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Veröffentlicht am 14.10.2019

Ein Sequel, das nicht mit der ursprünglichen Reihe mithalten kann

Zimt und verwünscht
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Hallo Daisy,

huch, was ist das denn für ein Geruch in der Luft? Es riecht als wäre jemand spät dran mit den Weihnachtsbäckereien – oder nein, noch viel besser, als würde jemand Zimtschnecken backen. Als ...

Hallo Daisy,

huch, was ist das denn für ein Geruch in der Luft? Es riecht als wäre jemand spät dran mit den Weihnachtsbäckereien – oder nein, noch viel besser, als würde jemand Zimtschnecken backen. Als wären wir hier bei Zimt & weg. Aber das kann ja nicht sein, die Trilogie haben wir doch beide schon letztes bzw. sogar schon vorletztes Jahr ratzfatz verschlungen. Dachte ich... Bis ich letzte Woche in den Buchladen ging und da ein neuer Band der Reihe lag; erkennbar am wundbaren Cover - das ist mal eine Buchserie, die richtig schön im Regal aussieht! Da lag es nun jedenfalls: Zimt & verwünscht von Dagmar Bach, gerade mal im Dezember 2018 bei KJB erschienen. Und es bestand kein Zweifel, es musste sofort mit.

Wenn du dich jetzt (wie ich nach meinem anfänglichen Freudentanz) fragst, wie dieses Buch in das Konzept einer Trilogie passt, ich glaub’ ich hab’s verstanden! An sich haben wir Vicky in den ursprünglichen drei Bänden ja auf allerlei Abenteuer begleitet: von Verliebtheiten, zu Familiengeheimnissen, bis hin zu Sprüngen zwischen verschiedenen Parallelwelten, die - wie man sich leicht vorstellen kann - allerlei Probleme mit sich gebracht haben. All diese verworrenen Handlungsstränge hat Dagmar Bach sagenhaft über drei Bücher gestreckt und am Schluss verknüpft. Wo nun aber setzt Zimt & verwünscht an? Es handelt sich (ganz offiziell, hab ich mir nicht ausgedacht) um ein Sequel. Es erinnert mich tatsächlich ein bisschen an die Selection Stories von Kiera Cass, weil es ebenfalls aus so vielen Kleinteilen besteht: das Buch beinhaltet eine 140 Seiten lange Kurzgeschichte mit einem Abenteuer der uns bekannten Heldin (dazu gleich noch mehr), dann einen Brief der Autorin (ebenfalls), anschließend eine Leseprobe einer zukünftigen Jugendbuchreihe von Dagmar Bach (mit neuen Protagonisten und Protagonistinnen) und zum Schluss noch ein Bonuskapitel mit Vicky und co. Du merkst es vielleicht schon beim Lesen: es geht ein bisschen kreuz und quer – ob eine andere Reihenfolge da nicht vielleicht ansprechender gewesen wäre?

Erst einmal zu der Kurzgeschichte: Vicky, ihre Freunde und Familie machen einen Ausflug aus ihrem Dorf in eine (nicht näher benannte) Großstadt. Neben allerlei alltäglichen Komplikationen kommen dann auch noch die altbekannten Sprünge in eine Parallelwelt hinzu; mit einer Version von Vicky, die diese so gar nicht verstehen kann. Ich übrigens auch nicht. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Bänden, in denen Vicky immer versucht hat, mit ihrem Alter-Ego Kontakt aufzunehmen, um es besser zu verstehen, hatte ich das Gefühl, dass dieser Aspekt hier zu kurz kam. Selbiges gilt leider auch für den Kontakt mit anderen Figuren in der Parallelwelt: Vickys Kommunikationsbereitschaft ist erheblich gesunken. Beziehungsweise ihre Kompetenz. Sie macht allerlei Fässer auf, beginnt zum Beispiel über die Beziehung ihres Alter-Egos zu anderen Figuren nachzudenken, verwirft diese Gedanken aber meist direkt wieder; immer unter dem Vorwand, nicht auffallen zu wollen. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass es mehr daran lag, dass Vicky zu beschäftigt damit war, im Selbstmitleid zu versinken. Das hat beim Lesen leider nur bedingt Spaß gemacht. Die Sequenzen, die in der Realität mit dem Ausflug in die Stadt gespielt haben, hatten dafür wieder den Pepp, der die ursprünglichen Bände so fantastisch gemacht hat.

