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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wer wäre Nadim Suri ohne die Frauen?

Das Mosaik der Frauen
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Said Mardini, ein junger Literaturstudent, flieht aus Damaskus, nachdem er sich durch eine kritische Rede gegen die Diktatur in Lebensgefahr gebracht hat. Er bekommt ein Visum in Deutschland und eine Zulassung ...

Said Mardini, ein junger Literaturstudent, flieht aus Damaskus, nachdem er sich durch eine kritische Rede gegen die Diktatur in Lebensgefahr gebracht hat. Er bekommt ein Visum in Deutschland und eine Zulassung an der Universität Heidelberg. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er zunächst mit zahlreichen Jobs. Später arbeitet er aufgrund seiner vielfältigen Sprachkenntnisse als Simultandolmetscher und wird sehr gut dafür bezahlt. Außerdem schreibt er Romane. Eines Tages bittet ihn ein befreundeter deutscher Arzt um Hilfe. Nadim Suri, ein schwerkranker Patient mit syrischen Wurzeln, der nicht mehr lange zu leben hat, möchte ihm seine Lebensgeschichte erzählen. In der Folge besucht Said den alten Mann an zehn Tagen und hört die Geschichte seines Lebens. Es ist vor allem die Geschichte seiner Beziehungen zu Frauen. Immer wieder verliebt er sich, erlebt großes Glück, aber auch Enttäuschung, Verlust und Trauer. Die Frauen in seinem Leben haben ihn geprägt. Jede von ihnen hat etwas in ihm hinterlassen, das zu einem Mosaiksteinchen als Teil seiner Persönlichkeit wird. Alle zusammen machen das fertige Bild dessen aus, der er am Ende seines Lebens ist.
Neben den Geschichten über die Frauen seines Lebens erzählt Nadim jedoch auch witzige Episoden und Ereignisse, die er von anderen gehört hat. Ein wichtiger Teil dieses Romans ist das Thema Flucht und Vertreibung, die grausame Herrschaft der Diktatoren mit Tausenden von Toten, z.B. in Syrien und dem Irak, wo ein falsches Wort zu Folter und Tod führen kann. Es geht jedoch auch um das Leben der Immigranten in Deutschland, die Reaktion der Deutschen auf die Zuwanderer und ein Plädoyer für mitmenschliches Verhalten. Mir hat Rafik Schamis meisterhaft erzählter Roman im Roman sehr gut gefallen und ich empfehle ihn gern weiter.

Veröffentlicht am 07.05.2026

Die Vergangenheit ist nicht tot

Meeresdunkel
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Zwei Familien treffen scheinbar durch eine fehlerhafte Doppelbuchung in der renovierungsbedürftigen Finca Casa de la Vora am Ende einer Bucht auf Mallorca zusammen. Da kein anderes Quartier verfügbar ist, ...

Zwei Familien treffen scheinbar durch eine fehlerhafte Doppelbuchung in der renovierungsbedürftigen Finca Casa de la Vora am Ende einer Bucht auf Mallorca zusammen. Da kein anderes Quartier verfügbar ist, arrangieren sie sich miteinander und kommen zunächst ganz gut miteinander aus. Es gibt jedoch in beiden Familien Probleme. In der Ehe von Henrike und Hans kriselt es, und deshalb hofft Henrike, dass sie sich durch den gemeinsamen Urlaub wieder näherkommen. Auch bei Marie und Samuel, dem anderen Ehepaar läuft es nicht rund, weil Marie völlig verarbeitet ist und für ihren Chef zu allen Tages- und Nachtzeiten erreichbar sein muss und weil ihr Mann durch falsche geschäftliche Entscheidungen gerade alles in den Sand gesetzt und eine Menge Geld verloren hat. Dann zieht ein Sturm auf – sozusagen im wörtlichen und im übertragenen Sinne, so dass die Situation im Ferienhaus dem klassischen Locked Room Mystery ähnelt, weil sie das Grundstück nicht mehr verlassen können. Einer von ihnen wird ermordet aufgefunden. Die Erklärung für die Ereignisse in der Gegenwart ist in der Vergangenheit zu finden, wie drei Kapitel mit der Überschrift 1995 verdeutlichen. So versteht der Leser nach immer neuen Wendungen und Komplikationen, wie alles zusammenhängt und warum es zu diesem seltsamen Zusammentreffen in der Casa de la Vora kam.
Die Geschichte liest sich eigentlich teilweise nicht schlecht, obwohl sie nicht durchweg spannend ist, aber auf mich wirkt das Ganze sehr konstruiert und teilweise so verworren, dass man den Überblick verliert. Dazu trägt auch die Personenvielfalt bei und einige Besonderheiten, die letztlich entbehrlich sind. Da ist zum Beispiel Juri, der 8jährige Sohn von Marie und Samuel, dessen wichtigste Bezugsperson seine Puppe Hedwig ist und der so frühreif ist, dass es schon wie eine Karikatur wirkt. Welcher Junge in diesem Alter beschäftigt sich denn mit Einsteins Relativitätstheorie? Für mich ist dieser Roman kein Thriller, sondern ein aus Familiendramen zusammengesetztes Puzzle. Falls es eine Fortsetzung geben sollte, werde ich diese jedenfalls nicht lesen.

