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Veröffentlicht am 02.12.2019

Ein Pferdeabenteuer

Die Pferde von Eldenau - Donnernde Hufe - Band 3
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Liebe Daffy,
heute erreicht dich mein Brief über ein ganz besonderes Leseerlebnis. Im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks habe ich das Buch Die Pferde von Eldenau. Donnernde Hufe von Theresa Czenry, ...

Liebe Daffy,
heute erreicht dich mein Brief über ein ganz besonderes Leseerlebnis. Im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks habe ich das Buch Die Pferde von Eldenau. Donnernde Hufe von Theresa Czenry, das dieses Jahr bei Magellan erschienen ist, gewonnen. Es handelt sich hierbei um den dritten Teil einer Pferdebuchreihe, wobei ich die ersten beiden Bände bisher nicht gelesen habe. Das hat dem Spaß beim Lesen aber keinen Abbruch getan.

Inhalt
Nach einem Unfall muss Frida erstmal auf die Mithilfe auf dem heimatlichen Gut verzichten. Um sich davon abzulenken und weil ihr Freund Jannis mit seinem eigenen Pferd beschäftigt ist, unternimmt sie viele Spaziergänge im nahen Naturschutzgebiet. Hier leben die Wildpferde von Eldenau. Frida hält seit dem Unfall einiges vor ihrer Familie und ihren Freunden geheim, auch ihre Ausflüge zu den Wildpferden. Als sie feststellt, dass es diesen nicht gut geht, muss sie etwas zu deren Rettung unternehmen.

Charaktere
Wie ich bereits geschrieben habe, handelt es sich hier um den dritten Teil einer Reihe. Wir steigen in die Handlung ein und erfahren durch kleine Randbemerkungen, welche Abenteuer die Protagonisten bereits erlebt haben. Wer sind sie überhaupt? Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Frida und Jannis erzählt – zwei Teenager, die an der deutschen Ostseeküste leben. Jannis lebt mit seiner Mutter und ihren Pferden auf einem Hof, Frida mit ihrer großen Familie und ebenfalls vielen Pferden auf einem benachbarten Gut. Die beiden haben sich verliebt und sind nun ein Paar.
Zusammen mit ihren besten Freunden Max und Linh bestreiten sie ihren Alltag auf den jeweiligen Höfen und es kommt ein ganz tolles Gefühl von Pferdestimmung auf, die nicht romantisiert wird, sondern mich teilweise an meinen eigenen Pferdealltag erinnert hat. Das hat mir richtig gut gefallen und ist nicht zwangsläufig gegeben, wenn man ein Pferdebuch zur Hand nimmt. Theresa Czerny greift unterschiedliche Reitweisen und Ausbildungsstile auf und lässt diese aufeinander treffen. Jede/r ReiterIn weiß genau, wie schwer es in einer Stallgemeinschaft sein kann, wenn da mehrere Meinungen aufeinander treffen und jede/r den eigenen Stil aus vollem Herzen vertritt. In diesem Buch wird wunderschön gezeigt, dass wir alle voneinander lernen können und Methoden, die wir noch nicht kannten gegenüber offen sein sollten. So unterschiedlich wie jeder Mensch ist, ist auch jedes Pferd ein Individuum. Das wird hier sehr schön dargestellt, indem wir nicht nur zwei Perspektiven beim Lesen erleben, sondern auch mehrere Pferde kennen lernen. Es gibt nicht dieses eine Wunderpferd, sondern viele verschiedene, die auch auf ihre je eigene Art und Weise auf die jungen Leute reagieren.
Wo wir von Individualität sprechen, komme ich noch einmal auf Frida und Jannis zu sprechen. Da ich mit diesem Band in die Reihe eingestiegen bin, waren mir beide fremd und ich musste mir selbst erstmal einen Standpunkt in ihren Kapiteln suchen. Der Einstieg ist mir bei Jannis leichter gefallen, als bei Frida. Mit ihr musste ich erst warm werden, um ihre Handlungen nachvollziehen zu können. Im Laufe der Geschichte macht sie einiges durch und hat ganz persönliche Probleme zu bekämpfen. Dabei an ihrer Seite zu sein, hat mich der Figur nahe gebracht und am Ende kann ich nicht mehr sagen, ob mir Jannis' oder Fridas Kapitel besser gefallen. Eine wirklich tolle Idee ist es, einen männlichen Protagonisten in einem Pferdebuch zu erleben und so nah an der Figur dran zu sein. Meine eigene Leseerfahrung in diesem Genre hat mich bisher nur weiblichen Protagonistinnen vorgestellt und somit war ich sehr positiv überrascht von Jannis. Vielleicht muss ich doch sagen, dass seine Kapitel noch eine Winzigkeit mehr überzeugt haben, wegen eben dieses Umstandes.