Wobei ich sagen muss, dass ich nicht das Gefühl hatte, dass die Figuren wirklich da waren. Es ist ja schon ein bisschen länger her, dass ich die Bücher gelesen habe, aber ich hatte den Eindruck, dass Vickys Charakter ursprünglich mehrdimensionaler war. Sie hat Momente, in denen das nochmal durchkommt, aber größtenteils vergeht sie (als Alternative zum Selbstmitleid) im Liebesglück und ist zu keinem anderen Gedanken mehr fähig. Man merkt leider, dass die Geschichte der uns bekannten Figuren mit dem Ende von Zimt & ewig eigentlich abgeschlossen war. Gleichzeitig traut die Autorin sich nicht, für die Figuren relevante Konflikte, wie etwa einen in der Beziehung von Vicky, zu schaffen. Verständlich. Den innerhalb von 140 Seiten aufzubauen und zu lösen, wäre eine Herausforderung – und vielleicht auch gar nicht notwendig. Aber so wie sich das Buch in seiner jetzigen Form gelesen hat, hatte ich das Gefühl, dass den Figuren die Motivation zum Handeln fehlte. Es fehlte der Konflikt, oder das Problem, das die Narration in’s Rollen gebracht hätte. Die Vorkommnisse, die die Autorin dafür verwendet, fühlen sich an den Haaren herbei gezogen an: etwa, dass Vicky (ohne ein Handy zu haben) ihre Freunde verliert, weil sie meint, den Bahnsteig der Ubahn entlang laufen zu müssen, bis sie beim richtigen Waggon ist, anstatt einfach einzusteigen (S. 22); selbst als Landei (oder speziell als solches, das es gewöhnt ist, nur einen Zug pro Stunde zu haben), würde man das nicht machen. Wer spät dran ist, sprintet zur Bahn – egal in welchen Waggon man kommt. Hauptsache drinnen.

Tatsächlich war das abschließende Bonuskapitel in dieser Hinsicht stimmiger. Es gab einen klaren Handlungsbogen, der durch einen eindeutigen Anreiz motiviert wurde. In der Kurzgeschichte waren jedoch alle bekannten Figuren schon zu Beginn mit einem Happy End versorgt und die Handlungsstränge der neu etablierten, potentiell interessanten Figuren, wurden nicht zu Ende geführt. Was natürlich Absicht ist.

Und damit kommen wir zu meinem größten Kritikpunkt: der Passage, die nach der Novelle kam. Der Brief der Autorin. Ich hab es mir beim Lesen der Kurzgeschichte schon gedacht, aber sie hat es noch einmal explizit bestätigt: es wird eine neue Trilogie geben, deren Protagonisten als Nebenfiguren in Zimt & verwünscht etabliert wurden. Die nicht geklärten Handlungsstränge der Kurzgeschichte sind Teaser für das neue Buch. An dem Punkt hatte ich da ganz ehrlich nicht wirklich Lust drauf; wobei ich zugeben muss, dass die anschließende Leseprobe der neuen Reihe (scheinbar ohne Vicky & co.) meine Meinung etwas geändert hat: da waren der Pepp und die mehrdimensionalen Figuren wieder! Das wird also definitiv ein Buch, in das ich reinschauen möchte (Glück und los, KJB 2019).

Ich frage mich nur wirklich, ob es dieses Übergangsbuch gebraucht hätte. Die Abenteuer von Vicky und ihren Freunden waren ein großartiges Leseerlebnis, keine Frage. Aber es war eben genau das: ein Abenteuer, das sein Ende gefunden hatte. Das jetzt wirkte eher wie ein nachträglicher Gedanke. Wobei der sich nicht mal ausgereift anfühlte: der (leider wenig etablierte) Konflikt in der Parallelwelt erinnerte mich dafür etwas zu sehr an den aus Zimt & ewig. Und ja, das abschließende Bonuskapitel war ganz herzig, aber ein bisschen wie Gilmore Girls – a Year in the Life: süß, aber man fragt sich, ob es das wirklich gebraucht hätte.

Insgesamt würde ich dir das Buch tatsächlich nur empfehlen, wenn du das große Bedürfnis hast, mehr von Vicky zu lesen. Ansonsten würde ich dir raten, eher auf kommenden Sommer zu warten, wenn Glück und los rauskommt. Ich bin guter Dinge, dass die Geschichte ihr eigenes Ding, mit eigenen Konflikten aufbauen wird und freue mich, die neuen Figuren kennenzulernen. Falls du dich wunderst: die Leseprobe hat gezeigt, dass die neuen Figuren am Anfang der neuen Serie etabliert werden; das Wissen aus diesem Buch ist also nicht notwendig um diese zu beginnen.

Bis ganz bald,
Daffy

Veröffentlicht am 14.10.2019

Große Erwartungen, die nicht erfüllt wurden

Animant Crumbs Staubchronik
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Liebe Daisy,

huhu, hier bin ich wieder. Wo ich war? In der Vergangenheit natürlich. Genauer gesagt in London, 1890. Wie ich dorthin gekommen bin? Nein, nicht mit einem Chronographen, sondern mit dem Buch ...

Liebe Daisy,

huhu, hier bin ich wieder. Wo ich war? In der Vergangenheit natürlich. Genauer gesagt in London, 1890. Wie ich dorthin gekommen bin? Nein, nicht mit einem Chronographen, sondern mit dem Buch Animant Crumbs Staubchronik von Lin Rina. Das hat sie ursprünglich auf Wattpad veröffentlicht, bevor Drachenmond es verlegt und 2017 in gebundener Form auf den Markt gebracht hat. Und lass dir sagen: das Design ist eine Augenweide!

Der Roman folgt der Geschichte von Animant, die aus einer wohlhabenden Familie stammt und von ihrer Mutter verheiratet werden soll. Das passt ihr aber gar nicht, da sie ihre Zeit lieber mit geistreichen Büchern, als mit stinklangweiliger, sozialer Etikette verbringt. Wie es das Schicksal so will, bietet sich gerade im rechten Moment die Möglichkeit für sie, einen Monat lang nach London zu gehen, um dort in einer Bibliothek zu arbeiten. Als Assistentin des verschrobenen Bibliothekars, was ihre Welt natürlich völlig auf den Kopf stellt.

