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Veröffentlicht am 16.06.2022

Wieder cool, actionreich und witzig!

T wie Tessa (Band 2) - Codewort Lotusblüte
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Seit Tessa nach ihrem denkwürdigen Casting, mit der sprechenden mongolischen Rennmaus Hector als Helfer, Mitglied in der Girl Group „Gimme Four“ und somit unwissentlich Geheimagentin geworden ist, steht ...

Seit Tessa nach ihrem denkwürdigen Casting, mit der sprechenden mongolischen Rennmaus Hector als Helfer, Mitglied in der Girl Group „Gimme Four“ und somit unwissentlich Geheimagentin geworden ist, steht ihr Leben Kopf. Dabei ist ihrer ganz schön verdreht worden von ihrem Schwarm Timo, der sie nun endlich wahrnimmt. Aber neben Schule, Bandprobe und Agentenfahrtraing hat sie keine Zeit für Privates. Außer Timo darf sie mal wieder inmitten des Chaos, zu dem ihr Leben mutiert ist, mal irgendwohin auf dem Roller mitnehmen. Das Fahrtraining um 5.oo h morgens ist der Horror, dass sie aber einen Talentwettbewerb für Nachwuchsschülerbands in einem coolen Hamburger Club organisieren sollen, ist da Meilen besser. Allerdings ist das alles nur Tarnung, um einen Drogenschmugglerring auffliegen zu lassen, der mit Konzertequipment Tonnenweise Drogen durch die Republik kutschiert. Durch Rennmaus Hector ist Tessa ihren Bandkolleginnen immer eine Nase voraus und stürzt sich mit Timo heimlich hinter die Kulissen des Hamburger Nachtlebens. Dabei machen sie eine Entdeckung, die Tessa und ihre Bandkolleginnen in Lebensgefahr bringt!

Chaotisch, gefährlich, auf der Überholspur, nicht zu glauben, Tessas (13) Leben lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Wie auch? Wer trägt auch sonst eine sprechende mongolische Rennmaus mit ganz schön großer Klasse und noch größerem Magen mit sich im Rucksack herum? Dabei besteht natürlich auch immer die Gefahr, für verrückt gehalten zu werden, weil die anderen denken, man würde in der Öffentlichkeit Selbstgespräche führen.... Ja, Tessa muss ständig auf der Hut sein! Aber für die jungen Leserinnen ist es umso witziger und rasanter! Auch wenn wir nicht mit Tessa tauschen wollen, lieben wir ihre völlig irren Abenteuer und amüsieren uns köstlich, wenn wir nicht gerade vor Spannung den Atem anhalten!

Tessa lebt den vermeintlichen Traum vieler junger Mädchen. Doch wenn sie morgens noch vor dem Morgengrauen aufstehen muss, um Autofahrtraining zu nehmen, dann dürfen sich die Leserinnen noch ganz entspannt in ihren Betten umdrehen und überlegen, dass es vielleicht doch schöner ist, von so einem Leben zu träumen oder zu lesen, statt es zu führen! Ja vor allem Hector bringt Tessa immer von einer Katastrophe in die nächste und dafür bleibt sie noch relativ gelassen! Ihr bleibt aber auch nichts anderes übrig und gleichzeitig beweist sie Nerven- und Willensstärke!

Die kleinen launigen Vignetten von Inka Vingh bereiten immer schon etwas auf das nächste Kapitel vor, wobei diese eigentlich immer so haarsträubend sind, dass man sie nicht voraussahen kann. Ja, es ist nicht realistisch, aber das macht nichts, ist James Bond ja auch nicht! Es ist witzig, actionreich und alles andere als alltäglich. Wenn das nicht nach aufregender Unterhaltung klingt! Dennoch schafft es Frauke Scheunemann als ebenso erfahrene Mutter wie Autorin, ihren Leserinnen klar zu machen, dass es eigentlich schon ganz schön ist, ein normales Leben zu führen und mancher Traum aus der Ferne viel verführerischer erscheint als in der Realität! Allerdings ist die Autorin auch Volljuristin und das mag ich ganz besonders. Die Hintergründe sind wirklich gut recherchiert und geben interessante Einblicke in die Logistik der organisierten Kriminalität.