Es wirkt in meinem Brief so, als gäbe es nur Jugendliche in diesem Buch, was jedoch nicht der Fall ist. Auch wenn der Fokus selbstverständlich auf den Gefühlen, Problemen und dem Handeln von Frida, Jannis und ihren Freunden liegt, spielen auch die Eltern eine Rolle. Diese wurden sehr schön in die Handlung eingebaut, sodass man als LeserIn mitbekommt, dass die Jugendlichen erwachsene Bezugspersonen haben, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Es geht nicht darum, mir erhobenem Zeigefinger den Jüngeren alles zu verbieten, Theresa Czerny schreibt Elternfiguren, die eine Beziehung zu ihren Kindern haben. Das ist in den meisten Fällen eine sehr positive, doch auch Unstimmigkeiten werden beleuchtet. So entsteht ein stimmiges Bild von Familienleben und die Geschichte bekommt einen richtigen Hintergrund, in den das Pferdethema eingeflochten wird. Wie ich schon schrieb, ich habe mich an meinen eigenen Pferdealltag erinnert gefühlt und das hat mir die Geschichte so nahe gebracht und mich in sie einfühlen lassen.

Schreibstil
Du hast es sicher schon gedacht, dass ich hier nur Gutes sagen kann. Die Geschichte hätte mir nicht so gut gefallen, wäre sie nicht großartig geschrieben worden. Es handelt sich um ein Kinder-/ Jugendbuch und die Zielgruppe – abgesehen von all den Pferdefans da draußen – ist sicher im Grundschulalter. Doch Theresa Czerny schreibt nicht platt, sondern sehr eloquent und durchdacht. Mit über 300 Seiten ist es eine Geschichte, die sich Zeit für Entwicklung nimmt und Schlüsselszenen den nötigen Platz zur Entfaltung bietet. Die Seitenzahl mag unerfahrene, junge LeserInnen vielleicht abschrecken, doch die Handlung ist so gut und spannend aufgebaut, dass man schwer enttäuscht wäre, müsste man Eldenau früher verlassen.
An dieser Stelle sollte ich auch endlich darauf zu sprechen kommen, ob sich die Bücher querbeet lesen lassen. Ich habe schon erwähnt, dass ich die vorherigen Bände nicht kenne – das aber ändern werde – und trotzdem gut in die Geschichte gefunden habe. Mein großer Vorteil war natürlich auch, Teil der Leserunde zu sein, bei welcher die Autorin großartig involviert war. Ich habe einige Fragen gestellt und sofort eine Antwort erhalten. So fiel es mir beispielsweise schwer, mir ein optisches Bild von den Figuren zu machen, weil sehr sparsam mit Beschreibungen ihres Äußeren umgegangen wird. Das kann große Vorteile bringen, wenn man ein/e LeserIn ist, die/ der sich gern ohne Vorgaben selbst ein Bild macht. Ich brauche zumindest kleine Eigenheiten der jeweiligen Figur, um sie mir vorzustellen.
Doch abgesehen davon, ist dieser dritte Teil der Reihe in sich abgeschlossen und lässt sich wunderbar als erstes Buch der Reihe lesen. Wer die Figurenentwicklung erleben möchte, greift zum Auftakt der Reihe. Das werde ich mir auch vornehmen. Vor allem, weil ich den Schreibstil für ein Kinderbuch unheimlich genossen habe und nun eine neue Pferdebuchreihe in meinem Bücherregal komplettieren möchte. Ich glaube, dass das wunderschön aussehen wird. Das Buch ist sehr wertig gedruckt und gebunden. Ich muss immer wieder über das Cover streichen und die erhabenen Stellen fühlen.
Da es gerade in die Jahreszeit passt, kann ich für Eldenau nur eine Weihnachtsgeschenkidee für PferdenärrInnen aussprechen. Vielleicht gibt’s den ersten Band auch gleich zum Nikolaus und die Folgenden bringt dann der Weihnachtsmann, weil es so gut gefallen wird.
Damit schließe ich meinen begeisterten Brief und wünsche dir einen tollen Start in die Adventszeit.

