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Veröffentlicht am 12.03.2025

Beeindruckender Roman, der technische Entwicklungen weiter denkt und philosophische und gesellschaftliche Fragen stellt

Thanatopia
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Ende des 21. Jahrhunderts bestimmt das Holonet auch das Aussehen der realen Welt, der Mensch kann sich selbst und seine Umgebung so gestalten, wie es ihm gefällt und die Technologie des Mind Uploads in ...

Ende des 21. Jahrhunderts bestimmt das Holonet auch das Aussehen der realen Welt, der Mensch kann sich selbst und seine Umgebung so gestalten, wie es ihm gefällt und die Technologie des Mind Uploads in Klone bietet heute noch nicht vorstellbare Möglichkeiten. Ein Geheimnis bleibt vielleicht nur noch der Tod und das, was eventuell danach kommt.
Mit zwei identisch aussehenden Toten hat Kommissar Wenzel Landauer in Wien zu tun, die sich jedoch als Klone herausstellen, juristisch umstritten bleibt, ob eher Sachbeschädigung oder ein Tötungsdelikt vorliegt. Als die Besitzerin der Klone verschwindet und ein Mensch ermordet wird, stellt Landauer doch Ermittlungen an und stößt auf die Gruppe der Deather, die technologisch bestens ausgestattet den Moment des Todes und was vielleicht danach passieren mag, erforschen.

Der Hologrammatica-Weltenbau ist wohl durchdacht, so plausibel wie erschreckend. Durch eine Virusinfektion ist die Menschheit um die Hälfte geschrumpft, Dürren und hohe Temperaturen in Folge der Klimakatastrophe haben zum Exodus aus europäischen Metropolen geführt, Grönland und Sibirien sind nun angesagte Wohngebiete.
Die Figurenzeichnung und die Entwicklung der Charaktere ist gelungen, die Protagonisten haben Tiefe und besonders Wenzel, der immer noch um seine verstorbene Frau trauert und die gemeinsame Tochter allein groß gezogen hat und Sahana, gläubige Physikerin mit konsequenter theologischer und wissenschaftlicher Meinung, finde ich überzeugend dargestellt, mit beiden kann ich mich identifizieren.

Neben Wenzels gibt es weitere, wechselnde Erzählperspektiven, auch Galahad Singh und Fran Bittner gehören zu den Protagonisten und sind aus den Vorgängerbänden bekannt. Es gibt Verweise auf Geschehen in den anderen Hologrammatica-Bänden und es ist sicher empfehlenswert, zumindest einen bereits gelesen zu haben.
Nach Zwischenfällen 2048 und 2088 mit der außer Kontrolle geratenen Klima-KI Æther ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz streng kontrolliert und begrenzt. Es scheint jedoch eine weitere Kopie von Æther in einem Qube zu geben, die nicht nur von UN-Behörden, sondern auch von der KI selbst aus einem weit entfernten Asteroidengürtel des Sonnensystems aus gesucht wird. Æther nennt sich jetzt Nemo und hat laut eigener Aussage inzwischen das Descartes-Problem gelöst (das besagt, dass Menschen mit einem digitalen Gehirn nach 30 Tagen in ihren Stammkörper zurück müssen, um zu überleben) und könnte den Menschen Unsterblichkeit ermöglichen.

Tom Hillenbrand schreibt bildhaft und fokussiert, alles ist wichtig, es gibt keine überflüssigen Details und das Lesen erfordert Konzentration. 'Thanatopia' ist ein düsterer, komplexer, durchgehend spannender und einfallsreicher Thriller, der philosophische und gesellschaftskritische Fragen stellt und mögliche technologische Entwicklungen weiter denkt. Ein umfangreiches Glossar am Ende des Buchs erweist sich als hilfreich.
Mir hat 'Thanatopia' sehr gut gefallen und mir ein an- und aufregendes Lesevergnügen bereitet. Ich hoffe, es wird einen weiteren Band aus der Welt der Hologrammatica geben, ich würde gern mehr über die Hardlights, ihre Fähigkeiten und den Lichtdom erfahren.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Spannend und tiefgründig, ein überzeugender Science Fiction-Roman

Lyneham
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An seinem 12. Geburtstag landen Henry, seine Geschwister und sein Vater auf Perm, einem Mond in einem weit entfernten Sonnensystem. Seine Mutter Mildred ist Wissenschaftlerin und kommt mit einem anderen ...

An seinem 12. Geburtstag landen Henry, seine Geschwister und sein Vater auf Perm, einem Mond in einem weit entfernten Sonnensystem. Seine Mutter Mildred ist Wissenschaftlerin und kommt mit einem anderen Raumschiff. Entgegen der Erwartungen ist Perms Terraforming nicht abgeschlossen und nur die bisher errichteten Biome bieten Sicherheit auf dem unwirtlichen Mond.