Veröffentlicht am 07.05.2026

Reiche leben gefährlich

Das Gesetz der Elite
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Der ehemalige Fußballstar Jesús Martinez wird tot in seiner Kryosauna gefunden. Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin, die inzwischen als Privatdetektivin für den Geheimdienst arbeitet, wird ...

Der ehemalige Fußballstar Jesús Martinez wird tot in seiner Kryosauna gefunden. Colomba Caselli, ehemalige Vizepolizeidirektorin, die inzwischen als Privatdetektivin für den Geheimdienst arbeitet, wird mit den Ermittlungen beauftragt. Als Partner steht ihr Dante Torre zur Seite, der aufgrund seiner traumatischen Kindheitserlebnisse ein besonderes Gespür entwickelt hat und Indizien sieht, die sonst keiner bemerkt. Schon bald schließen die Ermittler einen Unfall aufgrund eines technischen Defekts aus. Martinez gehörte als Geschäftsmann zu den Superreichen, und die ganz spezielle Sauna war von seinem Unternehmen hergestellt worden. Bald kommen weitere Tote in der Gegenwart und Vergangenheit hinzu, und eine Gruppe fordert im Netz “Tötet die Reichen“. Einige der Toten kannten sich als Jugendliche. Colomba und Dante suchen deshalb nach einem Täter, dessen Motiv weit in die Vergangenheit zurückreicht.
In diesem spannenden Thriller werden nicht nur Kriminalfälle gelöst, sondern es kommen auch andere Themen zur Sprache: Macht, soziale Ungleichheit und der Kampf für Gerechtigkeit zum einen, aber auch Kinderarbeit zur billigen Produktion von Waren und die Idee, Tote nicht zu begraben oder einzuäschern, sondern einzufrieren für ein Leben in der Zukunft oder um sie zu klonen. Die Welt der Superreichen ist dem normalen Leser fremd, aber die behandelten Themen sind von aktueller Bedeutung und gehen uns alle an.
Ich kenne die Vorgänger nicht, aber der Thriller war für mich trotzdem gut verständlich. Er hat mir gut gefallen und wird nicht mein letztes Buch von Dazieri bleiben.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Machtkämpfe überall

Die Liebeshungrigen
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Ein Jahr, nachdem Dan Lehman, der fiktive linke Präsident mit jüdischen Wurzeln, nicht wiedergewählt wurde und gegen die Kandidatin der extremen Rechten verloren hat, kämpft er nach dem plötzlichen totalen ...

