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Veröffentlicht am 09.07.2025

Die Herkunft

Das Pestmädchen und der Medicus
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Lina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. ...

Lina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. Nach dem Überfall in der Badestube und dem Brandanschlag auf ihr Wohnhaus ist Lina sicher, dass ihr irgendjemand nach dem Leben trachtet. Spannend geht es weiter.

Nahtlos schließt Band 2 an die bisherigen Ereignisse an und lässt Augsburg im Jahre 1462 lebendig werden. Abgerissene Bettler, Beutelschneider und Huren kämpfen täglich ums Überleben, im Spital ringt man wieder einmal mit dem Schwarzen Tod und die Reichen sind der Meinung, sich alles kaufen und richten zu können. Mitten drinnen in diesem Ort der Gegensätze nimmt die junge Witwe Lina ganz alleine ihr Schicksal in die Hand und erwirtschaftet Geld mit der Herstellung von Salben und Pflastern, verkauft Armsünderfett und Fingerknöchelchen am Markt, bis ein Einbrecher ihr an die Gurgel will. Voll Angst flüchtet sie sich zum Bettlerkönig der Stadt, nicht wissend, in welch missliche Lage sie sich damit selbst begibt.

Mit vielen historisch belegten Einzelheiten besticht Silvia Stolzenburg einmal mehr und fesselt ihre Leser mit spannenden Szenen aus dem Spätmittelalter. Lina als überaus tapfere Frau hat einige Hürden zu überwinden, nicht zuletzt will sie endlich wissen, wer ihre Mutter ist und warum sie im Findelhaus aufwachsen musste. Besonders realistisch wird ihr steiniger Weg geschildert, von der Abhängigkeit und Unfreiheit einer Frau erzählt Stolzenburg ebenso wie von den typischen Behandlungsmöglichkeiten der Beulenpest und von der Annahme, dass es sich um eine Strafe Gottes für die fehlbaren Sünder handelt. Eingebettet in diesen überaus atmosphärischen Rahmen erleben wir hautnah Linas bange Wochen nach dem Tod von Gernot und fiebern mit ihr mit, wie sie fortan leben wird, in steter Angst vor einem weiteren Überfall, der mit ihrer Herkunft zusammenhängen dürfte. Böse ist das Ende von Band 2, denn es ist noch nicht das Ende!

Ein aufregender Teil der Reihe „Das Pestmädchen“, der einen beim Lesen in Atem hält und hoffen lässt, dass Teil 3 alsbald erscheint. Ich spreche eine Empfehlung aus, am besten im Anschluss an den ersten Band.



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Veröffentlicht am 07.07.2025

Unterwegs

Das Versprechen eines neuen Morgens
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Seit einem Jahr ist Olympia quer durch Nordamerika unterwegs und wird von den Lesern ihres Blogs @ThePizzaTraveler begleitet. Hier schreibt sie nieder, was sie bewegt und was sie erlebt, bis ihre Schwester ...

Seit einem Jahr ist Olympia quer durch Nordamerika unterwegs und wird von den Lesern ihres Blogs @ThePizzaTraveler begleitet. Hier schreibt sie nieder, was sie bewegt und was sie erlebt, bis ihre Schwester Eve sie zur Verlobung einlädt. Zurück in Blacksburg in Virgina trifft Olympia auf Spencer, ihren Mann, der wie besprochen die Scheidung plant. Alte Wunden rund um einen schweren Schicksalsschlag reißen wieder auf, ist der eingeschlagene Weg der richtige?

Zwischen Blogbeiträgen und Kapiteln aus Olympias sowie aus Spencers Sicht muss man sich erst einmal orientieren, wer hier eine Rolle spielt und worum es eigentlich geht. Der Schreibstil Mary Ellen Taylors ist angenehm ruhig, mitunter fast nüchtern berichtend, sodass zu Beginn der Geschichte noch keine Emotionen aufkommen. Dies entwickelt sich erst allmählich im Laufe der Zeit, wenn klar wird, was vor Olympias Reise geschehen ist. Zwei Eheleute aus extrem unterschiedlichen Verhältnissen entfremden sich und suchen gleichzeitig die Nähe des anderen. Ob ein Schlussstrich oder ein Neuanfang die passende Entscheidung ist, scheint auf den ersten Blick nicht einfach. Schritt für Schritt kommt die Autorin dem Kern der Sache näher, schreibt über Verantwortung und Pflichtbewusstsein ebenso wie über Verbindendes und Liebe – wer weiß, was in etlichen Jahren ist, das Leben findet jetzt statt, vielleicht auf einem Roadtrip?

Ein schöner Roman mit ernsthaften Themenkomplexen, der sich über die Kapitel weg stetig steigert.


Veröffentlicht am 07.07.2025

Mystisches Museum

Im Finsterwald
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Die neunjährige Alice besucht gerne mit ihren vier jüngeren Geschwistern und dem Kindermädchen Maj das Naturhistorische Museum in Göteborg. Eines kalten Jännertages verschwindet das Mädchen spurlos, die ...

Die neunjährige Alice besucht gerne mit ihren vier jüngeren Geschwistern und dem Kindermädchen Maj das Naturhistorische Museum in Göteborg. Eines kalten Jännertages verschwindet das Mädchen spurlos, die anderen kehren ohne die lebhafte Alice nach Hause. Sowohl die Museumswärter als auch die Polizei können sich nicht erklären, wo das Kind geblieben sein könnte.