Klingt soweit eigentlich nach einer ganz spannenden Prämisse, oder? Eine starke Protagonistin, die sich gegen eine patriarchale Gesellschaft durchsetzen möchte. Leider ging das Konzept (für mich) nicht auf. Das lag zum Teil an der Figurenkonstruktion, aber noch viel mehr am Schreibstil.

Aber eins nach dem Anderen, damit du nachvollziehen kannst, wo meine Probleme mit diesem Buch liegen. Erst einmal zu den Figuren. Beginnen wir mit der Protagonistin, Animant: 19 Jahre alt und ihrer Zeit mit ihrem Verhalten weit voraus. Der Klappentext betont, dass sie scharfsinnig und sarkastisch ist. Beziehungsweise sein soll. Ich habe sie als leicht zu beleidigen und selbstbezogen empfunden. Sie handelt oft impulsiv und reagiert stärker als die jeweiligen Situationen es anmuten ließen; zum Beispiel, wenn sie ihren Vorgesetzten anbrüllt, obwohl sie klar im Irrtum ist (S. 118f). Ihre „sarkastischen“ Kommentare waren leider öfter als nicht beleidigend. Ich hatte dabei das Gefühl, dass die Autorin gewisse Charakterzüge zu sehr vermitteln wollte und dabei über das Ziel hinausgeschossen ist. Dadurch entstanden unter anderem absurde Aussagen, die sich bzw. die Figuren nicht richtig einordnen ließen, z.B.: „Aber vielleicht musste das auch sein als Strafe für mich und meinen Frevel an einem verliebten Mann" (S. 267). Hier zeigt sich zudem, wie wichtig Animant sich selbst nimmt. Im Positiven wie im Negativen: Sie denkt, Dinge passieren nur, um sie zu ärgern, und fühlt sich gleichsam verantwortlich für solche, die nichts mit ihr zu tun haben (z.B.: S. 497/501). Dies gilt allerdings nur, wenn es zur Handlung beiträgt (dazu gleich noch mehr); an anderen Stellen sind ihr ihre Freunde nicht einmal wichtig genug, um ihnen zuzuhören: „[Sie] war zum Glück mit ihren eigenen Gesprächsthemen beschäftigt [...]“ (S. 518).

Auch der Forderung nach Scharfsinn wird nachgegangen. Die Figur rühmt sich mit ihrem nüchternen, logischen Blick. Eine Instanz, in der das besonders deutlich zu spüren ist, ist ihr Zugang zu Männern. Sie möchte nicht verheiratet werden und argumentiert sämtliche potentiellen Freier weg. Das gelingt ihr problemlos (zumindest vor sich selbst), weil sie sich den Menschen in ihrer Umgebung mehrheitlich intellektuell überlegen und sich befähigt fühlt, sie entsprechend zu behandeln. Aber glaub bitte nicht, dass sie alle konsequent gleich behandelt. Sie schwärmt durchaus für alle möglichen „jungen Männer“. Zwar stellt sich später heraus, dass diese ein höheres Bildungsniveau zu haben scheinen, doch das, was Animant positiv herausstreicht, beruht meist auf Oberflächlichkeiten (wie oft wir von den verschiedenen Schattierungen der Augenfarbe ihrer zwei Favoriten gehört haben, kann ich dir gar nicht sagen).

Zudem hat Animant ein zweifelhaftes Urteilsvermögen. Als sie an einer Stelle (im wahrsten Sinne des Wortes) in der Klemme steckt, will sie sich nicht helfen lassen, obwohl sich jemand dazu bereit erklären würde. Der Grund dafür ist, dass ihr Rock verrutscht ist und man ihre Unterwäsche sehen könnte (S. 165f.), weswegen sie lieber Knochenbrüche in Kauf nehmen möchte. An einer anderen Stelle, stellt sie einer anderen Figur nach und findet erst etwas Verwerfliches daran, als eine Konfrontation erzwungen wird. Doch ihr Gegenüber reagiert nicht so wie man erwarten würde, sondern tut es mit einem Lächeln ab (S. 381f.). Wie soll man denn Figuren mit so fragwürdigen Moralvorstellungen ernst nehmen?

