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Veröffentlicht am 01.11.2022

Eine klare Empfehlung für frankophile Leser

Connemara
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Eine moderne Madame Bovary, die ihre Fesseln abstreift ... so wurde dieser Roman angekündigt.
Im Mittelpunkt steht die fast vierzigjährige Hélène, die die Dinge hat, von denen viele andere Menschen träumen: ...

Eine moderne Madame Bovary, die ihre Fesseln abstreift ... so wurde dieser Roman angekündigt.
Im Mittelpunkt steht die fast vierzigjährige Hélène, die die Dinge hat, von denen viele andere Menschen träumen: Karriere, Mann, Kinder, Haus ... Sie hat ihren Geburtsort, ihre Herkunft hinter sich gelassen, ist gesellschaftlich aufgestiegen - doch glücklich ist sie noch immer nicht. Sie liebt ihren Mann nicht, sie wird von Depressionen geplagt ... da trifft sie Christophe wieder, in den sie in ihrer Jugend sehr verliebt war. Mit ihm entflieht sie ihrer Realität ... doch ob es für diese beiden Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eine Zukunft geben kann?

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Um eine moderne Madame Bovary sollte es sich hier handeln - das klang sehr vielversprechend, und so wollte ich "Connemara" unbedingt lesen.
Rückblickend muss ich leider sagen, dass mich dieser Roman nicht annähernd so sehr wie Flauberts Werk fesseln und begeistern konnte.
"Connemara" besticht vor allem durch Nicolas Mathieu´s Stil, denn sprachlich ist "Connemara" wirklich herausragend und absolut lesenswert.
Leider weist dieser Roman, der abwechselnd aus Sicht von Hélène und Christophe sowie abwechselnd aus der Gegenwart und aus der Vergangenheit heraus erzählt wird, aber auch deutliche Längen auf. So hätte Hélènes Erzählstrang etwa und vor allem bezüglich ihres Berufes deutlich gestrafft werden können. Vieles davon hat mich überhaupt nicht interessiert. Und auch Christophes Leben erzählt Nicolas Mathieu viel zu langatmig und er verliert sich auch hier in allzu vielen unbedeutenden Details. Auch hier hat mich vieles einfach nicht interessiert. Das führte bei mir dazu, dass ich "Connemara" immer wieder als ziemlich anstrengend empfand und immer wieder Pausen einlegen musste.
Auch der Aufbau des Romans insgesamt hat mich nicht so recht überzeugt: Während bis auf das Ende oftmals alles viel zu viel Raum einnimmt, kommt dieses Ende viel zu abrupt. Wenn Nicolas Mathieu dem Ende auch nur annähernd so viel Raum gegeben hätte wie dem Rest, dann wäre das Verhältnis noch irgendwie ausgewogen gewesen. Aber so kommt dieses Ende viel zu plötzlich, wird viel zu schnell abgehandelt, lässt den Leser dadurch völlig unbefriedigt zurück.
Christophe blieb für mich als Frau distanziert und blass, doch Hélène gefiel mir als Figur ziemlich gut. Viele Leserinnen werden sich sehr gut mit ihr identifizieren können.
Fazit: Ein Roman, der zwar Längen aufweist und inhaltlich nicht komplett fesseln, begeistern und überzeugen kann, der aber wichtige und aktuelle Themen aufgreift und sprachlich brillant ist. Vor allem frankophile Leser werden Freude an diesem Roman haben.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Tolle Idee, durchwachsene Umsetzung

The Witches of Silent Creek 1: Unendliche Macht
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Nach dem jeweils mysteriösen Tod ihrer Eltern zieht Helena nach Silent Creek, einem kleinen Ort an der schottischen Küste, um bei ihrem Großvater zu leben und zu studieren. Schon bald nach ihrer Ankunft ...

Nach dem jeweils mysteriösen Tod ihrer Eltern zieht Helena nach Silent Creek, einem kleinen Ort an der schottischen Küste, um bei ihrem Großvater zu leben und zu studieren. Schon bald nach ihrer Ankunft merkt Helena, dass in Silent Creek dunkle Mächte am Werk sind Da ist nicht nur der düstere Tyrael Burnett, da ist noch viel mehr - und schnell merkt Helena, dass diese dunklen Mächte nicht nur existieren und die Menschen bedrohen, sondern dass sie selbst ein Teil davon sein könnte ...


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Bei "The Witches of Silent Creek - Unendliche Macht" handelt es sich um Ayla Dade´s Romantasy-Debüt. Der Klappentext klang großartig, nach der perfekten Lektüre für Herbstabende, und so war ich sehr gespannt auf diesen Auftakt einer Dilogie. Leider lässt mich das Werk nach der Lektüre aber auch enttäuscht, zwiegespalten und verwirrt zurück ...


