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Veröffentlicht am 06.10.2025

Gefahren

Turbulente Zeiten
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Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge ...

Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge Frauen aus Karlsbad und gibt es nächtliche Anschläge auf ihre Butike auf der Alten Wiese. Allerlei Gefahren muss getrotzt werden.

Lebhaft, wie immer, schildert Ada Caine aus dem Leben Burgls und deren Lieben. Frau Kaniß und Tante Zöpfel sowie Therese dürfen nicht fehlen und auch der brave Loisl tritt als liebevoller und vernünftiger Ehemann auf. Turbulent, wie der Titel verspricht, geht es tatsächlich zu, Burgl hat alle Hände voll zu tun mit ihrer Oblatenbäckerei und neidvollen Nachbarn, aber auch die Gerüchte um die frisch ausgebildeten Zofen und Gouvernanten, die in Karlsbad auf eine neue Anstellung warten, gehen ihr nahe. Bunte Bilder von Karlsbad im Kaiserthum Österreich holen den Leser sofort ab und bezaubern diesen mit vielen sympathischen Charakteren. Da und dort lauert natürlich ein Bösewicht, der die Idylle trübt, aber mit vereinten Kräften werden die Gefahren hoffentlich abgewendet werden können.

Egal, ob Burgl – oder Eva aus einer früheren Reihe – im Mittelpunkt steht, Karlsbad an der Wende zum 20. Jahrhundert ist stets einen Besuch wert, speziell dann, wenn Ada Caine ihre Feder führt und die damalige Zeit wieder zum Leben erweckt. Flüssig lassen sich die Zeilen lesen, charmant stellen sich die Geschichten rund um die bekannte Kurstadt dar, ich komme sehr gerne immer wieder. Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 29.09.2025

Waldhotel

Dunkelnah
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Simon Winter staunt nicht schlecht, als er das abgeschieden im Wald gelegene Kurhotel erblickt, in welchem er als Handwerker und Hausmeister an der baldigen Neueröffnung mitwirken soll. Denn was er sieht, ...

Simon Winter staunt nicht schlecht, als er das abgeschieden im Wald gelegene Kurhotel erblickt, in welchem er als Handwerker und Hausmeister an der baldigen Neueröffnung mitwirken soll. Denn was er sieht, gleicht eher einem verfallenden Koloss als einem prunkvollen Ort der Erholung. Zweifel ergreifen ihn, da außer den Besitzern, Eleonora und Alfred Reiter, deren Tochter Sienna und einem Rottweiler niemand sonst anwesend zu sein scheint. Dann erfährt er noch vom Verschwinden einer jungen Frau, woraufhin alles in ihm nach Flucht schreit, dennoch entschließt er sich zu bleiben und die Polizei zu unterstützen.

Raffiniert als eine Art innerer Monolog beginnt dieses düstere Schauspiel, Roman Klementovic versteht es aufs Prächtigste, seine Leser durch geheimnisvolle Schauplätze und Stimmungen für seine Geschichten einzunehmen. Simons Sicht der Dinge überwiegt für lange Zeit, sowohl er als auch der Leser rätseln ob der vermissten Person und haben Schwierigkeiten, sich mit dem dubios wirkenden Ehepaar Reiter anzufreunden, denn Eleonora trinkt nur allzu gern ein Schnapserl – oder auch mehr – und Alfred trifft man nie ohne Gewehr und seinen scharfen Rottweiler an. Durch die geringe Zahl an Figuren meint man, schnell alle zu kennen, aber gemach, so manche Erkenntnis stellt sich alsbald als Irrtum heraus. Wer führt wen an der Nase herum, wer hütet ein furchtbares Geheimnis? Nichts ist, wie es scheint und doch kommt am Ende nochmals alles anders.

Roman Klementovic ist ein Meister der Täuschung, auf ruhige und dennoch stets packende Weise stellt er das Geschehen dar, wobei nicht nur der Leser kaum zu unterscheiden vermag, ob es sich um Realität oder Illusion handelt. Allerdings vermisse ich diesmal ein paar wirklich gruselige Momente, welche direkt unter die Haut gehen, die Rahmenhandlung mit dem schlussendlich offenbarten Motiv bewegt sich nur knapp an der Grenze der Glaubwürdigkeit entlang.