Die Namen der Figuren wirken zudem sehr gewollt: Die Hauptdarstellerin heißt, wie bereits erwähnt, Animant, vom Lateinischen „animare“, was übersetzt „belebt“ heißt; bestimmt eine Anspielung auf die Charakterzüge, die vermittelt werden sollen. Der Bibliothekar heißt Mr. Reed, eine Studienkollegin Elisa Hemmilton; diese Anspielung an das Musical Hamilton ist nicht gerade subtil. Was mich zu den anderen Charakteren der Geschichte bringt. Die sind leider kaum sympathischer und lesen sich als überaus platte Stereotypen. Bei vielen der Nebenfiguren hatte ich jedenfalls das Gefühl, dass sie reine FunktionsträgerInnen waren, die die Handlung weitertreiben sollten. Sie werden auf einzelne Eigenschaften beschränkt und man erfährt nichts, was nicht unwesentlich zur Haupthandlung beiträgt. Sehr schade, weil vernetzte Geschichten beim Lesen doch mehr Spaß machen als streng lineare. Aber zum Schreibstil erzähle ich eh gleich nochmal mehr. Um nochmal auf die Figuren zurückzukommen: Ich fand Animants potentielle Love Interests leider ebenfalls wenig ansprechend bzw. interessant. Sie sind im Endeffekt Edward, bloß auf zwei Figuren aufgeteilt: der eine vom Verhalten, der andere vom Äußeren; ich sag nur: „und das Gold in seinen Augen wurde flüssig“ (S. 240). Ich habe den Versuch ihnen Tiefe zu geben mitbekommen, aber durch die subjektive Wahrnehmung der Protagonistin (die sehr schwarz/weiß kategorisiert), wurden die beiden ebenfalls auf wenige Charakterzüge reduziert. Die Vermutung, dass sich im Verlauf der Geschichte kaum Charakterentwicklungen ergeben würden hat sich somit leider bestätigt.

Ich hatte auch das Gefühl, dass die Romanze sich nicht natürlich entwickelt. Sie bevormundet und bemuttert den auserwählten jungen Mann die ganze Zeit (z.B.: S. 291), während er sich wie Edward verhält und meint, dass er nicht gut für sie sei. Im Endeffekt sind sie also beide einen Großteil des Buches davon überzeugt, dass er unzureichend für sie ist. Ich kann mich gar nicht erinnern, ob die beiden überhaupt jemals ein vernünftiges Gespräch geführt haben, bei dem sie beide im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten gewesen sind. Nichtsdestotrotz ändert Animant ihre Meinung über ihn schlagartig; ob das angebracht ist, wage ich bei dem Auslöser zu bezweifeln. Dann wird alles plötzlich extrem kitschig und sie beginnt „Sternstruktur[en] in seiner Iris [zu] erkennen“ (S. 442). (Wie gesagt, ich zweifle etwas an ihrer Zurechnungsfähigkeit.) Animant mutiert dann irgendwann vollends zu Bella (S. 536), was mich überlegen lässt, ob das hier generell mal eine Twilight Fanfiktion gewesen ist.

Was mich zum Schreibstil bringt, der meinen größten Kritikpunkt ausmacht; schwer zu fassen, wo die Figuren mich schon so aufgeregt haben, ich weiß. Spürst du meinen Seufzer? Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht wirklich am Anfang (danke, Lewis Caroll, für diesen Tipp!): wie bereits erwähnt, ist die Geschichte ursprünglich auf Wattpad erschienen. Laut Website ist das eine „social, on-the-go [storytelling] experience“ (https://www.wattpad.com/about/). Genau so fühlt sich das Buch an. Dass es von Drachenmond entdeckt und adaptiert, oder zumindest lektoriert worden ist, spürt man leider nicht; sage ich, ohne die ursprüngliche Version zu kennen.

Meine Irritation mit dem Schreibstil fängt bei banalen Dingen wie Wortwiederholungen an. Es passiert regelmäßig, dass sich diese innerhalb von zwei Zeilen (z.B.: S. 18), nicht selten direkt untereinander, finden. Etwa: „Etwas verloren stellte ich mich wieder neben den Kamin. Der Platz in jedem Raum, an dem ich mich am wenigsten verloren fühlte.“ (S. 130). Auch eine Vielzahl an Füllworten finden ihren Platz; z.B.: „Sie war eingebildet, blasiert und wirkte zudem auch noch nicht besonders intelligent.“ Zusätzlich verwendet die Autorin stellenweise willkürliche Satzzeichen (z.B.: Fragesätze ohne Fragezeichen) und Bindeworte (S. 177). Gepaart mit willkürlichen Absätzen (z.B.: S. 37 unten), die häufig nur aus einzelnen Sätzen ohne erkennbaren Zusammenhang bestehen, wirkt der Text unrund und ich musste mich oft zusammenreißen, um nicht querzulesen.

Dazu kommen Unklarheiten, die den Lesefluss stören. Teilweise entstehen sie durch grammatikalische Fehler, wie hier: „Mr Reeds Kopf drehte sich sofort in meine Richtung, als er mich so lachen hörte, kniff die Augen prüfend zusammen und ließ dann tatsächlich das Buch sinken.“ (S. 356) Wer ist hier das Subjekt? Richtig, Mr Reeds Kopf. Das macht leider genau so wenig Sinn, wie andere inhaltliche Unklarheiten, etwa „ich hörte die Schritte schon, bevor sie auch von meiner Wahrnehmung erfasst wurden“ (S. 512). Seit wann gehört das Gehör denn nicht mehr zu den Sinnesorganen, die die Wahrnehmung bedingen? Auch Kausalzusammenhänge, die so nicht gegeben sind, werden behauptet: "Ich rutschte mit dem Po ein Stück weiter auf die Stuhlkante, um aufmerksamer zuzuhören [...]" (S. 28).

