanziert sein bei den Aktionen der Antagonisten, die jetzt einen vor Jahrzehnten geschmiedeten Plan zum Abschluss bringen wollen. Das Umfeld für den perfiden Plan könnte nicht besser sein angesichts des aktuellen politischen Klimas, das der Autor in den Gesprächen seiner Protagonisten auch thematisiert.

Die Figurenzeichnung ist gelungen, die verschiedenen Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig. Emma überrascht mit einem speziellen familiären Hintergrund und Ben erfährt eine rasante und nachvollziehbare Entwicklung.

Die Handlung ist temporeich, spannend und komplex, es gibt viele unerwartete Wendungen, gegen Ende waren mir die Twists fast etwas zu viel. Ich hätte mir außerdem mehr Informationen zum Drahtzieher des Komplotts gewünscht. Dennoch hat mich 'Sein Wille geschehe' sehr gut unterhalten, Andrew Bridgeman ist ein überzeugendes Debüt gelungen.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Spannend, bedrückend und tiefgründig

Himmelerdenblau
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Als sich das spurlose Verschwinden von Julie Novak zum 20. Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Keller Kontakt zu Julies Vater Theo auf, sie würde ihn gern interviewen und den Fall wieder ins Zentrum des ...

Als sich das spurlose Verschwinden von Julie Novak zum 20. Mal jährt, nimmt die Podcasterin Liv Keller Kontakt zu Julies Vater Theo auf, sie würde ihn gern interviewen und den Fall wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken. Theo leidet an Demenz und die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr schwierig. Je mehr Liv zum Verschwinden der damals 16jährigen Julie recherchiert, um so entschlossener versucht sie, den Fall aufzuklären.

Erzählt wird abwechselnd aus mehreren, überwiegend Ich-Perspektiven, wobei mich Theos Sicht sehr berührt hat, ich finde seine Erinnerungslücken und falschen Erinnerungen, die Suche nach Worten, seine Selbstbeobachtung, Verzweiflung und die Angst, seine verstorbene Frau und Julie zu vergessen, eigentlich alle Begleiterscheinungen seiner Demenz, sehr realitätsnah beschrieben, Romy Hausmann hat hier gründlich recherchiert und stellt den Demenzkranken überzeugend dar. Auch die anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und erscheinen authentisch. Es gelingt der Autorin, die psychischen Folgen eines so gravierenden Ereignisses wie das Verschwinden eines Kindes für alle Beteiligten psychologisch glaubwürdig darzustellen.
Romy Hausmanns Schreibstil ist fesselnd, wortgewandt und distanziert, weckt durch seine Genauigkeit dennoch Emotionen. Für mich war 'Himmelerdenblau' ein sehr intensives Leseerlebnis.
Die Autorin thematisiert neben Theos Demenz auch die Bedingungen in der Pflege und das rücksichtslose, auf Steigerung der Hörerzahlen angelegte Vorgehen von True-Crime-Podcastern, die sich der Konsequenzen für Betroffene entweder nicht bewusst sind oder denen die möglichen Folgen ihrer auch haltlosen Mutmaßungen egal sind.

Romy Hausmann lockt auf falsche Fährten, klärt Zusammenhänge erst spät und hat einen spannenden Thriller geschrieben. Ich fand manche Podcast-Kapitel, die nichts mit dem Fall der Familie Novak zu tun haben, überflüssig, sogar störend, und die Geheimnisse von zwei Charakteren werden am Ende geballt abgehandelt, was die Autorin vielleicht eleganter hätte lösen können.
Das blau-graue Cover mit dem Negativ eines Familienfotos und den verlaufenden Farben passt sehr gut zur atmosphärisch bedrückenden Geschichte. Der tiefgründige Thriller hat mir gut gefallen.

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