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Veröffentlicht am 06.09.2025

Ein sanfter Einstieg in die Welt der echten Selbstfürsorge, statt Wohlfühlklischees

Echte Selbstfürsorge ist eine radikale Entscheidung für dich selbst
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In Nina Moutons Buch geht es um echte Selbstfürsorge und damit meint die belgische klinische Psychologin und Psychotherapeutin nicht wirklich ein heißes Bad oder eine Tasse Tee.
Sie zeigt, dass Selbstfürsorge ...

In Nina Moutons Buch geht es um echte Selbstfürsorge und damit meint die belgische klinische Psychologin und Psychotherapeutin nicht wirklich ein heißes Bad oder eine Tasse Tee.
Sie zeigt, dass Selbstfürsorge bedeutet, zu sich selbst zu stehen, Grenzen zu setzen, sich mit alten Verletzungen aus der Kindheit auseinanderzusetzen und im Einklang mit sich und seinen Bedürfnissen zu leben.
Das Buch ist in kürzere, leicht verdauliche Kapitel unterteilt, die Raum lassen, das Gelesene wirken zu lassen. Moutons Sprache ist angenehm verständlich, verzichtet weitgehend auf unverständlicheFachbegriffe und eignet sich daher gut für Einsteiger:innen in das Thema.
Wer sich schon länger damit beschäftigt, wird zwar vieles wiedererkennen, doch gerade diese Erinnerungen können hilfreich sein, denn im hektischen Alltag gerät die Fürsorge für sich selbst schnell in Vergessenheit (Geht zumindest mir immer wieder so)
Für meinen Geschmack hätte die Autorin manche Aspekte gern noch etwas vertiefen können. Stattdessen nehmen die Zitate und Erfahrungsberichte von Kursteilnehmer:innen viel Raum ein, die mich teilweise eher an Werbung für Moutons Onlinekurse erinnert haben.
Ein Highlight sind die Illustrationen von Eva Mouton, der Schwester der Autorin. Sie fangen die Themen auf eine erstaunlich treffende und einfühlsame Weise ein, oft dachte ich beim Betrachten: Ja! Genau so fühlt es sich in meinem Kopf an!
Fazit:
Ein empfehlenswertes Buch für alle, die einen ersten Zugang zum Thema Selbstfürsorge suchen, ihr Wissen auffrischen möchten oder einen sanften Anstoß brauchen. Wer hingegen tiefgehende Analysen oder detaillierte Fachinhalte erwartet, könnte enttäuscht sein. Für einen klaren, motivierenden Überblick ist es jedoch ideal.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Ein Roman mit Sogwirkung, der viel anreißt und doch leider zu flach bleibt

Heimat
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Hannah Lühmanns Schreibstil gefällt mir sehr gut. Nahezu berichtartig schreibt sie über die Kleinstadt und das Leben dort. Dadurch entwickelt der Text eine Sogwirkung, der ich mich nicht entziehen konnte. ...

Hannah Lühmanns Schreibstil gefällt mir sehr gut. Nahezu berichtartig schreibt sie über die Kleinstadt und das Leben dort. Dadurch entwickelt der Text eine Sogwirkung, der ich mich nicht entziehen konnte. Das Buch liest sich schnell und flüssig. Sicherlich passt diese Art zu schreiben nicht zu jedem Stoff, hier empfand ich sie aber als sehr gelungen.
Der Klappentext ließ mich auf eine wirklich spannende Geschichte hoffen: eine Protagonistin, die hin- und hergerissen ist zwischen ihren Idealen und ihren neuen Freundinnen, allen voran Karolin, die als traditionelle Hausfrauen, sogenannte „Trad-Wives“ ein völlig anderes Leben führen.
Grundsätzlich kommt das auch so vor. Allerdings war von Janas eigenen Idealen für mich wenig zu spüren. Ganz im Gegenteil: Sie ließ sich viel zu einfach in die Vorstellungen ihrer Freundinnen hineinziehen und schien in erster Linie allen gefallen zu wollen. Da hätte ich mir mehr inneren Kampf und auch äußere Reibungen gewünscht.
Clever stellt Lühmann Jana mit Karolin ein Gegenstück an die Seite: Jana, die in der Neubausiedlung mit modernen Annehmlichkeiten lebt, und Karolin, die im Haus im Wald mit ihrem Partner alleine für die Kinder sorgt (außer die schulpflichtigen). Auch hier hätte ich mir allerdings mehr Spannung zwischen den beiden erhofft.
Generell wirken die Figuren für mich etwas zu blass und handeln aus meiner Sicht nicht immer nachvollziehbar (zB Warum das dritten Kind? Warum lädt Noah Schüler:innen ein?). Immer wieder werden Dinge angedeutet, die später aber nicht mehr aufgegriffen werden und im Sande verlaufen (zb Der Kommentar von Karolins ältestem Sohn bei Jana, Noahs Schüler:innen die zu Besuch kommen). Dazu kommt, dass viel zu viele Themen für so wenig Seiten angerissen, aber nicht wirklich vertieft werden. Dabei wäre jedes einzelne davon wichtig und aktuell.
Ab einem gewissen Punkt war mir Jana als Hauptfigur kaum noch greifbar. Ihre Handlungen wirkten teils unlogisch, und von den im Klappentext erwähnten Idealen fehlte jede Spur. Das Ende hat mich dann endgültig verwirrt zurückgelassen.
Durch die berichtartige und doch poetische Sprache ist der Roman zwar sehr gut geschrieben, entfaltet Sogwirkung und liest sich schnell, verschenkt für mich aber zu viel Potenzial, um wirklich spannend zu sein. Viele wichtige Themen (wie die Rolle der Frau und Mutter oder häusliche Gewalt) werden nur angerissen und unkommentiert stehen gelassen. Schade, ich hatte mir nach dem Klappentext deutlich mehr erhofft.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Ein wilder Ritt