Hector ist natürlich ein echter Knaller, aber er bekommt dieses Mal wirklich tierische Konkurrenz! Wobei sich die Autorin genüsslich bei einem Klassiker des Psychoschockers bedient, aber eben mit einem Augenzwinkern und somit bestens für die Zielgruppe ab 11 Jahren geeignet!

Wir sind gespannt wie es mit Hector und „Gimme Four“ weiter geht!

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Veröffentlicht am 11.06.2022

Wie es mit Ria weiterging....

Das zweite Geheimnis
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Dies ist die Fortsetzung des deutsch-deutschen Spionageromans: „Die fremde Spionin“:
Ihrer Tocher Annie und ihrer Schwester Jolanthe zuliebe hat Ria Nachtmann auf ein Leben in Freiheit mit ihrer Liebe, ...

Dies ist die Fortsetzung des deutsch-deutschen Spionageromans: „Die fremde Spionin“:
Ihrer Tocher Annie und ihrer Schwester Jolanthe zuliebe hat Ria Nachtmann auf ein Leben in Freiheit mit ihrer Liebe, dem westdeutschen Journalisten Jens verzichtet. Der BND hätte ihr über ihren Koordinator Stefan Hähner die Flucht ermöglicht, aber Ria wollte ihrer Schwester und ihrer Tochter nicht das Gefühl geben, sie erneut zu verlassen. Das ist nun 12 Jahre her, seither hat sie ihre Spionagetätigkeit beendet. Ihr Leben in der Koko, der ostdeutschen Koordinationsstelle Kommerz, als Sekretärin des Leiters Alexander Schalk ist Routine geworden. Kein Mann hat sie mehr interessiert. Während sie nach Bulgarien in den Urlaub reist, weilt auch Jens dort. Bei einem heimlichen Treffen, kommen die alten Zweifel wieder hoch, ob der Preis damals nicht zu hoch war. Doch auch diese zweite Chance ist ihr nicht vergönnt. Ihr Schwager, Grenzsoldat Henning Novack hielt es nicht mehr aus und versuchte die Flucht in die Freiheit. Auf der Stelle werden alle ihm Nahestehenden verhaftet und kommen in die Haftanstalt Hohenschönhausen. Ria hatte keine Gelegenheit sich von Jens zu verabschieden oder ihm ihr Verschwinden zu erklären, ehe sie in die Fänge der Stasi fällt. Stasioffizierin Marga beißt sich an der jungen schönen Ria fest und auch nach Rias Haftentlassung lässt sie sie nicht mehr aus den Augen!

Ost-Berlin Anfang der 70er Jahre. Mit Willy Brandt hat ein frischerer Wind Einzug gehalten und die Atmosphäre zwischen Ost und West scheint sich aufzulockern. Den Spionagetätigkeiten tut dies keinen Abbruch. Gerade jetzt mit dem Ukraine-Krieg, durch den immer wieder an den kalten Krieg erinnert wird, sind diese Rückblicke unglaublich interessant und wieder aktuell. Wobei ich die Anekdote um die Staatsbesuche Breschnews in DDR und Westdeutschland tatsächlich auch originell fand, während ich die Ermittlungen zur Guillaume-Affäre mit Spannung verfolgte. Zudem bekommt man über Annie Einblick in den ostdeutschen Leistungssport, nicht nur hinsichtlich des systematischen Dopings, sondern auch des Drucks und der politischen Einflußnahme die aufgebaut wurde.

