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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2026

Ein Buch, das vielleicht schon bald von der Wirklichkeit überholt sein wird

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Ungewöhnliche Naturereignisse häufen sich. Es gibt Menschen, die diese Zeichen ernst nehmen und nach Lösungen suchen. Viele, die gleichgültig sind, die keine Veränderungen wollen. Und solche, die in allem ...

Ungewöhnliche Naturereignisse häufen sich. Es gibt Menschen, die diese Zeichen ernst nehmen und nach Lösungen suchen. Viele, die gleichgültig sind, die keine Veränderungen wollen. Und solche, die in allem nur Profitchancen sehen und dafür jede Skrupel über Bord werfen.
Marc Elsberg zeigt in seinem Thriller „Exit - Wenn das Sterben beginnt“ auf, was eigentlich schon überall und ständig stattfindet. Viel dramatisieren muss er nicht, nur fiktiv das fortführen, was er heute vorfindet. Visionär ist der aussterbende Pinguin nicht, der hat es bereits in die Tagesnachrichten geschafft.
Dazu versucht Elsberg, eine Handlung einzubauen, die das Ganze spannend macht.
Letzteres gelingt ihm nur mittelmäßig. Die sich allzu häufig wiederholenden Informationen zu Bodenerosionen, Planktonsterben und resultierenden Preissteigerungen und Lebensmittelverknappungen ermüden zunehmend. Die unterschiedlichen Interessengruppen sind etwas schablonenhaft aufgestellt, jeweils durch entsprechend undifferenzierte Charaktere vertreten. Probleme und Konflikte sind ziemlich vorhersehbar.
Der Schreibstil wirkt einfach. Die sehr kurzen Kapiteln unterstützen das Gefühl von Hektik und Zeitknappheit. Das will über 750 Seiten ausgehalten werden.
Lesenswert ist das Buch vor allem seiner Intention wegen: Es ist deutlich zu spüren, dass hier mit Herzblut gearbeitet wurde. Dass es um mehr geht als um bloßes Schreiben. Die hervorragende Recherchearbeit muss erwähnt werden, auch ist das Anliegen des Auf- und Wachrüttelns ehrenwert. Es wäre zu wünschen, dass LeserInnen motiviert werden, eigene Gewohnheiten zu hinterfragen, eventuell anzupassen und somit die Welt ein kleines Bisschen besser zu machen.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Ganz schön gruselig

Gespensterjäger auf eisiger Spur (Band 1) - Mit 8 neu illustrierten Farbseiten
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Der Junge Tom hat Angst vor dem dunklen Keller des Mehrfamilienhauses, in dem er mit seinen Eltern und der älteren Schwester Lola wohnt. Wenn seine Mutter ihn hinunterschickt, um etwas aus dem Vorrat hochzuholen, ...

Der Junge Tom hat Angst vor dem dunklen Keller des Mehrfamilienhauses, in dem er mit seinen Eltern und der älteren Schwester Lola wohnt. Wenn seine Mutter ihn hinunterschickt, um etwas aus dem Vorrat hochzuholen, muss er sich mit aller Kraft überwinden. Doch als ihm eines Tages dort ein weiß-grünliches Gespenst begegnet, das klebrigen Schleim absondert und ihm seine kalten Finger um den Hals legt, verfällt er in heillose Panik. Niemand außer seiner Großmutter glaubt ihm. Und die hat vielleicht sogar eine Lösung.
Cornelia Funke hat diese Geschichte schon 1993 geschrieben. Die nun erschienene Neuauflage ist recht gruselig illustriert von Franziska Blinde.
Es ist deutlich zu spüren: Der Zeitgeist war in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts ein anderer als heute. Die Erwachsenen gehen recht unsensibel mit ihrem Sprössling um, die Beziehung zur Schwester erscheint nahezu feindselig. Und für die Beschreibungen der übersinnlichen Begegnungen sind starke Nerven hilfreich.
Auch der Schreibstil wirkt leicht veraltet, das hat aber durchaus seinen Reiz und ist äußerst vorlesegeeignet. Wenn Gespenst Hugo seinen Sprechfehler konsequent durchzieht, haben sicher viele jungen Leser und Zuhörerinnen ihren Spaß. Auch das Verzeichnis der Gespensterjäger-Abkürzungen am Ende offenbart die Freude, die die Autorin an der Sprachvermittlung hat.
Natürlich gelingt es Tom, seine Angst zu überwinden, und entwickelt sich damit zu einem kleinen Helden. Er macht vor, wie man über sich selbst hinauswachsen und dadurch Selbstvertrauen gewinnen kann. Und am Schluss teilt man ihm die Schadenfreude über einen besonderen Triumph: Die Schwester, die ihn so gerne drangsaliert und verhöhnt hat, wird auf Grund eines ganz besonderen Erlebnissen ganz kleinlaut.
Dieser erste Band der Reihe „Gespensterjäger“ mag eine feste Größe in der Kinderliteratur erlangt haben, doch sollte man das Kind kennen, dem man es in die Hand drückt oder vorliest, und versuchen einzuschätzen, ob es den Inhalt gut wird verarbeiten können.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Sehr atmosphärisch mit Gruselfaktor und Kälteschauer