Ayla Dade´s Stil gefiel mir auf Anhieb sehr - er lässt sich stets angenehm und flüssig lesen, ist sehr atmosphärisch. Die düstere, mysteriöse, gefahrvolle, auch magische Stimmung, die in Silent Creek herrscht, ist von der ersten bis zur letzten Seite vorhanden und kommt auch ungefiltert beim Leser an. Für mich persönlich besticht "The Witches of Silent Creek" vor allem durch diese Atmosphäre sowie überhaupt durch diese Kulisse. Das war für mich das Highlight dieser Geschichte.


Auch die zarten Gefühle, das Prickeln gerade zwischen Helena und Tyrael, sowie der Humor der Geschichte haben mir grundsätzlich sehr gut gefallen.


Leider gab es auch die ein oder andere Szene mit Ekelfaktor sowie eine Sexszene, die einfach too much war. Ich konnte sie einfach nicht ernst nehmen, musste wirklich lachen und mich fremdschämen. Solche Stellen wirkten leider wie Fremdkörper in der Geschichte, die das Leseerlebnis und den Eindruck, den dieses Buch bei mir hinterlassen haben, geschmälert haben. Das gilt leider immer wieder auch für das Vokabular. Und leider gibt es in diesem Buch auch massenweise Klischees ...


Erzählt wird die Geschichte in stetem Wechsel aus der Sicht einiger Protagonisten. Das sorgt zwar einerseits für eine große Sogwirkung und einen entsprechenden Lesefluss, hat aber andererseits den Nachteil, dass es immer wieder große Sprünge gibt und man kaum den Überblick behalten kann. Das wird leider noch schlimmer dadurch, dass die Autorin sehr viele Dinge nur anreißt, aber nicht weiter- bzw. zu Ende führt.


Auch wurde bisher kaum eine offene Frage geklärt, sondern der Leser steht nach Abschluss dieses ersten Bandes mit so vielen offenen Fragen da, dass er auch hierüber kaum den Überblick behalten kann.


All diese Dinge werden es sehr schwer machen, mit Band 2 nicht komplett überfordert zu sein - und ob dort wirklich alle offenen Fragen geklärt werden oder es an dessen Ende nicht noch mehr offene Fragen und auch Fragezeichen im Kopf des Lesers gibt, das ist die große Frage ...


Dennoch bin ich - nicht zuletzt dank dieses Cliffhangers - gespannt darauf, wie das alles weitergeht und endet, sodass ich auch den 2. Band lesen werde.


Fazit: Romantasy, die perfekt in den Herbst passt, durch eine tolle Atmosphäre und Kulisse besticht, leider aber auch einige Schwächen aufweist ...

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Eine außergewöhnliche Frau

Die Forscherin. Prinzessin Therese und der Ruf des Amazonas
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Therese von Bayern war eine äußerst bemerkenswerte Frau: höchst intelligent, erfrischend anders, ihrer Zeit weit voraus.

Sie musste lernen, Schicksalsschläge zu verkraften. Eine Prinzessin wollte sie ...

Therese von Bayern war eine äußerst bemerkenswerte Frau: höchst intelligent, erfrischend anders, ihrer Zeit weit voraus.

Sie musste lernen, Schicksalsschläge zu verkraften. Eine Prinzessin wollte sie nie sein, sondern viel lieber reisen, forschen, wissenschaftliche Arbeiten verfassen. Sie liebte vor allem die Botanik und die Zoologie. Im Jahre 1888 erfüllte sie sich ihren großen Traum, reiste nach Brasilien und erforschte den tropischen Regenwald.

In ihrem Roman lässt Katharina Innig Therese und ihre Reise wieder lebendig werden. Sie schreibt extrem atmosphärisch und bildhaft, sodass der Leser das Gefühl hat, mit Therese zu reisen und selbst im Regenwald zu sein.

Dadurch, dass wir uns in einem zweiten Erzählstrang in den Jahren 1924 und 1925 befinden und Therese selbst auf ihr Leben zurückblickt, lernt man Therese noch besser kennen und erfährt neue, andere Details und Facetten. Ein ebenfalls sehr gutes und lesenswertes Nachwort der Autorin rundet das Werk ab.

"Die Forscherin" ist ein Roman, den man sehr gerne liest; der es verdient gelesen zu werden; in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, die keinesfalls in Vergessenheit geraten sollte. Nach dem Ende der Lektüre hat man einen guten, vollständigen Eindruck vom Leben dieser Frau bekommen; dennoch möchte man noch mehr sehen und lesen. Wie gut, dass man das heutzutage problemlos tun kann, findet sich doch bspw. beim Projekt Gutenberg ihr Reisebericht mit Bildern.

Fazit: Ein sehr empfehlenswerter Roman für alle Leser, die historische Romane mit exotischem Schauplatz lieben, die sich für Naturwissenschaften interessieren und/oder einfach eine außergewöhnliche Frau (wieder-)entdecken möchten!

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Veröffentlicht am 04.10.2022

Teils großartig, teils sehr langatmig ...

Violeta
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In ihrem neuesten Roman "Violeta" erzählt Isabel Allende das bewegte hundertjährige Leben von Violeta del Valle; dies geschieht, indem Violeta einen Brief an ihren Enkel schreibt, der mit ihrer Geburt ...