Ria wird aufgerieben, zwischen der Liebe zu ihrer Tochter Annie, die sie auf das Geheiß ihrer Pflegeeltern zur Adoption freigeben musste, zu ihrer jüngeren Schwester Jolanthe, von der sie als Kind getrennt wurde, als ihre Eltern als Staatsfeinde verhaftet wurden und ihrer Liebe zu ihrem Land. Doch die Haft als Staatsfeindin, nach dem gescheiterten Fluchtversuch ihres Schwagers ist mehr als desillusionierend. Kann man in solch einem Land noch eine Zukunft haben? Wer immer noch zweifelt, ob die DDR ein Unrechtsstaat war, der merke, dass Menschen ohne Prozeß, ohne Anklage und ohne eigene Schuld verhaftet wurden, auf unbestimmte Zeit. Sippenhaft, ohne zu wissen wie und warum dies mit ihnen geschah, wurden sie systematisch gefoltert. Die Haftbedingungen waren unerträglich und trafen auch jene, die nichts getan hatten. Denn asoziales Verhalten, wie die Ablehnung zugewiesener Arbeit hieß, war auch strafbar und wurde je nach Wohnort auch mit einem Aufenthalt in der berüchtigten zentralen Stasi-Strafanstalt hauptsächlich für politisch Gefangene Hohenschönhausen bestraft. Dieses geheime Untersuchungshaftanstalt war in keinem Stadtplan eingezeichnet und existierte offiziell nicht. Daher ist es kein Wunder, dass es sich auch nicht auf dem Stadtplan des zweitgeteilten Berlins der 70er Jahre in der Umschlagklappe zu finden ist. Andere wichtige Orte für die Handlung sind dort allerdings markiert, Das ist auch sehr hilfreich bei der Orientierung der Schilderung der Weltjugendspiele 1973, die nach den olympischen Spielen 1972 in München mit den Terroranschlägen auf das israelische Team, zeigen soll, wie friedlich und weltoffen die DDR ist. Propaganda pur! Hier lässt der Autor einen Blick hinter die Kulissen zu, die zeigen, wie sehr für den schönen Schein, die Staatsführungen von den üblichen Vorgehen abweicht, um die Illustion von Freiheit und Weltoffenheit zu erschaffen.

Oliver Brod liest wirklich lebendig und natürlich, mit angenehmer Stimme. Allerdings ist diese Stimme männlich und der Hauptteil der Geschichte wird aus weiblicher Sicht geschildert, für mich wäre es daher naheliegend eine weibliche Sprecherin zu wählen, aber eigentlich wäre ein Team perfekt, da neben Ria, Marga, Annie und Jolanthe auch die Gedanken von Stefan Hähner, Henning Novack, Alexander Schalck und sogar Erich Honecker geschildert werden. Für den männlichen Part finde ich Oliver Brod auch mit seinem Geschick Honecker zu imitieren wirklich eine super Wahl, es fehlt nur die zweite Sprecherin, für die weibliche Sicht auf die politischen Entwicklungen, persönlichen Zwiespalte und inneren Nöte. Eine weibliche Stimme hätte mich wohl auch emotionaler mehr an Ria und ihre Sorge um Annie und Jolanthe gebunden, so hielt sie mich leider etwas auf Distanz.

Politisch und historisch hochinteressant!

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Romantisch, geheimnisvoll, quirlig!

Zimt – Auf den ersten Sprung verliebt
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Eigentlich könnte Vickys Leben gerade so richtig schön sein. Mit Konstantin hat sie den besten Freund der Welt und mit Pauline die beste Freundin. Ihre Eltern haben sich nach Jahren wieder versöhnt und ...

Eigentlich könnte Vickys Leben gerade so richtig schön sein. Mit Konstantin hat sie den besten Freund der Welt und mit Pauline die beste Freundin. Ihre Eltern haben sich nach Jahren wieder versöhnt und sind unglaublich verliebt ineinander. Allerdings ist Pauline nun kurzsichtig und verzweifelt an ihren Kontaktlinsen... Vicky geht es morgens nicht viel anders, denn sie reibt sich die Augen, irgendwie ist alles etwas falsch. Was ist nur mit ihrer Oma passiert? Sie ist gar nicht mehr so schrill und gibt im B&B den Ton an, statt sich bedienen zu lassen! Langsam begreift Vicky, dass sie im Schlaf in ein Paralleluniversum gesprungen ist, ohne es zu merken. Hier kleben Vicky und Konstantin wie die Kletten aneinander und Pauline und Niklas sind ganz schön genervt von ihnen. Als die Abstände zwischen den Sprüngen in die Parallelwelten von Konstantin und ihr immer kürzer werden, wird ihnen langsam klar, dass sie manipuliert werden. Doch von wem, warum und wie? Wie können die eingeweihten Freunde plus Tante Polly und Frank, verhindern, dass Vicky und Konstantin in einem Paralleluniversum feststecken? Ach ja, Pollys und Franks Hochzeit steht an und alles Kopf!