Nichtsdestotrotz punktet auch dieser Psychothriller wieder durch den gekonnten Schreibstil, der oft genug Beklemmung auslöst und durch die großartige Atmosphäre im Hotel Waldhof, welche bestens eingefangen und zu Papier gebracht worden ist. Der letzte Satz trifft meine Erwartungen wieder voll und ganz. Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 27.09.2025

Leena Victor

Mord in eiskalter Nacht
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Leena Victor, Kriminalkommissarin in Helsinki, befindet sich eigentlich im Urlaub. Als aber die bekannte Fernsehmoderatorin Kira Westerlund nach der jährlichen Vorweihnachtsparty in ihrem schicken Haus ...

Leena Victor, Kriminalkommissarin in Helsinki, befindet sich eigentlich im Urlaub. Als aber die bekannte Fernsehmoderatorin Kira Westerlund nach der jährlichen Vorweihnachtsparty in ihrem schicken Haus ermordet vorgefunden wird, ersuchen die Kollegen Leena um Hilfe, obwohl sie selbst auf der Feier dabei war und daher als befangen gilt, sie hat allerdings einfach die beste Aufklärungsquote bei Gewaltdelikten gegen Frauen.

Ein großartiger Schauplatz und interessante, weil sehr realistisch dargestellte Charaktere stehen im Mittelpunkt dieses rasanten Krimis. Die klirrende Kälte im finnischen Winter, der Duft von Glögi und süßem Weihnachtsgebäck, eine Schwester, die gerne im Rampenlicht steht, die andere, die sich gar nicht so weit zurückziehen kann, wie sie möchte, eine Promi-Party mit Alkohol und Drogen neben dem tiefen dunklen Wald – es sind die Gegensätze, welche die Autorin einsetzt, um eine knisternde anhaltende Spannung zu erzeugen. Viele kurze Kapitel ziehen das Tempo an, die einzelnen Szenen bringen eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Figuren ins Spiel, die Richtung, wohin das alles führen wird, ist noch längst nicht klar. Zwischendurch lässt uns die Autorin immer wieder in die Vergangenheit blicken, sodass nach und nach Licht ins Dunkel kommt. Die zahlreichen Handlungsstränge führt Lisa Sarah Brandstäter schlussendlich gekonnt zusammen, klärt das Gewaltverbrechen geschickt auf und lässt nur wenige Fragen offen. Genau der passende Ausklang für den ersten Band einer virtuos begonnenen Krimireihe.

Temporeich und schlüssig, empathisch und konsequent, die Reihe an positiven Adjektiven für die Handlung und jede einzelne Figur in diesem Krimi ließe sich noch lange fortsetzen. Leider ist Band eins zu Ende, aber die Gewissheit, dass wir Leena Victor bald wieder begegnen werden, ist ein Grund zur Freude. Ich hatte packende Lesestunden beim nordisch kalten Jahreswechsel und den aufregenden Ermittlungen. Uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die Dynamik lieben und eine Kriminalkommissarin verstehen, die entschlossen, wenn auch nicht immer besonnen handelt.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Überlebende

Opfer Nummer 11
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Nach zehn Jahren in der Selbsthilfegruppe Vertrauensschwestern ist Hannah der Meinung, dass sie die Gewalt, welche ihr als Vierzehnjährige angetan worden ist, nun endgültig so weit hinter sich lassen kann, ...

Nach zehn Jahren in der Selbsthilfegruppe Vertrauensschwestern ist Hannah der Meinung, dass sie die Gewalt, welche ihr als Vierzehnjährige angetan worden ist, nun endgültig so weit hinter sich lassen kann, um ein selbstbestimmtes Leben ohne ständige Angst führen zu können. Kaum will sie ihren letzten Abend unter Gleichgesinnten feiern, erreichen sie unheilvolle Botschaften, der Täter prophezeit ihren Tod. Aber wie kann er Kontakt zu ihr aufnehmen, wo er doch im Gefängnis sitzt? Gibt es vielleicht jemanden, der die Taten von damals nachahmt und auch jetzt wieder junge Frauen verschwinden lässt?