Sehr atmosphärisch beginnt die Geschichte im Museum und versetzt uns zurück ins Jahr 1926. Interessante Ausstellungsstücke von Weichtieren über Säuger bis hin zum Walsaal und zum Diorama mit weitläufigem Wald, wo Elche hausen, lassen einen rasch selbst zwischen den faszinierenden Exponaten ankommen. Dann verschwindet auch schon die Neunjährige und mit einer unglücklichen Zeitverzögerung geht die Suche los. Hauptwachmeister Nils Gunnarsson versucht zu ermitteln, stößt aber allerorts auf Unwissen, Schweigen oder Misstrauen. Da kommt Journalistin Ellen Forsell gerade recht und kann alsbald wichtige Informationen liefern. Dennoch tappt man lange im Dunklen, vergehen ungewisse Stunden der Untersuchung im Museum, das irgendetwas Unheimliches ausstrahlt und bisweilen den Eindruck erweckt, als lebten die ausgestopften Tiere noch. Unterschiedlichste Figuren, eine ungewöhnliche Familie und ein schauriger Ort des Geschehens lassen die eher ruhige Handlung doch kurzweilig daherkommen, vielerlei Erklärungen für das Verschwinden der Neunjährigen sind denkbar, die Lösung so einfach wie nie vermutet.

Nicht auffallend spektakulär und doch fesselnd, so könnte man „Im Finsterwald“ kurz beschreiben, die Ermittlungen stehen weniger im Vordergrund als viele persönliche Details zu den einzelnen Figuren, was insgesamt den Reiz der Geschichte ausmacht. Durchaus lesenswert, wenn man Gemächliches und Kriminalistisches aus den 1920er-Jahren sucht.


Veröffentlicht am 03.07.2025

Zum 90. Geburtstag

Nordseerätsel
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Zum 90. Geburtstag lädt Hermann Suhrkamp seine gesamte Verwandtschaft ein, eine Woche lang soll sie in seinem Haus verweilen und ein Rätsel lösen. Wer den Code knackt, erhält einhunderttausend Euro als ...

Zum 90. Geburtstag lädt Hermann Suhrkamp seine gesamte Verwandtschaft ein, eine Woche lang soll sie in seinem Haus verweilen und ein Rätsel lösen. Wer den Code knackt, erhält einhunderttausend Euro als Belohnung. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, soll Privatdetektiv Raphael Freersen das Zusammensein beobachten. Egoismus und Gier hat Suhrkamp erwartet, Egoismus und Gier bekommt er zu sehen, und schließlich auch einen Todesfall in unmittelbarer Nähe.

Eigentlich beginnt der Krimi ja mit mysteriösen Postkarten an Hermann Suhrkamp, um erst später auf die Geburtstagsfeier und das verbissene Rätselraten überzuleiten. So entspinnen sich zwei Grundideen, die die Handlung prägen und es dem Detektiv ermöglichen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dieser ist mit Witz und Humor ausgestattet und wickelt so manchen Mitmenschen auf Föhr um den kleinen Finger, aber auch Zwillingsbruder Johannes kann den manchmal recht ungewöhnlichen Bitten kaum entfliehen. Im Haus Suhrkamp hingegen geht es steif zu, man hat einander wenig zu sagen, der Hausherr selbst wirft allen vor, nur auf sein Vermögen aus zu sein. Die Geschichte entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen, die einzelnen Familienmitglieder rund um Hermann Suhrkamp hätte ich gerne etwas näher kennengelernt, bevor der Tresor geöffnet wird, dafür hätte Raphaels Nymphensittich auch einmal weniger auftreten können. Unterhaltsam ist das Rätselraten auf Föhr aber allemal.

Fazit: ein Krimi mit Humor und einer ungewöhnlichen Familienfeier, die so manches Geheimnis ans Licht zaubert. Kurzweilige Lesestunden für ein entspanntes Wochenende.

Veröffentlicht am 30.06.2025

Für immer Single

Kein Herzensbrecher ist auch keine Lösung
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Roxy hat sich gut eingelebt in Dubai, wohnt mit ihrem Freund in einer netten, kleinen Wohnung mit Blick auf den Burj Khalifa und klettert erfolgreich und zielstrebig die Karriereleiter hoch. Dazu versteht ...

Roxy hat sich gut eingelebt in Dubai, wohnt mit ihrem Freund in einer netten, kleinen Wohnung mit Blick auf den Burj Khalifa und klettert erfolgreich und zielstrebig die Karriereleiter hoch. Dazu versteht sie sich auch noch sehr gut mit ihren Vorgesetzen und Kollegen, insbesondere Luke, „Single für immer“ und notorischer Herzensbrecher hat stets gute Laune und ein offenes Ohr für alle Fälle.

Die wunderbare Kulisse Dubais mit den Gegensätzen zwischen moderner Stadt und wilder Natur findet auch hier wieder Platz in einer lesenswerten Geschichte. Mit viel Liebe zum Detail und persönlichen Eindrücken bringt Karin Lindberg ihren Lesern diesen Flecken Erde nahe und weckt Neugierde, sofern man selbst noch nicht da gewesen ist. Flüssig beschreibt die engagierte Autorin ihre Figuren und bringt dabei viele Emotionen ins Spiel, auch tiefgreifendere Themen wie Adoption und Selbstzweifel werden mit beachtlicher Leichtigkeit in die süße Liebesgeschichte eingeflochten. Insbesondere Roxy und Luke sind überaus authentisch in ihrem Auftreten, sodass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Wer den Vorgängerband gelesen hat, wird sich gerne auch an alle anderen Personen erinnern.

Ein wunderbarer Roman, der Tiefgründiges und Humorvolles auf bewährte Weise von Karin Lindberg verknüpft und dabei großes Lesevergnügen bietet. Empfehlung!