Deine Daisy

Veröffentlicht am 25.11.2019

Fantastisches Jugendbuch!

One True Queen, Band 1: Von Sternen gekrönt
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Liebe Daisy,
ich weiß, ich habe mir den Vorsatz gemacht, keine neuen Bücher in nächster Zeit zu kaufen. Aber dann war ich bei der Buchmesse und habe in One True Queen. Von Sternen Gekrönt von Jennifer ...

Liebe Daisy,
ich weiß, ich habe mir den Vorsatz gemacht, keine neuen Bücher in nächster Zeit zu kaufen. Aber dann war ich bei der Buchmesse und habe in One True Queen. Von Sternen Gekrönt von Jennifer Benkau reingelesen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Ehe ich es mich versehen habe, war ich durch die ersten 100 Seiten dieses Buches von Ravensburger geflogen und wusste, dass ich es mitnehmen musste. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde lang bereut habe, denn dieses Buch kann deutlich mehr als ein schönes Cover bieten.

Es erzählt die Geschichte von Mailin, die gemeinsam mit ihrer Mutter und Schwester in Irland wohnt; ihre Schwester, die vor Jahren in ein Wachkoma gefallen ist und an deren Schicksal die Familie zu zerbrechen droht. Doch dann wird Mailin von einem auf den anderen Moment in eine andere Welt geschleudert: eine Welt, die tödlicher ist als alles Andere, was sie bisher erlebt hat; eine Welt, in der sie auserwählt zu sein scheint, die neue Königin zu werden – wenn sie lange genug überlebt.

Ich habe es ja schon in der Einleitung und in meiner Postkarte auf Instagram verraten: ich war absolut begeistert von diesem Roman. Er hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und ich konnte ihn kaum mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat ein wunderbares Gespür dafür, genau an den richtigen Momenten einen Wendepunkt zu setzen: Jedes Mal, wenn ich dachte, am Ende des Kapitels aufzuhören, um schlafen zu gehen, passierte etwas völlig Unvorhergesehenes und ich musste immer und immer weiterlesen … bis spät nachts. kein Wunder also, dass ich es in Windeseile fertig gelesen hatte. Ein wunderbares Leseerelebnis!
Besonders spannend für mich war zudem das Versteckspiel und dass ich nie wusste, welcher der Figuren ich nun trauen konnte und welcher nicht. Es hat mich dabei etwas an die Caraval Serie von Stephanie Garber erinnert. Wie bei dieser hatte ich das Gefühl, diese neue, fremde Welt gemeinsam mit der Protagonistin zu erkunden.

Generell möchte ich die Figuren, besonders die Protagonistin positiv hervorheben. Im Gegensatz zu vielen Jugendbüchern fand ich diese facettenreich und nachvollziehbar geschrieben. Mailin war weder das Klischeedummchen, das sich retten lassen muss, noch die perfekte Heldin: sie war ein normales Mädchen mit Stärken und Schwächen, das versucht neue Situationen zu navigieren. Sie ist für das eingestanden, was ihr wichtig war, und hat sich auch nicht blindlings jedem Kerl an den Hals geworfen. Und sie hatte einen wunderbaren trockenen Humor, der sie nochmal sympathischer gemacht hat. Auch die übrigen Figuren waren authentisch geschrieben. Einige von ihnen haben Archetypen erfüllt, aber im gesamten fühlten sie sich nicht platt, sondern nach einer sehr lebendigen Cast an.

Was mich überrascht hat war, dass Gewaltakte und erotische Szenen teils detailliert beschrieben wurden. Im Gesamten passte es zu der jeweiligen Situation, ich möchte es jedoch in meine Empfehlung einer Zielgruppe einfließen lassen: Ich glaube, dass Mädchen ab 14, die Lust darauf haben, gemeinsam mit einer starken Protagonistin in eine fremde Welt einzutauchen, viel Spaß an diesem Buch haben könnten.
Deine Daffy

Veröffentlicht am 22.11.2019

Charmantes Jugendbuch mit einer Schwäche...

Heaven's End – Wen die Geister lieben
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Liebe Daisy,
dass ich dir über Kim Keistners Heaven’s End. Wenn Geister lieben schreibe, ist sicherlich keine große Überraschung für dich. Ich habe dir ja schon fast zu oft Fotos des Covers geschickt, ...