Auf geschickte Art und Weise lässt Autorin Jess Kitching ihre Protagonistin Hannah in der Ich-Form erzählen und schafft damit größtmögliche Authentizität. Die Stimmung unter den Figuren sowie Hannahs Gefühle werden sehr realistisch dargestellt, die Frage, ob die Frauen die Übergriffe hätten verhindern können, ja, ob sie sie vielleicht gar selbst provoziert haben, wird aufgegriffen. Man spürt beim Lesen, welch persönliches Engagement hinter jeder Zeile steckt, am Ende erfährt der Leser auch, warum. Eine gut durchdachte Handlung mit gleichbleibendem Spannungsbogen kennzeichnet diesen Thriller, beklemmend ist die Tatsache, dass Hannah, kaum, dass sie wieder nach vorne blicken kann, erneut in den Sog des Verbrechens gerät. Nicht nur einmal stellt sie sich die Frage: „Ist Überleben wirklich Glück?“ Die eindringliche Sprache der Autorin fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite und hält einen ob der drohenden Gefahr stets in Atem.

Ein großartiges Plädoyer, den Opfern Aufmerksamkeit zu schenken und nicht den Tätern. Lesenswert!


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Veröffentlicht am 25.09.2025

Geheimnisvolles Weingut

Die Kastanienschwestern
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Das Weingut Tenuta Casoli in Morcote im malerischen Tessin feiert sein hundertjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wird Hobbyautorin Cara gebeten, ein Buch zu verfassen. Einerseits kann sie das Geld dafür ...

Das Weingut Tenuta Casoli in Morcote im malerischen Tessin feiert sein hundertjähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wird Hobbyautorin Cara gebeten, ein Buch zu verfassen. Einerseits kann sie das Geld dafür gut gebrauchen, andererseits verbindet sie mit diesem Ort schmerzliche Erinnerungen, denn zwanzig Jahre zuvor ist ihre Schwester Neve dort tödlich verunfallt. Und was mindestens genauso schwer wiegt: Casimiro Casoli, der Erbe des Gutes, ist der Vater ihrer Tochter Lily - mit ihm will sie nicht mehr als nötig zu tun haben. Aber die Vernunft siegt, Cara nimmt den Auftrag an und stößt bei ihren Recherchen auf ein himmelblaues Rezeptbuch, das ihren Forscherinstinkt weckt.

Christine Jaeggi legt diesen großartigen Roman in zwei Zeitebenen an und erzählt anfangs Caras Geschichte, welche bald mit Szenen aus den Jahren des Zweiten Weltkrieges verknüpft wird. Die Autorin entführt uns in idyllische Bergdörfer im Piemont, zeigt uns allerdings keine unbeschwerten Kinder, sondern die beiden Schwestern Valentina und Mella, welche sich im Jahre 1942 ganz allein versorgen müssen und dafür sogar mitten im Wald nach Kastanien suchen, die sie dann verkaufen oder zu schmackhaften Mahlzeiten verarbeiten. Rund um Mussolinis Sturz und rasch zusammengestellte Partisanengruppen entspinnt sich eine aufregende Handlung, die einen schnell in seinen Bann zieht. Die Unterbrechungen durch den Zeitstrang in der Gegenwart fachen die Spannung immer weiter an. Jaeggis akribische Recherche wird in jeder einzelnen Szene spürbar, ihre Liebe zum Tessin, wo die Geschichte ihren Lauf nimmt, wird durch die lebendigen Beschreibungen der Natur offenbar. Nicht minder detailliert zeichnet die Autorin ihre Figuren, geprägt vom Krieg auf der einen Seite, neugierig, worauf das himmelblaue Rezeptbuch hinweisen will, auf der anderen Seite. Besonders gut gelungen ist die Zusammenführung der beiden Handlungsstränge, wobei die Auflösung aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wird und somit keine Frage offen lässt.

Ein hervorragender Roman, der höchst realistische Episoden aus Italien während der Zeit der Partisanenkämpfe und dramatische Geschehnisse auf einem Schweizer Weingut zu einem bewegenden Leseerlebnis vereint. Fünf Sterne und eine Leseempfehlung!


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