Profilbild von cosmea

cosmea

Lesejury Star
offline

cosmea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit cosmea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2023

Eine Mordserie in japanischem Ambiente

Mord auf der Insel Gokumon
0


Der vorliegende Roman ist der zweite Band von insgesamt 77 aus der Serie um Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Er erschien im Original vor über 50 Jahren. Kindaichi reist nach Kriegsende auf die Insel Gokumon, ...


Der vorliegende Roman ist der zweite Band von insgesamt 77 aus der Serie um Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Er erschien im Original vor über 50 Jahren. Kindaichi reist nach Kriegsende auf die Insel Gokumon, um sein dem bei Rücktransport verstorbenen Freund Chimata gegebenes Versprechen einzulösen. Chimata war nach dem Tod des Großvaters Kaemon, dem Patriarchen der Familie Kito als Nachfolger vorgesehen, denn Chimamatas Vater Yosamatsu ist verrückt geworden und lebt in einem Verschlag eingesperrt auf dem Familiensitz. Der Ermittler soll der Familie die Todesnachricht überbringen, will aber außerdem ergründen, was Chimatas letzte rätselhafte Worte zu bedeuten haben. Seine drei Halbschwestern würden ermordet, wenn der Freund es nicht verhindert. Die Menschen auf der Insel, Nachfahren von Piraten und Kriminellen, begegnen dem Fremden mit viel Misstrauen. Dann geschieht der erste Mord, und Kosuke Kindaichi gerät prompt unter Verdacht, wird sogar vorübergehend verhaftet. Dann geschehen weitere Morde, jeweils unter skurrilen Begleitumständen. Die Morde scheinen bekannte Haikus nachzustellen, und die Leichen werden entsprechend arrangiert. Der Ermittler tappt lange im Dunkeln – genauso wie die örtliche Polizei und der Leser.
Die undurchsichtige, weitschweifig erzählte Geschichte verwirrt den Leser mit ihrer Personenvielfalt und dem ausführlich dargestellten japanischen Ambiente. Religion, Mythen, Hexerei spielen ebenso eine Rolle wie Sitten und Gebräuche und die spezielle Bedeutung von familiären Hierarchien für die Erbfolge. Das ist für uns eine völlig fremde Welt, die man ohne Vorkenntnisse nicht wirklich versteht. Nur Kosuke Kindaichi, der beste Privatdetektiv Japans, entdeckt allmählich die rätselhaften Hinweise und kann am Ende die Puzzleteile zusammensetzen. Mir hat der nicht besonders spannende Roman deutlich weniger gefallen als „Die rätselhaften Honjin-Morde“.

Veröffentlicht am 20.07.2023

Wie geht man mit Trauer und Verlust um?

Hotel Silence
0

Jonas Ebeneser ist unglücklich. Seine Frau hat ihn nach Jahren der gegenseitigen Entfremdung verlassen und ihm noch die Information mit auf den Weg gegeben, dass die geliebte Tochter nicht von ihm ist. ...

Jonas Ebeneser ist unglücklich. Seine Frau hat ihn nach Jahren der gegenseitigen Entfremdung verlassen und ihm noch die Information mit auf den Weg gegeben, dass die geliebte Tochter nicht von ihm ist. Er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben und plant seinen Selbstmord. Sein Nachbar Svanur, von dem er sich eine Waffe ausleiht, scheint etwas zu ahnen und besucht ihn immer wieder, sozusagen zur Kontrolle. Jonas will seiner Tochter nicht den Fund seiner Leiche zumuten und bucht eine Reise. Sein Gepäck besteht aus einem Werkzeugkoffer mit Bohrmaschine ohne Kleidung zum Wechseln. Er reist in ein namenloses unsicheres, vom Krieg zerstörtes Land mit traumatisierten Überlebenden, die vor dem Nichts stehen – mit dem Hintergedanken, dass dort vielleicht ein Anderer seinem Leben ein Ende setzt. Jonas begegnen die Menschen im Dorf mit Misstrauen. Den harmlosen Touristen nimmt ihm niemand ab. Schon bald führt er im Hotel Silence einfache Reparaturen aus und hilft später auch den Frauen im Dorf bei allen möglichen Arbeiten, was einigen Männern weniger gefällt. Bald hat er sich mit den Geschwistern, die das Hotel führen, so angefreundet, dass er auch ihnen den Anblick seiner Leiche nicht mehr zumuten möchte. Jonas ist im Dorf inzwischen zu einem wahren Helden des Wiederaufbaus geworden, denn viele Männer haben den Krieg nicht überlebt. Er merkt, wie das Leid der anderen sein eigenes Unglück zunehmend relativiert und sein selbstloses Helfen ihn positiv verändert. Seinen geplanten Suizid verschiebt er immer wieder.
Die ruhig erzählte Geschichte überzeugt mit vielen Zitaten und kunst- und literaturhistorischen Anspielungen und enthält trotz der ernsten Themen von Trauer und Verlust auch komische Elemente. Jonas und die Überlebenden im Kriegsgebiet bekommen eine zweite Chance und Perspektiven für einen Neubeginn. Der angenehm zu lesende Roman hat mich gut unterhalten.