In ihrem neuesten Roman "Violeta" erzählt Isabel Allende das bewegte hundertjährige Leben von Violeta del Valle; dies geschieht, indem Violeta einen Brief an ihren Enkel schreibt, der mit ihrer Geburt während der Grippepandemie im Jahre 1920 beginnt und mit ihrem letzten Atemzug zu Beginn der Coronapandemie im Jahre 2020 endet.
Natürlich geht es hauptsächlich um Violeta, um ihr Leben, um die Menschen, die sie umgaben. Doch auch in historischer und politischer Hinsicht erfahren wir von Anfang bis Ende sehr viel.
"Violeta" besticht vor allem durch den Stil, denn Isabel Allende kann einfach großartig schreiben. Man kann in ihren Worten, in ihren Sätzen schwelgen.
Der Inhalt an sich lässt mich leider zwiegespalten zurück - teilweise fand ich ihn sehr spannend und fesselnd, sodass ich ihn sehr gerne gelesen habe, teilweise empfand ich ihn als sehr langweilig und langatmig.
Stellenweise habe ich auch die Tiefe vermisst.
Als die letzte Seite gelesen war, wusste ich nicht, ob die Lesezeit nicht verschwendet war, ob ich sie nicht besser in ein anderes Buch investiert hätte. Letztlich kann man "Violeta" zwar lesen, aber man muss es sicher nicht.
Ich bleibe enttäuscht zurück, da es andere Werke aus der Feder von Isabel Allende gibt, die weitaus besser sind. "Violeta" konnte mich nicht fesseln und begeistern, und ich glaube leider auch nicht, dass dieser Roman lange nachklingen wird ...

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Wunderschöner Winter- und Weihnachtsroman!

Wintermeer und Bernsteinherzen
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Finja betätigt sich als Heilpraktikerin in Hamburg, doch ihre Praxis läuft mehr schlecht als recht. Da sie auf das Geld angewiesen ist, sagt sie zu, als ihre ehemalige Chefin sie damit beauftragt, ein ...

Finja betätigt sich als Heilpraktikerin in Hamburg, doch ihre Praxis läuft mehr schlecht als recht. Da sie auf das Geld angewiesen ist, sagt sie zu, als ihre ehemalige Chefin sie damit beauftragt, ein Objekt in St. Peter-Ording für einen berühmten und schwierigen Kunden zu finden. Sie entdeckt das alte Barnsteenhus, das sie sofort fasziniert - doch wem gehört es, was hat es mit diesem Haus auf sich? Die Sache erweist sich als schwieriger als gedacht. Und nicht nur deswegen will und muss Finja länger als geplant in St. Peter-Ording bleiben, sondern auch wegen Jesper, der ihr Herz aus dem Takt bringt, der Pferde, der Natur und der wundervollen Menschen dort ...

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Ich liebe die Romane aus der Feder von Tanja Janz, und auch "Wintermeer und Bernsteinherzen" konnte mich wieder absolut begeistern und verzaubern!

Der Stil lässt sich wunderbar flüssig und angenehm lesen, Tanja Janz schreibt zudem sehr atmosphärisch und bildhaft. Die Geschichte wird lebendig, auch die wundervollen Figuren, die Tanja Janz erschaffen hat und die man sofort ins Herz schließt. So ist man als Leser sofort in der Geschichte angekommen, ist mit Finja auf dem Reiterhof, steht mit ihr im MeerGlück, genießt mit ihr allerlei Leckereien, versucht mit ihr die Geheimnisse des Barnsteennhuses zu ergründen, gerät mit ihr ins Schwitzen, weil der schwierige Kunde einfach nicht locker lässt, hat mit ihr Herzklopfen und verliebt sich mit ihr in Jesper, genießt mit ihr den Zauber des Dezembers ...

Es ist eine wunderschöne, herzerwärmende Geschichte, eine herrliche Mischung aus Liebesgeschichte und Winter- und Weihnachtsroman, der schon jetzt die Vorfreude auf Weihnachten erhöht, der sich aber vielleicht noch perfekter lesen lässt im Advent, wenn es draußen schneit, während man sich in eine Wolldecke eingekuschelt hat und sich vielleicht vorher Weihnachtspunsch, Püttis Möhren-Gewürz-Milch und/oder Püttis Nusshörnchen, die sich zusammen mit ein paar weiteren Rezepten im Anhang finden, zubereitet hat, sodass man sie während der Lektüre genießen kann. Auch gibt "Wintermeer und Bernsteinherzen" wertvolle Denkanstöße und vermittelt wundervolle und wichtige Botschaften.

Mir hat dieser Roman traumhafte Lesestunden geschenkt; ich hätte ewig weiterlesen und diese Geschichte leben und erleben können und freue mich schon jetzt auf Tanja Janz´ nächsten Winter- und Weihnachtsroman. Absolute Empfehlung für alle, die noch auf der Suche nach tollem Lesestoff für den Advent sind!

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