Selbstbestimmtheit
Vielleicht ist die Liebe soDie Mutter ist dominant, manipulierend, egomanisch, narzisstisch. Nun will sie auch noch im Rahmen ihrer Selbstbestimmtheit ihren Todeszeitpunkt festlegen, bevor sie alt, dement oder pflegebedürftig wird. ...
Die Mutter ist dominant, manipulierend, egomanisch, narzisstisch. Nun will sie auch noch im Rahmen ihrer Selbstbestimmtheit ihren Todeszeitpunkt festlegen, bevor sie alt, dement oder pflegebedürftig wird. Ihre Tochter Anja, Mitte vierzig, ist entsetzt darüber, dass sie dabei sein soll beim geplanten Suizid, der von den Behörden genehmigt worden ist.
Katja Früh zeichnet eine von Schwierigkeiten und Unverständnis geprägte Mutter-Tochter-Beziehung, die vor allem Anja sehr belastet und in ihrem Leben einschränkt. Die Selbstbestimmtheit scheint von der Mutter allein gepachtet zu sein, das Kind muss deren Vorstellungen entsprechen, um den mütterlichen Stolz zu befriedigen. Wie es der Mutter selbst dabei geht, ob sie tatsächlich so unangenehm ist, wie hier dargestellt, bleibt offen, denn erzählt wird aus Anjas Blickwinkel in der Ich-Form. Dabei bekommt man als Leser ihre Ängste und Sorgen hautnah mit, dennoch bewahrt die Autorin einen ausreichend distanzierten Schreibstil, sodass die Geschichte nicht abgleitet in schwülstige Gefühlsausbrüche. Besonders skurril ist Mutters letzter Wunsch an ihre Tochter, gut gelöst von Anja im Hinblick auf ihre Zukunft, welche am Ende des Buches nur kurz, aber dennoch sehr zufriedenstellend angerissen wird.
Ein Roman über Mütter und Töchter, über Selbstbestimmtheit und ihre Grenzen, über den geplanten Todeszeitpunkt und den Umgang der Zurückbleibenden mit diesem Termin. Eine Thematik, die mich selbst auch schon so manches Mal beschäftigt hat und die hier auf interessante Weise in eine durchaus realistische Handlung eingebettet wird. Leseempfehlung!