Veröffentlicht am 18.06.2023

Wer war der Täter?

Die Affäre Alaska Sanders
0


In „Die Affäre Alaska Sanders“, Joel Dickers neuem Roman, ermittelt wieder das Duo Sergeant Perry Gahalowood und Autor Marcus Goldman, die wir aus „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bereits gut ...


In „Die Affäre Alaska Sanders“, Joel Dickers neuem Roman, ermittelt wieder das Duo Sergeant Perry Gahalowood und Autor Marcus Goldman, die wir aus „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ bereits gut kennen. Es geht um den Mord an einer jungen Frau 11 Jahre zuvor. Der Fall Alaska Sanders galt eigentlich als aufgeklärt. Ein Täter kam bei der Vernehmung ums Leben, der andere wurde zu lebenslänglich verurteilt, nachdem er auf Anraten seiner Anwältin auf „schuldig“ plädiert hatte, um nicht die Todesstrafe zu riskieren. Er sitzt seit damals im Gefängnis. Seine Anwältin und seine Schwester kämpfen seitdem mit einer Gruppe von Unterstützern um die Wiederaufnahme des Verfahrens, weil sie an seine Unschuld glauben. Der Ermittler und der Autor wollen der Sache auf den Grund gehen und finden schon bald Anzeichen für einen Justizirrtum. Im Verlauf der mit über 570 Seiten recht umfangreichen Geschichte gibt es immer neue Verdächtige, immer neue Spuren. Wenn der Leser ca. 100 Seiten vor Schluss glaubt, nun sei der wirkliche Täter gefunden, wird er eines Besseren belehrt. Man darf bis zum Ende nicht glauben, was man liest. Das lehrt schon „Die Wahrheit…“, als dessen Fortsetzung der vorliegende Roman konzipiert wurde.
Ich habe das Buch trotz der epischen Breite gern gelesen, zumal mich die Konstruktion des Romans im Roman mit dem fiktiven Autor Goldman, der die Bücher des real existierenden Autors Dicker schreibt, durchaus überzeugt, aber es gibt schon Dinge, die mir weniger gefallen. Wenn man den Vorgänger kennt, vermisst man Originalität bei den Plotideen und den Schauplätzen, stößt sich an zu vielen Wiederholungen. Auch die Protagonisten Perry und Marcus sind hinlänglich bekannt, und ich finde ihre kleinen Reibereien nicht mehr besonders witzig. Auch stört mich die Eigenwerbung des Autors für seine anderen Romane, auf die er ständig Bezug nimmt, als ob er die Verkaufszahlen noch einmal positiv beeinflussen wollte. Im Übrigen gehe ich jede Wette ein, dass sein nächstes Buch den Titel „Die Affäre Gaby Robinson“ haben wird. Dennoch bleibt Dicker für mich ein durchaus lesenswerter Autor, der trotz der genannten Mängel einen gewissen Sog auf den Leser ausübt.

Veröffentlicht am 17.06.2023

Jeder verdient eine zweite Chance

Mika im echten Leben
0


Als Mika Suzuki ein Kind war, wanderten ihre Eltern von Japan in die USA aus. Die Mutter war strikt dagegen und in der Folge dauerhaft unglücklich und unzufrieden. Ihre negativen Gefühle bekam Mika über ...