Liebe Daisy,
dass ich dir über Kim Keistners Heaven’s End. Wenn Geister lieben schreibe, ist sicherlich keine große Überraschung für dich. Ich habe dir ja schon fast zu oft Fotos des Covers geschickt, seitdem das Buch 2019 bei KJB erschienen ist. Es ist aber auch wirklich fantastisch, wie mystisch es aussieht und damit die Stimmung des Romans hervorragend verkörpert – ein herzliches Bravo an Nele Schütz Design hierfür.

Der Roman erzählt von Jojo, die gemeinsam mit ihrer Familie in dem kleinen schottischen Dorf Heaven’s End lebt. Das Besondere ist, dass ein Teil der Leute, mit denen sie unter einem Dach wohnt, bereits lange tot ist – Jojo kann nämlich Geister sehen. Zumindest die ihrer Verwandten. Sie hat jedoch geschworen, nie jemandem davon zu erzählen. Doch dann geschehen allerlei merkwürdige Dinge und Jojo braucht die Unterstützung ihrer Freunde, um sich ihnen zu stellen – wird sie ihr Geheimnis wahren können? Und warum pocht ihr Herz immer schneller, wenn sie einen gewissen Jungen ansieht?

Ich mochte die Genremischung aus Abenteuer, Freundschaft, Familienbande und Romanze sehr gerne. Dadurch wurde die Geschichte abwechslungsreich und die Figuren vielschichtiger, weil sie alle diese Dinge unter einen Hut bringen mussten. Ganz besonders hat mir gefallen, wie die fantastischen Elemente in alltägliche Situationen eingebettet waren: Hier diente Fantasy nicht als Mittel zum Zweck, sondern wurde nachvollziehbar und stimmig eingesetzt. Alltägliche Situationen, mit denen jedeR LeserIn sich identifizieren kann, werden den ungewöhnlichen gegenübergestellt. Es ist somit leicht, in die Geschichte zu finden, da die Autorin ein universelles Absprungbrett schafft.
Hierbei hilft auch die Protagonistin: Sie ist eine starke Identifikationsfigur und führt mit ihrer Tierliebe, ihrem starken moralischen Kompass und einer kleinen Verliebtheit charmant durch die Geschichte. Auch ihre chaotische Familie fand ich sehr sympathisch und hatte große Freude daran, die verschiedenen Szenen zwischen den vier Lebenden und ihren geisterhaften Verwandten zu lesen. Auch das restliche (ziemlich große) Ensemble an Figuren hat sich gut gelesen und für mich funktioniert, obwohl einige von ihnen starken Archetypen entsprochen haben; einzig Benny ist mir ein bisschen zu sehr der Klischeeschwule und ansonsten relativ platt gewesen.

Kim Kestners Schreibstil las sich flüssig und ausgesprochen charmant, so dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Sie schafft es bereits in den wenigen Seiten des Prologes, eine mystische Stimmung zu etablieren – wobei ich mir an einer späteren Stelle des Buches gewünscht hätte, dass im Prolog noch nicht so viel vorweggenommen worden wäre. Rein für die Stimmung funktionierte er jedoch hervorragend und ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie geschickt Frau Kestner Worte spinnen kann. Etwas verwirrend, aber das liegt wohl mehr bei KJB als bei der Autorin, fand ich dafür die Formatierung stellenweise. Insbesondere, wenn die Protagonistin eine SMS empfängt, diese sich optisch aber überhaupt nicht von dem umliegenden Fließtext unterscheidet – das hat mich so verwirrt, dass es mich kurzzeitig aus dem Lesefluss geworfen hat.

Jetzt fragst du dich bestimmt, warum ich diesem Buch nur drei von fünf Sternen gebe, wenn ich sowohl vom Stil, als auch von der Genremischung und den Figuren begeistert war. Einzig an der Formatierung kann so etwas ja nicht liegen. Und damit liegst du goldrichtig. Ich hatte leider ein bisschen ein Problem mit der zweiten Hälfte des Buches, weil es mich zu sehr an Harry Potter, insbesondere an das Konzept der Horkruxen erinnert hat. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, um nicht zu viel zu verraten, aber es kam mir stellenweise doch etwas zu bekannt vor und ich habe mich gefragt, ob man das nicht auch anders hätte lösen können. Die Geschichte darum herum war so wunderbar etabliert und es gab einige starke Figuren – und auch ein ganz eigenes Konzept an Fähigkeiten für eine dieser. Es wirkt, als würde Letztere im zweiten Band mehr Beachtung finden. Vielleicht muss ich in den reinlesen, sobald er rauskommt. An sich habe ich mich nämlich wirklich sehr wohl gefühlt in Heaven’s End.