Es gibt zwei Handlungsebenen, Henry erzählt vom Alltag im Biom, wobei es auch humorvolle Gespräche und Situationen gibt, während Mildred nüchtern von ihren Forschungen zum Leben auf Perm und seine faszinierende Andersartigkeit im Vergleich zur Erde berichtet und die zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Besiedlung immer besser erkennt, sie beschreibt Gefahren sowohl für Menschen als auch für die Lebewesen auf dem Mond.

Nils Westerboer schreibt lebendig, bildhaft und anschaulich, auch Mildreds wissenschaftlichen Ausführungen kann ich gut folgen, ihre Überlegungen und Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar, der Autor entwirft hier kreativ und ideenreich eine erstaunliche, andersartige, überzeugende Welt. Hilfreich, besonders in Hinblick auf auch verwirrende Namen, sind die Karten von Perm innen auf den Umschlagklappen. Ein Glossar am Ende des Buchs hat mir teilweise überraschende Sichtweisen auf bekannte Begriffe eröffnet. Das düstere, schöne Cover gefällt mir und vermittelt einen passenden Eindruck von Fremde und Verloren sein.

Die Figurenzeichnung ist gelungen, besonders die Kinder finde ich authentisch beschrieben, aber auch Mildred mit ihrem analytischen, zielgerichteten Verstand ist glaubwürdig. Die spannende Handlung überrascht mit unerwarteten Wendungen. Schon im unterhaltsamen, klugen und informativem Prolog lässt Nils Westerboer Mildred erörtern, wie sinnvoll eine extraterrestrische Ansiedlung der Menschheit ist und am Ende des wohldurchdachten Romans hat der Autor auch ethische Fragen aufgeworfen, die mich weiter beschäftigen.
Mir hat 'Lyneham' sehr gut gefallen und ich kann das Buch Lesern von tiefgründiger Science Fiction uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Wie ein Feldhase das Leben einer Frau verändert

Hase und ich
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Chloe Dalton, engagierte Politik-Beraterin, zieht sich während des Corona-Lockdowns in ihr Haus auf dem Land zurück und findet ein verwaistes Hasenjunges. Trotz ihrer anfänglichen Bedenken und fehlender ...

Chloe Dalton, engagierte Politik-Beraterin, zieht sich während des Corona-Lockdowns in ihr Haus auf dem Land zurück und findet ein verwaistes Hasenjunges. Trotz ihrer anfänglichen Bedenken und fehlender Erfahrung beschließt sie, das Tier zu Hause zu versorgen, es aufzuziehen und später in die Freiheit zu entlassen.

Chloe findet keine Informationen über die Aufzucht von Hasen, so tastet sie sich behutsam an den Umgang mit dem Feldhasen heran und allmählich entsteht ein Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Wildtier, zu Hases Bedingungen, wie die Autorin schreibt.

Chloe Dalton erzählt in der Ich-Perspektive lebendig und anschaulich von ihrem Leben mit Hase und beschreibt sowohl das Tier als auch die umgebende Natur bildhaft und teilweise poetisch, und immer genauer mit zunehmender Faszination und wachsenden Kenntnissen. Chloe fühlt nun, ganz anders als früher, eine intensive Verbindung zur Tierwelt um sie herum und es entsteht ein neues, erweitertes Verständnis der Natur.

Neben der berührenden wie unterhaltsamen Beschreibung ihres Lebens mit dem ungewöhnlichen Mitbewohner, teilt die Autorin Wissen über die Biologie der Hasen, die Jagd auf sie, erzählt von Mythen und Aberglauben, schreibt über die zunehmende Zerstörung von tierischem und pflanzlichem Lebensraum durch menschliche Infrastruktur und intensive Landwirtschaft. Sie verändert ihren Garten, lässt Brennnesseln stehen, macht aus einem vertrockneten Schlammloch wieder einen Teich und pflanzt eine neue Hecke.

Hase hat das Leben der Autorin verändert, sie Geduld und Ruhe gelehrt und zu einer Neubewertung und dem Verschieben von Prioritäten geführt. Chloes Dankbarkeit für die Zeit mit Hase wird in dem Buch sehr deutlich und ich habe es mit Freude gelesen.

Das grüne Cover mit der Illustration eines Hasen ist passend gewählt und auch jedes Kapitel wird mit einer der zarten, realitätsgetreuen Zeichnungen von Denise Nestor eingeleitet, die Hase von klein auf bis zum erwachsenen Muttertier zeigen.

Veröffentlicht am 27.02.2025

Lieber Stralsund als New York?

Stralsund ermittelt - Falsche Koffer lügen nicht
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Mir haben die Voraussetzungen gefallen, von denen die Geschichte ausgeht. Nele Silber kehrt New York nach 15 Jahren der Liebe wegen den Rücken und zieht nach Stralsund. Doch schon am Flughafen bei der ...