Als Mika Suzuki ein Kind war, wanderten ihre Eltern von Japan in die USA aus. Die Mutter war strikt dagegen und in der Folge dauerhaft unglücklich und unzufrieden. Ihre negativen Gefühle bekam Mika über Jahre zu spüren. So fand sie auch keine Unterstützung, als sie mit 18 Jahren zu Beginn ihres Kunststudiums schwanger wurde. Ihre Mutter drängte sie dazu, das Baby zur Adoption freizugeben. Sie fand in Caroline und Thomas liebevolle Adoptiveltern für ihr Kind, die vertraglich verpflichtet wurden, jährlich Bericht zu erstatten und Fotos zu schicken. Dennoch kam Mika nie über den Verlust ihrer Tochter hinweg. Dieses Ereignis warf sie völlig aus der Bahn. Sie gab alle Träume und Zukunftspläne auf. Als ihre Tochter Penny im Alter von 16 Jahren Kontakt zu ihr aufnimmt, sie schließlich sogar besuchen will, kommt sie schwer in Bedrängnis, denn sie hat ihr eine Menge Lügen über ihre Karriere und ihre Lebensumstände aufgetischt. Freunde helfen ihr zwar, das erfundene Leben realistisch wirken zu lassen, aber die Katastrophe ist unaufhaltsam.
„Mika im echten Leben“ ist vieles zugleich: eine coming-of-age- Geschichte, eine Selbstfindung und der Versuch einer 35Jährigen, einen Neustart zu wagen, indem sie alles, was sie als junge Frau verdrängt oder aufgegeben hat, wieder zulässt und mit ihren Freunden darüber spricht. Die Geschichte zeigt, wie schwierig Familie, speziell das Verhältnis von Müttern und Töchtern sein kann. Die Autorin schildert berührend, aber ohne jeden Kitsch, wie Mika sich bemüht, die verlorene Tochter zu einem Teil ihres Lebens zu machen. Dass sie auch nach all den verlorenen Jahren wieder eine neue Liebe zulässt, rundet die Geschichte ab. Mir hat das Buch gefallen, und ich empfehle es gern weiter.

Veröffentlicht am 29.05.2023

Schwieriger Neuanfang für Danny Ryan

City of Dreams
0


“City of Dreams“ ist der zweite Band der Trilogie um irische und italienische Mafiosi in den USA. Der kürzlich verwitwete Danny Ryan ist nach den blutigen Bandenkriegen von der Ostküste nach Kalifornien ...


“City of Dreams“ ist der zweite Band der Trilogie um irische und italienische Mafiosi in den USA. Der kürzlich verwitwete Danny Ryan ist nach den blutigen Bandenkriegen von der Ostküste nach Kalifornien geflohen – in Begleitung seines alten Vaters, seines kleinen Sohnes und seines Teams. Obwohl er in Rhode Island an Verbrechen beteiligt war, sichert ihm ein Deal mit dem FBI Straffreiheit zu. Er muss sich allerdings bedeckt halten, damit ihn auch seine alten Feinde von der italienischen Mafia nicht aufspüren und töten. Danny ist entschlossen, ein neues Leben anzufangen, damit sein Sohn Ian eine Zukunft hat. In Hollywood wird ein Film über den Bandenkrieg gedreht, zu dem ein Kellner von der Ostküste die nötigen Informationen geliefert hat und in dem auch Danny als Nebenfigur vorkommt. Danny taucht am Set auf genauso wie zwei seiner Kumpel. Dann verliebt sich Danny in die schöne Hauptdarstellerin Diane Carson und investiert eine größere Summe in die Produktion, als das Projekt in Schwierigkeiten gerät. Damit steht er auf einmal wieder im Rampenlicht, und die Medien nehmen ihn ins Visier. Schon bald ist sein Leben wieder in höchster Gefahr. Dass er überlebt, weiß der Leser, weil es eine Fortsetzung gibt.
Don Winslow liefert einen mäßig spannenden, ziemlich düsteren Roman über das bekannte Milieu mit der üblichen Portion Gewalt ab. Die Charakterzeichnung und die Wendungen des Plots sind nicht überragend. Von daher bin ich etwas enttäuscht. Den dritten Teil werde ich wohl nicht mehr lesen.