Mit der ersten Zimt-Staffel habe ich geliebäugelt, so sehr, dass ich sie meiner Tochter geschenkt habe, die sie verschlungen hat. Ich kannte bisher nur das Spin-off von Lina und der Sache mit den Wünschen, ebenfalls gelesen von Christiane Marx. Während ich mich mit Linas Geschichte anfangs etwas überfordert fühlte, bin ich nun ohne Probleme in das Universum der Weltensprünge eingetaucht. Na ja, nicht ganz ohne Probleme, ich hätte so gerne Pauline bei der Hand genommen und ihr mal erklärt, dass gut Ding Weile braucht und man sich mit der Kontaktlinsengewöhnung Zeit lassen muss. Also bitte nicht auf so dumme Gedanken kommen und nicht so schnell aufgeben! Aber das nur am Rande, denn es dreht sich ja nicht alles um Paulines, obwohl sie echt leidet und ich mit ihr! Auch Vickys Mutter leidet irgendwie, denn sie würde gerne die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester Polly planen, doch obwohl der Termin quasi vor der Tür steht, hat diese ständig neue Ideen! Tante Polly und ihr Zukünftiger Frank haben die Weltenspringerei von Vicky und Konstantin zu verantworten, die so streng geheim ist, dass ihre Eltern nichts davon ahnen. Dennoch müssen sie es nun zwischen all den Hochzeitsvorbereitungen schaffen, diese Sache wieder in den Griff zu bekommen und den Schuldigen Schach matt zu setzen. Gar nicht so einfach, wenn man ständig aus seiner eigenen Welt gerissen wird und plötzlich mit seinem anderen Ich den Platz tauscht und dann das andere Ich einige ziemlich erschreckende Dinge tut!

Wie gesagt, ich kenne Staffel 1 nicht, aber dennoch habe ich mich prima zurecht gefunden, allerdings kamen Vicky und Konstantin, sowie Pauline und Niklas, ebenso wie das B&B bereits im Lina-Spin off vor. Auch hier kommt es zum Crossover, denn Lina, ihr Freund Vinzent, sein Zwillingsbruder Arthur und Freundin Delia tauchen auf auf, denn immerhin hat die Mutter von Vinzent und Arthur das Catering übernommen und bringt gleich noch ein paar erfahrene Helfer mit. Bei der Hochzeit eines so exzentrischen Paares, sollte ja jemand einen kühlen Kopf bewahren. Das ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, was Vickys Großeltern als nächstes wieder anstellen könnten. Wobei, die sind teilweise so dreist, dass mir im Leben nie einfiele, was die zwei sich da mal wieder leisten. Da braucht man Nerven wie Stahlseile! Eigentlich kann sich Vicky bei den Großeltern gar nicht daneben benehmen! Ein herrliches Chaos, inmitten des Versuchs Vickys und Konstantins Springerleben wieder in den Griff zu bekommen. Das ist einfach Trubel pur, mit Herzklopfen und geheimnisvoll magischer Spannung!

Sehr gut findet meine Tochter (fast 15) dass die 15-jährige Vicky Wert darauf legt, ihre übrigen Freundschaften, insbesondere die zu Pauline, nicht zu vernachlässigen. Sie möchte nicht an Konstantin kleben und sich auch noch für andere Dinge interessieren und nicht nur Pärchengedöns oder Doppeldates. Dadurch dass die vier allerdings das Geheimnis der Weltensprünge kennen und dokumentieren, verbringen sie doch recht viel Zeit miteinander, bei der Erforschung dieses Mysteriums. Das bringen Geheimnisse und komplizierte Zusammenhänge nun mal mit sich, da ist Vicky ganz auf Paulines schlaues Köpfchen angewiesen! Sie findet es sehr gut, dass sich das Geknutsche in dieser Welt in Grenzen hält und Vicky sich gerne Zeit mit ihrer Beziehung lässt. Romantik ja, Sex nein! Ich finde das auch absolut passend und angemessen für die Zielgruppe! Richtig schön!