Knochenkälte
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Der forensische Anthropologe Dr. David Hunter strandet nach einer Irrfahrt in einer stürmischen Winternacht in einer kleinen, entlegenen Ortschaft in den Cumbrian Mountains. Am nächsten Tag stellt sich ...

Der forensische Anthropologe Dr. David Hunter strandet nach einer Irrfahrt in einer stürmischen Winternacht in einer kleinen, entlegenen Ortschaft in den Cumbrian Mountains. Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass das Dorf durch einen Erdrutsch von der Umwelt abgeschnitten ist.
Dieses Setting ist ein wunderbarer Nährboden für eine Handlung, die in düsterer, klaustrophobischer Umgebung stattfindet. Im Dorf herrscht eine misstrauische, gereizte Stimmung, geprägt durch gegenseitige Feindseligkeit und die Herrschaft eines alten Patriarchen.
Simon Beckett lässt seinen Helden im siebten Teil der Reihe ziemlich allein, zudem in einer mehr als misslichen Lage. Als der bei der Suche nach Handyempfang auf ein vom Sturm zutage gebrachtes Skelett stößt, findet er sich in der unfreiwilligen Rolle des Ermittlers wieder. Seine spezielle Ausbildung hilft ihm nur bedingt weiter. Unterstützung gibt es nicht. Die Menschen verhalten sich abweisend.
Der Roman besticht durch lange und intensive Beschreibungen von Landschaft, Wetter und Natur. Das Sich-Verloren-Fühlen, die Kälte, die Ausweglosigkeit der Lage, all das geht Hand in Hand einher und ist unterlegt mit einer Spannung, die spürbar, aber kaum greifbar ist und der man sich nicht entziehen kann.
Die Personen wirken sämtlich von Geheimnissen der Vergangenheit bestimmt und dem Wunsch, Dinge verbergen zu wollen.
Obwohl die Geschichte absolut fesselnd geschrieben ist, könnten Leser, die nackten Thrill erwarten, enttäuscht sein. Hier kommt die Spannung auf leisen Sohlen, bereitet gründlich vor auf eine äußerst komplexe Story, die Überraschungen bereit hält, sicher für die einen mehr, für die anderen weniger. Denn manches lässt sich durch aufmerksames Lesen erahnen.
Dass auch scheinbare Nebensächlichkeiten sich immer in den Gesamtzusammenhang fügen, jeweils ein Steinchen im großen Mosaik bilden, zeugt von routinierter und akribischer Arbeit des Autors.
Dieses Buch ist ein Leckerbissen für Fans atmosphärischer Beschreibungen mit leichtem Gruselfaktor und anspruchsvoller Konstruktionen und kann übrigens problemlos ohne Vorkenntnis der Vorgängerbände gelesen werden.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Sensibel und warmherzig

Der Tag, an dem Barbara starb
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Barbara war mehr als nur Margarets Nachbarin: Sie war auch ihre Freundin. Kurz vor ihrem gewaltsamen Tod vertraute sie ihr ein Geheimnis an und nahm ihr ein Versprechen ab. Nur dumm, dass Margaret sich ...

