Trauer, Wut und viel zu viele Drogen
Weird GirlsGráinne O'Hare erzählt in „Weird Girls“ die Geschichte der Freundinnen Maggie, Harley und Róise die gemeinsam in Belfast in einer WG leben und den Verlust ihrer 4. Freundin im Bunde, Lydia, auch ein Jahr ...
Gráinne O'Hare erzählt in „Weird Girls“ die Geschichte der Freundinnen Maggie, Harley und Róise die gemeinsam in Belfast in einer WG leben und den Verlust ihrer 4. Freundin im Bunde, Lydia, auch ein Jahr nach ihrem plötzlichen Todnicht verarbeitet haben.
Erzählt wird die Geschichte dabei im Wechsel aus den 3 Perspektiven, wodurch wir Leser:innen einen guten Gesamteindruck über das Leben in der WG und auch außerhalb bekommen.
Ich habe O‘Hares recht sprunghaften, schnellen und sehr bildhaften Schreibstil beim Lesen geliebt und musste mehrmals ob der, teilweise bizarren Situationen in die sich die Mädels bringen lachen. Dadurch ist das Buch extrem kurzweilig und mir kamen die knapp 320 Seiten viel kürzer vor.
Ich mochte die 3, auch wenn ich mich nun so gar nicht mit einer von ihnen identifizieren kann. Aber das muss für mich auch nicht zwangsläufig gegeben sein um einen Roman zu genießen.
O‘Hare macht in ihrem Debüt vor fast keinem Thema halt, egal wie heikel oder gesellschaftlich Tabuisiert (Abtreibung, Drogen, etc pp) und so sehr ich das einerseits feiere, dass hier offen über alles gesprochen wird, so sehr empfand ich den Drogen Part als einfach „way too much“. Ich habe keine Ahnung, ob das in irgendeiner Weise realistisch für irgendjemanden ist, aber die Frauen sind eigentlich immer auf irgendeiner Party und schmeißen sich irgendetwas ein/ziehen es durch die Nase und kippen darauf dann noch Unmengen an Alkohol. Trotzdem gehen sie alle einem mehr oder weniger geregeltem Leben mit Job, Dates und Familienbesuchen nach.
Das war mir dann doch irgendwann einfach zu viel Party, Party, Party. Ja, es gibt einiges was sie aufarbeiten müssen, aber dass das auf den ersten Blick nur durch „sich betäuben“ zum Ausdruck gebracht wird... Puh. Schwieirg.
Gerade der mittlere Teil des Buches zog sich dann von einer Stroposkop Lich und Heroin geschwängerten Nacht zur nächsten. An irgendeinem Punkt wusste selbst ich beim Lesen nicht mehr genau wo wir denn da gerade waren.
Auf der anderen Seite haben wir hier einen stellenweise sehr feinfühligen Roman über Verlust und Trauerbewältigung (auch wenn Drogen niemals eine gute Art sind um irgendetwas zu bewältigen!!!).
Der Schmerz und die Zerrissenheit der Frauen war beinahe spürbar.
Und auch, wenn sich in „Weird Girls“ vordergründig viel ums Party machen dreht und den nächsten Rausch, der so beiläufig angegangen wird, wie ich mir gerade eine Tasse Tee geholt habe, so werden doch auch einige wichtige Fragen aufgeworfen. Fragen über Tod und Trauer und auch darüber ob man wütend auf die Verstorbene sein darf. Ob man ein schlechtes Gewissen haben sollte, weil man zum Zeitpunkt des Todes zerstritten war? Wichtige Fragen eben, mit denen sich Maggie, Harley und Ròise auseinander setzen müssen.
Dabei ist das Buch aber nicht einfach tot traurig, sondern wie bereits erwähnt stellenweise wirklich witzig, absurd und liebenswert. Einfach wie das Leben.
Ihr merkt, ich bin ein wenig zerrissen wie gut ich das Buch nun letztendlich finde.
Ein volles 5 Sterne Buch ist es auf keinen Fall, aber nur 2 oder 3? Dafür hat es mir zu viel Spaß gemacht zu lesen.
Ich hätte mir gewünscht, dass einige der Party Exzesse dann einfach gekürzt worden wären, um einer realistischen Charakterentwicklung platz zu machen.
Und auch, wenn ich nicht 100% alles toll fand ist „Weird Girls“ aber auf jeden Fall genau das was es verspricht: Wunderbar weird!