Gym
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In Verena Keßlers Roman Gym begleitet man eine Protagonistin, deren Namen man nie erfährt. Was man stattdessen aus nächster Nähe kennenlernt, ist ein Kopf und zwar einer, der in einer Welt voller „Höher, ...

In Verena Keßlers Roman Gym begleitet man eine Protagonistin, deren Namen man nie erfährt. Was man stattdessen aus nächster Nähe kennenlernt, ist ein Kopf und zwar einer, der in einer Welt voller „Höher, Schneller, Weiter“ gefangen zu sein scheint. Die Geschichte taucht tief ein in eine obsessive Innenwelt, die von Selbstoptimierung, Körperkult und Leistungsdruck geprägt ist.
Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen zynischen,vielleicht sogar leichtfüßigen und humorvollen Text erwartet, eine bissige Abrechnung mit der Fitness-Gym-Welt und deren Idealvorstellungen. Und ja, an vielen, vielen Stellen blitzt das durchaus auf. Aber wer sich auf leichte Unterhaltung mit ein bisschen erhobenem Zeigefinger einstellt, wird überrascht. Gym ist kein ironischer Seitenhieb, es ist vielmehr ein klug komponiertes Psychogramm. Das MEGA Gym nur eine Bühne für die Show der heutigen Leistungsgesellschaft.
Sympathisch war mir die Protagonistin nicht. Und trotzdem hat mich der klare, strukturierte, fast kalte Stil hineingezogen, mitten hinein in ihre Gedankenwelt. Ein Ort, den ich leider in Teilen nur zu gut kenne. Auch ich war mal Teil der Fitness-Bubble, auch ich hatte Angst um mein Aussehen, um mein Wirken, um meine vermeintliche Stärke und die Angst vor dem Verlust selibger. Es war nie so extrem wie hier, aber nah genug, um zu verstehen, wie sich diese Perspektive anfühlt.
Ich will gar nicht zu viel verraten, weil ich finde, dass gerade die Unvorhersehbarkeit ein großer Reiz des Buches ist und auch viele kritische Gedanken spoilern würden.
Am Ende blieb ich jedenfalls mit einem Gefühl zurück, das sich am ehesten so beschreiben lässt: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen? Das war ein wilder Ritt.

Warum „nur“ drei Sterne? Es ist ein Gefühl. Das Buch ist gut, keine Frage, aber es hat mich nicht so sehr gepackt wie andere. Die Hauptfigur bleibt sperrig, die Erwartungshaltung (bedingt durch den Klappentext) wurde für mich nicht erfüllt oder besser gesagt: auf eine Weise gebrochen, die mich in Teilen eher irritiert als begeistert hat.
Und trotzdem: Gym ist auf seine Art beeindruckend. Nur eben nicht bequem.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Sieben Tage, viele Fragen – Ein Thriller mit Holprigkeiten

Not Quite Dead Yet
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Ein Buch über eine sterbende Protagonistin, die ihren eigenen Mord aufklärt? Klingt spannend!
Eins vorweg: Ich habe bisher keines der Bücher der Autorin gelesen.
Der Schreibstil ist mitreißend, flüssig ...