Strukturell sind ebenfalls Unklarheiten spürbar: Die Geschichte ist in der Erste-Person-Perspektive von Animant geschrieben; zudem handelt es sich um eine Erzählung im Präsens. Die Erzählstruktur erlaubt es also nicht, Dinge vorwegzunehmen, da wir auf die Wahrnehmung und das Wissen der Protagonistin angewiesen sind. Die Autorin bricht jedoch mehrfach mit dieser Struktur. Sie lässt die Protagonistin völlig abgeklärt über Dinge reflektieren, die dieser zu dem jeweiligen Zeitpunkt nicht möglich wären. Etwa, wenn sie nicht im vollen Besitz ihrer geistigen Fähigkeiten ist, aber bereits darüber nachdenkt, dass sie ihr Handeln am nächsten Tag bereuen wird (S. 359/361) Dadurch brechen die etablierten Figuren, die Struktur wird uneinheitlich und der Lesefluss gestört.

Die gerade beschriebene Instanz ist zudem eine, bei der sich zeigt, wie repetitiv das Buch ist: Leserinnen und Leser bekommen haargenau mit, was dazu führt, dass die Protagonistin in so einem Zustand ist und was sich folglich entwickelt. Als sie am nächsten Morgen aufwacht kann sie sich jedoch nicht mehr daran erinnern. Es ergibt sich jedoch kein Mehrwert durch diesen Wissensvorsprung: ich konnte als Leserin beobachten, wie Animant über die nächsten (ca.) 200 Seiten krampfhaft versucht hat, die Löcher in ihrem Gedächtnis zu stopfen. Etwas, das nicht sonderlich spannend zu beobachten war, weil nichts Großes passiert war bzw. sich daraus ergeben hat. Wobei ich sagen muss, dass der gesamte Plot sich sehr dünn anfühlte; aber vielleicht bin ich einfach zu leseerfahren für dieses Buch? Es war jedenfalls wenig reizvoll, die Erlebnisse von diesem Abend drei Mal präsentiert zu bekommen. Viel spannender wäre es gewesen, von dem linearen Prinzip abzuweichen und etwa beim Erreichen des veränderten geistigen Zustandes einen Zeitsprung einzubauen. Dann hätten Rezipienten und Rezipientinnen die Chance, mit der Protagonistin mitzufiebern, was passiert sein könnte und es gemeinsam mit ihr zu entdecken.

Diese inhaltlichen Rekapitulationen von Gesagtem finden sich noch häufiger (z.B.: S. 412/415), auch im kleineren Rahmen. Es werden regelmäßig bereits mehrfach etablierte Dinge (wie etwa die Augenfarben der Herren, pardon, jungen Männer) angesprochen. Oder aber, offenkundige Dinge mitgeteilt, wie hier „ich hatte noch nie in einer Bibliothek gearbeitet.“ (S. 30) Eine Aussage Animants, die an diesem Punkt nichts Neues für uns ist, da wir wissen, dass sie noch nie gearbeitet hat. Diese inhaltlichen Wiederholungen machen wohl einer der Gründe dafür aus, dass mir die zweite Hälfte des Buches irrsinnig lange vorgekommen ist. Ein weiterer könnte darin begründet liegen, dass die Autorin häufig zusammenfassend beschreibt, anstatt die situativen Szenen selbst zu entwickeln. Etwas, das den Figuren sicherlich gut getan hätte, da Leserinnen und Leser sie nicht nur durch Animants Augen gefiltert, sondern häufiger im direkten Gespräch erleben hätten können.

Leider scheint der Autorin und dem Lektorat auch entgangen zu sein, dass Dinge gesagt werden, die später geäußerten widersprechen: Der Bibliothekar weist Animant etwa an: „Dann schlage ich vor, Sie sehen sich ein bisschen um, bis ich so weit bin [...]“ (S.44). Kurz darauf fährt er sie an: „Es ist eine Dreiviertelstunde vergangen, seit ich Sie entlassen habe. Und ich habe wahrlich keine Zeit, Sie im ganzen Gebäude zu suchen“ (S. 48). Auch innerhalb weniger Sätze kommt dies vor. Wenn die Autorin etwa beschreibt, wie der Schnee im Tageslicht glitzert, zwei Sätze später aber erklärt, dass die Figuren den Weg ohne Straßenlaternen nicht finden würden (S. 389).

Solche Vorfälle kommen leider häufiger vor und haben ein unstimmiges Gefühl hervorgerufen. Wie bereits erwähnt, bin ich mir bewusst, dass die Geschichte ursprünglich nicht als Buch geplant gewesen war. Ich habe früher genug Fanfictions gelesen, um zu wissen, dass diese nicht immer komplett logisch kohärent sind/sich wiederholen, weil zwischen dem Schreiben der einzelnen Kapiteln oft viel Zeit vergeht. Entsprechend ist man als Leser und Leserin solcher dankbar, an frühere Ereignisse erinnert zu werden. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass der Verlag an dieser Stelle eingegriffen hätte. Inhalte wollen eben doch an das jeweilige Medium angepasst werden. Das gilt in diesem Fall auch für die Kapitelüberschriften. Ich kann mir vorstellen, dass die wunderbar für die Onlineversion funktioniert haben: sie tragen die jeweilige Nummer und eine Zusammenfassung des Kapitels im Namen, etwa „Das Erste, oder das, in dem mein Onkel zu Besuch kam“ (S. 8). Online hilft eine Übersicht der vergangenen Kapitel bestimmt, sich zu erinnern, wo man sich in der Geschichte befindet, wenn man länger nicht gelesen hat; oder, um neue Leser und Leserinnen anzuwerben. In Buchform ist das jedoch nicht mehr nötig und nimmt leider viel vorweg, wenn man das Buch nur aufschlägt und nach seinem Lesezeichen sucht.

Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die Autorin viele Möglichkeiten hat verstreichen lassen (wieder: bei einer Online Plattform, keine Schande. In Buchform, hätte das gerne noch ergänzt werden dürfen). Etwa das Archiv im Keller, von dem ich mir viel versprochen habe, was sich nicht eingelöst hat. Ohne zu viel zu sagen: auch das Ende hätte Potential gehabt (es hätte mich fast dazu gebracht, dem Buch noch einen Stern mehr zu geben). Dann sind aber leider noch die letzten acht Seiten gekommen und ich stand wieder kurz davor, das Buch gegen die Wand zu werfen. Sehr schade.

Ich muss auch sagen, dass ich mit einigen inhaltlichen Dingen nicht ganz zufrieden war. Vieles, etwa Buchtitel, die erwähnt wurden, war gut recherchiert und zu der Zeit schon verfügbar. Anderes war damals schon erfunden gewesen, aber kaum im Umlauf, z.B.: Mineralwasser, was mich stutzig hat werden lassen. Das war einer der Momente, in denen ich unterbrochen und erst einmal recherchiert habe, ob das denn auch alles so stimmt, wie es behauptet wird. Ein interessanter Lerneffekt, der jedoch vermutlich nicht von der Autorin intendiert worden ist. Manche der beschriebenen Dinge waren (so hat meine Recherche gezeigt) in der behaupteten Form jedoch definitiv nicht möglich: heißes, fließendes Wasser zum Beispiel. Oder eine Maschine, die eingravierte Zahlen abtasten, analysieren und mit anderen vergleichen kann (S. 91) – dafür bräuchte es einen Computer. Ich weiß auch nicht, warum es dieses Objekt gebraucht hat. Meiner Meinung nach, wäre die Story auch ohne diesem ausgekommen. Die eine, für die Handlung relevante Sequenz, die damit zu tun hat, hätte man bestimmt auch anders bauen können, um denselben Effekt zu erzielen.

Dasselbe gilt für den Religionskonflikt, der aufgemacht wird: Es handelt sich um ein romantisches Jugendbuch. Warum braucht es den Antisemitismus als nebensächlichen Konflikt? Das kann dem Ausmaß davon doch gar nicht gerecht werden. Sich diese Thematik zu schnappen, um ein Problem zu schaffen, das die Handlung vorantreiben soll, habe ich als äußerst respektlos empfunden. Zumal ich der Ansicht bin, dass die vorherrschende Religion in England zu der Zeit (nämlich seit 1688) die evangelische und nicht die römisch-katholische ist, der Animant hier anzugehören scheint.

Ich muss also leider sagen, dass dieses Buch mich gar nicht überzeugen konnte. Entsprechend verwundert bin ich über den Hype und darüber, wie alleine ich mit meiner Meinung bin. Ich kann mir vorstellen, dass unerfahrenere, jüngere Leserinnen ab zehn Spaß an diesem Buch haben könnten. Aber selbst diesen würde ich zuerst eine Vielzahl an anderen Büchern empfehlen. Leserinnen und Leser mit höherem Anspruch an Schreibstil und Figurenkonstruktion, sowie Entwicklungsbögen dieser, würde ich das Buch auf keinen Fall empfehlen.

Deine Daffy

Veröffentlicht am 14.10.2019

Mystischer Arena Thriller

Sommernachtsfunkeln
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Liebe Daisy,
spät aber doch melde ich mich nun mit meiner Rezension über Sommernachtsfunkeln von Beatrix Gurian. Wir haben schon so viel über dieses Buch gesprochen, da musste ich die Zeit finden, um meine ...

Liebe Daisy,
spät aber doch melde ich mich nun mit meiner Rezension über Sommernachtsfunkeln von Beatrix Gurian. Wir haben schon so viel über dieses Buch gesprochen, da musste ich die Zeit finden, um meine Gedanken zu Papier zu bringen.

Das Buch erzählt Katis Geschichte: diese war kurz vor Beginn der Narration in einen Unfall, der sie mit einer großen Narbe im Gesicht zurückgelassen hat, verwickelt. Ihr Selbstwertgefühl ist im Keller, woran die Autorin uns immer wieder erinnert (kein Witz: immer und immer wieder). Und was macht man als Teenager, der sich unwohl fühlt? Richtig, weglaufen. Von Deutschland in die USA, um dort Au Pair zu machen. Kati lässt also ihren besten Freund Luke zurück, verschiebt das Abitur auf später und startet eine Reise der Selbstfindung eines neuen Ichs. Auf dieser lernt sie einen mysteriösen Fremden kennen, der ihr Herz höher schlagen lässt. Doch ist alles was glänzt wirklich Gold?