Deine Daffy

Veröffentlicht am 08.11.2019

Enttäuschte Erwartungen...

Everything I Didn't Say
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Liebe Daisy,
wie du weißt, habe ich bisher kaum New Adult Bücher gelesen, obwohl sie gerade so beliebt sind. Um so mehr habe ich mich gefreut, Teil der Leserunde von Lesejury zu diesem Buch zu werden: ...

Liebe Daisy,
wie du weißt, habe ich bisher kaum New Adult Bücher gelesen, obwohl sie gerade so beliebt sind. Um so mehr habe ich mich gefreut, Teil der Leserunde von Lesejury zu diesem Buch zu werden: Everything I Didn’t Say von Kim Nina Ocker, das letzten Monat bei LYX erschienen ist. Ich fand sowohl das Cover ansprechend als auch den Klappentext vielversprechend und konnte es gar nicht abwarten, mein Manuskript in die Finger zu bekommen.

Der Roman erzählt die Geschichte von Jamie, einer jungen Amerikanerin, die davon träumt, Dramaturgin an einem Theater zu werden, und Carter, einem Schauspieler der Vorabendserie Chicaco Hearts. Wie es der Zufall so will, bekommt Jamie eine Praktikumsstelle als Dramaturgieassistetin (entgegen dem Klappentext, der von einer Regieassistenz spricht) am Set ebendieser. Die beiden treffen aufeinander und vom ersten Moment an, ist die Spannung zwischen ihnen spürbar – doch es gibt genug Dinge, die gegen die beiden sprechen; nicht zuletzt eine Klausel in Jamies Künstlervertrag…

Kim Nina Ockers Schreibstil war mir allgemein sehr sympathisch: er liest sich flüssig und authentisch. Einzig bei den Passagen im Präsens hatte ich manchmal meine Schwierigkeiten (wie oft bei dieser Erzählzeit), weil sie mir zu reflektiert dafür waren, dass behauptet wird, die Figuren würden es gerade so erleben (vgl. z.B.: S. 341/S. 362). Dafür war ich sehr positiv vom Format dieses Buches überrascht. Es ist eine Ich-Erzählung, die zwischen den Perspektiven der Protagonisten alterniert; somit etablieren sich schnell zwei klare Figuren. Die Chemie zwischen den ProtagonistInnen wird dadurch greifbarer, da wir in beide Köpfe schauen und die jeweiligen Unsicherheiten und Konflikte beobachten können
Zusätzlich wird im ersten Drittel des Buches zwischen zwei zeitlichen Ebenen gesprungen: 2015, das Jahr in dem die beiden sich kennenlernen, und 2019. Dies wird durch die verschiedenen Erzählzeiten (Perfekt/Präsens) betont. Natürlich nehmen die Dinge, die in der späteren zeitlichen Ebene passieren, manches vorweg, doch ich fand es sehr spannend als Leserin zu überlegen, wie die Figuren wohl dorthin gekommen sein könnten – zumal sie einander 2015 gerade erst begegnet sind. Schade (wenn auch bis zu einem gewissen Grad verständlich) fand ich, dass diese Struktur sich nicht durch das ganze Buch gezogen hat, sondern wir ab einem gewissen Punkt nur noch von den Geschehnissen im Jahr 2019 erfahren haben. Ab diesem Zeitpunkt hat der Roman leider einiges von seinem Facettenreichtum eingebüßt und somit etwas an Reiz verloren.


Ich muss auch sagen, dass ich das Buch als sehr vorhersehbar empfunden habe. Ich hatte rasch raus, was zwischen 2015 und 2019 passiert war; aber auch, was der große Konflikt am Ende sein und wie er sich auflösen würde. Das war somit kein großer Spannungsfaktor mehr. Ich fand es auch schade, dass wesentliche Konflikte so schnell aufgelöst wurden: etwa die Frage, wer die Information an die Presse weitergegeben hat oder die Auflösung des finalen Konfliktes. Letzterer hat sich leider extrem nach Deus-Ex-Machina angefühlt. Ich bin mir bewusst, dass sich ein Verweis auf die Lösung dieses bereits im Titel findet, aber ich hätte mir an dieser (wie auch an manchen anderen) Stellen gewünscht, dass die Autorin früher Hinweise gestreut hätte.
Was mich jedoch überrascht hat war, die Relevanz der im Klappentext angesprochenen Berufsfelder. Egal ob jetzt Regie, Dramaturgie oder Schauspiel, ich hatte große Hoffnungen, dass diese Berufe einen wesentlichen Bestandteil des Buches ausmachen würden. Sie wurden jedoch von Anfang an mehrheitlich nur behauptet. Ab dem Zeitsprung im ersten Drittel werden Jobs, wenn überhaupt, bloß noch am Rande erwähnt. Etwas, das ich sehr bedauerlich fand.