Die Aufmachung der ersten Auflage ist wieder der Hammer! Auch Staffel 1 war optisch ein Highlight, aber bei Staffel 2 ist es dem Verlag gelungen, die Erstauflage ebenso spektakulär und doch anders zu gestalten, so dass man sieht, dass sie zusammengehören, aber doch auch wieder nicht! Der farbige Schnitt mit Streublümchen passend zum Cover und den Vignetten ist einfach wunderschön! Auch die Hörbuchhülle greift dieses Thema richtig klasse auf!

Gut Sprecherin Christiane Marx ist nicht mehr 15, aber das Tolle an ihrer Stimme ist, dass man es ihr überhaupt nicht anhört! Absolut glaubhaft verkörpert sie die junge, frisch, verliebte etwas verpeilte, aber stets sympathische Vicky, in jeder Lebenslage! So habe ich nicht nur mit Pauline mitgelitten, sondern auch mit Vicky und das nicht nur wegen ihrer Großeltern! Absolut kurzweilig hat sie mich bestens mit ihrer lebendigen, jugendlichen Art unterhalten!

Ein gelungener Staffelauftakt, absolut geeignet für Neueinsteiger und ein Muss für Fans von Staffel 1!

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Eine Geschichte, die unter die Haut geht!

Als die Welt uns gehörte
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Wien 1936 an Leos 9. Geburtstag geht für ihn ein langgehegter Traum in Erfüllung: mit seinen zwei besten Freunden Max Huber und Elsa darf er mit seinem Vater dem Fotografen Grünberg auf den Prater im Riesenrad ...

Wien 1936 an Leos 9. Geburtstag geht für ihn ein langgehegter Traum in Erfüllung: mit seinen zwei besten Freunden Max Huber und Elsa darf er mit seinem Vater dem Fotografen Grünberg auf den Prater im Riesenrad fahren. Sein Vater hält mit dem Fotoapparat diesen Augenblick vollkommenen Glücks für sie fest: die drei Freunde innig vereint über den Dächern ihrer Stadt, als Könige und Königin von Wien! Sie schwören sich ewige Treue, noch ehe sie zufällig das englische Zahnarztpaar Dr. Stewart beim Rumalbern kennenlernen. Kurz darauf ist ihre glückliche Kindheit vorbei. Elsas jüdische Familie geht aus Angst vor den Nazis nach Prag, zum völligen Unverständnis der Jungs. Max wird von seinem Vater, der durch die Nazis endlich wieder Arbeit hat, verboten mit dem jüdischen Jungen Leo zu spielen. Die einstigen Freunde des stets gut gelaunten, charmanten Fotografen deportieren ihn und Leo muss seinem Vater versprechen, dass sie Österreich schnellstmöglich verlassen. Doch ohne jemanden, der sich im Ausland für sie verbürgt, dürfen Leo und seine Mutter nicht ausreisen. Da fällt Leo der schönste Tag seines Lebens wieder ein. Max steigt immer weiter bei den Pimpfen auf und Elsa ist selbst in Prag nicht mehr sicher....