Ein Buch über eine sterbende Protagonistin, die ihren eigenen Mord aufklärt? Klingt spannend!
Eins vorweg: Ich habe bisher keines der Bücher der Autorin gelesen.
Der Schreibstil ist mitreißend, flüssig und durchaus spannend. Nachdem man sich durch das für mich extrem wirre erste Kapitel gearbeitet hat, fliegt man beim Lesen förmlich durch die Seiten. Was das Beenden dieses Buches durchaus erleichtert hat (keine Sorge, dazu kommen wir noch).
Die Protagonistin Jet ist nicht das typische „good girl“, wie es wohl ihre Vorgängerin dem Titel nach war. Das macht sie interessant, und es hat mir wirklich Spaß gemacht, ihr zu folgen. Alle anderen Figuren? Leider blieben sie für mich blass. Keine bekam die Tiefe, die nötig gewesen wäre, um wirklich mitzufühlen. Und doch möchte man natürlich gemeinsam mit Jet ihren Mord aufklären. Immerhin hat sie nur noch sieben Tage Zeit.
Also begibt man sich mit ihr auf die Suche. Zunächst langsam, Spannung steigernd und dann. Ja, dann wird es leider immer unlogischer. Es gibt etliche Plotholes, in die unsere Hauptfiguren hätten fallen können. Das wäre nicht einmal schlimm, hätte es nicht zunehmend haarsträubendere Verwicklungen, „Zufälle“ und Situationen gegeben, bei denen man nur noch die Augen rollen konnte. Konkrete Beispiele lasse ich hier weg, um nicht zu spoilern.
Das ganze Buch liest sich ein wenig wie eine Telenovela auf Speed. Unterhaltsam, ja, das will ich gar nicht bestreiten, aber gerade gegen Ende, wenn sich alles zuspitzt, passieren so viele aus meiner Sicht unlogische Dinge, dass ich das Buch einfach nicht mehr ernst nehmen konnte. Vom etwas fragwürdigen Moralkompass einmal ganz abgesehen (der immerhin zu Jets Charakter passt).
Deshalb tue ich mich mit einer Bewertung schwer. Es hat mich bis zu einem gewissen Punkt gut unterhalten, und die Autorin kann definitiv schreiben. Aber es gab einfach zu viele Punkte, die mich irritiert oder gestört haben. Daher gibt es von mir „nur“ 2,5 bis 3 Sterne.

Das Buch ist sicherlich für jeden etwas, der einfach nur gute Unterhaltung möchte, ohne dabei allzuviel auf Logik und Realität geben zu müssen. Wer das einfach ausblendet, wird hier sicher seine Freude haben. Ab und zu darf es halt auch mal eine Telenovela sein, die unterhalten ja auch.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Wie unterschiedlich hätte dein Leben verlaufen können?

Im Leben nebenan 
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„Im Leben nebenan“ von Anne Sauer wirft viele Fragen auf. Nicht nur bei der Protagonistin, die sich plötzlich in einer alternativen Realität wiederfindet, in der sie mit Jugendfreund, der nun ihr Mann ...

„Im Leben nebenan“ von Anne Sauer wirft viele Fragen auf. Nicht nur bei der Protagonistin, die sich plötzlich in einer alternativen Realität wiederfindet, in der sie mit Jugendfreund, der nun ihr Mann ist und Baby noch immer in ihrem Heimatort lebt, sondern auch bei mir selbst: Warum ist sie da? Wie ist sie dort gelandet? Und vor allem: Wie würde man selbst fühlen, handeln, mit allem umgehen, wenn einem das passiert?
Während sich Antonia diesen Fragen stellt, dreht sich parallel ihr Leben als Toni in der Großstadt mit Freund und Job weiter um die große Entscheidung: Wollen wir Kinder? Kann ich auch ohne Kinder glücklich werden? Bin ich ohne eventuell sogar glücklicher?
Dabei bleibt das Buch bis auf den Bruch in Toni und Antonia absolut realistisch. Beide Leben entwickeln sich parallel, und ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt zu überlegen: Was ist nun besser? Schlechter? Um schließlich (für mich) zu dem Schluss zu kommen, dass beides eine Berechtigung hat und weder gut noch schlecht ist.
Der Schreibstil ist wundervoll klar und dadurch kraftvoll. Gefühle werden nicht nur beschrieben, sondern spürbar gemacht. Das erzeugt eine gewisse Sogwirkung beim Hören/Lesen.

Die Sprecherin transportiert beide Welten großartig und lässt dennoch erkennen, dass es sich um dieselbe Person handelt. Wie sie das so überzeugend schafft, ist mir ein Rätsel, aber es funktioniert hervorragend.
Was mich allerdings gestört hat: Antonia nimmt die neue Realität recht schnell hin. Ja, zu Beginn sucht sie noch nach ihrem alten Leben und der Start ist für sie alles andere als einfach, aber irgendwann akzeptiert sie die Situation dann doch fast widerstandslos. Natürlich stellt sich die Frage: Was will man sonst auch machen? Doch für meinen Geschmack gab es zu wenige Erklärungen.
Und genau da bin ich gespalten: Einerseits ist es gut so, die Geschichte zeigt, wie unterschiedlich Tonis Leben hätte verlaufen können, ohne sich in Begründungen zu verlieren. Andererseits wirkt es dadurch für mich ein wenig zu oberflächlich, um ein Highlight zu werden. Aber das ist völlig in Ordnung. Ein Buch muss nicht perfekt sein, um zum Nachdenken anzuregen.

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