Ich habe schon erwähnt, dass sich durch die wechselnden Perspektiven schnell zwei Figuren etablieren. Ich konnte mit diesen nur leider nicht viel anfangen. Carter war mir extrem unsympathisch: er ist verwöhnt und hat einen absurden Luxusanspruch (z.B.: S. 195), er ist furchtbar unsensibel (z.B.: „Du siehst beschissen aus“ (S. 215) – ist das romantisch?), oberflächlich (vgl. z.B.: S. 246) und stellt unangebrachte Besitzansprüche in Bezug auf Jamie (vgl. z.B.: S. 156). Mit Jamie selbst konnte ich nicht unbedingt mehr anfangen: sie ist überdramatisch („Meine Probleme sind endlos.“ (S. 256)) und verhält sich kindisch (vgl. S. 257). Beide reagieren schnell über und sind teilweise inkonsequent geschrieben; sie springen wiederholt innerhalb weniger Sätze zwischen emotionalen Extrema (Jamie z.B.: S. 241, Carter z.B.: S. 247).
Die Beziehung von Jamie und Carter habe ich, bis auf einzelne schön etablierte Situationen, wie die auf dem Sofa (S. 318ff) und auf dem Basketballplatz (S. 334ff)), ehrlich gesagt auch nicht wirklich verstanden. Vielleicht liegt es am Genre, mit dem ich noch nicht ganz warm geworden bin, aber sie beschränken sich für meinen Geschmack etwas zu sehr auf körperliche Aspekte. Die beiden haben einmal (im betrunkenen Zustand) etwas miteinander und das soll so prägend gewesen sein, dass sie der „Beziehung“ vier Jahre später noch immer nachtrauern (vgl. S. 220)? Zumal sie in der Zeit, in der sie zusammen gearbeitet haben, kaum miteinander gesprochen haben – wenn überhaupt, dann haben sie einander angebockt; oder sich ein Gespräch gewünscht, es aber nicht umgesetzt, obwohl die Gelegenheit da gewesen wäre (vgl. S. 154). Eine Gelegenheit, die sie zugunsten körperlicher Lust verstreichen haben lassen. Etwas, das sogar benannt wird: „Das hier war tausendmal besser als Reden.“ (S. 157). Ich konnte mich einfach nicht damit identifizieren, dass ihre aufkeimende Beziehung scheinbar eine rein körperliche Komponente im Zentrum hat. Jamie sorgt sich etwa: „Ich habe mich nur gefragt, ob du zurzeit […] mit jemandem schläfst.“ (S. 414). Und auch Carter scheint rein den Sex mit ihr vermisst zu haben (vgl. S. 438). Solche Beziehungen haben ganz gewiss auch ihre Daseinsberechtigung, ich persönlich konnte nur relativ wenig damit anfangen.

Du merkst schon: weder die Geschichte, noch die Figuren (bzw. deren Beziehungen zu einander) konnten mich wirklich überzeugen. Die Leserunde hat trotzdem sehr viel Spaß gemacht und ich war sehr gerne dabei. Das war ein wunderbarer Anreiz immer weiter zu lesen. Mal sehen, ob ich mich noch einmal in das Genre New Adult traue, oder ob ich es vielleicht einfach bei diesem Buch belassen sollte.

Falls doch nicht, gebe ich dir jedenfalls Bescheid.

Deine Daffy

Veröffentlicht am 08.11.2019

Nicht so gut wie seine Vorgänger, aber trotzdem ein solides Jugendbuch

Prinzessin undercover – Entscheidungen
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Liebe Daisy,

wie du weißt, bin ich gerade etwas zu sehr von der Prinzessin Undercover Reihe von Connie Glynn begeistert; wenig überraschend also vermutlich, dass ich nun auch den dritten Band, der den ...