Liz Kessler, die vor allem für ihre Meermädchen Emily Geschichten bekannt ist, erzählt hier die Geschichte ihres Vaters, der 1939 mit seinen Eltern die Tscheslowakei verließ und nach England emigierte, dank eines Vorfalls und Dankesbriefes für einen wunderschönen gemeinsam verlebten Tag. Auch in Elsas Geschichte finden sich Schicksale von Familienmitgliedern der Autorin wieder, oder auch Überlegungen, was denn gewesen wäre wenn. Max Huber jedoch ist fiktiv, er soll sich der Überlegung annähern, was das damals eigentlich für Menschen waren, die als Nazis aktiv waren, oder einfach nichts unternommen haben. Sein Aufstieg vom Aussenseiter zum Anführer, aber auch das Leid und die Ausgrenzung seiner jüdischen Freunde verdeutlicht die krassen Gegensätze. Nicht allen ging es schlecht, einigen ging es besser, als je zuvor.... Die Kontraste könnten nicht extremer sein. Während Leo in England endlich in Sicherheit ist, traut er dieser aber noch nicht und fühlt sich unendlich fremd. Elsa hingegen findet in Prag mit Greta eine Freundin, die ihr Halt gibt und ein Gefühl von Heimat. Doch es fehlt die Sicherheit. Aber auch in den bittersten Momenten, als die Flucht in Ausland scheitert, weiß sie doch immer Greta an ihrer Seite. Das mutigste Mädchen der Welt, dessen Traum es ist eines Tages Widerstandskämperin zu werden, während Elsa sich nichts sehnlicher wünscht, als Hausfrau und Mutter zu werden. Alle drei Freunde erzählen ihr Schicksal aus ihrer Perspektive und haben jeweils ihren eigenen Sprecher. So kann man ganz tief in ihre Gedanken und Gefühle eindringen. Man spürt ihre Angst, ihre Hoffnung, ihren Hunger, sowie ihre Sehnsucht nach Anerkennung. Nichts wünscht Max sich mehr, als die Anerkennung seines unbarmherzigen Vaters, eines strammen SS-Mannes. Man begleitet die drei Freunde auf ihren getrennten Wegen durch den Krieg, den sie nicht alle überleben werden. Das finde ich wichtig zu erwähnen, da das Hörbuch ausdrücklich mit einer Triggerwarnung versehen ist, aufgrund der dargestellten Unmenschlichkeit, die den Betroffenen widerfährt.

Also, ich finde alle vier Sprecher hervorragend, aber nicht alle die optimale Besetzung. Wenn ich vier Sprecher auswähle, würde ich immer, wenn möglich, zwei männliche und zwei weibliche Stimmen wählen, das macht es für Zuhörer viel einfacher die Stimmen den Rollen zu zuordnen, als 3 männliche und 1 weibliche Stimme! Julian Greis finde ich einen großartigen Sprecher für Kinder- und Jugendhörbücher. Nicht nur dass er lebendig und emotional spricht, er klingt als 9 bis 16 jähriger Junge absolut glaubhaft. Fritzi Haberlandt hat eine so markante Stimme, da hebt sich jede andere weibliche Stimme automatisch von ab, sie hat einen mega-Wiedererkennungseffekt. Als 8 jährige Elsa, finde ich sie dennoch nicht so authentisch, wie als 15-Jährige, aber ok. Als Erzählerin hätte ich sie mir aber auch super vorstellen können. Hier wird die Geschichte von Liz Kesslers Großvater erzählt, aus Liz Sicht, daher fände ich eine weiblich Erzählerin absolut legitim und eine noch jüngere Stimme hätte Elsa übernehmen können. Friedhelm Ptok ist ein sehr souveräner Erzähler, nur dass ich mir aus gegebenem Anlass eine Erzählerin gewünscht hätte. Auch Walter Kreye ist über 80 Jahre alt. Ehrlich, es gibt so viele Einsatzmöglichkeiten für Stimmen von erfahrenen, erwachsenen Männern, sie regieren die Welt, warum um alles in der Welt, soll solch eine Stimme, den Part eines 8 bis 16 Jährigen übernehmen? Das hat mich immer ein wenig aus der Illustionswelt gerissen. Da diese teilweise sehr unbarmherzig und grausam ist, mag das vielleicht ganz gnädig sein, aber dennoch suboptimal. Vier Topsprecher, aber nicht immer in der Rolle ihres Lebens. Das finde ich echt schade, weil diese Geschichte es wert ist, gehört zu werden. Gerade als Hörbuch bietet es sich für die ganze Familie an, so dass man gleich das Gehörte gemeinsam diskutieren und verarbeiten kann, so ist es für Kinder ab 12 Jahren besser zu verkraften. Gerade das jiddische Lied zum Schluss macht die Wahl als Hörbuch statt Buch so empfehlenswert und noch persönlicher.

Ein Hörbuch, dass unter die Haut geht, zu einem Thema, das aktueller ist, als mir lieb ist.

4 von 5 Sternen, weil ich mit 2 Sprechern nicht glücklich bin.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Interessantes Märchenexperiment

Future Fairy Tales – Geschichten aus einer anderen Welt
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Wie wird die Zukunft des Lesens und der Bücher aussehen? Wird es noch Märchen geben, wenn die Welt komplett digital ist? Was wird man sich erzählen und wie? Diesen Fragen geht Holly-Jane Rahlens in diesem ...