Ich hab das Buch nun schon zum zweiten Mal gelesen und muss zugeben, dass es mich wieder absolut in seinen Bann gezogen hat, so dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Ähnlich wie Glimmernächte von derselben Autorin; das haben wir ja beide gelesen, da weißt du also, was ich damit meine, dass ein Buch einen fesselt, auch wenn man hinterher nicht mehr sagen kann, wieso. Oder sich an den Inhalt erinnern kann. Ich hab mich dieses Mal bemüht, bewusster zu lesen und darauf zu achten, woran es liegt:

Erst einmal das Cover. Arena hat ein Händchen dafür, glitzerschöne Cover zu entwickeln – im wahrsten Sinn des Wortes. Das Buch entstammt eindeutig der Zeitspanne, in der Mädchen in spektakulären Kleidern sämtliche Jugendbücher schmückten (aka 2017). Dass es keinen direkten Bezug zur Handlung hat, tut der Sache aber Abbruch: es ist hübsch anzuschauen und man möchte das Buch sofort in die Hand nehmen und zu lesen beginnen.

Die Geschichte selbst entfaltet sich auf drei Ebenen: abwechselnd wird von Katis und Lukes Erlebnissen erzählt; dazu kommen die Ereignisse aus der Nacht des Unfalls. Spannend hierbei sind die Kapitelübergänge, die häufig mit Match-Cuts funktionieren und einen somit direkt in das nächste Kapitel ziehen. Gelungen finde ich, dass die drei Perspektiven mit je einer Illustration am Anfang des Kapitels verbunden sind, so dass man direkt zuordnen kann, welche Perspektive man lesen wird. Ich mochte auch, dass die Autorin immer wieder englische Phrasen eingearbeitet hat, um einen daran zu erinnern, dass Teile des Buches in den USA spielen.

Ich fand es interessant, dass sich Katis Vorgeschichte erst Stück für Stück erklärt. Durch die verschiedenen Perspektiven und die damit verbundenen subjektiven Wahrnehmungen (das gepaart mit der dritten Person Erzählperspektive ist eine ganz spannende Mischung) wird zudem der Gegensatz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung betont. Das ist vor allem im Bezug auf Katis Narbe spannend zu beobachten, offenbart aber auch einige Missverständnisse. Die Freundschaft zwischen Kati und Luke wird zudem nachvollziehbar entwickelt und nicht nur behauptet: sie haben gemeinsame Rituale und Spiele, die sie zusammen entwickelt haben. Generell haben die Figuren Gemeinsamkeiten, aber auch individuelle Eigenschaften und Hobbies, wodurch sie zu interessanten, vielschichtigen Charakteren werden. Aber keine Sorge, den Charme ungelenker Teenager verlieren sie dabei nie. Ich habe gerne von ihnen gelesen, obwohl ich mich mit keiner der Figuren identifiziert habe. Ich vermute jedoch, dass es jüngeren Leserinnen anders gehen wird – als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe (und entsprechend jünger war), war ich, soweit ich mich erinnere, viel dichter an Kati dran als jetzt. Eventuell war ich dieses Mal auch etwas von der (allegorischen) Symbolik abgelenkt war, die ich zu entschlüsseln versucht habe; beim ersten Mal lesen hab ich sie größtenteils ignoriert. Es ist also durchaus ein Buch, bei dem es sich lohnt, es noch einmal zu lesen. Man entdeckt viele neue Elemente, die erst im großen Zusammenhang Sinn ergeben.

Ich will nicht zu viel über das Ende verraten, aber für mich hätte es den Epilog tatsächlich nicht in dieser Form gebraucht. Ja, es ist ein Ansatz, das relativ offene Ende zum Teil zu erklären, aber ich habe mich gefühlt, als würde ich mit dem Zaunpfahl erschlagen werden. Ich wäre gespannt, was du dazu sagst. Falls du das Buch lesen möchtest: es steht in meinem Regal (, sieht dabei sehr schön aus) und wartet auf deinen Besuch.

Bis bald,
Daffy

Veröffentlicht am 14.10.2019

Unconventional Chosen One

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow Roman
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Dear Daisy,
hello there, how are you? I hope as marvellous as me? You wonder, why I am this happy? Because I just came back from a magical adventure loaded with lots of feelings. If you want to embark ...

Dear Daisy,
hello there, how are you? I hope as marvellous as me? You wonder, why I am this happy? Because I just came back from a magical adventure loaded with lots of feelings. If you want to embark on this journey as well, I can gladly recommend Rainbow Rowell’s Carry On which was originally released by Macmillan in 2015.

The story follows the protagonist Simon Snow and his friends. Their quest? Saving the magickal (not a typo, I promise) world from a creature that threatens to suck all the magic out of it. Sounds like the typical Chosen One story, doesn’t it? I can promise you one thing: it isn’t. The thing is, Simon isn’t very good at wielding his powers. Even though he’s been attending a school for magic for the past seven years and has his witty best friend by his side. (I realise the Harry Potter vibe this is giving off but I’ll talk more about this a bit later). Additionally, he has to share a room with his archenemy and his relationship is going through some serious trouble. You see: things aren’t going well for our knight in shining armour. But that’s exactly what this book is about: A Chosen One who doesn’t fulfil his or her trope.