Liebe Daisy,

wie du weißt, bin ich gerade etwas zu sehr von der Prinzessin Undercover Reihe von Connie Glynn begeistert; wenig überraschend also vermutlich, dass ich nun auch den dritten Band, der den Untertitel „Entscheidungen“ trägt, verschlungen habe. Dieser ist gerade erst im Oktober 2019 bei KJB erschienen (sehr unpraktisch, weil das heißt, dass ich noch eine gute Weile auf Band 4 und 5 warten werden muss).

Im Anschluss an den Showdown des zweiten Bandes, beschließen unsere ProtagonistInnen, dass es an der Zeit ist, etwas Abstand zu gewinnen. Sowohl Ellie, die Prinzessin von Maradova, als auch Lottie, die für die Öffentlichkeit deren Rolle einnimmt, sind begeistert von der Möglichkeit, Sommerkurse in Tokio zu belegen. Doch eine gewisse Gangstergruppe lässt sich davon nicht beirren und es wirkt fast so, als würden deren böse Machenschaften ihnen bis nach Japan folgen.

Ich muss sagen, dass ich ursprünglich ein bisschen enttäuscht davon war, dass die Autorin von ihrem bisherigen Schema, ein Schuljahr pro Buch zu behandeln, abgewichen ist. Retrospektiv mochte ich es aber eigentlich ganz gerne: das Buch war, wie auch seine Vorgänger, in der dritten Person geschrieben. Dieses Mal hat die Autorin mehr Fokalisierungsfiguren eingebaut, so dass wir die Geschichte aus den verschiedensten Standpunkten erleben konnten. Die geografische Verlagerung hat bewirkt, dass verschiedene Figuren an verschiedensten Orten Abenteuer erleben. Somit hatte die Geschichte mehr Potential, Spannung zu entwickeln.

Leider muss ich zugeben, dass sie dieses nicht vollständig ausgereizt hat. Zumindest für mich als erfahrene Leserin, waren viele Dinge sehr vorhersehbar und ich hätte mir einen dichteren Plot gewünscht. Dadurch, dass z.B.: die Identität des Anführers der Bösewichte seit Band 1 für mich klar auf der Hand lag, war das Rätsel darum kein Spannungsträger mehr; stattdessen habe ich sehr viel Zeit dieses Buches darauf verbracht, mich zu fragen, wieso die Figuren nicht darauf kommen – besonders, da einige von ihnen ja geschult darin sind, Situationen schnell zu sondieren und entsprechend zu handeln.

Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt: den Figuren und der Entwicklung der Beziehungen dieser untereinander. Ich muss leider sagen, dass ich diese auch nicht sonderlich spannend fand. Du wirst dich vielleicht an dieser Stelle fragen, wieso ich dem Buch drei Sterne gebe, wenn ich mit so vielen Dingen unzufrieden bin. Das Ding ist, dass das Buch eigentlich nichts tut, was sein Vorgänger nicht auch schon gemacht hätte. Der Stil ist weiterhin locker flockig und ich finde diese Darstellung einer (sich anbahnenden) Liebesgeschichte super spannend. Auch das Konzept von Personenschützerin und Prinzessin und der Darstellung dieser beiden ist wunderbar und macht Freude beim Lesen. Mein Problem lag darin, dass ich das Gefühl hatte, den Großteil dieses Buches schon gelesen zu haben. Es war mir zu ähnlich zu Band 1 und (ganz besonders) 2. Es war zu wenig Neues: sowohl auf der Ebene der Narration, als auch in den Beziehungen zwischen den Figuren. Somit fühlte es sich an, als würde man sich ständig im Kreis drehen. Vielleicht hätte die Autorin die Serie auf ein Buch weniger auslegen sollen – es fühlte sich nämlich verdammt nach einem Füllband an. Vielleicht hätten die Ideen einfach nur für drei Kapitel gereicht? Wer weiß?

Ich bin gerade sehr unschlüssig, ob ich die Serie weiterlesen möchte, wenn die restlichen zwei Bände rauskommen. Irgendwie sind mir die Figuren ja doch sehr an’s Herz gewachsen und ich bin eigentlich gespannt wie ein Flitzebogen, wohin sich die Beziehungen dieser entwickeln werden. Aber noch ein Buch, in dem sich eben nichts entwickelt, muss leider nicht sein…

Ich halte dich auf dem Laufenden!

Deine Daffy