Barbara war mehr als nur Margarets Nachbarin: Sie war auch ihre Freundin. Kurz vor ihrem gewaltsamen Tod vertraute sie ihr ein Geheimnis an und nahm ihr ein Versprechen ab. Nur dumm, dass Margaret sich so gar nicht mehr erinnern kann, um was es eigentlich ging. Denn sie leidet unter fortschreitender Demenz.
Wie der Autor Richard Hooton diese Thematik mit einem Kriminalfall verknüpft, ist sehr besonders und deutet auf Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen hin. Er weiß Symptome der Krankheit erschütternd glaubhaft darzustellen, ohne der Protagonistin ihre Würde zu nehmen. Es gelingt ihm aber ebenso, die Schwäche seiner Heldin als Bestandteil der Konstruktion zu nutzen. Und Margaret, bei der zwar das Gedächtnis nicht mehr verlässlich funktioniert, der Verstand aber noch sehr wohl, gelingt es mitunter, das Bild, das andere sich von ihr machen, in ihrem Sinne einzusetzen.
Zum Glück steht ihr der innig geliebte Enkel James zur Seite. Er ist seiner Großmutter von Herzen zugetan. Mit seinen fünfzehn Jahren kann er einiges kompensieren: Fitness, technisches Verständnis, Erinnerungsvermögen. Vor allem aber glaubt er an seine Granny, ermuntert und ermutigt sie, während der Rest der Familie sich einfach nur ständig Sorgen um sie macht - durchaus zu Recht - und den Ermittlungen der beiden mehr als kritisch gegenüber steht.
Zum Krankheitsbild gehört es vermutlich dazu: die ständige Rückbesinnung auf den verstorbenen Partner. Albert, so hieß er, ist ständig präsent. All die schönen Momente, die wertvollen Erinnerungen, oftmals die Überzeugung, den Geliebten noch lebend neben sich zu wissen, teilt die Ich-Erzählerin mit uns. Leider sehr, sehr ausgiebig. Auch wenn es authentisch sein mag, so strengt es doch auch an. Und gerät manchmal hart an die Grenze zum Kitschigen.
Auf jeden Fall ist die Story ungewöhnlich, übrigens auch sehr britisch, und sie zu schreiben forderte neben allem anderen sicher auch eine gute Portion Mut. Bleibt zu hoffen, dass dem ersten Fall von Margaret Winterbottom und ihrem Enkel weitere folgen werden.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Sensibel und warmherzig

Der Tag, an dem Barbara starb
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Barbara war mehr als nur Margarets Nachbarin: Sie war auch ihre Freundin. Kurz vor ihrem gewaltsamen Tod vertraute sie ihr ein Geheimnis an und nahm ihr ein Versprechen ab. Nur dumm, dass Margaret sich ...

Barbara war mehr als nur Margarets Nachbarin: Sie war auch ihre Freundin. Kurz vor ihrem gewaltsamen Tod vertraute sie ihr ein Geheimnis an und nahm ihr ein Versprechen ab. Nur dumm, dass Margaret sich so gar nicht mehr erinnern kann, um was es eigentlich ging. Denn sie leidet unter fortschreitender Demenz.
Wie der Autor Richard Hooton diese Thematik mit einem Kriminalfall verknüpft, ist sehr besonders und deutet auf Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen hin. Er weiß Symptome der Krankheit erschütternd glaubhaft darzustellen, ohne der Protagonistin ihre Würde zu nehmen. Es gelingt ihm aber ebenso, die Schwäche seiner Heldin als Bestandteil der Konstruktion zu nutzen. Und Margaret, bei der zwar das Gedächtnis nicht mehr verlässlich funktioniert, der Verstand aber noch sehr wohl, gelingt es mitunter, das Bild, das andere sich von ihr machen, in ihrem Sinne einzusetzen.
Zum Glück steht ihr der innig geliebte Enkel James zur Seite. Er ist seiner Großmutter von Herzen zugetan. Mit seinen fünfzehn Jahren kann er einiges kompensieren: Fitness, technisches Verständnis, Erinnerungsvermögen. Vor allem aber glaubt er an seine Granny, ermuntert und ermutigt sie, während der Rest der Familie sich einfach nur ständig Sorgen um sie macht - durchaus zu Recht - und den Ermittlungen der beiden mehr als kritisch gegenüber steht.
Zum Krankheitsbild gehört es vermutlich dazu: die ständige Rückbesinnung auf den verstorbenen Partner. Albert, so hieß er, ist ständig präsent. All die schönen Momente, die wertvollen Erinnerungen, oftmals die Überzeugung, den Geliebten noch lebend neben sich zu wissen, teilt die Ich-Erzählerin mit uns. Leider sehr, sehr ausgiebig. Auch wenn es authentisch sein mag, so strengt es doch auch an. Und gerät manchmal hart an die Grenze zum Kitschigen.
Auf jeden Fall ist die Story ungewöhnlich, übrigens auch sehr britisch, und sie zu schreiben forderte neben allem anderen sicher auch eine gute Portion Mut. Bleibt zu hoffen, dass dem ersten Fall von Margaret Winterbottom und ihrem Enkel weitere folgen werden.

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