Having read numerous (and I mean NUMEROUS) of books focusing on said trope I absolutely loved the new perspective Carry On presented. Some of them, I saw coming, others I didn’t and they took me by complete surprise: I hadn’t been aware how quick I was at stereotypically categorising characters.
However, this wasn’t the only thing that made this book an amazing read for me. I also enjoyed that it didn’t so much focus on the action (it did. Don’t get me wrong. There was lots of it.) but also on the characters and their relationships to each other. While Harry Potter (I’m probably over-citing this but I guess it’s the best example.) has a lot of plot and the characters are well rounded, there is a lot of interpersonal stuff we don’t see and/or experience as readers. Partly because we see the whole story through Harry’s eyes and he’s too busy saving the world to focus on anything else– especially in later years. In contrast to that, Carry On is told through varying perspectives. All of which were clearly distinguishable by their style of writing. This allowed for a deeper insight into the characters psyche and made them feel a lot more relatable than just seeing everything through the eyes of one character.

I feel like I have to mention how quick I got through this book: it had an immense pull and immediately drew me in. Though, to be honest, I approached it with a lot of prior-knowledge: I’d read all the Harry Potter novels (numerous times…), plenty of other YA literature and, of course, Fangirl. The latter was the reason I actually got this book: it treats this one as fiction and talks about some aspects of the plot and the characters’ relationships. Hence, I already knew a bit about what was going on. Whilst reading Carry On , I sometimes felt as if it’d have taken me longer to put together all the pieces of the characters and their plottings otherwise. Which isn’t a bad thing, just something to consider: I feel like I’d recommend reading the two books in the order I did to get the most out of one’s experience (though, of course, they can be read individually) – upon finishing this book, I actually felt a strong sense of satisfaction because it answered some of the things left open in Fangirl.

As I’ve already mentioned: there are some parallels to Harry Potter. And I found myself thinking at times (especially in the beginning) that this felt like a fanfiction. A really, really freaking awesome fanfiction. But now that I’m done, I’m not so sure anymore: surely, the book uses tropes that were also used in Harry Potter but in a completely different way: the character constellations as well as their motives and doings are nothing like the ones in Harry Potter. Yes, they go to a wizarding school in England but that’s pretty much where the similarities end. The whole point of this book is to make you question tropes you’ve read a hundred times over – and it very successfully does that.

Hence, I’ll leave you with a huge recommendation for this book and gladly further indulge in the positive feeling it left me with.
Love,
Daffy

Veröffentlicht am 14.10.2019

Berührender Jugendroman

Der Junge mit dem Herz aus Holz
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Hallo, Hallo, liebe Daisy,
weil heute St. Patrick's Day ist möchte ich dir passender Weise ein Buch von einem wunderbaren irischen Autor vorstellen: Der Junge mit dem Herz aus Holz von John Boyne. Der ...

Hallo, Hallo, liebe Daisy,
weil heute St. Patrick's Day ist möchte ich dir passender Weise ein Buch von einem wunderbaren irischen Autor vorstellen: Der Junge mit dem Herz aus Holz von John Boyne. Der Herr hat ja auch Der Junge im gestreiften Pyjama geschrieben, hast du das eigentlich mal gelesen? Wenn nicht, kann ich dir das nur empfehlen, das ist toll. Aber zurück zum Thema! Dieses wunderbare Buch hat mir vor einiger Zeit nämlich geholfen, meine Leseflaute zu durchbrechen, das muss gewürdigt werden!

Es geht, wie der originale Titel Noah Barleywater Runs Away (Übersetzung: Adelheid Zöfel) schon verspricht, um den achtjährigen Noah, der von Zuhause wegläuft. Es ist ein modernes Märchen und entsprechend trifft er auf seiner Reise allerlei wunderliche Gestalten. Das Ganze ist in der dritten Person geschrieben und erzählt abwechselnd von Noahs Reise und deren Hintergründen und den vergangenen Erlebnissen eines Spielzeugmachers, den er auf dem Weg trifft.

Das Buch liest sich schlüssig und ich war innerhalb der ersten paar Kapitel in der Geschichte. Das lag maßgeblich am Stil des Autors: Er verwendet zahlreiche Personifikationen, etwa eine Tür, die wandern kann, und Dielen, die sich so arrangieren, dass die Figuren nicht durch ein Loch im Boden fallen; diese wird durch zusätzliche Namensgebung der Objekte gestärkt. Gepaart mit zahllosen Übertreibungen („nachdem ich das gesagt hatte, war es eine Stunde lang still, bevor...“ ) und scheinbar willkürlichen Details („wurde ich zum schnellsten Läufer in einem Umkreis von dreiundfünfzig Meilen gekrönt“ (S.108)) konstituiert sich die fantastische Abenteuerwelt, die Noah erkundet. Diese greift die kindliche Naivität und Leichtigkeit der vergangenen Erlebnisse mit seiner Familie wieder auf und steht in starkem Kontrast zu dem, was ihn zu erwarten scheint, wenn er nach Hause zurückkehren sollte. Der alte Mann hat als Junge ähnliche Erfahrungen gemacht. Was Noah daraus lernen kann und möchte, zeigt sich im Laufe dieses berührenden Romans.

Falls du also Lektüre für verregnete Apriltage brauchst, kann ich dir dieses Buch wärmstens an’s Herz legen!

Deine Daffy