Mir haben die Voraussetzungen gefallen, von denen die Geschichte ausgeht. Nele Silber kehrt New York nach 15 Jahren der Liebe wegen den Rücken und zieht nach Stralsund. Doch schon am Flughafen bei der Ankunft gesteht Peter ihr, dass er sich unsterblich in Friedhelm verliebt hat und Nele findet sich einsam und allein in der online gekauften Jugendstilvilla am Knieperteich wieder. Nele ist Psychologin und kann zwar ihre Gefühle der Trauer, Enttäuschung und Wut analysieren, aber was hilft das, die Gefühle sind da.

Für Ablenkung sorgen Hektor, der Gärtner, den Nele mit dem Haus übernommen hat, und Fanny, die die ahnungslose Nele darüber aufklärt, warum oft Fremde vor der Villa stehen, wurden hier doch sechs Staffeln der erfolgreichen TV-Serie 'Stralsund ermittelt' um Detektiv Weingold gedreht. Als die Theaterschauspielerin Laura, die natürlich vergeblich versucht hat, die Detektei Weingold zu beauftragen, einige Tage später ermordet aufgefunden wird, fühlt Nele sich verpflichtet, dem Fall nachzugehen.

Fanny, Nele und Hektor werden zum Team Weingold und Hektors unauffällige Achtsamkeit, Fannys IT-Können und Neles analytische Fähigkeiten helfen, aus kleinen Anhaltspunkten erste Schlüsse zu ziehen. Dabei entstehen immer wieder Szenen voller Situationskomik und unterhaltsame Gespräche. Durch Rückblicke in die Vergangenheit der drei liebenswerten Protagonisten bekommen die Charaktere Tiefe und Glaubwürdigkeit. Dazu trägt auch Annabel Ravens einfühlsamer Schreibstil bei. Die Autorin schreibt lebendig und bildhaft, ich trinke mit Nele zusammen eine Limonade am Strand und erlebe sie beim Beachvolleyball. Wenn Nele New York und Stralsund vergleicht, hat die Kleinstadt am Strelasund immer die Nase vorn, trotzdem kann Nele sich nicht entscheiden, wo sie in Zukunft leben will. Das Setting und die vielen interessanten Figuren haben mir gefallen, vermisst habe ich etwas mehr Stralsunder Lokalkolorit.

Die Perspektivwechsel haben meinen Lesefluss häufig eher unterbrochen als die Spannung gesteigert und es wurden einige Fragen nicht beantwortet, dazu kommt es hoffentlich in einem Folgeband. Insgesamt hat mich 'Stralsund ermittelt – Falsche Koffer lügen nicht' mit seinem schönen, passenden Cover gut unterhalten und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Nele, Hektor und Fanny.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Eine bewegende Lebens- und Liebesgeschichte

Für Polina
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Hannes hat eine wunderbare Kindheit in der Villa im Moor, oft kommt Polina mit ihrer Mutter zu Besuch. Die Kinder wurden am gleichen Tag geboren und seitdem sind auch die beiden unkonventionellen Mütter ...

Hannes hat eine wunderbare Kindheit in der Villa im Moor, oft kommt Polina mit ihrer Mutter zu Besuch. Die Kinder wurden am gleichen Tag geboren und seitdem sind auch die beiden unkonventionellen Mütter befreundet. Polina ist quirlig und an allem interessiert, während Hannes vorsichtig in die Welt hinein lauscht und vom Hören fasziniert ist, nach außen hin erscheint er ruhig und schwerfällig. Hannes kann nicht anders, als Menschen und Gefühle in Musik zu übersetzen und so komponiert er mit 14 eine Sonate für Polina, die nicht nur seine Liebe zu ihr ausdrückt, sondern ihr ganzes Wesen beschreibt.
Doch als Hannes' Mutter stirbt, muss Hannes das Moor verlassen, auch die Musik und Polina verschwinden aus Hannes Leben. Seine Trauer um die Mutter lähmt ihn jahrelang, bis er beschließt, Polina wieder zu finden.

Takis Würger schreibt lebendig, klar und nüchtern, dennoch sehr einfühlsam. Seine Figuren haben Ecken und Kanten und haben alle ihr Päckchen zu tragen. Die Charaktere sind vielschichtig, authentisch und berühren. Ich habe mich für Hannes gefreut, dass er in der Kindheit den knorrigen Herrn Hildebrand an seiner Seite und später im starken Kollegen Bosch einen guten Freund gefunden hat. Auch die Nebenfiguren sind glaubwürdig und interessant. Der Autor ist seinen Charakteren zugewandt und es gelingt ihm, den Leser in diese Nähe einzubeziehen.
Takis Würger erschafft wunderschöne, intensive, auch humorvolle Bilder, wenn er Hannes Leben beschreibt und auch, was ich über klassische Musik und den Klavierbau erfahre, habe ich gern gelesen.
'Für Polina' mit dem Diogenes-typischen, passenden Cover ist eine mitreißende und bewegende Lebens- und Liebesgeschichte und hat mir sehr gut gefallen. Ich empfehle das Buch Lesern mit Interesse an einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte und an Musik.

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