Wie wird die Zukunft des Lesens und der Bücher aussehen? Wird es noch Märchen geben, wenn die Welt komplett digital ist? Was wird man sich erzählen und wie? Diesen Fragen geht Holly-Jane Rahlens in diesem experimentellen Märchenband nach. Die klassische Märchenerzählform wird aufgehoben und ihre bekannte Themen umgeschrieben auf eine neue Zeit und neue Form hin, allerdings immer noch erkennbar. Anschließend folgt auf jedes Märchen eine fiktive Literaturbesprechung. Erzählt werden: Dornröschen, Aschenputtel, Rapunzel, Hans im Glück, Rotkäppchen, Schneewittchen, Hänsel und Gretel, Der süsse Brei, Der Froschkönig und Sterntaler. In der Einführung gibt es fiktive Erläuterungen zum Werk, das eine Jubiläumsausgabe sein soll, und in der Zukunft als Hommage an nicht mehr existente gedruckte Bücher, auch im Andenken an Johannes Guttenberg herausgebracht werden wird. Dies hat auch Auswirkung auf die Erzählweise und die Grammatik, denn je nachdem wo man lebt, ob in den Städten oder im Wald, ist die Sprache anders und die Lebensbedingungen sind es auch. Über das Gendern wird nicht mehr diskutiert, die Sprache ist neutral, aber ohne Sternchen.

Einige dieser Märchenexperimente haben mir sehr gut gefallen, andere nicht, was auch an den Erzählweisen lag. Dornröschen als Reality-TV-Experiment war mir zu schräg und unromantisch und irgendwie fand ich es auch sperrig. Aschenputtel als Bloggeschichte fand ich aber wirklich amüsant und modern und mit einem besonderen Pfiff. Auch die Rapunzelvariation gefiel mir und die spukige Hänsel und Gretel Variante in Form eines Zeitungsartikels. Der süsse Brei in Liedform war für mich befremdlich, schon weil ich das Märchen dazu nicht kannte, während mir der Froschkönig in Drehbuchformat echt zu sperrig war und zu technisch, so daß ich es tatsächlich abgebrochen habe. Hans im Glück ist mir überhaupt nicht im Gedächtnis geblieben, während auch Schneewittchen nur eine blasse Erinnerung zurück gelassen hat. Sterntaler als Reise-Vloggerin hat mir allerdings wiederum sehr gut gefallen. Da konnte ich auch den Geist des ursprünglichen Märchens wieder entdecken. Ich fand es auch deutlich emotionaler als Schneewittchen, das ich eigentlich als Märchen ebenso mag, wie auch den Froschkönig. Durch die Drehbuchsicht gingen mir aber beim Froschkönig und Dornröschen zu viele Emotionen verloren, weil man automatisch einen distanzierteren, beobachtenden Blick einnimmt.

Einerseits fand ich diese Transformation in eine andere Zeit und Welt sehr reizvoll, aber solange fiktive Literaturbesprechungen hätte ich echt nicht gebraucht, der Reiz des Neuen war dann schnell aufgebraucht. Auch die Illustrationen waren leider nicht so märchenhaft, wie ich es mir gewünscht hätte und ich mag meine Märchen auch gerne mehr bebildert. Die sprachlichen Kniffe zum Vermeiden des Genderns durch Partizipien (?) indem ich z.B. Studierende nehme, statt Studenten, haben meinen Sprach- und Lesefluss allerdings nicht beeinflusst und kamen meistens ganz natürlich und modernisierten so dezent die Sprache.

Einige der Heldinnen in diesen fiktiven Neufassungen sind echt stark und vermitteln nicht Prinzessinnenliebreiz sondern echte Power und ein starkes Gefühl. Schade, dass sich die Märchen hier in ihrer Ausdruckskraft für mich ganz stark unterscheiden. Ich hätte nicht gedacht, dass die Blog/Vlog-Form des Erzählens mich so sehr mehr ansprechen würde, als zum Beispiel die Zeitungsberichterstattung.

Diese Märchensammlung ist erfrischend anders, aber leider nicht durchgängig überzeugend!

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