Ein Jahr, nachdem Dan Lehman, der fiktive linke Präsident mit jüdischen Wurzeln, nicht wiedergewählt wurde und gegen die Kandidatin der extremen Rechten verloren hat, kämpft er nach dem plötzlichen totalen Absturz noch immer ums Überleben. Seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda ist nach fünf Jahren nur noch Fassade, die Scheidung eine Frage der Zeit, zumal die attraktive Schauspielerin mit ihrem neuen Film auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen ist. Kurioserweise beruht der Film auf dem neuen Roman von Marianne, Lehmans erster Frau, mit der er viele Jahre verheiratet war und drei Kinder hat. Er liebt seine Kinder sehr, auch die kleine taubstumme Tochter aus der Ehe mit Hilda. Er hat auch nie aufgehört, Marianne zu lieben und hofft, da wieder anknüpfen zu können, wo er die Beziehung einst beendet hat. Dan ist jedoch Alkoholiker, was einen Neuanfang zusätzlich erschwert und muss sich gegen diverse Anzeigen vor Gericht wehren.
Aus wechselnder Perspektive erzählt der Roman die Geschichte verschiedener Figuren und behandelt dabei nicht nur das Thema Liebe in all ihren Facetten, sondern vor allem auch die Machtkämpfe in allen Bereichen: in der Politik, in der Ehe und allen Beziehungen, in der Filmindustrie und im Literaturbetrieb. Die Autorin zeigt, dass sich Frauen in der Filmbranche besonders häufig gegen dominante übergriffige Männer wehren müssen. Sie macht außerdem deutlich, welche Macht die Medien ausüben, wenn sie Personen im Rampenlicht aufbauen oder Existenzen zerstören. So muss sich Dan Lehman nach seiner Wahlniederlage üble antisemitische Beschimpfungen gefallen lassen und hinnehmen, dass die von ihm geleistete Arbeit nichts mehr gilt. Angesichts dieser Thematik finde ich den deutschen Titel nicht besonders passend gewählt für einen Roman, der im Original “La guerre par d´autres moyens“ (Krieg mit anderen Mitteln) betitelt ist.
Ich kenne die Autorin schon seit vielen Jahren und habe auch ihren neuen Roman sehr gern gelesen. Ich empfehle ihn ohne Einschränkung.

Veröffentlicht am 24.04.2026

Folge dem Licht

The Artist
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In Lucy Steeds Debütroman “The Artist“ bittet der junge Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 den seit vielen Jahren zurückgezogen in einem alten Haus in der Nähe von Saint-Auguste in der Provence lebenden ...

In Lucy Steeds Debütroman “The Artist“ bittet der junge Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 den seit vielen Jahren zurückgezogen in einem alten Haus in der Nähe von Saint-Auguste in der Provence lebenden berühmten Maler Edouard Tartuffe um ein Interview und erhält die Erlaubnis zu einem Besuch. Vor Ort erlebt er einige Überraschungen. Der Maler, der sich Tata nennen lässt, duldet ihn nur im Haus, wenn er ihm Modell sitzt, beantwortet jedoch keine Fragen. Die zweite Überraschung ist Sylvette genannt Ettie, die junge Nichte des Malers, die alle Pflichten einer Haushälterin erfüllt. Edouard hatte seine von einem verheirateten Mann schwangere Schwester bei sich aufgenommen und die Nichte allein aufgezogen, nachdem seine Schwester ihn wegen eines neuen Partners verlassen hatte. Tatsächlich verhält sich der Onkel jedoch nicht wie ein Ersatzvater, sondern erlaubt Sylvette kein selbstbestimmtes Leben, schon gar nicht, dass sie auch malt und eine künstlerische Karriere anstrebt. Er verhält sich wie ein Tyrann und zerstört gern mal, was Ettie liebt. Im Lauf seines mehr als dreimonatigen Aufenthalts bekommt Joseph Einblick in Edouards künstlerisches Schaffen und schreibt Artikel für seine Zeitung “The Inkling“ auch ohne ein einziges Interview. Außerdem erfährt er Etties Lebensgeschichte und ihr streng vor Tata gehütetes Geheimnis, und die beiden jungen Leute kommen sich näher.
Der Roman führt den Leser sprachgewaltig an die Welt der Malerei heran, lässt die entstehenden Gemälde mit den Mitteln der Sprache lebendig werden. Sehr eindrucksvoll beschreibt er den für Frauen damals generell schwierigen Weg zu einem selbstbestimmten Leben und zur Verwirklichung der eigenen Ambitionen. Ich habe den Roman sehr gern gelesen. Er ist allerdings ziemlich handlungsarm, weil die stimmungsvollen Ausführungen über die Entstehung von Kunstwerken doch einen sehr breiten Raum einnehmen. Ein Spannungsaufbau wird auch dadurch weitgehend verhindert, dass der im Jahr 1957 angesiedelte Prolog das zentrale Geheimnis um Ettie enthüllt. Dennoch ist dieses Buch schon wegen seiner poetischen Sprache und dem Einblick in künstlerisches Schaffen sehr empfehlenswert.